Kunden em pfehlungen
Rezensionen von melanie82:
Eine jüdische Familiengeschichte
Isidor von Shelly Kupferberg
Ich mag die Bücher von Diogenes sehr gerne und bin dabei schon auf einige sehr besondere Werke gestoßen. „Isidor“ ist definitiv auch ein solches. In ihrem Buchdebüt schildert Shelly Kupferberg die Lebensgeschichte ihres Urgroßonkels Dr. Isidor Geller, der einen unglaublichen Aufstieg in die Wiener Oberschicht geschafft hat, bis die Nazis an die Macht kommen.
Zunächst ist er davon überzeugt, dass ihm keiner etwas anhaben kann, aber die Geschichte zeigt auf, dass er sich hier geirrt hat. Die Autorin schafft es, die Familiengeschichte lebhaft und transparent darzustellen und hat bei mir als Leserin an vielen Stellen eine bedrückende Atmosphäre erzeugt. Auch wenn die geschichtlichen Hintergründe an sich natürlich bekannt sind, sind es doch immer wieder die Einzelschicksale, anhand derer sich dennoch eine besondere Betroffenheit widerspiegelt. Große Empfehlung!
Die Sache mit den Zielen
Warum Ziele Quatsch sind - und wie wir sie trotzdem erreichen von Stefan Frädrich
Ich fand den Titel des Buches mit dem darin direkt angesprochenen Widerspruch sofort interessant und war gespannt, welche neuen Ansichten und Vorgehensweisen aufgezeigt werden, da ich durchaus öfters sowohl selbst die Erfahrung mache, aber auch bei anderen beobachte, dass man vor lauter Zielen vom Weg abkommt und sich darin verfängt.
Der Autor stellt den Dreiklang aus Ziel, Sinn und Weg ins Zentrum. Leider rutscht es für meinen Geschmack teils etwas in Plattitüden ab und man merkt deutlich, dass er sehr aktiv als Speaker und Coach ist - wenn man das live hört, entfalten viele Thesen natürlich eine ganz andere Wirkung als beim ruhigen Lesen, wobei man ja auch viel kritischer hinterfragt. Vieles hat man natürlich auch an anderer Stelle bereits gehört. Nichts desto trotz konnte mir das Buch einige neue Impulse zum Nachdenken geben.
Eigentlich ein toller Roman, der aber stellenweise etwas zu viel will
Der schönste Zufall meines Lebens von Laura Jane Williams
Das Cover und der Klappentext haben für mich einen unterhaltsamen, leicht seichten Urlaubsroman erwarten lassen, den man mal eben nebenher liest. Das ist auch in vielerlei Hinsicht der Fall - das Buch ist locker geschrieben, man kann es schnell und einfach lesen. Nicht erwartet habe ich aber die zusätzliche Ebene und wie ich finde teils erzwungene Ebene, die über den Plot mit der Dreiecks- bzw.
Vierecksgeschichte steckt und die teils etwas viel ist und zu konstruiert wirkt. Penny hat eine Krebserkrankung überstanden, in Bezug auf Männer ist sie unsicher, auch da sie während ihrer Krankheit von ihrem damaligen Partner verlassen wurde und sie das Muster aus ihrer Kindheit kennt - das scheint aber irgendwie teils auch als Rechtfertigung zu dienen, wie sie sich in ihrem entstehenden Gefühlschaos gegenüber den beteiligten Männern verhält. Für mich hat das den Charakter unnötigerweise etwas unsympathisch gemacht und man hätte das sicher anders lösen können. Ihr Gefühlschaos fand ich am bzw. kurz vor dem Ende auch nicht ganz logisch aufgelöst. Alles in allem will der Roman leider teils etwas viel und die Häufung der Themen kippt etwas. Nichtsdestotrotz hat mich das Buch aber in jedem Fall unterhalten.
Wieder ein echter Volltreffer von Henssler!
Hensslers schnelle Nummer 2 von Steffen Henssler
Hensslers schnelle Nummer ist in der Corona-Zeit absoluter Kult geworden und das völlig zurecht. Er hat gezeigt, mit wie wenig Zutaten, Aufwand und Zeit man wirklich tolle, besondere Sachen zaubern kann und hat damit Lust auf mehr gemacht. Das erste Kochbuch zum Format musste ich daher unbedingt haben und koche noch heute gerne daraus.
Auch das zweite Buch steht dem in nichts nach. Der Untertitel „Das geilste Kochbuch der Welt“ klingt vielleicht sehr ambitioniert, aber wenn man erstmal reingeschaut und vor allem ein paar Rezepte ausprobiert hat, wird schnell klar, dass es definitiv keine schamlose Übertreibung ist. Das Versprechen sind maximal 15 Minuten pro Rezept, nicht mehr als 5 Zutaten und ein Video mit einer Anleitung. Das Inhaltsverzeichnis und die Auswahl der Rezepte sind vielseitig, teils klassisch (Chili con Garne, Käsespätzle etc.), dann aber auch mit einem gewissen Twist, teils ausgefallener - und das Wichtigste: immer lecker. Alles, was ich bisher ausprobiert habe, hat sowohl mir als auch den jeweiligen Mitessern super geschmeckt. Wer ein Kochbuch für jeden Tag sucht, das dennoch originell und besonders ist, macht hier definitiv nichts verkehrt. Klare Empfehlung!
Eine besondere Geschichte
Die karierten Mädchen von Alexa Hennig von Lange
Die Geschichte von der über 90jährigen Klara, die ihr Leben auf Kassetten aufnimmt und so darauf zurück blickt, hat mich tief bewegt. Das Buch ist nicht nur historisch begründet, sondern dazu auch noch eine wunderschöne Erzählung - ein Spagat, der oft bei ähnlichen Büchern scheitert, den Alexa Hennig von Lange mit „Die karierten Mädchen“ aber wunderbar meistert.
Das Buch spielt in der Zeit des Nationalsozialismus und geht zugleich auf die geschichtlichen Gegebenheiten, aber auch auf die ganz persönlichen Auswirkungen auf und die Gedanken von Klara ein, als diese erst nach und nach erkennt, mit wem sie sich eingelassen hat. Die Schreibweise hat mich in den Bann gezogen, sehr packend und persönlich und dadurch emotional. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen und freue mich bereits jetzt auf die noch folgenden Bände der Trilogie.
Eine italienische Familiengeschichte
An den Ufern von Stellata von Daniela Raimondi
Ich fand das Cover schon wunderschön und der Klappentext war auch vielversprechend - umso gespannter war ich auf das Buch selbst. Daniela Raimondis Epos ist schon durch die über 500 Seiten mächtig und der Inhalt ist es ebenfalls. Die Familiengeschichte nimmt seinen Lauf dadurch, dass Giacomo Casadio sein Herz verliert - der Beginn einer über sieben Generationen reichenden Erzählung.
Zu Beginn habe ich etwas gebraucht, ins Buch zu finden, aber der Schreibstil lässt den Leser mit der Zeit automatisch in die Geschichte eintauchen, nimmt einen mit und lässt einen nicht mehr los. Die einzelnen Charaktere - derer es wirklich viele gibt - sind differenziert dargestellt und die Eigenheiten werden stringent aufgebaut. Die Perspektivwechsel und die vielen Charaktere haben zwischendurch dazu geführt, dass ich noch einmal ein paar Seiten zurückblättern und nachlesen musste, aber je tiefer man eintauchte, desto weniger kam das dann vor. Vom Stil her erinnert es teils an die Saga von Elena Ferrante - wem ihre Bücher gefallen haben, der wird also sicherlich auch hier großes Lesevergnügen erwarten. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen!
Toller Sommerroman - und mehr als das
Kein Sommer ohne dich von Emily Henry
Das Cover hat für mich einen lockeren Sommerroman versprochen - und das ist es einerseits auch, aber es steckt auch mehr dahinter. Im Zentrum der Geschichte stehen die beiden Freunde Poppy und Alex, die seit dem letzten gemeinsamen Urlaub vor zwei Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben. Poppy fehlt ihr bester Freund und sie bittet ihn, nochmal mit ihr in den Urlaub zu fahren um alles zu klären.
Das Buch war sehr leicht und locker-flockig zu lesen, ohne dabei zu banal zu werden. Die Autorin schafft es, die Charaktere und deren Beziehung zueinander vielschichtig und durchdacht zu gestalten und eine nachvollziehbare Entwicklung zu gestalten. Sowohl Poppy als auch Alex waren mit beim Lesen sehr sympathisch. Man merkt gar nicht, wie man nur so durch die Seiten fliegt - ein wirklich tolles Buch für den Urlaub oder für entspannte Tage auf dem Balkon.
Geheimnisse aus der Vergangenheit
Das Haus der stummen Toten von Camilla Sten
Nachdem Eleanor den Mörder ihrer Großmutter noch auf frischer Tat bzw. bei der Flucht erwischt hat, diesen aber aufgrund ihrer Gesichtsblindheit nicht identifizieren kann, erfährt sie, dass sie einen Hof geerbt hat und macht sich gemeinsam mit ihrem Freund, ihrer Tante und einem Notar, der mit dem Erbe beauftragt ist, auf den Weg dorthin um alles abzuwickeln.
Schnell wird aber deutlich, dass der Hof mit einigen Familienverhältnissen behaftet ist und die Gruppe dort auch nicht alleine zu sein scheint. Es ist eigentlich eine ganz klassische Geschichte mit dem düsteren Familiengeheimnis hinter das Eleanor nach und nach kommt - dennoch hat die Story aber Potential. Ich fand jedoch, dass es sich nach dem Beginn etwas zieht und bei der Schilderung der Zeit auf dem Hof Längen entstehen. Gegen Ende, wenn sich alles dann auflöst, ist es wirklich spannend, wenn auch vielleicht sehr konstruiert. Die Schreibweise an sich hat mir sehr gut gefallen, auch die Charaktere sind sehr fein und gut gezeichnet. Für die Längen zwischendurch gebe ich etwas Abzug, ansonsten aber insgesamt empfehlenswert.
Gewohnt gut
Das Letzte, was du hörst von Andreas Winkelmann
Bei Winkelmann macht man irgendwie nichts verkehrt - seine Bücher und sein Schreibstil packen mich jedes Mal aufs Neue und auch „Das Letzte, was du hörst“ war hier keine Ausnahme. Schon ab der ersten Seite hat mich das Buch gepackt und ich konnte kaum aufhören zu lesen, wollte wissen, wie es weitergeht.
Den Plot fand ich spannend und originell und mit dem Thema Podcasts liegt er auch voll in der Zeit - bzw. er überträgt diesen Trend in den Fall und die Opfer haben bei ihrem Tod jeweils den Podcast von Marc Maria Hagen auf dem Ohr gehabt. Es sind immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit eingewoben, die erst im Verlauf des Buches klarer werden bzw. am Ende fügt sich schließlich alles schlüssig. Die Charaktere sind sorgfältig und differenziert dargestellt. Vielleicht ist die Auflösung etwas weit hergeholt, was die Verbindungen angeht, aber dennoch schlüssig. Klare Leseempfehlung, nicht nur für Winkelmann-Fans!
Bleibt leider hinter meinen Erwartungen zurück
Freunde. Für immer. von Kimberly McCreight
Nach „Eine perfekte Ehe“ war ich sehr gespannt auf „Freunde. Für immer.“, zumal der Klappentext wirklich vielversprechend klang. Leider blieb das Buch dann doch ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück. Ich kam nicht ganz in einen Lesefluss, die Charaktere blieben farblos, ich konnte keine Sympathien aufbauen.
Für meinen Geschmack wurde etwas viel mit Klischees bei der Personendarstellung gearbeitet. Es dauerte sehr lange, bis die Geschichte in Schwung kam, dann war es auch spannend - aber irgendwie zu spät. Die Auflösung des Plots kam dann sehr plötzlich, allerdings nicht in Form einer wirklich unerwarteten Wendung, was die Spannung sicher zusätzlich erhöht hatte, sondern es wirkte ein wenig so, als habe die Autorin dringend das Buch zu einem Ende bringen müssen. Schade, denn Potential war auf jeden Fall da und wenn es zwischendurch nicht etwas langatmig gewesen wäre, würde meine Bewertung in jedem Fall besser ausfallen. So war das Buch für mich leider nur durchschnittlich.











