Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gaby2707:
Tolle Geschichte, mit einer Protagonistin, die nicht meine Freundin wird
Calliope, genannt Clio, will sich in ihrem Elternhaus in Timmendorfer Stramd erholen. Sie und ihr Ehemann Marcus wollen unbedingt Eltern werden. Aber seit einem Jahr geschieht nichts. In ihrem alten Zuhause hofft sie zur Ruhe kommen zu können. Aber dsann erreicht sie ein Brief von ihrem Exfreund Vincent, und die Vergangenheit, die Clio glaubte hinter sich gelassen zu haben, greift mit aller Macht nach ihr.
Durch diesen letzten Brief von Vincent reise ich mit Clio aus ihrem jetzigen Leben mit Marcus in Gedanken sieben Jahre zurück, in ihre Vergangenheit. In schonungsloser Offenheit berichtet ihr Exfreund von seinem Leben, das er bis hierher geführt hat. Und Clio - auch sie lerne ich ein klein wenig besser kennen.
Der Schreibstil liest sich leicht und flüssig und ich habe das Gefühl immer an Clios Seite zu sein und ihr über die Schulter zu schauen. Überhaupt gefällt mir der Teil der Geschichte in Briefform sehr gut. Durch den Brief bin ich auch Vince sehr nahe gekommen. Was ich von Clio nicht behaupten kann. Sie kommt mir oft zu kindlich, naiv und vor allem zickig rüber. Ihr Gehabe und Getue, ihre Gedanken und die beschriebenen Gefühle sind mir fremd geblieben. Mit ihr bin ich bis kurz vor Schluss nicht warm geworden.
Und obwohl ich mich mit der Hauptdarstellerin nicht richtig habe anfreunden können, habe ich das Buch gerne gelesen. Es hat alles, was ich be einem solchen Roman gerne dabei habe: eine leichte, leise, hintergründige Spannung, Drama, Liebe, Emotionen und Verstehen und ein Ende mit dem ich halbwegs leben kann.
Warten auf Weihnachten
Gemeinsam ist keiner einsam von Ilona Cornelia
In ihrem Buch „Gemeinsam ist keiner einsam“ erzählt Ilona Cornelia an jedem Adventssonntag und am Weihnachtsabend eine kleine Geschichte, die zu Herzen geht.
Der Schreibstil ist so erfrischend leicht, voller Emotionen, farbig und gut vorstellbar. Ich sehe die Buden auf dem Weihnachtsmarkt direkt vor mir; kann mich gut in den kleinen Adler hineinversetzen, der nicht weiß, was diese komischen Wesen mit ihm machen; genieße die Geschichte, die die Oberschullehrerin dem kleinen Ludwig erzählt; finde die Reaktion der Eltern von Devlin ganz toll, obwohl er sich über ihr Verbot hinweg gesetzt hat und liebe das Weihnachtswunder, das hier geschieht.
Fünf wunderschöne Geschichten, die nicht nur für Kinder, sonder auch für Erwachsene geeignet sind. Vielleicht liest der Enkel der Oma eine Geschichte vor. Oder der Opa seinem kleinen Enkel. Dieses kleine Buch ist wirklich für jede Altersgruppe und für Jedermann geeignet. Ich hatte hier und da Gänsehaut und ich kann dieses kleine Buch nur empfehlen.
Auch die Bilder, die jede Geschichte einleiten und abschließen finde ich sehr gelungen.
Ein wunderschönes kleines Buch, voller Hoffnung, das sehr gut verdeutlicht, dass gemeinsam alles besser geht. Nicht nur in der Vorweihnachtszeit.
Ní hé lá na gaoithe lá na scolb (Wir werden uns wiedersehen)
Der Klang eines Augenblicks von Kate Dakota
Ihr Vater John, ein nicht nur in Irland bekannter Kunsthistoriker, ist seit 20 Jahren tot. Und als nun auch ihre Mutter Mary an ihrem Krebsleiden gestorben ist, macht sich Brittany "Brit" Baxter auf die Suche nach der Wahrheit. War der Tod ihres Vaters wirklich ein Unfall oder war es, wie sie vermutet, Mord? Wird sie dieses Geheimnis lösen können? Und was erwartet sie sonst noch so auf der Grünen Insel?
Die junge Britt erwartet sehr viel auf der Insel, die sie zusammen mit ihren Eltern in ihrer Kindheit immer wieder besucht hat.
Sie lernt Declan Conolly kennen, einen charismatischen Mann, der ihr bei der Suche nach der Wahrheit über den Tod ihres Vaters helfen soll. Er trägt ein Geheimnis mit sich, das es in sich hat.
Britt, Declan und seine Familie, und auch die anderen Mitwirkenden in dieser mysteriösen und fesselnden Kriminal- und Liebesgeschichte sind mir von Anfang an sehr sympathisch. Jeder hat seine kleinen Eigenheiten, Stärken und Schwächen, die sie alle menschlich, herzlich und liebenswert erscheinen lassen. Die vielen Dialoge lassen mich noch näher an den Protagonisten dran sein und ich kann ihnen auch in ihre Gedanken blicken.
Überhaupt gefällt mir der Schreib- und Erzählstil von Kate Dakota sehr gut. Sie spielt mit Emotionen genau so gekonnt und eindringlich wie sie Spannung in die Geschichte hinein bringt. Ich habe mich von der ersten Seite an hineingezogen gefühlt in diese Geschichte. Sie hat mich berührt, kurz zu Tränen gerührt, ich hätte auch gerne mal ein ernstes Wort mit Britt und Declan geredet. Kurz: Ich war gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite.
Sehr gut gefallen haben mir auch die Beschreibungen von den Orten, an die ich die beiden Hauptdarsteller begleiten durfte. Auch im Pub und beim großen Conolly-Fest habe ich mich gleich wohl und wie zuhause gefühlt.
Alles in allem eine berührende Liebesgeschichte, eingesponnen in einen spannenden Roman, mit Menschen, die man einfach gernhaben muss. Den Namen "Kate Dakota" werde ich mir ab jetzt merken!
Weihnachtliche Anthologie
Der Klang eines Augenblicks von Kate Dakota
Mit 12 Geschichten, die für jeden Geschmack und für jedes Genre etwas bereit halten, hat Olaf Lahayne mit die Wartezeit auf Weihnachten verkürzt. Mit seiner breit gefächerten Schreibkunst verzaubert mich der Autor mit Mystischem, regt mich zum Nachdenken an und entführt mich zurück bis zur Zeit um Jesu Geburt.
Aber auch einen Krimi bekomme ich vorgesetzt, genau so wie launige Unterhaltung.
Die Stories sind alle unterschiedlich lang und lassen sich leicht und zügig lesen. Hier und da halten auch österreichische Ausdrücke einzug, die vielleicht nicht jeder kennt, die sich aber durch den Text selbst erklären.
Wer also gerne gut gemachte kleine Weihnachtsgeschichten liest, der ist hier genau richtig.
Starke Frauen
Goldfields von Izabelle Jardin
Ich liebe die Romane von Izabelle Jardin, bei denen ich die Figuren nicht nur in der Gegenwart sondern auch in der Vergangenheit begleiten darf. Auch mit dieser Geschichte hat mich die Autorin sofort gefangen, gefesselt und absolut begeistert.
Robin Alexander ist verheiratet, Mutter eines Sohnes, vor allem sehr zielstrebig und ehrgeizig.
Als sie bei einer Beförderung mal wieder übergangen wird, weil sie noch im gebärfähigen Alter ist, schmeißt sie ihren Job hin. Zuhause allerdings fühlt sie sich total unterfordert, was das Privatleben sehr belastet. Bei einem Sommerfest auf einem alten englischen Landsitz lernt sie Margaret Thornton kennen, die ihr die Geschichte ihrer Großmutter Beatrice Ames erzählt, die im Jahr 1851 in London beginnt.
Beatrice Ames, eine willensstarke, rebellische, verletzliche junge Frau, die für die Gleichstellung der Frauen kämpft, wird von ihrem intriganten und unsympathischen Bruder nach Australien verbannt. Auch auf der Überfahrt lässt sie nicht ab von ihrem Kampf für die Schwachen und Unterdrückten. Und in ihrer neuen Heimat zeigt sie sich weiterhin unbeugsam und scheut sich auch nicht für ihre Anliegen als Mann aufzutreten.
Bei Izabelle Jardin sind es nicht nur die Hauptfiguren, die mich anziehen. Gerade die Nebendarsteller machen die Geschichte erst interessant und rund. Hier begegne ich auch Faye und Constantin wieder, die ich bereits in „Funkenflug“ kennengelernt habe. Und Beatrice, die dort eine Nebenrolle gespielt hat, bekommt hier nun ihren großen Auftritt. Das sind für mich immer diese „ah, wie schön“-Momente, bei denen ich mich noch mehr in die Geschichte hineingezogen fühle.
Alle Figuren haben ihre Eigenarten, ihre Ecke und Kanten, sind gut vorstellbar gezeichnet und ich kann ihr Tun und Handeln und ihre Gedanken sehr gut nachvollziehen. Die meisten sind mir sofort sympathisch. Aber es gibt auch den ein oder anderen Charakter, der es nicht schafft, mich für ihn einzunehmen.
Dies ist in erster Linie kein Liebesroman. Er zeigt die Stärken, die Hoffnungen und Träume, die Krisen und den Kampf um Gleichberechtigung einer jungen Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Wenn ich das lese, bin ich immer wieder froh in der Jetztzeit geboren zu sein.
Ich liebe den Schreib- und Erzählstil der Autorin. Sie versteht es mit Worten zu jonglieren und mir damit jede Szene der Handlung direkt vor Augen zu führen. Vor allem trifft sie auch meine emotionale Seite, bei der sich auch mal ein Tränchen raus gedrückt hat. Beim Lesen ihrer Bücher vergesse ich Raum und Zeit und lass mich einfach in eine andere Welt entführen.
Die Geschichte in der Gegenwart erzählt Robin in der Ich-Form, die Vergangenheit gibt Margaret Thornton weiter. Hier wie da fühle ich mich mitgenommen und reingezogen in die jeweilige Epoche.
Das Ende hat mich auch hier wieder total begeistert und ich habe mir die großen Augen von Constantins Vater vorgestellt, der nun hoffentlich zufriedengestellt ist und seine Schwiegertochter Faye akzeptiert.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und aufzeigt, was Frauen alles bewirken können und wie weit wir mit unserem Kampf um Gleichberechtigung schon gekommen sind. Und das wir nie aufgeben dürfen.
Eine erfolgreiche Suche nach der eigenen Identität
Mein italienischer Vater von Anika Landsteiner
Laura Wind ist 29 als sie ihre Mutter Magdalena verliert, die nicht nur Mutter, sondern auch Freundin und Vertraute für sie war. Ihren Freund Daniel verläßt Laura, als sie erfährt, dass seine Exfreundin ein Kind von ihm bekommen wird. Ihr Leben scheint in Trümmern zu liegen, als sie sich entschließt ihre Wurzeln in Italien aufzuspüren.
Anika Landsteiner hat mich mit diesem Buch von Beginn an in ihren Bann gezogen. Sind es die wundervollen Beschreibungen der italienischen Südostküste? Sind es die so unterschiedlichen, aber wunderbaren Menschen, die ich hier kennenlernen darf? Ist es die Geschichte vom Suchen, von Verlust und einer Reise zu sich selbst?
Ich denke, es ist von allem ein bisserl, was den Reiz dieser eher melancholischen, wunderschönen Geschichte ausmacht.
Da ist zum einen das Setting: der Gargano an Apuliens Ostküste, dem Sporn am Stiefel Italiens. Hier meine ich die salzige Luft riechen zu können. Würde mich am liebsten gleich ins Auto setzen und dorthin fahren, wo es jährlich viele tausend Urlauber hin treibt. Wo aber um diese Zeit höchstens ein Jogger seine ahn zieht oder eine Abfalltüte über den Bürgersteig weht.
Da sind zum anderen die Menschen, denen Laura dort begegnet. Ihrem Vater Emilio, der sich beide Unterschenkel gebrochen hat und nun erst mal im Rollstuhl sitzt. Er muss sich erst mit der neuen Situation – meine Tochter ist hier – auseinandersetzen.
Gianna, eine alte Freundin ihres Vaters, bei der es eine ganze Zeit braucht um mit ihr warm zu werden. Nach einem Knall, bei dem auch Lauras italienisches Temperament zum Ausbruch kommt, klärt sich die Situation. Sie müssen ja keine Freundinnen werden. Aber sie lernen sich zu arrangieren und vor allem zu respektieren.
Aber auch die anderen Figuren, Luca, Pino und Rio z.B. sind alle lebhaft, mit Ecken und Kanten, nicht fehlerfrei, sehr menschlich und gut vorstellbar beschrieben.
Was für mich den ganz besonderen Reiz dieser Geschichte ausmacht, ist vor allem auch der Schreib- und Erzählstil von Anika Landsteiner. Sehr einfühlsam, sehr emotional, aber auch mit einer gewissen Grundspannung, die sich bis zum Schluss hält, lerne ich die Vergangenheit und deren Wirken bis in der Gegenwart kennen und verstehen. Dazwischen immer die Leichtigkeit des italienischen Lebensgefühles. Nicht zu vergessen, das leckere Essen, das immer wieder erwähnt wird.
Und ich würde Laura so gerne auf dieser Reise mit der Transsibierischen Eisenbahn begleiten.
Ein wundervolles Buch voller Abenteuer, Leben, Liebe, Trauer, Fernweh, Familie und der Suche einer jungen Frau nach ihrer Zugehörigkeit. Und auch wenn die Geschichte ein paar Längen hat, sollte man doch jede Zeile der Geschichte genießen.
4,5 von 5 Sternen
Ein wunderbares erstes Buch der Schokoladen-Trilogie
Die Schokoladenvilla von Maria Nikolai
Die 21-jährige Judith Rothmann, Tochter des Schokoladenfabrikanten Wilhelm Rothmann in Stuttgart, ist für die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts eine sehr modern eingestellte junge Frau. Sie würde gerne in der Schokoladenfabrik mitarbeiten, wovon der patriarchischen Vater, der sie schnellstmöglich gewinnbringend verheiraten will, gar nichts wissen will.
Victor Rheinberger, ehemaliger Strafgefangener der Haftanstalt Ehrenbreitstein in Koblenz, hat es für einen Neuanfang nach Stuttgart verschlagen. Als er die 8-jährigen Zwillinge Karl und Anton Rothmann, die mal wieder nichts wie Unfug im Kopf haben, nachhause bringt, trifft er auf Judith. Zu seinem großen Glück bekommt er eine Anstellung in der Schokoladenfabrik. Dort kreuzen sich die Wege der beiden jungen Leute immer wieder.
Maria Nikolai nimmt mich mit in das Stuttgart Anfang des 20. Jahrhunderts. In eine Zeit der Neuerungen und des Umbruchs. Den Duft und den Geschmack von Kakao und Schokolade hatte ich während des Lesens immer wieder in der Nase und auf der Zunge.
Judith und ihre Mutter Helene sind zwei Frauen, die sich nicht in das Korsett des Gehorsam und des Heimchens am Herd pressen lassen wollen. Helene entgeht dem häuslichen Alltag durch ein Nervenleiden, das sie am Gardasee auskuriert und nun schon Monate von zuhause weg ist. In dieser Zeit hat Judith dafür zu sorgen, dass im Hause Rothmann alles seinen geregelten Gang geht. Was gerade bei den Zwillingen Karl und Anton, die nichts als Schabernack im Sinn haben, nicht so einfach ist. Aber sie hat ja ihre Zofe Dora, die ihr bedingungslos zur Seite steht.
Wilhelm ist ein Patriarch des alten Schlages. Konservativ und auf Alleinherrschaft bedacht führt er sein Unternehmen und auch zuhause muss alles nach seinem Willen laufen.
Ich lerne aber nicht nur privilegierte Menschen aus dem Stuttgart der damaligen Zeit kennen. Auch mit den Arbeiterinnen in der Schokoladenfabrik und den Angestellten im Hause Rothmann, mit denen gerade Judith sehr menschlich und zugewandt umgeht, komme ich zusammen. Maria Nikolai versteht es hervorragend, die gravierenden Unterschiede der Lebensumstände, der gesellschaftlichen und sozialen Probleme dieser Menschen in die Geschichte aufzuzeigen und einzuweben. Auch bei dem niederen Volk regt sich langsam der Wille zu Veränderung.
Ich tauche ein in eine Geschichte, in der es hauptsächlich um Judith geht, die mit dem
Mann, den sie heiraten soll, überhaupt nicht einverstanden ist und sich gegen diese Heirat wehrt. Es war sehr schön für mich, die junge Frau auf ihrem rebellischen Weg ein Stück begleiten zu dürfen.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, dass ich auch im Sprachgebrauch um ein Jahrhundert zurück geworfen wurde. Dadurch kamen mir die Personen in ihrem Wirken und Denken noch ein Stück näher und realer vor. Überhaupt merkt man, dass die Autorin sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat – hier in Stuttgart und auch am Gardasee, wohin es mich mit Helene immer wieder verschlägt.
Ein Personenregister, ein Glossar und die Erläuterung einiger historischer Hintergründe runden den ersten Teil der Trilogie ab.
Obwohl es sich bei diesem Buch um den ersten Band zu einer Trilogie handelt, ist die Geschichte hier sehr gut abgeschlossen und lässt mich dennoch erwartend zurück. Ich freue mich schon sehr auf ein Wiederlesen mit Judith, den Zwillingen, die eine Portion Humor in die Geschichte eingebracht haben und auf Victor, den charismatischen Mann, den sich wohl jede Frau als Partner wünschen würde.
Winterliche Reise zum Kattegat
Schneefrau küsst Schneemann von Ann-Kristin Vinterberg
Es ist ein unwirtliches Wetter am Kattegat. Die schwangere Liv Kirkegaard will nur noch weg aus Aalborg und ihrem prügelnden Ehemann Martin. Nun sieht sie die Straße vor lauter Schneegestöber nicht mehr und versenkt ihr Auto in einer Schneewehe im Nirgendwo.
Tierarzt Rune Madsen, den sie fast umgefahren hätte, zertrümmert mit einem Stein das Seitenfenster um Liv zu helfen.
Das erste Missverständnis, dem noch einige folgen werden…
Ann-Kristin Vinterberg nimmt mich in ihrer ersten kurzen Geschichte um die Familie Madsen mit ans Kattegat zu Rune, dem Tierarzt. In seiner ungekünstelten, zugewandten, charismatischen Art ist er mir von Anfang an sympathisch. Die Frauenherzen scheinen ihm zuzufliegen; er aber will von einer Frau höchstens einen One-Night-Stand. Genau so gerne mag ich Liv, die zwar anfangs etwas störrisch wirkt, im Laufe der Geschichte aber zeigt, dass sie eigentlich eine ganz liebe ist, der nur zeitlebens böse mitgespielt wurde. Die Dialoge der Beiden sind so menschlich, so gut nachzuvollziehen, dass ich sofort mittendrin war in dieser Geschichte. Trotzdem dauert es sehr lange, bis sich die Beiden aufeinander einlassen können. Dina, die Nachbarin von Rune dagegen mag ich von Anfang an nicht. Warum? Das lest doch einfach selbst.
Für mich war diese erste Geschichte um die Familie Madsen viel zu schnell ausgelesen. Aber im Anhang bekomme ich eine erste Leseprobe zu „Der Duft von Borken Leaf“, wo es um Runes Schwester Klara geht, die auch schon richtig liebgewonnen habe.
Und als besondere Schmankerl bekomme ich einige dänische Weihnachtsrezepte. Ich liebe Milchreis und werden den Risalamande mit einer exra Mandel bestimmt mal nachkochen. Und auch das Marzipankonfekt liest sich sehr lecker.
Alles in allem ein wunderschönes kleines Buch mit Wendungen und Missverständnissen, bei dem ich träumen konnte, ein paar Tränchen verdrückt habe, sehr gut unterhalten wurde und mich nun auf die Fortsetzung freue.
Wie man eine Mutter allein gelassen hat
Marion, für immer 13 von Nora Fraisse
Es ist mir noch nie so schwer gefallen zu einem Buch mit einer realen Erfahrungsgeschichte eine Rezension zu schreiben, wie diesmal.
Marion Fraisse ist gerade mal 13 Jahre alt, als sie nach den verschiedensten Mobbingattaken einiger ihrer Mitschüler keinen anderen Ausweg sieht und sich in ihrem Kinderzimmer das Leben nimmt.
Für eine Mutter, in diesem Fall Nora Fraisse, ist das das Schlimmste, was passieren kann. Doch diese starke, von Schuldgefühlen, Trauer und Wut gebeutelte Frau will unbedingt wissen, warum ihre kleine Tochter diesen letzten grausamen Schritt gewählt hat.
Nora Fraisse schildert eindringlich, was sie bei der Suche nach der Wahrheit alles erlebt hat. Wie sie gerade von Marions Schule, vor allem dem Direktor, immer wieder Ablehnung und Ignoranz erfahren hat. Die den "Fall" als familienintern abtun. Nach dem Motto: Was nicht sein darf, ist auch nicht. Aber auch bei den Behörden stößt sie immer wieder auf Ablehnung. Hilfe kann sie anfangs von keiner Seite erwarten.
In diesem Buch bekomme ich keine interessante Familiengeschichte geliefert, sondern einen Tatsachenbericht über die Gründe des Tod eines kleinen Mädchens und der verzweifelten Suche einer Mutter nach Gerechtigkeit und Wahrheit.
Noras und Marions Geschichte hat mich von Anfang an gefesselt und tief berührt. Ich habe beim Lesen immer wieder den Kopf geschüttelt, weil ich bis jetzt nicht begreifen kann, wie man eine trauernde Mutter, die doch nur verstehen will, so allein und sich selbst überlassen kann.
Was mich anfangs etwas gestört hat, sind die vielen Wiederholungen. Aber ich denke, Nora Fraisse brauchte diese immerwiederkehrenden Erinnerungen, die sie hier niederschreibt, um mit ihrem Leid und ihrer Trauer besser fertig werden zu können. Schlimm finde ich auch, dass sie über der Suche nach der Wahrheit ihre beiden anderen Kinder fast vergessen hat. Dass sie das aber zugibt, hat mich wiederrum sehr berührt.
Ich hoffe sehr, dass viele Jugendliche und Eltern dieses emotionale, erschütternde, aus dem Leben erzählende Buch lesen und sie dadurch sensibilisiert und aufgerüttelt werden, damit Mobbing schon in seinen Anfängen erkannt und abgewendet werden kann. Man darf seine Augen und sein Herz nicht davor verschließen.
Die Geschichte einer Wanderfotografin
Die Fotografin - Am Anfang des Weges von Durst-Benning Petra
Als Minna Rewentlov, genannt Mimi, von ihrem Freund Heinrich Grohe einen Heiratsantrag bekommt und er ihr in den schönsten Farben das Leben einer Pfarrersfrau auf dem Land schmackhaft machen will, bleibt ihr erstmal die Sprache weg. Jedoch anstatt zu heiraten, fährt sie, die von ihrem Onkel Josef die Liebe zur Fotografie angenommen hat, wie er selbst auch, als Wanderfotografin durch die Lande und erarbeitet sich durch die unkonventionelle Art ihrer Bilder bald einen sehr guten Ruf.
Als Onkel Josef, der sich in Laichingen auf der Schwäbischen Alb niedergelassen hat, sehr krank wird, ihre Mutter aber keine Anstalten macht, ihren Bruder zu pflegen, übernimmt sie dies selbst. Sie eröffnet das Fotostudio ihres Onkel wieder und will solange bleiben, bis ihre Mutter Muße findet, sich um ihren Bruder zu kümmern...
Mit ihrem angenehm leicht zu lesenden Schreibstil hat mich Petra Durst-Benning direkt hineingezogen in den kleinen Ort Laichingen und in das karge Leben auf der Alb, wo die Leinweber zuhause sind. Hier lerne ich ausser Mimi, die eine für diese Zeit schon sehr starke und eigenständige Frau ist, auch einige Mitglieder der Leinweberfamilien und deren Arbeitgeber kennen. Die Armut, das Leid, das Ausgebeutet werden und das karge Leben, das dort herrscht, haben mich doch demütig werden lassen, da ich heute in einer so ganz anderen Zeit leben darf.
Mimi ist mir von Anfang an mit ihrer mitfühlenden Art Anderen gegenüber, ihrer leidenschaftlichen Art gegenüber ihrer Arbeit mit den Bildern, die sie macht und ihrer Unangepasstheit sehr sympathisch. Da kann auch ein Webereibesitzer daher kommen und sie gibt ihm Kontra. Überhaupt kann ich in dieser Geschichte meine Sympathien schnell vergeben. Aber es gibt auch ein paar Menschen, die sich sehr schwer tun, mich von ihnen zu überzeugen.
Mit ihrer einfühlsamen, sehr bildlichen und manchmal humorigen Art zu erzählen führt mich Petra Durst-Benning durch den kleinen Ort, so daß ich meine mich hier schon auszukennen. Die Postkarten, die Mimi in Auftrag gibt habe ich direkt vor Augen Und auch als die Jungs in ihren Konfirmandenanzügen im Atelier sitzen um zu ihrem großen Tag fotografiert zu werden, habe ich sie direkt im Kopf. Und ich meine ihre Gedanken lesen zu können, wenn sie sich mit Landkarten oder der Malerei beschäftigen.
Die immer wieder einfließenden historischen Informationen sind so gekonnt in die Geschichte hineingewebt, dass es sogar Spaß macht noch etwas zu lernen und Neues zu erfahren. Ich kann nur ahnen, wieviel Recherche hinter dem Buch stecken mag.
Ich habe es sehr genossen, einen ersten Einblick in das Leben von Mimi Rewentlov und den Laichingern zu bekommen. Und ich feue mich schon sehr auf die Fortsetzung dieser interessanten Familiengeschichte, die für mich einige Fragen offen gelassen hat.
5 von 5 Sternen









