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Rezensionen von gaby2707:

Ein interessantes Debüt

Leinsee von Anne Reinecke

Der Künstler August Stiegenhauer hat sich das Leben genommen. Seine Frau Ada, eine ebenfalls gefeierte Künstlerin, liegt nach einer schweren Gehirn-OP mit wenig Überlebenschancen im Krankenhaus. Beider Sohn Karl, der sich ebenfalls in der Kunstwelt einen Namen gemacht hat, lerne ich auf der Zugfahrt zu seinem Elternhaus nach Leinsee kennen.

Ein junger Mann, der nie die Liebe seiner Eltern erlangen konnte, früh ins Internat abgeschoben wurde und mir einen sehr einsamen Eindruck macht, dessen Eltern immer nur um sich selbst kreisten, steht nun in einem Haus voller Erinnerungen. Konsequent verbrennt er den gesamten Hausrat nach dem Tod der Mutter um sich wieder seiner Kunst zu widmen und vielleicht zu sich selbst zu finden.
Neben Karl taucht plötzlich die 8-jährige Tanja auf, die ihn ab jetzt stückweise begleitet, ihn zu inspirieren scheint. Seine Freundin Mara Schlüter, der ehemalige Vertraute seiner Eltern Torben Behning genannt Buddy Holly, Galerist Maximilian Raiken und wenige weitere Protagonisten tauchen immer wieder in Karls Leben auf. Bis zum Schluss kommt er mir fremdbestimmt und einsam vor.
 
Die meisten Personen bleiben für mich blass, anstrengend, und nicht allzu sympathisch. Ich kann ihre Handlungen teilweise nicht verstehen oder nachvollziehen. Alles ist mir etwas zu abstrakt. Alle leben in ihrer eigenen Welt zu der ich keinen rechten Zugang finde.
Trotzdem werde ich immer aufs Neue verblüfft. Sei es durch Tanja, die auf die absurdesten oder liebevollsten Ideen kommt, sei es durch Karl, der sich plötzlich befreien will und seinen Kunststil ändert. Die von ihm erschaffenen Skulpturen habe ich direkt vor Augen und sie verleiten mich, ebenfalls einen Blick hinein zu tun.
 
Vor allem aber ist es die farbige Ausdrucksweise der Autorin, die mich stark beeindruckt und fasziniert hat. Sie schafft es mit wenigen Worten so vieles auszudrücken, bringt vieles direkt auf den Punkt. Ihre bildhaften Beschreibungen werden mir immer wieder ins Gedächtnis kommen und präsent bleiben. Die poetischen Farbüberschriften der einzelnen Kapitel gefallen mir sehr gut und ich habe beim Lesen des Textes schon darauf gewartet, dass ich sie dort wiederfinde.
Gewürzt mit einer Prise Sarkasmus und einer Prise Humor liest sich das Buch leicht und locker weg. Trotzdem ist es eine Geschichte, die ich auf mich wirken lassen musste um mich darauf einlassen zu können.
 
Alles in allem ein interessantes, sprachlich geniales Debüt von einer Autorin, von der ich unbedingt mehr lesen möchte.

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Ein Roadtrip in die Vergangenheit

Leinsee von Anne Reinecke

Cory Beth Ainsworth, 37, aufgewachsen, wie sie es beschreibt, in einem Irrenhaus in dem man sehr freundlich miteinander umgeht in Beaufort, South Carolina, dem alten Süden der USA. Seit sie denken kann, fühlt sie sich falsch in der Familie. Ihre Mum, die vor 37 Jahren als Backgroundsängerin ein ganzes Jahr lang mit Elvis Presley durch die Staaten getingelt ist, ist nun 7 Monate tot und scheint ein Geheimnis mit ins Grab genommen zu haben.

Als Cory durch Zufall im alten Schuppen einen Blackhawk, das legendäre Auto von Elvis Presley, findet, ist sie sicher, die Tochter des King of Rock´n Roll zu sein, und macht sie sich auf um die Wahrheit zu finden und Klarheit in ihr Leben zu bringen.

Nach der Leseprobe hatte ich eine sommerliche Roadtrip-Geschichte erwartet. Bekommen habe ich ein Buch voller imposanter Einblicke in das Leben der Protagonistin Cory und ihrer Mutter Laura.

Aufgeteilt in 5 Teile, nochmal unterteilt durch die Gedanken und Geschichten von Cory und Honey, nimmt mich die Autorin mit auf die Reise nach Graceland. Über Macon in Georgia, Fairhope in Alabama, Tupelo in Mississippi bis nach Memphis, Tennessee. Überall begegne ich Menschen, die Honey, wie Corys Mutter genannt wurde, kannten. Durch die immer wieder wechselnden Perspektiven – einmal bin ich bei Cory 2015, dann wieder bei Honey 1977 – erfahre ich soviel mehr über das Leben, das Corys Mutter damals führte. Dass Elvis in dieser Geschichte ebenfalls eine Hauptrolle spielt, macht es für mich, als immernoch großen Fan, nur noch interessanter, die Gedanken der beiden Frauen und den Menschen um sie herum zu lesen. Wenn Honey erzählt, bin ich mittendrin in der Rock´n Roll Aera und den 70ern.

Cory, die mir manchmal etwas zu naiv, kindisch und absolut nicht altersgemäß agiert hat, habe ich im Gegensatz zu ihrer Mutter nicht sofort ins Herz schließen können. Die weiteren Mitwirkenden in der Geschichte sind trotz ihrer Unterschiedlichkeit, so menschlich, prägnant und natürlich beschrieben, dass sie sofort in mein Kopfkino eingezogen sind.

Kim Wright hat eine Geschichte entwickelt, die mich durch die Dramatik, verschiedenste Gefühle und eine permanente Spannung beim Lesen gehalten hat. Ich wurde immer wieder positiv überrascht, hatte unterhaltsame Lesestunden und kann das Buch nur empfehlen. Auch wenn man kein Elvis oder Rock´n Roll Fan ist.

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Aberwitzige Sex-Unfälle

Ich habe mich versehentlich auf den Staubsauger gesetzt von Laila Kühle; Detlef Dreßlein

Was es nicht alles gibt...

Es ist schon erstaunlich, was einem beim Sex alles passieren kann. Ich hätte nicht gedacht, mit welchen "Unfällen" sich die Notaufnahmen befassen müssen. Ich hätte aber auch nicht vermutet, dass es Menschen gibt, die eine solche Fantasie besitzen – und diese dann auch ausleben.

Anscheinend sind diese Spielchen aber gar nicht so selten und enden hier und da auch tödlich.

Ich wusste manchmal nicht, soll ich lachen oder soll ich den armen Tropf jetzt bedauern. Ich schwankte zwischen Abscheu und Schadenfreude, zwischen Unglauben und Gänsehautfeeling. Wenn ich mir die Liste mit Dingen anschaue, die schon einmal aus einer Vagina, dem Rektum oder der Harnröhre geholt wurden, bleibt mir die Luft weg.

Ein wunderbares Buch zu einem seltenen, für mich etwas abartigen Thema, das man immer mal wieder zur Hand nehmen kann um genau so verständnislos zu reagieren wie beim ersten Lesen.
Ein Interview mit Dr. Martin Authenrieth, Oberarzt der Urologie am Universitästklinikum rechts der Isar in München rundet diese Absurditten ab.

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Wiedersehen an der Ostsee

Ich habe mich versehentlich auf den Staubsauger gesetzt von Laila Kühle; Detlef Dreßlein

Rosi und Rita, die beiden Landfrauen aus Wülferode, feiern in diesem Jahr zusammen mit ihren Bekannten dem ehemaligen Pastor Josef und Hans-Hugo Weihnachten und Silvester im Ostseeheilbad Travemünde. Aber es werde keine lockeren Urlaubstage, denn die beiden Frauen müssen zusammen mit Ute, die schon bei ihrem Kalli an der Ostseeküste lebt, die kleine Kneipe "Das Bootsdeck" von Inge retten.

Die will ein Investor für das Projekt Waterkant platt machen. Ausserdem wird Rita mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Und dann verschwindet auch noch der zukünftige Bräutigam...

Es ist so schön, die alten Bekannten, die ich schon beim Jahresausklang auf Sylt kennengelernt habe, hier wiederzutreffen. Diesmal sind wir also an der Ostsee in Travemünde. Bei ihren Beschreibungen der Stadt und der Menschen merkt man, dass sich die Autorin hier auskennt und wie sehr ihr dieses Fleckchen Erde am Herzen liegt. Alles wird so lebendig und liebevoll beschrieben, dass sich während des Lesens bei mir wieder mal die Reiselust ausbreitet.

Ich sehe Josef und Rita, Hans-Hugo und Rosi und Ute und Kalli in dem kleinen Siedlungshäuschen sitzen und mit Kartoffelsalat und Würstl Weihnachten feiern.
Gerade die 6 Menschen mit ihren Ecken und Kanten, aber vor allem mit ihrer unbändigen Lebensfreude haben sich von Anfang an in mein Herz geschlichen.

Eine besonders schöne Stelle fur mich, ist die kurze Begegnung von Josef und Hans-Hugo auf dem Friedhof. Die Bemerkung von Josef "Wir leben im Hier und Jetzt" ist so wahr. Und mit diesen wenigen Worten ändert sich auch in Hans-Hugo etwas. Aber lest selbst.

Die wenigen plattdeutschen Sätze von Kalli geben der Geschichte das norddeutsche Flair. Von mir aus könnte es auch noch etwas mehr plattdütsch sein. Doch das mag ja Ute gar nicht.

Zwischendrin teilt mir das Möwenpärchen Mecki und Kraki aus luftiger Höhe ihre Sicht auf die Dinge mit, die sich da am Travemünder Boden abspielen. Die Beiden gehören zur Geschichte wie die Wellen und der Salzgeruch der Ostsee.

Wer locker-leichte Unterhaltung mit einem kleinen Schuss Krimi sucht, der ist hier genau richtig. Ein absolutes Wohlfühlbuch im einem kleinen Schuss Spannung. Ich freue mich schon, wenn ich alle zusammen im Sommer auf Sylt wiederlesen werde.

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Gelungener Start für stella & Co.

Ich habe mich versehentlich auf den Staubsauger gesetzt von Laila Kühle; Detlef Dreßlein

Cäcilie von Breidenbach, eine gute Bekannte von Maria Schmidt, die als Hohepristerin Madame Phytia aus ihrer Glaskugel liest, ist urplötzlich verstorben. Dabei hatte ihr gerade erst ihr Hausarzt attestiert, dass sie kerngesund ist. Sie wollte ja mit ihrer Nichte auf Weltkreuzfahrt gehen. Stella Albrecht, die als Astrologin ihr Geld verdient, hegt den Verdacht, dass es sich hier vielleicht um Mord handeln könnte.

Davon will Kommissar Arno Tillikowski allerdings nichts hören. Für ihn zählen nur Fakten und Beweise und keine Sternenkonstellationen.

Stella Albrecht, die neue Hauptprotagonistin bei Lotte Minck, durfte ich ja schon bei einem kurzen Auftritt von Loretta Luchs in ihrer letzten Geschichte kennenlernen. Da war mir die junge Frau schon sehr sympathisch. Und natürlich Oma Maria, die ich auch schon kennenlernen durfte. Sie ist mir wahrscheinlich durch ihre Originalität genau so ans Herz gewachsen wie Stella. Die Dritte im Haus mit riesigem Park und Garten ist Felicitas, Konrektorin einer Gesamtschule, der krasse Gegensatz zu ihrer Mutter Maria und ihrer Tochter Stella. Auch die anderen Mitwirkenden im Umfeld von Stella, sei es ihr guter Freund und Journalist Ben Glaeser, Kommissar Arno Tillikowski oder Otto, ein Freund von Maria – alles mir sehr sympathische Menschen.
Den Gegenpart stellen die Erben der alten Matriarchin Cäcilie von Breidenstein. Serena liebt das Glücksspiel, verliert nur meist oft. Sie ist wie eine Gans, die sich gut rupfen lässt. Ihren Bruder Florian zieht es mehr zu spektakulären Börsengeschäften, von denen er aber keine Ahnung zu haben scheint und zu teuren käuflichen Damen. Undine von Breidenbach verfügtüber eine ganze Palette von Masken, die sie versteht, sehr schnell zu wechseln. Und dann wäre da noch Holger van Aalen, der Guru der Astrologen-Szene, selbstverliebt, arrogant aber sehr geschäftstüchtig. Diese Menschen finde ich zwar interessant und ein bisserl geheimnisumwoben, möchte aber mit keinem von ihnen befreundet sein.

Allein das Cover ist eine Schau, hat mich magisch angezogen, und webt sich gekonnt in die Geschichte ein.

Die Geschichte selbst liest sich wie immer leicht und flüssig und strotzt nur so vor Situationskomik. Ich lerne die allesamt neuen Protagonisten recht ausführlich kennen. Beim Lesen habe ich gemerkt, dass ich die Geschichte immer noch mit denen von Loretta Luchs vergleiche. Aber ich denke, das wird bald aufhören.
Die Spannung ist allein durch den plötzlichen Tod der alten Dame von Anfang an da und hält sich bis zum Schluss bzw. steigt sogar noch weiter an. Ansonsten empfinde ich die Krimödie bis auf den Schluss eigentlich als eher ruhig. Es macht richtig Spaß, Stella, Ben und Arno zuzuhören, wie sie fachsimpeln und versuchen aus den neuen Erkenntnissen etwas herauszulesen.

Ich bekomme kleine Einblicke in die Astrologie und in eine ganz besondere Sternenkonstellation, was mir sehr gefällt und was ich für ein spannendes Thema halte, wenn es jemand so wie Stella angeht.

Eine wie immer amüsante Geschichte, die etwas mehr Ruhrgebietsromantik und Sprache gebrauchen könnte, die mich gut unterhalten hat. Ich freue mich auf weitere astrologische Ermittlungen von Stella, ihrer Oma, Ben und Arno.

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Trauer und Humor liegen eng beieinander

Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi

Madeline "Maddy" ist von der Bibliothek des Wellesley College gesprungen. Bei der Frage nach dem Warum geraten Ehemann Brady, ein Arbeitstier, und die 17-jährige Tochter Eve in einen Strudel aus Trauer, Verzweiflung und der Frage nach ihrer eigenen Schuld. Maddy versucht aus einer Art Zwischenwelt immer noch Einfluss auf das Handeln und die Gedanken der Beiden zu nehmen.

Bei dem Thema Selbstmord habe ich mir zuerst überlegt, ob ich das Buch überhaupt lesen will. Aber nun, nachdem ich es getan habe, bin ich richtig gehend froh. Sonst hätte ich einen wunderbaren emotionalen Debütroman versäumt.

Die Geschichte wird in jedem Kapitel aus drei Perspektiven, jeweils in der Ich-Form, erzählt. Ich begleite zuerst Maddy in ihren Gedanken, die z.B. für ihren Mann eine neue Frau sucht. Sie hat zuweilen einen recht bissigen Humor und ich verstehe gar nicht, warum sie sich wohl umgebracht hat. Dann erfahre ich, mit welchen Gedanken sich Eve beschäftigt. Gerade ist ihr nicht danach als Rettungsschwimmerin Leben zu retten. Lieber liest sie Maddys Tagebuch und tut mir manchmal leid, wenn sie reflecktiert, wie ihre Mutter sie und Brady gesehen hat. Und als Dritter darf ich die Gedanken von Brady lesen, der unter Verfolgungswahn leidet, weil alle Frauen der Straße ihm etwas meinen vorbeibringen und ihn bemuttern zu müssen. Schön finde ich, wie er und Eve sich in ihrer Trauerbewältigung langsam immer mehr annähern und wie er versucht, seine Teenagertochter zu verstehen.

Maddy habe ich von Anfang an sehr gemocht. Und auch Eve hat bald einen Zugang zu mir gefunden. Mit Brady habe ich mich anfangs richtig schwer getan. Er beginnt zu trinken, rastet immer wieder aus und igelt sich ein. Er macht in der Geschichte für mich die größte positive Entwicklung durch und erkennt, dass er bisher ausser seiner Arbeit eigentlich an nichts Interesse hatte. Auch nicht an seiner Familie.
Alle Handelnden kommen sehr menschlich rüber, mit ihren Ecken und Kanten, ihren Gefühlen und ihrer Zuversicht.

Dass in dieser Geschichte die Gefühle, Gedanken und Sehnsüchte im Vordergrund stehen, hat mir sehr gut gefallen. Ich brauchte immer mal wieder eine kleine Pause um über einiges nachzudenken.

Ich habe schon lange keine so tiefgründige Familiengeschichte gelesen, die so berührend, traurig, emotional und spannend zu lesen war. Wo die Protagonisten schlussendlich aber auch so zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Vor allem der Schluss kam für mich doch sehr überraschend und hat mir im Nachhinein einiges klar werden lassen. Der Roman lässt mich mit einer feinen Gänsehaut zurück.

Ein Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte.

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Ein farbenfrohes Kleinkinderbuch

Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi

Muschel Moni und der Schatz – eine kleine Geschichte von Janet Lindemann und den farbenfrohen Illustrationen von Janni Feuser ist ein liebevolles und detaireiches Kinderbuch auf dicken Pappblättern für Kinder ab ca. 2 Jahren.

Die Geschichte wird in kleinen Reimen erzählt, die sich die Kinder bestimmt schnell merken werden.

Auf den wunderschönen Zeichnungen gibt es so viel zu entdecken. Das ist bestimmt nicht nur für die Kinder interessant, die die Insel Rügen kennen, sondern wird auch allen anderen kleinen Entdeckern sehr viel Spaß machen.

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Sehr blutig, aber gut

Gründerjahr von Michael Gerwien

Die Fährmänner Gottes

1918: Kurt Eisner hat gerade erst den Freistaat Bayern ausgerufen, da werden kurz hintereinander 3 junge, blonde, blauäugige Frauen ermordet und bestialisch zugerichtet. Eine weitere Frau kann der Bestie entkommen. Kriminaloberinspekor Karl Weinberger, sein Kriminalassistent Hubert Ratgeber und der vom Straßendienst ins Kriminalamt berufene Martin Brandl gelingt es zwar, den Mörder der Frauen ausfindig zu machen.

Aber als sie ihn festsetzen wollen, gelingt ihm die Flucht.
1948: Wieder werden in den Isarauen junge, blonde Frauen ermordet. Oberinspektor Hans Weinberger, der in die Fußstapfen seines Großvaters Karl getreten ist, erinnert sich an die Morde, von denen sein Opa erzählt hat, als er noch ein kleiner Stepke war. Zusammen mit seinem Kriminalassistenten Severin Maier und Major Joe Singer von der amerikanischen Polizei in München gelingt es, den Täter endlich zu verhaften.
2017: Die Journalistin Julia Weinberger, die Kopien der Akten von 1918 und 1948 ihres Ururopas und ihres Opas besitzt, will die Fälle von damals für einen Zeitungsartikel aufarbeiten. Denn schon wieder gibt es tote Frauen in der bayerischen Landeshauptstadt nach den gleichen Mustern von damals. Sie kommt dem Trittbrettfahrer ganz nah und bringt sich damit in höchste Lebensgefahr.

Mit Michael Gerwiens Protagonisten darf ich mal wieder durch mein München schlendern. Durch die Isarauen, Ober- und Untergiesing, Sendling und zum Cafe Mozart am Sendlinger Tor nimmt er mich mit. Ich genieße es, wenn ich die Schauplätze kenne und direkt vor meinem inneren Auge sehen kann.

In diesem Krimi geht es richtig blutig zu. Die detailgenauen Beschreibungen waren mir hier und da etwas zuviel. Wenn ich z.B. lese, was und mit welchem Genuss der Mann so alles isst, wird mir ganz schlecht. Andererseits gehören die Details dazu, wenn man den Mörder mit seinen irren und wirren Gedanken besser kennenlernen will.

Die Spannung habe ich trotz der Grausamkeiten etwas vermisst. Sie kam bei mir immer nur dann auf, wenn die Kommissare nahe am Mörder oder Entführer dran waren. Ansonsten finde ich die Geschichte recht unaufgeregt und locker. Was aber der Lust am Lesen keinen Abbruch tut.

Da sich die Geschichte über 100 Jahre hinzieht, lerne ich auch sehr viele Menschen in ihrer jeweiligen Zeit kennen.
Hier haben mir 1918 Karl Weinberger und besonders seine Frau Marlene sehr gut gefallen. Die Hausfrau, die nun trotz aller Knappheit immer wieder versucht durch Handel und Tauschgeschäfte Leckereien auf den Tisch zu bringen. Und die für die Nöte und Sorgen ihres Mannes immer ein offenes Ohr hat.
Auch Rosi Steinbauer vom Steinbauerhof in Taufkirchen, die 1948 mit der Frau von Kommissar Hans Weinberger in Kontakt kommt und Julia, die Journalistin, waren mir sofort sympathisch.

Ein interessanter Krimi, der sich über 100 Jahre hinzieht, der mich mitgenommen und sehr gut unterhalten hat. Nur der Titel passt für mich, jetzt, wo ich die Geschichte gelesen habe, nicht so richtig.

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Tödliche Missverständnisse

Gründerjahr von Michael Gerwien

Tödliche Missverständnisse

Anwalt Andrew Collins hat es nicht übers Herz gebracht und seiner Frau Heather nach der Hochzeit jeden Wunsch erfüllt. Nun sitzen sie in einem riesigen Haus und die Bank macht Druck wegen der Ratenzahlungen für die Kredite. Kurzum: Andrew Collins ist pleite. Bei einem Spaziergang mit seinem Hund Cullum stößt er auf ein unterirdiches Verlies, wo eine junge Frau gefangen gehalten wird.

Handelt es sich hier um die Bankierstochter, die vor einigen Tagen entführt wurde. Das würde seine Geldsorgren auf einen Schlag beenden. Nach einer Schießerei mit dem Entführer entschließt sich Collins, die Entführte einfach "zu übernehmen" und das Lösegeld einzufordern. Aber ist es wirklich so einfach?


Shannon Crowley hat einen leichten, schnell zu lesenden Schreib- und Erzählstil, der mich gleich gefangen hat. Nach ihren Beschreibungen kann ich den kalten irischen Wind und den Nieselregen fast spüren. Der erdige Geruch aus dem Kellergewölbe setzt sich beim Lesen in meiner Nase fest.

Ich lerne Detective Inspector Frederick Dunn, einen, wie ich finde, sehr angenehmen Ermittler, auch privat kennen. Gerade hat er so seine kleinen Differenzen mit seiner 16-jährige Tochter Shanon. Als alleinerziehender Vater hat er es nicht immer leicht, schafft es aber meist, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Wobei ihm seine Mutter, die im gleichen Haus lebt wie er und Shanon, tatkräftig unterstützt.

Verliebt habe ich mich auch – in einen Hund. Cullum, der Hund von Andrew Collins ist so ein großer Knuddel. Den würde ich sofort adoptieren.

Andrew und Heather Collins haben bei mir keinen positiven Eindruck hinterlassen. Sie kreist immer nur um sich selbst, ohne viel Hirn auf der Suche nach einem reichen Nachfolger für ihren Andrew. Der widerum tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste, was hier und da sogar noch unterhaltsam ist, hält sich aber auch immer noch für schlau und unangreifbar. Ich denke, dies ist der tolpatschigste Täter, den ich bisher gelesen habe.

Aber es gibt auch einen Ermittler, dem ich nichts Positives abgewinnen konnte: Archer Stevens – schwatzhaft, selbstverliebt, geht manchem auf den Keks, merkt es leider nur nicht.


Die Geschichte selbst fliegt nur so dahin. Immer wieder passiert etwas Neues, Unvorhergesehenes. Und immer wieder habe ich gedacht: Mensch Andrew hör doch endlich auf mit dem Quatsch. Bei allem, was da schief gegangen ist, konnte die Sache einfach nicht mehr gut ausgehen.


Ein spannender, manchmal auch humoriger Krimi bei dem ich den Kommissaren mit meinem Wissen immer einen ganz kleinen Schritt voraus war. Ich würde mich freuen, bald mehr von Detective Inspector Frederick Dunn und seinen Fällen lesen zu dürfen.

Das einzige, was mir nicht gefallen hat ist die kleine, sehr eng gesetzte Schrift. Die hat meinen Augen nicht gut getan.

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Ein spannender Wirtschaftskrimi

Schöngeist von Siegfried Schröpf

Nach ca. 30 Seiten wollte ich das Buch eigentlich schon beenden. Habe mir dann aber die gefundenen Rezensionen angeschaut – und darauf gewartet, dass ich genau so empfinde, wie die Leser, die dieses Buch absolute empfehlenswert finden. Dann hat es auch nicht mehr lange gedauert und ich war gefangen.

Thomas Schöngeist, ein Wirtschaftanwalt aus der Kanzlei Meyer & Schöngeist in Würzburg, soll die Brosinski AG, die ihren Sitz in seinem kleinen Heimatort Blaukirchen hat, mit ausgefeilten Verträgen vor ihrem Untergang bewahren.
Schöngeist, der mehr mit sich selbst, seiner Vergangenheit und seinem Liebesleben beschäftigt ist als mit dem ihm angetragenen Fall, hat eine Zeit gebraucht, bis er mir sympathisch wurde.

Die Geschichte wird in der Gegenwart erzählt und ich fühle mich viel mehr mittendrin als nur als Leserin dabei. Ich schwimme mit Investmentberatern, Firmenbossen, renditengeilen Finanzkanibalen, die sich Genies nennen, und Wirtschaftsmanagern wie in einem Haifischbecken und muss aufpassen, dass ich alles mitbekomme, was relevant scheint.

Das Register am Schluss der Geschichte, in dem die handelnden Personen beschrieben werden, war mir eine große Hilfe, da ich immer mal wieder nachschlagen konnte, wenn mir die Verbindungen untereinander mal wieder nicht ganz klar waren.
Ein geheimnisvolles Verwirrspiel, ein Schuss Erotik und tiefsinnige Gedanken rundet das Verwirrspiel über eine Firmenübernahme, die dann doch keine wurde, ab. Die drastische Wende am Schluss hatte ich absolut nicht erwartet. Obwohl ich nicht alles bis ins Kleinste durchschaut habe, hatte ich doch beste Unterhaltung.

Auch wenn es etwas gedauert hat: Im Rückblick bin ich einfach nur begeistert.

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