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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Renate Pfeiffer:

Essen- cool und abgefahren

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens von Stradal J. Ryan

Eine absolut schräge Geschichte, und egal, was der Verlag über Familie und Freunde und Beziehungen ankündigt- es geht ums ESSEN.
Am Anfang gibt es Lutefisk, norwegischen Stockfisch, der mit Ätznatron behandelt wird. Das ist keine Erfindung des Autors, sondern ein echtes Weihnachtsrezept aus Norwegen.

Auch Fischstäbchen und Fast food haben ihren Platz, genauso wie hausgemachte süße Riegel, die nach glücklicher Kindheit schmecken.
Manchmal gibt es Chili, so scharf, dass es wie Feuer brennt, aber auch Essen für Gesundheitsfanatiker mit wenig Geschmack und kaum Kalorien.
Das Kobe-Rind darf nicht fehlen, sautierter Zander ist dabei und handgepflückter Zuckermais, bei dem man weiß, aus welcher Ackerfurche er kommt. Das alles natürlich mit passender Weinbegleitung.
Bei dieser Bandbreite an Betrachtungen über das Essen ist die Familiengeschichte rund um Spitzenköchin Eva Thorwald eigentlich nur die Klammer, die am Schluss alle zusammenführt.
Schon jedes Kapitel für sich ist eine geniale Milieuschilderung unserer Zeit, in der das Essen, oder besser gesagt das Food&Cook-Thema zum allgemeinen Trend geworden ist. Kein Sender ohne Kochshow, keine Verlag ohne Kochbücher, ganz zu schweigen von den zahllosen Foodbloggern.
Wie gesagt, eine schräge Geschichte, die mir auf die Dauer nur zu detailreich war, auch habe ich viele Ausdrücke und Zutaten gar nicht gekannt, manches nur noch quergelesen.
Unvergesslich allerdings sind Lutefisk und Papprikermammelarde

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Dieses Geheimnis bleibt mir verborgen

Das Geheimnis der verlorenen Zeit von John Wray

Es ist schon lange her, dass mir die Lektüre so schwer gefallen ist wie diesmal. Von einer Familiengeschichte durch mehrere Generationen über Fragen zu Zeit und Raum, von der Physik zu den eingelegten Gurken von Znaim irrt der Autor zwischen seinen Themen umher und weiß offenbar nicht, wo er hin will.

Vielleicht sollte es ein Jahrhundertbuch werden, die ganze Welt in einem Band, aber dazu reicht es bei weitem nicht. Es gibt durchaus auch spannende Episoden, aber dann kommen wieder viele Seiten, die man immer schneller überblättert. Insgesamt also: verlorene Zeit.

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Schritt für Schritt zum Abgrund

Am Rand von Hans Platzgumer

Auf einem steilen Felsen, im Schatten des Gipfelkreuzes, schreibt Gerold Ebner auf, was ihn hierher, an den Rand des Abgrunds geführt hat.
Ausführlich und detailgenau, er selbst nennt es präzise, erzählt er von seinem Leben. Er ist das Kind vertriebener Südtiroler, aufgewachsen ohne Vater, zu Hause in einer Siedlung am Rand des Dorfes, in mehrfacher Hinsicht also ein Außenseiter.

So geht er auch sonst seinen eigenen Weg, an die Grenzen des Erlaubten und darüber hinaus. Seinen Großvater bringt er um, weil er die Mutter von ihm befreien will, einem Freund leistet er Sterbehilfe. Schließlich verliert er durch einen Unfall die beiden Menschen, die ihm sein Glück bedeuten ? er ist wieder einen Schritt näher am Abgrund. Also steigt er zuletzt auf den Gipfel des Bocksberges und schreibt von Sonnenaufgang bis zum Dunkelwerden seine Geschichte auf.
Sie liest sich durchaus spannend, in einem Stil, der nichts künstlich dramatisiert, klar und poetisch. Diese Erzählweise gefällt mir gut, trotzdem bleibt mir Gerold Ebner fremd, bei allen Schicksalsschlägen bleibt eine gewisse Distanz. Vielleicht liegt es daran, dass ich keineswegs, wie angeblich jeder Südtiroler, bei einem Berg immer auf den Gipfel muss, und Abgründe mich auch nicht magisch anziehen.
(Zum Glück für die Geschichte war es aber nicht ich, sondern der Platzgumer Hans, der das Manuskript gefunden und vom Berg mitgebracht hat. Und sein Name steht deshalb jetzt auch als Autor auf dem Buch)

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Humor, Magie, und ein meisterhafter Stil

Der Trick von Bergmann Emanuel

Ein Buch, das mich wirklich verzaubert hat, nicht nur durch die Tricks des Großen Zabbatini! Es sind zwei Familiengeschichten, die hier verknüpft werden, die eine beginnt 1934 in Prag in einer ärmlichen Rabbinerfamilie, die andere im heutigen Los Angeles, wo der zehnjährige Max Cohn die Ehe seiner Eltern retten will, und zwar mit Hilfe der Magie.

Vergangenheit, Gegenwart, und die dunkle Zeit der Judenvernichtung in Dritten Reich werden im Roman so meisterhaft miteinander verbunden, dass man immer wieder überrascht ist. Nichts wird beschönigt, nichts ausgelassen, und trotzdem bleibt es eine Geschichte voller Humor und Liebe. Gleichzeitig ist es eine Geschichte voll von unvorhersehbaren Wendungen, sie bleibt spannend von Anfang bis zum Ende, mit ein paar besonderen Glanzpunkten, die für mich auch den jüdischen Humor auszeichnen, der Große Zabbatini würde dazu sagen: Daruh Khaneh Kojast. Was es bedeutet, muss man selber nachlesen, es ist ein absolut empfehlenswertes Buch!

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Zu viele Umwege, zu viele Details

Letzter Bus nach Coffeeville von Henderson J. Paul

Es ist eine ziemlich lange Reise nach Coffeeville, sie beginnt an einer amerikanischen Universität zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung und endet mehr als 40 Jahre später mit der Einlösung eines Versprechens: Sterbehilfe für die demenzkranke Freundin. In der Zeit bis dahin begegnen wir sehr vielen Menschen, erfahren von unterschiedlichen Schicksalen, die alle sehr detailreich erzählt werden.

Es ist nicht immer klar, warum wir das alles wissen müssen, weil es für den Fluss der Geschichte fast keine Rolle spielt. Manches ist tragisch und berührend, manches merkwürdig und komisch, manches auch einfach nur banal. So erfahren wir, dass Fidel Castro und Che Guevara eitle Revolutionäre sind, die über Bartpflege streiten, dass sich der Calvinismus auf die Unterwäsche von Calvin Klein reduzieren lässt, und mehrere Seiten lang werden wir über die verdauungsfördernde Wirkung von mexikanischen Bohnen informiert.
Bei der Fülle an Details habe ich den Überblick verloren und mir kein wirkliches Bild von den einzelnen Personen machen können. Ich glaube, es ist eher die geeignete Lektüre für Menschen, die einfach viel lesen, aber dazu nicht jedes Mal ein neues Buch anfangen wollen.

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Die Wurzeln finden- ein hochaktuelles Thema

Am Ende bleiben die Zedern von Jarawan Pierre

Ein spannendes und sehr berührendes Buch! Eine Familiengeschichte, die gleichzeitig Einblick in die dramatischen und blutigen Auseinandersetzungen im libanesichen Bürgerkrieg gibt. Die Eltern sind geflohen, die Kinder wachsen schon in Deutschland auf, aber das Umfeld bleibt libanesisch: die Nachbarn, die Bräuche, die Musik, die Küche, die Namen-alles hat seine Wurzeln im Libanon.

So bekommt man eine Ahnung davon, wieviel Parallelgesellschaften bei uns in deutschen (oder auch österreichischen) Städten existieren. Die Familie, am Anfang eng miteinander verbunden, muss sich neu orientieren, als der Vater eines Tages verschwindet. Vor allem für Samir, den Ich-Erzähler, der seinen Vater verehrt hat, ist das eine Wunde, die auch nach zwanzig Jahren nicht verheilt. Spannend wie ein Krimi liest sich seine Suche nach der Wahrheit, die er nach und nach aufdeckt. Sie ist nicht so politisch, wie man anfangs vielleicht vermuten könnte, sie führt zwar mitten hinein in die Auseinandersetzungen im Libanon , könnte aber auch in Deutschland passieren, nur wäre da das Verschwinden nicht so einfach. Was bleibt, sind ? natürlich- die libanesischen Zedern als Symbol des Landes, es bleibt die Frage, ob Väter sich jemals bewusst sind, was sie anrichten, wenn sie ohne ein Wort der Erklärung verschwinden, und es bleibt für mich die Erkenntnis, dass eine politische Lösung der blutigen Konflikte um Macht und Vorherrschaft, Religion und Geld im gesamten Nahen Osten nur sehr schwer zu erreichen sein wird. Ein Buch, das man unbedingt lesen sollte!

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Die Wurzeln finden- ein hochaktuelles Thema

Am Ende bleiben die Zedern, 8 Audio-CDs von Jarawan Pierre

Ein spannendes und sehr berührendes Buch! Eine Familiengeschichte, die gleichzeitig Einblick in die dramatischen und blutigen Auseinandersetzungen im libanesichen Bürgerkrieg gibt.
Die Eltern sind geflohen, die Kinder wachsen schon in Deutschland auf, aber das Umfeld bleibt libanesisch: die Nachbarn, die Bräuche, die Musik, die Küche, die Namen-alles hat seine Wurzeln im Libanon.

So bekommt man eine Ahnung davon, wieviel Parallelgesellschaften bei uns in deutschen (oder auch österreichischen) Städten existieren.
Die Familie, am Anfang eng miteinander verbunden, muss sich neu orientieren, als der Vater eines Tages verschwindet. Vor allem für Samir, den Ich-Erzähler, der seinen Vater verehrt hat, ist das eine Wunde, die auch nach zwanzig Jahren nicht verheilt. Spannend wie ein Krimi liest sich seine Suche nach der Wahrheit, die er nach und nach aufdeckt. Sie ist nicht so politisch, wie man anfangs vielleicht vermuten könnte, sie führt zwar mitten hinein in die Auseinandersetzungen im Libanon , könnte aber auch in Deutschland passieren, nur wäre da das Verschwinden nicht so einfach.
Was bleibt, sind ? natürlich- die libanesischen Zedern als Symbol des Landes, es bleibt die Frage, ob Väter sich jemals bewusst sind, was sie anrichten, wenn sie ohne ein Wort der Erklärung verschwinden, und es bleibt für mich die Erkenntnis, dass eine politische Lösung der blutigen Konflikte um Macht und Vorherrschaft, Religion und Geld im gesamten Nahen Osten nur sehr schwer zu erreichen sein wird.
Ein Buch, das man unbedingt lesen sollte!

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Lebenslügen, ironisch betrachtet

Fabelhafte Eigenschaften von Adam Soboczynski

Auf den Ablauf der Geschichte sollte man sich nicht allzu sehr konzentrieren, die Szenen aus dem Leben im Kunst- und Gesellschaftsleben sind recht sprunghaft und bunt zusammengefügt. Die Beziehungen von Hans und Eva und Helene und Julia und Sebastian und den anderen lassen sich auch nicht leicht verfolgen, wenn man sich nicht ganz genau merkt, wer jetzt wer ist.

Spannender wird es, wenn man die Geschichte einfach als ein Kaleidoskop betrachtet, in dem das Bild bei jeder Drehung ganz anders ausschaut. Und interessanter als die Beziehungsgeschichten sind für mich die allgemeinen Betrachtungen, wie das ist mit den Parvenüs zum Beispiel, oder den Klischees, denen man entspricht, je mehr man ihnen entkommen will. Das menschliche Verhalten, die Lebenslügen jeder einzelnen Person werden mit entlarvender Klarheit und vor allem mit einer Ironie geschildert, die mir gut gefallen hat.
Wer dann am Schluss bei wem bleibt oder ob nicht alles nur eine Erfindung für das Buch im Buch war, ist wirklich nebensächlich

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Ein Pirat als Chronist in der Karibik

Der Fisch in der Streichholzschachtel von Martin Amanshauser

Ein moderner Luxusliner und eine Handvoll Piraten aus dem 18. Jahrhundert geraten in der Karibik durch einen heftigen Sturm offenbar in die gleiche Zeitebene.
Die gegenseitigen Missverständnisse sind vorhersehbar, selbst dem Gebildetsten unter den Piraten erscheint das Verhalten der modernen Freizeitgesellschaft unverständlich, und die heutigen Kreuzfahrer glauben ganz einfach nicht an echte altmodische Piraten.

Die Idee so einer Begegnung über Jahrhunderte hinweg hat ihren Reiz, sie bietet Gelegenheit für neue Sichtweisen, für Ironie und Kritik, und ist auch sprachlich gelungen.
Die Geschichte könnte ein Lesegenuss sein, wäre sie nicht so langatmig und ermüdend, wirklich spannende Momente ergeben sich für mich erst im letzten Drittel.
Ein Urlaubsbuch für Menschen mit viel Zeit und Geduld

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Ein Brand und seine späten Folgen

Hotel Alpha Roman von Watson Mark

Menschen im Hotel: das sind vor allem das leicht exzentrische Besitzerpaar Howard und Sarah-Jane, ihr Ziehsohn Chas, der durch einen Brand erblindet ist, und Graham, der an der Rezeption den Job seines Lebens gefunden hat. Was sie verbindet, ist nicht nur das Leben im Londoner Nobelhotel Alpha, sondern ein dunkles Geheimnis, das erst nach und nach gelüftet wird.

Die Hotelgäste, und seien sie noch so berühmt, spielen in der Geschichte keine große Rolle, auch das Haus selbst bleibt eher seelenlos. Wenn man das Dekor weglässt, hat der Autor einfach einen Schauplatz gesucht, an dem jederzeit freie Zimmer für die diversen Nebenhandlungen verfügbar sind.
Außer den Schatten der Vergangenheit spielt auch die Entwicklung des Internet eine wichtige Rolle. Ein Segen für den blinden Chas, der damit die Welt entdeckt, eine kleine Tragödie für Graham, der seine zentrale Rolle an der Rezeption an einen Computer verliert.
Der Text ist bisweilen recht umständlich, was auch an der Übersetzung liegen kann, die Konflikte scheinen mir etwas konstruiert und psychologisch nicht ganz schlüssig. Ich denke, der Autor hat sich einfach zu viel vorgenommen, aber insgesamt ist es eine ganz unterhaltsame Lektüre für ein langes Wochenende

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