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Rezensionen von gaby2707:
Eine unerfüllte Liebe in Lappland
Helle Tage, helle Nächte von Hiltrud Baier
Als Anna Albinger die Diagnose Krebs bekommt, will sie unbedingt noch ein paar Sachen regeln. Sie schreibt Briefe. Einen dieser Briefe soll ihre Nichte Frederike nach Lappland zu Petter Svakko bringen, der andere ist für Frederike selbst. Wer dieser Petter ist, darüber schweigt sich Anna aus.
Mit ihrem roten VW-Bus macht sich Frederike auf den mehr als 3000 km langen Weg von Süddeutschland über Berlin, Rostock, Trelleborg, Stockholm, Uppsala, Härnosand nach Jokkmokk.
Unterwegs wundert sie sich immer wieder, woher sie die schwedische Sprache so gut versteht?
Hiltrud Baier erzählt in ihrem Debütroman eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, besonders aber von zwei starken, sympathischen Frauen – Anna und Frederike. Es ist aber auch die Geschichte der von Annas Schwester Marie, ihrer schwedischen Mutter Ibba, die in dem kleinen Ort Beuren nie heimisch geworden ist, von Maries Tochter Frederike und deren Tochter Paula.
Abwechselnd lassen mich Anna und Frederike an ihrem derzeitigen Leben teilhaben. Jede für sich lässt ebenso in Gedanken ihr Leben an sich vorbei ziehen. Anna will endlich ihre Lebenslüge aufdecken mit der sie zwei Menschen ungemein weh getan zu haben glaubt. Petter braucht Zeit für sich um Annas Brief zu verdauen und Frederike ist einfach nur wütend und enttäuscht und braucht ebenfalls Zeit, die sie in der Einsamkei von Petters Hütte findet. Gerade Petters Reaktion und seine Kommentare zu diesem Brief haben mir sehr gut gefallen.
Durch die detailgenauen, sehr persönlichen und eindringlichen Beschreibungen von Anna und Frederike, kann ich mich sowohl in die eine, als auch in die andere sehr gut hineinversetzen. Dadurch kann ich die lauten, erbosten und wütenden Momente gut nachvollziehen und verstehen. Es gibt in diesem Buch aber auch viele stille, sehr einfühlsame und nachdenkliche Momente an denen ich teilhaben darf und die ich sehr genossen habe.
Die Geschichte bietet einige sehr schöne Gelegenheiten zum Nachdenken. Ich habe mit Frederike und Anna, die beide eine ganz andere Sicht auf verschiedene Dinge haben, gelitten und geschmunzelt. Ich habe mit Frederike die Schönheit eines kleinen Flecken Lapplans erkundet; habe mit Anna gegen ihre Krankheit gekämpft. Und ganz zum Schluss ist bei mir eine kleine Träne geflossen.
Hiltrud Baier hat mich mit dieser Geschichte über drei sehr verschiedene Menschen sehr berührt und mir ein Leseerlebnis geschenkt, das ich so schnell nicht vergessen werde.
Eine fesselnde Familiengeschichte
Als die Tage nach Zimt schmeckten von Donia Bijan
"Als die Tage nach Zimt schmeckten" erzählt die Geschichte von dem aus Russland stammenden Zod, dessen Lebensgeschichte ich in Rückblicken immer näher komme. Sie erzählt auch die Geschichte von Noor, die zusammen mit ihrem Bruder Mehrdad vom Vater nach Amerika geschickt wurde um sich hier, wie viele Perser damals, ein neues Leben aufzubauen.
Ich lerne verstehen, warum Zod seine Kinder ins ferne Amerika geschickt hat.
Ich sehe vor meinen Augen, wie Zod jeden Tag vor dem Cafe Laila sitzt und auf den Postboten wartet, der hoffentlich an diesem Tag einen Brief aus dem fernen San Francisco von seiner Tochter Noor bringt. Bis sie nach der Trennung von ihrem Mann Nelson zusammen mit Tochter Lilly nach 30 Jahren vor der Tür ihres schwerkranken Vaters steht. Sehr anschaulich erfahre ich, welchen Problemen, Risiken und Gefahren Frauen auch heute noch im Iran ausgesetzt sind. Lilly, die voll und ganz Amerikanerin ist und kein Wort Farsi spricht, hat es im Land ihres Großvaters nicht leicht.
Wie ein Märchen aus Tausend und eine Nacht, das man in die reale Welt hineingeworfen hat, bringt mir die Geschichte Persien, die Menschen dort und auch die Küche nahe.
Donja Bijan hat eine sommerlich leichte, manchmal tiefgründige Familiengeschichte geschrieben und mich kurzzeitig in eine andere Welt versetzt.
Mir hat dieses Buch, bis auf die Zeitsprünge, an die ich mich erst gewöhnen musste, sehr gut gefallen.
Ich bin gefesselt von einer Geschichte, die mir an manchen Stellen richtig ans Herz gegangen ist.
Ein Leben zwischen München und Mallorca
Gruppentherapie von Friedrich Kalpenstein
Ben Valdern ist gerade mal 30 Jahre alt, als der bodenständige Architekt aus München-Schwabing sein Architekturbüro und damit seine Existenz in den Sand setzt. Sein guter Freund Sascha vermittelt ihm einen Auftrag nach Mallorca an den Ballermann. Hier verdient Ben ab jetzt im "UNIVERSUM" als Partysänger Benny Biber sein Geld.
Bis er eine neue Stelle als Architekt im Büro Zöllner & Zöllner angeboten bekommt und sich die Tochter des Inhabers auch noch in ihn verliebt. Ab jetzt steht Ben unter Stress mit 2 Jobs. Denn den Ballermann und die Liason mit der Barfrau Eva will er nicht aufgeben.
Für mich ist "Gruppentherapie" das erste Buch von Autor Friedrich Kalpenstein. Aber es wird definitiv nicht das letzte sein.
Ich bin von seinem Schreib- und Erzählstil begeistert. Spritzige Dialoge, Situationskomik vom Feinsten und eine Geschichte, die einfach perfekt passt. Die kulturellen Unterschiede in Bens Leben, einerseits seine Auftritte am Ballermann, andererseits sein Leben an Clarissas Seite in der Münchner High Society, werden sehr klar dargestellt.
Mit Ben "Benny Biber" Valdern hat der Autor einen sehr sympathischen Protagonisten kreiert, den ich mir mit seiner schwarzen Perücke und der riesen Sonnenbrille auf Malle auch im wahren Leben gut vorstellen kann. Genauso aber auch in Anzug mit Kravatte in seinem seriösen Beruf im Architekturbüro.
Bei seinem dauernden Hin und Her zwischen München und Malle, zwischen Clarissa und Eva, sind Schwierigkeiten ja eigentlich schon vorprogrammiert. Aber lange Zeit meistert er dieses Doppelleben mit Bravur. Er kann sowohl mit seinen zumeist angetrunkenen Fans im UNIVERSUM umgehen, aber macht sich auch sehr gut bei den Abendveranstaltungen seines Schwiegervaters in spe. Wobei mir Vater Frank Zöllner und Tochter Clarissa von Anfang an nicht sonderlich sympathisch waren. Ganz im Gegensatz zu Bens Freund Sascha, der Bens Musik und Texte für die Sause auf Malle schreibt, und Clarissas Schwester Tina, die in München einen Dritte Welt Laden führt. Auch die anderen Handelnden haben ihre Ecken, Kanten und Macken und sind sehr gut vorstellbar. Hier und da sehe ich mich mit den Ballermann-Fans vor der Bühne stehen, kann die Songs von der CD mitsingen und feiere einfach mit.
Was mir wie immer, wenn eine Geschichte in meinem Lebensmittelpunkt München angesiedelt ist, besonders gut gefällt, dass ich mit Ben vom Architekturbüro Zöllner in Schwabing über den Karlsplatz zur Sonnenstraße, wo Sascha sein Tonstudio hat und weiter zu seiner Wohnung in der Nymphenburger Straße ziehen kann und immer genau vor Augen habe, wo ich mich gerade befinde.
Witzige Situationskomik, spritzige Dialoge, eine amüsante Geschichte, Partyhits vom Ballermann und viele Klischees – so sehen die Zutaten für einen humorvollen Sommerroman aus. Meine Mundwinkel ziehen sich immer noch nach oben.
Für Liebe und Abenteuer ist man nie zu alt
Nie wieder Amore! von Tessa Hennig
Monika Renner ist nun 66 Jahre alt, hat ihre Apotheke an Tochter Tanja übergeben und sich in einer Seniorenresidenz eingemietet. Hier hat sie viel Zeit. Zeit zum Nachdenken. Vor allem an ihre Zeit mit dem attraktiven italienischen Kellner Vincenzo Martini, der aber leider lange verstorben sein soll.
Als Moni eine Nachricht von der Auswandererin Lena bekommt, dass Vincenzo quicklebendig auf einer Obstplantage auf Sizilien leben soll, schmeißt sie ihre Urlaubspläne von einer Kreuzfahrt mit Tochter Tanja nach Norwegen über den Haufen. Schon sitzt sie mit Enkel Jan, der auf Sizilien so gar keinen Bock hat, im Flieger nach Catania. Das Sommerabenteuer beginnt...
Wie Moni da im Boot sitzt und sich von ihrem Enkel Jan durch die Wellen schippern lässt – ein Cover, das richtig Lust auf Urlaub macht – nicht nur in Italien oder Sizilien.
Tessa Henning hat es mit ihrem Witz, ihrer leicht-locker-flockigen Schreibweise und einer humorvollen Geschichte wieder mal geschafft, dass ich fast nicht aufhören wollte zu lesen und meine nach oben gezogenen Mundwinkel fast einen Krampf bekamen.
Ihre Figuren sind so lebendig, liebenswert und menschlich gezeichnet, haben alle ihre eigene Ausstrahlung. Ich bin so gerne mit der sympathischen, unternehmungslustigen Moni unterwegs. Für ihr Alter ist sie sehr rüstig und immer auf Tour. Ganz im Gegensatz zu ihrem anfangs meist schlecht gelaunten Enkel Jan, der von Beginn an schon keine Lust hat, auf Oma aufzupassen. Das ändert sich aber, als er Lena kennenlernt.
Die beiden jungen Frauen Lena und Francesca, die sich ihren Traum erfüllen und auf Sizilien eine Sprachenschule eröffnen wollen, nehmen für mich etwas viel Raum in der Geschichte ein. Auch wenn Moni sich in ihrem Projekt engagiert bzw. Denaro zuschießt. Aber durch sie erfahre ich einiges aus der Vergangenheit von Moni und Vincenzo. Auch die weiteren Personen stellen sich realistisch dar und geben der Geschichte ihren eigenen Pfiff. Nachdem es am Ende drei verliebt Paare gibt, kann man von "Nie mehr Amore" nicht sprechen – oder.
Die eingestreuten italienischen Ausdrücke und Redewendungen katapultieren mich zusammen mit Moni und Jan sofort ins Urlaubsfeeling. Bei der Fahrt durch Sizilien habe ich verschiedene wundervolle Bilder direkt vor Augen, blumige Gerüche in der Nase und träume mich einfach auch dorthin.
Wie es sich für eine witzige Reise durch Sizilien gehört, fehlt natürlich auch eine Begegnung mit der Mafia nicht.
Tessa Henning schafft es wieder mit Bravour, Unterhaltung, Humor, Spannung, Geheimnisse, Überraschungen und verschiedene Wendungen unter einen Hut zu bringen und in einer interessanten, lesenswerten Geschichte zusammenzufassen. Mir hat die Reise mit Moni sehr gut gefallen und ich finde es so schön hier zu lesen, dass man für die große Liebe und für ein Abenteuer nie zu alt ist.
Auf der Suche nach sich selbst
Nie wieder Amore! von Tessa Hennig
Sonny Anderson, der seinen Vater und seine Mutter seit Jahren nicht gesehen hat, lebt seit 11 Jahren bei seinem Vormund Thomas Hardiker in Redondo Beach in Süd-Kalifornien. Er hat in seinem jungen Leben schon Vieles mitgemacht. Drogen, Ängste, Zwänge und Neurosen haben sich entwickelt. So mag er z.
B. keine Umschläge, hat Angst vor Veränderungen, mag keine lauten Geräusche und hasst die Kussgeräusche anderer Personen. An seinem 21. Geburtstag, der für ihn selbst nichts Aussergewöhnliches ist, ändert sich doch so einiges. Plötzlich steht in seinem Pass Sonny Anderson Agelaste-Bim und er erbt von seinem Vater, einem ehemaligen Guru, ein Millionenvermögen. Schließlich macht er sich auf nach Großbritanien, um zu seinen Wurzeln zu finden.
Nach dem Klappentext und einer Leseprobe hatte ich mich auf einen leichten, witzigen Roman eingestellt. Bekommen habe ich eine tiefgründige, warmherzige Geschichte über einen jungen Mann, der sich auf die Suche nach sich selbst und seiner Vergangenheit macht.
Sonny erzählt seine Geschichte in der Ich-Form. Von seinem Geburtstag, seinem Leben mit Thomas, dem Auspacken der Geschenke, seinen Ticks und wie er sich im Flugzeug nach Europa fühlt. So lerne ich ihn langsam immer besser kennen und auch verstehen.
Ich hatte den jungen Mann recht bald in mein Herz geschlossen und bin sehr gerne auf die Reise in seine Vergangen mit gegangen. Von London aus macht er sich auf die Siche nach seinen Wurzeln. Er trifft Menschen, die seinen Vater und seine Mutter kannten und es hat den Anschein, als wären beide an ihrem Sohn nicht sonderlich interessiert gewesen.
Aber nicht das Offensichtliche, sondern vor allem Sonnys manches mal wirren oder verwirrenden Gedanken machen den Reiz dieser Geschichte aus. Immer auch auf den Spuren seines Lieblingsfilms Shaun of the dead tastet sich Sonny langsam zu seiner eigenen Identität vor. Ich bin ihm dabei sehr gerne gefolgt, auch wenn ich ihn nicht immer gleich verstanden habe.
Eine wunderbare Geschichte darüber, dass jede Familie anders und einzigartig ist. Und dass man seine eigene Familie manchmal ausserhalb der eigenen findet.
Wer eine ungewöhnliche Familiengeschichte mit einem aussergewöhnlichen Protagonisten und teils etwas "anderen" Handelnden lesen mag, der sollte sich dieses Buch vornehmen.
Tödliche Videospiele
Todeswoge von Katharina Peters
Emma Klar, ehemalige Polizistin und jetzt Privatdetektivin in Wismar, wird von der Hamburger Juwelierin Lilo Eichborn engagiert, ihren ehemaligen Schulfreund Ingo Beyer zu suchen, der zuletzt in Grewesmühlen gelebt hat. Bei ihren Recherchen stößt die Privatdetektivin auf Polizeiberichte eines Prozesses wegen Kindestötung, wo Beyer als Täter vor Gericht stand.
Er wurde damals freigesprochen. Nun ist in der Nähe von Grewesmühlen wieder ein 10-jähriges Mädchen verschwunden. Hat Beyer damit etwas zu tun und ist deswegen untergetaucht? Emma gelingt es sowohl BKA als auch LKA davon zu überzeugen, dass an diesem Fall viel mehr unklar ist, als das Verschwinden von Ingo Beyer. Gemeinsam geht man auf Spurensuche, die weit in die Vergangenheit zurück geht.
Dies ist der 3. Fall für die sympathische Privatdetektivin aus Wismar. Und auch diesmal wurde ich wieder gut unterhalten.
Katharina Peters stellt mir in diesem Fall ganz besonders zwei Männer vor, Ingo Beyer und Kilian Eichborn, Freunde seit Jugendtagen, bei denen vor allem bei einem der Beiden die Brutalität und vor allem der Wahnsinn, mit dem er seine Taten begeht, schwer vorstellbar sind. Alles getarnt durch Videospiele, sowohl legal als auch im Darknet. Bis einem der Beiden der Andere plötzlich zuviel wurde. Beim Lesen hatte ich mehr als einmal Gänsehaut. Wenn ich mir vorstelle, dass es vielleicht solche Menschen mit solchen Fantasien, die diese auch verwirklichen wollen, tatsächlich geben könnte, stellen sich mir die Haare auf.
Die Spannung ist wegen der ausgiebigen Ermittlungen diesmal nicht ganz so hoch. Trotzdem habe ich mitgefiebert und mit gelitten, bis man dem oder den Tätern endlich auf der Spur war. Und ich hatte Angst, dass es vielleicht ein weiteres Opfer geben könnte. Gut dass Emma sich auf ihren Freund Christoph immer verlassen kann und der auch die kleinsten Hinweise zu deuten vermag.
Ihr habt Lust auf einen spannenden, vor allem sehr interessant aufgebauten Ostsee-Krimi? Dann seid ihr hier genau richtig.
Für diesen 3. Fall bekommt Emma Klar von mir 4,5 von 5 Sternen.
Von Beginn an extrem spannend
Das Haus der Mädchen von Andreas Winkelmann
Gleich auf den ersten Seiten schießt die Spannung so in die Höhe, dass ich mit Lesen nicht mehr aufhören kann.
Krankenpfleger Oliver Kienat fällt auf seinem Heimweg ein weißer Kastenwagen auf, an dessen Rückfenster er eine Hand und blutige Fingerspuren sieht. Er verfolgt das Fahrzeug, fotografiert es mit seinem Handy – und wird in einem verlassenen Hafenareal durch das Fenster seines Wagens erschossen.
Frederic "Freddy" Förster, ein Mann, der den tiefen Fall aus dem beruflichen Leben hinter sich hat und nun auf der Straße lebt, beobachtet das Ganze.
Leni Fontane aus dem kleinen Provinzort Sandhausen hat ein dreiwöchiges Praktikum im Hamburger Verlag New Media ergattert. Ihr Zimmer in einer alten Villa direkt am Kanal hat sie über BedonBed.com bekommen. In ihrem neuen Zuhause auf Zeit lernt sie Vivien kennen; eine sehr kontaktfreudige junge Frau, die sich sehr freizügig gibt und auf der Suche nach einem Millionär ist. Als Vivien ganz plötzlich von heute auf morgen verschwindet, ohne sich von Leni zu verabschieden, wendet sich Leni an die Polizei.
Hauptkommissar Jens Kerner hat gerade den Fall Jana Heigl auf dem Tisch, die ebenfalls spurlos verschwunden scheint. Die Suche nach den verschwundenen jungen Frauen beginnt.
Landei Leni Fontane mit ihrer liebenswerten etwas naiven Art habe ich gleich ins Herz geschlossen. Zuerst zurückgezogen taut sie langsam auf, wehrt sich und stellt sich entschlossen allen Widrigkeiten und allem Bösen gegenüber.
Bei Freddy hat es etwas länger gedauert, bis ich ihn mochte. Er hat eine dunkle Vergangenheit, ist von ganz Oben nach ganz Unten gestürtzt, aber er hat seinen Gerechtigkeitssinn nicht verloren und als es drauf ankommt, ist er voll da.
Auch die anderen Protagonisten, allen voran HK Kerner, den man in seinem Umfeld nur als Dirthy Harry kennt, und seine Kollegin Rebecca mit ihrer zynischen und auch humorvollen Art, die an den Rollstuhl gefesselt ist, kann ich mir sehr gut vorstellen.
Mitgefiebert habe ich vor allem mit den jungen Frauen, bei deren Martyrium ich hautnah dabei bin. Ich lese, wie sie leiden, wie sie hoffen, wie sie betteln aus dieser Misere wieder raus zu kommen, wie sie sterben, wie sie sich gegen ihre Peiniger zur Wehr setzen – aber letztlich fast keine Chance haben. Das hat mich schon mitgenommen. Vor allem, wenn ich mir vorstelle, dass es so etwas auch im realen Leben geben kann. Das will man sich gar nicht vorstellen.
Dies war das erste Buch, das ich von Andreas Winkelmann gelesen habe und das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Es wird nicht das letzte bleiben.
Ein extrem spannender Thriller mit interessanten aussergewöhnlichen Protagonisten und einem Plot der fesselt. Genau so stelle ich mir nervenkitzelnde Unterhaltung vor.
Im Schatten der Vergangenheit
Aachener Todesreigen von Ingrid Davis
Kaum hat Britta Sander von der Detektei Schniedewitz & Schniedewitz in Aachen ihren letzten Fall abgeschlossen, da meldet sich ihre alte Schulfreundin Pia, an die sie schon lange nicht mehr gedacht hat. Deren Schwester Sabrina ist spurlos verschwunden und die Polizei will noch keine Fahndung einleiten.
Pia und ihr Schwager Christian glauben, dass Sabrina irgendetwas zugestoßen sein muss. Da es einige Ungereimtheiten gibt, beginnt Britta mit der Suche nach Sabrina und wird auch bald fündig. Es sieht so aus, als habe die Gesuchte sich das Leben genommen. Oder scheint es nur so?
Brittas Kollege Eric Lautenschläger bearbeitet gerade einen Fall, bei dem eine junge Frau bei einem Reitunfall ums Leben gekommen ist. Auch hier glaubt die Familie nicht an einen Unfall.
Als sich in beiden Fällen Parallelen ergeben und es sich abzeichnet, dass auch andere junge Frauen in Gefahr sein könnten, beginnen Britta und Eric mit Hochdruck zu ermitteln. Dass auch sie in Gefahr sind, registrieren sie fast zu spät...
In ihrem ersten Fall um Britta Sander nimmt mich die Autorin mit nach Aachen. Durch die kleinen hier und da eingestreuten Dialektbrocken und die Beschreibung der Stadt und des Umlandes kommt der Lokalkolorid sehr gut rüber.
Indrid Davis erzählt die Geschichte in einer leichten und flüssig zu lesenden Art durch die Augen von Britta Sander, so, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen hatte. Eine Prise Humor lockert den Kriminalfall immer wieder auf. Da Brittas Gedanken kursiv dargestellt sind, weiß ich auch immer, was gerade in ihrem schlauen Kopf vorgeht.
Britta Sander und ihre Kollegen aus der Detektei Schniedewitz & Schniedewitz sind mir sehr sympathisch. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen und manchmal den Schalk im Nacken. Ich mag den Humor der Truppe und vor allem die Kollegialität, wenn´s drauf ankommt. Alle sind so farbig und authentisch gezeichnet, dass ich bald ein recht klares Bild im Kopf hatte.
Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und hält meine Nerven auf einem nichtzerreißenden Level. Ich hatte zwar schon bald einen Verdacht, aber leider bin ich wohl nicht zum Ermitteln geboren. Den Täter, der sich dann heraus kristallisiert hat, hatte ich lange nicht auf meiner Liste. Mein Fragen, die mir beim Lesen immer wieder kamen, wurden zum Schluss schlüssig aufgelöst. Und das turbulente Ende hat mich zufrieden zurück gelassen.
Ein leichter Krimi, der bei mir für gute Unterhaltung gesorgt hat, mit einer neuen, taffen Ermittlerin (und ihrem Kommissar) von der ich gerne mehr lesen würde.
4 Jahre Auszeit
Mit 50 Euro um die Welt von Christopher Schacht
Christopher Schacht hatte ich schon in verschiedenen Talkshows gesehen. Seine Erlebnisse, die er dort geschildert hat, haben mich neugierig gemacht und ich musste das Buch unbedingt lesen. Als ich es dann in Händen hielt, hat mich der grobe Überblick schon sprachlos gemacht und ich musste sofort anfangen zu lesen.
Mit nur 50 Euro, von denen die Hälfte schon sehr rasch weg ist, macht sich der 19-jäjrige auf eine Reise durch 45 Länder, die ihres gleichen sucht. In einem dunkelblauen Opel Corsa beginnt eine Reise mit nur einem ganz grobe Plan. Die Nächte verbringt er zumeist in seiner Hängematte oder seinem Zelt. Tagsüber arbeitet er z.B. auf Segelschiffen für die Überfahrt auf Atlantik oder Pazifik. Er lernt jede Menge Menschen kennen, die ihm freundlich begegnen. Sein total einnehmendes Wesen macht es ihm leicht mit Menschen in Kontakt zu treten. Er kennt keine Berührungsängste und geht offen mit allem was ihm geboten wird um. Immer dabei und präsent, sein Glaube an Gott.
In seinem Buch erzählt er vom 1. Juli 2013 bis zu seiner Rückkehr im Juli/August 2017 die interessantesten, spannendsten, lustigsten und bemerkenswertesten Geschichten, die ihm auf seiner Reise passiert sind. So hat er 5 der 7 Weltmeere durchsegelt, 4 neue Sprachen gelernt, Bilder zum Neidischwerden geschossen, auch das eckligste Essen probiert und jede Menge Abenteuer durchlebt. Vor allem aber hat er viele neue Freundschaften rund um die Welt geschlossen und seine Herzensdame übers Internet kennen- und lieben gelernt.
Christopher Schacht beschreibt seine Reise um die Welt so anschaulich, so unterhaltsam, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Ich wollte immer mehr wissen, von all dem, was man in keinem Reiseführer zu lesen bekommt. Hier war ich nicht im Urlaub, sondern im realen Leben mit dabei. Und das hat mir riesigen Spaß gemacht.
Gleich zu Anfang schreibt Christopher Schacht: "Wer weiß, vielleicht macht das (die Geschichten im Buch) dem einen oder anderen ja Appetit auf mehr". Ja, lieber Christopher, absolut. Wäre ich nicht schon lange Ü60, wäre ich vielleicht jetzt schon am Rucksack packen. Aber ich fange nun endlich an, eine Reise, die ich schon lange machen möchte, in Angrif zu nehmen. Den Anschubser dazu habe ich diesem Buch zu verdanken.
Jeder, der die Lust am Reisen und die Lust auf Neues nicht verloren hat, sollte dieses mit hochwertigen Bildern ausgestattete Buch lesen. Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst.
Nun wird in Nordfriesland ermittelt
Mit 50 Euro um die Welt von Christopher Schacht
Nach ihrem monatlichen Tratschabend bei ihrer Freundin Petra findet Bodo Hinrichs seine schwangere Frau Franziska erschlagen im Vorgarten. Der Mörder hat ihr ein Schild mit der Jahreszahl 2008 unter den Arm geklemmt.
Die beiden mitlerweile verheirateten Kommissare Fenna Stern und Tammo Anders, die die Tote, Patentochter von Tammos Onkel Friedo, sehr gut kannten, werden von den bereits begonnenen Ermittlungen wegen Befangenheit abgezogen.
Dann der nächste Schock: Die Dienststelle in Greetsiel wird aufgelöst. Für Beide sind nun Dienststellen vorgesehen, die von Greetsiel einmal 2 Autofahrstunden bzw. 150 km weg liegen. Erst mal beurlaubt, planen sie einen Urlaub mit Friedo und Martha in Nordfriesland. Kaum sind sie dort, finden sie in der Zeitung den Artikel über einen ermordeten Immobilieninvestor. Auch er hat ein Schild in der Hand mit der Zahl 2013. Hängen der Mord an Franzi und der Mord in Husum zusammen?
Doch nicht nur diese beiden Morde beschäftigen Fenna und Tammo. Es tauchen unschöne Geheimnisse im Fall Franzi auf und auch in ihrer privaten Situation wird sich einiges ändern...
Wie ich es von den Krimis von Ulrike Busch gewohnt bin, liest sich auch diese Geschichte leicht, flüssig und vor allem spannend. Ich bin sofort mittendrin und fühle mich wie auf Besuch bei Freunden in Ostfriesland.
Recht bald tauchen die ersten Verdächtigen auf. Es kommen Geheimnisse ans Licht, die Franzi geschickt verborgen hat. Ich kann von Anfang an mit ermitteln und mit rätseln. Der Spannungsbogen hält sich hoch. Die Ermittlungsarbeit wird sehr anschaulich beschrieben und man merkt, dass man hier nicht in einem sonntagabendlichen"Tatort" ist, wo man die Taten immer recht schnell auflöst. Durch das dauernde Zusammensein mit den Ermittlern lerne ich sie sehr genau kennen und verstehen. Es ist schön zu beobachten, wie gut Fenna und Tammo nicht nur im Privatleben, sondern auch bei der Arbeit harmonieren. Gerade Fenna besticht durch ihre Besonnenheit, hat die richtigen Fragen zur rechten Zeit parat und bringt Tammo wieder auf Spur, wenn es sein muss.
Fenna und Tammo ermitteln hier nicht mehr in Greetsiel und Umgebung, sondern der Mittelpunkt liegt diesmal in und um Husum und am Nordstrand in Nordfriesland. Da ich in der Gegend schon einmal einen wunderschönen Urlaub verlebt habe, habe ich einiges, was hier beschrieben oder angesprochen wird, gleich wiedererkannt.
Wenn Fenna und Tammo mit dem Rad unterwegs sind, spüre ich den Fahrtwind in meinen Haaren, sehe die Schaafe auf dem Deich marschieren und habe den Salzgeruch der Nordsee in der Nase.Und bei der Fischplatte für 2 oder dem Krabbenbrötchen läuft mir das Ewasser im Mund zusammen.
Wieder ist es Ulrike Busch gelungen, einen Fall zu konstruieren, der mich von Anfang an gefesselt und sehr gut unterhalten hat.
Für mich hat dieses Buch die 5 Sterne voll verdient.









