Kunden em pfehlungen
Rezensionen von melanie82:
Leider nicht so gut wie der Vorgänger
Stadt des Zorns von Marc Meller
Ich hatte vor einiger Zeit „Raum der Angst“ förmlich verschlungen - originelle Story, die Schreibweise hat dazu geführt, dass man nicht aufhören konnte und Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Als ich dann gesehen habe, dass es mit „Stadt des Zorns“ einen zweiten Teil gibt, war klar, dass ich das auch lesen muss.
Leider kommt das Buch für mich aber nicht ganz an den Auftakt ran - im Zentrum steht wieder Janus, der dieses Mal ein Verkehrschaos in Köln inszeniert um Hannah in sein „Spiel“ zu bekommen. Natürlich ist auch Kommissar Kappler wieder dabei. Das Buch konzentriert sich auf diese drei Charaktere, die anderen bleiben flach. Die Story an sich ist auch originell und spannend, aber das letzte bisschen hat für mich gefehlt. Das Ende fand ich ein wenig unglaubwürdig und zu konstruiert. Auf jeden Fall gute Unterhaltung, aber an den Vorgänger kommt „Stadt des Zorns“ leider nicht ganz ran.
Spannender Abschluss der Reihe um Paul Herzfeld
Abgetrennt von Michael Tsokos
Endlich ein neuer True-Crime-Thriller von Tsokos - und wie immer enttäuscht auch „Abgetrennt“ nicht. Im Abschluss der Reihe um Paul Herzfeld ist dieser nach einer Auszeit wieder zurück in der Rechtsmedizin und steht einem besonderen Fall gegenüber: in einem privaten Medizin-Institut gibt es ominöse Leichenteile, die offenbar aus der Rechtsmedizin stammen.
Für Paul Herzfeld geht es aber nicht nur darum, wie diese Körperteile dorthin geraten sind, sondern vor allem steht er plötzlich seinem früheren Chef und Widersacher Prof. Schneider gegenüber….
Wer die anderen Teile der Reihe gelesen hat, dem wird der Abschluss sicher auch gefallen. Grundsätzlich ist es sicher auch ohne die anderen Teile zu verstehen, es fehlt dann aber eine zusätzliche Ebene. Besonders gut gefällt mir, dass es inhaltliche Bezüge zu echten Fällen gibt. Michael Tsokos schreibt wie immer klar, flüssig und vor allem anschaulich, was stellenweise für zarte Gemüter auch etwas gewöhnungsbedürftig sein kann. Aber für alle Fans natürlich ein absolutes Muss ;-)
Bedrückend und beeindruckend
Wie schön wir waren von Imbolo Mbue
Selten wird es so deutlich wie bei „Wie schön wir waren“, welche unglaubliche Macht Sprache hat. Nicht nur der Inhalt ist absolut packend und wirkt lange nach, sondern vor allem die kraftvolle Erzählweise. Im Zentrum stehen die Bewohner von Kosawa, die Angst vor der Auslöschung des Dorfes durch einen amerikanischen Ölkonzern haben.
Das Ackerland wurde durch Öllecks unfruchtbar, das Trinkwasser ist vergiftet, weswegen Kinder sterben, Versprechungen und finanzielle Reparationen werden nicht eingehalten und die Regierung ist korrupt und kümmert sich nur um eigene Interessen. Die Bewohner müssen sich also selbst wehren und von diesem Kampf erzählt das Buch. Das Thema betrachtet damit ein sehr ernstes und aktuelles Thema im Spannungsverhältnis von westlichem Profitstreben und Kolonialismus, dem der Mut und der Einsatz der Menschen entgegentritt. Zusammenhalt wie auch Ängste werden dem Leser in der Erzählung deutlich und bildhaft vor Augen gebracht und die realitätsnahe Erzählung hinterlässt ein bedrückendes Gefühl. Absolut lesenswert!
Wunderschöner, besonderer Roman
Junge mit schwarzem Hahn von Stefanie vor Schulte
Inhaltlich ist „Junge mit schwarzem Hahn“ alles andere als Mainstream - was natürlich schnell auch mal nach hinten losgehen kann und seltsam sein kann. Hier hat die Autorin Stefanie vor Schulte aber mit der Geschichte über den Jungen Martin, der nur seine Kleidung und einen schwarzen Hahn besitzt und der aufgrund seiner ungewöhnlichen Art von den Bewohnern des Dorfes gemieden, für mich absolut ins Schwarze getroffen.
Ich habe ein wenig gebraucht, einen Zugang zu der Geschichte zu finden, aber Martin hat mich schnell voll ins Herz getroffen und ich habe mit ihm gelitten, mich über das teils grausame Verhalten der anderen gewundert und geärgert. Die Andersartigkeit von Martin wird unglaublich liebevoll und detailliert geschildert und aufgearbeitet und dadurch wird die Geschichte zu einer ganz besonderen, die es sich absolut zu lesen lohnt - wenn man sich auf die sicher nicht ganz einfache Thematik und Stimmung des Buches einlassen will.
Szenen einer Ehe
Der Brand von Daniela Krien
In „Der Brand“ schildert Daniela Krien die Geschichte eines Paares, - Rahel und Peter - dem nach etwa 30 Jahren Beziehung die Liebe abhanden gekommen und sich vor allem Gewohnheit eingestellt hat. In einem gemeinsamen Urlaub wollen die beiden ausloten, was wirklich noch da ist zwischen den beiden und ob sie eine gemeinsame Perspektive haben.
Der Roman behandelt mit dieser Thematik sicherlich etwas, mit dem sich viele langjährige Paare identifizieren können - dass man sich über die Jahre voneinander entfernt, sich die Interessen unterschiedlich entwickeln und man sich dadurch verliert. Der Roman ist dabei tiefgründig, sicherlich keine Feel-Good-Literatur, aber er regt zum Nachdenken an. Die Emotionen der beiden Protagonisten werden differenziert geschildert, die eher kurzen und prägnanten Sätze untermalen die Geschichte. Daniela Krien hat einen wie ich finde wunderbaren Schreibstil, der hier voll zur Geltung kommt. Dabei geht es weniger um eine Fülle an Ereignissen, als um das „Wie“ der Erzählung, um die Stimmung und die Charaktere. Für mich ein wirklich toll umgesetztes Buch!
Solider Thriller
Ausweglos von Henri Faber
Das schlichte Cover und der Klappentext haben mich gleich neugierig gemacht und ich wurde nicht enttäuscht. „Ausweglos“ von Henri Faber ist ein absolut solider Thriller. Die unterschiedlichen Perspektiven sind gut gewählt und lassen gleich Spannung entstehen, vor allem natürlich auch durch das Einbeziehen des Täters.
Es gab zudem ein paar interessante Wendungen, die sich für mich gut in die Geschichte eingefügt haben. Die Kapitel sind schön kurz, dadurch entsteht ein schnelles Erzähltempo und man ist versucht, „nur noch ein weiteres Kapitel“ zu lesen - und schon ist man fast durch. Die sprachliche Gestaltung ist recht ausführlich, mit vielen aufmerksamen Details, die den Leser mit einbeziehen. Sicher ist die Story nicht wirklich einzigartig, aber alles in allem ein gutes, spannendes Debüt mit nur leichten Schwächen stellenweise.
Geheimnisse eines Dorfes
Der Sucher von Tana French
Ohne Zweifel schafft es Tana French, in „Der Sucher“ eine ganz besondere Stimmung herzustellen und den Leser direkt nach Irland zu befördern, die Atmosphäre förmlich greifbar zu machen. Der Protagonist Cal ist aus den USA nach Irland gezogen, lässt seinen früheren Job als Polizist hinter sich und möchte neu beginnen, was anfangs auch zu gelingen scheint.
Er renoviert sein Haus, macht erste Bekanntschaften, aber dann taucht immer wieder ein Kind - Trey - bei ihm auf, bei dem er zunächst nicht weiß woran er ist, das ihm zur Hand geht. Schließlich stellt sich heraus, dass Cal bei der Suche nach dessen verschwundenen Bruder helfen soll. Nicht nur, dass diese Suche deutlich macht, dass die Stadt und ihre Bewohner so einige Geheimnisse haben, auch sonst passieren seltsame Dinge.
Leider kam für mich erst auf den letzten ca. 100 Seiten, als sich die Suche nach dem verschwundenen Bruder zuspitzte und sich die Hintergründe etwas aufgeklärt haben, ein wenig Spannung auf. Der Rest habe ich als etwas langatmig empfunden, da z.B. die Schilderungen der Renovierungen an Cals Haus für mich die Geschichte nicht voran gebracht haben. Das Buch ist daher leider etwas hinter meinen Erwartungen zurück geblieben und hat das Potential der Story nicht ganz ausgeschöpft.
Ein etwas anderer Liebesratgeber
Finde deinen Seelenpartner von Pierre Franckh
Ich bin eher zufällig auf „Finde deinen Seelenpartner“ gestoßen und fand das Thema sehr interessant, obwohl ich selbst nicht auf der Suche bin und mich daher der Inhalt nicht direkt betrifft. Ich lese jedoch gerne Ratgeber auch ohne persönlichen Bezug, da ich finde, dass man doch meist interessante Aspekte entdeckt und einiges auf sich selbst übertragen kann.
Hier bin ich jedoch nach dem Lesen etwas zwiegespalten: ohne Zweifel gibt es einiges, das ich gut nachvollziehen und sehr interessant fand, so z.B. auch den Teil zu den Resonanzfeldern mit dem Gedanken, dass man durch den Bewusstseinszustand entscheidet, wen man in sein Leben zieht und wie sich die Beziehung entwickelt. An vielen Stellen rutscht mir das Buch allerdings zu sehr ab und wird esoterisch. Auch die Wiederholungen, die dazu dienen sollen, dass das Gesagte sich einprägt und sich verfestigt und die Art, wie der Autor den Leser anspricht, „kippt“ für mich persönlich schnell. Das ist aber wirklich individuell - ich bin sicher, dass es mehr als genug Leserinnen und Leser gibt, die genau diese Schreibweise toll finden.
Eine besondere Familiengeschichte über zwei Frauen
Wellenflug von Constanze Neumann
In „Wellenflug“ erzählt Constanze Neumann die Geschichte von zwei Frauen, deren Schicksal von der Geschichte und den Geschehnissen der Zeit ab dem späten 19. Jahrhundert geprägt sind. Annas Sohn Heinrich erfüllt deren Wünsche und Hoffnungen, die sie für ihren Erstgeboren hat, nicht: statt sich dem scheinbar vorgegebenen Leben seiner großbürgerlichen jüdischen Familie zu fügen, wendet er sich dem Nachtleben in Berlin zu und verliebt sich dabei in Marie, mit der er schließlich in die USA zieht.
Im Ersten Weltkrieg kommen sie zurück nach Deutschland, sind aber aus der Familie ausgeschlossen und kämpfen gegen die Widrigkeiten um ihr Überleben.
Obwohl die beiden Frauen Marie und Anna so unterschiedlich sind, schildert sie die Autorin beide so, dass man sich als Leser in beide hineinversetzen kann. Der Schreibstil zeugt von einer gewissen Distanz, nichtsdestotrotz hat mich das Buch nach anfänglichen Schwierigkeiten dann doch in seinen Bann gezogen. Die historischen Gegebenheiten sind sehr gut recherchiert und werden so mit der Handlung verwoben, dass man sich im Lesefluss in die Zeit hineinversetzt fühlt. Eine besondere Familiengeschichte über zwei unterschiedliche Frauen, die auf jeden Fall zu empfehlen ist.
Über das Hadern mit den eigenen Lebenszielen
Auszeit von Hannah Lühmann
In „Auszeit“ beschreibt Hannah Lühmann die Ratlosigkeit einer Generation um die 30, in der die Protagonistin ungewollt schwanger wird, ihr Baby abtreibt, seit langer Zeit an ihrer Doktorarbeit schreibt, aber nicht so recht weiß, was sie will, was ihr wichtig ist und wo ihr Leben hinführt. Eine Handlung gibt es kaum, vielmehr eine Beschreibung der Vorgeschichte und schließlich die Schilderung des Aufenthaltes in einem Ferienhaus im Wald mit ihrer Freundin Hanna.
Das hat es aber in sich: Hanna Lühmann schafft es unglaublich gut, die innere Zerrissenheit von Henriette darzustellen und förmlich spürbar zu machen - stets irgendwo zwischen Ratlosigkeit, Selbstzweifel, Selbstmitleid und Verzweiflung. Gerade zu Beginn habe ich etwas gebraucht, um reinzukommen, auch ist es kein Buch, das einen im klassischen Sinne fesselt - nichtsdestotrotz ist es aber eines, das einen zum Nachdenken bringt. Die Exkurse zu Henriettes Dissertationsthema, einer Abhandlung über Werwölfe, waren mir oftmals zu ausführlich, da dies keinen Mehrwert brachte, zudem kam das Ende etwas plötzlich. „Auszeit“ behandelt auf jeden Fall ein wichtiges Thema, die Umsetzung ist sicherlich Geschmacksache.











