Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gerlisch:
Der dritte Fall für Norberg und Wagner
Nordwestnacht von Svea Jensen
Der Dienststellenleiter Hendrik Norberg wird zu einem Leichenfund an den Strand von St.Peter-Ording gerufen. Tim Förster musste, gekettet an die Stelzen eines Pfahlbaus, grausam ertrinken. Er war Mitglied einer Filmcrew, die vor Ort gerade einen Krimi dreht. Als dann auch noch plötzlich eine der beiden Hauptdarstellerinnen verschwindet, stehen Norberg und seine Kollegin Anna Wagner vor einem Rätsel.
Besteht hier ein Zusammenhang?
"Nordwestnacht" ist bereits der dritte Fall mit sympathischen und authentischen Ermittlern. Wie bereits in den beiden Vorgängerbänden haben mir die Beschreibungen des Settings sehr gut gefallen. Da ich selbst schon mehrmals in SPO Urlaub gemacht habe, hatte ich die Begebenheiten sofort vor Augen und durch den tollen Schreibstil der Autorin verbreitete sich trotz der Krimihandlungen herrliches Urlaubsflair.
Der Kriminalfall und die Ermittlungen waren an sich eher unspektakulär, jedoch durchaus authentisch. Ich mag die Weiterentwicklung der privaten Geschichte von Hendrik und Anna sehr gern, da darf der eigentliche Fall auch gern mal in den Hintergrund treten.
Die Story war lesefreundlich durch kurze Kapitel und gut gesetzte Dialoge, so war das Buch ruckzuck durchgelesen. Ein tragischer Cliffhanger zum Schluss macht neugierig auf den nächsten Fall, gerne dann wieder mit ein bisschen mehr Spannung.
Das sandige Grauen
Gezeitenmord von Dennis Jürgensen
Während ein Schüler mit seinem Lehrer das Watt erkunden, stoßen sie plötzlich im Nebel auf eine eingegrabene Leiche. Doch sie werden vom Täter überrascht, der Lehrer Lasse wird brutal niedergeschlagen und der Schüler Villads ist seitdem spurlos verschwunden.
Die Kopenhagener Lykke Teit darf hier in ihrem ersten Fall ermitteln.
Da sich der Leichenfund genau auf der Grenze zu Deutschland befindet, wird ihr der erfahrene Flensburger Kommissar Rudi Lehmann zur Seite gestellt.
Die beiden Hauptprotagonisten harmonieren sehr gut in ihrem ersten Fall miteinander und ihre lockere humorvolle Art lockert die zweitweise düstere Stimmung immer wieder auf.
Schön fand ich, dass die Charaktere gut ausgearbeitet wurden und ich dank des tollen Schreibstils, dementsprechend gleich ein Bild vor Augen hatte.
Der Kriminalfall wurde stimmig aufgebaut und die Handlungen greifen perfekt ineinander. Bei der Auflösung des Falls wird man als Leser manchmal in die falsche Richtung geführt, sodass zum Schluss doch noch einiges anders kommt als gedacht. So soll es sein!
Ich hätte diesem symphytischen Ermittlerpaar gerne 5 Sterne gegeben, allerdings fiel die Spannung zwischendurch immer wieder mal ab, sodass ich mich konzentrieren musste um am Ball zu bleiben. Leider verliert sich der Autor hier manchmal in Nebensächlichkeiten. Trotzdem bin ich gespannt auf weitere Fälle von Lykke und Rudi.
"What a wonderful world"
Der Zoom-Killer von Chris Meyer
Einem Teilnehmer eines Zoom-Meetings wird vor laufender Kamera Stücke seiner Haut herausgeschnitten und keiner der anderen darf wegschauen, sonst wird das Opfer sofort getötet.
Der "Zoom-Killer" ist der zweite Teil der Tom-Bachmann-Reihe. Wie auch im ersten Teil ist der Schreibstil knallhart und atemberaubend.
Der Plot überzeugte mit gut aufgebauten, aber grausamen Szenen. Hier tun sich ungeahnte menschliche Abgründe auf, die mich teilweise gruselnd zurückgelassen haben. Dieser Thriller ist von der ersten bis zur letzten Seite erschreckend fesselnd.
Der Profiler Tom hat in diesem Teil auch wieder mit seiner Vergangenheit zu kämpfen, die ihn charakterlich sehr geprägt hat. Er ist in der Story sehr präsent, sodass seine Teamkollegen eher im Hintergrund agieren, trotzdem wurden alle Protagonisten bildlich gut dargestellt.
Die Handlung wurde bis zum unerwarteten Ende gut durchdacht, jedoch bleiben doch noch einige Fragen offen, deshalb will ich unbedingt wissen, wie es mit Tom und seinem Team weitergeht.
Wer gerne auch mal einen brutalen und blutigen Thriller liest, dem kann ich diese Reihe sehr empfehlen.
Seichter Regional-Krimi
Tiefes, dunkles Blau von Seraina Kobler
Kurz nachdem die Seepolizistin Rosa Zambrano zur Behandlung in einer Kinderwunschpraxis war, wird ihr Arzt Dr. Jansen tot aus dem Zürich-See gefischt. Die Ermittlungen führen Rosa ins Rotlichtmilieu und in ein Genforschungslabor.
In diesem Krimi ist der Mord an dem Gynäkologen erstmal Nebensache, denn zuerst steht Rosa mit ihren Ängsten und Sorgen im Vordergrund.
Der Leser erfährt viel über ihr Leben und ihr wunderschönes Zuhause. Auch die Beschreibungen von Stadt und dem See sind zum Wohlfühlen. Man merkt, dass Land und Leute der Autorin sehr am Herzen liegen. Leider kam mir dadurch aber der Krimifall und die Ermittlungsarbeit etwas zu kurz und so war das brisante Thema Genmanipulation für mich nicht besonders fesselnd.
Was mich manchmal etwas irritiert hat, waren die abrupten Sprünge zwischen den einzelnen Szenen, ich hatte da das Gefühl, dass etwas fehlt.
Wer gerne Cosy-Crime liest, dem kann ich dieses Buch durchaus empfehlen, denn Seraina Kobler hat mit ihrem gut zu lesenden Schreibstil eine schöne Atmosphäre geschaffen.
Die Suche hat ein Ende
Violas Versteck von Marc Raabe
Tom Babylon erhält nach über 20 Jahren Suche nach seiner Schwester endlich einen Hinweis auf ihren Verbleib. Er findet in seinem Elternhaus ein aktuelles Foto von Viola. Kurz darauf stirbt sein Vater bei einem mysteriösen Unfall und Tom wacht mit einer schweren Kopfverletzung und Gedächtnisverlust in einem Londoner Krankenhaus auf.
Erst einmal möchte ich erwähnen, dass es sinnvoll ist, die Vorgänger-Bände zu lesen, da sich die Geschichte um Tom und Viola vom ersten Teil an immer weiter aufbaut. Obwohl immer wieder Details aus der Vergangenheit eingeflochten werden, würden dem Leser vielleicht doch ein paar wichtige Informationen zu den anderen Protagonisten Dr. Sita Johanns, Bene oder Brockmann fehlen.
Die Geschichte ist nicht nur in zwei Handlungsstränge aufgeteilt, sondern twistet auch noch in den Zeiten immer hin und her. Man sollte meinen, dies wäre verwirrend, aber Marc Raabe lässt durch seinen packenden und klaren Schreibstil und durch geschickte Cliffhänger am Ende der Kapitel einen einzigartigen Sog entstehen. Sei es die Story um Tom mit seiner Amnesie oder das Geschehen um Sita in einer psychiatrischen Anstalt in den Alpen, ich war die ganze Zeit mega gefesselt und einige Passagen ließen mich manchmal die Luft anhalten und so waren die 624 Seiten schnell durchgesuchtet.
Der Thriller endet mit einem mitreißenden Finale, wo sich zum Ende alle noch offenen Fragen klären. Von mir eine absolute Leseempfehlung.
Auch was verloren ist, ist ja irgendwo (Zitat)
Der Holländer von Mathijs Deen
Während einer Patrouillenfahrt wird eine männliche Leiche auf einer Sandbank gefunden. Das ansteigende Wasser zwingt die Besatzung schnell zu handeln und ohne erst die Zuständigkeiten zu klären, die Leiche zu bergen. Schnell ist der Tote identifiziert es handelt sich um den Extrem-Wattwanderer Klaus, der mit seinem Freund Peter vom ostfriesischen Festland nach Borkum wandern wollte.
Liewe Cupido, ein inoffizieller Ermittler, der an der Küste aufgewachsen ist, beginnt mit der Spurensuche.
Der Schreibstil ist flüssig und ruhig. Der Autor erzeugt aber durch seine Wortwahl eine faszinierende Lebendigkeit in der Story. Durch die detaillierten Beschreibungen der Natur und den Informationen zum Wattwandern, wird hier eine schöne, aber auch teilweise beklemmende Stimmung geschaffen.
Mit dem "Holländer" Liewe hat Mathijs Deen einen sehr interessanten Ermittler geschaffen, der typisch ostfriesisch auch ohne vieler Worte auskommt und die für den Fall relevanten Spuren mehr durch Zuhören und guter Beobachtung sammelt.
Obwohl man die Tathintergründe schon schnell erahnen kann, hat mir dieser atmosphärische Krimi sehr gut gefallen.
Was für eine verdorbene Welt
Oxen. Noctis von Jens Henrik Jensen
Als sieben Kriegsveteranen mit psychischen Problemen durch die Hand eines Heckenschützen sterben, wird Nils Oxen vom Ex-Chef des dänischen Geheimdienstes um Hilfe gebeten. Auf der Suche nach Spuren begibt sich Oxen in tödliche Gefahr.
Durch einen sehr anschaulichen Schreibstil ist man als Leser sofort mitten im Geschehen.
Unterschiedliche Handlungsstränge verknüpfen sich mehr und mehr zu einer im letzten Drittel des Buches mega spannenden Story.
Nils Oxen, Margarethe Franck und der mittlerweile pensionierte PET-Chef Axel Mossmann, sind mir bereits aus den vier Vorgängerbänden sehr gut bekannt. Hinzugekommen ist die junge und sehr engagierte Sally Finnsen, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Bruder die Wege der drei Hauptprotagonisten kreuzt. Auch dieser Charakter wurde lebendig und authentisch dargestellt und war mir auf Anhieb sympathisch.
Leider hatte die Story in der Mitte ein paar Längen. Nachdem sich eine Geheimdienst-Ermittlung an die nächste reihte, habe ich doch ein paar Seiten quergelesen. Doch zum Ende hin entwirren sich die unterschiedlichen Spuren und das Ganze gipfelt in ungeahnten menschlichen Abgründen.
Fans von brutalen und knallharten Szenen kommen bei diesem Thriller voll auf ihre Kosten.
Ein spannender zweiter Fall
Die andere Schwester von Peter Mohlin; Peter Nyström
Die Geschäftsführerin einer Dating-App wird brutal ermordet vor einer Kaffeerösterei gefunden Ist hier ein Dating-in-the-Dark völlig aus dem Ruder gelaufen oder steckt ein ganz anderes Motiv hinter dem Mord? Der Ex-FBI-Agent John Adderley befindet sich im Zeugenschutzprogramm und getarnt als Ermittler Fredrik Adamsson übernimmt er den Fall.
Doch er kann sich nicht richtig auf die Spuren konzentrieren, denn seine Vergangenheit holt ihn ein.
Hier handelt es sich um den zweiten Fall der Karlstad-Serie. Vorkenntnisse sind nicht zwingend notwendig, da es sich hier um einen in sich abgeschlossenen Fall handelt. Allerdings knüpft die Geschichte um den Ermittler an den ersten Teil nahtlos an, sodass Neueinsteigern ein paar Informationen rund um die Vergangenheit von John Adderley fehlen könnten.
Die spannende Story wird mit einem fesselnden Schreibstil aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Die Charaktere wurden toll dargestellt, besonders Alicias Abhängigkeit von ihrer Schwester Stella schuf eine beklemmende Atmosphäre.
John's Herangehensweise an seine Fälle hat mich schon im ersten Buch fasziniert, allerdings verlor er in diesem zweiten Fall einige Symphatiepunkte aufgrund seiner Art, das Recht zu seinem Vorteil zu verbiegen.
Ich hatte stellenweise das Gefühl, dass der Mord an Stella nur Nebensache war, da John's private Probleme hier sehr präsent sind. Zum Ende hin verknüpfen sich zwar die Handlungsstränge, trotzdem hätte ich gern mehr über präzise Ermittlungsarbeit gelesen.
Mord in gehobenen Kreisen
Düsteres Watt von Sabine Weiß
Als in den Sylter Wanderdünen eine männliche Leiche gefunden wird, bricht Liv Lammers ihren Urlaub ab um die Ermittlungen zu übernehmen. Die Identität des Toten ist schnell geklärt, es handelt sich um den Sohn einer steinreichen Adelsfamilie. Die Todesursache allerdings gibt zusätzliche Rätsel auf, denn Karl von Raboisen ist ertrunken.
Wie ist er in die Dünen gekommen? Als Trümmerteile von einer Drohne gefunden werden, startet die Suche nach der Besitzerin, doch diese wird vermisst.
Auch in diesem Krimi versteht es Sabine Weiss wieder, den Leser mit ihrem fesselnden Schreibstil ab der ersten Seite in ihren Bann zu ziehen.
Die Protagonisten wurden sowohl bildlich als auch authentisch gut in Szene gesetzt, sodass sie vor den Augen des Lesers lebendig wirken. Auch die Beschreibungen der Handlungsorte sind absolut lesenswert und schaffen eine malerische Kulisse.
Die gewählte Thematik der Story schafft eine beklemmende Atmosphäre. Häusliche Gewalt und psychische Unterdrückung machen auch vor der High Society nicht halt. Mit dem unerwarteten Ende entsteht eine interessante Ausgangsposition für den nachfolgenden Band.
Obwohl dieser sechste Fall mit Liv Lammers wieder fesselnd und spannungsreich geschrieben ist, hat mir der Vorgänger-Band doch noch ein bisschen besser gefallen.
Tell reloaded
Tell von Joachim B. Schmidt
Sicherlich kennt jeder den Apfelschuss von Wilhelm Tell. Das Drama von Friedrich von Schiller wurde hier neu von Joachim B. Schmidt spannend und einnehmend dargestellt. Ich kenne die Original-Version noch nicht und bin völlig unvoreingenommen in die Story gestartet.
Von dem Autor habe ich bereits "Kalman" gelesen und habe seinen außergewöhnlichen Schreibstil in diesem Roman wiedererkannt.
Seine Art, öfter ein Kapitel mit einem humorvollen Satz zu beenden, begeistert mich immer wieder.
Wilhelm Tell wird hier als Eigenbrötler und schroffen Bergbauer dargestellt. Nachdem er und seine Familie von den Habsburger Soldaten drangsaliert wurden, gerät er in Streit mit dem Landvogt Gessler, in deren weiteren Verlauf Tell seinem Sohn mit der Armbrust einen Apfel vom Kopf schießen muss.
Die ganze Story ist so intensiv geschrieben, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte. Die damaligen Zustände wurden ergreifend beschrieben und die teilweise brutalen Szenen ließen mich das ein oder andere Mal schlucken.
Kurze Kapitel aus Sicht von unterschiedlichen Charakteren sorgen für schnelle Perspektivwechsel und entfalten so einen hypnotischen Sog.
Ich gebe für diesen tollen Roman eine klare Leseempfehlung mit 4,5 Sterne.











