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Rezensionen von gaby2707:

Humorig-kriminell-gut

Ihr Lebensabschnittsgefährte Patrick ist weg und Loretta ist sich sicher: Sie braucht einen Neuanfang mit neuer Wohnung, neuer Umgebung, aber mit ihren alten Freunden. Und vor allem ohne Tote und Verbrechen.
Schneller als geglaubt findet sie eine schnuckelige 3 Zimmerwohnung mit Balkon für sich unter Kater Baghira.

Die Nachbarn scheinen auch nett zu sein. Aber schon nach einer Woche liegt der junge Mann aus dem Erdgeschoss, der doch bald umziehen wollte, tot im Garten. Und wer übernimmt den Fall: natürlich Kommissarin Astrid Küpper, das Patenkind von Lorettas Freund Erwin. Aber so sehr sich Loretta auch sträubt, sie kann sich aus den Ermittlungen nicht raushalten. Erst recht nicht, nachdem Harmony, die kleine Nachbarin von oben, Andeutungen zum Freund ihrer Mutter gemacht hat, die so gar nicht sein dürfen.
Und schon geht das Gerangel zwischen der Kommissarin, Loretta und Erwin wieder los.


Dies ist nun schon der 10. kriminellkomödiantische Fall, den ich zusammen mit Loretta Luchs lösen darf. Und ich bin wieder ganz begeistert. Es ist wie zurück zu Freunden kommen, wenn ich von Frank Kropka mit seiner Klümpchenbude, seiner Bärbel,
Ex-Polizist Erwin, seiner Doris, Diana und Okko von der Nordseeküste und von Jupp Zwo, Locke und Steiger, dem geriatrisch-infernalische Rentner-Trio lese. Alle habe ich seit vielen Büchern ins Herz geschlossen. Vor allem Frank mit seinem Ruhrpottdialekt bringt mich immer wieder zum Grinsen. Und bei dem Buffet, dass Doris auf die Beine stellt, läuft mir wieder das Wasser im Mund zusammen.

Aber ich lerne auch wieder neue Menschen kennen. Die neuen Nachbarn von Loretta: Harmony, von allen liebevoll Hammenie genannt, und ihre Mutter Jeanette Zwickel; ihren Freund und Arnold „Arnie“ Reitmüller, der als Lehrer an eine Grundschule versetzt wurde;
Horst und Mitzi Kabolek, die aus dem vorletzten Jahrhundert herausgefallen zu sein scheinen; die beiden Studentinnen aus dem Dachgeschoss Kerstin Dankow und Filiz Öztürk, IT-Spezialist Marcel Lembeck und Hermine Schiller, die ihre Rente mit Bio-Eier-Bekleben aufbessert. Auch ein Taubenvatter ist mit von der Partie. Von ihm habe ich einiges über die Taubenzucht gelernt.
Alle sind so farbig und ausdrucksstark gezeichnet, dass ich sofort einen bleibenden Eindruck von ihnen hatte.

Der Fall gestaltet sich sehr schwierig, weshalb Loretta auch fast nichts anderes übrig bleibt, als mal wieder einzugreifen. Ich hatte zwar bald einen Verdacht. Aber es hat dann doch bis kurz vor Schluss gedauert, bis er sich auch bestätigt hat. Ich fand diesen Fall mit allem, was damit zusammenhängt, einfach nur schlimm.
Für mich hat sich wieder mal bestätigt: In einer Ruhrpott-Krimödie ist Loretta die Allerbeste Ermittlerin, die ich mir denken kann.

Ein spannender, interessanter Fall, ausdrucksstarke Protagonisten und eine Prise Humor = allerbeste Unterhaltung. So macht Lesen Spaß.
Auch dieser Fall mit Loretta Luchs bekommt von mir die volle Punktzahl: 5 Sterne.

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Düster und bedrückend

Der Narr und seine Maschine von Friedrich Ani

Tabor Süden, Ex-Polizist und nun Ex-Privatdetektiv, steht in einer Bahnhofshalle und schaut wie gebannt auf die Anzeigetafel. Die Reisetasche in seiner Hand wird schwer. Zuerst hat er seinen Beruf aufgegeben, jetzt seinen Job und seine Wohnung. Für seine Zukunft wünscht er sich die allumfassende Unsichtbarkeit.

Cornelius „Linus“ Hallig, 64, Trinker, Raucher, ehemals erfolgreicher Schriftsteller unter dem Pseudonym Georg Ulrich, erinnert sich ohne Wehmut an die Zeit, als er mit seiner Mutter noch in einem Haus, einer eigenen Wohnung gewohnt hat. Hier steht er nun davor und läuft seinen Erinnerungen nach.
Süden hat einige Krimis von Ulrich gelesen. Früher. Heute soll er ihn suchen. Er nimmt den Auftrag seiner ehemaligen Chefin an.

Bei „Ein Fall für Tabor Süden“ habe ich sofort an einen Krimi gedacht. Aber obwohl diese Geschichte, die Friedrich Ani hier für seinen Ermittler kreiert hat eine leichte Spannung bietet, würde ich sie nicht als Krimi bezeichnen. Für mich sind es die Lebensgeschichten zweier Menschen, die durch das Verschwinden des Einen und der Suche des Anderen aufeinander treffen.
Friedrich Ani versteht es gekonnt, die Zerrissenheit, die Hoffnungslosigkeit, die Düsternis, die beiden Einzelgängern inne wohnt zu beschreiben. Er lässt mich ein Stück des Weges mit ihnen gemeinsam gehen, mich die Verlassenheit spüren und tief in die geschundenen Seelen blicken.
Das Cover passt sehr gut zur Geschichte und zum Schluss weiß man auch, was es mit dem Titel auf sich hat.

Eine einfühllsame, bedrückende, psychologisch ausgereifte Geschichte über Verlassen und Verlassen werden. Keine leichte Lektüre, aber absolut lesenswert – auch ohne Happy End.
Ich denke, dass ist nun wirklich der endgültige Abschied von Tabor Süden, den ich in den letzten Jahren ins Herz geschlossen habe.

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Alter schützt vor Abenteuer nicht

Ungebremst leben von Hetzer Heidi

Solange sie denken kann, interessiert sich Heidi Hetzer nur für eines: für Autos. Mit 13 endet ihre erste Spritztour mit einem DKW-Pritschenwagen an einem hölzernen Gartentor. Aber auch das Victoria-Motorrad ihres Vaters ist vor ihr nicht sicher. Wie gut er die Schlüssel auch versucht zu verstecken – Heidi findet sie – immer.

Mit 23 betreibt sie ihre erste Autovermietung. Dann winkt 1 Jahr Amerika. Ich lerne kurz ihren Mann und ihre beiden Kinder kennen. Ich fühle mich wie als Beifahrerin oder hinten auf dem Motorrad mit dabei, wenn sie von den zahlreichen Ralleys und Fernfahrten in Europa, Asien und Amerika erzählt.
Im Juni 2012 mit 75 Jahren verkauft sie das Autohaus Hetzer.

Im Juli 2014 startet Heidi Hetzer vom Brandenburger Tor aus mit einem Hudson Great Eight Coach Baujahr 1930, also älter als sie selbst, in Richtung Osten. Durch Tschechien, Österreich, Slowakei, Serbien, Montenegro, durch die Türkei hinein nach Asien. Über China runter nach Singapur, auf´s Schiff weiter nach Perth in Australien und durch die Nullarbor-Wüste auf der geradesten Piste der Welt, anschließend Neuseeland. Von dort an die Westküste der USA einmal quer durch´s Land, dann nach Kanada und wieder zurück bis nach Florida. Sie bereist Südamerika, Südafrika und kommt endlich über Südeuropa zurück nach Berlin, wo sie am 12. März 2017 mit ihrem Hudo strahlend nach 960 Tagen und 85000 km ankommt.

Ich hatte mir dieses Buch als einen Reisebericht vorgestellt. Bekommen habe ich sehr viel mehr. Einblicke in ihre Kindheit, Jugend und in ihr Privatleben. Ich bin dabei, wie sie sich mit Sprachschwierigkeiten, Problemen mit Papieren, Strapazen und den immer wiederkehrenden Macken ihres „Hudo“ auseinander setzen muss. Ich lerne mit ihr interessante Menschen kennen und darf an ihren Glücksmomenten teilhaben. Immer wieder spüre ich, wie sehr Heidi ihren „Hudo“ liebt, alles Schlechte von ihm abhalten will, nur selten jemanden an ihn heranlässt – meistens schraubt sie selbst.

Ich war selten von einem Reisebericht so fasziniert, vor allem aber von Frau Hetzer, bei der ich micxh frage, woher sie die Kraft, die Energie und die Ausdauer zu so einer Unternehmung nimmt. Und wie sie dieses trotz ihrer schweren Erkrankung nicht aufgibt, sondern nur kurz unterbricht.

Die vielen farbigen Fotos im Inneren des Buches haben es geschafft, dass sich beim Lesen immer irgendwelche Bilder in meinem Kopf festgesetzt haben und ich so sehr intensiv mit auf Tour war. Die Erzählungen sind nie langweilig, die Seiten sind mir nur so durch die Finger geglitten. Ich hätte gerne noch weiter gelesen. Da Heidi Hetzer schon eine weitere Fahrt, diesmal durch Afrika von Nord nach Süd, mit einem wüstentauglichen Toyota Youngtimer plant, kann ich mich schon heute auf ihr neues Abenteuer freuen.

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Liebe ist nicht immer nur Mist

Die Liebe trägt Giraffenpulli von Susan Mallery

Das werden im Laufe der Geschichte auch Carol und ihre Schwester Violet erleben.

Carol Lund lebt mir einigen Gazellen und der Giraffe Millie im Happily-Inc-Wildtierreservat am Rande der kalifornischen Wüste. Zu ihren sehr künstlerisch veranlagten Nachbarn Mathias Mitchell zieht sie mehr hin als nur Freundschaft.

Aber dass aus dieser Freundschaft mehr werden könnte, das kann sich Carol, die unter starken Komplexen leidet, sich nicht vorstellen.

Fast so geht es ihrer Schwester Violet, die plötzlich dem Mann gegenübersteht, mit dem sie vor vielen Jahren einmal getanzt hat und der ihr seit dem nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist: Ulrich Sherwood, Duke of Somerbrooke, dessen Familienstammsitz Battenberg Park in England liegt.

Werden diese beiden Frauen in diesen Männern ihre Liebe finden? Und wie verläuft ihr Weg dorthin?


Dies ist mein erstes Buch, das ich von Susan Mallery gelesen habe. Mich hat einfach das süße Cover angezogen. Ich liebe Giraffen! Und die kommen ja auch immer wieder hier im Buch vor.

Der leichte, flüssige Schreib- und Erzählstil haben mir den Einstieg in die Geschichte recht leicht gemacht. Es hat mich auch nicht gestört, dass ich die Personen, die schon in anderen Büchern ihren Auftritt hatten, erst hier kennengelernt habe. Sie kommen alle sehr sympathisch rüber – bis auf den Vater von Mathias – sind alle gut vorstellbar beschrieben.
Allen voran Carol Lund, die in einem kleinen Bungalow am Rand einer kalifornischen Wüste lebt. Mit ihrer eigenständigen, ungekünstelten Art ist sie ganz sie selbst. Genau so wie ihre Schwester Violet, die einen kleinen Laden mit Knöpfen betreibt. Beide habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Genau so wie die beiden Männer, die die Herzen der Mädels erobern wollen. Aber auch die Brüder von Mathias und die Freundinnen der Schwestern machen einen sehr netten, menschlichen Eindruck.
Besonders ins Herz geschlossen habe ich das kleine Beaglemädchen Sophie, die eine Zeit lang bei Mathias zur Pflege weilt.

Auch im Wildtierreservat habe ich mich gleich heimisch gefühlt. Mit Millie morgens eine Runde spazieren zu gehen, fände ich auch toll. Naja, das Häufchen wegräumen wäre dagegen nicht so mein Fall.

Susan Mallery legt mit „Die Liebe trägt Giraffenpulli“ eine leichte Liebe-mit-Hindernissen-Geschichte vor, die ich in einem Rutsch durchgelesen hatte. Dadurch, dass bei den beiden Paaren nicht immer alles glatt läuft, bzw. die Anfangsschwierigkeiten überwunden werden müssen, und ich auch einen Einblick in die Familie Mitchell bekomme, gibt es auch hier einen weichen Spannungsbogen, bei dem ich einfach immer weiter lesen muss.

Eine leichte Lektüre, gute Unterhaltung garantiert – was will man zum Sommerausklang mehr.

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Gewöhnungsbedürftig, aber gut

Mexikoring - Kriminalroman (Chastity-Riley-Serie 8) von Simone Buchholz

Hansestadt Hamburg: Hier brennen des nachts Autos. Auch in dieser Nacht. Nur sitzt in dieser Nacht ein junger Mann in dem Auto, dessen Türen verriegelt sind, und erliegt seinen Verletzungen im Krankenhaus. Wer ist dieser Nouri Saroukhan? Und warum musste er sterben?
Das versucht die Staatsanwältin Chastity Riley mit einem Team vom LKA 44 und mit Kollegen aus Bremen herauszufinden.

Als ich mich für dieses Buch beworben habe, war mir nicht klar, dass es sich hier um den bereits 8. Band der Serie um die Hamburger Staatsanwältin handelt. Bis auf wenige Ausnahmen, die aber alle ins Private der Ermittlerin zielen, hatte ich nicht den Eindruck, dass mir irgendwelche Informationen fehlen. Ich habe dem neuen Fall hier gut folgen können.

Dies war der erste Fall, den ich zusammen mit Chastity Riley zu lösen versucht habe. Anfangs fiel mir das wegen der teils ungewöhnlichen Schreibweise der Autorin nicht leicht. Aber ich habe mich schnell an den gewöhnungsbedürftigen Stil herangetastet. Riley erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht in der Gegenwart. Das lässt mich noch näher am Geschehen dran bzw. mittendrin sein.

Wer ist dieser junge Mann, gebürtig aus Bremen, jetzt wohnhaft in Hamburg, der sich in jungen Jahren von seiner Familie losgesagt hat und dessen Leben nun zuende ist? Seine Familie stammt ursprünglich aus dem Nahen Osten vom Stamm der Mhallamiye in der Osttürkei, überall nur geduldet, ohne Pass, ohne Arbeitserlaubnis, kein sicherer Status – was teils noch heute so ist. Kam er wegen einer Clanfehde um? Hat es etwas mit seiner Freundin Aliza Anteli, die er schon aus Kindertagen kennt und die einem anderen Clan angehört, zutun? Die Geschichte führt mich tief in das Clanwesen ein, dass sich in diesem Fall zwischen Bremen und Hamburg abspielt. Alle sind sehr verschlossen, schotten sich nach aussen ab. Trotzdem erfahre ich einiges, was mich erschüttert und ich nicht glauben will, dass sich das in unserem Land, quasi vor meiner Haustüre, abspielt. Da man immer wieder von solchen Clans liest, finde ich die Geschichte an sich sehr interessant. Hier aber ist sie mir einfach noch nicht tiefgründig und ausführlich genug.
Ich habe eher den Eindruck, dass den größeren Teil der Geschichte die Staatsanwältin selbst einnimmt. Ich finde sie innerlich irgendwie zerrissen. Schlaflos, nach Anerkennung heisched, mit einem Hang zu zuviel Bier und Wodka, und vor allem mit einem großen, manchmal rotzfrechen Mundwerk ausgestattet, wird sie nicht zu meiner Freundin. Passt aber sehr gut zum Kiez und in die Umgebung der Menschen am unteren Rand unserer Gesellschaft. Vielleicht müsste ich sie aber auch nur etwas besser lennenlernen.
Insgesamt finde ich die Handelnden mit ihren Ecken und Kanten, ihrer Verletzlichkeit und ihrem knallharten Handeln gut und fassbar, eben richtig menschlich, beschrieben.

Ganz langsam fügen sich die Ermittlungsergebnisse zu einem große Ganzen. Nicht immer trifft das Offensichtliche zu und ich musste meine Meinung zum Fall das ein oder andere mal überdenken und ändern. Das Ergebnis ist etwas anders, als von mir erwartet.
Der Spannungsbogen ist in dieser Geschichte nicht sehr hoch angesetzt. Hat mich persönlich beim Lesen aber nicht gestört, da es sehr viel Interessantes zu verarbeiten gibt.

Ein interessanter Fall, ein ungewöhnlicher, für mich gewöhnungsbedürftiger Schreib- bzw. Erzählstil, macht zusammen gute Unterhaltung aus.

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Loslassen ist nicht einfach

Man muss auch mal loslassen können von Monika Bittl

Monika Bittls neuer Roman „Man muss auch mal loslassen können“ hat mich durch das witzig gemachte Cover angezogen. Nach der Leseprobe stand für mich fest, das muss ich lesen. Und ich habe die Entscheidung nicht bereut.

Es geht hauptsächlich um drei Damen:
Charlotte, gelernte Maskenbildnerin, heute verträumte Künstlerin, schreibt wie verzweifelt an ihrem Roman, als sie eine niederschmetternde Nachricht von ihrem Arzt bekommt.

Also muss ein Freitod her. Alles andere wäre sinnlos.

Jessy, 21, kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt nachhause. Ihr Zukünftiger hatte sich heute in ihrem Bett zu einem „Tagesausflug“ verabredet. Nun ist alles aus und vorbei.

Wilma, 59, der nach 3 Kontrollen die Konzession für ihre Wirtschaft wegen Verstöße gegen das Nichtraucherschutzgesetz entzogen wurde und die nicht weiß, wie sie die Bußgeldbescheide bezahlen soll, spült ein letztes mal die Weißbiergläser und lässt ihr Leben Revue passieren.

Ausgerechnet in der Beratungsstelle „Dare it“ treffen sie aufeinander und eine turbulente Lesereise beginnt.


Suizid ist kein Thema, das ich sofort mit Humor in Verbindung bringen würde. Aber hier wird das Thema so humorvoll angegangen und verpackt, dass es viel von seinem Schrecken verliert. Und ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Es geht alles gerade noch mal gut.

Zu den drei Frauen, die die unterschiedlichsten Motive haben, gesellen sich noch Ralle, dem der Gerichtsvollzieher im Nacken sitzt und der unbedingt Geld braucht und Moritz, der seinen Eltern wegen seines Stotterns peinlich ist oder war.

Allen Personen gibt Monika Bittl eine eigene Stimme und Sprache, was einen hohen Wiedererkennungswert hat. Alle kommen immer wieder in eigenen Kapiteln zu Wort. Somit lerne ich die einzelnen Protagonisten, die kaum unterschiedlicher sein könnten, mit ihren Eigenheiten und ihren Gedanken sehr gut kennen. Ich schaffe es durch dieses intensive Kennenlernen gut, mich gerade in Charlotte und Jessy hineinzuversetzen. Aber auch Wilmas Wut auf unsere Gesetzgebung kann ich gut nachvollziehen. Mit ihnen lassen sich einige Klischees bedienen, was aber nicht aufgesetzt oder peinlich wirkt. Im Gegenteil – ich finde es sehr interessant, wie wandelbar die Protagonisten sind, ohne ihre eigenes Ich aufzugeben. Es finden interessante und intensive Gespräche statt, die die Pläne der Damen langsam in den Hintergrund rücken lassen. Auch die verschiedenen Lebensweisheiten, die immer wieder von dem ein oder anderen angeführt werden, gefallen mir sehr gut und jeweils genau zur Situation passend.

Dass mir zum Schluss die Ereignisse eines Jahres fehlen, mir dadurch das Ende zu schnell kam, kann ich dank der humorvollen Lesestunden, die ich hatte, leicht verschmerzen.

Eine interessante Lektüre mit Gesellschaftskritik, lösbaren Problemen, einigen spannenden Momenten und vor allem sehr viel Humor. Ich habe das Lesen genossen.
Dafür vergebe ich 4,5 von 5 Sternen

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Ein sehr krimineller Sommer in München

Gschlamperte Verhältnisse von Gruber Felicitas

Es ist Sommer in der Sadt und für Kriminalhauptkommissar Joe Lederer und die beiden Rechtsmedizinerinnen Dr. Sofie Rosenhuth und Dr. Elke Falk die Hölle los. Ein toter Mann schwimmt in der Isar, vier ausgebeinte Schädel tauchen auf, im gerade gekaufen Haus von Gerichtsreporter Karl Maria "Charly" Loessl findet sich eine eingemauerte weibiche Leiche, bei einer jungen männlichen Leiche stellt sich eine kuriose Vergiftung heraus, Dr.

Falk sucht auf einem Datingportal nach der Liebe ihres Lebens und in einem Lagerschuppen werden jede Menge gestohlene religiöse Reliquien gefunden. Das sorgt sowohl bei der Kripo als auch vor allem in der Rechtsmedizin für sehr viel Arbeit. Und dabei soll ja die Liebe nicht zu kurz kommen; auch wenn die Verhältnisse erstmal gschlampert bleiben.

Es ist so schön, hier im 5. Band um die "kalte Sofie", den man auch sehr gut ohne Kenntnis der Vorgänger lesen kann, was sich aber absolut lohnt, alte Freunde wiederzulesen. Sofie, Joe, Dr. Falk, Charly Loessl, seinen Onkel Max, Stefan "Spike" Moosbichler und seine Shirin, jetzt mit Töchterchen Ayrun Sofie Elfe, Tante Vroni und ihre Florian, Hochwürden David Karisimbi aus Ghana, Stadtpfarrer von Mariahilf mit seinem mitreißenden Lächeln in seiner weißen Soutane und natürlich einen der liebsten Möpse überhaupt – den kleinen Murmel, der hier sogar eine kleine Hauptrolle spielt – alle sind wieder hier mit eingebunden. Alle diese Menschen mit ihren Ecken und Kanten, mit ihren Eigenheiten ihrer Herzlichkeit und ihrer Normalität habe ich in den vergangenen Jahren richtig ins Herz geschlossen. Aber auch die weiteren Personen, die hier ihr Unwesen treiben, sind bildhaft, real und gut vorstellbar beschrieben – aber leider meist tot.

Ich liebe den münchnerischen Dialekt, den Sofie und ihre Tante hervorragent beherrschen. Er wird hier so gekonnt eingesetzt, dass er auch für NichtBayern sehr gut zu verstehen ist. Und bei den vielen Köstlichkeiten, die Tante Vroni hier wieder auffährt, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Das alles macht für mich einen spannenden, interessanten Regionalkrimi aus. Und Brigitte Riebe und Gesine Hirsch alias Felecitas Gruber verstehen es vorzüglich, diese Regionalität rüber zu bringen.

Es hat in diesem Sommer sehr viele unterschiedliche Fälle, die alle bearbeitet werden wollen. Wenn auch der ein oder andere Fall recht vorhersehbar scheint – dem Lesevergnügen tut das keinen Abbruch. Die kriminalistischen Fälle werden sauber und nachvollziehbar abgearbeitet und ich kann gut mit ermitteln, bin vor Beginn an mittendrin. Ich erfahre einiges über Relequien und eine Tapete, die den Tod bringen kann. Ich lerne immer wieder Neues.

Dadurch, dass der Humor und das Menschliche miteinander eine fast so große Rolle spielen, wie die Kriminalität, leidet der Spannungsbogen etwas darunter. Aber es muss ja nicht immer hochexplosiv zugehen in einem Krimi. Auch die Leichtigkeit hat sehr gute Seiten. Mit gefällt diese Art Krimi, die mich nachts noch schlafen lässt, sehr gut.

Auch liebestechnisch liegt einiges in der Luft. Sophie muss sich nun endlich für einen ihrer beiden Männer, Joe oder Charly, entscheiden. Dr. Falk sucht in einem Datingportal für Menschen mit Hund nach der großen Liebe. Und es gibt da auch jemanden, der ihr Herz rasch schneller und ihre Augen Funken sprühen lässt.

Wieder einmal viel zu schnell ist auch dieses Buch ausgelesen. Spannend, interessant, mit einer Prise Humor, viel Lokalkolorit und vielen sehr sympathischen Menschen kann ich es nur empfehlen.

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Alaska - eine Herausforderung

Gschlamperte Verhältnisse von Gruber Felicitas

1974: Lenora „Leni“ Allbright ist 13 Jahre alt, als ihre Eltern Ernt und Caroline beschließen: Wir ziehen nach Alaska. Ernt, der schwer traumatisiert aus dem Vietnam-Krieg heimgekommen ist, sieht hierin eine Chance auf ein neues, für ihn unbeschwertes Leben. Dazu kommt, dass ihm sein Kamerad und Freund sein Haus in Kaneq hinterlassen hat.

Sie finden eine heruntergekommene Hütte ohne Strom und fließendes Wasser. Aber auch Nachbarn, die sofort bereit sind mit anzupacken und den Neuankömmlingen das Leben etwas zu erleichtern.
Ernt, der gehofft hatte, hier seine Dämonen los zu werden, wird immer unberechenbarer und Coraline sieht irgendwann keinen Ausweg mehr...


Für mich ist es das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Aber ich bin so begeistert von dem eingängigen Sprachstil und den bildreichen Erzählungen, dass bestimmt weitere folgen werden.

Ich habe mich entführen lassen in die weite, einsame und wunderschöne Landschaft des flächenmäßig größten, nördlichsten und westlichsten Bundesstaates der Vereinigten Staaten von Amerika. Allein die Beschreibungen der unberührten Natur, der glasklaren Seen, des einfachen Lebens und der hilfsbereiten Menschen, die hier leben, haben für mich das Lesen zu einem Genuss gemacht. Ich erlebe die Sommer, in denen die Sonne kaum untergeht und die endlos langen Winter, in denen es kaum hell wird.

Ernt, der mir anfangs in seiner Gefangenheit noch leid tut, entwickelt sich immer mehr zu einem Tyrann, der nicht aus seiner Haut kann, sich aber auch nicht helfen lassen will. Cora, von der ich immer wieder hoffte, dass sie sich in ihrer Abhängigkeit und Hörigkeit zu Ernt besinnt, dass sie auch eine Tochter hat, die sie braucht. Und Leni, die in ihrer neuen Schule einen Jungen kennen- und lieben lernt, die Strapazen des Lebens im hohen Norden versucht auszuhalten, dem Jähzorn ihres Vater zu entgehen und die die Liebe zu ihren Eltern trotzdem nie aufgibt. Die Drei sind mir im Laufe der Geschichte richtig ans Herz gegangen – positiv und negativ. Ich habe einige Tränchen verdrückt beim Lesen.

Kristin Hannah hat eine Art zu schreiben und zu beschreiben, so leicht, so eingängig und so plastisch, dass es mir sehr schwer gefallen ist, das Buch immer mal wieder aus der Hand zu legen. Sowohl Leni und ihre Eltern, Coras Eltern, als auch Large Marge, die Walkers, den Mann mit der Gans und die Familie Harlan – alle sind sehr menschlich und real beschrieben, dass ich sie beim Lesen regelrecht greifen konnte. Aber auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Sie hält sich dauerhaft im Hintergrund um dann von jetzt auf gleich bei einer der verschiedenen Wendungen wieder hervorzuspringen.

Ein sehr einfühlsamer, sehr emotionalter und tiefgründiger Roman über Familie, Freundschaft, Liebe, Verlust, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, der mich tief berührt hat. Mein bisheriges Jahres-Lesehighligh.

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Ludwig Thomas Erbe

Das Ludwig Thoma Komplott von Sabine Vöhringer

Im Nachlass ihres Großvaters entdeckt die junge Verlegerin Julia Frey ein Manuskript des im August 1921 in Tegernsee verstorbenen deutschen Schriftstellers Ludwig Thoma. Hierin findet sie Hinweise auf den Täter der Prostituiertenmorde in den 1960er Jahren. Kann die Veröffentlichung des Manuskriptes den Untergang ihres kleinen Verlages retten? Sie will die ihr vorliegenden Seiten zuerst ihrem langjährigen Freund Kommissar Tom Perlinger zeigen.

Auf dem Weg zu ihm, wird sie auf offener Straße hinterrücks erschossen.
Zusammen mit seinen Mitarbeitern Jessica Starke und Korbinian Mayrhofer nimmt Perlinger die Suche nach dem Mörder auf. Dabei werden sie mit immer neuen Fragen konfrontiert und die Ermittlungen führen sie zurück bis in die 1920er und frühen 60er Jahre.

Sabine Vöhringer legt uns mit diesem Buch den 2. Band zur Krimireihe um den charismatischen Münchner Kommissar Tom Perlinger vor, den man aber auch sehr gut ohne die Vorkenntnisse des ersten Buches "Die Montez-Juwelen" lesen kann.

Ich liebe diese Fälle, die in meinem München gesettet sind. Zusammen mit den Kommissaren bin ich in der Sendlingerstraße und deren Umgebung unterwegs, habe alles vor Augen und bin nicht nur mit dabei, sondern fühle mich sofort mitten hinein gezogen in die Ermittlungen und diesen einmaligen Fall.
Drei Wochen vor dem Mord an Julia Frey versucht Claas Buchowsky, den ich im ersten Band kennengelernt habe, seinen ehemaligen Freund und Partner Tom Perlinger zu erschießen. Gut, dass er das nicht schafft. Claas wird später noch gebraucht.
Ab November 2017 muss ich mich dann mit dem Anschlag auf Julia, mit Ludwig Thoma und seinem bisher unentdeckten Werk, mit den Vorbereitungen zu den Olympischen Spiele 1972, mit der Russenmafia, mit dem Freundeskreis um Tom, der keiner mehr zu sein scheint, mit einem Drogenproblem, mit einem Cold Case aus den Mitte 60er Jahren, mit dem Verbleib eines kleinen Hundes, und mit Immobilienspekulationen befassen. Puh – so viele einzelne Fäden, die sich aber gaaanz langsam miteinander verweben, bis sich schließlich aus den vielen kleinen Puzzleteilen ein großes Ganzes und die Auflösung ergibt. Aber bis dahin ist es ein langer spannungsbeladener Weg.

Damit sich auch Nicht-Münchner sofort in der Stadt und den den Handlungsorten zurechtfinden, finde ich in der hinteren Umschlagklappe einen Plan, der mich leitet. Wie es sich für einen Lokalkrimi gehört, beschreibt die Autorin die Plätze der Handlung und deren Umgebung so detailgetreu, mit viel Liebe und augenscheinlich, dass ich beim Lesen alles vor mir sehe. Ich erfahre einiges über meine allerliebste kleine Asamkirche, über Ludwig Thoma und sein Werk "Der Münchner im Himmel". Ich denke, man merkt beim Lesen, dass Sabine Vöhringer unsere Landeshauptstadt genau so sehr liebt wie ich.
Auch die Personen, die hier handeln, und das sind doch wieder einige, habe ich beim Lesen sehr bildlich vor Augen, da sie mit ihrem Aussehen, ihren verschiedenen Charaktären und ihren Eigenheiten unverwechselbar beschrieben sind. Mein Kopfkino war jedenfalls von Anfang an stark gefordert.

Die Geschichte, die sich die Autorin diesmal ausgedacht hat, hat mich von Anfang an gefesselt. Ich habe sehr gut miträtseln können, hatte immer wieder eine Lösung für mich parat. Es hat dennoch bis kurz vor dem großen Showdown gedauert, bis auch ich durchblickt habe, wie hier alles gelaufen ist. Der Spannungsbogen steigt gleich am Anfang stetig an und wird durch Perspektivwechsel und Wendungen, die man so nicht erwartet, gleich straff gespannt und hoch gehalten.

Ich fand es sehr unterhaltsam wieder ein paar spannende und sehr interessante Lesestunden mit Protagonisten zusammen zu sein, die ich wieder etwas näher kennengelernt habe. Ich werde Tom, Christl und seinen Bruder Max vom Hackerhaus, Jessica und Mayrhofer von der Kripo und auch Claas vermissen.

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Unterhaltsam, spannend, lesenswert - TOP

Das Ludwig Thoma Komplott von Sabine Vöhringer

„Sylter Sommernachtsträume“

Eventmanager Jonny Quadt ist gerade mitten in den Abschlussarbeiten zu den „Sylter Sommernachtsträumen“, das jährliche Event auf der Insel der Reichen und Schönen, als eine Kugel durch sein Bürofenster haarscharf an ihm vorbei schrammt und in der Wand stecken bleibt.

Seine Lebensuhr, die ihn daran erinnert, wie viele Sekunden er noch hat, bleibt stehen. Als er Zielscheibe für ein zweites Attentat wird, ist es für ihn klar: sein ärgster Konkurrent und ehemals bester Freund auf der Insel will ihn beiseite schaffen. Aber wie kommt der an seine Waffe? Und wie kommt der an den Computer, der die Lebensuhr steuert?
Diese und viele weitere Fragen werfen sich für Kriminalhauptkommissar Kuno Knudsen und seinen Kollegen Arne Zander von der Kripo Wattenmeer auf.

Ulrike Busch beschreibt ihre Protagonisten so bildhaft und so detailgetreu, dass ich, obwohl ich gerade Kuno Knutsen und Arne Zander schon länger „kenne“, auch bei ihnen immer noch kleine neue Eigenschaften entdecke, die mir bisher nicht aufgefallen waren. Überhaupt ist es für mich wie Freunde besuchen, wenn ich mit der Kripo Wattenmeer unterwegs bin. Denn auch diesmal sind Knutsens Bruder Okko und der Inselreporter Friedrich Fliegenfischer „Effeff“ wieder mit dabei.

Die Hauptfigur in diesem Fall, Jonny Quadt, ist etwas mopsig, trotzdem sehr erfolgreich, zielorientiert und in seine technischen Spielereien verliebt. Er lebt nach seiner Lebensuhr, überwacht seine Mitarbeiter über deren Computer und auch sein Haus gleicht einer kleinen Festung. Mir war er von der ersten Begegnung an nicht sehr sympathisch.
Ganz im Gegensatz zu seiner richtig liebenswerten Lebensgefährtin Eta Smid, die ebenfalls im Eventbereich tätig ist.
Auch die anderen Mitwirkenden haben ihre Ecken und Kanten, sind sehr gut vorstellbar gezeichnet und haben sich in meinem Kopfkino festgesetzt.

Von Anfang an konnte ich auch diesmal wieder mit rätseln und mit fiebern. Ein ganz außergewöhnlicher Fall, bei dem mir auch die Wendungen wieder sehr gut gefallen haben. Obwohl die meine Tätertheorie immer wieder ausgebremst und durcheinandergewirbelt haben.

Den Duft nach Heidekraut und Meersalz hatte ich immer mal wieder in der Nase. Und mein Bild von Sylt hat sich dank der wundervollen Beschreibungen wieder ein bisserl mehr vervollständigt. Dort muss ich wirklich mal hin.

Ich bin auch diesmal wieder sehr gut unterhalten worden und hatte einige spannende und interessante Lesestunden.
Ich kann dieses Buch nicht nur Syltliebhabern empfehlen; alle Anderen werden ihre Liebe zu unserer diesmal sehr kriminellen Insel bestimmt entdecken.

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