Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Caroline :
Wie viel ist der moralische Kompass wert?
Leas Spuren von Bettina Storks
In Stuttgart erhält Marie den Brief eines Notars aus Paris. Ihre Anwesenheit bei einer Testamentseröffnung ist erwünscht. Die Verbindungen nach Frankreich liegen weit in der Vergangenheit, dennoch besteigt Marie den Zug, um den Termin wahrzunehmen.
Sie erfährt, dass sie eine Wohnung im 11. Arrondissement gemeinsam mit Nicolas Blanc geerbt hat.
Allerdings sind damit einige Verpflichtungen verbunden. Victor Blanc, der Großvater von Nicolas möchte, dass die zwei sich gemeinsam auf die Suche nach einem besonderen Bild machen: "Mädchen im Jardin du Luxembourg" von Jakob Stern, einem jüdischen Maler. Das Gemälde ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwunden und damals war Kunstraub ein tagtägliches Geschäft.
Sowohl Marie als auch Nicolas machen sich auf die Suche nach Hinweisen. Sowohl in offiziellen Verzeichnissen und Listen als auch in den Familien. Marie versucht ihrer Großmutter Fredi Informationen über dessen Schwester zu entlocken, diese schweigt jedoch beharrlich, wie schon immer. Auch bei Nicolas verlaufen die Gespräche sehr bescheiden.
So fügen sie die Teile mühsam zusammen, um weitere Hinweise auf Charlotte und Victor zu erhalten. Welche Verbindung hatten die beiden zueinander? Welche Rolle spielten die beiden im besetzen Paris?
Wie hat es mir gefallen?
"Das geheime Lächeln" der Autorin las ich vor ziemlich genau einem Jahr und mir gefiel das Buch sehr gut. Meine französischen Wurzeln ziehen mich immer wieder zu solchen Geschichten. Zumal auch in unserer Familie großes Schweigen über die Besatzungszeit herrscht.
In zwei Zeitebenen erzählt Bettina Storks diese Geschichte. Marie und Nicolas suchen nach Hinweisen und Informationen über ihre Vorfahren, die im besetzten Paris gelebt, geliebt und gearbeitet haben. Beide sind überrascht, welche Aufgabe ihnen auferlegt wurde und sie stürzen sich in die Arbeit, denn sie wollen wissen, wie ihre Leben miteinander verbunden sind.
Charlotte kommt in die deutsche Botschaft nach Paris. Ihr Schicksal hat mich von der ersten Seite gepackt. Sie ist so eindringlich beschrieben, dass ich schnell das Gefühl hatte, sie gut zu kennen.
Auch Nicolas fand ich sehr sympathisch, wenn es auch ein wenig gedauert hat, wie ich ihn einschätzen sollte.
Der Krieg verändert die Menschen und jeder muss für sich entscheiden, welche Wege er geht. Charlotte und Nicolas müssen täglich ihren moralischen Kompass neu ausrichten.
Neben den gefühlvollen Beziehungen spielt auch die intensive Suche nach einem Aquarell eine große Rolle. Dabei erfährt der Leser auch einiges über die Judendeportationen im Jahr 1942. Dabei waren sehr viele Franzosen willfährige Helfer der deutschen Besatzer.
Der Titel des Buches erklärt sich im Laufe der Lektüre und ich persönlich finde ihn sehr passend.
In dem Buch tauchen historische Personen auf, wird Bezug auf tatsächlich Geschehenes genommen und auch fiktionale Charaktere eingewoben. Damit eine sehr gelungene Geschichte, die gegen das "Vergessen" steht, aber nie den erhobenen Zeigefinger schwingt und kollektiv über Schuld oder Unschuld entscheidet.
Ein Mordfall muss gelöst werden
Unter Wölfen von Beer Alex
Nürnberg 1942: Die Stadt blüht unter dem Nationalsozialistischen Regime auf. Die Reichsparteitage wurden dort abgehalten und auch sonst steht sie häufig im Mittelpunkt. Die Gestapo hat sich natürlich auch eingerichtet.
Isaak Rubinstein und Adolf Weissmann schauen sich ähnlich, könnten aber nicht unterschiedlicher sein.
Isaak muss demnächst mit seinen Eltern, seiner Schwester und deren zwei Kinder einen Zug in den Osten besteigen, weil sie Juden sind.
Adolf Weissmann dagegen dient dem NS Staat beinahe fanatisch. Er gilt als einer der besten Sonderermittler des Reichs und soll nun in Nürnberg einen Mord an einer beliebten Schauspielerin aufklären. Während der langen Anreise aus Polen, wird ein Mordanschlag auf Weissmann verübt und damit kann Isaak Rubinstein seine Stelle annehmen, um wichtige Informationen zu beschaffen.
Mitten unter den Wölfen, die ihn jagen, fühlt er sich ständig beobachtet. Wie lange kann er die Umgebung täuschen und überleben?
Wie hat es mir gefallen?
Alex Beer kannte ich bereits unter ihrem anderen Namen Daniela Larcher. Mit "Die Zahl" und "Zu Grabe" haben mich von der ersten bis zu letzten Seite gefesselt. Anschließend habe ich die Autorin ein wenig aus den Augen verloren.
Beim ersten Krimifest Tirol konnte ich sie lesen und damit erfuhr ich, dass sie jetzt als Alex Beer ihre Geschichten veröffentlicht. Sie las damals aus "Der zweite Reiter". Leider war mir die Geschichte viel zu düster, um sie zu lesen. Nun kam aber "Unter Wölfen" heraus und der Klappentext machte mich neugierig.
Als erstes möchte ich vermerken, dass mich "Kriminalroman" am Titel in die passende Richtung geschupst. Die Geschichte spielt in einem historischen Rahmen, aber die meisten agierenden Figuren sind rein fiktiv. Ein Mord soll untersucht werden, die hohen Gestapo Beamten fordern den besten Sonderermittler an. Statt dessen schlüpft Isaak Rubinstein in diese Rolle und wächst über sich hinaus.
Genau daran stören sich einige Leser. Mir fiel diese ständige Glückssträhne selbstverständlich auch auf und es erschien mir ein wenig zu dick aufgetragen. Trotzdem mochte ich die entstehende Spannung, die kleinen Bezüge auf diverse berühmte Detektive und Isaaks Mut. Denn den musste er haben. Unter diesen Menschen zu arbeiten, unentdeckt zu bleiben, seine Herkunft zu verschleiern, dies haben andere tatsächlich erlebt und geschafft.
Arier von Juden anhand des Aussehens zu unterscheiden funktioniert nicht. Isaak stellt schnell fest, wie sehr Macht korrumpieren kann. Er verändert seinen Kleidungsstil, streckt seine Schultern durch und zeigt keine Schwäche. Schon ist er der Paradenazi.
Insgesamt las ich das Buch gerne. Ist Isaak anfangs noch ein Lamm, der unfreiwillig zur Schlachtbank geführt wird, entwickelt er sich selbst und auch sein Gewissen.
Nun bin ich schon neugierig, wie viel besser Alex Beers andere Geschichten sind. Sie sind nun natürlich auf meiner Wunschliste gelandet.
Interessante Gedankenspielerei
Das Ting von Artur Dziuk
Linus arbeitet seit langer Zeit an einer ganz speziellen App "Das Ting" genannt. Da der Erfolg ausbleibt, sieht er sich gezwungen, einen normalen Job anzunehmen, um so seine Freundin zufrieden zu stellen.
Einem Zufall ist es zu verdanken, dass Linus schließlich Unterstützung bekommt. Eine junge Frau für die Weiterentwicklung der Technik, einen Geschäftsführer als Aushängeschild und einen Marketingprofi.
Gemeinsam gründen sie ein Start-Up um "Das Ting" erfolgreich zu machen.
Die App soll als "Navigationssystem fürs Leben" dienen. Sie soll wichtige Entscheidungen übernehmen, somit das Beste aus dem User herausholen. Im Hintergrund wirkt sie subtil und unaufdringlich. Es werden wichtige Parameter gemessen, somit auch auf Gesundheit und Lebensführung Einfluss nehmen.
Gemeinsam suchen sie Geldgeber, die die Entwicklung und das Produkt unterstützen, um den Markt im Sturm zu erobern.
Wie hat es mir gefallen?
Das Cover hat mich an "Der Store" von Rob Hart erinnert und nachdem ich den Klappentext gelesen habe, kam es einfach so mit nach Hause. (Beide Bücher sind edel in Leinen gehüllt und somit sehr hochwertig gearbeitet.)
Alle vier Gründer erzählen, in den drei Teilen des Buches, ihre Sichtweise. Damit erhält der Leser Zugang zu den Figuren und kann ihre Gründe sehr gut nachvollziehen.
Ich gehöre ja schon einer älteren Generation an und kann damit mit Start-Ups und vor allem, wie sie gegründet werden und betreut werden, recht wenig anfangen. Hier bekomme ich einen kleinen Einblick, in diese Szene.
Die vier Hauptfiguren erleben "Das Ting" sehr unterschiedlich. Jeder hat eigene Erwartungen, die erfüllt werden oder auch nicht. Der Leser bildet sich natürlich auch seine Meinung.
Die Grundidee regt zum Nachdenken an. Alexa, Siri und ähnliche Dienste gehören zu unserem Leben dazu. Was Handies genau können, ob sie nun mithören oder sogar Bilder übertragen, wage ich gar nicht genau zu hinterfragen. Eine solche App, wie "Das Ting" wäre im Grunde genommen, nur die logische Fortsetzung. Ein Mittel um sich selbst zu verbessern, seine Gesundheit genau im Blick zu behalten, jedoch bleibt auch hier offen, wie diese Daten benutzt werden können. Wie schützt man diese Informationen?
Genau diese Fragen standen für mich am Ende im Raum. Diese kreisen auch heute noch, etliche Tage nach dem Beenden des Buches in meinem Kopf herum. Die schillernde Oberfläche eines Programms, die aber je nach Blickwinkel trüb und gefährlich wirken kann. Eine fiktive Geschichte, die unglaublich tiefe Einblicke in sich selbst geben kann.
Gut geschrieben, in drei Teile zerlegt und deshalb so spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.
Geschichte über drei Generationen
Nur wer loslässt, hat das Herz frei von Amy E. Reichert
Zwei Jahre nach dem Tod ihres Ehemanns fällt Gina ihr Leben immer noch schwer. Ihre Tochter May steckt mitten in der Pubertät und hält sie ständig auf Distanz.
Ihre Mutter Lorraine hält sich nie mit ihrer Kritik an Gina zurück. Nur ihr wunderschöner Food Truck gibt ihr Kraft und Sicherheit. Sie liebt es ihre eigenen besonderen Kreationen zu servieren.
Als ihre Mutter Lorraine einen Schlaganfall erleidet, eilt Gina natürlich sofort an ihr Krankenbett. Um die notwendigen Versicherungsunterlagen zusammenzutragen, wühlt sie sich durch Papiere ihrer Mutter und stößt dabei auf ein unbekanntes Foto und eine Geburtsurkunde. Mit diesem Fund tauchen unendlich viele Fragen auf, die Lorraine nicht beantworten kann, da sie der Schlaganfall, um die Fähigkeit zu sprechen, beraubt hat.
Aber sowohl Gina als auch ihre Schwester wollen unbedingt wissen, was es mit diesem Fund auf sich hat. Dieses gut gehütete Geheimnis muss schnell gelüftet werden.
Wie hat es mir gefallen?
Danke an meinen Lieblingsbuchdealer die Tyrolia für das Leseexemplar.
Vielleicht wissen hier ein paar Leser, dass meine Mama auch einen schweren Schlaganfall hatte. Vor 19 Jahren als sie 52 war und heuer im November ist sie leider verstorben. Deshalb interessieren mich solche Geschichten, aber sie berühren mich natürlich auch ganz besonders.
Mit dem Klappentext und der Leseprobe hatte mich die Autorin aber sehr schnell am Hacken.
Ein Schlaganfall verändert das Leben der Angehörigen gewaltig. Nach dem ersten Schreck und der Hilflosigkeit beginnt die Aufarbeitung und damit die Frage nach der Zukunft. In dieser Geschichte jedoch steht nicht die Zukunft im Mittelpunkt, sondern die Suche nach Antworten in der Vergangenheit von Lorraine. Es dämmert sowohl Gina als auch ihre Schwester, dass ihnen wichtige Informationen vorenthalten wurden.
Gina jedoch muss sich nicht nur um ihre Mutter kümmern, sondern auch um ihre Teenager Tochter May. Die Beziehung der beiden ist schwierig und geprägt von Schweigen und unausgesprochenen Vorwürfen. May trauert um ihren Vater und fühlt sich von ihrer Mutter unverstanden. Jede geht einsam ihren Weg, ohne zu bemerken, dass die andere unbedingt Unterstützung braucht.
Die Geschichte verbindet drei Generationen. Großmutter-Mutter-Enkelin. Generationen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dabei vermeidet es die Autorin zu pathetisch oder melodramatisch zu werden. Sehr realistisch beschreibt sie die gravierenden Veränderungen, die das Leben der Familie völlig auf den Kopf stellt.
Aus eigener schmerzvoller Erfahrung weiß ich, wie schwer die Umstellungen sind. Jedoch gibt es immer Hoffnung und so auch in diesem Buch.
Spritzige Geschichte in historischem Rahmen
Die englische Lady und der Rebell von Lisa McAbbey
Schottland 1747: Um bei ihrem Onkel zu unterrichten, nimmt Prudence Holloway den beschwerlichen und langen Weg nach Schottland auf sich. Voller Zuversicht und begleitet von einem älteren Ehepaar steigt sie in eine Kutsche.
Auf dem strapaziösen Weg wird Prudence jedoch schwer krank und findet sich schließlich in den Highlands wieder.
In der Obhut einer jungen Frau mit Kindern und dessen Ehemann. Erst nach einigen Wochen ist sie wieder soweit genesen, um endlich an ihr Ziel zu gelangen. Der ruppige Schotte Lachann erklärt sich bereit, die junge Frau zu ihrem Onkel zu bringen.
Die mehrtägige Reise führt sie quer durch die Highlands nach Westen. Sie schlafen unter freiem Himmel und verbringen erzwungener Maßen viel Zeit miteinander. Lachann glaubt in Prudence eine typische englische Lady vor sich zu haben. Vorwurfsvoll erzählt er vom Krieg gegen die Engländer, über deren Gräueltaten und die Folgen. Prudence hört voller Entsetzen zu und erkennt, dass all diese Informationen in sehr verzerrter Form nach England gelangen und somit an dem gewalttätigen Ruf der Schotten Schuld trägt. Sie nimmt sich vor, während ihrer Tätigkeit als Lehrerin darauf zu achten, keine Vorurteile zu schüren.
Als Prudence und Lachann britischen Soldaten in die Hände fallen, erkennt Prudence, dass ihr Begleiter noch einiges verschwiegen hat, deshalb muss sie eine gravierende Entscheidung treffen.
Wie hat es mir gefallen?
Ein Highlander und eine englische Lady gemeinsam auf Reisen - mein typisches Beuteschema und ich bin der Autorin sehr dankbar für das Rezensionsexemplar. Ich mag ihre historischen Geschichten und freute mich sehr darauf es zu lesen.
Was mir an den Büchern von Lisa McAbbey immer gut gefällt, sind die wahren historischen Hintergründe, welche mit fiktiven Figuren vermischt werden.
So auch dieses Mal. Die Schlacht von Culloden 1746 ist ein wichtiger Schauplatz von Lachanns Vergangenheit. Dieser Kampf war bekanntlich ein grausamer Höhepunkt der britisch schottischen Feindschaft.
Mitten in den Nachwehen des Kriegs treffen Prudence und Lachann aufeinander. Prudence beschließt Lehrerin zu werden, entgegen der Wünschen ihrer Mutter, die sie schnell unter die Haube bringen will, so wie es sich für eine ehrenhafte englische Dame gehört. Prudence ist modernen Ideen nicht abgewandt. Sie spricht manchmal bevor sie denkt und springt des öfteren über ihren Schatten und überrascht damit ihren Begleiter. Dies führt zu witzigen und humorvollen Momenten, wie so oft in den Geschichten der Autorin.
Lachann umgibt eine geheimnisvolle Aura. Seine tragischen Erlebnisse im Krieg haben ihn geprägt, aber nicht abstumpfen lassen. Er setzt alles daran, zu helfen und den Lebensstandard in Schottland zu erhöhen.
Wieder ist es der Autorin gelungen eine tolle Geschichte zu erzählen. Dieses Mal legt sie ihr Augenmerk auf Schottland und seine Vergangenheit. Mit Prudence hat sie eine äußerst sympathische Figur erschaffen. Sie sieht hinter die Fassade und hinterfragt ihre eigenen Vorurteile.
Ich habe es wieder genossen dieses Buch zu lesen und ich freue mich auf Lisas nächste Geschichte. Bin schon gespannt wohin es uns dann verschlägt.
Happy End garantiert?
Happy End für zwei von Winters Rachel
Kurze Beschreibung von Ezra Chester: Oscarprämiert, erfolgreich, gut aussehend, unglaublich nervtötend und nicht bereit das Drehbuch für eine Romantische Komödie zu schreiben. Niemand kann ihn überreden, selbst sein Agent Monty beißt sich an ihm die Zähne aus.
Durch einen Zufall gerät Montys Assistentin Evie Summers an Ezra und geht mit ihm einen Deal ein.
Sie überzeugt ihn davon, dass es die romantische Liebe gibt und Ezra, von ihr (mehr oder weniger) liebevoll S.N.O.B. genannt, setzt sich ernsthaft an das Drehbuch und gibt es in spätestens in drei Monaten ab.
Nur, wie beweißt man, dass es die richtige Liebe gibt. Evie versucht sich an allen gängigen Filmmomenten, um einen Magischen Moment zu kreieren. Aber Pläne scheitern und bei Evie scheitern sie kolossal. All diese Erlebnisse schildert sie in ihren Berichten an S.N.O.B. damit ihn die Muse küsst und er endlich das Drehbuch schreiben kann.
Wie hat es mir gefallen?
Selten noch hat mich die Hauptgeschichte so (wenig) interessiert wie hier. Es waren vor allem die Geschichten, die sich im Hintergrund abgespielt haben und die Nebenfiguren, die sich in den Vordergrund geschlichen haben, die mich faszinierten.
Die weibliche Hauptfigur Evie schien mit anfangs recht unbeholfen und zeitweise auch naiv. Sie haderte mit ihrem Job, ihrem Chef und ihren Fähigkeiten. Als der Oscar prämierte Autor hinzukommt, schwante mir Übles.
Doch ich wurde sehr überrascht. Verfiel Evie zu Beginn noch ihrer alten Routine, gewann sie mit der Zeit das notwendige Selbstvertrauen. In kleinen Häppchen und Dosen stellte sie sich gegen die Männer in ihrem beruflichen Umfeld. Genau solche Entwicklungen will ich sehen.
Ergänzt wird Evies Entwicklung durch ihre wundervollen, manchmal auch durchgeknallten, Freundinnen und Freunde. Diese leiden zeitweise sehr unter Evies Arbeitswut, denn dabei vermasselt sie eine ganz wichtige Sache, die so richtig daneben geht.
Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, die sich langsam und stetig aufbaut. Zarte Bande werden geknüpft und wieder durchtrennt, falsche Richtungen eingeschlagen. Es ist alles dabei, was ein guter Liebesroman braucht.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, wenn auch manche Kleinigkeiten vorhersehbar waren.
Wenn Geld auf Moral trifft
Das Erbe von Ellen Sandberg
Aus heiterem Himmel erhält Mona Lang die Nachricht, dass sie eine wunderschöne Villa in München geerbt hat. Eine entfernte Tante hinterlässt ihr das "Schwanenhaus" inklusiver einiger Wohnungen mit dem Hinweiß "Mona wird das Richtige tun".
Ihre persönliche Situation ändert sich schlagartig und sie beschließt ihr Erbe in München anzutreten.
Nur zögernd nimmt sie die Wohnung ihrer Tante in Besitz. In diversen Regalen und Schubladen findet sie ein unglaubliches Durcheinander an Dokumenten.
Ihre Mutter bringt sie schließlich auf eine bestimmt Spur. 1938 wurde das Haus weit unter Preis von der Familie Roth an den Vater ihrer Tante verkauft. Damit wird ihr Glück von einem großen Makel überschattet.
Mona beginnt die Geschichte des Hauses, ihrer Familie und die der Familie Roth zu recherchieren. Sie stellt verhängnisvolle Fragen, die nach so langer Zeit kaum mehr beantwortet werden können. In dem Chaos aus Papieren in der Wohnung ihrer Tante findet Mona Briefe, die während des Zweiten Weltkriegs zwischen ihrer Tante und der Tochter der Familie Roth geschrieben wurden. Langsam zeichnet sich ein Bild, dem sie sich nicht entziehen kann.
Wie hat es mir gefallen?
Ellen Sandberg schreibt auch unter dem Namen Inge Löhnig Krimis, die ich sehr gerne lese. Bisher habe ich die Bücher, die sie unter Ellen Sandberg veröffentlicht, komplett übersehen. Wahrlich eine Schande, die ich hiermit zugebe und ich gelobe Besserung, die anderen Geschichten sind schon auf meiner Wunschliste gelandet.
Die Geschichte beginnt, wie in einem Traum oder mit einem Lottogewinn. Wer möchte nicht ein tolles Haus mit vermieteten Wohnungen in München erben? Eigentlich sollte dieses Erbe ein sorgenfreies Leben ermöglichen.
Mona glaubt sich, trotz der gewaltigen Änderung in ihrem Leben, wie in einem Traum. Neben der schönen Immobilie gehört noch ein angenehm gefülltes Konto zum Erbe. Anfangs zögert Mona noch dieses Geld zu benutzen, aber für ein paar Renovierungen zückt sie ihr Scheckbuch.
Der Kontakt mit ihrer Familie fällt Mona schwer. Ihre Eltern, wie auch ihre Geschwister begegnen ihr oftmals eher ablehnend. Als ihre Mutter sie besucht und ein bestimmtes Bild von ihr fordert, zögert Mona erstmals ihre Mutter nachzugeben. Ein Konflikt, der sich am Ende auch klärt. Dabei fand ich allerdings die extreme schwarz-weiß Zeichnung der Figuren sehr verwirrend und auch zu überspitzt.
Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven. Die Vergangenheit klärt alle Fragen in der Gegenwart auf. Die Autorin lässt Mona die Hauptfigur einige Hindernisse überwinden, um daran zu wachsen. Eine Entwicklung, die mir unglaublich gut gefallen hat.
Ellen Sandberg schreibt einen historischen Roman, ergänzt ihn um einen Kriminalfall und fügt einen überraschenden Gast dazu.
Die Spannung hält sich über die ganzen 512 Seiten, auch wenn es ein paar Aspekte gibt, die man als Leser erahnen kann. Dennoch geht die Geschichte ans Herz. Nicht nur um das Schicksal der Familie Roth, sondern auch für Mona, die heftige Entscheidungen treffen muss.
Ein tolles Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat.
Krieg hinterlässt immer Spuren
Für immer die Deine von Voosen Jana
1939: Die überstürzte Hochzeit von Klara und Fritz sorgte wochenlang für Klatsch und Tratsch im Alten Land. Diverse Gerüchte machen die Runde, die schließlich bei der Geburt des Kindes der beiden sehr jungen Eltern zum Teil bestätigt werden. Die zwei genießen ihre Liebe und das Familienglück.
Als jedoch im September der Krieg ausbricht, wird Fritz eingezogen und Klara bleibt alleine in Hamburg zurück. Zunächst ändert sich das Leben kaum, aber als die Luftangriffe beginnen, muss Klara eine Entscheidung treffen.
Knapp 80 Jahre später recherchierte die Journalistin Marie für eine Spezialausgabe. Die Anzeige zum 79. Hochzeitstag eines Ehepaars bringt sie auf eine einzigartige Spur, um Auskünfte über das Leben in den Kriegsjahren zu erhalten.
Anfangs stößt sie bei Klara und Fritz auf eine Mauer der Ablehnung, aber mit Einfühlungsvermögen und Hartnäckigkeit gelingt es Marie, die zwei älteren Herrschaften zu überzeugen, ihre Erinnerungen mit ihr und den Lesern der Zeitung zu teilen.
Wie hat es mir gefallen?
Die Lit.Love rückt immer näher und der Klappentext dieses Buches hat mich sofort angesprochen. Vielen Dank an das Bloggerportal bzw. den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, was ich persönlich sehr gerne mag.
Marie steht im Mittelpunkt der Gegenwart. Neben ihrer Arbeit für die Zeitung, dreht sich auch recht viel um ihr Privatleben. Sie lebt getrennt von ihrem Mann und knabbert immer noch daran.
Als sie Klara und Fritz kennen lernt, die seit knapp 80 Jahren miteinander verheiratet sind, möchte sie wissen, was ihr Geheimnis ist. Wie sie es geschafft haben Höhen und Tiefen zu überstehen.
Ehrlich und ohne die Dinge zu beschönigen erzählen sie ihre Geschichte. Beginnend mit ihrer Kindheit und Jugend, als sie sich ineinander verliebt haben. Über die Hochzeit und das kurze Familienglück, bis zum Kriegsbeginn als Fritz eingezogen wurde und die schweren Kriegsjahre. Keine einfachen Erinnerungen sondern furchtbare und schmerzhafte.
Anfangs die zwei Jugendlichen zu beobachten, wie sie sich verlieben, war so unschuldig und liebenswürdig. Die Liebesgeschichte hätte so schön sein können, wurde aber durch den Krieg zerstört und veränderte unzählige Leben.
In diesem Roman bleibt das Augenmerk völlig auf Klara. Wie sie ums Überleben kämpft, Entscheidungen für sich und ihr Kind treffen muss. Dazu fand ich die Sätze auf Seite 148 sehr bezeichnend:
Die Masse der Bevölkerung kämpfte schlicht ums nackte Überleben. Zurückgeworfen auf die grundlegendsten Bedürfnisse, gab es zu wenige, die das große Ganze noch in den Blick bekamen. Zu sehr war man damit beschäftigt, sich selbst und die Familie zu retten.
Damit möchte ich nicht die Gräueltaten, die begangen wurden, entschuldigen. Dieses Buch beschäftigt sich mit Klara, Fritz und Marie. Der Krieg wird als das dargestellt, was er ist/war. Grausam für all jene, die ihren Alltag unter Bomben leben müssen.
Ich fand "Für immer die Deine" ausgesprochen gelungen. Die Mischung aus unschuldiger Liebe, Familie, Krieg und Leben haben mich überzeugt. Sowohl sprachlich als auch die Handlung, die mich überrascht hat.
Ich freue mich sehr darauf die Autorin bei der Lit.Love kennen zu lernen und mit ihr über den Roman zu sprechen.
Arbeiten wie im Bienenstock
Der Store von Hart Rob
Wirtschaftlich schlechte Zeiten haben die Cloud zu einer der mächtigsten Firmen der Welt gemacht. Das riesige Onlinekaufhaus beschäftigt unzählige Mitarbeiter. Die Komplexe liegen in unwirtlichen Gegenden. Damit arbeiten diese Menschen nicht nur für die Cloud, sondern verbringen auch ihre Freizeit in der Firma.
Gefeuert werden darf man nicht, da einem sonst fast der komplette Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung steht.
Zinnia und Paxton stellen sich dem Aufnahmeverfahren und werden beschäftigt. Paxton mit seiner Erfahrung im Strafvollzug, erhält eine Stelle in der Sicherheit. Zinnia dagegen muss ihren Dienst im Lager antreten. Hier zählen nur Zeit und Menge der abgelieferten Artikel. Ein ausgeklügeltes System hält die Mitarbeiter ständig auf Trap. Beide verfolgen ihre eigenen Absichten und Ziele und möchten dabei nicht abgelenkt werden. Aber ihre Vorhaben sind nicht so einfach durchzuführen. So vergeht Zeit, die sie miteinander verbringen.
Wie hat es mir gefallen?
Zuerst möchte ich dem Bloggerportal/Verlag für das Rezensionsexemplar danken. Anschließend noch Brigitte von meinem Lieblingsbuchdealer Tyrolia, die mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat. Ihr Leseeindruck hat mich neugierig gemacht und ich habe das Buch - obwohl es schwer ist - mit nach England genommen und während meines Cornwall Urlaubs gelesen.
"Der Store" Cloud ist natürlich einem gewissen Onlinehändler recht ähnlich. Ein Kaufhausriese, der die Konkurrenz ausbotet und oft den regionalen Handel ruiniert. Auch die Arbeitsbedingungen stehen ständig in der Kritik.
Wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte, erfährt der Leser im Laufe der Geschichte. Die Puzzlestücke setzen sich langsam zusammen, um ein Bild zu ergeben.
Zinnia und Paxton begegnen sich beim "Aufnahmetest". Ihrer beiden Beweggründe sich bei Cloud zu bewerben, sind völlig unterschiedlich. Damit sind sie hauptverantwortlich für alle Blicke hinter die Kulissen und damit dem Puzzle.
Es gibt neben Zinnia und Paxton einen weiteren Erzähler, dessen Sichtweise bringt zusätzliche Spannung. Besonders eindringlich sind die Schilderungen der Abläufe innerhalb der Cloud. Die Menschen verbringen 24 Stunden in diesem Komplex. Sie arbeiten dort, gehen essen und verbringen irgendwie die Freizeit. Alles was sie brauchen, kommt umgehend zu ihnen.
Das Buch war eine sehr positive Überraschung. Ein Blick in eine mögliche Zukunft, in der unbequeme Dinge nicht erhältlich sind. Die Gesellschaft auf Gleichklang geschaltet werden soll. Für mich eine bedrückende Vorstellung, denn mit Konformität und totaler Kontrolle habe ich es nicht so. Mich konnte die Geschichte überzeugen.
Gegensätze ziehen sich an
Der Store von Hart Rob
In der Agentur SixTwentySix darf Molly Maverick nur kleine Aufträge übernehmen. Ihre Kreativität kann sie hiermit nicht ausleben. Als ihr der aufdringliche Juniorchef Henry ins Team für einen großen wichtigen Kunden holt, glaubt Molly endlich eine Möglichkeit zu bekommen, ihr Talent zu zeigen.
Während sie in ihrer Freizeit die Hochzeit ihrer besten Freundin Vera organisiert, trifft sie ständig auf Ezra Baptiste.
Besitzer, der drei besten Restaurants der Stadt und unglaublich arrogant, effizient und unnahbar.
Molly reißt ständig die Hutschnur, wenn sie einander begegnen. Er hält niemals seine Meinung zurück und Molly lässt sich auf die Wortgefechte ein. Anfangs eher unwillig, aber mit der Zeit geniest sie ihre Scharmützel.
Sie nimmt sogar einen Auftrag Ezras an, um sich um seine veralteten Internetauftritt seiner Restaurants zu kümmern und diese mit Social Media Kampagnen ins 21. Jahrhundert zu katapultieren.
Wie hat es mir gefallen?
Teil 1 "The Opposite of you" war für mich eine gelungene Überraschung. Ich ging ohne große Erwartungen an das Buch. Die Story rund um Vera und Killian begeisterte mich mit seinem Setting, Ambiente und den zwei Hauptfiguren. Molly und Ezra erhielten hier ihre kleinen Auftritte, somit war ich bereits neugierig auf ihre Geschichte.
Molly und Ezra sind sehr unterschiedlich. Während Molly zuwenig Selbstbewusstsein hat, quillt Ezra über. Molly beherrscht ihr Handwerk aus dem FF, hat jedoch Probleme pünktlich zu sein. Ezra ist immer und überall zu früh, ist gut organisiert und behält die Kontrolle über all seine Geschäfte.
Molly geht in ihrer Kunst auf, malt wunderschöne Bilder, die sie jedoch niemals jemandem zeigt. Sie hat ein Gefühl für Farben, vermischt diese gerne, um auch in ihrem Beruf Akzente zu setzen. Ezra dagegen mag es gedeckt und klar.
Damit sind ständige Diskussionen vorprogrammiert, als Ezra Molly bittet die Werbeauftritte seiner Restaurants neu zu gestalten. Ihre Vorschläge muss Molly immer verteidigen und gegen Ezras Einwürfe begründen. Ezra gewöhnt sich auch langsam an ihre quirlige Art und ist davon überzeugt mit Molly, die richtige für die Aufgabe gefunden zu haben.
Molly und Ezra mögen sich anfangs nicht besonders. Durch den Auftrag verbringen sie mehr Zeit miteinander und lernen sich so besser kennen. Wie bereits in Teil eins, ist es genau diese langsame Annäherung, die mir besonders gefallen hat.
Eines jedoch hat mich ein wenig gestört. Mollys fehlendes Selbstbewusstsein und vor allem ihr "Kleinmädchen" Gehabe. Ich war froh zu sehen, dass sie sich entwickelt und Ezra dazu beiträgt.
Die Mischung aus Restaurant, Kunst und Werbung gefiel mir gut. Es ist auch nett, Vera, Killian, Dillon, Vann und Wyatt wieder zu treffen. Somit geht es nächstes Jahr weiter und ich freue mich bereits darauf.










