Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Natalie:
Nichts bleibt ungesühnt…
Der Wolf im dunklen Wald von Sia Piontek
Ein Teilnehmer einer Gesellschaftsjagd wird tot aufgefunden, eindeutig ermordet. Carla Seidel wird mit ihren KollegInnen mit dem Fall betraut. Bei dem liegt so einiges im Argen, ein Motiv kristallisiert sich allerdings nicht wirklich heraus. Gleichzeitig ist ihre Tochter Lana ausgerechnet mit dem Enkel des Guthofbesitzers und Veranstalter der Jagd vermehrt unterwegs.
Während Lana noch darüber grübelt, ob Fabian etwas mitbekommen hat, geschieht ein weiterer Mord und auch Carla ahnt nicht, wie nahe ihnen der Täter schon gekommen ist…
Bereits der erste Band rund um Ermittlerin Carla und ihrer hochsensiblen Tochter konnte mich letztes Jahr begeistern. Und auch der zweite Krimi in dieser Reihe, die in Wendland spielt, hat mir wieder spannende Lesestunden gebracht. Mir gefällt der Mix aus Kriminalfall, privaten Einblicken und interessanten Charakteren, die definitiv ihre Schwächen haben, dadurch aber auch sehr menschlich und realistisch wirken. Auch wenn ich besonders manche Handlungen von Carla nicht immer nachvollziehen kann, machen doch auch gerade diese Szenen die Reihe aus, es ist für mich schon fast wie ein roter Faden, der sich durchzieht. Dazu kommt noch eine gute Ermittlungsarbeit, die genau richtig detailliert beschrieben ist, sich nicht hetzen lässt, aber auch keine Leselängen für mich hinterlässt. Die Vorgehensweise wirkt nachvollziehbar und der Spannungsbogen bleibt gegeben. Den Täter hatte ich überhaupt nicht am Schirm, die Auflösung brachte für mich also nochmal eine gekonnte Wendung. Leseempfehlung und 4,5* von mir für diesen Krimi.
Gelungenes Debüt
Hier draußen von Martina Behm
Lara und Ingo sind mit den beiden Kindern aufs Land gezogen, haben in Fehrdorf einen Bauernhof gekauft. Doch das Landleben hat seine Tücken, auch das Pendeln nach Hamburg zur Arbeit macht Ingo nicht wirklich glücklich. Als er abends nach einem langen Arbeitstag eine weiße Hirschkuh anfährt, gerät das fragile Gleichgewicht endgültig aus dem Takt.
Denn wer eine weiße Hirschkuh tötet, hat, laut einigen Dorfbewohnern, nur noch ein Jahr zu leben…
Der Roman hat seine ganz eigene Art und Weise ein Jahr in dem kleinen Dorf zu betrachten und von den Bewohnern zu erzählen. Die Autorin schafft es unaufgeregt, aber an den richtigen Stellen mit einer Prise trockenem Humor vom Landleben zu erzählen. Von den zugezogenen Städtern Lara und Ingo, aber auch von den langjährigen Dorfbewohnern. Mit viel Liebe zum Detail lernen wir die Charaktere und deren Leben kennen, es wird nichts beschönigt - gerade auch der viel zitierte Traum der Städter vom Dorfleben wird am Beispiel von Lara und Ingo schon auseinander genommen. Aber auch die schönen Seiten kommen nicht zu kurz, sodass ein Leben am Land schlussendlich nichts an Reiz verliert. Es muss nur jeder seinen eigenen Weg dafür finden. Mir hat dieser ruhige Roman von Martina Behm gut gefallen, auch wenn ich etwas brauchte, um komplett in die Geschichte von Fehrdorf einzutauchen. Leseempfehlung.
Spannend
To Die For von Lisa Gray
Der Luxus-Immobilien-Markt ist heiß umkämpft - das weiß auch Maklerin Andi Hart nur zu gut. Als die Agentur ihres Chefs den Auftrag bekommt, für eines der begehrten Strandhäuser Malibus einen Käufer zu finden, ist nicht nur Andi begeistert, sondern auch ihre KollegInnen. Ist die Provision doch mit einer Million Dollar dotiert und würde die Eintrittskarte in ein neues Leben bedeuten und das ein oder andere Problem in Luft auflösen.
Doch als am Tag der offenen Tür eine Leiche gefunden wird, nimmt der Hausverkauf plötzlich ganz neue, mörderische Dimension an…
Der Thriller ist spannend gestrickt, man verfolgt die Ereignisse aus den Sichten der Makler, wobei auf Andi doch ein gewisser Schwerpunkt liegt. So erfährt man als Leser immer wieder kleine Details, die aber mehr Fragen aufwerfen, als beantworten. Tempo- als auch wendungsreich wird die Geschichte erzählt, wodurch die Spannung permanent hoch bleibt und ich das Buch nur ungern aus den Händen gelegt habe. Die Auflösung hat mich nochmal überrascht. Leseempfehlung von mir.
Oft reicht ein kleiner Funke…
The Fire Inside Us von Maja Schendel
Erin bekommt die Chance ihres Lebens, um ihren Traumjob als Verhaltensbiologin antreten zu dürfen. Dafür soll sie im Yosemite-Nationalpark für ihre Dissertation das Verhalten der Hirsche beobachten. Eigentlich kein Problem, wenn da einerseits nicht Erins absolute Sicherheitsliebe und Routinen durcheinandergebracht werden würden, andererseits auch noch ihr Aufenthalt im Camp der Firefighters sein soll.
Ein Camp in dem auch Strafgefangene resozialisiert werden. Jesse, der für sie zuständig ist, bringt alles durcheinander, was Erin eigentlich liebt und für ihr Sicherheitsgefühl braucht… und beide kämpfen mit ziemlich großen Vorurteilen…
Mir hat bereits der erste Band der Yosemite-Love-Dilogie sehr gefallen und auch mit dem Abschlussband hat Maja Schendel wieder einen tollen Roman gezaubert. Ihr gelingt es, die Charaktere lebendig und authentisch darzustellen, die Emotionen und Gefühle sind dabei nie übertrieben dargestellt, sondern aus dem Leben gegriffen und so für uns als Leser gut nachvollziehbar. Das wunderschöne Setting des Yosemite-Nationalpark tut sein Übriges - man wähnt sich selbst beim Lesen inmitten der Natur…fühlt die Sonnenstrahlen auf der Haut, richt den Duft des Waldes und hört seine Bewohner. Vorurteile, traumatische Erlebnisse, aber auch das Zurückgewinnen vom Vertrauen in einen selbst und in andere spielt in dem Roman eine Rolle, wodurch auch eine grundlegende Spannung vorhanden ist und man beim Lesen mitfiebert. Schade, dass die Yosemite-Love-Reihe nun schon beendet ist, aber ich freue mich auf das nächste Buch der Autorin.
Leseempfehlung für diesen Roman.
Spannend und brandaktuell
Echokammer von Ingar Johnsrud
Der Thriller spielt in den letzten hochspannenden Wochen vor der Parlamentswahl in Norwegen. Die Arbeiterpartei versucht mit allen Mitteln, das bestmögliche Resultat zu erlangen, wobei ihnen auch der ehemalige Polizeijurist Jens Meidell helfen soll. Gleichzeitig kommt der PST, der Sicherheitsdienst der Polizei, auf die Spur rechtsextremer Kreise, die über eine große Menge Rizin verfügen sollen.
Die Anti-Terror-Ermittler Liselott Benjamin und Martin Tong arbeiten fieberhaft daran, ihnen auf die Schliche zu kommen und mögliche Anschläge zu verhindern…
Ein Thriller, der gekonnt die Spannung mit den beiden Handlungssträngen hochhält, diese immer mehr ineinandergreifen lässt. Dabei könnten die Themen leider nicht aktueller sein - politische Machtkämpfe bis zum Rande der Legalität, manchmal sogar darüber hinaus und bis hin zum Vormarsch rechter Extremisten, die ihre Ideologie über alles stellen. Strategisches Kalkül und manipulative Kräfte ergänzen das Bild. Die meisten Charaktere sind dabei absolut keine Sympathieträger, jedoch sind sie gut und auch passend ausgearbeitet. Die beiden PST-Ermittler finde ich absolut interessant gezeichnet und auch Jens Meidell bringt viel in den Thriller ein, wenigstens er zeigt ab und zu Ansätze eines Gewissens. Doch alle haben ihre Geheimnisse, die sie nicht preisgeben wollen. Kleinere, vermeintliche Längen zwischendurch stören nicht, sondern passen für mich in das Gesamtbild und runden die Geschehnisse im Thriller gut ab. Alles in allem ein toller und aktueller Thriller, dessen Ende mit einem kleinen Cliffhänger schon auf Band 2 freuen lässt. Große Leseempfehlung von mir.
Countdown zum Ende der Menschheit
Der letzte Mord am Ende der Welt von Stuart Turton
„122 Überlebende, 1 Mörder, 107 Stunden bis zum Ende der Welt“
Das sind die Eckdaten zum neuen Kriminalroman von Stuart Turton. Ein giftiger Nebel hat die Welt zerstört, nur eine kleine Insel im Mittelmeer ist noch bewohnbar. Dort lebt eine kleine Dorfgemeinschaft gemeinsam mit wenigen Wissenschaftlern.
Diese lenken das Leben der Bewohner bis ins Kleinste, es werden keine Fragen gestellt, kein Tun hinterfragt. Doch dann wird eine der Wissenschaftlerinnen ermordet. Der Nebel rückt daraufhin immer näher und kann nur gestoppt werden, wenn der Mörder entlarvt wird… 107 Stunden, um einen Mord zu aufzuklären, 107 Stunden bis zum Ende der Menschheit…
Wenn man schon Bücher des Autors gelesen hat, weiß man, dass diese nie einfach geradlinig sind und für Überraschungen gut sind. Auch dieses Buch ist eindeutig mehr als nur ein Krimi. Dystopisch, mystisch und spannend. Man muss sich auf diese kleine Gemeinschaft einlassen, dann trägt einen die Geschichte mit den vielen Wendungen und interessanten Charakteren, aber auch dem speziellen Setting durch die Seiten. Es geht zwar um die Aufklärung eines Mordes, aber der Weg dorthin beinhaltet sehr viel mehr, durchaus auch kritische Töne. Mehr zu verraten, würde definitiv spoilern, von daher spreche ich einfach eine Leseempfehlung dafür aus.
Spannend aufgebaut
Haltlos von Sarah Nisi
Emilys bisheriges Leben ist seit 3 Monaten nicht mehr existent. Seit dem Tag, an dem ihre beste Freundin Liv auf die U-Bahn Gleise stürzte und starb. Schlimmer noch, Emily stand direkt daneben, konnte Liv aber nicht helfen und kann sich nun an nichts mehr erinnern. Die Polizei hat es als Unfall eingestuft, Emily zweifelt aber sehr daran und beginnt zu suchen… und hofft, dass ihr Gedächtnis zurückkehrt.
Doch nicht jeder will, dass die Wahrheit ans Licht kommt…
„Haltlos“ ist ein unblutiger Thriller, der jedoch deswegen nicht weniger spannend ist. Emilys Recherche ist gut aufgebaut und ihre Emotionen dabei sind absolut nachfühlbar. Durch die weiteren Charaktere und deren Handlungen sät die Autorin geschickt immer wieder kleine Zweifel, wer denn nun was zu verbergen und vor allem mit Livs Tod was zu tun hat. Dieses Gefühl wurde beim Lesen noch durch die unterschiedlichen Perspektiven verstärkt und einzelne Auszüge von Livs Tagebuch haben zusätzliche Fragen aufgeworfen- war sie wirklich diejenige, die man zu kennen glaubte? Für mich wurde die Geschichte stimmig und spannend erzählt, nur mit dem teilweise offenen Ende kann ich mich nicht ganz anfreunden, auch wenn die relevanten Fragen geklärt sind. 4* von mir dafür.
Guter Reihenauftakt
Schmerz von Jón Atli Jónasson
Im Thingvellir-Nationalpark verschwindet ein Teenager spurlos. Die Polizei muss tätig werden, hat jedoch alle verfügbaren Kräfte gerade bei einer brisanten Razzia im Einsatz…alle bis auf Dora, die seit einem verpatzten Einsatz mit ihrer Hirnverletzung kämpft und derzeit eigentlich nur für Schreibtischarbeit vorgesehen ist und Rado, der aufgrund familiärer Verstrickungen nicht Teil der Razzia ist.
So bleiben nur die zwei übrig, um sich um den Vermisstenfall zu kümmern. Eine Herausforderung für beide, die nicht nur gegen die eigenen Dämonen kämpfen müssen…
Schmerz ist der Auftakt einer neuen Island-Krimi-Reihe. Der Autor hat dabei ein besonderes Ermittler-Duo geschaffen. Beide gelten als Außenseiter, besonders Dora ist nach ihrer Verletzung nicht mehr dieselbe, kämpft mit vielen inneren Dämonen. Genau davon lebt aber der Krimi, es ist spannend, die beiden einerseits schon ganz gut kennenzulernen und andererseits sie bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Die beiden Fälle in dem Band - die Razzia und der Vermisstenfall - werden nach und nach gut nachvollziehbar gelöst, das Ende hat noch einen kleinen Cliffhanger bereit, der natürlich auf Band 2 neugierig macht. Trotzdem wünsche ich mir für diesen dann noch etwas mehr an Tempo und Spannung, dies wurde für mich immer wieder mal durch kleine Längen unterbrochen.
Alles eine Lüge?
Allein gegen die Lüge von Alex Finlay
Matt wird nach einer Studentenfeier mit der unglaublichen Nachricht konfrontiert, dass seine Eltern als auch seine zwei kleinen Geschwister im Urlaub verstorben sind. Die mexikanische Polizei stempelt es als Unfall durch ein Gasleck ab. Das FBI zweifelt jedoch an der Version, Genaueres verraten sie Matt aber nicht.
Hängt es irgendwie mit Matts älterem Bruder Danny zusammen, der vor Jahren für den Mord an seiner Highschool-Freundin verurteilt wurde? Eine True-Crime-Story hatte damals schon viel Staub aufgewirbelt und jetzt scheint es in die zweite Runde zu gehen…
Alex Finlay ist ein toller Thriller gelungen. Nicht nur die Ausgangslage der Geschichte an sich sorgt für Spannung, sondern auch die Erzählweise. Es wird nicht nur aus Matts Sicht erzählt, sondern auch vom damaligen Potcast, der ermittelnden FBI-Agentin oder vergangene Einblendungen der einzelnen Familienmitgliedern. Dieser Aufbau mit den vielen unterschiedlichen Sichtweisen und Zeitpunkten trägt viel dazu bei, dass der Spannungsbogen hoch bleibt. So bekommt man immer wieder einzelne Puzzleteile, die aber erst zum Schluss ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Schuld, Intrigen, Manipulation, falsche Fährten, Verrat und Vertrauen. Der Thriller bedient sich gekonnt daran - Leseempfehlung von mir.
Wer ist das wahre Monster?
Kummersee von Iver Niklas Schwarz
Dreißig Jahre ist es mittlerweile her, dass Lenas Bruder beim Schwimmen im Kummersee ums Leben kam. Alle taten es als Unfall ab, Lena weiß aber, dass der mysteriöse Tod genau das nicht war. Nun kehrt sie als Schutzpolizistin gemeinsam mit ihrem Partner Malik in ihr Heimatdorf zurück. Sie sollen ein Vermessungsteam, welches den See als potentielle Endlagerungsstätte prüft, schützen.
Doch als plötzlich grausame Morde geschehen, Menschen verschwinden, scheint das Grauen aus Lenas Vergangenheit wieder da zu sein… und sie muss sich den Schauergeschichten und ihrer eigenen Vergangenheit stellen…ohne zu wissen, was wirklich unter der Seeoberfläche lauert.
Der Thriller überzeugt mit Spannung pur ab der ersten Seite. Die eisige Atmosphäre, welche Lena in dem abgelegenen Dorf erwartet, ist beim Lesen so gut spürbar und das Grauen, das Ungewisse aber auch das gruselig Böse, was den Kummersee umgibt, bereitet einfach superspannende Lesestunden. Als Leser weiß man nicht, wem der Protagonisten man glauben kann, wer auf welcher Seite steht. Als Lena sich ihrer größten Angst stellt, vergisst man selber fast zu Atmen - man fiebert mit ihr mit. Zur Auflösung wird es nochmal grausam, was aber den Thriller und die Geschichte darin gelungen abrundet. Historisches verwebt mit Grusel macht den Thriller absolut lesenswert. Leseempfehlung von mir dafür.











