Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Kokoloreslot:
Mitreißend geschrieben
Die Namen von Florence Knapp
Florence Knapps Roman „Die Namen“ erzählt mit starker Sogkraft, wie prägend der eigenen Name ist und von den kleinen Entscheidungen, die über Generationen hinweg Einfluss nehmen, während mit schonungsloser Offenheit häusliche Gewalt thematisiert wird.
Die vielseitige und gut durchdachte Struktur, die tief in die komplexen Beziehungen eintauchen lässt, haben mir sehr zugesagt.
Drei völlig unterschiedliche Leben werden eindringlich beleuchtet und stimmige Persönlichkeiten gezeichnet, die überzeugen, denn Knapp beobachtet genau und findet dafür klare Formulierungen. Sie schreibt mitreißend, erschütternd und gleichzeitig fesselnd. Ich fand den Erzählstil feinfühlig und reich an eindrucksvollen Bildern, was „Die Namen“ zu keiner leichten aber lesenswerten Kost macht, gerade weil sie so fesselnd und bereichernd ist. Dennoch verliert der Roman im letzten Drittel an Spannung, was die emotionale Wucht der vorherigen Kapitel etwas abschwächt, aber ich würde das nicht zu negativ bewerten wollen, weil das gesamte Werk mich so unterhalten hat, dass ich nicht nur weiterlesen wollte, sondern auch emotional abgeholt wurde. Die Gedanken, die mir über Namen dazu kamen, waren ein netter Zusatz.
Obwohl oder gerade weil die Geschichte wenig Optimismus aufbaut, einen aber trotzdem abholt, bleibt sie lange im Gedächtnis – ein Buch über familiären Zusammenhalt, das herausfordert und tief geht.
Rivale oder Verbündeter?
The Ordeals von Rachel Greenlaw
Heldin ist Sophia, die ihrem grausamen Onkel, einem Sammler, entkommen will, indem sie an der Elite-Akademie Killmarth aufgenommen wird. Doch ihre dürftigen Fähigkeiten als Illusionistin allein reichen nicht aus, um die tödlichen Prüfungen zu bestehen.
Eine exklusive Schule, dunkle Geheimnisse, Prüfungen, bei denen es um alles geht, tiefe Gefühle und eine intensive Atmosphäre machen den Reiz von „The Ordeals“ aus.
Ich hab die Faszination für das Dark Academia-Setting und die düstere Mischung aus dramatischer Spannung und tödlicher Gefahr für mich entdeckt.
Die Autorin baut einen durchgehend spannenden Handlungsbogen auf. Es ist von Anfang an aufregend und schwer zu durchschauen. Deshalb war ich konstant neugierig auf den weiteren Verlauf und schätze die angespannte Stimmung, nie zu wissen, wie es ausgeht und wer Rivale oder Verbündeter ist. Die alleinige Perspektive der unerfahrenen Sophia lässt einen das Magiesystem ahnungslos kennenlernen, was mir besonders Spaß gemacht hat. Das schnelle und intensive Liebestempo zwischen Sophie und Alden war nicht meins, aber das gemeinsame bewältigen von einfallsreichen, magischen und grausamen Prüfungen umso mehr. Die Sogwirkung ist so gewaltig und der Schreibstil so süchtig machend, dass es mir schwer fiel, mit dem Lesen aufzuhören, überraschende Wendungen inklusive. Ich habe schon lange nicht mehr so mitgefiebert. Mehr davon! Ich freu mich auf die Fortsetzung.
Heiterer Spionageroman
Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson
Ein gesellschaftlichen Umbruchs in den frühen 1990er Jahren. Alles scheint möglich nach dem Ende des Kalten Krieges. Es geht um einen gefeierten Dichter in Rom, der auf einem Fest einem Doppelagenten begegnet, was seinem Leben eine ungewöhnliche Wendung verleiht. Der charmant redegewandte Lyriker Jakob und der ungeübte Agent Dieter brillieren mit ihren ironischen Dialogen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben.
Ein Dichter als Spion, der keinerlei Erfahrung oder Ausbildung hat? Fragwürdig, aber überraschend spaßig, actionreich und sprachlich präzise. Oberflächlich erzählt ist man zwar mehr dabei als mittendrin, aber die wenige Intensität hat der Atmosphäre und dem Vergnügen keinen Abbruch getan. Die Stimmung ist wechselhaft und springt zwischen bittersüßer Unbeschwertheit, dem turbulentem Abenteuer und dem Streben nach Unabhängigkeit und Erfüllung. Das ist witzig, klug, unbestimmt abwechslungsreich und einfach gute Unterhaltung.
Schatzsuche im historischen London
Die Jagd nach den magischen Münzen von Jessie Burton
Die hochwertige Gestaltung mit dem Farbschnitt wirkte auf mich wie ein besonderes Buch, dessen Geschichte von kleinen Lesern und Leserinnen unbedingt entdeckt werden möchte. Es geht um einst verschollene magische Münzen, ein 12-jährigen Mädchen namens Bo, das 1918 in London lebt und vom Fluss auserwählt wird, und den Beginn einer schicksalhaften Freundschaft zwischen Bo und Billy, dem einsamen Küchenjungen vom Nordufer.
Krieg, Verlust und Trauer werden in diesem historischen Zusammenhang altersgerecht behandelt und realistisch dargestellt. Trotzdem ist es keine trostlose Reise in die Vergangenheit, denn gegenüber den traurigen Augenblicken überwiegen die Phasen der Warmherzigkeit, des Zusammenhaltes, der Freundschaft und die Magie ist hintergründig immer da. Es ist ruhig geschrieben und es ist uns leicht gefallen, uns alles vorzustellen. So tief die Emotionen über Verlust und Trauer gehen, so mühelos kann man dem Ablauf folgen, weshalb mir auch das Vorlesen leicht gefallen ist. Meine Kinder fanden es spannend und haben nicht so schnell durchschaut, worauf die Geschehen abzielen oder was sich dahinter verbirgt. Zeitgleich mit den Figuren werden die Rätsel aufgelöst, sodass man nicht mehr weiß als alle anderen. Der Fluss als Zeitzeuge leitet die Kinder der Themse und mündet in einem spannendem Finale. Ich hatte mir die Frage gestellt, ob die Münzen wirklich bewirken werden, was versprochen wird und alle waren mit dem Ende sehr zufrieden. Eignet sich gut zum abendlichen Vorlesen und gemeinsamen Entdecken, ebenso zum Selberlesen für Kinder ab 10 Jahren.
Lesenswert
Jetzt gerade ist alles gut von Stephan Schäfer
Kostbare Momente möchte der Erzähler dieser Geschichte sammeln. Durch einen kleinen Schnitt am Finger betrachtet er das Leben und die kleinen Dinge nun anders, nachdem er fast gestorben wäre. Es ist ein Moment, der alles verändert. Dieses Buch lädt dazu ein, diese bewusste Sichtweise zu gewinnen, ohne einen Schicksalsschlag dafür zu brauchen.
Sehr lebensbejahend geschrieben und mit wichtigen Eingebungen, über die es sich nachzudenken lohnt. Da kann "Jetzt gerade ist alles gut" als nützlicher Denkanstoß dienen. Ich finde diese Form der Vermittlung ohne erhobenen Zeigefinger gut gelungen.
Es ist eine kurzweilige Geschichte, die sich durch die einfache Sprache und kurzen Kapitel leicht lesen lässt. Als jemand, der manchmal weniger Seiten bevorzugt, war es genau richtig für mich. Es hat mich nicht nur wohlwollend unterhalten, sondern mir auch wieder bewusst gemacht, dass nichts selbstverständlich ist. Aus dem Alltag heraus kann das für den ein oder anderen auch ein wichtiges Aha-Erlebnis sein. Dass dem Thema Sepsis dadurch auch mehr Aufmerksamkeit gegeben wird, fand ich gut und richtig.
Ich würde meinen, "Jetzt gerade ist alles gut" eignet sich für jeden, aber am meisten für die, die die kleinen Momente aus den Augen verloren haben.
Hohe Lesebereitschaft garantiert
Happy Head von Josh Silver
In diesem Reihenauftakt werden Teenager für zwei Wochen in ein verpflichtendes Programm eingeladen, dass ihnen Glück, Zufriedenheit und Gesundheit verspricht. Sie müssen Prüfungen absolvieren und sich einem Team anschließen. Zwei smartphonefreie und fremdbestimmte Wochen erwarten sie. Seb wurde ausgewählt und agiert glaubhaft und authentisch.
Der immense Druck, der sich aufbaut, überträgt sich direkt. Auch er ist sonst täglich am Bildschirm und betäubt seine Gefühle, um die Ausgrenzung auszuhalten. Seb ist ein Siebzehnjähriger mit dem sich die Leser*innen gut identifizieren können. Manchmal passieren Dinge, die ihn und einen selbst aufrütteln und die man kritisch überdenkt. Zumal die Fragestellung und Hintergründe nicht aktueller sein könnten. Dadurch funktioniert der YA-Thriller auf mehreren Ebenen, weil er Coming-of-Age-Themen mit interessanten Figuren und einem bizarren Fokus auf die persönliche Entwicklung verbindet. Ich hatte so viel Tiefe jedenfalls nicht erwartet. Langweilig wird es aber nicht. Weder bei den Figuren noch der Handlung, weiß man, was passieren wird. Das wird die Zielgruppe spannend unterhalten, könnte aber auch für Erwachsene außerhalb unterhaltsam sein, die wieder mehr Interesse am Lesen suchen. Mich hat Happy Head nicht losgelassen, was auch am Text-Erlebnis lag. Zum Beispiel werden Nachrichten gut sichtbar hervorgehoben und die Formatierung ist leserfreundlich. Der Farbschnitt macht auch was her. Der Spannungsaufbau steigt bis zum Schluss. So macht das Lesen Spaß. Vielleicht auch endlich etwas für alle, die Thriller noch nicht für sich entdeckt haben.
Macht großen Spaß
Ring the Bells von C. K. McDonnell
Wie alle Bücher der Reihe geht es wieder abgedreht und abwechslungsreich zu. Diesmal nicht nur gruselig, sondern auch weihnachtlich. Eine Vereinigung der besten Feste des Jahres. So fühlt es sich beim Lesen auch an: eine schaurige Weihnachtsparty, die viel zu schnell vorbei ist.
Alle liebenswert-chaotischen Redaktionsmitglieder sind wieder mit dabei.
Es gibt einen rührenden Abschied und eine wiederwillige Begrüßung - ein natürlicher Kreislauf in einem ausbalancierten Stranger Times Kosmus, dem große Gefahr droht. Die Handlung ist voller unerwarteter Wendungen, die manchmal so verrückt sind, dass man laut lachen muss, aber diesmal findet sich in dem magischen Chaos sogar ein bewegender Part der Ernsthaftigkeit.
Egal mit welchen Erwartungen ich starte, immer wieder schafft es C. K. McDonnell mich zu verblüffen. Er beweist mal wieder ein gutes Gespür für Spannung und emotionale Momente. Aber am meisten schätze ich ihn für seinen Humor. Vieles ist wie ein guter Witz, der einem nicht mehr aus dem Kopf geht und der Unterhaltungswert ist hoch.
Ein unverzichtbares Muss für Fans der Reihe. Es macht großen Spaß. Ich vergebe 5 Sterne, da mehr leider nicht möglich sind.
Der kleine Hase und die Liebe
Geliebt von Magdalena Fournillier
Auf der Suche nach etwas, das ihm fehlt, ohne zu wissen, was es genau ist wandert ein kleiner Hase von Herbst bis Sommer durch den Wald und spricht mit anderen Waldbewohnern.
Das Reh gibt ihm Geduld mit auf den Weg, der Biber nimmt ihm die Sorge, nicht genug zu sein. Es sind die essenziellen Weisheiten der Begegnung auf meist 1-2 Seiten, alles drumherum wird der eigenen Vorstellungskraft überlassen.
Als würde man ein Fotoalbum von jemand anderem ansehen. Also kein Kontext, viele Tierbegegnungen und viele philosophische Fragen.
Dazu zarte Illustrationen als eine Wanderung durch die Jahreszeiten. Die farbigen Aquarelle sind dabei eindrucksvoller als die Bleistift-Zeichnungen, aber immer einzigartig. Der Prolog und das Nachwort bestimmen dabei die Richtung: diese Buch soll helfen, Liebe zu erkennen und zu lieben, ohne sich zu verlieren.
Es ist eine zusammenhängende Geschichte, weil der Hase am Ende findet, was er gesucht hat. Aber es sind die Erkenntnisse seiner Reise, die bedeutend sind. Diese kann man auch selbst entdecken. Zuversicht, Liebe, Achtsamkeit und die kleinen Wunder Natur finden sich in "Geliebt". Für mich hat die nachdenkliche Suche des kleinen Hasen sich erst nach mehrmaligem Lesen entfaltet.
Ich finde, es ist ein Geschenkbuch für fantasiebegabte Erwachsene, die sich an zarten Illustrationen, philosophischem Tiefgang, positiven Denkanstößen und der Natur erfreuen. Als Buch für das gemeinsame Lesen mit Kindern eignet es sich leider nicht.
Großartiger Schreibstil
Dius von Stefan Hertmans
Es geht in dem Roman "Dius" um eine ungewöhnliche Männerfreundschaft zwischen dem Kunstdozent Anton und dem Student Dius in den 80er Jahren. Eine psychologisch und menschlich interessante Beziehungswelt, in der sich die beiden Männer mit Bewunderung und Respekt begegnen, erzählt Stefan Hertmans auch leidenschaftlich von Kunst und Musik.
Großartig ist die Sprachfertigkeit des Romans. Ich-Erzähler Anton blickt zurück und bedient sich sorgfältig der Präzision eines poetischen Sprachbildes. Ganz besonders, wenn es um Kunstwerke geht. Die daraus resultierende Vorstellungskraft hat bleibende Eindrücke bei mir hinterlassen. Unsympathische Figuren haben ihren Reiz und ihre Botschaft, aber einzig Antons Kenntnisse und Sicht war mir zu einseitig. Es bestimmt den passiven Ton des Romans und ließ mich wehmütig auf Dius blicken, dessen Faszination mich mehr ansprach. Auf der Gefühlsebene erreicht hat mich Stefan Hertmans damit leider nicht, aber die Intensität von Kunst und Musik war ein kultureller Genuss. Deshalb würde ich den Roman Kunstinteressierten empfehlen, die sich an hoher Sprachqualität und leiser Erzählweise erfreuen, wobei die Handlung in den Hintergrund rücken darf.
Hörbuch kann ich empfehlen
Die Auferstehung von Andreas Eschbach
Vorweg, ich bin kein Fan oder Kenner der Drei ???, aber ich höre gelegentlich die Hörspiele.
Mir hat das Konzept sehr gefallen, die Drei ??? in einer erwachsenen Version zu bekommen. Der Fall hat eine schöne Atmosphäre, anfänglich noch sehr mysteriös, im Laufe der Handlung verlor es aber immer mehr das Mysteriöse und wurde eine spannende Detektivgeschichte.
Die durch ein Schicksalsschlag erfolgte Trennung der Truppe, wirkte etwas erzwungen, macht die Story aber soweit interessanter, dass so die Stärken der drei Hauptfiguren noch besser aufgezeigt werden. Allerdings empfand ich die Zusammenführung der Drei etwas zu einfach, was den Grund des Zerwürfnisses und dessen große Auswirkungen dann doch wieder relativierte.
Das Einstreuen von bekannten Charakteren, und die mit einem Zwinkern angedeutete Herkunft, war für mich unterhaltsam und nicht störend. Die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel waren für mich gut eingearbeitet und nicht störend. Das Ende macht wirklich Lust auf weitere Geschichten aus der Welt der erwachsenen Drei ???.
Das Hörbuch war gut gelesen und meine anfängliche Angst, die Stimmen der jungen Fragezeichen zu vermissen, hat sich schnell aufgelöst.
Ich denke für Fans der ist das Buch ein Muss. Für Neulinge fehlt vielleicht gelegentlich Vorwissen, um in die Welt voll einzutauchen, aber das sollte kein Grund sein, für Freunde wendungsreicher Detektivgeschichten, das Buch zu meiden.











