Kunden em pfehlungen
Rezensionen von SalMar:
Grandiose Dialoge, bedrückende Grundstimmung
Cleopatra und Frankenstein von Coco Mellors
In den Leben von Cleo und Frank gibt es eigentlich nicht viele Überschneidungen, daher ist es Zufall, als sie in einer New Yorker Silvesternacht aufeinandertreffen und sich ziemlich schnell ineinander verlieben. Aber auch danach ist ihre Beziehung eine wahre Achterbahnfahrt der Emotionen…
Kaum ein paar Seiten hineingelesen, da wusste ich schon: Mit Cleo und Frank muss ich unbedingt noch mehr Zeit verbringen – allein schon wegen der amüsanten Dialoge! Mit meinem ersten Eindruck einer literarisch anspruchsvolleren Version von „Sex and the City“ lag ich dann auch gar nicht so falsch, auch wenn es doch wesentlich dramatischere Züge hatte.
Cleo und Frank sind nicht wirklich Charaktere, die man liebgewinnt – und Gleiches gilt auch für viele Nebenfiguren. Sie alle werden unbeschönigt, manchmal schonungslos, mit sämtlichen Fehlern und Macken dargestellt. Die Dialoge fand ich durchweg grandios geschrieben, der Humor war total meins und auch die Liebes- und Leidensgeschichte der beiden hatte definitiv eine große Sogwirkung.
Allerdings war es mir stellenweise zu provokant, zu dramatisch und auch einfach zu lang, was ich wirklich schade fand, weil mich das Buch zunächst so begeistern konnte.
Alles in allem hält das Buch genau das was es verspricht: Es geht um die Liebe in New York, es ist unheimlich emotional und toll geschrieben, aber es ist auf jeden Fall auch sehr bedrückend und meinen Geschmack hat es damit leider nicht ganz getroffen.
Perfekt für Leseanfängerinnen
Emily Meermädchen, Band 1 - Das große Geheimnis von Liz Kessler
Emily lebt an der Küste und ist vom Wasser fasziniert, kann aber bislang nicht schwimmen. Nach einer katastrophalen ersten Schwimmstunde in der Schule schleicht sie sich von zuhause weg, um sich allein ans Meer heranzutasten – und muss feststellen, dass viel mehr in ihr steckt als gedacht.
Als ebenfalls noch nicht ganz schwimmtüchtige Namensvetterin war meine Tochter von der Idee hinter diesem Buch sehr angetan.
Mich selbst hatten beim ersten Blick ins Buch auf Anhieb die wunderschönen Illustrationen begeistert.
Die Gestaltung des Buchs insgesamt ist wirklich zauberhaft und perfekt auf die Zielgruppe, Erstleserinnen, abgestimmt. Auch inhaltlich war meine Tochter sehr fasziniert und fand die Entwicklung sehr spannend. Allerdings war es, laut ihrer Aussage, viel zu schnell vorbei – und dem kann ich nur zustimmen. Selbst als Erstklässlerin lässt sich die Geschichte fast in einem Rutsch durchlesen, so dass wir uns doch ein klein wenig mehr Text bzw. mehr Seiten gewünscht hätten.
Insgesamt trifft das Buch, finde ich, genau den Geschmack der Zielgruppe, ist aber eher für Leseanfängerinnen geeignet, bei denen es noch recht langsam vorangeht – sonst ist die Geschichte gleich wieder vorbei.
Außergewöhnliche, aber wunderbar passende Comic-Adaption
Anne auf Green Gables von Mariah Marsden; Lucy Maud Montgomery
Aufgrund eines Versehens erhalten die Cuthberts keine Waisenjungen, der ihnen bei der Arbeit auf ihrer Farm unter die Arme greift, sondern das außergewöhnliche Waisenmädchen Anne, die angesichts des neuen Zuhauses überglücklich ist und bald schon das geruhsame Leben der Cuthberts durcheinanderwirbelt.
Als großer Fan des Klassikers von Lucy Maud Montgomery war ich sehr gespannt auf dessen Umsetzung als Comic. Der grafische Stil ist für manche vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, mich konnte er aber von Anfang an begeistern. Ich finde, die Bilder fangen die Stimmung und Annes besonderen Blickwinkel perfekt ein. Besonders gefallen hat mir auch die abwechslungsreiche Darstellung – manche Bilder nehmen beispielsweise eine ganze Seite ein.
Für mich ist das Buch eine rundum gelungene Comic-Adaption des Klassikers, der sowohl Kinder als auch ältere Fans des Originals begeistern und zum immer wieder Lesen animieren dürfte.
Ein drückend heißer und emotional aufwühlender Sommer
Rattensommer von Juliane Pickel
Lou und Sonny sind schon ihr ganzes Leben beste Freundinnen. Eigentlich könnten sie verschiedener gar nicht sein, und trotzdem verbringen sie jede freie Minute miteinander – so auch in diesem Sommer, der gefühlt (oder tatsächlich) heißer denn je ist. Doch dann wird ihre Freundschaft in jederlei Hinsicht auf die Probe gestellt.
Bei diesem Buch ist das Cover wirklich Programm: Den drückend heißen Sommer kann man nämlich wirklich auf jeder einzelnen Seite fühlen! Was zunächst als relativ harmlose Erzählung zweier gelangweilter Freundinnen in den Sommerferien beginnt, entwickelt nach und nach eine ziemlich erschreckende Dynamik, bei der einem angst und bange werden kann.
Die Geschichte wird ausschließlich aus Lous Sicht erzählt und trotzdem hat man nicht das Gefühl, als Leser eine einseitige Perspektive zu erhalten. Der Autorin gelingt es außerdem richtig gut, das Zögern, das Hin und Her der Gefühle und die Zerrissenheit der 15jährigen Lou zu beschreiben.
Ein insgesamt sehr packender und emotional aufwühlender, sommerlicher Jugendroman, den ich in jedem Fall gerne weiterempfehle.
Unerwartet vielseitiges Jugendbuch, das voll und ganz überzeugt
Irgendwo wartet das Leben von Erin Entrada Kelly
Fawn Creek ist ein kleiner Ort, an dem praktisch nichts passiert. Eine neue Mitschülerin an der örtlichen Middle School, und dann auch noch so eine ungewöhnliche wie Orchid, ist dementsprechend das Highlight des Jahres. Aber nicht alle sehen das so positiv wie Greyson und Dorothy…
Die Autorin Erin Entrada Kelly hat wirklich ein richtig gutes Händchen darin, Geschichten auf eine unaufgeregte und fast alltägliche Weise zu erzählen und ihre Leser trotzdem zu packen – zumindest ging es mir so, und dieses hier ist bereits das zweite Buch, das ich von ihr gelesen habe.
Greyson und Dorothy sind Außenseiter an ihrer Schule und selbst zuhause haben sie es nicht einfach. Für sie bedeutet Orchid ein (Licht-)Blick in die Welt nach draußen, außerhalb der kleinen Gemeinschaft am Ort. Deswegen fällt es ihnen ganz besonders leicht, sie gleich ins Herz zu schließen. Und die ganze eigene und selbstbewusste Orchid ist wirklich etwas ganz Besonderes – das wird selbst denen klar, die eigentlich keine großen Fans von ihr sind. Und so ähnlich ging es auch mir mit den Figuren, einschließlich den „Gegenspielern“: Die Autorin gibt uns Einblick in die Gedanken und Gefühle der einzelnen Figuren und macht es einem so besonders leicht, Zugang zu ihnen zu finden.
Auf der anderen Seite bleibt vieles um Orchid lange Zeit ein Geheimnis, wodurch ein Spannungsbogen entsteht, mit dem ich so gar nicht gerechnet hatte – erst recht nicht mit dem Ende!
Alles in allem ist „Irgendwo wartet das Leben“ ein unerwartet vielseitiges Jugendbuch, das in seiner ruhigen und nachdenklichen und gleichzeitig doch sehr emotionalen und auch spannenden Erzählweise voll und ganz überzeugt.
Von Höhen und Tiefen
Vom Ende der Nacht von Claire Daverley
Will und Rosie begegnen sich zufällig als er sich mit ihrem Bruder Josh anfreundet. Obwohl sie gegensätzlicher nicht sein könnten, sprühen doch gleich die Funken zwischen ihnen. Ein tragisches Ereignis treibt jedoch einen Keil zwischen die junge Liebe und das Leben scheint sie mehr und mehr auseinanderzutreiben.
Ich gebe zu, ich hatte so viel Positives über dieses Buch gehört, dass ich doch recht hohe Erwartungen hatte. Im ersten Teil der Geschichte konnten mich Will und Rosie als Jugendliche, vor allem in Kombination mit Rosies Bruder Josh, wirklich restlos begeistern. Ich mochte das langsame Annähern, die Gespräche, die nicht geradlinige Entwicklung zwischen den beiden.
Auch ihre späteren Begegnungen kann man durchaus so beschreiben, aber gleichzeitig war da einfach immer ein etwas bitterer Unterton, der es mir mehr und mehr erschwerte, mit den Figuren mitzufühlen, obwohl ich ihnen eigentlich so sehr die Daumen drückte.
Alles in allem bin ich etwas zwiegespalten, weil ich Will und Rosie in der ersten Hälfte so sehr mochte und es – auch gegen Ende – einige wirklich ganz wunderbare Abschnitte gibt. Für mich wurde insgesamt etwas Potenzial verschenkt. Trotz allem ist es aber eine schöne, wenn auch bittersüße, Liebesgeschichte.
Außergewöhnliche Protagonistin, sehr feinfühlig umgesetzt
October, October von Katya Balen
October ist glücklich mit ihrem einfachen Leben in der Hütte im Wald. Aber als ihr Vater nach einem schweren Unfall ins Krankenhaus muss, kann sie dort nicht alleine bleiben und muss zu ihrer Mutter in die laute und verwirrende Großstadt London ziehen.
Diese wunderschöne Geschichte für Kinder ab 11 Jahren gibt jungen (und älteren) Lesern einen Einblick in die Perspektive einer sehr außergewöhnlichen Protagonistin.
October wird nicht in eine Schublade gesteckt, aber sie denkt und fühlt auf jeden Fall anders als die meisten Menschen um sie herum. Das wird erst so richtig deutlich, als sie aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen wird und sich nur schwer zurechtfindet.
Mir hat vor allem der Schreibstil sehr gefallen, mit dem die Autorin hier die Gedanken und Gefühle von October zu Papier gebracht hat. Dadurch wird, ganz ohne dass es ausgesprochen wird, sehr deutlich, wie verwirrend das Leben in der Stadt und der völlig andere Alltag (mit Schule) für sie ist - aber später auch, wie sie nach und nach eine Veränderung durchmacht. Gleichzeitig bleibt sie im Kern aber auch sich selbst treu, was ganz toll gelöst war.
Alles in allem war es eine wirklich bezaubernde Geschichte, die einige wichtige Themen sehr feinfühlig aufarbeitet. Ich habe unglaublich gerne Zeit an Octobers Seite verbracht und kann dieses Buch nur uneingeschränkt weiterempfehlen.
Atmosphärisch und vielschichtig
Nachts erzähle ich dir alles von Anika Landsteiner
Als Léas Alltag sie an den Rand eines Burnouts manövriert, zieht sie die Notbremse und entschließt sich, einen Sommer im alten Ferienhaus der Familie im Süden Frankreichs zu verbringen. Dort werden aber nicht nur unzählige alte Erinnerungen wach, denn durch ein dramatisches Ereignis im Hier und Jetzt steht auf einmal Émile, ein eigentlich unbekannter junger Mann, mit sehr viel Redebedarf vor ihrer Tür.
Diesem Roman gelingt es unvergleichlich, den Leser an die sommerliche Côte d’Azur zu versetzen. Schon direkt nach Léas Ankunft in dem kleinen französischen Ort hat man das Gefühl direkt mit ihr auf der Terrasse zu sitzen und die Auszeit zu genießen. Wobei der Roman alles andere als langweilig ist. Anika Landsteiner gelingt es ganz wunderbar, ruhige und nachdenkliche Passagen mit emotional aufwühlenden Abschnitten abzuwechseln, so dass das Tempo insgesamt einfach perfekt ist.
Léa ist auf jeden Fall eine interessante reflektierte und neugierige Protagonistin, an deren Seite ich gerne durch die Erzählung geflogen bin. Eine Liebesgeschichte, eine Familiengeschichte und auch ein Stück weit ein Appell für die Selbstbestimmung der Frau – dieser Roman hat definitiv viele Schichten, die geschickt miteinander verwoben sind und die es nach und nach zu entdecken gilt.
Mich hat dieses Buch von Anfang an gepackt und bis zur letzten Seite nicht losgelassen, weshalb ich auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung aussprechen kann.
Aufregende Achterbahnfahrt
Seaside Hideaway - Unsafe von Leonie Lastella
Aufgrund von Ereignissen in der jüngeren Vergangenheit befinden sich Nevah und ihre Familie im Zeugenschutzprogramm, was bedeutet: Neue Namen, ein neues Zuhause und möglichst alle anderen auf Abstand halten. Nevah kämpft an sich schon mit den emotionalen und seelischen Folgen, aber nun ist da auch noch Jackson, der Surfer Boy von nebenan, der alle möglichen Gefühle in ihr weckt und alles andere als uninteressant ist.
Die Autorin Leonie Lastella ist für mich eine der wenigen Autorinnen, bei denen es mir wirklich Spaß macht, im New-Adult-Genre zu lesen. Wie auch schon bei ihren vorherigen Büchern gelingt es ihr hier wieder einmal, eine gute Balance zwischen Romance und Drama zu finden, ohne dass etwas davon zu übertrieben wirkt oder die Figuren schablonenhaft daherkommen.
Die Geschichte um Nevah und auch ihren Bruder Miller ist definitiv spannend, da man erst nach und nach erfährt, warum sich die Familie in der Situation befindet, aber sie bringt auch eine ganze Wagenladung Emotionen mit sich, so dass man sich als Leser schon mal auf eine aufregende Achterbahnfahrt gefasst machen sollte. Nevah, Miller und Jackson, aber auch so manche Nebenfiguren, sind mir ziemlich schnell ans Herz gewachsen.
Das ist auch der Grund, weshalb ich mich dann doch noch mit der Tatsache versöhnen konnte, dass es sich nicht um einen Einzelband handelt – so gibt es im nächsten Teil nämlich zumindest ein Wiedersehen mit den dreien. Einzig das Ende des Buches bzw. des ersten Teils empfand ich als etwas zu flach für meinen Geschmack, hier hätte mir noch etwas mehr „Schmackes“ gewünscht.
Alles in allem konnte mich Leonie Lastella aber wieder richtig gut unterhalten und ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung im Oktober.
Leise, feinfühlig und emotional
Wo du mich findest von Anne Barns
Sophie befindet sich bereits in einer Krise, als sie flüchtig einem unbekannten Mann begegnet, der sie in ihren Träumen nicht mehr loslässt. Als das Leben unaufhörlich weiter seinen Lauf nimmt, beschließt sie, sich auf die Suche nach ihm zu machen.
Die Geschichte um Sophie und den Fremden in einem Rügener Café war auf jeden Fall eine außergewöhnliche, die einen emotional mit auf eine Reise nimmt, bei der man nicht von vorneherein weiß, wohin sie geht.
Mich hat sie völlig gepackt und ich konnte das Buch erst wieder aus der Hand legen, als ich damit durch war.
Sophie ist mit ihrer erfrischend ehrlichen Art eine ungeheuer sympathische und nahbare Protagonistin. Als Leser erlebt man einige ungemütliche Zeiten mit ihr mit, aber ihre Art sorgt dafür, dass es zwar immer wieder melancholisch, aber nie düster wird.
Auch sprachlich konnte mich das Buch sehr begeistern. Sophies Beruf als Übersetzerin und ihre damit verbundene Sprachgewandtheit kamen sozusagen zwischen den Zeilen nochmals zum Tragen, und das hat mir richtig gut gefallen.
Alles in allem war „Wo du mich findest“ für mich ein wunderschönes kleines Lesehighlight, dem ich – obwohl ich so schnell durch war – sicherlich noch eine ganze Weile nachhängen werde.











