Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gerlisch:
Was ist mit Dora passiert?
Die Passage nach Maskat von Cay Rademacher
Im Spätsommer 1929 befinden sich der Kriegsveteran Theodor Jung mit seiner Ehefrau Dora und deren Familie auf einer Kreuzfahrt von Spanien durch den Suezkanal in Richtung Maskat. Als schon bald nach der Abfahrt aus Marseille Dora spurlos verschwindet, wird für Theodor die Reise zu einem Alptraum, denn wie es scheint wurde seine Frau nie an Bord gesehen.
Der Autor erweckt hier in seinem historischen Krimi mit seinen bildlichen Schreibstil die „Golden 20th“ zum Leben. Der erste Tonfilm wird bestaunt und der Konsum von Kokain gehört schon fast zum guten Ton. Die Charaktere der illustren Passagiere von einer Berliner Nackttänzerin über einen scheinbar naiven Ingenieur bis zur vornehmen englischen Lady wurden herrliche, jedoch auch ziemlich auffällig, in Szene gesetzt.
Der Fall an sich hatte eine für mich unaufgeregte Handlung. Die Spannung hielt sich in Grenzen, sodass ich mehrmals in Gefahr geriet die Seiten quer zu lesen. Leider konnten mich die wirklich gut recherchierten Hintergrundinformationen auch nicht mehr positiv stimmen, denn die Auflösung kam mir dann zu abrupt und irgendwie blieben zum Schluss noch Fragen offen.
Dunkle Vergangenheit
Elternhaus von Mentges Jennifer
Yvette Winkler will mit ihrer Familie ein einem Hamburger Vorort eine alte düstere Villa wieder bewohnbar machen. Was sie nicht weiß ist, dass das Haus immer wieder von dem Barpianisten Tobias Hansen beobachtet wird. Dieser erschleicht sich das Vertrauen der Familie und gibt den Kindern Klavierunterricht.
Doch was bezweckt er damit?
Was mir gut gefallen hat, waren die immer wiederkehrenden Rückblicke in die Vergangenheit. Hier verleitet die Autorin die Leser zum Spekulieren. Was ist wirklich passiert und wo führt uns die Story hin?
Insgesamt fehlte mir hier aber die Spannung. In einem wortgewandten Schreibstil werden die Protagonisten gut ins Bild gesetzt, allerdings verfällt das Ganze ein bisschen ins Schwafeln. Dies störte meinen Lesefluss und ich hatte das Gefühl als wenn die Autorin ständig auf der Bremse steht.
Die Stimmung ist sehr düster und durch die Handlung mit der stets vorhandenen unterschwelligen Bedrohung habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Trotzdem würde ich dies Buch nicht unbedingt als Thriller bezeichnen.
Ein perfides Spiel
Rachejagd - Gequält von Nica Stevens; Andreas Suchanek
Anna Jones wurde vor 3 Jahren zusammen mit ihrer Freundin Natalie von Edward Harris entführt und grausam gequält. Als sich für Anna die Chance ergab zu fliehen zögert sie nicht. Heute ist Anna Journalistin und macht sich immer noch schwere Vorwürfe, dass sie Natalie zurücklassen musste. Als sie einen blutbesudelten Brief erhält, ist ihr klar, ihr Peiniger ist wiederaufgetaucht.
Zusammen mit dem FBI Agenten Nick Coleman, ihrer einstigen High-School-Liebe, versucht sie dem Täter auf die Spur zu kommen.
Dies ist ein temporeicher Thriller bei dem die Spannung mit jeder Seite wächst. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Anna und Nick erzählt und diverse Cliffhanger bereiten hier Gänsehautmomente. Eingestreute Kapitel von der damaligen Entführung geben dem Leser Einblicke in die Qualen die Anna und Natalie erleiden mussten.
Stevens und Suchanek haben nicht mit teilweise brutalen und blutigen Szenen gespart, dies Buch ist also nichts für Zartbesaitete. Durch verschiedene unerwartete Wendungen, befand ich mich mehrmals in Sackgassen und hatte bis zum Schluss keine Idee wie das perfide Spiel enden könnte.
Am Ende bleiben offene Fragen und ich fiebere schon jetzt dem zweiten Teil entgegen.
Tatwaffe Feuer
Im Feuer von Pernilla Ericson
Schweden stöhnt unter einer nicht enden wollenden Hitzewelle und in der Kleinstadt Nynäshamm in der Nähe von Stockholm wüten mehrere Brände bei denen auch Menschen sterben. Die Ermittlerin Lilly Hed entdeckt Ungereimtheiten und vermutet Mordfälle. Mit Hilfe ihrer Kollegin Katja und dem Feuerwehrchef Jesper beginnt sie zu ermitteln und gerät schnell in den Focus des Täters.
Der fessende Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen. Anfangs hatte ich ein bisschen Bedenken, dass das Feuer zu viel Raum in der Story einnehmen könnte und die Ermittlungen zu kurz kommen, aber ab dem zweiten Drittel des Fuches nimmt der Fall an Fahrt auf. Die Spannung steigt durch eingeschobene Kapitel in deren Handlung eine Person von Jugendlichen gemobbt wird. Lange bleibt unklar welcher Zusammenhang hier besteht.
Die Informationen zur Brandbekämpfung und zur Pyromanie waren interessant zu lesen und wurden gut in der Story verwebt.
Mit Lilly Hed hat die Autorin eine sympathische und authentische, doch sehr verletzliche Hauptprotagonistin geschaffen, die noch immer mit einer emotinalen Vergangenheit zu kämpfen hat.
Das hochaktuelle Thema Klimawandel bildet den Rahmen für diesen gelungenen Serienauftakt.
Temporeicher Thriller mit Gruselfaktor
Schmerzwinter von Aaron Sander
In Hamburg werden zwei Frauenleichen gefunden, sie wurden auf brutalste Weise hergerichtet. Hände und Füße wurden durchbohrt und statt eines Herzens tragen beide eine altmodische Taschenuhr. Dem aus Schweden stammende Ermittler Jan Nygard fallen Parallelen zu einem alten Fall auf, bei dem der Täter seine Opfer zu Marionetten „umgebaut“ hat.
Für Jan und seine neue Partnerin Anna drängt die Zeit, denn schon bald wird das nächste Opfer gefunden.
Der Autor hat eine sehr bi8ldliche und überaus packende Schreibweise. Eine spannende Szene folgt der nächsten, sodass der Nervenkitzel kein Ende nahm und mich regelrecht durch die Handlung fliegen ließ.
Aaron Sander hat mit seinen beiden Hauptprotagonisten Jan und Anna zwei sowohl interessante als auch total gegensätzliche Charaktere geschaffen. Der schwedische Ermittler kämpft noch immer mit einem tragischen Fall bei dem seine Ehefrau getötet wurde. Dies kann er nicht verarbeiten und driftet deshalb oft in Aggressivität ab. Deshalb wird ihm die neue Polizeipsychologin Anna Wasmuth zur Seite gestellt, die ihn wieder „auf den Teppich zurückholen“ soll. Ich hoffe auf weitere Fälle für die beiden.
Die eingestreuten Kapitel aus Sicht der entführten Mareike, ließen den Leser an ihren Qualen teilhaben. Dieser Thriller ist von Anfang an Gänsehaut pur. Zum Ende folgt ein Showdown, bei dem mir beim Lesen die Luft wegblieb, und doch gelingt dem Autor noch eine gelungene Wendung obendrauf. Allerdings waren manche Situationen doch etwas unrealistisch, deshalb „nur“ 4,5 Sterne von mir.
Die besten Bäcker*innen verraten ihre Geheimnisse
Laib mit Seele von Barbara van Melle
In „Laib mit Seele“ von Barbara van Melle werden einige der besten Bäcker*innen aus verschiedenen Regionen in einem Porträt und schönen Fotos vorgestellt.
Leckere Rezepte mit oder ohne Sauerteil werden begleitet von übersichtlichen Fotos, die dem Betrachter das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Aber nicht nur die verschieden Brotarten werden hier vorgestellt und laden zum Nachbacken ein, auch Brötchen, Brezel und süße Köstlichkeiten haben in diesem tollen Back Buch ihren Platz gefunden.
Anfangs habe ich mich über die mir unbekannten Mehltypen gewundert. Da das Buch im Brandstätter-Verlag, Wien erschienen ist, handelt es sich hierbei um österreichische Typenbezeichnungen. Aber gleich zu Anfang befindet sich eine hilfreiche Tabelle mit den verschiedenen landesüblichen Kennziffern.
Durch die Einleitung mit der Auflistung des Zubehörs und die Beschreibungen der einzelnen Zutaten ist dieses wunderschöne Brotbackbuch ideal auch für Anfänger. Auch für Fortgeschrittene Hobbybäcker ist das ein oder andere anspruchsvolle Rezept dabei.
Ein modernes Märchen?
Als das Böse kam von Ivar Leon Menger
In der Abgeschiedenheit einer kleinen Insel lebt eine Familie mit 2 Kindern, ohne Kontakt zur Außenwelt. Einmal in der Woche kommt der Postbote mit einem Boot, doch warum müssen sich jedes Mal die 16jähre Juno und ihr 12jähriger Bruder Boy verstecken?
Ein packender Schreibstil ließ mich nur so durch die Story rasen.
Immer neue Entwicklungen und schnell wechselnde Szenen entwickeln einen regelrechten Sog.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Juno in der Ich-Perspektive. Die 16jährige erscheint naiv, dies erklärt sich aber nach und nach wenn man mehr über ihr isoliertes Leben erfährt. Wir erleben ihre Ängste und Zweifel und fiebern mit ihr in brenzlichen Situationen.
Die Story hatte durchaus Potenzial, ich hätte mir allerdings noch mehr Hintergründe gewünscht, so blieb alles ein bisschen oberflächlich. Rückblickend erscheinen mir einige Szenen auch etwas unglaubwürdig. Das Ganze hatte etwas von einem modernen Märchen.
Das Fräulein vom Amt ermittelt in ihrem 1. Fall
Fräulein vom Amt - Die Nachricht des Mörders von Charlotte Blum
Baden-Baden im Jahr 1922. Alma Täuber arbeitet in der Telefonvermittlung und während einer Schaltung hört sie zufällig ein mysteriöses Gespräch mit. Als kurz darauf eine Frau tot aufgefunden wird, sieht sie einen Zusammenhang und geht zur Polizei. Doch niemand glaubt ihr, außer der sympathische junge Kommissaranwärter Ludwig Schiller.
Gemeinsam meistern sie so manche brenzliche Situation.
Der Schreibstil ist fesselnd und sehr gut zu lesen. Dadurch wurde mir das mondäne Leben der damaligen Zeit nähergebracht. Hier zeigt sich die tolle Recherchearbeit der beiden Autorinnen. Die Technik war damals noch Hexenwerk und die charmanten Anekdoten dazu ließen mich oft schmunzeln.
Die Charaktere wurden liebevoll in Szene gesetzt. Die jungen Menschen feiern das Leben, jedoch blitzen immer mal wieder die Qualen des vergangenen Krieges durch. Anna lebt mit ihrer lebenslustigen Freundin Emmi zusammen in einer Dachgeschosswohnung, jederzeit überwacht von der Wirtin, dem „hauseigenen Drachen". Zusammen mit Annas Cousin Walter versuchen sie sich als Detektive.
Die Auflösung des Falls war für mich nicht vorhersehbar, manche Schlussfolgerungen der Hauptprotagonisten Alma und Ludwig fand ich nicht nachvollziehbar. Allerdings handelt es sich hier um einen Roman und nicht um einen Krimi, sodass dies nicht so schwer ins Gewicht fällt. Ich habe mich auf jeden Fall sehr gut unterhalten gefühlt.
Der erste Fall für Emer Murphy
Poppy. Dein Kind verschwindet. Und die ganze Welt sieht zu. von Kristine Getz
Lotte hat tausende Follower auf ihrem Instagram-Blog. Sie und ihr Mann Jens vermarkten dort ihre 2jährige Tochter Poppy ud verdienen somit eine Menge Geld. Als Poppy plötzlich aus dem Haus der Großeltern verschwindet, gerät ein Stalker in Verdacht. Oder handelt es sich hier um ganz andere Hintergründe?
"Poppy" ist der erste Thriller der Autorin Kristine Getz, ihr Schreibstil ist flüssig und hat mich sofort gepackt.
Die Story wurde super aufgebaut und das Thema Social Media und seine Gefahren ist brisant und bildet einen hochaktuellen Rahmen für diesen Thriller.
Durch die Perspektivwechsel und verschiedene Einschübe vom Mama-Blog, einem Pädophilenforum oder auch Meldungen der Polizei baut sich konstant die Spannung auf. Interessant fand ich die unterschiedlichen Charaktere. Allen voran die Polizistin Emer Murphy, die eigentlich mit einem Burn out krankgeschrieben ist, sich aber aus eigener Kraft ohne Medikamente aus ihrem seelischen Tief herausholen will und sich voll in die Ermittlungen mit einbringt. Bei ihr und ihrer Großmutter entpuppt sich nach und nach ein übersinnlicher Touch, den ich allerdings nicht gebraucht habe. Emers Kollege Mons scheint ein sympathischer Charakter zu sein, schade, dass er so blass und eher im Hintergrund blieb.
Erschreckend fand ich die Vergangenheit von Poppys Mutter Lotte, die nach und nach in der Geschichte zu Tage trat. Durch das Erlebte erschien sie mir sehr zart, verletzlich und ohne Durchsetzungsvermögen, zeigte dann aber Stärke als es darauf an kam.
Ein spannend geschriebener Debüt-Thriller mit Luft nach oben.
Keine Gnade
Nur du und ich von Laure Van Rensburg
Endlich klappt es mit dem romantischen Wochenende zu zweit bei Ellie und ihrem um einiges älteren Literaturprofessor Steven. Sie fahren gemeinsam zu einem einsamen Ferienhaus am Strand von Long Island. Doch was so romantisch begonnen hat, entwickelt sich bald zu einem Alptraum. Nur einer wird dieses Wochenende überleben.
Der Erzählstil der Autorin erzeugt hier eine düstere Atmosphäre und durch den Wechsel zwischen den Perspektiven von Ellie und Steven treten nach und nach einige schaurige Geheimnisse zu Tage, die mich teilweise sehr aufgewühlt haben.
Leider stoppten zu viele Wiederholungen meinen Lesefluss und gerade im Mittelteil wurde die Story zu langatmig. Ich muss gestehen, ich habe einige Passagen nur quergelesen, trotzdem mochte ich das Buch nicht abbrechen, denn ich wollte hinter die Geheimnisse der beiden Protagonisten kommen und den Rosenkrieg zwischen ihnen weiterverfolgen. Die Charaktere wirkten auf mich eher unsympathisch, was sicherlich von der Autorin so gewollt ist.
Durch das geschickt gewählte Setting und die perfiden, bösartigen Handlungen von Steven und Ellie gab es einige Gänsehautmomente. Die Idee zu dieser Geschichte fand ich gar nicht so schlecht und es handelt sich hier auch um ein brisantes Thema über welches viel zu wenig gesprochen wird, nur konnte mich die Umsetzung leider nicht so sehr überzeugen.











