Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gerlisch:
Wenn die Vergangenheit dich einholt
Die Vergessene von Karin Slaughter
Andrea Oliver hat gerade erst ihre Ausbildung zum US-Marshal bestanden, als sie auch schon ihren ersten Auftrag erhält. Eine Bundesrichterin in Longbill Beach erhält Morddrohungen und Andrea soll sie zusammen mit dem erfahrenen Marshal Bible beschützen, doch sie verfolgt dort auch ein persönliches Ziel.
"Die Vergessene" ist die Fortsetzung von „Ein Teil von ihr", Vorkenntnisse sind in diesem Thriller aber überhaupt nicht notwendig, denn Karin Slaughter versteht es ihre Protagonisten in einer einzigartigen Schreibweise lebendig werden zu lassen.
Der vor 40 Jahren ungeklärte Mord an Emily, der Tochter der Richterin steht hier im Fokus und die Rückblenden aus ihrer Sicht kurz vor ihrem Tod bringen immer mehr aufwühlende Einzelheiten ans Licht.
Die Ermittlungen der beiden Marshals sind fesselnd und authentisch beschrieben. Besonders mag ich Bible, der immer einen humorvollen Spruch auf Lager hat und ich hoffe die Serie geht mit diesen beiden Charakteren noch weiter.
Die Geschichte brachte leider anfangs ein bisschen um in Gang zu kommen, ließ mich aber dann nicht mehr los, sodass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte.
Ein persönlicher Fall für Cassie Raven
Wer mit den Toten spricht von A. K. Turner
Als die Assistentin der Rechtsmedizin, Cassie Raven von ihrer Oma erfährt, dass ihre Eltern damals nicht bei einem Autounfall tödlich verunglückt sind, sondern ihr Vater lebenslänglich für den Mord an ihrer Mutter inhaftiert wurde, bricht für sie eine Welt zusammen. Nun wird ihr Vater aus dem Gefängnis entlassen und behauptet unschuldig zu sein.
Zusammen mit der überkorrekten Polizistin DS Phyllida Flyte stellte Cassie Recherchen an und deckt immer mehr Geheimnisse auf.
A.K. Turner hat mit ihren beiden Hauptfiguren sehr symphytische und authentische Charaktere geschaffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber in den Ermittlungen natürlich und realistisch ergänzen.
Ich mag die nach außen hin touche, aber trotzdem sehr sensible Cassie und finde ihre Art, wie sie respektvoll mit ihren "Gästen" in der Pathologie umgeht immer wieder herzerwärmend. Hier in ihrem zweiten Fall ist Cassie Raven sehr emotional durch ihre persönliche Vergangenheit involviert.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und sehr gut zu lesen. Obwohl hier einiges forensisches Wissen vermittelt wird, wirkt das Ganze aber nicht überladen, sondern wir häppchenweise immer wieder gut in der Story verarbeitet.
Trotz des zu Anfang etwas zähen Handlungsverlaufs, steigert sich zum Ende die Spannung und die einzelnen Fäden werden logisch und ohne offene Fragen miteinander verknüpft.
Dies ist zwar kein atemberaubender, aufpeitschender Thriller, aber eine gelungene Story mit erfrischenden Protagonisten.
Tödlicher Podcast
Das Letzte, was du hörst von Andreas Winkelmann
Die Geschichte beginnt mit unterschiedlichen Perspektiven. Da ist zum einen, die energische, aber auch schroffe Kommissarin Carola Barreis, die zwei Mordfälle aufzuklären hat. Dann noch die Altenpflegerin Sarah Henschel die nach dem Podcast "Hörgefühlt", bzw. nach der Stimme des Sprechers Marc Maria Hagen süchtig ist.
Und noch die Kapitel mit einem Unbekannten und seinen grausamen Handlungen in der Vergangenheit. Wo ist hier der Zusammenhang?
Erst nach und nach erfahren wir die Hintergründe und die hohe Spannung und die beklemmende Atmosphäre hat mich sofort gefesselt.
Anfangs war mir die Ermittlerin durch ihre Art etwas unsympathisch. Doch durch das Talent des Autors, seine Charaktere bildlich und authentisch gut in Szene zu setzen, fügte sich ihre Art gut in die Handlung ein.
Winkelmann hat es geschafft, mich mit seinen geschickten Wendungen immer wieder in die Irre zu führen, auch eine Prise Humor durfte hier nicht fehlen. So mag ich Thriller, trotzdem hat mir hier irgendetwas gefehlt, deshalb mit 4,5 Sternen ein klitzekleiner Abzug.
Düstere Familiengeheimnisse
Das Haus der stummen Toten von Camilla Sten
Eleanor will ihre Großmutter Vivianne besuchen, doch plötzlich steht sie vor deren Mörder. Durch ihre Gesichtsblindheit kann sie allerdings den Täter nicht beschreiben. Kurze Zeit später setzt sich ein Notar zu Klärung des Nachlasses mit Eleanor in Verbindung, er will sich auf dem Gutshof Solhöga mit ihr treffen, von dem sie zuvor nie etwas gehört hat.
Zusammen mit ihrem Freund Sebastian, trifft sie dort auch überraschend auf ihre Tante Veronika. Sehr bald geschehen mysteriöse Dinge. Und wo steckt der Gutsverwalter?
Der Thriller ist in zwei unterschiedlichen Zeitebenen geschrieben. Die Handlungen in der Gegenwart werden von Eleanor in der Ich-Perspektive erzählt, immer wieder unterbrochen von Kapiteln die von Annuschka handeln, die 1965/1966 auf Solhöga gelebt hat. Nach und nach erfährt der Leser von den dunklen Familiengeheimnissen, die jetzt bei den durch einen heftigen Schneesturm Eingeschlossenen auf dem Gutshof zu Tage treten.
Der Schreibstil lässt sich ganz gut lesen und die Autorin hat hier eine düstere, kalte und zum Teil gruselige Atmosphäre geschaffen. Die Story fand ich allerdings stellenweise etwas undurchsichtig und mir fehlten die Spannung und der Nervenkitzel. Wenn mir zwischendurch andere Dinge wichtiger sind als das Lesen, ist es immer ein Zeichen dafür, dass mich das Buch nicht richtig fesseln kann. Schade, denn der erste Thriller von Camilla Sten hat mir besser gefallen. Für diesen leider nur 3 Sterne.
Nichts ist so wie es scheint
Kaltherz von Henri Faber
Nur für einen kurzen Moment lässt die Mutter ihre 5jährige Tochter allein im Auto. Als sie von der Toilette wiederkam, ist Marie nicht mehr da. Obwohl sofort die Ermittlungen starten, bleibt sie spurlos verschwunden.
Kommissarin Kim Lansky übernimmt den Fall von einem Kollegen. Nachdem sie aus der Abteilung Cybercrime rausgeflogen ist, ist dies ihre letzte Chance bei der Polizei.
Wird sie Marie finden?
Gleich von der ersten Seite an, hat mich dieser Thriller in seinen Bann gezogen. Durch das rasante Tempo und dem fesselnden Schreibstil entfaltet die Story einen regelrechten Sog.
Die unterschiedlichen Charaktere wurden gut in Szene gesetzt. Die depressive und suizidgefährdete Clara leidet unter ihrem Ehemann Jakob, ein knallharter Karrieretyp. Die Ermittlerin Lansky zeigt sich burschikos und pfeift auf die Regeln, doch durch ihre angeblich harte Schale schützt sie sich nur vor ihrer dunklen Vergangenheit, die durch diesen Fall wieder ans Licht gezehrt wird.
Raffiniert konstruierte wechselnde Perspektiven sorgen für eine super spannende Story und die unerwarteten Wendungen offenbaren zum Schluss schockierende Hintergründe.
Wie wird Bill sich entscheiden?
Flug 416 von T. J. Newman
Kurz nachdem Kapitän Bill Hoffman mit Flug 416 von Los Angeles nach New York gestartet ist, bekommt er eine grausame Mail von seiner Frau. Seine Familie wurde gekidnappt und der Entführer stellt Bill ein Ultimatum: Entweder er lässt das Flugzeug mit 149 Seelen an Bord abstürzen, oder seine Familie stirbt.
Wie wird Bill sich entscheiden?
T.J. Newman ist eine ehemalige Flugbegleiterin und lässt in ihrem Debut-Roman ihre ganzen Kenntnisse einfließen. Die Handlung ist typisch amerikanisch, gleich von der ersten Seite an spannend und fesselnd geschrieben. Allerdings empfand ich das Ganze stellenweise auch etwas unglaubwürdig und zum Ende hin klischeehaft.
Die Perspektiven wechseln zwischen der Handlung im Cockpit, dem Passagierraum und Bills Familie, sodass die Story einen nervenaufreibenden Sog entwickelt, man möchte einfach immer weiterlesen.
Die Charaktere wurden gut in Szene gesetzt, besonders bei der Flugbegleiterin Jo hat mich fasziniert, wie sie in Stresssituationen reagiert und auf die Crew sowie die Passagiere eingewirkt hat.
Solche Worst-Case-Szenarien habe ich so ähnlich bereits in mehreren Filmen gesehen, aber dies in einem Thriller zu lesen, hatte doch eine ganz andere Wirkung auf mich.
Liebhaber von Action-Thrillern kann ich dieses Buch empfehlen.
Schade, das war nichts
Die Leiche am Deich - Ein Nordsee-Krimi (Die Friesenbrauerin ermittelt 1) von Joost Jensen
In einem Dorf an der Nordsee treffen sich die Dorfbewohner in der Kneipe "Kroop" zum selbstgebrauten Tüddelbräu-Bier. Eine weibliche Leiche wird am Strand gefunden und die Polizistin Wiebke Felber, Tochter der Bierbrauerin Gesine, beginnt mit den Ermittlungen. Bei der Toten handelt es sich um die Ehefrau des Bauern Burmeister, der sich durch den geplanten Ausbau seiner Milchwirtschaft keine Freunde gemacht hat.
Der Krimi wurde sehr mit viel Lokalkolorit erzählt. Die unterschiedlichen Charaktere in der Dorfgemeinschaft ließen mich beim Lesen das ein oder andere Mal schmunzeln. Jedoch war die ganze Story sehr Bier lastig und die Friesenbrauerin Gesine ging mir mit ihrer aufdringlichen Art sehr schnell auf den Nerv. Überall musste sie ihre Nase hineinstecken und wie sie sich ständig in die Arbeit ihrer Tochter Wiebke einmischte, fand ich sehr schnell unglaubwürdig.
Die Handlung war zwar clever aufgebaut, trotzdem hatte ich mir hier etwas anderes vorgestellt, echtes Krimifeeling hat mir gefehlt. Von mir 2,5 Sterne.
Wohlfühl-Krimi aus dem Tessin
Mord in Montagnola von Mascha Vassena
Die Dolmetscherin Moira Rusconi reist nach Jahren zurück in das Tessiner Dorf Montagnola, nachdem ihr Vater dort einen Schlaganfall hatte. Eigentlich will sie sich nur um ihn kümmern, doch als deutsche Touristen in einem historischen Eiskeller einen Toten finden, bittet ihre Jugendliebe Luca Cavadini, inzwischen leitender Rechtsmediziner des Kantons, Moira um Hilfe als Übersetzerin.
Sie ist bald mittendrin in den Ermittlungen und such auf eigene Faust nach Spuren, was sich als nicht ganz ungefährlich entpuppt.
Der Krimi beginnt mit einem schaurigen Prolog und lässt menschliche Abgründe erahnen. Die Geschichte wird dann aber mit wunderschönem Lokalkolorit und sehr schönem Tessiner Flair erzählt. Im Vordergrund steht nicht unbedingt der Kriminalfall, denn Morias Gefühlsleben fährt Achterbahn und nimmt hier teilweise einen großen Platz ein. Trotzdem ist die Geschichte zu keiner Zeit langweilig, denn die liebenswerten Charaktere und der fesselnde und manchmal auch humorvolle Schreibstil haben mich gleich in ihren Bann gezogen.
Ich habe Moira sehr gerne bei ihrer Spurensuche begleitet. Die Dorfgeheimnisse und damit verbundenen unerwarteten Wendungen haben zum Miträtseln eingeladen.
Mascha Vassena ist hier ein toller Serienauftakt gelungen und ich bin sehr gespannt, wie sich das Leben in Montagnola weiterentwickelt. Von mir für diesen schönen Wohlfühl-Krimi 4,5 Sterne.
Durchschnittlicher Krimi aus Norwegen
Todesfall von Randi Fuglehaug
Der norwegische Ort Voss steht einmal im Jahr im Mittelpunkt des Extremsports. Die Journalistin Agnes Tveit hat die Aufgabe über dieses Event zu berichten und ist vor Ort, als eine Fallschirmspringerin direkt vor ihren Augen in den Tod stürzt. Es stellt sich heraus, dass es sich hier um einen Mordfall handelt und Agnes beginnt zu ermitteln.
Jedoch werden ihr schnell Steine in den Weg gelegt.
Bei "Todesfall" handelt es sich um das Debut der Autorin Randi Fuglehaug. Der Schreibstil ist ganz angenehm zu lesen, jedoch konnte mich die Story nicht besonders fesseln. Besonders zu Anfang war die Handlung sehr zäh und bei der Gesamtbetrachtung fehlte leider die Spannung.
Auch die Charaktere sind meiner Meinung nach ziemlich flach geblieben, so habe ich zu den Protagonisten keinen wirklichen Zugang gefunden. Die Ermittlungen von Agnes waren gut beschrieben, allerdings waren viele, auch wiederholte Informationen zu ihrem Privatleben eher unnötig.
Es handelt sich hierbei ja um ein Erstlingswerk und a mir der Schreibstil gefallen hat und ich skandinavische Krimis und Thriller sehr mag, gebe ich dem zweiten Teil, der nächstes Jahr im April erscheinen soll, vielleicht noch eine Chance. Hierfür hat es leider nur für 3 Sterne gereicht.
Krimi mit karibischen Flair
Die Knochenleser - Karibik-Thriller (Digson und Miss Stanislaus ermitteln 1) von Jacob Ross
Als auf der Karibikinsel Camaho am helllichten Tag auf der Straße ein Junge ermordet wird, gerät der junge Michael "Digger" Digson in den Focus der Polizei, allerdings eher um ihn für eine neue Polizeitruppe zu verpflichten. Er wird zum Forensiker ausgebildet. Mit Miss Stanislaus, der Tochter des Superintendent Chilman bekommt er eine eigenwillige Partnerin zur Seite gestellt.
Beide machen sich an die Aufgabe, spurlos verschwundene Personen aufzuspüren und stoßen recht oft auf Ablehnung und Aggressivität.
Der Autor hat in seinem Krimi eine düstere Atmosphäre geschaffen, die man auf einer schönen sonnigen Karibikinsel nicht erwartet. Die Stimmung ist geprägt von Brutalität, Unterdrückung und Missbrauch. Ständig verschwinden Personen und die Handlungsweise der Polizei wird oft gesetzeskonform hingebogen.
Die Dialoge empfand ich als sehr gewöhnungsbedürftig, der verwendete Slang brachte mich regelmäßig aus dem Lesefluss. Die Charaktere waren für mich nicht wirklich greifbar. Da ist zum einen "Digger" der Frauenschwarm, der ein Virtuose des Knochenlesens sein soll, aber dazu hätte ich mir mehr Details gewünscht. Und zum anderen die Tochter des kauzigen Superintendent Chilman, Miss Stanislaus. Von ihr wollte sich bei mir nicht wirklich ein Bild vor Augen bilden und ihre Darstellung empfand ich als etwas übertrieben. Dies sind allerdings alles nur Kleinigkeiten die mich gestört haben, denn dies ist durchaus ein interessanter Krimi.
Von mir 3,5 Sterne.











