Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gerlisch:
Auf der Suche nach Spannung
Der Sucher von Tana French
Cal Hooper, ein Ex-Cop aus Chicago kauft in dem kleinen irischen Dorf Ardnakelty ein altes Haus. Sein Nachbar Mart und die Dorfbewohner sind zwar ein bisschen schrullig, nehmen Cal aber in die Dorfgemeinschaft mit auf. Allerdings fühlt er sich mehr und mehr beobachtet und als immer wieder ein seltsames Kind bei ihm auftaucht und ihn um Hilfe bei der Suche nach seinem verschwundenen Bruder Brendan bittet, erwacht in Cal wieder der Cop.
Anfangs fand ich die Story sehr interessant, die Beschreibungen der Natur und der Handlungsorte waren sehr bildlich. Die geschwätzigen Krähen im Baum auf Cals Grundstück sowie auch sein Nachbar Mart bescherten mir immer wieder ein Schmunzeln. Doch im Laufe der Geschichte fiel es mir zunehmend schwerer mich auf die Handlung zu konzentrieren, da alles etwas langatmig von statten ging.
Interessant war, wie die "Alten" aus dem Dorf immer wieder hintergründig versucht haben, Cal an der Suche nach Brendan zu hindern. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, aber die Spannung fehlte mir leider in diesem Roman. Ich hatte mir hier mehr erhofft.
Tiefe Abgründe
Böse von Jonas Wagner
Katharina will mit ihrer 17jährigen Tochter Fenja in Hussfeld im Erzgebirge einen Neuanfang wagen. Das idyllische Örtchen wirbt damit, das sicherste Dorf in Deutschland zu sein. Doch als Fenja plötzlich spurlos verschwindet, muss Katharina gegen die Zurückweisungen der Einwohner kämpfen, niemand will ihr helfen.
"Böse" ist der Debüt-Thriller von Jonas Wagner. Der Schreibstil ist fesselnd und der Autor versteht es eine hintergründige Spannung aufzubauen. Die Story beginnt eher gemächlich. So wurde hier anfangs eine ruhige und entspannte Dorfidylle vorgegaukelt mit scheinbar sympathischen, jedoch neugierigen Bewohnern. Doch nach und nach entpuppen sich diese als selbstherrliche und egoistische Menschen die sich weigern Katharina auf der Suche nach ihrer Tochter behilflich zu sein. Im Gegenteil, sämtliche Aktionen von Katharina werden sabotiert.
Die Passagen, die sich mit der verzweifelten Suche befassen, werden immer wieder unterbrochen von Kapiteln in denen wir erfahren, was mit Fenja passiert. Zwar wird hier auf die Beschreibungen der Brutalitäten verzichtet, doch gerade dies bringt das Kopfkino des Lesers in Gang.
Leider war mir schon sehr früh klar, wer der Täter sein muss und wo die Reise hingehen wird. Auch einige Wiederholungen stoppten meinen Lesefluss. Trotzdem ein fesselnder Thriller, gerne mehr davon.
Drogenhandel in Texas
Die Tote mit der roten Strähne - Thriller (Betty-Rhyzyk-Serie 1) von Kathleen Kent
Betty Rhyzyk ist neu im Dallas Police Department. Sie stammt aus eine polnischen Polizisten-Familie, doch als homosexuelle Frau mit roten Haaren hat sie es nicht leicht mit ihren neuen Kollegen. Doch als in ihrem ersten eigenverantwortlichen Fall alles schief geht was nur schief gehen kann, will sie allen zeigen, was in ihr steckt.
Nach und nach stellt sich allerdings heraus, dass jemand es auf Betty abgesehen hat.
Mit der raubeinige Protagonistin Betty hatte ich zu Beginn ein bisschen Schwierigkeiten warm zu werden, zumal am Anfang viele Charaktere und deren Spitznamen auf mich einstürmten und etwas für Verwirrung sorgten. Trotzdem waren alle Charaktere interessant.
Gut gefallen hat mir, wie die Autorin das Thema Homosexualität und die dadurch einhergehenden Probleme in die Handlung mit eingeflochten hat.
Der Schreibstil ist leicht und verständlich zu lesen. Die Handlung dümpelte erst ein wenig vor sich hin um dann aber im letzten Drittel mit einer Wendung wie ein Paukenschlag spannungsreich und atemberaubend ihren Höhepunkt zu erreichen. Die Richtung in die die Story dabei ging, war etwas übertrieben brutal und hat mir nicht so gefallen. Dennoch ein fesselnder Thriller den ich nicht aus der Hand legen konnte.
Schön erzählte Familiengeschichte im 17. Jahrhundert
Gold und Ehre von Sabine Weiß
Der wissenshungrige junge Architekt Benjamin wird nach einem missglückten wissenschaftlichen Experiment von seinem Vater nach Hamburg "strafversetzt". Anfangs fällt es ihm schwer dort Fuß zu fassen, doch dann trifft er Lucia, die einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen hat, um ihre Familie zu versorgen.
Die Anziehungskraft zwischen den beiden jungen Menschen ist groß, zumal Lucia ebenfalls intelligent und wissensdurstig ist. Doch wird ihre Liebe die kommenden Schicksalsschläge überstehen?
"Gold und Ehre" knüpft zeitlich an den Vorgängerband "Krone der Welt" an. Auch in diesem Roman wurde das historische Wissen gut recherchiert und geschickt mit einer fiktiven Familiengeschichte verwoben.
Sehr gut und ausführlich wurden hier die Spannungen und Konflikte der Oranier mit England und Frankreich im 17. Jahrhundert geschildert. Im Gegensatz hierzu lernen wir die schön gezeichneten fiktiven Charaktere kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum einen den jungen Benjamin, der sich mit seiner Intelligenz schnell in Hamburg unter den Architekten einen Namen macht und beim Bau des Michels Hand mit anlegt.
Als Schiffschirurg lernen wir Theo kennen, der von seinem Vater zur Seefahrt gezwungen wird. Hier vermittelt uns Sabine Weiß die Gefahren auf See und die Konflikte der Seeleute die lange Zeit auf engstem Raum unter üblen Bedingungen ihr Leben fristeten.
In einem weiteren Handlungsstrang begleiten wir Benjamins Onkel Samuel, dessen Lebensziel es ist, sich in der Politik einen Namen zu machen und seine gesellschaftliche Stellung weit nach oben zu bringen.
Aufgeteilt wurde diese Story in drei zeitlich abgegrenzte Abschnitte. Schade fand ich, dass im letzten Abschnitt zu viel Handlung im Zeitraffer-Modus beschrieben wurde.
Im Großen und Ganzen hat mir dieser historische Roman sehr gut gefallen. Nur das wirklich gut recherchierte geschichtliche und architektonische Wissen nahm mir zeitweise zu viel Raum ein und stoppte meinen Lesefluss.
Geschwisterliebe
SCHWEIG! von Judith Merchant
Sue lebt seit ihrer Scheidung allein und zurückgezogen in einem riesigen Haus tief in einem Wald. Ihre Schwester Esther macht sich Sorgen um sie. Obwohl Esther eigentlich zu Hause noch sehr viel für das Weihnachtsfest mit Mann und Kindern vorbereiten muss, macht sie sich auf den Weg um ihre Schwester um ihr ein kleines Geschenk zu bringen.
Doch Sue will sie nicht bei sich haben, hat sie etwas zu verbergen? Und was bedeutet das Messer in ihrer Hand?
Die Story dreht sich hauptsächlich nur um die Beziehung zwischen den beiden Geschwistern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Durch die wechselnden Perspektiven lernt der Leser nach und nach die beiden Schwestern kennen und erfährt durch die Gedanken und Gespräche der beiden von den Problemen und Vorkommnissen in der Vergangenheit. Dadurch blieb die Spannung total auf der Strecke, die erst zum Ende hin aufkommt.
Die beiden Hauptcharaktere haben sich in Überlegungen verloren, die für mich teilweise keinen Sinn ergaben, dadurch habe ich irgendwie keinen Zugang zu ihnen gefunden. Sie waren mir unsympathisch und ihr Verhalten hat mich einfach nur genervt.
Für mich definitiv kein Thriller, eher ein Roman um eine toxische Geschwister-Beziehung.
Thriller mit düsterer Atmosphäre
Waldeskälte von Martin Krüger
Valeria verließ vor 21 Jahren ihren Heimatort Eigerstal in den Schweizer Alpen. Damals verschwanden drei junge Mädchen, Valeria hat als einzige überlebt. Als nun wieder ein junges Mädchen verschwindet, bittet dessen Onkel, Valerias damaliger Jugendfreund sie um Hilfe, sie übernimmt den Fall und hofft dadurch ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und ihre verschütteten Erinnerungen aufzudecken.
Waldeskälte ist der Auftakt einer Thriller-Serie um Leutnant Valeria Ravelli von Interpool. Valeria's Gedanken fließen immer wieder in Form von kursiv geschriebenen Passagen in die Handlung mit ein. Diese kurzen Rückblicke lassen den Leser erahnen was damals geschah.
Der Autor schafft in diesem Buch mit seinem angenehmen Schreibstil eine beklemmende und düstere Atmosphäre. Man spürt regelrecht die Kälte in dem Alpendorf und die Düsternis in den Wäldern.
Mit den Protagonisten bin ich leider nicht wirklich warm geworden, sie waren mir zu distanziert beschrieben. Die Story brauchte eine gewisse Zeit bis die Spannung sich aufbaute. Die Auflösung zum Schluss war gut durchdacht, jedoch waren auch kleine Unstimmigkeiten enthalten.
Einige nicht vollständig geklärte Situation, wie zum Beispiel die Beziehung zwischen Valeria und ihrer Mutter geben Raum für den Folgeband.
Spannend und mysteriös
Der Tod und das dunkle Meer von Stuart Turton
Im Jahre 1634 macht sich ein Schiff der Ostindienkompanie von Indonesien auf den Weg nach Amsterdam. Mit an Bord der Generalgouverneur von Batavia und seine Frau Sara, sowie der berühmte Detektivf Samuel Pipps, der allerdings auf dem Weg zu seiner Hinrichtung ist. Kaum ist das Schiff unterwegs, geschehen seltsame Dinge und unerklärliche Morde.
Das Schiff scheint verflucht zu sein. Pipps Assistent Arent Hayes und Sara versuchen Geheimnisse zu lösen und Gefahren abzuwenden, bevor das Schiff seinem Untergang geweiht ist.
"Der Tod und das dunkle Meer" wurde dem Genre Krimi zugeordnet, jedoch fließen auch historische, abenteuerliche und mystische Elemente in die Story mit ein.
Der Autor glänzt mit seinem überaus fesselnden und voluminösen Schreibstil und der Gabe die Charaktere in dieser Geschichte sehr vielschichtig darzustellen. Bei Samuel Pipps und Arent Hayes musste ich sofort an Sherlock Holmes und Dr. Watson denken. Auch die Vorgehensweise, Licht in die rätselhaften Vorfälle auf dem Schiff zu bringen, erinnern stark an das berühmte Ermittler-Paar.
Obwohl es auf dem Schiff vor Matrosen, Musketieren und Passagieren nur so wimmelte, habe ich trotzdem gut den Überblick behalten. Es herrschen furchtbare Zustände mit brutalen Szenen und Macht wird hier gnadenlos ausgenutzt. Durch die Macht des Aberglaubens erhält die Story eine düstere Atmosphäre.
Nachdem sich die Situation zum Ende immer mehr zuspitzte und eigentlich keine Lösung in Sicht war, wurde ich durch eine absolut stimmige Auflösung überrascht.
Ich bin begeistert von diesem Roman und gebe eine absolute Leseempfehlung.
Ein grausames Spiel
Stadt des Zorns von Marc Meller
Der Psychopath "Janus" spielt wieder ein perfides Spiel, diesmal legt er eine ganze Stadt mit blockierten Straßen und Schienen lahm. Im Mittelpunkt wieder Hannah die sein erstes Exit-Game überlebte. Schafft sie es auch diesmal mit Hilfe der "Mitspieler", einer Gruppe von jungen Umweltaktivisten, die Rätsel zu lösen und den grausamen Fallen zu entkommen?
Bei "Stadt des Zorns" handelt es sich zwar um die Fortsetzung zum ersten Teil "Raum der Angst", doch der Leser kann auf jeden Fall diesen Thriller auch ohne Vorkenntnisse lesen.
Der Autor lässt alle wichtigen Informationen aus dem ersten Teil hier einfließen.
Der Schreibstil gefällt mir super, er ist flüssig, fesselnd und gut zu lesen. Die Handlungsorte finde ich gerade zu Beginn der Story sehr interessant. Ich finde es faszinierend wie der Autor die Kölner Unterwelt, und hier speziell den Kronleuchter Saal, als Escape Room genutzt hat.
Für Gänsehaut haben die grausamen Tötungsmethoden und für Ekelmomente einige direkt beschriebenen Handlungen gesorgt. Die wechselnden Perspektiven haben die Spannung noch gesteigert und unerwartete Wendungen ließen dem Leser keine Zeit zum Luftholen.
Ein temporeicher und spannender Thriller den ich nicht aus der Hand legen konnte.
Hillbilly-Krimi
Unbarmherziges Land von Chris Offutt
Mick Hardin ist gerade auf Heimaturlaub in Eldridge County und unterstützt seine Schwester Linda, frisch zum ersten weiblichen Sheriff ernannt, bei ihrem ersten Mordfall. Mick hat mit seinen privaten Problemen zu kämpfen und stößt auch bei seinen Ermittlungen auf Widerstand und taube Ohren.
Die Story ist gespickt mit humorvollen Passagen, die die doch eher düstere Atmosphäre immer wieder auflockern, auch die Beschreibungen von Flora und Fauna waren ganz nett.
Der Schreibstil des Autors hat mir zwar gefallen, allerdings hat mir in diesem Buch die Spannung gefehlt.
Die Protagonisten werden hinterwäldlerisch und teilweise geistig etwas unterbelichtet dargestellt. Mick als naturverbundener Mann stand sehr im Mittelpunkt des Ganzen und die anderen Charaktere, besonders seine Schwester Linda, blieben mir zu blass, sodass ich keinen richtigen Zugang zur Story fand.
Im Vordergrund stehen hier die Blutsverwandtschaften und Familienclans mit ihren eigenen Regeln, der Mordfall und deren Auflösung geraten hier eher zur Nebensache.
Dieses Buch hat mir leider nicht gefallen.
Gutes Debüt mit Luft nach oben
Ausweglos von Henri Faber
Noah Klingberg holt spätabends die Wäsche vom Trockenboden und wird plötzlich von einem Mann mit einem Messer an der Kehle bedroht. Dieser hat es auf seine Frau abgesehen, doch mit einem Zweitschlüssel führt er den Mörder in die Nachbarwohnung. Die Falk's sollten eigentlich verreist sein, doch als er Stunden später wieder zu sich kommt, liegt die Nachbarin grausam zugerichtet tot in ihrem Bett.
Alles deutet auf den Ringfinger-Mörder hin, der vor Jahren mehrere Frauen auf die gleiche Weise getötet hat. Kommissar Elias Blom wurde damals nach erfolglosen Ermittlungen strafversetzt, doch nun setzt er alles daran wieder Teil der Mordkommission zu werden.
Wechselnde Handlungsstränge jeweils in der Ich-Form aus Sicht von Noah, seiner Frau Linda und Elias, unterbrochen von Dialogen des Täters, bauen gleich am Anfang hohe Spannung auf, die leider im weiteren Verlauf der Story etwas abflacht. So wird aus dem spannendungsgeladenen Thriller eher ein abwechslungsreicher gut geschriebener Krimi.
Die Protagonisten wurden sehr gut beschrieben, die Charaktere sind interessant und jeder für sich hat mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen. Einige Handlungen und Dialoge fand ich allerdings übertrieben, dies ging dann auf Kosten der Sympathie den Protagonisten gegenüber.
Durch die vielen unvorhersehbaren Wendungen bis zum Schluss, konnte der Autor aber bei mir wieder punkten.











