Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Kokoloreslot:
Deutsche Kulturgeschichte spannend erzählt
Fast wie im Märchen von Tilman Spreckelsen
„Fast wie im Märchen: Die Brüder Grimm und ihre Zeit“ von Tilman Spreckelsen war mein Sachbuch-Highlight in diesem Jahr.
Tilman Spreckelsen hat sich intensiv mit Jacob und Wilhelm Grimm und ihrer Zeit beschäftigt. Er erwähnt zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, die mein Interesse noch weiter gesteigert haben.
Chronologisch folgt man dem Leben und den prägenden Jahren der Brüder Grimm: ihrer Zusammenarbeit, ihrer Grundsteinlegung in der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft und vor allem ihrer berühmten Märchensammlung – die der ganzen Welt bekannt ist. Der Fokus liegt auf ihrer Entstehung, ihren Quellen und der Rezeption.
Ein so zugänglicher Schreibstil, der diese Zeit lebendig werden lässt, war eine sehr positive Überraschung. Besonders interessant fand ich den historischen Kontext, der den Einfluss der politischen Umbrüche und der aufkommenden Germanistik auf ihr Wirken aufzeigt. Gleichzeitig verführt das Buch dazu, in das 19. Jahrhundert einzutauchen. Tilman Spreckelsen verbindet die Arbeit der Grimms zudem mit modernen Fragen, etwa dem prägenden Einfluss auf unser Verständnis von Geschichten. Das macht dieses Sachbuch zu einem runden Highlight.
Fazit:
Tilman Spreckelsen hat mich mit seiner Erzählweise begeistert und mir mit dieser umfassenden Biografie ein neues Verständnis dieses kulturellen Erbes vermittelt. Wer sich einen frischen Blick auf das Leben und Wirken der Brüder Grimm wünscht und an der Epoche interessiert ist, wird das Buch spannend finden.
Gärtnerwissen für jeden
Gärtnern für die Artenvielfalt von Jasmin Schreiber
Jasmin Schreiber schreibt ganz locker, und ich hatte den Eindruck, ich wäre in einem netten Gespräch und würde sehr viele hilfreiche Tipps und Fachwissen aus erster Hand von jemandem erhalten, der ein sehr empathisches Mindset ohne Besitzansprüche verfolgt. Das schafft eine entspannte Atmosphäre in guter Unterhaltung, gepaart mit Anwendungswissen in großer Fülle.
Weder trocken noch langweilig! Auf Fragen, die ich mir dazu gestellt habe, wurde tatsächlich eingegangen – denn als Kleingartenbesitzer braucht es mehr als nur den guten Willen.
Während die Seiten liebevoll gestaltet wurden – überall finden sich Bildchen und auch Fotos aus dem eigenen Garten –, scheint mir alles anwendungsfreundlich durchdacht. Jedenfalls ist die Pflanzenliste und das Register im Anhang goldwert.
Mir gefällt auch, dass es hier nicht um die Selbstdarstellung der Autorin geht, sondern um naturnahes Gärtnern mit frischen Ideen und Einfallsreichtum für jedermann – ganz sympathisch und mit viel Herzblut und Können. Wer keinen Garten hat, wird mit Balkon oder Terrasse ebenso bedacht, inklusive kleiner Tricks und Kniffe.
Wer sich als Neuling einen machbaren Start ohne Überforderung wünscht, sollte zu diesem Buch greifen. Es ist sehr hilfreich und informativ.
Mir hat es sehr gefallen, und ich empfehle es weiter.
Zen-Meister auf vier Pfoten
Die Katze, die den Mönch das Leben lehrte von Bokyeong Sunim
In „Die Katze, die den Mönch das Leben lehrte“ berichtet Bokyeong Sunim, ein buddhistischer Mönch aus Südkorea, von seinem Leben im Beopryeonsa-Tempel in Seoul. Dort verbringt er seine Tage allein mit Wanderungen in den Bergen, lesend und schreibend im Bergkloster. Ein ausgehungerter Straßenkater vor seiner Tür erweicht sein Herz.
Er beginnt, ihn zu füttern, und nimmt ihn bei sich auf. Schon bald verliebt er sich in dessen unaufdringlichen Charakter und versucht, sein Wesen zu ergründen.
Jeder, der Katzen näher kennt, wird seine Erfahrungen und Interpretationen sicher nickend bestätigen: Diese stille Glückseligkeit, wenn man dem Tier beim Schlafen zuschaut. Sunim beschreibt es sogar als „ein Hinsehen auf das Licht des eigenen Herzens“.
„Die Katze, die den Mönch das Leben lehrte“ ist unaufgeregt geschrieben, sodass ich dabei gut entspannen konnte. Die Ruhe und Gelassenheit wird nicht nur gepredigt – man spürt sie auch. Sunim erzählt von Liebe und Mitgefühl, von der Kunst des Schweigens, der Abgeschiedenheit, der Unabhängigkeit und der stillen Vertrautheit zwischen ihm und dem Kater. Man merkt, wie sich seine Denkweise verändert hat, nachdem er zuvor keine Erfahrungen mit Haustieren oder gar Katzen hatte. Diese Entwicklung berührt und zeigt die besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier. Ich konnte danach auch unsere Katze mit einem neuen Blick betrachten: aufmerksamer, liebevoller und neugieriger.
Sehr schön ist die Aufmachung des Buches, in der sich auch Illustrationen und Fotos finden.
Ich schätze, dass dieses Buch vor allem Katzenfans gefallen wird, die dabei noch ein paar Einsichten in die spirituelle Praxis erhalten. Ich hatte zwar mehr Tiefe erwartet, aber mir hat „Die Katze, die den Mönch das Leben lehrte“ trotzdem gut gefallen.
Total schräg
Rupert präsentiert: Echt unheimliche Gruselgeschichten 2 von Jeff Kinney
Alle der 12 Geschichten, die Rupert in diesem Buch präsentiert, sind total schräg. Manche mehr, manche weniger. Manche gefallen besser als andere, manche hätten kürzer sein können und manche länger. Da waren jedenfalls einige originelle Ideen dabei, die uns gut gefallen haben. Manches war auch absurd und seltsam.
Wahrscheinlich muss man kurze Storys einfach mögen. Sie können eben nicht so packend sein wie ein Roman. Oft fangen die Geschichten ganz gewöhnlich an: Ava ist umgezogen und möchte mit einer Übernachtungsparty Freunde gewinnen. Ruben möchte einfach nur mehr Zeit mit seinem Vater verbringen. Rex hat Angst, sich in der Umkleidekabine umzuziehen, oder Evelyn, die die vielen Umarmungen der Familie am Feiertag als unangenehm empfindet. So steckt in manchen dieser Geschichten auch eine stärkende Botschaft: dass man nicht tun muss, was man nicht mag, oder dass man immer stolz auf sich sein darf. Was Rupert daraus für schräge Handlungen baut, ist schon absurd unterhaltsam. Nicht gruselig, aber oft lustig und nicht vorhersehbar. Wer würde schon ahnen, dass eine Geschichte über einen Mann, der gerne Sport auf seinem Fernseher schaut, damit endet, dass alles endet?
Die comicartigen Illustrationen im vertrauten Zeichenstil von Gregs Tagebüchern schwächen den Gruselfaktor zusätzlich, weil das Übernatürliche ins Alltäglich übertragen oder auf die Schippe genommen wird – wie der Sensenmann, der erst durch Pech in der Liebe wurde, was er ist, oder das Zombiemädchen, das nur Anerkennung für seine Leistung wollte, aber auf ihr Aussehen reduziert wird. Außerdem wirkt es, als würde ein 12-jähriger Rupert am Lagerfeuer schaurige Geschichten erzählen, ganz getreu den Anfängen: „Es war einmal …“.
Dementsprechend sind die Sätze kurz und funktional, ohne Ausschmückungen, wörtliche Rede oder Beschreibungen. Grusel ohne die passende Stimmung zu erzeugen, ist schwierig. Das könnte einigen den Gruselspaß kosten. Ein positiver Punkt ist aber, dass sich die eine oder andere Wortbedeutung, die noch unbekannt sein könnte, aus den Zeichnungen erschließen lässt. Außerdem ist das Buch optisch sehr leicht lesbar, auch weil auf wirklich jeder Seite Illustrationen sind. Dann die Kürze der Geschichten. Das gefällt nicht nur Lesemuffeln.
Fazit: Nicht mit 'Gregs Tagebücher’ vergleichbar, aber schräg genug, um zu gefallen, wenn man nicht zu viel erwartet. Wer es verrückt mag und Zombies, Geister, Aliens oder Mutanten cool findet, wird seinen Spaß haben.
Wegweiser für Paare mit Neurodivergenz
Zu viel, zu nah, zu sehr von Dr. Rosalie Weigand
Wie zeigt sich Neurodivergenz in einer Partnerschaft?
Wo sollte man ansetzen, wenn man merkt, dass man nicht weiterkommt? Wann ist eine Paartheraphie sinnvoll?
Mithilfe des Buches lassen sich solche Schwierigkeiten im Beziehungsalltag benennen und verstehen. Neurodivergente sowie auch Neurotypische werden sich in den treffenden Aussagen erkennen und erfahren, was sie eigenverantwortlich tun können.
Es ist toll, wie in diesem Buch Verständnis und Akzeptanz für unterschiedliche Bedürfnisse geschaffen wird. Eine gute Basis, die beide Parteien berücksichtigt und auf der man aufbauen kann. Dazu gibt es einigen Gesprächsstoff und Beispiele, um die richtigen Worte zu finden.
Nach unserer Erfahrung lassen sich die vorgestellten Therapie-Tools auch in einen stressigen Alltag integrieren und haben sich als hilfreich erwiesen. Schon kleine Veränderungen können eben viel bewirken.
Geschrieben ist es mit fachlicher Kompetenz, Sachlichkeit und Nachvollziehbarkeit. Es erinnert an klassische Ratgeber und ist dafür gedacht, es von vorne bis hinten durchzulesen, wobei die häufigsten Fragen aus der Praxis und der Community einen runden Abschluss bilden.
Damit heben sich die interessanten Ratschläge und Gegenüberstellungen von Neurodivergenten und Neurotypischen von dem ab, was ich bisher gelesen habe. Das zeigt, dass eine spezifische Betrachtung von Beziehungskonstellationen sinnvoll sein kann. Man könnte dieses Buch allen empfehlen, die Neurodivergenz im Ganzen und die Auswirkung auf soziale Beziehungen besser verstehen möchten.
Düstere Dystopie über Macht
Insel der Ratten von Jo Nesbø
Nach einer Pandemie bricht die gesellschaftliche Ordnung zusammen: eine postapokalyptischen Welt bricht herein. Der reiche Unternehmer Colin Lowe flieht mit seiner Familie auf die abgelegene Insel, während sein Sohn als Anführer der brutalen Chaos-Gruppe in der Stadt die Anarchie feiert. Will, Colins bester Freund, verliert seine Tochter an die Chaos-Gruppe und sinnt auf Rache.
Jo Nesbø schreibt gewohnt deutlich, ohne unnötige Ausschmückungen, was die Spannung erhöht, die brutale Handlung vorantreibt und alle Grausamkeiten offenlegt. Diesmal kurz, ohne Einleitung oder Erklärungen, aber auch hier findet sich ein klarer gesellschaftlicher Unterton und eine grandiose Inszenierung, während schonungslos eine Zivilisation in Chaos und Barbarei kippt. Wer Gerechtigkeit will, muss auf Rache verzichten. Wer Rache will, opfert die Gerechtigkeit.
Für mich war es ein beklemmendes aber geniales Buch, das ein Szenario entwirft, in dem die Schattenseiten der Menschheit gnadenlos zutage treten. Ich habe es schnell durchgelesen. Spannender Stoff, der nicht nur reine Unterhaltung bietet, aber so düster und brutal vielleicht nicht für jeden geeignet ist.
Philosophie, die Spaß macht
Alice im Land der Ideen von Roger-Pol Droit
Als anfänglich philosophisch Interessierter, der keine trockene Theorie mag, war „Alice im Land der Ideen“ genau richtig. Es ist eine Mischung aus unterhaltsamen Abenteuerroman und philosophischer Wissensreise.
Alice Gedanken kreisen um große Fragen, über die Menschen schon seit Jahrtausenden nachdenken, um globale Krisen, das Erwachsenwerden und auch um kleine Fragen, die sie gerade beschäftigen.
Das verlangt nach Antworten und so begegnet Alice großen Philosophen und Denkern, die ihre Weisheiten mit ihr teilen. Eine Interessante Frage dabei lautet: Alles, was wir denken, fühlen oder tun, soll auf Ideen basieren, die in unseren Köpfen oder denen anderer entstehen?
Angenehm schräg, komödiantisch, voller verrückter und fantasievoller Anregungen, präsentiert Roger-Pol Droit in einem vorstellungsstarken und surrealen Stil, kultur- und literarische Anspielungen, andere Länder und andere Zeiten. Was sind Ideen? Wie prägen sie unser Leben? Wie können wir die Welt verändern? Was haben anderen darüber gedacht und geschrieben?
Das Buch lädt zum Nachdenken ein, ohne belehrend zu wirken – stattdessen schafft er eine Atmosphäre, in der Abstraktes greifbar wird und anregende Gespräche stattfinden. Insgesamt ist mir aber etwas zu oberflächlich geraten und kann mit Werken, wie „Sophies Welt“ nicht mithalten. Trotzdem kann ich empfehlen, mit Alice und ihren mausigen Begleitern ins Land der Ideen zu reisen.
Erschreckend reale Dystopie
Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis
Eine erschreckend reale dystopische Welt zeichnet das neue Bienenbuch von Caryl Lewis, das dem Aussterben von Bienen geschuldet ist. Diese beängstigende Stimmung einer leider nicht allzu unmöglichen Zukunftsvision einer auseinanderbrechenden Gesellschaft macht das Buch so spannend. Es geht um Menschlichkeit, Würde, Träume, Freundschaft und Zusammenhalt.
Mittendrin ist Jess, die die Natur liebt und sie doch gar nicht kennt. Jess, die mehr vom Leben will, als das, was man ihr aufzwingt. Ihre junge Perspektive macht es sehr eindringlich und lässt mich schätzen, was ich für selbstverständlich halte und ihr versagt bleibt.
Es ist toll geschrieben – einfach, aber kraftvoll. Der Roman ist für Jugendliche zugänglich und thematisiert nicht nur ökologische Katastrophen, sondern auch gesellschaftliche Strukturen, die junge Mädchen in extreme Abhängigkeit und Ausbeutung drängen.
Der dichte, fast dystopisch-melancholische Ton, der die Hoffnungslosigkeit der Welt einfängt, ist beängstigend gut getroffen. Doch es sind die Momente der Hoffnung und des Widerstands, die nachhaltig in Erinnerung bleiben. Mich hat der Roman sofort gepackt – seine nachdenkliche Intensität lässt einen nicht mehr los. Ich hätte ihn am liebsten mit anderen gelesen, um darüber ins Gespräch zu kommen. Daher könnte ich ihn mir gut als Schullektüre vorstellen. Ein wirklich lesenswertes Buch.
Forschung und Abenteuer
Die Insel der Schimpansen von John Ironmonger
Der Roman „Die Insel der Schimpansen“ klang sehr interessant für mich, da er Themen wie Naturschutz und die Verbindung zwischen Mensch und Tier aufgreift. Auch das Setting von Samaki Island und der Urwald Tansanias schien verlockend. Ich wollte wissen, wie die Profiturnerin Angel es schafft, die Schimpansen für sich zu gewinnen und ihre Sprache zu erforschen, während sie hoch oben in den Baumkronen balanciert.
Die Forschung über die Kommunikation der Tiere war dann auch ein lesenswerter Teil von Interesse. Die Bindung zwischen Angel und dem sympathischen Milo ist zudem toll beschrieben. Spannung kommt aber erst spät auf, als die Schimpansen durch den Verkauf der Insel in ihrer Existenz bedroht sind und von Trophäenjäger gejagt werden. Zuvor kam bei mir durch die langatmige Erzählweise oft Langeweile auf. Die Vorgeschichte entwickelt sich sehr langsam. Ich musste mich zwingen, weiterzulesen. Da der Klappentext viel preisgibt, ist die Handlung vorhersehbar.
Schlussendlich blieb die Glaubwürdigkeit für mich auf der Strecke, als sich wissenschaftliche Betrachtungen in ein abenteuerliches Gut gegen Böse wandelte, das nicht ganz rund war. Denkanstöße gibt es dennoch, die einen nicht loslassen. Schwierig, das zu bewerten. Ich tendiere zu 3 Sternen, würde aber nicht gleich von dem Buch abraten, wenn man sich für die Themen interessiert.
Unvergessliche Heldin
Eine kleine Schwindelei von Rosanna Pike
Tibb Ingleby ist eine junge aber starke Persönlichkeit, die einiges durchmachen musste. Sie ist zwar allein, aber nicht hilflos. Ohne Heimat und Familie streift sie in kurzen Kapiteln durchs spätmittelalterliche England. Trifft Ausreißer, Schausteller und lässt sich zu einer kleinen Schwindelei hinreißen.
Ich mochte Tibb, weil sie mit ihren rohen Gefühlen und ihrer ehrlichen Art ungewöhnlich, unterhaltsam und liebenswert ist. Die trägt die Geschichte auf eine bewegende Art und Weise und hat ein liebes Wesen. Außerdem würde sie sich nicht verstellen oder gar aufgeben, aber tut sich schwer damit, jemanden zu vertrauen. Mit Ivo zeichnet sich Hoffnung ab, aber schließlich zieht sie mit den Schaustellern weiter. Wie sich das noch entwickelt, macht es noch spannender.
Alles an diesem Roman ist zusammen genommen einzigartig: die Hauptfigur, das düstere Zeitalter und die moderne teils derbe Sprache. Mich hat alles daran mitreißen und überraschen können. Es ist leichter, in diesen historischen Roman abzutauchen, wie bei anderen Büchern dieses Genres. Und es hat sich schneller weggelesen, als ich gedacht hätte. Es rührt einen, wie Tibb wie eine Lichtgestalt in dieser harten Realität ihren Weg geht und nach Liebe und Sicherheit sucht. Nur zu empfehlen.











