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Rezensionen von gaby2707:

Vom Träumen und Glauben

Wo die Dünen schimmern von Patricia Koelle

Jessieanne Jessen ist 26, eine Künstlerin die Windräder aus den verschiedensten Materialien entwirft und baut, die eine ganz besondere Gabe hat: sie nimmt Gerüche als Farben wahr und kann sie sehen. Ihr Traum ist es eine Körperlotion herzustellen, die nicht nur der Haut, sondern auch der Seele gut tut, die neue Lebenskraft und Optimismus bringt.

Als Kind hat sie ihre Leukämie erfolgreich bekämpft und nun bereiten ihr ihre Bronchien und die Lunge große Probleme. Ihr Vater Pinswin, ein anerkannter Archäologe und Paläontologe, schickt sie auf die Nordseeinsel Amrum, wo er geboren und aufgewachsen ist, um sich auszukurieren. So sehr Jessieanne sich anfangs dagegen wehrt, so schnell findet sie dort ihre "andere, zweite" Familie und auch ihr Herz wird auf eine harte Probe gestellt.

Der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht gehört zum einen Jessieanne, die ich in den Jahren 2004 bis 2005 begleite, andererseits zu ihrem Vater Pinswin, den ich heute genau so bei seinen Ausgrabungen begleite, wie ab 1943, als er als 8-jähriger wissbegieriger kleiner Junge, der seine Leidenschaft für die Erde und alles was sich darin verbirgt entdeckt, die er später zum Beruf macht.
Dazu kommen viele kleine Geschichten, die sich nicht nur um heitere Themen drehen, wie die schwere Erkrankung von Jessieannes älterer Freundin Katriona, die riesige Strandläufer baut. Ich habe mich eigentlich nie für die Geschichte unserer Erde und die vielen Versteinerungen interessiert. Aber hier wird das alles so leicht und flüssig in die Geschichte eingewoben, dass es sogar für mich richtig interessant wurde.
Dies ist eine der ganz wenigen Geschichten, bei denen mir keine Person, und davon gibt es hier sehr viele, richtig unsympathisch war. Sie haben alle ihre Ecken und Kanten, sind zumeist detailliert und menschlich beschrieben, und ich habe die meisten richtig lieb gewonnen. Ganz besonders ans Herz gewachsen ist mir Skem, ein Großonkel von Jessieanne. Aber den solltet ihr beim Lesen selbst kennenlernen.
Anfangs hatte ich mit den aussergewöhnlichen Namen (Jessieanne, Katronia, Pinswin, Skem) meine Probleme. Aber das hat sich beim Lesen schnell gelegt.
Ich habe auch ein neues Ziel gefunden, wohin ich unbedingt einmal reisen muss: die Insel Amrum. Ich kann jetzt noch das Salz des Meeres riechen, sehe den Strandhafer sich im Wind wiegen, fühle den starken Wind in meinen Haaren und schaue auf das endlos blaue Meer. Alles ist so nebensächlich, aber trotzdem beeindruckend beschrieben. Mein Kopfkino lief die ganze Zeit auf Hochtouren.
Gerade auch die Sprache, die dieses Buch prägt, gefällt mir sehr gut. Patricia Koelle zeichnet für einfache Worte wunderschöne einprägsame und farbige Bilder. Wie ein Sog zieht mich die Geschichte und die Menschen langsam immer tiefer in sich hinein.
Mit einer Nadel werden zwischendurch immer wieder Rezepte eingepickt, die mir während des Lesens schon das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Eine ruhige, nicht immer leichte Geschichte über Menschen, die ihre Träume leben. Ich habe sie sehr gerne gelesen und wurde zum Träumen verführt.

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Die beeindruckende Liebe einer besonderen Frau

Der Sommer der blauen Nächte von Stefanie Gregg

Alles was Jule Jansen nach dem Tod ihrer Mutter Marie, die eine begnadete Malerin war und die besonders die Farben geliebt und gelebt hat, geblieben ist bzw. was sie behalten wollte, hat sie in einen einzigen Karton gepackt. Darunter ist auch ein Schuhkarton mit Fotos. Drei davon mit einem Mann, den Jule nicht kennt, am Felsenbdeplatz in Manarola im Cinque Terre in Italien, wo sie mit ihrem Bruder und ihrer Mutter vor 30 Jahren Urlaub gemacht hatte.

Das wirft Fragen auf. Ausserdem ist die azurblaue Bilderserie, die Marie nie weggeben wollte, verschwunden. Marie macht sich auf zu den Urlaubsplätzen von früher und wird mit Antworten konfrontiert, die ihr gar nicht gefallen; die ihre Mutter in ein Licht rücken, das Jule nicht sehen will und mit einer Wahrheit, die sie nur schwer akzeptieren kann.
Sie merkt aber auch, wie sehr sie selbst vom Leben ihrer Mutter beeinflusst ist und muss sich mit ihrem eigenen Leben auseinander setzen und sich ihm stellen.

Stefanie Gregg hat es auch diesmal sehr schnell geschafft mich in die Geschichte hineinzuziehen. Mit ihrem gefühlvollen, farbigen und eindrucksvollen Erzählstil bringt sie mir die Farben, die Empfindungen und die Gedanken der Protagonisten sehr nahe. Fast schon wie in einem Krimi steigt der Spannungsbogen leicht an und hält sich, bis sich die Geschichte anders als erwartet, aber doch ganz in meinem Sinne auflöst.

Besonders Marie, die ich anfangs als sehr egoistisch empfand, komme ich immer näher. Ich habe ihren melancholischen, nach innen gekehrten Künstlerblick direkt vor Augen. Ich spüre beim Lesen ihre Hingabe zu den Farben und Formen, ihre Euphorie beim Betrachten ihrer Bilder, wie sie sich in ihre eigene Welt zurückzieht und darüber manchmal sogar ihre Kinder vergisst. In den wichtigen Momenten war sie aber immer für ihre beiden Kinder Thomas und Jule da. Aber auch ihre Zerrissenheit, ihre Trauer und ihre Verzweiflung werden hier sehr deutlich. Ich sehe sie, genau wie Jule, immer und überall tanzen. Ich lerne aber auch eine Marie kennen, die sich ihre große Liebe versagt, für ihren Mann und für ihre Kinder und die demzufolge ihr eigenes großes Glück lange nicht findet oder leben kann.

Jule, die ich bis auf wenige Momente von Anfang an mochte, durchlebt bei ihren Nachforschungen und in ihrem privaten Leben ihre Höhen und Tiefen. Ich möchte sie in ihrer Verzweiflung trösten, sie manchmal von ihren Zweifeln befreien und freue mich, dass sie zusammen mit Jen und Ben ihren Weg findet und auch geht.

Auch die anderen Menschen, die ich hier kennenlerne wirken menschlich, haben ihre Ecken und Kanten und teils ihre Geheimnisse.

Jeder der vier Abschnitte wird durch eine Farbe eingeleitet und jedes der 33 Kapitel wird mit einem Seestern abgeschlossen. Das symbolisiert für mich das Meer sowohl in Italien, als auch in Frankreich und gefällt mir persönlich mir sehr gut.

Stefanie Gregg hat mir keinen einfachen Liebesroman zu lesen gegeben, obwohl es um fast nichts anderes geht als um die Liebe. Ich habe eine Familiengeschichte gelesen, die so anders läuft wie Vieles im Leben. Eine Geschichte, die mich berüht und gerührt hat und die bestimmt noch eine Weile in mir nachwirken wird.

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Selten bei einem Krimi so gelacht

Bülent Rambichler und die fliegende Sau von Anja Bogner

"Was nicht sein darf, ist auch nicht"

Die als Gelbwurscht-Pflunzn bekannte Fleischereifachverkäuferin Kerstin Rummsler aus Strunzheim im schönen Frankenland liegt nackert nur mit Engelsflügeln bekleidet tot mitten auf der Straße. Nachdem die Walder-Zwillinge Erna und Traudl mit ihrem PKW über sie drüber gerumpelt sind, muss natürlich die Polizei her.

Und wer käme da besser infrage als der aus Strunzheim stammende Deutschtürke Bülent Rambichler.
Rambichler, Hauptkommissar wider Willen, der von seinem Vater "Erri" Erkan in den gehobenen Polizeidienst gezwungen wurde, beginnt nun zusammen mit seiner Assistentin Astrid "Sunshine" Weber, die die Gelassenheit in Person ist, was bestimmt ihrer Vorliebe für Yoga zuzuschreiben ist, mit der Ermittlungen.
Schnell ist auch ein erster Verdächtiger gefunden. Der Suff, im bürgerlichen Leben Franz Geiger, wirkt verdächtig, weil er die gleichen Kratzspuren an Armen und Beinen hat, wie die Tote. Nur kann er sich dank eines Vollrausches in der besagten Nacht an nichts erinnern. Reicht das für eine Verhaftung?

Ein Wolpertinger auf dem Cover, ein interessanter Titel als Provinzkrimi deklariert und das ganze aus Franken. So ein Buch musste ich einfach mal lesen. Und ich habe es nicht bereut.

Die Personen sind trotz ihrer Grobheit, ihres Sturschädels, ihrer Sexbesessenheit, ihrer Neugier und ihrer Begriffsstutzigkeit, aber auch gerade wegen ihres Zusammenhaltes, ihrer Liebenswürdigkeit, wenn sie denn mal wollen, ihrer Anhänglichkeit und ihres derben Humors so sympathisch und liebenswert gezeichnet, dass es einfach eine Freude war ein paar Stunden in Strunzhausen verbringen zu dürfen. Gerade der Humor und die Situationskomik, die hier zutage tretten, hat mich manchmal den Kopf schütteln lassen, ist aber absolut passend und oft so komisch, dass sich meine Mundwinkel jetzt noch immer nach oben, wenn ich daran denke.
Vieles ist überzogen dargestellt und viele Klischees werden bedient. Aber gerade das macht diese Geschichte für mich noch interessanter und lesenswerter.

Für den des Fränkischen nicht mächtigen Leser werden einzelne Begriffe aus dem Text direkt als Fußnote übersetzt. Sie können ihr Wissen über den Dialekt aber auch im anschließenden Glossar erweitern. Ansonsten hat man beim Lesen keine Schwierigkeiten den eingefleischten Franken zu verstehen.

Für mich hat der Kriminalfall selbst hier eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Die Ermittlungen gehen zäh voran, was vor allem Bülents nicht so sehr vorhandenen Arbeitseifer geschuldet ist. Desto mehr aber hängt sich Astrid rein. Die ideale Schwiegertochter ins den Augen von Bülents Eltern. Der Schluss lässt keine Fragen offen und die Person, die dann als Täter entlarvt wurde, hatte ich nicht auf meinem Täterzettel. Die ein oder andere Überraschung hatte ich nicht erwartet.

Alles in allem ein interessanter, teilweise spannender, besonders aber humorvoller Krimi mit viel Lokalkolorit. Ich hoffe, von Anja Bogner, Bülent Rambichler und seiner Familie und Astrid Weber bekomme ich noch mehr zu lesen.

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Sommerlich, warmherzig - einfach gut

Zwischen dir und mir das Meer von Katharina Herzog

Zurück zu den Wurzeln

Mariella de Luca aus Ravello an der italienischen Amalfiküste hat es als Aupair nach Hamburg verschlagen. Hier lernt sie den Krabbenfischer Knut Sanders von der Insel Amrum kennen und folgt ihm auf die kleine Nordseeinsel. Zusammen gründen sie ihre kleine Familie. Knut, Mariella und die beiden kleinen Mädchen Lena und Zoe scheinen glücklich, bis Mariella eines Morgens nicht vom Schwimmen im Meer zurück kommt.

Ihre Leiche hat das Meer bis heute behalten.
Viele Jahre später lernt Lena einen jungen Italiener kennen, der vorgibt, bei ihrer Oma Eier kaufen zu wollen. Matteo Forlani trägt in einer Mappe ein Foto von Lena Mutter aus Teenagerjahren bei sich. Da weder Lena noch ihre Oma Hilde oder Knut etwas aus Mariellas Vergangenheit wissen, Zoe war damals eh noch viel zu klein, begibt sich Lena auf die Spuren ihrer Mutter in die Vergangenheit und auf die Suche nach Matteo. Und wahrhaftig lässt Zoe ihre nächsten Pläne sausen und schließt sich ihrer großen Schwester an. Die sommerliche Reise nach Italien beginnt.

Bei "Zwischen dir und mir das Meer" von Katharina Herzog dachte ich zuerst an eine Liebesromanze. Doch die Geschichte ist soviel mehr. Sie handelt von 2 Schwestern, die es in ihrer Unterschiedlichkeit nicht leicht haben, miteinander klar zu kommen. Ihre Lebenseinstellungen sind so verschieden und trotzdem halten sie als Schwestern zusammen.
Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, die an ihren Irrtümern zuerst nicht zustande kommen will und dann daran fast wieder zerbricht.
Vor allem ist es die Geschichte von Mariella, die mit 8 Jahren ihre einzig wahre Freundin Francesca kennenlernt. Die Mädchen stammen aus ganz unterschiedlichen Familien. Seit Mariellas Mamma verstorben ist, wächst sie bei ihrem Vater auf, der auf der Zitronenplantage von Francescas Vater als Träger arbeitet. Die eine führt ein ärmliches Leben, die andere ist reich und verwöhnt, verstehen sich die beiden Mädels trotz allem sehr gut. Bis sie auseinander gerissen werden.

Die Geschichte wird in zwei verschiedenen Zeitsträngen erzählt. Ab 1972 schaue ich Mariella bei ihrem Erwachsenwerden zu, bis sie ihre geliebte Heimat verlässt und ihre Freundin zurück lässt. Und in der Heutzeit bin ich mit Lena auf den Spuren zu den Wurzeln ihrer Mama unterwegs und beobachte, wie auch sie eine erhebliche Verwandlung durchmacht. Vor allem finde ich es schön zu lesen, wie sich die beiden Schwestern Lena und Zoe immer mehr annähern und trotzdem sich selbst treu bleiben.

Die Ausflüge, die ich hier an die Amalfiküste, die Insel Capri, nach Neapel und in die kleinen Orte dort machen darf, lassen in mir wunderschöne Bilder entstehen. Ich spüre die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, meine die herrlichen Blumen riechen zu können und mir läuft bei dem fantastischen Essen das Wasser im Mund zusammen. Ich in mit allen Sinnen in der Geschichte gefangen.

Ein warmherziger, einfühlsamer, liebevoller Roman mit interessanten Protagonisten, dem auch die Spannung nicht fehlt, bei dem mir beim Lesen nie langweilig war. Im Gegenteil, ich habe die Geschichte verschlungen und war enttäuscht, als sie nach 344 Seiten schon wieder zuende war.
Wer einen sommerlich leichten, aber auch teilweise tiefgründigen Roman über Freundschaft, Liebe, Verrat und Familie sucht, der ist hier genau richtig.

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Mord in Venedig

Venezianische Intrigen von Gesing Daniela

In der Dienststelle des venezianischen Commissarios Luca Brassoni geht es gerade richtig ruhig zu. Der aus dem Urlaub nach der Geburt seines kleines Sohnes Luis zurückgekehrte Brassoni kümmert sich gerade um einen Cold Case, als ihn ein alter Studienfreund bittet, den Tod einer jungen Frau zu untersuchen.

Die junge Sozialarbeiterin Loredana Bermani ist am Piazza San Marco nach einem Streit mit ihrem eifersüchtigen Freund Massimo Giovanelli zusammengebrochen und duch einen allergischen Schock gestorben. Sofort fällt der Verdacht auf den cholerischen, als gewaltbereit und eifersüchtig bekannten Mann. Hat er seiner Freundin Erdnüsse ins Kaugummi gemischt? Ein weiterer Mord geschieht, der eng mit Loredana zusammenzuhängen scheint und ein kleiner Junge, aus einer Familie, die Loredana für´s Jugendamt betreut hat, wird entführt. Nach seinem Urlaub hat Commissario Brassoni nun richtig viel zu tun.

Dies ist zwar schon der 5. Fall für den mir sehr sympathischen venezianischen Commissario. Aber ich schaue ihm heute das erste Mal bei seiner Arbeit und seinen Ermittlungen über die Schulter. Da die ersten 4 Fälle abgeschlossen wurden, fehlen mir hier keine Infos und ich kann sofort voll in die Geschichte einsteigen.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, die Ausdrucksweise mir manchmal zu einfach. Auch die Dialoge könnten hier und da etwas spritziger sein. Die Spannung baut sich langsam aber stetig auf und man spürt in allem die Leichtigkeit und die Ruhe, mit der die Commissare an die Arbeit gehen. Neben der Hauptdarstellern sind auch die Nebenfiguren sehr bildlich und vorstellbar beschrieben. Hier tauchen jedoch für mich zu viele Klischees auf, die immer wieder bedient werden.
Das ich schon recht früh einen Verdacht hatte, wer der Täter sein könnte, hat mich nicht gestört, da immer wieder neue Verdächtige auftauchen, deren Alibis sie aber als Täter ausschließen oder wo die Beweislage nicht nicht erhärten lässt. Dem Täter selbst begegne ich immer wieder mal bei seinen Vorbereitungen oder ich lese seine Gedanken, was mich aber bei meiner Vermutung nicht weiter bringt.

Neben den drei Kriminalfällen webt die Autorin geschickt auch gesellschaftliche Themen ein. So ist der beste Freund Brassonis mit einem Mann liiert, seine Frau Carla Sorrenti, leitende Gerichtsmedizinerin, geht trotz Söhnchen Luis stundenweise ins Labor, familiäre Gewalt ist ein Thema.
Das landestypische Flair stellt sich bei mir ein, wenn ich die immer wieder eingestreuten italienischen Worte und kurzen Redewendungen lese. Und natürlich darf das wunderbare italienische Essen nicht fehlen. Da beneide ich Luca um seine Mama, die nicht nur liebevoll auf den Sohnemann aufpasst, sondern auch superlecker kocht.

Der Krimi, der durch seine Ruhe und seine Leichtigkeit besticht, hat mich gut unterhalten. Ich reise gerne mal wieder nach Venedig um auch den nächsten Fall mit Commissario Luca Brassoni zu lösen.

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Ein lesenswertes Debüt

Der rote Swimmingpool von Natalie Buchholz

Adam, ein junger Mann kurz vor der Vollhährigkeit, leistet Sozialstunden bei einer alten Dame ab. Ihn scheint ein Geheimnis anzuhaften. Hier lernt er ihre Enkelin Tina und deren fetten Kater Pecorino kennen. Seit seine Eltern sich getrennt haben und sich fast nicht um ihn, der ihre Hilfe und Unterstützung dringend brauchen würde, kümmern, lebt Adam allein in einem kleinen WG-Zimmer.

Seine Mutter ist zurück nach Frankreich gegangen. Sein Vater hat sehr schnell eine neue Familie, in die Adam nicht zu passen scheint, gefunden. Gut, dass er nun Tina hat.

Als erstes sind mir die liebevollen und sehr detailgetreuen Beschreibungen der Menschen in diesem Buch aufgefallen. Natalie Buchholz hat ihre Augen bei ihren wie Malerei anmutenden Skizzierungen überall. Vor allem Adam kann ich mir äußerlich, wie auch sein Innerstes, dass er für Tina Stück für Stück ganz langsam nach aussen dreht, sehr gut vorstellen.
Aber nicht nur die Äußerlichkeiten beschreibt die Autorin sehr genau und detailliert, sondern auch die Gefühle zwischen den einzelnen Protagonisten. Und genau das ist es, was mich an der Geschichte so fasziniert hat: dass ich die Gefühle und Emotionen jedes Einzelnen, ob ich sie nun gutheiße oder nicht, gut nachvollziehen und mich hineinfühlen kann.

Schon im Prolog erfahre ich wage, warum Adam seine Sozialstunden ableisten muss. Er hat das Haus seiner Eltern, in dem damals sein Vater mit der neuen Familie wohnte, abgefackelt. Wie es dazu kam, erfahre ich in einem Mix aus Gegenwarts- und Zukunftserzählung. Hier versteht es die Autorin geschickt Spannung zu erzeugen und ich wollte einfach immer nur weiter lesen.

Mich hat es fasziniert, wie sich die weibliche Autorin in den jungen männlichen Hauptdarsteller hineinversetzt hat, der nicht nur ohne den Zuspruch seiner Eltern auskommen muss; der seine ersten sexuellen Erfahrungen macht, mit Alkohol in Verbindung kommt und der seine ersten Parties feiert. Aus allem geht Adam zum Schluss sichtlich gereift und erwachsen geworden hervor.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Zeigt es doch, was Eltern anrichten können, wenn sie sich von ihren Kindern abwenden bzw. zuwenig mit ihnen reden. Und was eine einzige Lüge anrichten kann.
Ein spannendes, interessantes Debüt. Ich hoffe, bald mehr von Natalie Buchholz lesen zu dürfen.

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Ein Leben fast wie im Paradies

Die Inselgärtnerin von Sylvia Lott

„Wer Anderen eine Blume sät, blüt selber auf“

Bei Sonja Janssen, 38, läuft gerade alles schief. Ihr Mann Michael hat sich in eine Jüngere verliebt und ist ausgezogen. Aus der Gärtnerei in der sie mit Liebe arbeitet und gerade versucht eine neue Rhododendronzüchtung aufzubauen, flattert ihr die Kündigung ins Haus.

Da scheint es ja gar nicht so schlecht zu sein, dass ihr von ihrer Tante aus Florida ein kleines Häuschen am Strand vererbt wird. Kurzerhand macht sich Sonja von Bad Zwischenahn nach Dolphin Island am Golf von Mexico in Florida auf die Reise. Hier trifft sie nicht nur auf ihr Häuschen im Paradies, sondern auch auf zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Findet Sonja hier ihr Glück, das ihr in Deutschland nicht gegönnt ist?

Sonja verliebt sich, genau wie ich beim Lesen, sofort in diese atemberaubende Landschaft mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna. Gleich tun sich bei ihr Visionen auf von Dünengärten bzw. Gärten nur mit Pflanzen aus der Region. Und wer ist hier besser geeignet einen eigenen Gartenbaubetrieb aufzubauen als sie. Doch nicht nur die behördliche Messlatte hängt sehr hoch. Es gibt auch Menschen, die absolut nicht wollen, dass Sunny, wie sie sich hier in Florida nennt, seßhaft wird. Kann sie sich dagegen zur Wehr setzen?

Allein bei den vielen bild- und wortgewaltigen Beschreibungen der Landschaft am Golf von Mexico, den Dünen, den Pflanzen und vor allem den Delfinen, die dort ihre Runden ziehen, bekomme ich sofort Fernweh. Die Menschen, die Sunny hier begegnen sind so herzlich und wohlwollend, nehmen sie gleich in ihre kleine Gemeinschaft auf und helfen, wo sie können. Sunny findet Freunde, die sie nicht mehr gehen lassen wollen. Hier wäre ich gerne mittendrin.
Genauso wie ich gerne bei den Übungsabenden im Kulturzentrum dabei wäre, wo ich beim Lesen den Rhytmus im Blut der Sänger und Sängerinnen spüren kann und anfange selbst mitzuwippen zum Sound der 50er Jahre.
Das Rezept der Key Lime Pie am Schluss des Buches werde ich bestimmt mal ausprobieren.
Als sie sich näher mit dem Nachlass ihrer Tante Sandy beschäftigt, findet sie Briefe und weitere Unterlagen, aus denen sie endlich erfährt, warum ihre Tante hier so zurückgezogen für die deutsche Verwandschaft gelebt hat.

Aber es ist nicht nur eine Liebesgeschichte, die Sylvia Lott hier erzählt. Darin gekonnt eingebettet erfahre ich Vieles über den allgemeinen Klimawandel, der auch den Sunshine State nicht verschont; Naturkatastrophen, wie einen Hurrikan, der die Insel heimsucht; über Delfine, die in Aquaparks trainiert, dessiert und gehalten werden und über Ernest Hemingway, den wohl bekanntesten amerikanischen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts. Beim LookaLike-Contest in Key West fiebere ich mit Sunny und ihrer Freundin Stormy um den Sieg von Sam, einer der beiden neuen Männer in Sunnys Leben.

Wer wie Sunny einmal eine Auszeit braucht, in amerikanisches Lebensgefühl eintauchen oder nur schnell mal ein paar Stunden abschalten möchte, der ist bei diesem Buch genau richtig. Sommerfeeling, Liebesgeflüster, aber auch ernstere Themen garantiert.
Ich hätte gerne möglichst schnell mehr davon.

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Zwei starke Frauen

Ab heute heiße ich Margo von Stephan Cora

Mit ihrem Buch "Ab heute heiße ich Margo" legt Cora Stephan einen Familienroman vor, den ich trotz seiner 635 Seiten regelrecht verschlungen habe. Ich tauche ein in das Leben zweier junger Frauen und begleite sie durch ihr gesamtes Leben.
Margarete "Gretl" Hegewald, geboren 1919 in Stendal beschließt 1936 ihren eigenen Weg zu gehen.

Die Haare werden abgeschnitten, sie macht eine Lehre zur Buchhalterin bei einem Stendaler Fotografen und nennt sich ab nun Margo.
Die zweite Protagonistin ist Helene Pinkus, eine junge Frau, die als Fotografin den spanischen Bürgerkrieg miterlebt hat und die dort Schlimmes ertragen musste. Sie wird von einem Freund nach Stendal gebracht um dort als Fotografin zu arbeiten.
Beide Frauen lieben den gleichen Mann und sind und bleiben durch ihn und ein Geheimnis, das beide teilen, miteinander verbunden.
Aufgeteilt in die Jahre 1936 – 1945 Im Dritten Reich; 1945 – 1989 Deutschland West, Deutschland Ost und 1989 – 2000 Nach dem Mauerfall begleite ich beide Frauen abwechselnd durch die Wirren des Lebens. Die einzelnen Abschnitte, die immer das Leben entweder von Margo oder von Helene erzählen, machen die Zuordnung sehr leicht und das Verstehen der beiden Frauen, warum sie was tun oder denken, einfacher.
Es ist fast nicht zu glauben, was sich im Leben dieser Frauen abspielt, was sie erleben und erleiden. Aber alles ist so gut durchdacht und schlüssig beschrieben, dass es sich ganz genau so ereignet haben könnte. Da sich die beiden Lebensgeschichten gerade durch die Kriegswirren aber auch danach so spannend gestalten, kommt bei keinem Leseabschnitt Langeweile auf. Ganz im Gegenteil: Ich wollte immer wissen, wie es weiter geht und welche Wendungen es noch geben würde.
Die Hauptpersonen sind so detailliert, farbig und bis ins Kleinste geschildert, dass sie sehr gut vorstellbar und trotz allem, was passiert immer sympathisch rüberkommen und bleiben. Aber auch die vielen anderen Handelnden kann ich durch ihre Taten, auch wenn ich diese nicht gutheißen kann, und Gedanken gut verstehen.

Ich habe ein spannendes, sehr gut durchdachtes Buch gelesen, dass mir durch Margo und Helene sehr ans Herz gegangen ist. Die Geschichte der beiden Frauen wird mich bestimmt noch eine Weile begleiten.

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Endlich ein Fall für Jupp Backes

Nur Gisela sang schöner von Dany R. Wood

Dorfpolizist / "Oberkommissar" wie sich Josef "Jupp" Backes selbst bezeichnet, langweilt sich in seiner Dienststelle in Hirschweiler. Er möchte so gerne mal einen Mord aufklären. Als er zusammen mit seiner Frau Inge die Nachbarin Beate aus dem Kirchenchor nackt und tot zusammen mit ihrem Fön in der Badewanne findet, scheint sein Tag gekommen zu sein.

Er tippt auf Selbstmord, woran seine Frau trotz Abschiedsbrief absolut nicht glauben mag. Denn noch vor ein paar Stunden hatte Beate ihr erklärt, dass sie für das Kirchensommerfest wieder ihren legendären Käsekuchen backen würde. Da bringt man sich doch nicht vorher um...

Bei "Achtung! Familienfeier!" vor ca. 2 Jahren habe ich die Familie Backes und den humorigen Schreibstil von Dany R. Woods schon kennenlernen dürfen. Nun bin ich endlich wieder bei meinen Freunden im Saarland und darf Jupp, Inge und Schiegermutter Käthe, die auch hier und da zur Ermittlungsarbeit heran gezogen wird, wieder über die Schulter schauen.
Die Recherche zum Todesfall von Beate gestaltet sich schwierig. Ausserdem kommen weitere Tote hinzu. Hängen die Todesfälle alle zusammen – und wenn ja wie? Der Spannungsbogen baut sich hier langsam auf und ich habe sehr gut miträtseln können. Bin aber dem Täter und seinem Motiv selbst nicht auf die Spur gekommen. Jupp, der seine Arbeit sehr ernst nimmt, seinen Spürsinn hier unter Beweis stellen kann und sogar sein Mittagessen schon mal ausfallen lässt, und Inge ziehen Stück für Stück ein Indiz nach dem anderen an Land und schlussendlich klärt sich alles für mich zufriedenstellend und schlüssig auf.
Die Protagonisten sind auch diesmal wieder sehr lebendig und zum Teil herzerfrischend komisch. Jeder hat sein Packerl zu tragen, wird menschlich sehr gut beschrieben und ich kann auch diesmal fast nur Sympathien verteilen.
Mir haben hier die einfließenden Worte aus dem Saarländischen sehr gut gefallen. Die "Übersetzung" finde ich zum einen in () direkt hinter dem zu erklärenden Wort. Aber auch in einem Saarland-ABC am Schluss der Geschichte. Die () waren mir hier etwas zuviel, weil sich die meisten Worte eh aus dem Zusammenhang ergeben oder aber nochmal im Glossar stehen.

Es hat ausserordentlich Spaß gemacht dem selbsternannten Ermittlertrio über die Schulter und ihnen bei der Arbeit zu zuschauen und auch in ihrem Alltag dabeisein zu dürfen. Kriminalistische Arbeit und humoristische Einlagen haben mich für ein paar Stunden sehr gut unterhalten. Ich hoffe, ich muss nicht allzu lange auf einen neuen Fall oder neue News aus Hirschweiler warten.

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Frauen in Angst

Küstendämon von Heike Meckelmann

Auf Fehmarn geht nicht nur bei Frauen die Angst um. Nachdem die Fotografin Mara tot im Staberforst gefunden wurde, gibt es eine neue Vermisstenmeldung. Sophie Larsen meldet sich seit einigen Tagen nicht mehr und bei ihrer Freundin in Hamburg, die sie besuchen wollte, ist sie auch nicht aufgetaucht. Den Kommissaren Dirk Westermann und Thomas Hartwig von der Kripo Oldenburg läuft die Zeit davon.

Und obwohl sie Tag und Nacht ermitteln, ist kein Land in Sicht. Als eine weitere Tote gefunden wird, beginnt sich ganz langsam ein Muster herauszukristallisieren. Werden Sie Sophie finden, bevor der Mörder erneut zuschlägt?

Ich habe den Kommissaren schon bei ihrem letzten Fall "Küstenschatten" über die Schulter geschaut und mit ermittelt. Daher kenne ich die meisten Handelnden hier schon. Besonders auf Katrin, die Freundin von Kommissar Westermann und ihre Tante Charlotte Hagedorn habe ich mich sehr gefreut. Charlotte, die es nicht lassen kann und ihre Nase überall reinstecken muss, gefällt mir sehr. Auch in diesem Fall ist sie mit ihrer Kamera unterwegs und kann den ein oder anderen Tipp geben.

Auch in die Gedanken und das Tun des Täters, der sich hier Josephine nennt und ihren weiblichen Opfern unsägliche Schmerzen zufügt, bekomme ich immer wieder kurze Einblicke. Nichts für schwache Nerven.

Auch diesmal haben mich die Beschreibungen der Insel und ihrer Bewohner fasziniert. Man merkt, dass sich die Autorin dort auskennt und eine echte "Inselratte" ist, die ihr Fehmarn liebt. Ich bekomme direkt Lust, diese Ostseeperle auch einmal zu besuchen.

Was mich diesmal etwas gestört hat, waren etliche Rechtschreibfehler, die meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen haben. Vielleicht sollte man die für eine evtl. Neuauflage ausmerzen.

Spannung von Anfang an, ein Fall, der die Kommissare an ihre Grenzen bringt, ein guter Schuss Lokalkolorid und ein toller Showdown. So muss ein guter Krimi sein.

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