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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von MeinSohnPrinzAndreas:

Brisantes Thema, nicht nur sprachlich gut umgesetzt

connect von Thea Mengeler

Die junge Ava scheint ein erfolgreiches Leben als Werbetexterin zu führen. Sie verdient gut, hat Freunde und eine schöne Wohnung, Dinge, an denen in der europäischen Gesellschaft der Erfolg eines Lebens festgemacht wird. Doch so glücklich wie man meinen möchte, ist Ava dabei gar nicht. Sie fühlt sich ausgebrannt und hat das Gefühl, im Leben keinen Schritt mehr weiter zu kommen.

An diesem Punkt ihres Lebens trifft sie auf Lina, eine ehemalige Studienkollegin, die ihr eine Alternative zu ihrem bisherigen Leben zeigt. Connect: Meditation, Bewusstseinsübungen, das Abgrenzen vom ungesunden westlichen Lebensstil. Begeistert widmet Ava immer mehr und mehr Zeit Connect, verliert dabei allerdings immer mehr und mehr den Bezug zu ihrem bisherigen Leben. Bei Familie und Freundinnen schrillen die Alarmglocken. Denn sie sehen in Connect eine Sekte, aus deren Fängen es gilt, Ava zu befreien, die diesen Versuchen allerdings wenig dankend ablehnt.

Die Autorin arbeitet in ihrem Buch ein äußerst wichtiges Thema auf, nämlich in wie weit das Gesellschaftsbild der Westlichen Welt den Mensch als Individuum ausblutet, und welche Alternative Gesellschaftsszenarien es gibt. So war ich während des Lesens für die Ideen, die Connect verbreitet, recht anfällige, hielt während der Lektüre immer wieder inne und horchte in mich hinein, reflektierte das Gelesene im Bezug auf mein eigenes Leben. So beinhaltet vor allem das erste Drittel des Buches im Hinblick auf Veränderungen, die man im eigenen Alltag machen könnte viele interessante Anregungen. Schleichend zieht sich aber über das Buch der Wandel hin zu einer Sekte, die mit aller Kraft versucht, ihre Anhängerschaft zu kontrollieren. Dabei gibt es aber wie gesagt keine eindeutige Linie in der Beschreibung von Connect, die überschritten wird, und bei der man diese nun deutlich als Sekte bezeichnen könnte. Man bekommt beim Lesen nur mehr und mehr ein beklemmendes Gefühl, je weiter die Geschichte voranrückt. Die Wahrnehmung von Connect hin zur Sekte ist sehr authentisch dargestellt, was auch auf die Protagonist:innen zutrifft. Mir gefällt sehr, dass Ava nicht dieser typische Maincharakter ist, vollgepumpt mit Eigenschaften, die sie sympathisch erscheinen lassen sollten. Sie strahlt eine Ruhe aus, auf die man sich gerne einlässt und ist mit ihren Problemen wirklich sehr Nahe am heutigen Menschen gebaut. Dazu kommt noch der tolle sprachliche Stil der Autorin, der einen sanft durch die Geschichte leitet und begleitet. Denn immer wieder gibt es äußerst poetische Stellen, an denen man beim Lesen gerne innehält.

Rundum ist das Buch gelungen und für mich eine sehr große Leseempfehlung, vor allem, da sich hier mit einem äußerst brisanten Thema kritisch auseinandergesetzt wird, ohne dabei einseitig zu wirken.

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Porträt einer Legende

Tell von Joachim B. Schmidt

Mit seinem neuen Roman rollt Joachim B. Schmidt die Geschichte des Wilhelm Tell neu auf und verpasst ihr ein anderes, moderner anmutendes Antlitz, als er jemals zuvor hatte. So entsteht ein Porträt dieser schweizer Legende, die den unbeugsamen Helden in ein viel menschlicheres Licht rückt.

Ich war wirklich auf das Erscheinen des Buches gespannt, da ich sehr gerne neu aufgerollte, um- und neu erzählte Geschichten aus dem Fundus der Allgemeinkenntnis lese, vor allem, wenn sie einen literarisch poetischen Mantel bekommen.

In dieser letzten Hinsicht konnte mich der Autor auch wirklich begeistern. Stilistisch findet man beim Lesen kurze Sequenzen mit immer neuen Perspektivwechseln vor, die die Handlung und die Protagonist:innen in ein immer neues Licht rücken, dieses verändern, Tell eine immer neue Facette bescheren. So war mir dieser anfangs noch nicht besonders sympathisch, doch mit jeder neuen Information über seinen Charakter und sein bisheriges Leben, die die Leserschaft immer häppchenweise präsentiert bekommen, veränderten sich meine Empfindungen ihm gegenüber und ich begann ihn immer mehr zu verstehen, sein Geisteswesen nachzuvollziehen und ihn auch zu bewundern. Auch die Atmosphäre der Geschichte wurde vom Autor sehr präzise ausgearbeitet. Das Setting, die Alpen, das Dorf und der Tell-Hof werden sehr gut greifbar und ein unglaublich starkes Bild entsteht, dass sich wunderbar in die Geschichte einfügt. Einzig und alleine die Handlung war es, die mich nicht an allen Ecken und Enden vollends abholen konnte. Der auf dem Klappentext versprochene Blockbuster blieb meiner Meinung nach aus. Zwar war die Handlung durchaus spannend und es entwickelte sich mehr und mehr eine Sogwirkung, allerdings muss ich sagen, dass es mir manchmal zu schnell ging, Passagen der Geschichte zu flott an mir vorbeiflogen und diese keine richtige Tiefe entwickeln konnten.

Damit währe aber auch schon der einzige Kritikpunkt abgehandelt, denn Sprache und Stil des Buches konnten mich komplett für sich einnehmen.

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Ein aufregendes Gefühl

Der letzte Sommer in der Stadt von Gianfranco Calligarich

Der junge Leo aus Mailand kommt Anfang der 1970er nach Rom, in die ewige Stadt. Er bekommt eine Wohnung und einen alten, klapprigen Alfa Romeo, findet einen Job bei einer Sportzeitung und stürzt sich in das aufregende Leben der Stadt. Und so begegnet er Arianna. Eine Begegnung, die beider Leben für immer verändert.

Für mich persönlich war das Buch anfangs sehr schwer einzuschätzen, und so habe ich es einfach auf mich zukommen lassen. Was auf alle Fälle aber nicht enttäuscht, das ist der Schreibstil. Gianfranco Calligarich arbeitet mit poetischen Bildern, eine Sprache die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann, und erschafft so eine wunderschöne Melancholie, die die Thematik des Buches wunderbar untermalt. Diese tieftraurige, und dennoch aufregende Grundstimmung ist es, was mich so an dieser Geschichte begeistert hat. So vieles ist einfach aus dem Leben gegriffen, könnte einem selbst auch passieren, und unweigerlich habe ich begonnen, Parallelen zum eigenen Leben zu ziehen. Denn auch wenn Trauer, Enttäuschung und Sucht eine große Rolle spielen, so ist unweigerlich auch das Glück als Pendent dazu ein ständiger Begleiter im Buch. Aber auch die Protagonist:innen machen die Geschichte unweigerlich interessant. Man bekommt eine große Bandbreite an verschiedenen Menschen präsentiert, niemand ist perfekt, und gerade deswegen interessant. Dieses Set an Figuren hebt das Buch von vielen anderen ab und die Authentizität der Protagonist:innen trägt wieder ein kleinen Stück dazu bei, die Geschichte zu mögen. Und dennoch wird man beim Lesen unweigerlich immer an die eigene Vergänglichkeit und die eigenen Probleme erinnert, zum Nachdenken über das eigene Glück angeregt.

Das Buch konnte mich emotional begeistern und hat mit seinen Bildern das sommerliche Rom in all seinen Facetten auferstehen lassen.

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Ein Roman mit Page-Turner-Potential

Die Ullsteinfrauen und das Haus der Bücher von Beate Rygiert

Berlin in den 20er Jahren: Die geschiedene Rosalie Gräfenberg genießt ein glamouröses Leben zwischen Paris und Berlin. Sie ist unabhängig und abenteuerlustig, verdient sich ihr Geld mit Reisereportagen und Journalismus. Auf einer Gala in Berlin lernt sie Franz Ullstein, den Generaldirektor des großen Verlages, für den auch sie arbeitet, kennen.

Franz Ullstein verliebt sich sofort in die intelligente Frau und schon bald macht ihr der um Jahre ältere Mann einen Heiratsantrag. Es scheint schon so, als würde Rosalie mit einer Traumhochzeit in die Ullstein-Familie einziehen, doch sie hat nicht mit den Verwandten ihres Mannes gerechnet. Diesen ist Rosalie ein Dorn im Auge und ihnen ist jede Intrige recht, um die Ehe des frisch vermählten Paares zu zerstören. Doch Rosalie lässt sich nicht unterkriegen und probt zusammen mit ihrer Freundin, der Autorin Vicky Baum und deren Tippfräulein Lilli den Aufstand.

Mit den 20er Jahren, Liebe und Intrigen scheint eine perfekt Mischung für einen spannenden und guten Unterhaltungsroman gegeben zu sein, und für mich hat das Buch gehalten, was Aufmachung und Klappentext versprechen. Der Schreibstil ist leicht, locker und zügig, perfekt für einen Pageturner. Zusätzlich hält die Geschichte einen mit einem sich immer weiter aufbauenden Spannungsbogen an der Stange, sodass die Seiten wirklich nur so fliegen. Insofern konnte auch ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Auch die Protagonisten konnten mich im Anbetracht dessen, was die Geschichte vorgibt zu sein, überzeugen können. Rosalie fand ich fantastisch. Mit ihrem willensstarken und freiheitsliebenden, gleichzeitig auch kompromisslosen Charakter hatte sie es schnell geschafft, mich für sich einzunehmen. Vicky Baum war als die wohlhabende Freundin gestaltet die sie ja auch ist und Lilli ist das typische Mädchen, ausgeschlossen aus vermögenden Kreisen, dass nach gesellschaftlichen Aufstieg strebt. Die beiden sind insgesamt also ein wenig klischeehaft, was mich allerdings nicht gestört hat. Hinsichtlich der historischen Hintergründe hätte ich mir teilweise ein wenig mehr erhofft. Zwar ist die Verknüpfung von Realität und Fiktion rund um den Ullstein-Verlag - hier klärt das Nachwort auch ausführlich auf - sehr gut gelungen und man bekommt einen tollen Abriss davon, wie es dort in den damaligen Zeiten zugegangen sein muss. Das Berlin der Goldenen Zwanziger wurde für mich allerdings nicht immer greifbar. Zwar wurden gesellschaftliches Leben und politische Umbrüche immer wieder kurz angerissen, allerdings hätte ich mir da wirklich mehr erhofft und andere Unterhaltungsromane, die zu dieser Zeit spielen, konnten mir in dieser Hinsicht definitiv mehr geben.

Nichts desto Trotz konnte mich das Buch wirklich mitreißen und ich kann es aus vollem Herzen weiterempfehlen, auch wenn es definitiv nicht den Geschmack von jedem und jeder trifft.

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Das Schicksal der Pflegekräfte aus dem Osten

Wenn ich wiederkomme von Marco Balzano

Wie tausende andere Frauen auch, verlässt Manuels Mutter ihr Heimatland Rumänien, verlässt ihre Familie, um im Westen Geld zu verdienen. Und so arbeitet sie in Mailand, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und schickt den Großteil ihres Gehalts in die Heimat zurück. Zwar sind ihre beiden Kinder gut mit Geld versorgt, doch wachsen sie ohne ihre Mutter auf und langsam aber sicher beginnt der Familienzusammenhalt zu bröckeln.

Und auch die Mutter vermisst ihre Kinder immer mehr, doch scheint es in Rumänien keine Alternative zu geben.

Ich war wirklich gespannt auf das Buch, da ich immer wieder durchaus positive Meinungen zu Marco Balzano gehört habe, vor allem aber, da mich die Brennpunktthematik sehr ansprach. Pflegekräfte aus Osteuropa, die Stützen des Mittel- und Westeuropäischen Rentensystems und deren körperliche und geistige Ausbeutung ist ein Thema, das mich zwar brennend interessiert, mit dem ich mich leider aber noch nicht so intensiv beschäftigt habe, wie ich es gerne wollen würde. Jedenfalls erhoffte ich mir durch dieses Buch einen tieferen Einblick. Diesen bekam ich dann auch, größtenteils in für mich zufriedenstellendem Ausmaß. Zwar haben wir drei unterschiedliche Perspektiven, die Mutter, den Sohn und die erwachsene Tochter, doch der Fokus liegt definitiv auf den Auswirkungen dieser Wanderarbeit auf die Psyche und das Schicksal der Zurückgeblieben. Zwar wird das, was die Arbeit mit der Mutter psychisch macht, auch sehr genau beschreiben, allerdings hatte ich mir auch erhofft, auch ein wenig mehr über die Hintergründe und Abläufe, wie beispielsweise Bezahlung oder etwaige Probleme mit den Behörden, gewünscht. Der Punkt, der mich leider am meisten enttäuscht hat, ist die fehlende literarische Tiefe des Buches. Sprachlich hat mich das Buch trotz der drei verschiedenen Perspektiven ziemlich kalt gelassen. Der Schreibstil hat sich für mich kalt und abweisend angefühlt, hat bei mir beim Lesen kein angenehmes Gefühl erzeugen können. Und so konnten mich die Protagonist:innen trotz der genauen Beschreibung ihrer Gedanken und Gefühle nicht mitreißen. Zwar scheint das Buch direkt dafür gemacht zu sein, voller Empathie mit diesen mit zu fiebern, doch bei mir blieb es leider aus, dass ich auf dieser persönlichen und emotionalen Ebene abgeholt werde.

Letztendlich ist das Buch thematisch von enormer Bedeutung und trotzdem, dass es mehr literarische Tiefe vertragen hätte, immer noch sehr lesenswert.

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Ein Buch mit gewaltiger Message

Felix Ever After von Kacen Callender

Felix hat eine große Sorge: sich niemals in jemanden zu verlieben und dass seine Liebe erwidert wird. Denn Felix ist trans, queer und PoC, Aspekte seiner Identität, die ihm es schwerer machen, ein normales Leben zu führen, als andere Menschen. Doch nicht nur seine Liebe bzw. deren nicht-vorhanden-sein macht ihm zu schaffen, sondern auch, dass sein Vater sich noch immer nicht ganz an seine neue Identität gewöhnt hat und er immer wieder gedeadnamed wird.

Als ein anonymer Täter dann auch noch Bilder von der Person in der Schule aufhängt, die Felix einmal war, und er sich online mit Hassbotschaften konfrontiert sieht, platzt ihm der Kragen und er macht sich auf einen Rachefeldzug gegen die Ignoranten von New York.

Ich bin mit wirklich hohen Erwartungen an das Buch herangetreten, da ich seit dem Erscheinen der englischen Ausgabe darauf gewartet habe, dass es nun endlich auch auf deutsch erscheint. Schon der Klappentext versprach ein sprach- und bildgewaltiges Buch, das eine Botschaft von fundamentaler Bedeutung in die Welt hinausträgt. Das hat es dann auch getan, wobei die Umsetzung bei mir leider ein wenig zu Wünschen über ließ. Dennoch steht außer Frage, dass die Geschichte rund um Felix und seine Freunde ein großer Akt der Aufklärung hinsichtlich der trans-Community, aber auch vieler anderer Bereiche der Queer-Community ist. Aber auch Rassismus, typische Probleme von Jugendlichen und der Generationenkonflikt kommen nicht zu kurz. An dieser Stelle möchte ich auch ein großes Lob hingehend dessen aussprechen, wie they Autorin in ihrem Buch mit Drogen und Alkohol umgeht. In einem Buch, das seinen Schwerpunkt auf atheistische, urbane Jugendkultur und das Ausbrechenden aus alten Strukturen setzt, wäre es meiner Meinung nach komplett fehl am Platz, einen mahnenden und belehrenden Ton aufzusetzen, wenn Protagonist:innen Gras oder Alkohol - und das nicht zu knapp - konsumieren. In diesen Aspekt fühlt sich die Geschichte wirklich natürlich an. Die thematischen Hintergründe des Buches sind also außer Frage gut gelungen, allerdings bin ich mit der Umsetzung der Protagonist:innen nicht ganz glücklich. zwar wirken Felix und seine Freund:innen auf den ersten Blick recht sympathisch und die Figuren sind von ihren Gefühlen, Sorgen und verhalten her sehr authentisch geraten, allerdings haben sie für mich im Laufe der Geschichte immer mehr an Sympathie verloren. So ist Felix beispielsweise teilweise sehr herrisch, störrisch, egoistisch und legt ein sehr toxischen Verhalten an den Tag. In manchen Streitfragen wirke er wirklich unbedacht oder trampelte auf den Gefühlen der anderen herum. Auch fand ich sein Vorgehen wegen der Ausstellung mit den alten Bildern, seinen Rachefeldzug wirklich beängstigend intensiv. Zwar steht außer Frage, dass das, was ihm angetan wurde, unterste Schublade ist, doch gleich das Leben der Täter:in zu zerstören und von diesem einzigen Gedanken besessen zu sein, empfand ich dann doch als recht krass. Im Generellen kam es mir auch so vor, als habe die Queer-Community in Felix Umfeld ein massives Problem mit Hass und fehlendem Verständnis, dass mich - selbst ein Queer - stellenweise wirklich schockiert hat. Ein weiterer Punkt, der mich nicht ganz überzeugen konnte, war die Übersetzung. Stellenweise wirkte diese altbacken und holprig, manche wurden fehlerhaft Übersetzt. So wurde sehr schnell beispielsweise Eifersucht zu Neid. Gendern war auch so etwas, dass meinen Lesefluss stellenweise unterbrochen hat. Ich persönlich habe keinerlei Probleme damit, zu gendern, und aufgrund der Thematik des Buches und der Hintergrundgeschichte von they Autor, schreit die deutsche Übersetzung geradezu danach, das gegendert wird. Aber der Einsatz des Doppelpunktes in gesprochener Sprache hat sich für mich nicht immer natürlich angefühlt, da man beim Sprechen ja viel mehr mit Hilfe der Ausformulierung (z.B.: Lehrerinnen und Lehrer) gendert. So hatte diese Stellen in Monologen und Dialogen oft den steifen Charakter eines wissenschaftlichen oder erklärenden Textes. Allerdings weiß ich auch, dass diese Ausformulierung sich nur auf die binären Geschlechterformen bezieht, was wiederum der Thematik des Buches nicht gerecht werden würde. Unglücklicherweise ein Dilemma, das dem Fehlen einer geschlechtsneutralen Form in der deutschen Sprache geschuldet ist. Was mir dafür wiederum sehr gut gefallen hat, ist, wie im Text und auch mit Hilfe eines Glossars die Leserschaft sehr viel Hintergrundwissen zum Thema LGBTIAQ+ bekommt.

Letztendlich hat das Buch einen sehr großen Mehrwert, allerdings hielt sich bei mir der Lesegenuss leider in Grenzen.

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Berlin Friedrichstraße, leider mit etwas wenig Friedrichstraße

Berlin Friedrichstraße: Novembersturm von Ulrike Schweikert

Deutschland befindet sich nach dem Ersten Weltkrieg noch in Startschwierigkeiten. Auch für Robert, Louise und Johannes war der Krieg ein einschneidendes Erlebnis. Die Freunschaftsgruppe aus Kindertagen existiert nicht mehr: Johannes ist irgendwo in Frankreich verschollen und Robert macht Louise einen Heiratsantrag, auch wenn ihre Gefühle für ihn mehr freundschaftlicher Natur sind und ihr Herz immer noch für Johannes schlägt.

Am Tag der Hochzeit, dem Tag, an dem ich Robert und Louise für immer aneinander binden, taucht plötzlich der totgeglaubte Johannes wieder auf und stürzt alle in ein Chaos der Schuldgefühle. Und dann ist da noch Ella, das Mädchen, das zu Kinderzeiten eine treue Begleiterin der drei Freunde war.

Der Einstieg in die Geschichte - etwa die ersten 50 Seiten lang - viel mir erstaunlicherweise etwas schwer. Ich musste mich erst an den Schreibstil gewöhnen, der anfangs auf mich abgehackt und holprig wirkte. Ich fand nicht wirklich in die Geschichte hinein. Mit Voranschreiten des Buches wurde dies aber besser. Das Buch lässt sich flott lesen, treibt die Geschichte voran, allerdings ist der Schreibstil in meinen Augen trotzdem nicht herausragend. Der Spannungsbogen der Geschichte ist an und für sich sehr gut ausgearbeitet, hochtrabend durch die Ereignisse der Weimarer Republik, politische Spannungen und wirtschaftliche Probleme. Teilweise gab es dann auch wieder einzelne kurze Stellen, die mir etwas langatmig vorkamen, meist nicht, weil die Handlung unglaublich langweilig war, sondern viel mehr, weil sich diese teilweise im Kreis drehte. Immer wieder ähnliche Szenen und gleiche bzw. ähnliche Satzphrasen. Die Protagonist:innen sind dafür wieder sehr gut ausgearbeitet. Man hat Diversität, die es einerseits leichter macht, sich selbst in irgendeiner der handelnden Personen wiederzufinden, und andererseits die damalige Berliner Gesellschaft sehr gut widerspiegelt. Diverse Gesellschaft ist hier auch schon ein sehr gutes Stichwort dazu, was mich am Buch wirklich beeindrucken und begeistern konnte. Man bekommt beim Lesen ständig interessante Fakten zu Gesellschaft, Prominenz, Politik und wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen eingestreut, sodass sich ein komplexes Bild der Hauptstadt der Weimarer Republik ergibt. Hier muss man definitiv die herausragende Recherchearbeit der Autorin hervorheben und loben. Was mich nach dem Beenden des Buches aber aufgefallen ist, dass der Bahnhof Friedrichstraße nur eine untergeordnete Rolle spielt. Leider ist er nur immer wieder Handlungsstandort, aber Roberts Arbeit, der ja als Architekt am Umbau des Bahnhofs beteiligt ist, geht komplett unter. Meiner Meinung nach wirklich schade, da ich mir mehr zur Geschichte des Bahnhofs und dem damit verbundenen ÖPNV erhofft hatte.

Kurz gesagt bietet das Buch einen soliden und guten Einblick in das Berlin der 20er Jahre, auch wenn es stellenweise ein wenig holprig war.

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Eine Stimme der russischen Opposition

DAFUQ von Kira Jarmysch

Nach einer Demonstration gegen die Korruption in den russischen Behörden findet sich die achtundzwanzigjährige Moskauerin Anja auf einer Polizeiwache wieder. Zu ihrer Überraschung wird sie am Folgetag zu 10 Tagen Haft verurteilt, scheinbar eine Willkommene Auszeit, um sich Gedanklich mit ihrem bisherigen Leben auseinander zu setzen, dass nicht unbedingt in geplanten Bahnen verlaufen ist.

Doch in der Haftanstalt scheint sie nicht unbedingt zur Ruhe kommen zu können, ihre fünf Mitbewohnerinnen, die nicht unterschiedlicher hätten sein können, lassen sie mehr und mehr die gesellschaftliche Lage Russlands reflektieren.

Zugegeben, ich hatte großer Erwartungen an das Buch. Ich erhoffte und erwartete mir eine Kritik an der gesellschaftlichen und politischen Stagnation in Russland seitens einer Oppositionsführerin, als die man die Autorin schon fast bezeichnen könnte, in der Art, wie es "Der ehemalige Sohn" von Sasha Filipenko für Belarus ist. Allerdings muss ich sagen, dass ich in weiten Teilen enttäuscht wurde. Ohne Frage, der Schreibstil konnte mich recht rasch überzeugen. Geradlinig und intensiv werden die Leser:innen an die Geschichte herangeführt. Sprachlich ist das Buch wirklich prickelnd und gekonnt ausgearbeitet. Allerdings stellte mich die Handlung kaum zufrieden. Anfangs entwickelte sie sich noch in die Richtung, in die ich mir die Geschichte erhofft hatte, allerdings flachte dies immer mehr ab, und es ging viel mehr um Anjas Erfahrungen des Lebens als Inhaftierte, ständig unterbrochen von langen Rückblenden. Diese Rückblenden aus der Jugend, Studienzeit und dem ersten Berufserfahrungen Anjas waren zwar aus gesellschaftskritischer Sicht recht interessant, trugen aber keinen wesentlichen Beitrag zur Handlung bei, und entwickelten sich recht rasch zu einem Ballast, der den Lesefluss beeinträchtigte. Die Charakterzeichnungen der Autorin empfinde ich wiederum als sehr gut gelungen. Anja ist facettenreich und ausführlich gestaltet, bietet den Leser:innen und ihren Mitgefangenen, aber auch sich selbst, immer wieder neue Seiten ihrer selbst. Und trotzdem bleibt sie ein wenig unnahbar und ungreifbar, entwickelte sich für mich also nicht unbedingt zu einer Sympathieträgerin. Hinsichtlich der Handlung hat ein Aspekt bei mit Fragen aufgeworfen, die nicht zufriedenstellend beantwortet werden konnte. Ich spreche von den übernatürlichen Momenten, die immer wieder in der Geschichte auftraten. Diese waren für die Handlung weitestgehend überflüssig, außer, um noch deutlicher Anjas geistige Entwicklung während der Haft zu verdeutlichen, was meiner Meinung nach überflüssig ist. Auch konnte mich die Auflösung bzw. Erklärung dieser übernatürlichen Aspekte in der Geschichte nicht zu hundert Prozent überzeugen, auch wenn diese Stellen in der Geschichte immer recht spannend waren und vor allem atmosphärisch waren, und den Spannungsbogen in diesem Moment sehr stark gepusht haben.

Am Ende des Tages konnte mich die Geschichte aber nur teilweise überzeugen, wobei man sagen muss, das die für mich positiven Dinge der Geschichte außerordentlich Gut gelungen sind.

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Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt

Das Glashotel von Emily St. John Mandel

Vincent ist 13 Jahre alt, als ihre Mutter von einem Ausflug in der Natur nicht mehr zurückkommt. Eine große Veränderung für das Mädchen, dass British Columbia verlassen muss, und fortan bei ihrer Tante in Toronto aufwächst. Als Jahre später auch noch ihr Vater stirbt, kehrt sie schließlich auf Vancouver Island zurück und nimmt einen Job im Luxushotel im Dorf ihrer Kindheit an.

Eines Tages trifft sie dort auf Jonathan Alkaitis, einen Mann, doppelt so alt wie sie, aus dem New Yorker Finanzwesen. So nimmt ihr Leben wieder eine Wendung, als sie ihm an die Ostküste folgt, seine Frau wird, und fortan ein Leben in Luxus führt. Doch dann schlägt die Finanzkrise zu und Vincent sieht sich dazu gezwungen, erneut ihr leben fundamental umzukrempeln.

Sprachlich konnte mich das Buch von der ersten Seite an begeistern. Tiefgehend, atmosphärisch und nebulös. Abgesehen davon, dass diese Kombination sich wunderbar lesen lässt, entsteht auch eine gewisse Distanz zwischen den Leser:innen und den Protagonisten. man nimmt alles scheinbar aus einer unbestimmten Distanz oder durch einen Nebelschleier wahr. Fast schon, als wäre man ein Geist oder hätte Raum und Rahmen des Realistischen verlassen. Zu diesem Gefühl tragen sicherlich auch die ständigen Perspektiv- und Zeitwechsel bei. So entsteht vor allem bei den kapiteln, die auf Vancouver Island spielen, eine wunderbar melancholische Atmosphäre, die mich tief berührt hat. Die nebelverschleierten Tage an der Küste und die abgeschiedene Ruhe der Natur werden schon fast real. Überzeugen konnte mich die Autorin auch mit den Charakterzeichnungen der Protagonist:innen. Auch sie wirken gleichzeitig unnahbar und wie ein Teil des eigenen Lebens zugleich. Vor allem sind sie aber facettenreich, einzigartig, und man merkt, dass sie nicht als Sympathieträger gestaltet worden sind. Sie wirken viel mehr wie gute Freunde, mit Ecken und Kanten, guten und schlechten Seiten, die einem von den letzten Jahren ihres Lebens erzählen. Die Handlung empfand ich als unglaublich spannend, Vincents weg zu sich selbst und die Wendungen die ihr Leben immer wieder nimmt, vor allem aber die verschiedenen Figurenkonstellationen haben mich fasziniert. Allerdings muss ich sagen, dass mich die Handlung rund um das Schneeballsystem nicht ganz so gefesselt hat, auch wenn es wirklich interessant ist, über diese Form des Betrugs zu lesen. Hier muss ich auch sagen, dass die Thematik des finanzbetrugs keine omnipräsente Rolle eingenommen hat und so auf die Geschichte und den Lesefluss gedrückt hätte. Trotzdem aber konnte mich der Dritte Teil des Buches nicht so begeistern, wie die anderen beiden. Ein kleiner Punkt, den ich noch anmerken möchte, ist, dass ich es viel besser finden würde, wenn das Inhaltsverzeichnis sich am Anfang des Buches befinden würde, und nicht erst am Ende, da ich die Kapitelnamen als besonders spannend empfinde und die die Similarität einiger Kapitel während des Lesens gar nicht auffällt, sich dann aber beim Blich auf das Inhaltsverzeichnis gibt. Hierbei muss ich aber sagen, dass ich darin keinen großen Kritikpunkt sehen, sondern viel mehr eine Sache, die mir ohne werten zu wollen, ins Auge gesprungen ist.

Alles in Allem konnte mich die Geschichte aber wirklich begeistern, und alleine aufgrund der atmosphärischen Sprache der Geschichte ist diese eine große Empfehlung.

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Anspruchsvolle Literatur aus Österreich

Wo das Licht herkommt von Clementine Skorpil

Philippine wächst in einem beschaulichen Dorf westlich von Wien auf. Ein glückliches Leben mit ihren Eltern und ihren vier Brüdern. Doch dann soll sie den Seppl heiraten, einen brutalen Mann gerne quält. Doch darauf hat Philippine keine Lust, und so reißt sie von zuhause aus und wird sehr schnell zu einem Philipp.

So führt sie ihr Weg nach Wien, wo sie ein Gymnasium besucht, nach Rom, zum Studium der Medizin, und nach Coimbra in Portugal, wo sie Kartografie studiert. Doch dann lernt sie dort einen jungen Mann kennen und ihr gut gehütetes Geheimnis droht entdeckt zu werden.

Der Klappentext und der Verlag, in dem das Buch erschienen ist, versprechen einiges. Allerdings wurde nicht alles davon eingehalten. Sprachlich wurden meine Erwartungen vollends erfüllt. Mysteriös, nebulös und umschreibend, gleichzeitig knapp und reduziert begleitet man Philipp auf zwei Zeitebenen, einer zu seinen Gymnasialzeiten, und bei seinem Studium in Coimbra auf der anderen. Hierbei muss man beim Lesen dann aber besonders aufpassen, sich nicht zu verlieren, da die Übergänge zwar durch Kapitel abgetrennt sind, aber die Zeitebene nicht genau markiert ist, und so die Übergänge immer ein wenig verschwimmen. Die Handlung hat es mir allerdings nicht so angetan. Ihre Probleme, die Geheimniskrämerei rund um ihr wahres Geschlecht und generell ihre hochtrabenden Träume und Wünsche boten zwar sehr viel Potential, von dem allerdings sehr viel ungenützt blieb. So plätscherte die Geschichte ohne große Aufregungen, aber dennoch recht unruhig dahin, und es kam kaum Spannung auf. Insofern gestaltete sich der Lesefluss für mich recht zäh und man musste auch extrem Konzentriert bleiben, um den Faden der Geschichte nicht zu verlieren. Mehr oder weniger Begeistern konnten mich die Charaktere. Wir haben einen Hauptcharakter, der so unnahbar ist, dass beim Lesen die Grenzen zwischen männlich und weiblich verschwimmen, gewollt oder nicht, das kann ich nicht beurteilen. Einerseits empfinde ich das Funktionieren des Hauptcharakters ohne eindeutig männliches oder weibliches Gesicht als besonders spannend und politisch, auf der anderen Seite störte mich die Fremde und Unnahbarkeit, die Philipp ausstrahlt. Er wurde schwer greifbar und deswegen kaum ein sympathieträger. Aber auch die anderen Protagonist:innen bleiben zu großen Teilen im Schatten verborgen. Teilweise hatte ich dann beim Lesen sogar das Problem, dass ich einige davon verwechselt habe. Auch das Ende konnte mich überhaupt nicht zufrieden stellen. Zwar läuft es auf ein offenes Ende hinaus, aber das ganze versandet so sehr, dass bei mir keineswegs das Gefühl eines einigermaßen gelungenen Endes aufkam.

Nach Abschluss der Lektüre stellte sich bei mir also kein zufriedenes Gefühl ein, auch wenn ich den Schreibstil und auch andere Aspekte der Geschichte, wie beispielsweise das historische Setting, sehr geschätzt habe.

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