Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Caroline :
Auf der Suche nach der Vergangenheit
Goldene Zeiten im Gepäck von Adriana Popescu
1956 wurden die Olympischen Sommerspiele in Sydney das erste Mal live in die ganze Welt übertragen.
1956 gab es eine gemeinsame Mannschaft aus Ost- und Westdeutschland.
1956 nahm Elisabeth Kaiser an den Schwimmwettkämpfen teil und überwand die ungeschriebene Grenze zwischen Kommunismus und Kapitalismus, in dem sie sich in einen rumänischen Schwimmer namens Florin verliebte und diesen lauthals unterstützte.
2017 gibt es ein geeintes Deutschland
2017 finden keine Olympischen Sommerspiele statt
2017 begibt sich Elisabeth gemeinsam mit ihrer Betreuerin Karlaaus dem Seniorenheim auf eine lange Reise nach Rumänien, um Florin wiederzusehen.
2017 wird Karla von einer gewitzten Seniorin erpresst, um sie mit ihrem alten Renault ans Ziel ihrer Träume zu bringen.
Wie hat es mir gefallen?
Adriana Popescu gehört mit zu meinen liebsten Autorinnen. Die Art ihre Figuren zum Leben zu erwecken, finde ich großartig.
Nun kommt mit „Goldene Zeiten im Gepäck“ ein sehr persönliches Buch auf den Markt. Eine Geschichte, die sie schon etliche Jahre begleitet und reifen musste, um richtig zur Geltung zu kommen. Ihre Familie stammt aus Rumänien, lebt zum Teil noch dort und sie hat persönliche Erinnerungen in die Handlung einfließen lassen, um ihr noch mehr Lebensgefühl einzuhauchen.
Wir begleiten Elli und Karla auf ihrem Roadtrip. Die zwei trennen nicht nur etliche Jahre, sondern auch ihre Einstellung zum Leben.
Karla arbeitet als Pflegehelferin in einer Seniorenresidenz und steckt dort ziemlich fest. Seit knapp zwei Jahren hängt sie vergangenen Träumen hinterher und trifft für ihre Zukunft keine Entscheidungen. Sie scheint erstarrt zu sein, ohne Ausblick auf Veränderung.
Elisabeth bewohnt noch nicht sehr lange die Seniorenresidenz. Nach dem überraschenden Tod ihres Ehemannes fand sie sich kurzzeitig nicht zurecht, deshalb steht ihr eine weitere Übersiedlung in eine „strengeres“ Heim bevor. Das will sie so nicht hinnehmen und ersinnt einen geschickten Plan, indem sie kurzerhand Karla erpresst.
In Rückblicken erzählt Elisabeth von ihren Erfahrungen während der Olympischen Spiele in Sydney. Über die aufgeheizte Stimmung zwischen Ost und West, welche Freundschaften sie geschlossen hat und an welchen Schwimmrennen sie teilgenommen hat. Warum sie Florin lieben lernte und auch warum sie ihn nun 60 Jahre später sucht.
Jeder Kilometer der Fahrt hat seinen Reiz, bringt Elli und Karla einander näher. Geheimnisse werden erzählt, Situationen eingeschätzt und beurteilt. Manche traurige Wahrheit ausgesprochen.
Bis zur allerletzten Seite bleibt es interessant, die großen Fragen werden beantwortet. Oftmals musste ich lachen oder auch mal traurig aufseufzen. Es ist eine Geschichte, die von Freundschaft, Liebe, Leidenschaft, Loyalität und Trauer erzählt. Wie das Leben einfach ist!
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Wer ist Sunny?
Das Leuchten des Mondes von Netzer Lydia
Mitten in einer amerikanischen Kleinstadtidylle leben Sunny, ihre Ehemann Maxon und ihr autistischer kleiner Sohn Bubber. Haus mit gepflegtem Garten, diverese Vorschulaktivitäten, Elternabende, Hauseinweihungsparties und Grillabende entsprechen den allgemeinen Vorstellungen. Nichts und niemand soll an den Grundfesten der Vorstadt rütteln.
So sieht es auch Sunny. Sie fügt sich in diese Gesellschaft nahtlos ein, obwohl sie eine sehr ungewöhnliche Kinderheit verbracht hat. Sie schafft es immer, sich den Gegebenheiten anzupassen, wie ein Chamälion und vergisst darüber, wer sie eigentlich ist.
Sunny, die Ehefrau eines genialen Mannes. Maxon mit Preisen ausgezeichnet, befindet sich auf einer sensationellen Mission im All, um auf dem Mond die Kolonialisierung zu beginnen. Als Paar von den Medien umschwärmt, noch dazu da Sunny hochschwanger ist, als Maxon sich auf den Weg macht.
Sunny, die Mutter eines autistischen Sohnes, der ebenfalls geniale Züge zu erkennen gibt. Immer bereit die besten Therapien zu finden, die Behandlung zu optimieren.
Sonny, die Mutter eines noch ungeborenen Kindes, um die Familie komplett zu machen.
Sunny, die Tochter einer schwerkranken Mutter, die noch so viel zu erzählen hätte.
Da ist dann noch Sunny, die Frau – aber wer ist diese nun?
Wie hat es mir gefallen?
Ich weiß nicht mehr ganz genau, bei wem oder auf welchem Blog ich dieses Buch entdeckt habe, aber der Klappentext lies mich sofort aufhorchen. Ich danke dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.
Sunny steht im Mittelpunkt der Geschichte. In Rückblicken erfährt der Leser mehr über ihre Eltern, ihre ungewöhnliche Kindheit, ihre Jugend und ihre Studienzeit. Die Autorin hat mit ihr eine einzigartige Figur erschaffen. Ihre innere Stärke und ihre Kraft sich allen Widrigkeiten zu stellen, sich den Problemen entgegenzusetzen, machen sie zu einer ungewöhnlichen Frau. Trotzdem bleibt sie im Dunkeln und schwer zu fassen. Vor allem gefühlsmäßig hatte ich meine Probleme mit ihr. Dennoch mochte ich sie, auch wenn sie ein wenig zu distanziert wirkte. Aber ich denke, das liegt an dem Mix aus Erfahrungen, ihren Eltern und ihrem genialen Ehemann.
Sunny entspricht immer den Anforderungen, aber niemals aus vollstem Herzen. Erst ein harmloser Autounfall bringt alle ihre Mauern zu Bruch. Ab diesem Moment fand ich sie persönlich richtig toll.
Maxons Rolle bleibt eher klein, aber wir begleiten ihn ins All und erfahren, wie sehr er Sunny liebt. Die zwei scheinen für einander bestimmt zu sein. Für Maxon stand immer schon fest, dass er Sunny für immer lieben wird. Eine Konstante, die für ihn unumstößlich ist. So wie die Erde die Sonne umkreist.
Dieses Buch beschreibt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, eine kleine Familie mit ihren einzigartigen Mitgliedern und eine Frau, die ihren Platz im Leben sucht.
Mein Fazit: Wer seltsame Figuren mag, einer Handlung Zeit gibt sich zu entwickeln und kein Problem mit Interpretationsmöglichkeiten hat, der kann diesem Buch genauso viel abgewinnen, wie ich.
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Willkommen in der Normandie
Der Duft von Apfeltarte von Julie Leuze
Familienverpflichtungen treiben Camille von Paris in ihr Heimatdorf Vert-le-Coint. Ihre Mutter Jeanne benötigt dringend Hilfe auf dem Apfelhof. Die harte Arbeit, allein seit ihr Mann gestorben ist, setzt ihr zu und nun zwingt sie ein Bandscheibenvorfall, ihr Arbeitspensum gravierend zu reduzieren.
Anfangs ist Camille von der Idee gar nicht begeistert, wochenlang in die Normandie zurückzukehren.
Seit etlichen Jahren lebt sie in der Metropole Paris, arbeitet dort in einem Reisebüro, wohnt in einem teuren und winzigen Appartement. Überraschender Weise stellt sich schnell heraus, wie sehr sie ihr zu Hause vermisst hat. Die guten Erinnerungen an ihren Vater, der ihr alles über Äpfel und das Herstellen von Cidre beigebracht haben, spielen dabei eine große Rolle.
Die ständigen Streitereien mit ihrer Mutter verderben allerdings den Aufenthalt erheblich. Dazu kommt noch die Verpflichtung einen Feriengast zu beherbergen und zu verköstigen. Auch wenn Olivier sehr sympathisch erscheint, bleibt Camille vorerst sehr distanziert. Durch seine angenehme Art entlockt er jedoch nicht nur Camille einige Wahrheiten, sondern auch ein paar Bewohnern von Vert-le-Coint.
Je länger Camille auf dem Hof bleibt, desto öfter stellt sie sich die Frage nach ihrer persönlichen Zukunft. Soll sie ihre Mutter überzeugen doch wieder Cidre zu produzieren oder in ihr gewohntes langweiliges Leben nach Paris zurück?
Wie hat es mir gefallen?
Die Normandie ist bekannt für ausgezeichnetes Essen und Cidre. Natürlich auch für wunderschöne Landschaft und die Menschen, deshalb war ich gleich vom Klappentext hingerissen. Ich kann Crepes mit Cidre kaum widerstehen und deshalb wollte ich in dieses Ambiente gerne eintauchen.
Dazu kenne ich schon ein, zwei Bücher der Autorin. Ich mag ihre Schreibstil, deshalb musste dieses Buch bei mir einziehen.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Somit kommen neben Camille auch ihre Mutter, eine ihrer Freundinnen und die Tochter der Nachbarn zu Wort. Die Teilung erschien mir zu Beginn recht seltsam, trug aber ungemein zur Unterhaltung bei. So erfährt man viel über Camilles Vergangenheit, die eng verwoben ist mit ihrer Freundin Sandrine, natürlich auch mit ihrer Mutter Jeanne und Lilou, das Nachbarsmädchen streut den Zucker über die Apfeltarte.
Neben den gut ausgearbeiteten Figuren nimmt auch der Apfelhof eine bedeutende Rolle ein. Die Liebe zur Heimat, zum zu Hause, Freunden und Familie runden diese reizende Geschichte ab.
Die Handlung fließt langsam dahin und erhält den nötigen Raum, um die Hauptfiguren kennen zu lernen und ihre Handlungsweise zu verstehen.
Zusätzlich gibt es am Ende noch ein paar Rezepte und selbstverständlich auch zur Apfeltarte.
Eine weitere deutsche Autorin, die ich empfehlen kann.
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Im Musée d'Orsay - was für ein wundervoller Schauplatz
Die Frau im Musée d'Orsay von Foenkinos David
Im weltberühmten Musée d'Orsay möchte Antoine Duris zur Ruhe kommen. Als Wachmann gliedert er sich unauffällig ein, obwohl er für diese Arbeit völlig überqualifiziert ist. Denn als anerkannter Professor für schöne Künste könnte er in jeder Bildungseinrichtung ganz leicht eine neue Anstellung finden.
Das Aus seiner Beziehung und der furchtbare Zwischenfall bringen ihn dazu, die Brücken zu seinem alten Leben komplett abzubrechen.
Nicht die wundervollen Gemälde im Museum bringen ihn zurück ins Leben, sondern erst Mathilde, die mit ihrer einfühlsamen Art, Antoine aus seinem Schneckenhaus zu locken versteht.
Wie hat es mir gefallen?
Mein Faible für Paris ist erblich durch meine Mutter bedingt und deshalb konnte ich diesem Buch nicht sehr lange widerstehen. Das Musée d'Orsay ist ein so wundervolles Museum, nicht nur die Gemälde, die dort ausgestellt sind, sondern und für mich vor allem das Gebäude fasziniert mich. Ein ehemaliger Bahnhof, der nun liebevolle restauriert wurde und nun die großen Meister von Monet, Manet und viele andere beherbergt.
Vielen Dank an das Bloggerportal/den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Dies war mein erster Roman das Autors, den ich zuvor überhaupt nicht gekannt habe. Französische Romane haben (oft) eine ganz spezielle Stimmung. So auch in diesem Buch, das sehr ruhig und langsam beginnt. Die Sprache ist wunderschön, aber nicht zu hochtrabend oder kompliziert.
Ich muss nun auch gestehen, dass ich mir auf Grund des Klappentextes eine etwas andere Geschichte erwartet habe. Normalerweise kann ich mich noch recht schnell umstellen, aber in diesem Fall wechselte die Erzählung drei mal die Richtung, besonders lang war sie auch nicht.
Das Buch beleuchtet in einfühlsamer Weise Probleme, die oft in der Gesellschaft vorkommen und erst in letzter Zeit Aufmerksamkeit erhalten. Der Autor wühlte jede Menge Gefühle in mir auf und damit konnte er mich überzeugen.
Mein Fazit: ein sehr französischer Roman, der überrascht und mich zum Nachdenken brachte. Wunderschön erzählt ohne zu elitär zu wirken.
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Humorvolle Lektüre für Zwischendurch
Most Wanted Billionaire von Annika Martin
30 Tage muss Lizzie in der Firma aushalten, dann erhält sie einen Bonus, den sie dringend braucht. 30 Tage Ideen für den Social Media Auftritt der Firma, für die sie arbeitet. Über den Oberboss wird nur in ganz ehrfürchtigem Ton gesprochen. Persönliche Gegenstände am Arbeitsplatz sind verboten, genauso wie Mikrowellenpopcorn.
Ein Verbot, das Lizzie ganz besonders stört.
Als sie schließlich den Boss Theo Drummond kennenlernt, erkennt sie warum alle Mitarbeiter bei seinem Erscheinen erzittern. Diesem Mann scheint niemals ein Lächeln unterzukommen, er hat überhaupt keine Ahnung von Facebook, Twitter, Instgram und Co und will Lizzies Vorschlägt überhaupt nicht akzeptieren.
Als ihr auch noch aufgetragen wird einen altmodischen Weckruf-Service zu finden, um Mr. Drummond pünktlich um 04.30 anzurufen, findet sie sich schnell am Ende ihrer Weisheit. Scheinbar will keine Firma mehr die Anrufe übernehmen. Um Ihren Job bis zur Frist zu behalten, übernimmt sie persönlich diese Aufgabe. Schon beim ersten Anruf tritt sie in ein Fettnäpfchen. Eigentlich erwartet sie am Morgen die Kündigung, doch ihre recht unkonventionelle Art hat Theo imponiert und beeindruckt.
Lizzie will unter allen Umständen verhindern, dass ihr Boss erkennt, wer ihn täglich weckt. Die kurzen Anrufe arten recht schnell in lange Gespräche aus, in denen beide Geheimnisse offenbaren.
Wie hat es mir gefallen?
Dieses eBook wurde im Rahmen einer Leserunde bei Lesejury verlost und ich war eine der Glücklichen, die mitmachen durften.
Schon die Leseprobe hat es mir angetan und ich war gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickeln würde.
Die weibliche Hauptfigur Lizzie wird meiner Meinung nach gut beschrieben und zieht sofort alle Sympathien auf sich. Ihre momentane Situation ist echt blöd und sie versucht alles, um einen Neunanfang zu bekommen. Der Job ist Mittel zum Zweck, um einen großzügigen Bonus abzukassieren. Sie ist realistisch, will aber ihren Traum unbedingt verwirklichen. Dafür ist sie auch bereit, große Veränderungen auf sich zu nehmen.
Theos erster Auftritt hat mich schockiert und ziemlich befremdet. Er war so unnahbar und völlig abweisend, dass ich Lizzies Reaktion auf ihn gut verstehen konnte. Ein seltsamer Nerd, der zwar gut aussieht, aber seine soziale Kompetenz liegt unter vielen Schichten verborgen.
Als Lizzie mit den Weckanrufen beginnt, verändert sich die Dynamik und es gibt unheimlich viel zu lachen. Die zwei liefern sich Wortgefechte am laufenden Band. Diese Seiten fliegen nur so dahin und machen Spaß sie zu lesen.
Zirka in der Hälfte verändert sich die Geschichte wieder und schwächelt leider. Zwar bleibt sich Lizzie treu, aber mir fehlte der Pepp und der Schwung vom Anfang.
Dennoch habe ich das Buch gerne gelesen. Tolle Lektüre für zwischendurch. Lizzie muss man/frau einfach gerne haben.
Dies ist der zweite Teil der „Most Wanted“ Reihe und man kann ihn lesen, ohne den Vorgänger zu kennen, den ich sicherlich auch noch auf meinen Reader laden werde.
Wie lange ist man schuldig?
Hannah und ihre Brüder von Ronald H. Balson
Chicago 2004: Während einer Veranstaltung bedroht Ben Solomon mit einer ungeladenen Pistole einen angesehenen jüdischen Mitbürger der Stadt. Elliot Rosenzweig Förderer der Schönen Künste, großzügiger Unterstützer diverser sozialen Programme und persönlicher Freund des Bürgermeisters.
Ben glaubt in Elliot einen ehemaligen "Freund" erkannt zu haben.
Er soll Otto Piontek sein, ein Deutscher, der einige Jahre in Bens jüdischer Familie lebte. Als Deutschland Polen eroberte, schloss Otto sich der SS an und dabei eignete er sich widerrechtlich jüdisches Eigentum an.
Nun setzt Ben alles daran, Otto vor Gericht zu zerren. Dabei sollen ihm Catherine Lockhart und Liam Taggart helfen. Sie müssen Beweise finden, dass Elliot Otto ist, um ein Gerichtsverfahren beginnen zu können.
Wie hat es mir gefallen?
Als ich gesehen habe, dass von Ronald H. Balson ein weiteres Buch auf Deutsch erscheint, wollte ich es unbedingt lesen. Sein Werk "Karolinas Töchter" war eines meiner Jahreshighlights 2018, denn es hat mich unheimlich berührt und die Geschichte bleibt mir sicherlich noch sehr lange im Gedächtnis.
Kurzer Hinweis: dieses Buch ist eigentlich das erste in der Catherine Lockhart und Liam Taggart Reihe. Es gibt eine kleine (wirklich kleine) Hintergrundstory, die hier beginnt und in "Karolinas Töchter" weiter erzählt wird.
Diese Geschichte unterscheidet sich wesentlich von "Karolinas Töchter". Wieder wird das Buch aus zwei abwechselnden Perspektiven erzählt. Die Rückblenden ins Polen des Zweiten Weltkriegs sind erschütternd, schockierend und ungemein ergreifend. In der Gegenwart liegt das Hauptaugenmerk auf einem möglichen Gerichtsverfahren und der Erbringung von Beweisen. Ben bringt seine Vergangenheit schonungslos ans Licht. Schmerzliche Erinnerungen an seine Eltern, Verwandte und Freunde und glasklare an seine Peiniger. Dennoch war sein Leben glücklich und geprägt von einer liebevollen Ehe.
Bens Erzählungen und Liams Nachforschungen stehen einer unsicheren Catherine entgegen. Oft sehen wir in Gerichts- bzw. Anwaltsromanen eine/n strahlende/n Helden/in. Catherine zweifelt stark. Zuerst am Fall, an ihrer Berufswahl, an ihrer Anstellung bei einer gut gehenden Anwaltskanzlei und vor allem an sich. Ihre Entwicklung erstaunte mich sehr und ist sicherlich noch nicht am Ende angekommen.
Die wichtigste Frage, die ich mir während der Lektüre selbst bestellt habe, war: "Wie lange darf Strafe für eine Schuld eingefordert werden?"
Diese Thematik begleitet mich seit jeher. Moral und Ethik spielen für mich dabei eine große Rolle und dennoch gehen manchmal Verstand und Herz nicht Seite an Seite, sondern ziehen in zwei völlig unterschiedliche Richtungen.
Ich gebe zu, dass mir persönlich "Karolinas Töchter" besser gefallen hat. Die Geschichte rund um diese zwei Mädchen war herzerweichend. "Hannah und ihre Brüder" setzt an einer völlig anderen Stelle an, die die Geschichte nüchterner erzählt.
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Zwei Schwestern auf Island 1949 und die zwei auf der modernen Insel
Das Versprechen der Islandschwestern von Baldvinsson
Deutschland 4 Jahre nach dem Kriegsende: Die Menschen leiden immer noch unter den Auswirkungen, sie hungern, haben kaum Arbeit und Wohnraum ist Mangelware. Zudem trauern viele noch um Angehörige.
Helga hängt ihren Träumen, rund um ihren Verlobten Karl nach, der nicht von der Front zurückkam. Nur ihre Schwester Margarete schafft es, sie aus der Reserve zu locken.
Als Margarete den Entschluss fasst, für ein Jahr nach Island zu gehen, muss sie zwar unglaubliche Überzeugungsarbeit bei Helga leisten, aber am Ende betreten beide das Schiff, um eine knappe Woche lang über das Meer zu schippern, um in diesem fernen unbekannten Land, von vorne anzufangen.
Im unbekannten Island angekommen, werden sie mit dem harten Alltag konfrontiert. Margarete gewöhnt sich recht schnell ein und versucht so schnell wie möglich die Sprache zu erlernen, um Anschluss an die Nachbarn und ihre Gastgeber zu finden. Ihre Schwester Helga kämpft sehr hart, um sich zu integrieren. Sie halten zusammen, bis ein schwerwiegender Vorfall alles auf den Kopf stellt.
Knapp 70 Jahre später stellt sich Margarete ihrer Vergangenheit, indem sie mit ihrer Enkelin und ihrer Urenkelin nach Island aufbricht, um den Geburtstag ihrer Schwester zu feiern.
Wie hat es mir gefallen?
Vielen Dank an die Netzwerk Agentur Bookmark für das Rezensionsexemplar. Die Autorin kenne ich bereits einige Zeit, denn unter Karin Lindberg durfte ich schon einige ihrer Geschichten lesen. Somit war klar, dass ich mir dieses Buch nicht entgehen lassen werde.
Island scheint zur Zeit in aller Munde zu sein. Egal ob im Sport, ich erinnere mich sehr gerne an die tollen Fans bei der Fußball-WM oder EM, als Reiseziel, steht auch auf meiner Must-See-Liste und natürlich in der Literatur. Dennoch muss ich verschämt zu geben, dass dies mein erstes Buch ist, das in Island spielt.
Zusätzlich habe ich noch nie von diesen Leiharbeiterinnen aus Deutschland gehört. Diese Ausgangslage hat mich sofort angesprochen und neugierig gemacht.
Abwechselnd werden zwei Geschichten erzählt. In der Vergangenheit beobachten wir Margarete und Helga wie sie Island erreichen, betreten und sich dort versuchen einzuleben. Im Norden der Insel wohnen meist nur Bauern ohne Komfort, wie fließendes Wasser oder Strom. Sie verbindet allerdings eine Liebe zu Land und Leuten. Ihr Leben ist hart und voller Entbehrungen. Zwar kommen Margarete und Helga aus einem zerbombten Land, aber dieses karge Leben erstaunt die zwei.
In der Gegenwart sehen wir ein völlig verändertes Island. Modern, auf dem neuesten Stand der Technik und sehr beliebt bei Touristen. Der Gegensatz zu früher könnte nicht größer sein, nur die Menschen scheinen sich kaum verändert zu haben. Margarete kennt kaum etwas wieder. Nur schwer fassen die zwei Schwestern Vertrauen zu einander. Zu tief sind die aufgerissenen Gräben. Dazwischen stehen Pia und Leonie, deren Verhältnis zur Zeit auch sehr gestört ist. Leonie ist ein typischer Teenager und raubt ihrer Mutter Pia oft den letzten Nerv.
Ich mag den Schreibstil der Autorin. Ihre Beschreibungen der Landschaft, des Meeres und der Menschen sind nicht langatmig oder langweilig, sondern finden immer die richtige Balance. Island unterscheidet sich heute so gewaltig von damals, dennoch spürt man beim Lesen, wie sehr die Menschen ihre Insel lieben. Sie glauben weiterhin an Elfen, Trolle und magische Wesen, dass es sogar ein Ministerium gibt.
Besonders erwähnen möchte ich, dass das Pärchen, welches hier eine Rolle spielt, nicht Anfang zwanzig ist, sondern beide über 35 sind. Sie sind geschieden, haben ihre Erfahrungen gemacht, welche sie geprägt haben. Ich finde solche Liebesgeschichten genauso interessant, wie New Adult Stories.
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Albtraum Amoklauf in einer Schule, aus der Sicht eines 6jährigen
Alles still auf einmal von Rhiannon Navin
Für Melissa und Jim wird der Albtraum aller Eltern wahr. In der Schule ihrer zwei Söhne dringt ein Amokläufer ein und schießt wild um sich und ihr ältester Sohn Andy stirbt im Kugelhagel. Sein jüngerer Bruder Zach überlebt, versteckt in einem Wandschrank ohne körperliche Verletzungen.
Sein Leben und das seiner Eltern verändert sich schlagartig.
Nichts ist mehr wie zuvor, der Alltag kommt völlig zum Stillstand. Zach geht auf seine ganz eigene Weise mit diesem Drama um.
Wie hat es mir gefallen?
Der Verlag hat die Werbung auf Facebook richtig positioniert, denn ich habe das sehr schöne einfache Cover gesehen, den Klappentext gelesen und bin fast sofort in die Buchhandlung gestürmt, um es das Buch zu besorgen.
Die Geschichte wird aus Zachs Sichtweise erzählt. Es kann gar nicht so einfach sein, einen 6jährigen ständig sprechen zu lassen, seine Gedanken in Worte zu fassen. Dennoch hat es die Autorin geschafft, in keine allzu kindliche Sprache zu verfallen. Klar und deutlich schreibt sie und verleiht Zach somit eine klare Stimme.
Seine Reaktion auf dieses Drama erscheint mir recht realistisch und nicht zu übertrieben. Auch seine Eltern leiden natürlich unter dem Verlust ihres Sohnes. Zach versucht seinen Eltern auf gewisse Weise eine Stütze zu sein. Oft versteht er die Handlungen seiner Mutter und seines Vaters nicht und sucht sich seine eigenen Begründungen, die so kindlich naiv wie auch oft richtig sind.
Das Feingefühl, das die Autorin hier beweist, hat mich überrascht. Sie überlässt Zach die Führung, wir lieben, leiden und fühlen mit ihm, ohne ins Kitschige abzurutschen. Der Amoklauf an sich erhält nicht sehr viel Raum, somit stehen alle Opfer im Vordergrund und erhalten die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.
Diese Geschichte habe ich bedächtig gelesen. Die kurzen Kapitel haben das unterstützt, denn hin und wieder musste ich durchatmen, denn Zachs Ehrlichkeit ist nicht immer ganz einfach wegzustecken. Das macht seine Figur aber auch so liebenswert. Dabei glaubt er an die Liebe und an die Hoffnung, dass ihr Leben als Familie wieder möglich sein wird.
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Gelungene Mischung zwischen historischem und zarten Liebesroman
Zwischen uns ein ganzes Leben von Melanie Levensohn
Béatrice liebt ihren Beruf bei der Weltbank in Washington, nur ihren direkten Vorgesetzten kann sie nicht ausstehen. Deshalb setzt sie alles daran, um die Abteilung zu wechseln. Allerdings gerät sie unglaublich unter Druck und wird zu einer Pause gezwungen. In dieser freien Zeit weiß Béatrice nicht genau, was sie machen soll.
Nur ein Zufall bringt sie zu Jacobina, einer alten schlecht gelaunten, kranken Frau.
Jacobina, eine über 80jährige Frau, die nur zögerlich über sich selbst erzählt. Eine Episode aus ihrem Leben scheint sie seit Jahrzehnten zu verfolgen. Sie hat ihrem Vater, als er im Sterben lag, ein Versprechen gegeben, das sie bis jetzt nicht eingelöst hat. Ihr Vater hatte noch eine Tochter, die in den Wirren des 2. Weltkriegs verloren ging und sie soll Judith suchen.
Anfangs hält Béatrice die Geschichte für nicht ganz glaubwürdig, doch in Jacobinas Unterlagen finden sich Hinweise auf Judith. Béatrice beginnt zu recherchieren. Ihre ersten Anlaufstation ist das Holocaust Memorial, denn dort liegen unfassbar viele Informationen, über verschwundene oder getötete Juden. Sie trifft im Museum auf Gregoire, der ihr hilfreich zur Seite steht. Gemeinsam fördern sie Unterlagen zu Tage, die Jacobina komplett neu sind. Zusammen bohren sie weiter, um eventuell das Versprechen einlösen zu können.
Wie hat es mir gefallen?
Wieder einmal war ich ein Cover- und Klappentextopfer. Dieses Pärchen unter dem Regenschirm, in inniger Umarmung auf einer Brücke in Paris, gefällt mir ausgezeichnet und passt auch sehr gut zur Geschichte.
Béatrice mochte ich zu Beginn nicht besonders. Sie war sehr unnahbar und auch ihre Partnerwahl hat mich den Kopf schütteln lassen. Erst nachdem sie Jacobina kennenlernt, wird sie menschlicher und sympathischer. Durch ihr echtes Interesse an Jacobinas Vergangenheit beginnt eine spannende Geschichte.
Gregoire, der im Holocaust Memorial aushilft, gibt ihr Tipps, wie sie nach Judith am Besten suchen soll. Er weiß viel und ist ist ungemein sympathisch. Zwischen ihm und Béatrice stimmt die Chemie.
Die Autorin schafft es, die Balance zwischen interessantem Recherche Roman und zartem Liebesroman zu halten. Die Figuren entwickeln sich stetig und sehr nachvollziehbar. Vor allem Béatrice reflektiert ihr bisheriges Leben, sieht Fehler, die sie gemacht hat und mit ihrem Engagement für Jacobina, bringt sie neue Energie in die alte Frau.
Um nicht zu spoilern, gebe ich hier nur meinen kleinen Kritikpunkt kurz bekannt. Auf den letzten Seiten gibt es für mich einen Zufall zuviel. Das tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch.
Ich habe das Buch gerne gelesen, war sehr interessiert, was mit Judith passiert ist, wie die Suche von statten geht.
Somit habe ich eine weitere tolle Autorin gefunden und behalte diese auf meinem Radar.
Zwei Cousinen, zwei Leben
Zwischen uns ein ganzes Leben von Melanie Levensohn
Frauke und Ophelia sind Cousinen und haben fast ihre ganze Kindheit miteinander verbracht. Sie teilen die guten und die schlechten Momente, diese halten sie unter Verschluss. Geheimnisse, die niemand kennt.
Frauke klug aber unbeständig, findet einfach nicht die Erfüllung in ihrem Leben. Sie springt von Job zu Job, von Beziehung zu Beziehung ohne richtiges Ziel.
Ophelia dagegen weiß seit langem, dass ihre Zukunft Geige spielen liegt. Sie übt täglich, lernt bei den besten Lehrern und will unbedingt nach Yale, um dort vom Besten unterrichtet zu werden.
Damit sollten sich die Wege von Frauke und Ophelia für einige Zeit trennen. Doch auch Frauke fliegt über den großen Teich, um dort in einer Galerie zu arbeiten. Obwohl die beiden sich des öfteren sehen, entfernen sie sich immer mehr voneinander und Frauke zweifelt an Ophelias Loyalität, ihre Geheimnisse zu bewahren.
Wie hat es mir gefallen?
Eine Rezension auf Facebook hat mich unheimlich neugierig gemacht. Die Kombination aus Freundschaft und dem Handlungsort New York überzeugte mich und somit zog das Buch bei mir ein.
Die zwei Hauptfiguren Frauke und Ophelia könnten nicht unterschiedlicher sein.
Frauke ist mir auch anfangs unheimlich auf die Nerven gegangen, mit ihrem Egoismus, ihrer Anhänglichkeit und ihrem Jammern. Sie macht aus jeder Mücke einen Elefanten und braucht immer Ophelia um ihre Wunden zu heilen. Sie kümmert sich nicht um Ophelias Leben oder Gefühle. Zwar mischt sie sich gerne ein, aber über die Konsequenz denkt sich kaum nach.
Ophelia verfolgt ihre Pläne, für Ablenkungen hat sie keine Zeit. Nur Frauke mit ihren Geschichten kommt ihrem geordneten Leben in die Quere.
Die Dynamik zwischen den beiden ist sehr ungewöhnlich. Erst langsam erkennt der Leser wie sie sich so entwickeln konnte und auch warum. Sowohl Frauke als auch Ophelia hoffen in den USA ihre Träume zu verwirklichen, beiden stellen sich aber unerwartete Probleme in den Weg. Zusätzlich erschüttern die Attentate des 11. September die Welt.
Ich wusste nicht, was mich bei dem Buch erwarten würde. Aber es hat mir eindeutig gefallen. Die unterschiedlichen Cousinen, ihre Leben, die sich unterschiedlich entwickeln aber Parallelen enthalten. Das chaotische Umfeld in dem Frauke wohnt und Ophelias Lehrer in Yale, mit den Studenten und ihrer Unfähigkeit soziale Kontakte zu knüpfen.
Es muss niemand befürchten, dass der 11. September 2001 eine zu große Rolle spielt. Er steht mehr als Symbol, denn als weltbewegendes Ereignis.










