Kunden em pfehlungen
Rezensionen von melanie82:
Besondere Familiengeschichte
Das Flüstern der Bienen von Sofía Segovia
In „Das Flüstern der Bienen“ schildert Sofia Segovia die Geschichte von Simonopio, der als Baby von einem Bienenschwarm umgeben unter einer Brücke gefunden wurde und von den Bewohnern der mexikanischen Stadt Linares misstrauisch aufgenommen wird. Simonopio wird von den Gutsbesitzern Francisco und Beatriz Morales aufgenommen und wie ihr eigenes Kind geliebt, während es jedoch nicht jeder gut mit dem stummen Jungen meint.
Die Geschichte an sich fand ich sehr interessant, jedoch hatte ich etwas Probleme, in einen Lesefluss zu kommen, da teils sehr viele Details geschildert werden, die nicht zwingend für den Verlauf der Handlung nötig sind. Gleichzeitig werden dadurch aber auch das Dorf und die zeitlichen Gegebenheiten anschaulich gemacht und man kennt eine solche Schreibweise auch von anderen lateinamerikanischen Werken. Wer das gerne mag, landet mit „Das Flüstern der Bienen“ sicherlich einen Volltreffer, aber auch allen anderen kann ich das Buch nur empfehlen, denn wenn man erst einmal die Einstiegsschwierigkeiten überwunden hat, ist es ein sehr warmherziges, tolles Buch mit wunderbar gezeichneten individuellen Charakteren.
Unterhaltsamer Wohlfühlroman
Ich dachte schon, du fragst mich nie von Gabriella Engelmann
Gabriella Engelmann ist für mich ein Garant für unterhaltsame Lesemomente, so dass ich mich sehr auf „Ich dachte schon, du fragst mich nie“ gefreut habe. Sophie Hartmann steht im Zentrum der Geschichte, in der einiges los ist - Liebeskummer bei der einen Tochter, falsche Männerwahl bei der Schwester und eine gebrochene Hand kurz vor der Restauranteröffnung bei der anderen Tochter.
Das Chaos nimmt also seinen Lauf, Sophie ist mittendrin und stößt bei aller positiver Einstellung doch an ihre Grenzen. Der Schreibstil ist locker, amüsant und transportiert die Geschichte unglaublich leicht und humorvoll, versäumt es aber dennoch nicht, auch eine gewisse Tiefe zu transportieren. Dabei macht das Buch direkt Lust auf Urlaub. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.
Brillanter Roman, der seiner Zeit voraus war
Die Beichte einer Nacht von Marianne Philips
In „Die Beichte einer Nacht“ schildert die niederländische Autorin Marianne Philips die Lebensgeschichte Heleens, die in einer Nervenklinik ist. Der Roman ist in der Ich-Perspektive geschrieben, indem Heleens ihr Leben einer Nachtschwester anvertraut und deren Aufmerksamkeit immer wieder einfordert.
Heleen berichtet dabei von ihrer Jugend mit vielen Geschwistern, der Verantwortung diesen gegenüber, ihren gesellschaftlichem Aufstieg, ihrer Ehe und schließlich die Zeit mit ihrer großen Liebe Hannes, die schließlich zu Eifersucht und Selbstzweifeln führt. Der Schreibstil ist schnörkellos, dabei unheimlich packend und hat mich sofort in den Bann gezogen. Es ist kaum zu glauben, dass das Buch bereits 1930 geschrieben wurde - auch heute ist es noch unglaublich aktuell und die psychologische Gestaltung der Protagonistin ist messerscharf. Man spürt die Schwierigkeiten und Hürden, die sie gerade als Frau auf ihrem Lebensweg hatte und ich war zutiefst berührt und beeindruckt von der Geschichte, die absolut zeitlos ist. Uneingeschränkt empfehlens- und lesenswert!
Weniger ist mehr
Sieben Quadratmeter Glück von Marion Hahnfeldt
Was braucht man wirklich im Leben? Wie viel Platz braucht man, wie viele Dinge? Und: mit wie wenig kann man eigentlich auskommen und was macht das mit einem? Diesen Fragen geht die Autorin in „Sieben Quadratmeter Glück: Mein Leben im Camper“ nach. Sie zieht in ein Wohnmobil, Marke Chateau, auf einen Campingplatz bei Hannover und schildert ihre Erlebnisse und Erfahrungen im Tagebuchstil.
Anfangs und auch zwischendrin begegnet sie allerlei Widrigkeiten, gleichzeitig beginnt sie aber auch das Positive zu sehen. Sie beobachtet ihre Nachbarn, die alle aus unterschiedlichen Hintergründen auf dem Campingplatz werden und ihr Wohnmobil wird immer mehr zu ihrem eigenen kleinen Chateau, also Schloss. Zweifel und Unsicherheiten beschönigt sie nicht, was das Buch sehr authentisch macht. Obwohl das Buch eigentlich recht kurz ist, bringt es doch zum Nachdenken und auch wenn zumindest ich mir ein Leben auf einem Campingplatz nicht vorstellen könnte, überdenkt man doch den eigenen Konsum und Lebensstil und fragt sich, ob man alles so braucht. Nach dem Tagebuchteil gibt es einige Praxistipps inkl. Rezepte, was ich nicht unbedingt gebraucht hätte und was ich auch irgendwie als einen recht harten Schnitt zum vorherigen Teil empfunden habe. Auch die Erfahrungsberichte anderer Personen, die sehr minimalistisch in Tiny Houses oder Mobile Homes leben, finde ich etwas willkürlich, da doch sehr kurz. Die Geschichte der Autorin an sich hätte mir für sich allein stehend ausgereicht und war auch das, was mir am besten gefallen hat.
Historischer Krimi
Die Toten vom Gare d'Austerlitz - Kriminalroman (Eddie Giral 1) von Chris Lloyd
„Die Toten vom Gare d’Austerlitz“ spielt in Paris im Jahr 1940. Im Juni marschieren die Nazis ein, mehrere Polen werden ermordet aufgefunden, bald folgt noch ein Selbstmord. Éduard Giral ermittelt und stößt dabei auf Widerstände und die Schwierigkeiten und Gegebenheiten der Zeit im Zweiten Weltkrieg - und auf seinen Sohn, was sein Vorgehen ändert.
Giral steht permanent vor der Frage, wem er trauen kann und wem nicht, was durch die Ich-Perspektive gut dargestellt wird. Das Buch greift die historischen Ereignisse auf und verknüpft diese mit der Handlung. Dabei kommt nicht die gleiche Spannung auf, wie man es gewohnt ist, wenn man gerne Krimis und Thriller an sich liest, aber das macht natürlich auch das Genre aus. Teils wird es aufgrund der zahlreichen Charaktere und Handlungsstränge auch ein wenig zäh, gleichzeitig nimmt einen die Geschichte nicht zuletzt durch den realen Bezug aber auch sehr mit. Wer historische Kriminalromane mag, ist mit dem Buch in jedem Fall gut bedient.
Krimi mit historischem Bezug
Teufelsberg von Lutz W. Kellerhoff; Lutz Wilhelm Kellerhoff
„Teufelsberg“ von dem Autorentrio Lutz Wilhelm Kellerhoff spielt in Berlin in den 60er Jahren und greift die historischen und politischen Gegebenheiten der Zeit immer wieder auf, während Kommissar Wolf Heller herauszufinden versucht, wer die Frau eines jüdischen Richters ermordet hat. Die Geschichte ist vielschichtig, anfangs verworren, was es auch für den Leser vor allem zu Beginn teils schwer macht, die verschiedenen Personen für sich zu verknüpfen und die Beziehungen herzustellen.
Ich habe einige Zeit gebraucht, wirklich reinzukommen und für mich hat sich dabei keine wirkliche Spannung aufgebaut. Im Lauf des Buchs fügt es sich dann zwar zunehmend zusammen und auftretende Wendungen bei einem geplanten Anschlag auf die jüdische Gemeinde und die Entführung von Louise, der Nichte der toten Frau, lassen den Leser dranbleiben. Die Charaktere sind gut gezeichnet, vor allem Heller ist vielschichtig dargestellt und auch sein Privatleben wird einbezogen, ebenso ist die Sprache leicht und flüssig lesbar. Das Buch gibt einen guten Einblick in das Berlin der 60er Jahre und ich bin sicher, genau das findet viele Fans - für mich selbst hat leider irgendwas gefehlt und ich bin nicht 100% warm geworden mit dem Buch.
Die Kult-Omi gärtnert
Fertig ist die Laube von Renate Bergmann
Renate Bergmann ist zurück - und das ist wie immer sehr amüsant und kurzweilig. Dieses Mal muss sie sich gemeinsam mit ihrer Freundin Gertrud um den Kleingarten von deren Lebensgefährten Gunter kümmern, der wegen einer OP mit anschließender Reha erstmal außer Gefecht gesetzt ist. Renate packt also an und bringt gemeinsam mit Gertrud die Laube auf Vordermann.
Gewohnt amüsant berichtet sie ihre Erlebnisse dabei genau so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist - und das ist brüllend komisch. Gerne schweift sie auch mal ab, genehmigt sich einen Korn zwischendurch und wundert sich über die Gepflogenheiten in der Gartenkolonie. Das Buch liest sich schnell und flüssig und ist daher die perfekte Unterhaltung für gemütliche Nachmittage auf dem Balkon. Ich bin anfangs ein paar Mal ins Stocken geraten, weil Renate wie immer „neumodische“ Begriffe gerne so schreibt, wie man sie spricht - aber man gewöhnt sich schnell daran und letztlich macht das auch den Charme des Buches mit aus.
Renate Bergmann ist einfach Kult - kurzweiliger Lesespaß ist hier garantiert.
Wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt
Kim Jiyoung, geboren 1982 von Nam-joo Cho
Das extreme Medienecho und die guten Kritiken haben mich dazu bewogen, „Kim Jiyoung, geboren 1982“ zu lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Cho Nam-Joo schildert eindrucksvoll, wie das Leben einer Frau in Korea aussieht und welche Benachteiligungen diese gegenüber Männern erfahren müssen, kurz „wie schwierig es für eine Frau (….
) in diesem Land ist, ein erfülltes Leben zu führen“ (Zitat). Die Sprache ist nüchtern und sachlich, sicher auch dadurch bedingt, dass große Teile des Buches aus der Sicht eines Psychiaters, der Jiyoung aufgrund ihrer sich spaltenden Persönlichkeit behandelt, erzählt wird. Das Buch bewegt sich dabei an der Schwelle zum Sachbuch, verstärkt auch durch die Fußnoten, lässt sich aber sehr gut lesen und regt zum Nachdenken an, wenn man das quasi vorherbestimmte Leben von Jiyoungs Mutter, ihr selbst und auch der anderen Frauen in ihrem Umfeld erzählt bekommt. Männliche Nachkommen werden bevorzugt, schon in der Kindheit, und auch später im Berufsleben haben es Frauen deutlich schwerer. Auch wenn man das natürlich alles irgendwie weiß, dass es vor allem in Korea so ist, war zumindest mir das nicht in allen Einzelheiten bekannt , so z.B. dass im Jahr 2014 „jede fünfte verheiratete Südkoreanerin ihren Job wegen Heirat, Schwangerschaft beziehungsweise Kindererziehung“ aufgab. Vor dem Hintergrund der geschilderten ambitionierten Bildungswege, die auch die Frauen zuvor gegangen sind, erschreckend viel. Die Art der Erzählung hat etwas mit mir gemacht und mich teils bedrückt, aber auch Hoffnung schöpfen lassen, da durchaus auch deutlich wurde, dass auch hier für eine bessere Welt gekämpft wird und festgefahrene Strukturen hinterfragt werden.
Mal etwas komplett anderes
Unterwasserflimmern von Katharina Schaller
Ich finde es unglaublich schwer, das Buch zu bewerten - es ist irgendwie anders als die meisten Bücher, die ich gelesen habe. Das Cover spiegelt den Inhalt eigentlich perfekt wieder: eine Frau, die unter Wasser ist, sich damit irgendwie von ihrer Umgebung abschirmt und distanziert, schwimmt, ihren Weg sucht.
Die Protagonistin bleibt namenlos und nicht nur das macht es dem Leser schwer, sich mit ihr zu identifizieren. Sie ist gute 30 und steht zwischen ihrer langjährigen Beziehung mit Emil, der den nächsten Schritt gehen will, Kinder und ein Haus, und ihrer Affäre mit Leo, der selbst verheiratet ist und Kinder hat. Und so macht sie sich auf, ihren Weg zu finden, indem sie wegläuft und ohne festes Ziel verreist. Auf diesem Weg folgt ihr der Leser und ist mittendrin in ihrem Gefühlschaos, das zwar teils sehr unreif ist und man denken sollte, dass sie klarer wissen müsste, was sie will, sich in vielen Situationen reifer verhalten sollte - aber die starke Sprache, mit der Katharina Schaller alles schildert, zieht einen dennoch in einen Bann. Teils ist es sehr sexualisiert, was mir nicht gefallen hat, da sich die innere Zerrissenheit auch anders hätte darstellen lassen. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr lesenswertes Buch, das sich auch schnell lesen lässt, schon aufgrund der nur knapp 200 Seiten.
Sehr amüsant
Das Faultier bewegt sich wie Opa von Eva Dignös; Katja Schnitzler
Das Buch ist keines, was man am Stück durchlesen muss - vermutlich ist es sogar besser, man teils es sich auf und liest immer wieder ein bisschen. Es besteht aus vielen verschiedenen Kindersprüchen, die nach Oberthemen sortiert sind, z.B. Kulinarisches, Mode, kleine Missverständnisse usw., jeweils eingeleitet durch eine Einordnung.
Beim Lesen wird deutlich, was man eigentlich ja weiß: das Kinder schonungslos die Wahrheit sagen, auch wenn es für Erwachsene unpassend erscheint. Genau darin liegt aber auch der Charme des Buchs - viele Sprüche sind wirklich sehr amüsant und ich musste einige Male herzhaft lachen. Wenn man zu viel am Stück liest, wird es ein wenig langweilig, aber in kleinen Dosen ist das Buch sehr süß und lustig. Die Kommentare der Autorinnen zu den Sprüchen sind pointiert gewählt. Das Buch ist auch toll als Geschenk oder kleines Mitbringsel, weil für jeden was zum Schmunzeln dabei ist.











