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Rezensionen von MeinSohnPrinzAndreas:

Eine grandiose Geschichte

Der Panzer des Hummers von Caroline Albertine Minor

Der Tod der Mutter hat dazu geführt, dass sich die Kinder der Familie Gabel auseinanderleben. Ea, die älteste Schwester, hat ihr Weg fort aus Dänemark nach San Francisco geführt, von wo aus sie versucht über ein Medium Kontakt zu ihrer Mutter aufzunehmen, was allerdings nicht so klappt, wie sie es sich erhofft hat.

Sidsel, die jüngere Schwester, versucht ihr Leben als alleinerziehende Mutter und ihren Job als Kuratorin an einem Kopenhagener Museum unter einen Hut zu bringen, während Niels sich aus der Konventionalität ausgeklinkt hat, und versucht, sich als Plakatierter durchzuschlagen. Die Vergangenheit, die sie hinter sich gelassen zu haben schienen, holt sie dabei mehr und mehr ein.

Anfangs war ich ein wenig skeptisch, wie mir der Stil und Aufbau des Buches gefallen wird. Die Kapitel wechseln sich immer aus der Sicht von Sidsel, Ea, Niels und Beatrice, einer weiteren wichtigen Person des Romans ab, immer wieder unterbrochen von Berichten der Mutter aus dem Jenseits. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich sehr schnell an den Aufbau gewohnt habe, und die übernatürlichen Elemente, wenn es um die Mutter geht, einen gewissen Charme haben. Auch sprachlich macht das Buch einiges her. Zwar ist der Schreibstil nicht gerade einfach und sehr gewöhnungsbedürftig, aber wunderschön: bunt und lebhaft,, voller Metaphern und Allegorien. Sprachlich ist das Buch wirklich ein Hochgenuss. Was mich bei weitem aber am meisten begeistern konnte, sind die Protagonisten und Protagonistinnen. Wir haben mit Niels, Ea, Sidsel und Beactrice, 4 komplett unterschiedliche Charaktere, doch in jeder davon konnte ich einen Teil von mir selbst wiedererkennen. So wird man beim Lesen automatisch zum nachdenken angeregt, reflektiert sich selbst und seine eigene Familiensituation. Außerdem sind die Protagonisten unglaublich facettenreich und authentisch. Ich habe selten so gut ausgearbeitete Figuren in Büchern gesehen, bei denen ich sage, dass ich denen ihr Leben zu 100% abkaufe. Bei der Gestaltung der Charaktere in ihren Buch hat Caroline Albertine Minor mich wirklich vom Hocker gerissen. Nichtsdestotrotz muss man anerkennen, dass es sich bei dieser Geschichte um ein Buch handelt, dass nicht für jeden geeignet ist, allerdings hat sie genau meinen Nerv getroffen und wenn man sich wirklich auf das Buch einlässt und mit ihm Zeit verbringt, erkennt man, welchen unglaublichen Mehrwert es bietet.

Im Nachhinein betrachtet ist das Buch für mich ein wirkliches Highlight, auch wenn ich es nicht uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Doch wer sich auf einen anspruchsvollen Schreibstil und eine wunderbar komplexe und vielseitige Geschichte einlassen will, macht bei diesem Buch definitiv keinen Fehler.

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Umwerfender Schreibstil, doch ein wenig verschenktes Potential

Der Brand von Daniela Krien

Die Hochzeit zwischen Rahel und Peter ist schon beinahe 30 Jahre her. Mit gemeinsamen Hobbies, einer gemeinsamen Wohnung und zwei Kindern mag es so scheinen, als wären die beiden mitten im Leben angekommen, doch es gibt eine Sache, die Rahel massiv stört und die sie gerne aus der Welt schaffen würde.

Denn langsam ist das Liebesleben der beiden eingeschlafen und die Beziehung wirkt viel mehr wie ein Zusammenleben alter Freunde. Nun will Rahel im anstehendem Sommerurlaub dem auf den Grund gehen, und herausfinden, was mit ihr oder Peter nicht stimmt, oder ob die Asexualität und Trockenheit in der Beziehung mit 50 Jahren einfach normal ist.

Das Buch konnte ich sicherlich mit seinem Schreibstil überzeugen, der in der deutschsprachigen Literatur nach seinesgleichen sucht. Man kann sich in den Worten von Daniela Krien stundenlang verlieren, ohne dass es dafür einer reißerischen Geschichte oder einer dramatischen Liebe bedürfte. Selbst wenn die Autorin keine Romane sondern Beschreibungen von Toastern schreiben würde, wäre es immer noch ein Hochgenuss, diese zu lesen. Das umschreibende und die Schwammigkeit des Buches konnten mich auf sprachlicher Ebene voll und ganz begeistern, dennoch muss ich sagen, dass mir in der Geschichte etwas fehlte. Mir war nicht sofort klar was, aber mit zunehmendem Voranschreiten der Geschichte habe ich herausgefunden, dass mir die Spannung fehlt. Denn diese sucht man hier vergeblich. Der Spannungsbogen baut sich langsam auf, entlädt sich allerdings nicht, sondern baut sich mit eben derselben Monotonie und Langsamkeit, mit der er sich aufgebaut hat, auch wieder ab. Das mag sich jetzt vielleicht sterbenslangweilig und wie der Todesstoß für das Buch anhören, doch ich bin damit vollkommen im Reinen. Denn neben dem umwerfenden Schreibstil kann die Autorin auch mit philosophischen Denkanstößen aufwarten. Man überrascht sich selbst während des Lesens immer wieder dabei, wie man sich selbst mit Peter und Rahel vergleicht, vor allem aber, wie weit die politischen und gesellschaftlichen Ansichten voneinander abweichen. Hier muss ich sagen, dass ich in vielen Punkten den beiden - vor allem aber Rahel - zustimmen kann, wohingegen man in anderen Situationen deutlich merkt, dass die beiden auf die 50 zugehen. Bei diesen Stellen habe ich dann als siebzehnjähriger auch gemerkt, dass die beiden, vor allem aber Peter in den letzten 5 bis 10 Jahren einige wenige Entwicklungen verpasst haben und auf der Strecke geblieben sind. Im Generellen bin ich auch ein wenig erstaunt, wie weit ich mich mit der Thematik rund um eine gelähmte Liebe zwischen zwei fünfzigjährigen auseinandersetzen kann, und mich doch mit einigem identifizieren kann, auch wenn ich deutlich jünger, queer und single bin.

letztendlich ist der Schreibstil alleine es wert, sich mit der Autorin und der Geschichte auseinanderzusetzen, auch wenn die Handlung etwas ruhiger und nachdenklicher ist.

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Ein historischer Roman mit viel Hintergrundwissen

Der Brand von Daniela Krien

Mitteldeutschland im 16. Jahrhundert: Intrigen und Machtspiele bestimmen das Bild des hessischen Hofes und so scheint es kein Wunder, dass Sidonia von Sachsen sich plötzlich in einer arrangierten Ehe mit dem mehr als 10 Jahre jüngeren Erich von Braunschweig wiederfindet. Anfänglich ist Sidonia sogar noch Feuer und Flamme für ihren Ehemann, doch schon bald entpuppt sich dieser als unberechenbarer und grausamer Widerling, der ihr das Leben zur Hölle zu machen droht.

Spionage, Giftmorde und Folter werden zur Alltäglichkeit im Versuch, Land und Ehre zu verteidigen. Doch auch irgendwann sind Sidonias Kräfte aufgezehrt.

Im Hinblick darauf, dass es sich bei den Protagonisten um echte historische Persönlichkeiten handelt, kann ich nur den Hut vor der Autorin ziehen. Eine Fülle an historischen Fakten - genau recherchiert - sind perfekt mit einer spannenden Geschichte mit authentischen Protagonisten Verwoben. Die Spannung steigert sich im Laufe des Buches immer mehr, wo am Beginn der Geschichte noch das höfische Schmieden von Ehen im Vordergrund steht zeigt sich schon hier das Potential der Geschichte. Gepaart mit dem ungewöhnlichem Schreibstil - anfangs wirken die Dialoge wie die treibende Kraft de Handlung - fliegt man beim Lesen nur so durch die Seiten. Die Autorin verkauft hier einem den Alltag am Hof und die Einsamkeit einer abgeschiedenen Festung in all seinen Facetten. Und auch Eifersucht, Neid und Hass werden authentisch dargestellt. Einzig und allein an den Protagonisten habe ich mich ein wenig gestoßen. Zwar wirken sie auf mich authentisch, allerdings wurde ich vor allem mit Sidonia nicht ganz warm. Sie blieb mir ein wenig fremd und ich konnte ihre Gedanken und Handlungen nicht immer ganz nachvollziehen. Hier sehe ich noch ein wenig Ausbaubedarf. Nichtsdestotrotz hat das dem Lesefluss keinen Abbruch getan.

Letztendlich kann ich das Buch wirklich weiterempfehlen, vor allem, da es auf historischen Fakten basiert. Man bekommt einen guten Eindruck vom höfischen Leben der damaligen Zeit und erfährt viel über die politischen Hintergründe der damaligen Zeit.

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Interessante Kulisse

Die Gabe der Sattlerin von Ralf H. Dorweiler

Württemberg im späten 18. Jahrhundert: Charlotte, eine junge Sattlerstochter soll einen Mann heiraten, den sie aber nicht liebt. Sie verlässt den elterlichen Hof und zieht durchs Land, bis sie in die Hände einer gefährlichen Räuberbande fällt und von dieser gezwungen wird, das fürstliche Gestüt Marbach auszukundschaften.

Um auf dem Gestüt arbeiten zu können muss sie allerdings ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und innerhalb weniger Tage einen prunkvollen Sattel für den Herzog herstellen. Doch Charlotte darf auch nicht die Liebe unterschätzen.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Und auch an Spannung mangelte es das ganze Buch über nicht. Die Charaktere waren interessant und sympathisch, aber nicht besonders facettenreich. Immer wieder kamen leider im Buch Stellen Buch vor, die mir unlogisch und an den Haaren herbeigezogen vorkamen. Interessant war allerdings die Recherchearbeit über Friedrich Schiller, und mir gefiel besonders, dass am Anfang jedes Kapitels ein Zitat aus einem der Werke Schillers, meist aus Die Räuber angeführt wurde.

Letztendlich ist das Buch gut geschrieben, in meinen Augen jedoch nichts besonderes, trotzdem nicht weniger lesenswert. Die Gabe der Sattlerin war mein erstes Buch des Autors und ich bin mir sicher, dass ich noch andere von ihm lesen werde.

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Auf zu neuen Ufern

Die Saga von Vinland von Lorentz Iny

Norwegen im Mittelalter: Nach Erbstreitigkeiten um die Krone des Königreichs Norwegen wird Jarl Eyvind zum Verräter erklärt und befindet sich fortan auf der Flucht. Er hat dutzende seiner Krieger, aber auch Siedler, um sich geschart, um mit diesen das sagenumwobene Vinland zu erobern. Zuvor aber überfällt er den Hof von Ulfar, dessen Tochter Sigrid ihm einst versprochen war und raubt diese, da Eyvind seiner Ansicht nach ein Recht auf sie hat.

Bei dem Überfall geraten auch die beiden sächsischen Krieger Andreas und Ailmar in die Hände Eyvinds und werden kurzerhand von diesem versklavt. Und so beginnt die gefahrenvolle Reise der Schicksalsgefährten Sigrid, Ailmar und Andreas gen Westen, vorbei an Island bis in die Neue Welt, auf der sie Freunde und Feinde kennenlernen.
Der Schreibstil ist, wie auch von Iny Lorentz zu erwarten, sehr angenehm und flüssig zu lesen. Auch an Spannung mangelte es das ganze Buch über nicht. Die Protagonisten sind sehr schön gezeichnet machen sie größtenteils sehr sympathisch – nur Andreas fand ich ein klein wenig naiv. Besonders die immer wieder kehrenden Gefühlsregungen und Emotionen, wie beispielsweise Sigrids Hass auf Eyvind oder der Gedanke an Flucht, machten die Charaktere authentisch. Gut geafallen hat mir die düstere Atmosphäre, die über der Geschichte liegt, aber auch die farbenfrohen Beschreibungen Islands, Färöers und Grönlands waren einfach wunderbar. Dem Klappentext nach erwartete ich, dass wir mit Sigrid eine starke Hauptprotagonistin haben würde, die unangefochten im Mittelpunkt des Geschehens stehen würde, allerdings drehte sich viel um Ailmar und Andreas. Am meisten gefallen hat mir, wie gut der Roman recherchiert ist. Man erfährt sehr viel über das damalige Leben auf Island und Grönland, aber auch, wie im 12. Jahrhundert gesiedelt wurde. Besonders spannend waren auch die Beschreibungen der indianischen Kultur und Lebensweise, und in welch starkem Kontrast sie zum Leben der damaligen Europäer stand.
Im Großen und Ganzen ist das Buch sehr spannend und bietet interessante Einblicke in das Leben Nordeuropas im 12. Jahrhundert, aber auch in die Denkweise der dort ansässigen Männer, und so ist das Buch eine Empfehlung an alle, die einen historischen Roman lesen wollen, in dem es um den blutigen Kampf um Ehre, Ruhm und Freiheit geht.

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