Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Kokoloreslot:
Keine standardmäßige Geistergeschichte
Die Geister von La Spezia von Oliver Plaschka
Das Cover passt hervorragend zum Inhalt des Buches. Es geht um die ungewöhnlichen Ermittlungen zweier Frauen, die sie durch eine Art Zeitreisen in das Haus der Geister führen in La Spezia. Mithilfe einer Ermittlerin will die Ehefrau den vermeintlichen Unfall ihres Ehemannes aufklären. Die Umsetzung ist übernatürlich und originell: eine Fantasy und Science Fiction Idee, die auf einem real historischen Hintergrund aufbaut.
Zudem hat es mein Interesse für Mary Shelley geweckt, da der Autor mit Hingabe in seine Figuren eingetaucht ist, von denen es nur so wimmelt. Bei dem Schreibstil musste ich mich schon sehr konzentrieren. Es wird viel in den Zeiten gesprungen. Es gibt langatmige Strecken und es packt einen nicht durchgehend, aber für mich hat es trotzdem funktioniert, wenn es auch etwas gedauert hat. Wenn man generell gern Science Fiction mag, hilft dieses Verständnis vielleicht. Zwar vielschichtig und komplex, aber keine standardmäßige Geistergeschichte.
Konnte mich nicht erreichen
Schlaf von Honor Jones
„Schlaf“ erzählt die Geschichte von Margaret und ihrer belasteten Beziehung zu ihrer narzisstischen Mutter Elisabeth. Besonders Margarets Kindheit nimmt im ersten Teil eine zentrale Rolle ein und wird erzählerisch intensiv dargestellt. Später, als Margaret erwachsen ist und selbst zwei Töchter hat, wird deutlich, wie sehr sie ihre Erfahrungen nie wirklich verarbeitet hat.
Ab diesem Punkt verlor ich jedoch zunehmend das Interesse. Zwar gefielen mir der humorvolle Ansatz und manche Beschreibungen, doch die Erzählweise erschwerte mir den Zugang zur Geschichte.
Ich hätte mir eine Sprache gewünscht, die nicht nur sachlich berichtet, sondern auch emotional berührt und verschiedene Perspektiven vielschichtig öffnet. Für mich blieb „Schlaf“ erzählerisch zu oberflächlich und verfehlte es, die komplexe Tiefe von familiärem Missbrauch und traumatischen Erfahrungen wirklich greifbar zu machen. Die Geschichte wirkte dadurch wenig ausgewogen und hinterließ bei mir ein Gefühl der Unzufriedenheit.
Hörbuch
Alexander von Ferdinand von Schirach
Wir haben das Hörbuch gehört, das von dem Autor Ferdinand von Schirach selbst gelesen wurde. Seine Betonung ist präzise, genau wie die Schreibweise, was gut harmoniert hat. Man konnte gut zuhören, und der Hinweis am Ende ließ uns Schmunzeln. Natürlich fehlten die Illustrationen aus dem Buch, aber als Hörbuch beweist das Kinderbuch nochmal ganz eigene Stärken und ich würde es empfehlen.
Es geht um den Jungen Alexander. Es ist ca. 800 v. Chr. bis 500 n. Chr. in der Zeit der Antike und Alexanders Heimatstadt Kaliste droht erneut Krieg. Um das zu verhindern, muss Alexander herausfinden, wie man eine friedvolle Gesellschaft bildet und dies durch Gesetze in Kaliste erreichen kann. Die lehrhafte Erzählweise passt in die Zeit und vermittelt eine moralische oder belehrende Botschaft, weshalb ich sie als Parabel einordnen würde. Sehr komplizierte Zusammenhänge werden vereinfacht dargestellt, was unterschiedlich gut gelingt, aber zu einem Kinderbuch passt. Es gibt warmherzige Szenen, wie mit dem Pferd, aber in der Summe hat es einen kühlen und abstrakten Charakter. Alles berücksichtigend fanden wir das Buch aber gut und die Lehren sind unmissverständlich klar. Ich bin aber froh, dass wir es gemeinsam gehört haben und darüber sprechen konnten. Die dadurch sichtbaren Ungerechtigkeiten und Verletzungen der Menschenwürde in unserer Realität waren nicht leicht zu erklären.
Gleichzeitig schönes und trauriges Hörbuch
Starfish von Lisa Fipps
Ellies Geschichte hat die ganze Familie sehr bewegt und wir haben viel über das Buch gesprochen. Die Sprecherin liest das Hörbuch leidenschaftlich und emotional. Es hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Hier erlebt man hautnah, wie ein Kind wegen seines Aussehens gemobbt wird. Schwer zu ertragen und genau deswegen so wichtig.
Wie fühlt sich das an, ausgegrenzt und schikaniert zu werden? Wenn niemand deine inneren Werte sieht, sondern dich nur auf dein Gesicht reduziert? Was tut man Kindern damit an? Wie kann man Betroffene von Mobbing helfen? Das fördert Empathie und es ist so gut geschrieben, sodass wir mit Ellie mitgefiebert haben, und wissen wollten, wie sie dem Fettshaming entgegentreten wird, denn sie ist unglaublich stark, klug und wundervoll. Zum Glück hat sie Menschen in ihrem Leben, die ihr das klar machen und sie lieben und akzeptieren, wie sie ist. Ganz tolles Kinderbuch und ich empfehle besonders das Hörbuch, weil die Sprecherin alles gibt und zu Ellie wird.
Märchenhafte Fantasy mit Tiefgang
Flora Brimble und der verlorene Frühling von Marcus Raffel
Marcus Raffels Roman „Flora Brimble und der verlorene Frühling“ handelt von dem 13-jährigen Mädchen Flora und ihrer Suche nach der Maikönigin, um den Frühling zurückzubringen und damit die Hoffnung. Auf ihrer Reise begegnet sie fantastischen und ungewöhnlichen Wesen.
Dieses spezielle Kinderbuch kann man nicht in die klassische Fantasy für Kinder einordnen – es ist viel mehr als das.
Die Grenzen der Wirklichkeit verschwimmen zwar, und das macht es gerade so interessant, aber gleichzeitig vernetzt sich die Geschichte über den Text hinaus mit tiefgreifenden Themen, die über Mut, Freundschaft und dem Bewahren der Umwelt hinausgehen. Neben der großartig fantasievollen Handlung fällt die poetische und philosophische Erzählweise auf, die auch herausfordernd sein kann. Das macht „Flora Brimble und der verlorene Frühling“ jedoch auch für erwachsene Leser:innen interessant. Trotz auflockerndem Humor, dringt immer mal wieder die Schwere an die Oberflächliche, aber es wird nie zu finster. Kinder, die konzentriert lesen und mehr erwarten, als eine spannende Geschichte, kommen hier auf ihre Kosten. Wir hatten zwar etwas anderes erwartet, aber diese märchenhafte Zusammensetzung ist gelungen.
Perfekt, wenn man ein Kinderbuch mit Tiefgang, Naturverbundenheit und viel Fantasie sucht, dass sich vom Rest abhebt und anregend fordernd ist.
Wohlfühlroman mit Tiefgang
Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy
Simon Van Booys Roman „Eine Maus namens Merlin“ erzählt von einer Witwe, die durch eine unerwartet tierische Begegnung einen Neuanfang wagt.
Das Leben hält auch im hohen Alter noch Überraschungen bereit. Helen lebt seit kurzem zurückgezogen in einem kleinen Ort in der Nähe von Oxford. Plötzlich gerät ihr einsamer Alltag durcheinander, als sie versucht, eine Maus loszuwerden und dafür Kontakt zu anderen Menschen aufnimmt, den sie sonst vermeidet.
Hier darf man sich auf niedliche Momente, eine sanfte Annäherung zwischen Helen und Merlin und auch die ein oder andere Überraschung freuen. Diese außergewöhnliche Freundschaftsgeschichte zeigt, dass das Schicksal manchmal ungewöhnliche Wege geht und es nie zu spät für eine Wendung ist. Das macht das Buch zu einer warmherzigen Kost mit wohltuendem Unterhaltungswert, toll geschrieben und voller liebenswerter Figuren. Durch das harmonische Zusammenspiel von Nachdenklichkeit und Zuversicht entsteht eine Geschichte, die sowohl tröstet als auch inspiriert.
Perfekt, um der Realität zu entfliehen, wenn man etwas Wärme und Zuversicht nötig hat. Deswegen würde ich sagen, für alle, die gefühlsvolle und positive Mensch-Tier-Geschichten lesen möchten, die tief gehen und ohne Kitsch auskommen. Danach sieht man Mäuse mit anderen Augen.
Mitreißend geschrieben
Die Namen von Florence Knapp
Florence Knapps Roman „Die Namen“ erzählt mit starker Sogkraft, wie prägend der eigenen Name ist und von den kleinen Entscheidungen, die über Generationen hinweg Einfluss nehmen, während mit schonungsloser Offenheit häusliche Gewalt thematisiert wird.
Die vielseitige und gut durchdachte Struktur, die tief in die komplexen Beziehungen eintauchen lässt, haben mir sehr zugesagt.
Drei völlig unterschiedliche Leben werden eindringlich beleuchtet und stimmige Persönlichkeiten gezeichnet, die überzeugen, denn Knapp beobachtet genau und findet dafür klare Formulierungen. Sie schreibt mitreißend, erschütternd und gleichzeitig fesselnd. Ich fand den Erzählstil feinfühlig und reich an eindrucksvollen Bildern, was „Die Namen“ zu keiner leichten aber lesenswerten Kost macht, gerade weil sie so fesselnd und bereichernd ist. Dennoch verliert der Roman im letzten Drittel an Spannung, was die emotionale Wucht der vorherigen Kapitel etwas abschwächt, aber ich würde das nicht zu negativ bewerten wollen, weil das gesamte Werk mich so unterhalten hat, dass ich nicht nur weiterlesen wollte, sondern auch emotional abgeholt wurde. Die Gedanken, die mir über Namen dazu kamen, waren ein netter Zusatz.
Obwohl oder gerade weil die Geschichte wenig Optimismus aufbaut, einen aber trotzdem abholt, bleibt sie lange im Gedächtnis – ein Buch über familiären Zusammenhalt, das herausfordert und tief geht.
Rivale oder Verbündeter?
The Ordeals von Rachel Greenlaw
Heldin ist Sophia, die ihrem grausamen Onkel, einem Sammler, entkommen will, indem sie an der Elite-Akademie Killmarth aufgenommen wird. Doch ihre dürftigen Fähigkeiten als Illusionistin allein reichen nicht aus, um die tödlichen Prüfungen zu bestehen.
Eine exklusive Schule, dunkle Geheimnisse, Prüfungen, bei denen es um alles geht, tiefe Gefühle und eine intensive Atmosphäre machen den Reiz von „The Ordeals“ aus.
Ich hab die Faszination für das Dark Academia-Setting und die düstere Mischung aus dramatischer Spannung und tödlicher Gefahr für mich entdeckt.
Die Autorin baut einen durchgehend spannenden Handlungsbogen auf. Es ist von Anfang an aufregend und schwer zu durchschauen. Deshalb war ich konstant neugierig auf den weiteren Verlauf und schätze die angespannte Stimmung, nie zu wissen, wie es ausgeht und wer Rivale oder Verbündeter ist. Die alleinige Perspektive der unerfahrenen Sophia lässt einen das Magiesystem ahnungslos kennenlernen, was mir besonders Spaß gemacht hat. Das schnelle und intensive Liebestempo zwischen Sophie und Alden war nicht meins, aber das gemeinsame bewältigen von einfallsreichen, magischen und grausamen Prüfungen umso mehr. Die Sogwirkung ist so gewaltig und der Schreibstil so süchtig machend, dass es mir schwer fiel, mit dem Lesen aufzuhören, überraschende Wendungen inklusive. Ich habe schon lange nicht mehr so mitgefiebert. Mehr davon! Ich freu mich auf die Fortsetzung.
Heiterer Spionageroman
Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson
Ein gesellschaftlichen Umbruchs in den frühen 1990er Jahren. Alles scheint möglich nach dem Ende des Kalten Krieges. Es geht um einen gefeierten Dichter in Rom, der auf einem Fest einem Doppelagenten begegnet, was seinem Leben eine ungewöhnliche Wendung verleiht. Der charmant redegewandte Lyriker Jakob und der ungeübte Agent Dieter brillieren mit ihren ironischen Dialogen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben.
Ein Dichter als Spion, der keinerlei Erfahrung oder Ausbildung hat? Fragwürdig, aber überraschend spaßig, actionreich und sprachlich präzise. Oberflächlich erzählt ist man zwar mehr dabei als mittendrin, aber die wenige Intensität hat der Atmosphäre und dem Vergnügen keinen Abbruch getan. Die Stimmung ist wechselhaft und springt zwischen bittersüßer Unbeschwertheit, dem turbulentem Abenteuer und dem Streben nach Unabhängigkeit und Erfüllung. Das ist witzig, klug, unbestimmt abwechslungsreich und einfach gute Unterhaltung.
Schatzsuche im historischen London
Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton
Die hochwertige Gestaltung mit dem Farbschnitt wirkte auf mich wie ein besonderes Buch, dessen Geschichte von kleinen Lesern und Leserinnen unbedingt entdeckt werden möchte. Es geht um einst verschollene magische Münzen, ein 12-jährigen Mädchen namens Bo, das 1918 in London lebt und vom Fluss auserwählt wird, und den Beginn einer schicksalhaften Freundschaft zwischen Bo und Billy, dem einsamen Küchenjungen vom Nordufer.
Krieg, Verlust und Trauer werden in diesem historischen Zusammenhang altersgerecht behandelt und realistisch dargestellt. Trotzdem ist es keine trostlose Reise in die Vergangenheit, denn gegenüber den traurigen Augenblicken überwiegen die Phasen der Warmherzigkeit, des Zusammenhaltes, der Freundschaft und die Magie ist hintergründig immer da. Es ist ruhig geschrieben und es ist uns leicht gefallen, uns alles vorzustellen. So tief die Emotionen über Verlust und Trauer gehen, so mühelos kann man dem Ablauf folgen, weshalb mir auch das Vorlesen leicht gefallen ist. Meine Kinder fanden es spannend und haben nicht so schnell durchschaut, worauf die Geschehen abzielen oder was sich dahinter verbirgt. Zeitgleich mit den Figuren werden die Rätsel aufgelöst, sodass man nicht mehr weiß als alle anderen. Der Fluss als Zeitzeuge leitet die Kinder der Themse und mündet in einem spannendem Finale. Ich hatte mir die Frage gestellt, ob die Münzen wirklich bewirken werden, was versprochen wird und alle waren mit dem Ende sehr zufrieden. Eignet sich gut zum abendlichen Vorlesen und gemeinsamen Entdecken, ebenso zum Selberlesen für Kinder ab 10 Jahren.











