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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Renate Pfeiffer:

...und hätten der Liebe nicht....

Das Genie von Zehrer Klaus Cäsar

Ein erstaunliches Buch über ein durchgeplantes Leben. Boris Sidis, gerade in den USA angekommen, plant den Aufstieg. Aus der russischen Heimat bringt er Intelligenz, umfassende Sprachkenntnisse und Hunger nach Bildung mit.
Der Aufstieg gelingt, und auch die Erziehung seines Sohnes zum Genie läuft gut an- und hier fängt die Geschichte an sehr traurig zu werden:
Wer jemals erlebt hat, mit welcher Freude ein Kind die Welt selbst erkundet, den können die strikten Lernmethoden des ehrgeizigen Vaters nicht überzeugen, selbst wenn sie zu Beginn erstaunliche Ergebnisse erzielen.

Sohn William gilt als Wunderkind, bis er sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht und jeden Erfolg verweigert.
Eine Geschichte mit wahrem Hintergrund und ein großartiges Buch über die Erkenntnis, dass Intelligenz allein, ohne Liebe und Emotionen, nicht zu einem gelungenen Leben führen kann.

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Banaler Schusswechsel

Die zwölf Leben des Samuel Hawley von Tinti Hannah

Lebendig und anschaulich geschrieben, aber lohnt sich das Thema?
Es geht um einen weißen Amerikaner, ausgestattet mit Schusswaffen aller Art, und in Notsituationen hat er immer noch eine irgendwo in Reserve.
Er lebt von "Aufträgen", von zwielichtigen Geschäften, die allzu oft auch scheitern, und schon wieder hat er einen neuen Gegner.

Wenn man ein Auto braucht, stiehlt man es einfach, wenn es brenzlig wird, wechselt man den Bundesstaat, durchsetzen kann man sich nur mit Gewalt.
Zeitweise wird er von seiner Frau, später von seiner Tochter begleitet, aber das ändert nichts an seinem Lebensstil.
So schlägt er sich durch, schießt und wird angeschossen, und zum Schluss trifft dann einer besser als er.
Freizeitlektüre, muss man aber nicht gelesen haben.

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Steinige Bergwelten- nicht ohne Klischees

Acht Berge von Paolo Cognetti

Ein sterbendes Dorf, die steinige Bergwelt, gletscherbedeckte Gipfel und eine Männerfreundschaft ,die schon in der Kindheit beginnt. Das alles sehr schön und poetisch beschrieben. Wenn man aber, wie ich, nicht unbedingt von Almen und Bergbauernleben und Gipfelsiegen fasziniert ist, was bleibt? Die ewige Frage, muss man in die Ferne schweifen oder liegt das Gute doch so nah, und was ist, wenn beide Wege nicht zum Glück führen? Macht das einfache Leben wirklich innerlich reicher?Und wieviel Bestand hat so eine Freundschaft, gäbe es da nicht die stille Vermittlung der Mutter im Hintergrund?
Autobiographisches spielt bei dieser Geschichte sicher eine Rolle, manches erinnert mich auch an Heidis Geißenpeter aus den Schweizer Alpen, und Bergfexe werden von der Geschichte sicher begeistert sein.

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neuer Blick auf bekannte Biographien

Die Flucht der Dichter und Denker von Herbert Lackner

"Wie Europas Künstler und Wissenschaftler den Nazis entkamen" …
hat der Journalist und langjährige Chefredakteur des profil , Herbert Lackner, aus einem neuen Blickwinkel aufgezeichnet .
Mitglieder der Familie Mann, Franz Werfel und seine Frau Alma, Karl Farkas, Lion und Martha Feuchtwanger und viele andere, die vor der Herrschaft der Nationalsozialisten geflohen sind, waren prominent, ihre Biographien und Fluchtgeschichten sind weitgehend bekannt.

Neu ist, dass Herbert Lackner diese linear erzählten Schicksale gleichsam bündelt und "horizontale" Zeitlinien einzieht, an denen sich die Wege der Flüchtlinge immer wieder kreuzen- von Paris oder London weiter nach Südfrankreich und Lissabon, ständig auf der Suche nach nötigen Papieren, nach einer Möglichkeit den Lebensunterhalt zu bestreiten, nach einem Weg schließlich in ein freies Land, sei es Amerika, Brasilien, Mexiko oder auch die Schweiz.
Wo man unterwegs Aufnahme findet, spricht sich unter Flüchtlingen schnell herum. Im französischen Montauban etwa, hier kreuzen sich 1940 die Wege prominenter Sozialdemokraten mit Schriftstellern wie Alfred Polgar, der Philosophin Hannah Arendt oder Friderike Zweig-Winternitz, der geschiedenen Frau von Stefan Zweig. Die Familie Cohn-Bendit aus Berlin kann sich in Montauban verstecken, 1945 kommt ihr Sohn Daniel hier zur Welt, 1968 in Paris und später bei den deutschen Grünen eine wichtige Leitfigur.
Besonders beschwerlich und ungewöhnlich ist der Weg über die Pyrenäen, den ausgerechnet der 70 jährige Heinrich Mann mit seiner Frau Nelly und dem Neffen Golo, der kranke und übergewichtige Franz Werfel und seine Frau Alma, unpassend gekleidet in Sandalen und weißem Kleid, gehen müssen. Die zwölf Koffer, sieben davon gehören den Werfels, nimmt Varian Fry, der amerikanische Fluchthelfer, den Stefan Zweig engagiert hat, im Zug durch den Grenztunnel mit- einen Schlepper würde man ihn heute nennen.
Schicksale und Wege der Flüchtlinge sind ähnlich, aber Solidarität entsteht dadurch nicht zwingend, und mit offenen Armen werden sie kaum wo aufgenommen. Auch Vorurteile und Abneigungen schwinden nicht, nur weil man fern der Heimat ist. Karl Farkas wirft man vor, dass er auch in der Emigration bald wieder Kabarett macht, aber was soll er sonst tun um Geld zu verdienen?
Weitgehend unbeliebt scheint die dominante Alma Mahler –Werfel, aber sie ist immerhin eine von wenigen Frauen, die immer als selbstständige Person und nicht nur als "die Frau von" wahrgenommen wird.
Lebenslinien in schweren Zeiten- gegenübergestellt und auf Gemeinsamkeiten akribisch untersucht von Herbert Lackner, der damit auch Verbindungen aufzeigt, die so noch nicht allgemein bekannt sind.

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Hoffnung - trotz allem

Underground Railroad von Colson Whitehead

Das Buch ist ein beklemmendes Meisterwerk über den Umgang mit Menschen, die keinerlei Rechte haben, weil sie schwarz sind.
Sklaven können jederzeit missbraucht, verkauft oder vernichtet werden, jeder Fluchtversuch wird blutig bestraft, und trotzdem geben sie den Wunsch nicht auf, eines Tages den Weg in die Freiheit zu finden.

Underground railroad zeigt diesen Weg mit allen Rückschlägen und Gefahren, mit aller Bedrohung und Hoffnungslosigkeit, und doch mit einem möglichen Ziel.
Ein spannendes Buch, das mich auch durch seinen eher ruhigen Ton besonders beeindruckt hat. Nichts für trübe Stunden, aber unbedingt lesenswert !

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Rache, die wirklich weh tut

Geständnisse von Minato Kanae

Die kleine Manami ist ertrunken, und es war Mord, kein Unfall. Wie eine Spirale drehen sich die Erzählungen der beteiligten Personen immer enger um das tatsächliche Geschehen, bis es zur Explosion kommt- aber ganz anders, als es geplant war.
Eine böse Geschichte, die aus jeder Perspektive eine neue Wendung zeigt und umso bedrohlicher wirkt, weil sie so zurückhaltend, nahezu höflich, erzählt wird.

Und was das Böse auslöst, kann durchaus gute Absicht sein, es ist Unfähigkeit, Übereifer, Eitelkeit, oder einfach nur Gleichgültigkeit- eine erschreckende Erkenntnis. Im Grunde ist es eine Geschichte voller Missverständnisse, psychologisch manchmal etwas langatmig erklärt, aber trotzdem spannend!

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Für einen Nachmittag im Grünen

Ein Festtag von Swift Graham

Der reiche junge Herr und das Dienstmädchen- das ist keine ungewöhnliche Beziehung, auch nicht in der englischen Gesellschaft nach dem 1. Weltkrieg.
Ungewöhnlich ist vielleicht das Dienstmädchen, gut gebildet und lesehungrig. Ungewöhnlich ist auch die Art, wie der reiche junge Herr diesen einen letzten gemeinsamen Festtag zelebriert, und man vermutet gleich, dass sein darauffolgender Tod kein wirklicher Unfall war.

Sprachlich brillant, hat die Geschichte auch einen leisen Hauch von Georgette Heyer- absolut standesbewußt, aber die gesellschaftlichen Grenzen sind nicht unüberwindlich.
Und was sind schon Grenzen, was sind Träume, was ist Realität? Auf diese Fragen läuft es hinaus, wenn das ehemalige Dienstmädchen schließlich als erfolgreiche Schriftstellerin auf das Leben zurückblickt. Wie verändert sich die Wirklichkeit, wenn man sie in Worte fasst, und hat nicht jede der handelnden Personen ihre eigene Sicht auf das, was geschehen ist?
Anregende Lektüre für einen Nachmittag im Grünen, am besten mit Blick auf eine englische Gartenlandschaft

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Fünf Freunde üben die Revolution

Strandbadrevolution von Kurt Palm

Pubertät ist anstrengend, heute vermutlich genauso wie 1972. Diesen Sommer beschreibt Kurt Palm in seinem Roman, der auch ein Tagebuch sein könnte.
Rockstars sind die großen Vorbilder, Eltern sind spießig, das sogenannte Establishment muss bekämpft werden. Nur die Jugend und Jane Fonda machen sich Sorgen um die Zukunft der Welt, Erwachsene lassen sich durch abgerissene Kleidung schockieren und Mädchen sind sexuell offenbar viel erfahrener als der 17jährige Ernsti, genannt Mick ? so wie Jagger.

Ein liebevoller, leicht schräger Rückblick auf eine Jugend in der österreichischen Provinz- nicht mehr und nicht weniger.

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sehr starke Momente und ein paar Flauten

Das Floß der Medusa von Franzobel

Wenn ein eitler Schwächling das Kommando führt, ist das Unheil vorprogrammiert. Die Reise der Medusa und ihr Untergang sind historisch belegt, im Roman von Franzobel wird deutlich, dass nicht so sehr die Umstände, sondern das Zusammenspiel der Charaktere schließlich die Katastrophe verursachen. Überheblichkeit, Feigheit, Ignoranz und Egoismus wiegen weit schwerer als Stürme und Navigationsfehler.

Die Schilderung dieser Schwächen, die wie Zahnräder ineinandergreifen und unweigerlich zum Untergang führen müssen, ist eine große Stärke des Romans.
Der Autor hat die Geschichte sehr gründlich recherchiert und überaus detailreich geschildert, viele Seiten lang habe ich das Buch nicht gerne gelesen, das raue und rohe Leben an Bord wird durch minutiöse Beschreibungen nicht spannender, im Gegenteil.
Schiffbrüchig auf dem Floß fällt dann schnell die Entscheidung, wer zu den Überlebenden zählen darf und wer überflüssig ist. Unmenschlich, aber als Charakterstudie großartig.

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Das Leben ein Traum?

Seltene Affären von Bayer Thommie

Ein Mann schreibt davon, dass er schreibt, und er träumt, dass er träumt, und er schreibt davon, wie er träumt, dass er träumt. Außerdem schreibt er Kurzgeschichten und träumt von seiner großen Liebe, der Frau seines Bruders. Das alles passiert vor dem komfortablen Hintergrund einer ausreichend großen Erbschaft.

Eine Existenz, eingebettet wie in Watte zwischen Träumereien und Phantasien- da verabschiede ich mich diskret und möchte nicht länger stören. Das Buch könnte anregen zum Nachdenken über zwei Seiten einer Existenz, über Zwillingsbrüder, die vielleicht erst gemeinsam ein Ganzes ergeben, aber es ist eindeutig nicht für mich geschrieben

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