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Rezensionen von gaby2707:
Geschichte kann auch spannend sein
Römermaske von Simone Dorra
Kommissar Malte Jakobsen hat nicht viel Zeit sich in seinem neuen Zuhause einzuleben. Als er zusammen mit Lukas, den er vor einiger Zeit in seinem ersten Fall bei der Kripo Waiblingen kennengelernt hat, das Ostkastell in Welzheim besichtigt, findet er im Kastellbrunnen einen Toten. Professor Simon Adlersfeld hat eine Maske, die im Kastell unter einem Baum gefunden wurde, als echte Römermaske identifiziert.
Warum musste er sterben? Geht es hier nur um die Römermaske – oder steckt da mehr dahinter?
Mir gefällt es sehr gut, dass Lukas, den ich bereits bei den Pfadfindern im ersten Fall von Malte Jakobsen und Melanie Brendel kennengelernt habe, sich hier mit Malte ausspricht. Und er ist ja auch in diesem Fall dann noch sehr präsent.
Mir gefallen die Protagonisten, die hier mitspielen sehr gut. Die russische Seele Ekaterina, das Klatschweiberl Frau Gruber, der Schmied Herr Wieland, der Römervereinsvorsitzenden Herbert Häger und sein Stellvertreter Johannes Sandmann und viele mehr. Sie alle werden so liebevoll detailiert und menschlich beschrieben, dass ich sofort mitten unter ihnen bin und mich schon wie ein Bewohner des kleinen Städtchens fühle.
Die immer wieder eingestreuten schwäbischen Dialoge, die auch für Nichtschwaben gut zu verstehen sind, geben der Geschichte, zusammen mit schwäbischem Essen, genau die richtige Portion Lokalkolorid.
Ich hätte nie gedacht, dass mich geschichtliche Fakten so in den Bann ziehen könnten. Aber ich sehe, es kommt nur darauf an, wie es vermittelt wird. Und hier war ich von der römischen Geschichte einfach nur gefesselt. Eingebettet in diesen Kriminalfall habe ich einiges gelernt, konnte mitfiebern und mit ermitteln. War immer direkt mittendrin und voll dabei. Wenn ich den Fall im Nachhinein betrachte, war der Täter eigentlich schon länger klar. Aber Simone Dorra hat es gut verstanden, die kleinen Hinweise so zu verstecken, dass ich doch erst ziemlich zum Schluss drauf gekommen bin, um wen es hier geht.
Malte Jacobsen entwickelt sich langsam vom "Einsamen Wolf" zum Teamplayer. Seine Kollegin habe ich ja schon länger ins Herz geschlossen. Hier scheint es zwischen den Beiden, die als Ermittler sehr gut zusammen passen, auch privat ganz leicht zu knistern. Ich sehe hier und da Sternchen fliegen.
Dies ist der zweite Fall von Malte und Melanie, den man aber sehr gut ohne die Kenntnisse vom ersten Fall lesen kann. Aber wenn man die Charaktäre besser kennenlernen und einen weiteren spannenden Fall erleben will, lohnt sich der erste Fall auf alle Fälle.
Viele Dank für einige spannende und sehr unterhaltsame Lesestunden. Ich freue mich heute schon auf Fall Nr. 3.
Ein Geheimnis aus der Provence
Lavendelträume von Gabriele Diechler
Julia Bents Mutter ist bei einem Autounfall, an dem sich Julia mitschuldig fühlt, verstorben. Bei der Durchsich des Nachlasses findet Julia den Schlüssel zu einem Schließfach. Darin ein Päckchen mit einem Parfümflakon und einem kleinen Zettel: Je t´aimerai jusqu´a la fin de la vie! A. Wer ist A.
? Und was hat er mit ihrer Mutter zu tun? Julia beschließt dieses Geheimnis zu lüften und begibt sich nach Südfrankreich in die Provence, in den kleinen Ort Roquefort-les-Pins in der Nähe von Grasse. Noch ahnt sie nicht, dass diese Reise ihr leben entscheident verändern wird...
Gabriele Diechler hat mich mit ihrem Roman nach einer kurzen Einführungsphase direkt in die Blütenpracht und die Ruhe in der Provence hineingezogen. Die Freundlichkeit und die Herzlichkeit der Menschen dort haben mich genau wie Julia willkommen geheißen und bei den Beschreibungen der Menschen und der Landschaft mag man fast nicht mehr von dort fort. Ein weiteres tragen die Düfte dazu bei, die ich meine riechen zu können, wen ich die Augen schließe.
Diese bildhaften, sehr gefühlvollen und eindrucksvollen Momente, die ich hier zusammen mit den Protagonisten erlebe, lassen mich runterkommen, fesseln mich an das Buch bis ich es mit einem Seufzer zur Seite lege. Aber es gibt auch die nachdenklichen Szenen, die zum diskutieren anregen, die mir hier sehr gut gefallen. Das Leben ist nun mal nicht immer nur schön.
Das Buch hat auch schon fast kriminalistische Züge. Ich will wissen, welches Geheimnis Julias Mutter hatte; ich will wissen, wie es mit Julia und dem Sohn des Parfümeurs weiter geht. Ich will wissen, wie sich Julias Freundin in Frankfurt mit ihrem Immobilienbüro schlägt. Ich fühle schon fast gezwungen weiter zu lesen und den Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Eine einfach wunderbare und grandiose Geschichte, die niemand besser erzählen kann, als Gabriele Diechler.
Eine wunderbar romantische, gefühlvolle Geschichte mit einem Rätsel, das mit einigen Wendungen gekonnt aufgelöst wurde. Tolle, bildreiche, sehr gute Unterhaltung von der ich gerne mehr hätte!
Aus zwei Kindern werden Vier
Kleckerlätzchen für Fortgeschrittene von Iris Hell
Kim Weiss ist wieder schwanger. Zusammen mit ihrem Mann sitzt sie bei ihrem Gynäkologen und bekommt eine Nachricht, die sie schier vom Hocker haut bzw. absolut sprachlos macht: sie erwarten Zwillinge. Sie besinnen sich auf ein bewährtes Ritual und gehen in ihr Cafe, trinken einen Espresso und lassen die Nachricht erst mal sacken.
Die beiden süßen Mädels die Kim dann zur Welt bringt, bringen ihr Leben ganz schön auf Trab.
Iris Hell beschreibt in einer so gelungenen Weise, wie die plötzliche vierfach-Mutti versucht ihren Alltag mit vier kleinen Kindern zu bewältigen. Ich sehe sie direkt vor meinen Augen – rechts und links einen der beiden Zwillingsmädchen auf dem Arm, Clara, wie sie sich an ihre Beine klammert, Lil, die auch ihre Aufmerksamkeit möchte. Dazu Berge von Windelpackungen, Milchtüten und Essensgläschen.
Die Wohnung wird zu klein und ich darf die sechs in ihr neues Haus in Freiman begleiten. Hier ist mehr Platz, aber das Chaos scheint Kim gepachtet zu haben. Sie kommt mir oft richtig überfordert vor. Was sich aber auch nach einer Mutter-Kind-Kur nicht allzuviel ändert. Und ihr Mann Marcus? Der zerfließt in seiner Kanzlei vor Arbeit. Einer muss ja das Geld nachhause bringen. Trotzdem behält sie meist ihre gute Laune, lässt sich nicht unterkriegen. Gerade das macht sie so sympathisch.
Richtig leid getan hat mir Kim, als sie sich entscheidet, wieder arbeiten zu gehen. Teilzeit, mit 4 kleinen Kindern – ein Plan, der nicht aufgehen kann. Aber sie gibt nicht auf und entscheidet sich, ihrem Leben eine Wende zu geben. Und ich denke, damit lässt sich Kindererziehung und Berufung sehr gut unter einen Hut bringen.
Ein wunderbares Buch, bei dem ich mit Kim gelacht habe, dabei war, als sie versucht, ihren Mädels Ordnung beizubringen. Und mag es noch so hektisch zugehen. Aus jeder Zeile liest man, wie sehr Kim ihre 4 Mädels liebt und sie für nichts in der Welt wieder hergeben würde.
Wenn ihr glaubt, mit einem Kind schon überfordert zu sein, dann lest dieses Buch. Meine Beiden sind schon erwachsen. Trotzdem hatte ich mit diesem Buch sehr gute, interessante und kurzweilige Unterhaltung.
Eine Reise in die Vergangengeit
Der Mitternachtsgarten von Victoria Fox
Lucy Whittaker, die nach einem Skandal vor den Scherben ihres Lebens steht, würde London lieber heute als morgen verlassen. Da kommt ein Jobangebot aus der Toskana, wo sie als Hausmädchen arbeiten kann, gerade recht. In dem alten, abgeschiedenen Castillo Barbarossa angekommen lernt sie allerdings nur Adalina, die Assistentin der ehemals berühmten Schauspielerin Vivien Lockhart, kennen.
Als sie ein altes Tagebuch findet, regt sich ihre Neugier und sie beginnt, den Dingen auf den Grund zu gehen. Nach und nach kommt sie hinter ein Familiengeheimnis und einer Tragödie auf die Spur. Aber auch sie lässt ihre Vergangenheit lange Zeit nicht los.
Victoria Fox hat einen so anschaulichen, bildhaften und ausdrucksstarken Schreib- und Erzählstil, dass ich recht bald in der Geschichte drin und total gefesselt war. Da ich immer häppchenweise erfahre, was sich in Lucys und Viviens Vergangenheit abgespielt hat, bleibt der Spannungsbogen immer weit oben und straff gespannt.
Zwei Zeitebenen wechseln sich ab und erzählen durch Lucy ihre Geschichte, die mich nicht so ganz angesprochen hat, im hier und jetzt. Die Geschichte von Vivien dagegen im Rückblick auf die Vergangenheit ab 1972 empfinde ich als sehr interessant und spannend. Beide haben ihre ganz persönlichen Geschichten, die sich nach und nach vor mir ausbreiten.
Eine unheimliche, nahezu bedrohliche Stimmung beherrscht weite Teile der Geschichte und ich spüre beim Lesen, dass hier etwas Unheilvolles geschehen sein muss. Tiefe Abgründe tun sich auf und ganz langsam kommen Geheimnisse ans Licht, die ich so nicht erwartet habe. Ich kann vor allem mit Vivien mit leiden, mit ihr fühlen, mit fiebern, manchmal mit ihr lächeln, lese in ihren Gedanken und bin immer an ihrer Seite. Bis zum Schluss.
Die bildhaften wunderschönen Beschreibungen der toskanischen Landschaft habe ich genossen und sie wurde vor meinem inneren Auge gut sichtbar. Vor allem den gruseligen Fischmaul-Brunnen, der in der Geschichte eine tragende Rolle spielt, habe ich noch genau vor Augen.
Ein interessantes Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Frauen, ein spannendes und gut aufbereitetes Familiendrama, das mich zu weiten Teile gefesselt hat und bei dem ich manchmal auch gruselige Lesemomente hatte. Eine atmosphärisch dichte Geschichte mit einem traurigen, aber auch hoffnungsvollen Schluss, die ich gerne weiterempfehle.
Die seltsamen Wege des Lebens
Wir sehen uns im Sommer von Åsa Hellberg
Susanne, Maggan und Rebecka vermissen ihre Freundin Sonja, die nun schon sieben Jahre tot ist. Endlich wollen sie den letzten Wunsch ihrer Freundin erfüllen und ihre Asche an ihren liebsten Orten rund um die Welt verstreuen. In 10 Briefen und Filmen erfahren die Freundinnen von Sonjas tragischer Liebesgeschichte.
Von diesem Geheimnis hatten sie keine Ahnung. Aufgeteilt in drei kleine Puderdosen machen sich die Freundinnen auf den Weg, erleben ihre Abeneuer und finden den Weg zu sich selbst.
Schon der Prolog liest sich so wunderschön und geht zu Herzen. Die Briefe, die Sonja an ihre Freundinnen schreibt, tun ihr übriges.
Der locker, leichte Schreib- und Erzählstil verhilft mir zu einem entspannten Lesen, so dass die Seiten nur so dahin fliegen. Es ist so schön dabei sein zu können, wie die drei Freundinnen noch enger zusammen wachsen und jede ihren Platz im Leben verteidigt bzw. sich neu einrichtet.
Susanne, die ihre Freiheit über alles liebt und sich nicht fest binden will; Maggan, die ihre Lieben alle um sich herum haben will und ihr neues Leben in Schweden genießt; und Rebecka, die sich in ihrer Trauer um ihren Mann vergrägt und von den Freundinnen gezwungen werden muss, mit auf die Reise zu gehen, kann ich mir so gut vorstellen. Ihre Vorzüge, ihre charakterlichen Eigenschaften und ihre Einstellungen zum Leben, das sie mit über 50 alle schon genossen haben, werden so detailliert geschildert und in die Geschichte eingebaut, dass ich mir manchmal nicht vorstellen konnte, dass drei so unterschiedliche Frauen sich so gut verstehen können. Aber gerade das macht Freundschaft aus. Dass man sich offen die Wahrheit sagen kann, dass man sich nicht immer anpassen muss und dass man für seinen Lebensstil und seine Meinung nicht verurteilt wird. Mit diesen drei Frauen wäre auch ich gerne befreundet. Das alles kommt hier in der Geschichte sehr gut rüber.
Von Mallorca über Australien, Hawaii auf die Lofoten. Von der Isle of Skye nach Haiti, New York, Paris. Ihre letzte gemeinsame Station ist dann wieder New York. Ich habe diese Reise mit den drei Frauen und ihren Männern, die natürlich auch eine Rolle spielen, sehr genossen.
Hier und da gibt es aber auch Stellen, die mir persönlich einfach zu ausführlich oder gar unnötig erscheinen. Da kommt für mich leider etwas Langeweile auf.
Ein wunderbarer leichter Sommerroman voller Emotionen, gute als auch schlechte Gefühle, über Freundschaft, Liebe und das Leben an sich. Ein Roman, der beschreibt, dass Freundschaft und Liebe stärker sein können als der Tod.
Unglaublich und erschütternd
Gleis der Vergeltung von Astrid Korten
Lynn-Elisabeth von Raaben und Benedikt Hallbach wollen die Gäste zu ihrer Hochzeit am 06. Mai 2010 schockieren. Sie planen, anstatt mit einer weißen Limousine mit einem Roller beim Standesamt vorzufahren. Doch zu dieser Hochzeit soll es nicht kommen. Benedikt verunglückt auf dem Weg zu seiner Braut tödlich.
7 Jahre später meldet sich bei Lynn eine Frau, die den Unfall gesehen haben will. Sie behauptet, es sei kein Unfall gewesen und sie kenne die beiden Männer und die Frau, die für den Tod von Benedikt verantwortlich seien.
Und Lynn, die seit damals in einem Loch der Trauer gefangen scheint, entwirft zusammen mit genau dieser Frau einen entsetzlichen Racheplan. Dabei merkt sie nicht, dass sie zum Spielball in einem perfiden Spiel wird.
Das Interesse für dieses Buch hat schon das Cover geweckt. Es zieht mich magisch an und ich habe mich gefragt: Was hat es mit der jungen Frau im Brautkleid auf den Gleisen auf sich?
Der Einstieg ins Buch war für mich nicht ganz einfach. Ich musste mich erst auf die verschiedenen Zeitebenen und den unterschiedlichen Schauplätzen zurecht finden. Das ist mir aber schnell gelungen. Jedes Kapitel wird mit Namen eingeleitet, so dass ich immer genau weiß, um wessen Geschichte es sich hier gerade handelt.
Astrid Korten hat es sehr schnell geschafft meine absolute Aufmerksamkeit auf die Geschichte zu lenken, mich regelrecht an das Buch gefesselt und darin gefangen. Schnörkellos und ohne Wertung erzählt sie von einer nach aussen scheinbar tadellosen Familie, von Scheidungskrieg, von Demenz, von sexuellem Missbrauch und sie lässt mich tief in die Seelen und Abgründe der Protagonisten schauen.
Die gesamte Geschichte dreht sich hauptsächlich um Benedikt und um die Rache, mit der sich Lynn auseinanderzusetzen hat, bis sie merkt, dass sie gerade wieder zum Opfer wird. Dazu kommen diverse Nebenschauplätze, die sich alle lückenlos und nachvollziehbar in die Hauptgeschichte einfügen.
Die Protagonisten sind so detailliert beschrieben, dass ich sie mir sehr gut vorstellen kann. Die Autorin macht es mir leicht, mich auch in das Gefühlsleben der meisten Personen hinein denken zu können. Manches ist allerdings so ungeheuerlich, dass es wirklich kaum zu glauben ist. Schlimm wird es für mich immer dann, wenn ich mir vorstelle, dass dies alles auf einem wahren Kriminalfall beruht. Da stockt mir immer wieder der Atem und auf meinen Armen stellen sich die Haare auf.
"Gleis der Vergeltung" macht mich sprachlos, geht mir unter die Haut, berührt mich sehr und wird mich noch lange beschäftigen. Und ich hoffe, dass sich noch viele Leserinnen und Leser diesem immer noch totgeschwiegenen Thema annehmen und das Buch lesen werden.
Meine absolute Leseempfehlung für das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe!
Ein Thriller der leisen Töne
Der Kreidemann von Tudor C.J.
Es geht sehr fröhlich zu auf der Kirmes im südenglischen Städtchen Anderbury. Bis sich plötzlich aus einem der Fahrgeschäfte eine Gondel löst und herum fliegende Eisenteile einem Mädchen das halbe Gesicht weg reißen. Zusammen mit einem großen, bleichen, hageren Mann bleibt der 12-jährige Eddie Adams bei ihr bis der Krankenwagen sie abholt.
Der Mann, den Eddie dort kennengelernt hat, ist ein neuer Englischlehrer an seiner Schule und er zeichnet mit Kreide. Von ihm schauen sich Eddie und seine Freunde Hoppo, Metal Mickey, Fat Gav und Nicky bunte Strichmännchen ab, die sie ab jetzt als Erkennungs- und Geheimzeichen nutzen. Bis weiße Strichmännchen die Clique eines Tages zu einer weiblichen Leiche führen.
Als Eddie und seine Freunde von damals 30 Jahre später Mitteilungen mit weißen Strichmännchen erhalten, wir die Vergangenheit für sie wieder lebendig und zwingt sie, sich damit auseinander zu setzen.
Die Geschichte, erzählt auf zweit Zeitebenen: einmal die Ich-Erzählebene des 12-jährigen Eddie in der Vergangenheit und einmal die des 42-jährigen Ed in der Gegenwart.
Der Prolog beginnt sofort sehr spannend und reißt mich gleich mitten hinein in die Geschehnisse in Anderbury 1986. Ab dem anschließenden Jahr 2016 wird es allerdings etwas ruhiger, gemächlicher, spannend bleibt es allerdings bis sich endlich alle Fragen klären und sich alles schlüssig und glaubhaft auflöst.
C.J. Tudor erzählt die Geschichte von Eddie, seinen Freunden und ihren Familien sehr lebendig, flüssig und leicht zu lesen. Die doch sehr unterschiedlichen Charaktäre schieben sich mit ihren Besonderheiten, Ecken und Kanten bildhaft, präzise und sehr gut vorstellbar vor mein inneres Auge. Ich finde es interessant, die Kinder und z.T. auch ihre Eltern sowohl 1986, als auch 2016 kennenzulernen und ihre Schicksale und ihren Werdegang beobachten zu können. Dabei kommt immer mehr zum Vorschein, was bei den Bewohnern in der Kleinstadt im Verborgenen liegt. Nach und nach kommt einiges ans Tageslicht, was eigentlich im Dunkeln bleiben sollte. Und so langsam formt sich ein Bild, bei dem erst ganz zum Schluss klar wird, was und warum sich einiges so verhält, wie es nun aufgedeckt wird.
Auch die Umgebungen und die besonderen Ort, die hier angesprochen werden, werden klar und deutlich geschildert und ich fühle mich in Anderbury auf der Kirmes oder im dicht bewachsenen Wald mittendrin.
"Der Kreidemann" hält nur wenige blutige Stellen für mich parat, was meinem Lesegeschmack sehr entgegen kommt. Die Geschichte ansich ist eher ruhig und man meint, sie plätschert einfach so dahin. Dabei fesselt sie trotzdem. Dann gibt es nicht zu erklärende Umstände, gruselige und unheimliche Szenen und Begegnungen, die es mir richtig schwer gemacht haben, das Buch mal zur Seite zu legen. Die Cliffhänger nach jedem Abschnitt tun ihr Übriges.
Obwohl ich mir von dieser Geschichte etwas ganz anderes erwartet hatte, bin ich absolut begeistert. Die Autorin versteht es gekonnt, leise Töne mit Hintergründigem zu vermischen. Sie lässt Gänsehaut entstehen und sät immer wieder Zweifel an dem Gelesenen.
Wer es mag die verschiedensten Geheimnisse zu ergünden, mit den Protagonisten auf Spurensuche in der Vergangenheit und der Gegenwart zu gehen und sich nicht scheut auch mal in Abgründe zu schauen, der ist hier genau richtig.
Jetzt weiß ich (fast) alles über Sex
Paula kommt von Lambert Paula
Susanne Frömel kenne ich als Paula Lambert aus der ZDFKultur-Serie Im Bett mit Paula, wo sie sich mit verschiedenen Promi-Männern über Sex ausgetauscht hat. Auf SIXX läuft immer noch Sex und Gute-Nacktgeschichten, die ich mir hier und da mal anschaue. Da wollte ich dieses Buch unbedingt lesen.
Es ist in meinen Augen auch kein Sachbuch, sondern eine Auflistung verschiedenster Fragen aus dem sexuellen Bereich, die Paula, manchmal mit einem Augenzwinkern, beantwortet.
Ausserdem finde ich, dass die Zielgruppe dieses Buches eher die Frauen sind. Die Männer kommen hier etwas zu kurz, finde ich.
Das Buch ist in 3 Teile gegliedert:
1. Die Basics – gut zu wissen - da ist vieles dabei, was man schon weiß, aber man kann auch hier noch was lernen.
2. Sextechniken – wie geht das auch hier gibt es das ein oder andere, was ich noch nicht wusste bzw. kannte
3. Normal? Normal! - was ist schon normal da habe ich mich gefragt: Sind wir wirklich so verklemmt, wie wir hier manchmal dargestellt werden? Oder ist das nur die Eisbergspitze?
Unter diesen drei Rubriken wird alles behandelt, was ich schon immer über Sex wissen wollte – oder auch nicht.
In ihrer lockeren, offenen und ehrlichen Art schreibt sie über die verschiedensten Themen, die Frau interessiert. Beantwortet Fragen, bei denen ich manchmal denke: Weiß die das wirklich nicht? Oder sind wir wirklich heute noch so gehemmt? Paula gibt Tipps, verrät kleine Tricks und versteht es mit dem ihr eigenen Humor, dass dies in keinen Fall peinlich oder ordinär wirkt.
Besonders gut haben mir die kleinen Geschichten gefallen, die Paula am Set zu ihrer TV-Sendung passiert sind und von denen sie hier erzählt. Man glaubt es kaum – es gibt nichts, was es nicht gibt – einfach herrlich
Durch die kurzen übersichtlichen Kapitel kann man dieses Buch auch einfach immer mal zwischendurch aufschlagen.
Paula kommt – das ehrlichste Sex-Buch der Welt – für jung und alt – mir hat es teils lehrreiche, teils unterhaltsame Stunden gebracht.
Mia Kaminski - die etwas andere Ermittlerin
Der letzte Gast von Kornbichler Sabine
Maria-Antonia "Mia" Kaminski, 34, verdient sich in München als Dogwalkerin ihren Lebensunterhalt. Berna Kiening, 69, eine ihrer Kundinnen mit Pudel Coco beabsichtigt wegen ihrer unheilbaren Nervenkrankheit in 14 Tagen in der Schweiz ihrem Leben ein Ende setzen zu lassen. Ihre Schwester, ihre beiden Neffen und ihre Nichte versuchen alles um ihr diese Idee auszureden.
Wollen sie evtl. sogar entmündigen lassen. Die kommenden 2 Wochen will Berna nun noch nutzen um sich von Freunden zu verabschieden und noch einmal die Stellen aufsuchen, die ihr besonders am Herzen liegen. Doch dann ist Berna tot, stranguliert, und das kurz nachdem sie sich an der Haustür, wie Mia es scheint, endgültig von ihr verabschiedet hat. Mia stellt die letzten Worte von Berna an sich infrage und versucht auf eigene Faust den Mörder ausfindig zu machen. Hat der machtbesessene und skrupellose Neffe Nikolai Nawrath etwas mit dem Tod der alten Dame zutun? Oder liegt es an dem Testament, das zur Unterschrift beim Notar bereit liegt? Die Beweislage scheint eindeutig, aber Mia bekommt immer mehr Zweifel und merkt bei ihren "Schnüffeleien" nicht, wie sie sich selbst immer wieder in Gefahr bringt.
Der Kriminalfall, den mir Mia aus ihrer Sicht in allen Einzelheiten schildert, scheint eindeutig. Der Beschuldigte hat ein Motiv, die Indizien sind eindeutig, aber sie hat ihre Zweifel. Und die begleiten sie und mich durch einige Wendungen bis zur endgültigen Auflösung. Spannungsgeladen ab der ersten Seite, unterbrochen durch die Schilderungen der Hunde, die Mia betreut und von denen einer eine ganz besondere Rolle hier spielt, düse ich nur so durch die Seiten. Ich bin mit Mia ohne es zu wissen immer mal wieder ganz nahe am Mörder dran. Was mich zum Schluss sogar etwas erschreckt hat. Hier am Ende löst sich alles sehr real auf und ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist. .
Ich finde es toll mit Mia mal einer ganz anderen Art von Ermittlern zu begegnen. Sie reagiert oft so ganz anders als ich es z.B. von den beiden Kriminalermittlern, die hier auch tätig sind, gewohnt bin. Was aber auch dafür sorgt, dass ich oft denke: So doch nicht Mädel. Aber sie macht ihre Sache im Großen und Ganzen sehr gut. Ich habe sie mit ihrer aufrichtigen, gradlienigen und herzlichen Art sofort ins Herz geschlossen. Genau so wie Greta, eine Dame, die mit ihrer Tochter in der Wohnung über ihr wohnt. Warum, das werdet ihr beim Lesen sehr schnell heraus bekommen. Und natürich die Hunde, mit denen ich durch den Englischen Garten und am Eisbach entlang streife und die den Kriminalfall etwas auflockern.
Auch die anderen Protagonisten kann ich mir gut vorstellen und meine Sympathien bzw. Antipathien, die es auch gibt, sind schnell verteilt.
Die bildhaften Beschreibungen, die immer wieder vorkommen, tragen dazu bei, dass mein Kopfkino ständig routiert.
Das die Geschichte in München spielt hat mich von daher fasziniert, dass ich alle Wege, die Mia mit ihren Hunden oder mit Greta geht, im Geiste mit gehen kann. Denn hier kenne ich mich aus. Da macht mir das Lesen noch einen Tick mehr Spaß. Und als Nicht-Münchner bekommt man den Beschreibungen z.B. vom Odeonsplatz oder dem Hofgarten bestimmt Lust, sich das auch mal anzuschauen.
Was meinen Augen aufgefallen ist, ist die vergleichsweise große Schrift, die sie als sehr angenehm empfunden haben.
Zum Schluss noch ein Zitat, das mir sehr gut gefallen hat: „Das Leben meisterst du nur, wenn du schwimmst, nicht, wenn du alles nur vom Beckenrand aus beobachtest.“
Spannende Unterhaltung, ein Kriminalfall bei dem ich mittendrin bin und miträtseln kann und ein Schreibstil, der mich an die Seiten fesselt – das alles hat dieser wieder sehr gute Kornbichler-Krimi.
Späte Erinnerung
Ostseerache von Eva Almstädt
Flora Laubner kehrt nach 12 Jahren in ihren Heimatort Niensühn, einem 1000-Seelendorf an der Ostsee zurück. Hier kam damals ihr Freund Simon Hertling ums Leben. Durch ihre Schuld? Die Dorfbewohner glauben das immer noch. Flora hat bis heute keine Erinnerungen an diesen alles verändernden Tag. Sie beginnt in alten Unterlagen ihres Vaters, der als Polizist zwar damals an den Ermittlungen nicht teilnehmen durfte, aber auf eigene Faust recherchiert hat, nach Spuren und ihrem Gedächtnis zu suchen.
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Kurz nach ihrer Ankunft kommt die beste Sängerin des Ortes Nicole Mohr durch einen Giftanschlag ums Leben. Flora, die auf dem Weg zu ihrer Mutter ins Krankenhaus fährt, entgeht nur leichtverletzt einem fingierten Unfall. Und die Einwohner des kleinen Ortes zeigen Flora offen, dass sie hier nicht erwünscht ist. Haben der Tod von Nicole und der Unfall etwas gemeinsam? Will hier jemand die Vergangenheit rächen?
Pia Korritki von der Lübecker Kriminalpolizei soll hier zusammen mit ihrem Kollegen Heinz Broders ihren 13. Fall an der Ostsee lösen.
Auch wenn man noch keinen Fall mit Pia zusammen aufgeklärt hat, kann man den Ermittlungen ohne Vorkenntnisse gut folgen. Um einzelne Personen, die immer wieder in den Büchern auftauchen, besser verstehen und näher kennenzulernen, ist es allerdings gut, wenn man die Serie von vorne beginnt.
Für Pia, die ich im Laufe der Jahre richtig ins Herz geschlossen habe, soll sich in naher Zukunft einiges ändern. Ihr Chef will sie für eine Beförderung vorschlagen, die allerdings mit einer 40-Stunden-Woche einhergeht. Was sich Pia aber genau überlegen will, da sie ja "nur" Teilzeit arbeitet um mehr Zeit für ihren kleinen Sohn Felix zu haben. Ausserdem steht ihre Hochzeit mit ihrem Lebensgefährten Lars an.
Bei den Krimis von Eva Almstädt gefällt mir die Aufteilung von Krimihandlung und Privatleben der Ermittler besonders gut. Eine geschickte Mischung, die die manchmal etwas langatmigen Ermittlungen sehr gut auflockern.
Der Fall an sich ist sehr interessant und wird spannend in die Dorfgemeinschaft eingefügt. Die Spannung steigt ab der ersten Seite kontinuierlich an. Durch immer neue Erkenntnisse und Wendungen bin ich bei den Ermittlungen mittendrin und manchmal der Kommissarin, die ja nicht in die Köpfe der Zeugen rein schauen kann, einen Schritt voraus. Was sich aber ändert, wenn die Autorin mich mal wieder auf eine falsche Fährte hetzt.
Die Menschen hier kommen authentisch rüber und sind detailliert beschrieben. Jeder hat seine kleinen Geheimnisse, seine Ecken und Kanten. Ich bekam sehr gut ein Gefühl dafür, wie man sich als Zugereister oder Neubürger vorkommt.
Gespannt bin ich auf die Veränderungen, die auf Pia zukommen. Sie persönlich hat in dieser Geschichte eine schlimme Nachricht bekommen.
Auch dieses Buch hat mich vom Kriminalfall und vpm Persönlichen her wieder voll überzeugt und ich freue mich auf eine Fortsetzung.











