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Rezensionen von Dana:
solider Thriller mit kleinen Schwächen
Die Verlorenen Jonah Colley von Simon Beckett
Seitdem Jonahs Sohn Theo verschwunden ist, ist für ihn nichts mehr, wie es einmal war. Obwohl inzwischen zehn Jahre vergangen sind, beschäftigen ihn die schlimmen Ereignisse, die Ungewissheit nagt an ihm und die Schuldgefühle sind sein ewiger Begleiter. Etwa genauso lange hat der Ermittler einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei keinen Kontakt mehr zu seinem ehemaligen besten Freund.
Als dieser sich überraschend bei ihm meldet, gibt es für Jonah keinen Zweifel: er kommt der Bitte von Gavin nach und begibt sich zu dem ausgemachten Treffpunkt. Was ihn dort jedoch erwartet, wird sein Leben erneut auf den Kopf stellen…
Der Großteil des Buches spielt in der Gegenwart, zwischendurch gibt es jedoch auch Rückblicke in die Vergangenheit, die dazu dienen, einige Zusammenhänge herzustellen und zu zeigen, welche Geschehnisse die Charaktere geprägt haben, welche Verbindungen und Verknüpfungen es zwischen ihnen und auch einigen der Ereignisse gibt oder geben könnte. Dadurch bekommt man vor allem zu Jonah noch einen intensiveren Bezug und versteht, welche Dinge vorgefallen sind, die ihn auch nach zehn Jahren noch nicht loslassen. Aber auch einige der anderen Personen spielten in der Vergangenheit bereits eine Rolle. Die meiste Zeit begleitet man den Protagonisten Jonah Colley, um den sich das Hauptgeschehen rankt. Perspektivwechsel ermöglichen es jedoch auch, einige andere Einblicke zu bekommen, an denen der Polizist nicht beteiligt ist.
Im Verlauf der Geschichte setzen sich Stück für Stück die Hinweise und Beweise zusammen, die am Ende dann zur Auflösung des verstrickten Falles führen. Durch einige Ungereimtheiten, Möglichkeiten und fehlende logische Erklärungen rückt auch Jonah immer wieder selbst in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Jonah selbst hält sich allerdings auch nicht immer an die Vorschriften und Regeln, was es für die anderen Polizisten nicht leicht macht, mit ihm zu arbeiten und zu wissen, inwieweit sie ihm vertrauen und glauben können. Für Jonah steht dadurch schnell mehr auf dem Spiel, als er zu Beginn erwartet hätte.
Insgesamt gesehen war der Stil von Simon Beckett angenehm zu verfolgen. Es gab einige Überraschungen und Offenbarungen im Laufe des Buches, andere Dinge kamen jedoch nicht unbedingt unerwartet. Das Tempo innerhalb der Geschichte war unterschiedlich. Einige Passagen waren sehr turbulent und temporeich, die Ereignisse überschlugen sich, es wurde teilweise ziemlich brutal und blutig. In anderen Abschnitten war es deutlich ruhiger und man hatte das Gefühl, es geht nicht so ganz voran, auch wenn einige Ermittlungen und Recherchen natürlich auch einfach Zeit benötigen. Zusätzlich ausgebremst wurde Jonah durch seine schwere Verletzung, die ihn für meinen Geschmack manchmal jedoch eigentlich noch zu wenig beeinflusst hat, wenn man bedenkt, was er immer wieder und immer wieder einstecken musste. Trotzdem war es insgesamt auf jeden Fall interessant Colley zu begleiten, auch wenn er als Beteiligter die Ermittlungen nicht offiziell führt. Je nachdem auf wen er getroffen ist, hat sich dann auch sein Verhalten geändert und man hat hin und wieder auch ein paar privatere Einblicke bekommen. Viele der anderen Charaktere sind eher blass geblieben, was in einem Thriller allerdings auch nicht komplett ungewöhnlich ist. Von Kommissar Fletcher, der die Aufklärung des Falles leitet, bekommt man hingegen einen recht genauen Eindruck: er ist ein absolutes Ekelpaket, für den ich keine Sympathie entwickeln konnte, aber vermutlich soll man das auch nicht.
Manche der Gespräche haben mir richtig gut gefallen, es gab auch hin und wieder schlagfertige Auseinandersetzungen, sehr deutliche Worte und dadurch in die Enge getriebene Figuren auf unterschiedlichen Seiten. Leider waren andere Dialoge dagegen etwas platt und mir zu nichtssagend. Ich kann noch gar nicht mal genau sagen, ob das jetzt nur inhaltlich war oder ob es daran lag, dass mir kleinere Passagen zu emotionslos gelesen waren. Teilweise kam für mich die Stimmung nicht besonders intensiv rüber, ich konnte mich nicht so richtig einfinden und einfühlen und dadurch ist die Atmosphäre zwischenzeitlich auf der Strecke geblieben. Das war nicht dauerhaft der Fall und an sich hat mir die Klangfarbe des Sprechers auch gut gefallen. Die Stimme passte für mich zu dem Protagonisten und durch Anpassungen in der Tonlage, dem Sprechtempo und der Betonung waren die unterschiedlichen Personen gut voneinander zu unterscheiden. Es hätte jedoch einfach noch düsterer, bedrückender und bedrohlicher an der einen oder anderen Stelle sein können, da ich den Eindruck hatte, dass der Text das eben durchaus hergibt und man es beim selbstlesen vielleicht auch anders empfunden hätte. Ich würde daher sagen, für mich ist bei der Hörbuchumsetzung in einigen Abschnitten ein bisschen Atmosphäre auf der Strecke geblieben, auch wenn mir andere Passagen wiederrum gut gefallen haben.
Fazit
Insgesamt gesehen war es kein schlechter Thriller. Es gab spannende und turbulente Passagen, auch blutige und brutale Momente, Verstrickungen und Überraschungen, auch wenn nicht jede Wendung völlig aus dem Nichts kam. Für Jonah Colley wurde es zu einem ziemlich persönlichen Fall, der ihn auf unterschiedliche Art und Weise gefordert und an seine Grenzen gebracht hat. Vielleicht lag es an der Kürzung im Hörbuch, vielleicht auch an der Handlung selbst, an einigen Stellen wirkte es für mich nicht hundertprozentig stimmig und rund und leider sind für mich in manchen Dialogen, aber teilweise auch in anderen, kleineren Szenen die Emotionen und die unheimliche Atmosphäre etwas auf der Strecke geblieben.
magisch, tempo- und wendungsreich, gefühlvoll
Die Verlorenen Jonah Colley von Simon Beckett
Fiana wohnt schon ihr gesamtes Leben lang in der Königsstadt und hat es über die Jahre geschafft, ihre Stellung Stück für Stück zu verbessern. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben als Gesellschafterin der Prinzessin und tut viel dafür, nicht zu sehr aufzufallen, damit niemand hinter ihr gut gehütetes Geheimnis kommt.
Als die junge Frau durch einen Zwischenfall offenbart, dass sie Magie in sich trägt, bleibt ihr keine Wahl mehr: sie muss am Kronenkampf teilnehmen, bei dem sich entscheidet, wer der nächste König oder die nächste Königin auf dem Eisenthron wird. Und dabei darauf hoffen, dass niemand durchschaut, wer sie tatsächlich ist.
Die Aufmachung des Buches hat mir richtig gut gefallen. Das Cover ist durch die Schimmereffekte schon ein Hingucker für sich. Wenn man das Buch aufschlägt, gibt es dann noch mehr zu entdecken. Eine Übersichtskarte sorgt dafür, dass man einen ersten Eindruck von Alandra bekommt und stets weiß, wo man sich während der Geschichte befindet. Zu Beginn jedes Kapitels ist die Flagge des Reiches abgebildet, auf der das Symbol zu sehen ist, das für die Eisenmagie und Kupermagie steht. Aber nicht nur die Optik hat mich angesprochen, auch inhaltlich war das Buch interessant zu verfolgen.
Die Autorin lässt einen sofort und ohne große Vorgeschichte in die fremde Welt eintauchen und man darf dabei sein, wenn Fiana die Verschleierung ihres Geheimnisses erneuert. So startet man gleich mit einer spannenden Stelle in die Handlung, ohne dass man wirklich weiß, wer Fiana ist und was sie zu verbergen versucht. Im Verlauf offenbart sich dann, was es in Alandra alles zu entdecken gibt und woher die Kräfte kommen, die einige besitzen, welche Vorteile die Magie mit sich bringt, welche schlimmen Folgen es jedoch auch haben kann, sollte man sich nicht an gewisse Regeln und Auflagen halten. Stück für Stück taucht man intensiver in die Gegebenheiten ein und bekommt weitere Zusammenhänge präsentiert. Mir hat das Setting richtig gut gefallen und auch die Art und Weise, wie die Herrscher bestimmt werden. Ich mochte die Möglichkeiten der Eisernen und Kupfernen, empfand aber auch die Dragen als spannendes und zugleich unheimliches Element. Die Kreaturen sorgen immer wieder für Unruhe und Gefahr, spielen aber auch eine größere Rolle, als man zunächst ahnt.
Der Schreibstil von Valentina Fast ist angenehm, fantasiereich, zeitweise temporeich und dann wieder gefühlvoll. Die Geschichte hat sich flüssig lesen lassen und ich fühlte mich gut mitgenommen, auch wenn ich zunächst mit einer der Entwicklungen gehadert habe. Und das nicht nur, weil das recht früh absehbar war, sondern auch, weil ich es mir irgendwie anders gewünscht hätte. Allerdings hat sich das mit dem Voranschreiten des Buches dann wieder etwas relativiert, weil noch weitere Dinge aufgedeckt wurde, sich neue Aspekte und Entwicklungen ergeben haben und die gesamte Situation sich dadurch erneut geändert hat.
Man erlebt die Ereignisse aus der Ich-Perspektive von Fiana, wodurch man die Protagonistin sehr gut kennenlernen kann. Von den anderen Charakteren erfährt man teilweise recht wenig, nur die, de ihr wirklich nah stehen, tauchen häufiger auf und man bekommt zum Teil ein Gefühl für sie. Es hat mich in der Handlung nicht unbedingt gestört, nicht so viele Figuren genauer zu kennen, bei Kayden fand ich es allerdings schon etwas schade, weil er für Fiana zunehmend wichtiger wird.
Schon recht früh in der Geschichte wird eines von Fianas Geheimnissen gelüftet, was sie in eine schwierige Situation bringt und dazu führt, dass sie am Kronenkampf teilnehmen muss, obwohl sie das niemals wollte. Die Aufgaben, die die Teilnehmer dort bewältigen müssen, fand ich interessant zu verfolgen. Gleichzeitig erfährt man dabei auch noch etwas mehr über die Nutzung der Magie.
Fiana hat ein gutes Herz, muss immer wieder mutiger sein, als sie sich selbst sieht, wächst über sich hinaus und muss sich Aufgaben stellen, auf die sie gern verzichtet hätte. Sie ist ihren Freunden gegenüber loyal, versucht die zu schützen, die ihr wichtig sind und hat für sich selbst einen Weg gefunden, ihr Dasein in der Königsstadt zu akzeptieren und respektieren, wie es ist. Doch dann wird ihr gesamtes Leben auf den Kopf gestellt und als wäre das alles noch nicht genug, spielen auch noch ihre Gefühle verrückt. So entsteht eine Romantasy, in der die Liebesgeschichte und die fantastischen Elemente gemeinsam existieren, sich bedingen und beeinflussen und man nach und nach auf beiden Ebenen mehr erfährt und Entwicklungen stattfinden.
Zwischendurch gingen mir einige Dinge fast ein wenig zu schnell oder unkompliziert bzw. blieben zu oberflächlich, da hätte ich an der einen oder anderen Stelle gern etwas ausführlicher drüber gelesen, insgesamt mochte ich es aber gern, dass es nicht künstlich in die Länge gezogen wurde, sich zeitweise die Ereignisse überschlagen und damit die Handlung stetig vorangetrieben wird. Viel Zeit zum Durchatmen bekommen die Charaktere da wahrlich nicht. Immer wieder ergeben sich neue Aspekte, es werden Verstrickungen aufgedeckt, die zu Wendungen führen und gut geschmiedete Pläne werden durchkreuzt. Umso weiter das Buch voranschreitet, umso packender und mitreißender wird die Geschichte, umso mehr rücken auch die aufgewühlten Gefühle in den Fokus, ohne den magischen Aspekten die Show zu stehlen.
Fazit
Mich hat bei „Kronenkampf“ besonders das Magiesystem fasziniert. Ich mochte das Setting sehr und wie die Magie eingebunden wurde. Es gibt im Buch zahlreiche Entwicklungen und Wendungen, Verstrickungen und Offenbarungen, so dass die Figuren kaum Zeit zum Durchatmen haben. Dadurch waren mir ein paar Aspekte etwas zu schnell abgehandelt, von denen ich gern mehr gewusst hätte, es macht die Handlung aber auch sehr temporeich. Neben den turbulenten und teilweise ziemlich dramatischen Ereignissen geht es auch immer wieder um verschiedene Emotionen, die die Figuren auf ihrem Weg begleiten. Insgesamt auf jeden Fall eine tolle Romantasy, die sich flüssig und zügig lesen lässt und mich gut mitgenommen hat.
sommerlich-leichte Liebesgeschichte mit auch ernsten Themen/ 4,5 Sterne
Kaputte Herzen kann man kleben von Kristina Günak
Luisa ist alleinerziehend und voll berufstätig. Für sie ist es oft schwierig alles unter einen Hut zu bekommen und dabei noch das Gefühl zu haben, allem und jedem Gerecht zu werden. Als ihr Körper die Notbremse zieht, ist sie gezwungen, sich eine Auszeit zu nehmen, sich zu regenerieren und dann hoffentlich mit neuer Kraft wieder einsteigen zu können.
Gemeinsam mit ihrer Tochter Amelie fährt sie zu ihrer Tante Mimi nach St. Peter-Ording um dort den Sommer zu verbringen. Schon die frische Nordseeluft tut der abgespannten Hebamme unglaublich gut, doch das ist noch längst nicht alles, was der Trip in den Norden für sie bereit hält.
Protagonistin Luisa nimmt den Leser aus der Ich-Perspektive mit. So ist man sehr intensiv mit der 45jährigen unterwegs und erhält detaillierte Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, in denen sich im Verlauf der Geschichte so einiges tut. Ich fand es schön, die Entwicklung von Luisa mit zu verfolgen und zu erleben, wie sich Stück für Stück etwas in ihrem Kopf ändert, wie sie sich frei macht von einigen Zwängen der Gesellschaft und selbstauferlegten Pflichten, die gar nicht immer in der Form nötig sind. Dabei hilft ihr die neue Umgebung und die vielen tollen Menschen, die sie in St. Peter-Ording kennenlernt. All die Personen, die dazu kommen, lassen ein sehr buntes und abwechslungsreiches Figurenbild entstehen und es wird wahrlich niemals langweilig. Die Charaktere können sowohl Spaß miteinander haben, als auch über ernste Themen sprechen und sich gegenseitig auffangen. Manchmal mag man den Eindruck haben, die Fülle an „schrägen“ Charakteren ist recht groß, aber eigentlich sind sie alle nur mitten aus dem Leben gegriffen und man kann sich gut vorstellen, dass Luisa tatsächlich auf so eine aufgeweckte, lebhafte Truppe trifft, die sich genau deswegen gefunden hat und so gut versteht, weil sie zu einem gewissen Teil ähnlich Sorgen haben oder hatten und sich als Gemeinschaft sehen, die füreinander da sein und sich unterstützen wollen, damit die Probleme ein bisschen weniger schwer auf ihnen lasten. Auch wenn Luisa im Mittelpunkt der Handlung steht, erfährt man auch von den anderen, was sie umtreibt, mit was für Hürden sie zu kämpfen haben und wie sie versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen, ohne vollständig dabei auszubrennen. Dabei ist es okay, Fehler zu machen und es wieder zu versuchen, eine Einstellung, die ich sehr mochte.
Auch Luisas Tochter Amelie (8) mochte ich richtig gern. Man kann im Buch miterleben, wie sie aufblüht und selbstständiger wird, sich den Herausforderungen und Aufgaben auf dem Hof ihrer Großtante stellt und sichtlich Spaß dabei hat. Die ländlich geprägte Umgebung ist eben auch so ganz anders als die Großstadt München, in der sie aufwächst.
Schön fand ich auch, dass nicht immer alles war, wie es zunächst wirkte. Viele der Charaktere hatten noch mehr zu „bieten“ als man auf den ersten Blick sieht. Geheimnisse, Päckchen, die sie zu tragen haben, verletztes Vertrauen, Trauer, Wut und Frust spielen unter anderem eine Rolle. So fließen wie nebenbei ganz verschiedene Themen in die Handlung mit ein und waren, für mein Empfinden, gut in die Geschehnisse eingeflochten und zeigen, wie vielfältig das Leben ist. Es werden nicht nur die Sonnenscheinseiten betrachtet und wirkt damit einfach authentisch. Liebe, Freundschaft und Familie werden in unterschiedlicher Weise thematisiert, ebenso verschiedene Krankheiten, finanzielle Probleme, Homosexualität, Verantwortung, Erziehung und auch Dinge, die speziell und nur Luisa betreffen, wie ihren Job als Hebamme und ihre allgemeine Situation.
Der Schreibstil von Kristina Günak hat mir wieder gut gefallen. Sie hat eine tolle Art zu schreiben und einen mit durch die Geschichte zu nehmen. Das Buch hat sich sehr zügig und flüssig lesen lassen und trotz der vielen ernsten Themen, die in der Handlung enthalten waren und die Stimmung dadurch auch mal gedrückt haben, wurde eine gewisse Leichtigkeit erhalten. Die tollen Beschreibungen der Umgebung haben ein schönes Bild in meinem Kopf entstehen lassen. Das Meer ist einfach ein toller Ort, an dem man gut die Seele baumeln und ebenso gut nachdenken und sich irgendwie erden kann.
Bis auf ganz kleine Kritikpunkte mochte ich die Entwicklung in der Handlung richtig gern. Es wirkte stimmig und passte auch zu den Charakteren, ihren Vorstellungen und Wünschen, aber auch zu ihren Schwierigkeiten. Es gab zahlreiche wundervolle Augenblicke und auch Aspekte und Gespräche, die einen zum Nachdenken bringen oder in denen man sich evtl. selbst wiederfinden kann.
Zum Ende hin ging es mir dann allerdings fast etwas schnell. Da hätte ich gern noch mehr Einblicke gehabt und etwas intensiver erfahren, wie es für Luisa und die anderen weiterging, welche Steine sie noch aus dem Weg räumen mussten und so weiter. So wirkte es unproblematischer und beschleunigter, als es höchstwahrscheinlich gewesen sein wird. Trotzdem hat mich der Abschluss des Buches zufriedengestellt, auch wenn sich ein Großteil des Weges im Verlauf abgezeichnet hat.
Fazit
Eine wirklich schöne Geschichte, die sich sehr schnell hat lesen lassen. Mir hat die die Kombination aus der Ernsthaftigkeit und dem sommerlichen Feeling gut gefallen. Die Entwicklungen sind nicht alle überraschend, aber das ist es in Liebesgeschichten ja auch eher selten, trotzdem mochte ich den Weg zum Ziel sehr gern. Es gab einige Stolpersteine, aber auch viele tolle Momente, in denen Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe es für die Charaktere erträglicher und hoffnungsvoller gemacht hat.
guter Auftakt; interessante, aber auch gruselige Fähigkeiten; macht neugierig auf mehr
Partem. Wie die Liebe so kalt von Stefanie Neeb
Wer sich einem anderen Menschen öffnet und anvertraut, der macht sich verletzlich. Wer jemandem sein Herz schenkt, kann bitter enttäuscht werden. Aber man kann auch unglaublich viel Positives dabei erleben. Nur nicht unbedingt wenn man auf Jael und seine Mitstreiter trifft. Denn sie sind nicht die, die Wärme, Geborgenheit und Liebe verbreiten, sondern dafür zuständig Gefühle von anderen Menschen zu stehlen und für ihre eigenen Ziele zu benutzen.
Jael arbeitet verbissen daran, seine Mission zu erfüllen, die ihn innerlich so quält und beschäftigt. Als er auf Xenia trifft, könnte sie die Lösung sein und das letzte Quäntchen, das er noch benötigt. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass sein Herz bei ihrer Anwesenheit aus dem Takt gerät und sie damit alles gefährden könnte, nicht nur weil sie anders ist, als alle anderen…
Xenia hat sich ihr Leben lang von Berührungen fern gehalten so gut es ging. Sobald sie Menschen berührt, hört sie Geräusche, die sie auf Dauer belasten und ihre Konzentration nehmen. Nur Jael scheint anders zu sein, bei ihm zieht Stille in ihr ein und zum ersten Mal spürt sie die Last der Geräusche nicht auf ihrer Seele. Dabei ahnt Xenia jedoch nicht, wer Jael wirklich ist und wie gefährlich er ihr werden könnte. Denn auch wenn er etwas tief in ihr berührt, halten sie die Nähe des anderen kaum aus und Jael ist nicht der einzige, der Interesse an ihrem Herzen hat…
Nach dem spannenden Prolog, in dem deutlich wird, dass der Weg, der da vor den Figuren liegt, ziemlich gefährlich und blutig werden könnte, war ich sehr neugierig, wohin die Geschichte uns führen wird und was sich hinter den Charakteren verbirgt, von denen man zunächst natürlich nur wenig weiß. Während des Buches begleitet man vier Protagonisten, deren Erlebnisse jeweils aus der Erzählerperspektive geschildert werden. Stück für Stück setzt sich so das Gesamtbild zusammen und man erhält Einblicke in die Leben der einzelnen Figuren, die alle miteinander vernetzt sind. Doch auch wenn man im Verlauf so einiges erfährt, bleiben am Ende auch noch zahlreiche Fragen offen und ich bin mir nicht bei jedem sicher, was er oder sie wohl im Schilde führt. Besonders Jael und Chrystal sind für mich nur schwer zu durchschauen. Beide haben eine ereignisreiche, teils düstere Vergangenheit, von der man zum Teil auch etwas erfährt, beide verbergen jedoch auch Dinge und sind bereit für ihre Ziele so manche Grenze zu überschreiten und Methoden zu nutzen, die gegen jede Moral sind. Xenia und ihrem besten Freund Felix gestalten sich für mich etwas klarer, werden durch ihren Kontakt zu den anderen beiden jedoch auch in gewisser Weise zum Spielball und in die Machenschaften verwickelt. Mit all den anderen Figuren auf jeden Fall eine abwechslungsreiche und interessante Personenmischung, mit der es nicht so schnell langweilig wird, vor allem weil einige von ihnen durchaus bereit sind, für ihren eigenen Vorteil zu arbeiten, ohne Rücksicht auf die anderen.
Xenia ist 16 und Schülerin. Die junge Protagonistin war mir recht schnell sympathisch, auch wenn sie ab und an etwas naiv und unbedacht reagiert. In Anbetracht ihres Alters und ihrer Unwissenheit empfand ich das jedoch als passend und authentisch. Sobald sie einen anderen Menschen berührt, hört sie Geräusche- ein Umstand, der für sie sehr belastend ist und dazu führt, dass sie Berührungen jeder Art meidet, so gut es geht. Dass dahinter jedoch noch viel mehr steckt, ahnt sie zunächst nicht. Den Strang um sie und ihre Fähigkeit fand ich sehr interessant und hoffe darauf, dass man dahingehend auch im zweiten Buch dann noch mehr erfahren wird. Ihre Entwicklung wurde größtenteils nachvollziehbar dargestellt und auch die Anziehung, die sie zu Jael empfindet, wurde gut rausgearbeitet. Obwohl die beiden einander gefährlich werden können, knistert es ziemlich heftig. Ich mochte aber auch allgemein die Dynamik die in den Dialogen der beiden zu finden war. Sie schenken sich nichts, greifen sich verbal auch mal an, bringen sich auf die Palme und lesen dabei so viel mehr in dem anderen – manchmal sofort, manchmal erst etwas später.
Jael ist 19 und gemeinsam mit Akrom, Geno, Rafi und Chrystal neu in der Stadt. Die ungewöhnliche WG sorgt schnell für Wirbel, nicht nur weil sie alle fünf unverschämt gut aussehen. Wenn ihre Mitmenschen ahnen würden, wie skrupellos und gefährlich die Gruppe tatsächlich ist, würden sie sich wohl von ihnen fern halten. Denn Jael ist in der Lage anderen Menschen ihre Liebe zu unterschiedlichen Dingen zu nehmen, eine ziemlich gruselige Vorstellung, die natürlich Konsequenzen hat. Auch wenn diese Gabe sehr düster und irgendwie erschreckend ist, fand ich es auch spannend mehr darüber zu erfahren, wie das funktioniert und wieso sie es zu machen scheinen. Dabei werden zwar einige, aber längst noch nicht alle Geheimnisse aufdeckt.
Chrystal und Felix bilden die anderen beiden Perspektiven, so dass man auch von ihnen, ihrem Leben und ihren Gedanken mehr erfährt. Felix ist eine gute Seele, loyal und treu denen gegenüber, die ihm wichtig sind. Er schützt Xenia in verschiedenen Situationen und sorgt sich um seine beste Freundin. Chrystal hingegen scheint zwar auch loyal zu sein, doch wem gegenüber ist nicht immer so klar zu definieren. Auf jeden Fall ist sie eine Kampfmaschine mit einigen Geheimnissen, was es ziemlich spannend macht mit ihr unterwegs zu sein. Durch sie erhält man den einen oder anderen Einblick, der Zusammenhänge und Hintergründe offenbart aber auch Zweifel kommen lässt.
Den Schreibstil von Stefanie Neeb empfand ich als angenehm und stimmungsvoll. Zu Beginn war es nicht ganz leicht die verschiedenen Perspektiven und die Personen zu sortieren, weil man durch die teilweise recht kurzen Kapitel nur wenig Einblicke erhält, dann schon zum nächsten geht und einfach erst mal gar nicht weiß, wie das alles zusammenhängt, wohin uns das Ganze führt und wer welche Absichten verfolgt. Das hat sich im Verlauf des Buches jedoch gebessert, die Perspektiven wurden enger miteinander verflochten und auch von den Figuren weiß man dann mehr. Die Informationen, die man bekommt, waren gut in den Verlauf der Geschehnisse eingeflochten und selbst wenn mal etwas mehr erklärt wurde, empfand ich es nie als langatmig. Es bleibt allerdings auch noch viel offen, vor allem was die übergeordneten Ziele betrifft und wem man vertrauen kann. Es scheint da eine große Diskrepanz zwischen dem Offensichtlichen/Offenbarten und dem Eigentlichen zu geben, was es auf jeden Fall spannend macht, manchmal aber auch für mehr Fragen, als Gewissheit sorgt.
Besonders interessant fand ich die Gaben und Fähigkeiten der Charaktere, auch wenn die teilweise echt ziemlich gruselig sind. Das macht es aber auch spannend ihren Weg zu verfolgen. Ich mochte aber auch die Dynamik zwischen den unterschiedlichen Figuren gern. Dabei schwingen manchmal viel mehr Informationen mit, als sie vermutlich bewusst offenlegen wollten und man bekommt intensivere Einblicke zu den Wesenszügen und Gefühlen. Innerhalb der Geschichte haben die unterschiedlichsten Gefühle eine Rolle gespielt, nicht nur weil die Charaktere in der Lage sind, diese zu manipulieren oder zu nehmen, sondern auch weil sie untereinander so einiges auslösen.
Am Ende des ersten Bandes bin ich nun neugierig, wie es weitergehen wird, wer sich im weiteren Verlauf auf welche Seite stellen wird, wer seine eigenen Ziele vergessen wird oder wer verbissen dafür weiterkämpft, koste es, was es wolle.
Fazit
Ein facettenreicher und interessanter Auftakt, der aber auch noch viel offen lässt. Manchmal war es etwas kompliziert, so richtig durchzusehen, wer da mit wem hinter welchem Rücken woran arbeitet und was eigentlich das übergeordnete Ziel ist. Das liegt auch daran, dass im Auftakt noch nicht alles offenbart wird. An der einen oder anderen Stelle hätte ich gern schon mehr gewusst, da hoffe ich in der Fortsetzung auf deutlich mehr Informationen. Die Charaktere sind nicht alle gut zu durchschauen, ich fand sie aber interessant und es ist spannend ihren Weg und ihre Entwicklungen zu verfolgen, die eng miteinander verknüpft sind. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergehen wird und welche Gefühlsebene im zweiten Band in den Fokus rücken wird.
interessanter Auftakt
Dark Blue Rising (Bd. 1) von Teri Terry
Tabby hat bisher ein ziemlich einsames Leben geführt. Gemeinsam mit Cate, die sie solange sie denken kann, für ihre Mutter gehalten hat, reist sie von Ort zu Ort. Nie verweilen sie für längere Zeit irgendwo. Tabby war nie in einer öffentlichen Schule, hatte keine Freunde, durfte niemandem sagen, wer sie ist.
Doch wer ist sie eigentlich? Von einem Tag auf den anderen wird ihr gesamtes Leben durcheinander geworfen und die Sechzehnjährige weiß bald selbst nicht mehr, wer sie ist, woher sie kommt und was mit ihr eigentlich nicht stimmt. Nirgends fühlt sie sich wohler als im Meer und doch ahnt sie nicht, dass es dafür einen tiefgreifenden Grund geben könnte…
Der Schreibstil von Teri Terry ist mitnehmend und größtenteils spannend gestaltet. Obwohl man lange Zeit eigentlich nicht viel weiß und auch am Ende des Buches noch dutzende Fragen offen sind, hat sich die Geschichte sehr zügig und flüssig lesen lassen. Aufgrund der Ich-Perspektive ist man intensiv bei der Protagonistin, die immer wieder auf Ungereimtheiten stößt, die ihr keine Ruhe mehr lassen. Noch dazu scheint etwas in ihr nicht zu stimmen und zeitweise die Kontrolle zu übernehmen. Ich bin wirklich gespannt, was man da noch alles zu erfahren wird, denn viel mehr als Tabby selbst weiß man als Leser natürlich nicht. Einige Dinge kann man erahnen, da man in manchen Situationen Einblicke bekommt, an die die Protagonistin selbst sich nicht erinnern kann. Doch was da genau hinter steckt, bleibt verborgen, was für mich die Spannung und Neugier auf die nächsten Bände gesteigert hat.
Zu Beginn lernt man zunächst Tabby und Cate kennen, erhält Einblicke in ihre Lebensweise, wodurch sich schon die ersten Fragen in meinem Kopf ergeben haben. Stück für Stück wandelt sich dann das Leben der Protagonistin, sie muss sich umgewöhnen, anpassen, neu einfinden und ziemlich vielen Herausforderungen stellen. Nur beim Schwimmen kann sie abschalten und viel von dem Schmerz und Frust für einige Zeit ausblenden. Ihre große Verbundenheit zum Meer kommt immer wieder zum Tragen und steigert sich im Verlauf des Buches.
Mir war Tabby sympathisch, ich mochte, wie sie versucht neue Erkenntnisse zu gewinnen, neugierig bleibt, obwohl ihr so viele Steine in den Weg gelegt werden und sie sich nicht so leicht einschüchtern lässt. Teilweise ist das auch auf Unwissenheit und eine daraus resultierende Naivität oder Fehleinschätzung mancher Situationen zurückzuführen, was ich aber angesichts ihrer Kindheit und bisherigen Jugend als passend empfand. Ihre Entwicklung fand ich gut und nachvollziehbar dargestellt und selbst wenn man nicht jede Entscheidung gutheißen mag, weil sie etwas waghalsig oder nicht bis ins letzte Detail durchdacht ist, so empfand ich es als passend für Tabby und ihre Lage, die sich immer mehr zuspitzt. Umso weiter das Buch voranschreitet, umso weniger weiß sie, wem sie eigentlich noch trauen kann und was es mit der Warnung auf sich hat, die Cate ihr mit auf den Weg gegeben hat.
Die anderen Charaktere lernt man deutlich weniger intensiv kennen, als Tabby selbst, es gibt jedoch einige, die ich als spannend und interessant empfunden habe und ich bin wirklich neugierig darauf zu erfahren, wem man eigentlich vertrauen kann und wer in die Verstrickungen verwickelt ist.
Auch wenn es erst mal recht ruhig losgeht und man lange Zeit kaum weiß, wohin die Reise eigentlich führen könnte, so war das Buch nie uninteressant. Es hätte für meinen Geschmack nur vielleicht etwas schneller turbulenter werden können, wie es im Verlauf der Geschichte dann ja auch wurde. Zwischenzeitlich wirkte es doch als würde die Handlung ein wenig auf der Stelle treten, obwohl es nicht so war, dass nichts Seltsames passiert ist, was einen hätte stutzen oder reagieren lassen können. Das Tempo steigert sich dann aber wieder und es ergeben sich erste Zusammenhänge und Verstrickungen. Zum Ende hin wird es ziemlich packend und auch gefährlich, was ich als gelungen Abschluss für den Auftakt der Trilogie empfunden habe, der mich gespannt auf die Fortsetzung warten lässt. Immer wieder in das Geschehen eingearbeitet sind auch Aspekte, die den Klimawandel und den Klimaschutz betreffen.
Fazit
Ein interessanter Auftakt, der auf jeden Fall neugierig auf die Fortsetzungen macht. Umso weiter das Buch voranschreitet, umso spannender und turbulenter werden die Ereignisse und Entwicklungen. Protagonistin Tabby muss sich einigen Herausforderungen stellen und weiß dabei selbst noch gar nicht, was um sie herum eigentlich geschieht, was mit ihr geschieht und auf wen sie sich noch verlassen kann.
ernste, bewegende Geschichte
Calypsos Irrfahrt von Cornelia Franz
Oscar hätte sich die Ferien deutlich spannender vorgestellt, als die ersten Tage auf dem Segelboot sich gestalten. Wasser soweit das Auge reicht, wenn sie Glück haben ausreichend Wind, um voran zu kommen, der Bewegungsradius ist stark eingeschränkt und einen Freund durfte er auch nicht mitnehmen. Nicht gerade das, wovon er geträumt hat.
Doch als die Familie auf zwei Flüchtlingskinder trifft, die sich entkräftet an einen Rettungsring klammern, nimmt ihr Urlaub einen unerwarteten Verlauf. Oscars Eltern wollen Nala und ihren Bruder Moh an Land bringen, damit ihnen geholfen und sie untergebracht werden können. Immer wieder werden sie abgewiesen, niemand fühlt sich verantwortlich für die Kinder, die die Familie aus dem Meer gefischt hat.
Ob diese Geschichte wirklich schon für Zehnjährige geeignet ist, finde ich pauschal schwierig zu sagen. Einige Kinder sind in dem Alter schon sehr weit, aufgeschlossen und bereit für ernstere Themen, andere nicht. Ganz allein lassen sollte man die jungen Leser mit dem Buch aber vielleicht nicht, denn selbst bei mir bleiben hinterher so einige Gedanken zurück, die nachklingen und bei Kindern vielleicht dann für Gesprächsbedarf sorgen könnten.
Der Schreibstil von Cornelia Franz hat mir gut gefallen. Die Sprache ist einfach gehalten und damit auch für die Zielgruppe gut verständlich. Sehr gelungen fand ich, dass die Thematik ihre Ernsthaftigkeit nicht verliert. Es ist ein bedrückendes, teilweise sehr trauriges Thema, besonders unter dem Aspekt, dass so viele Schicksale dahinter stehen, auch wenn hier nur das von Nala und Moh geschildert wird. Wie schwierig es ist, für die Kinder ein zu Hause zu finden beziehungsweise jemanden, der überhaupt bereit ist, sich um sie zu kümmern, ist gut in die Handlung eingeflochten. Oscars Eltern bemühen sich, eine Lösung zu finden und werden immer wieder vor den Kopf gestoßen. Frustration, Wut und Zweifel spielen daher immer wieder eine Rolle. Es gibt aber auch zahlreiche schöne Momente, die zum Beispiel dadurch entstehen, dass die Kinder sich rasch annähern und die Sprachbarriere für sie kein all zu großes Problem darstellt. Nala und Moh bemühen sich, sich in den Alltag zu integrieren, die Sprache zu lernen und nicht negativ aufzufallen. Toll eingeflochen fand ich auch die kleinen Passagen, in denen die Geschwister miteinander sprechen. So hat man auch einen Eindruck davon, was in ihren Köpfen vorgeht. Vor allem der kleine Moh hat ziemlich viel Angst, was ich gut nachvollziehen konnte.
Immer wieder gibt es auch andere Turbulenzen auf dem Schiff, ausgelöst vom Wetter oder anderen Ereignissen. So wird die Reise auf unterschiedliche Weise spannend und abwechslungsreich. Die anschaulichen, bildhaften Beschreibungen lassen die Handlung lebendig werden, ohne dabei zu viel Wert auf die düsteren Details zu legen.
Man begleitet Oscar aus der Erzählerperspektive und erhält so Einblicke in seine Gedanken und Gefühlswelt. Der Zehnjährige empfindet manche Situationen natürlich anders, als ein Erwachsener es tun würde, gerade das mochte ich in dem Buch aber sehr gern. Teilweise nimmt er Dinge einfach etwas leichter und unkomplizierter, zerdenkt es nicht so, wie seine Eltern es tun, es zeigt aber gleichzeitig eben auch, dass er sich über manches einfach noch keine Gedanken machen kann oder will, weil er die Konsequenzen, die aus manchen Ereignissen folgen, gar nicht abschätzen kann. Nicht alle seine Entscheidungen sind klug, er macht Fehler und lässt sich von seinen Gefühlen mitreißen. Dass dieses Verhalten nicht richtig ist und schwerwiegende Folgen haben kann, wird für mich in der Geschichte allerdings auch deutlich.
Das Ende des Buches ist idealisiert und vielleicht nicht unbedingt realistisch. Nach der Tortur, die die Familie hinter sich hat, gönnt man ihnen aber auch diesen Funken Glück und Erleichterung, auch wenn es die vergangenen Erlebnisse vielleicht ein bisschen weniger schlimm und dramatisch erscheinen lässt. Die Ereignisse bis dahin empfand ich größtenteils nicht als beschönigt, manches ist für die Zielgruppe schon ziemlich bedrückend, auf jeden Fall wenn man länger darüber nachdenkt.
Nach dem Abschluss des Buches werden junge Leser -und vermutlich nicht nur die- sicher einiges zum Nachdenken haben, so dass ich das Ende für ein Kinderbuch als passend empfand. Günstig wäre es aber sicher, auch dieses Thema mit den Kindern aufzuarbeiten und sie mit ihren Gedanken dazu und zum Rest der Geschichte nicht allein zu lassen.
Fazit
Eine ernste, bewegende, gleichzeitig aber auch sehr angenehm und feinfühlig aufgearbeitete Thematik, die schön in die abenteuerliche Reise auf dem Segelschiff eingebunden ist. Es werden sowohl die Probleme und Missstände rund um die Flüchtlingssituation beleuchtet, als auch die schönen Freundschaftsmomente, die zwischen den Kindern entstehen. So ist das Buch nicht durchweg bedrückend und traurig, es hat mich aber immer wieder sehr berührt und auch zum Nachdenken angeregt.
tiefgründiger und ernster als erwartet/4,5 Sterne
Wie man seine Eltern erzieht (Eltern 1) von Pete Johnson
Luis will Komiker werden und sammelt dafür fleißig Witze, die er in allen passenden oder vielleicht auch nicht so passenden Situationen zum Besten gibt. Teilweise kommt er damit sehr gut an und die Menschen lachen herzhaft, andere bedenken ihn eher mit einem skeptischen Blick und finden schräg, was er von sich gibt.
Seinen Eltern entgeht sein komisches Talent natürlich nicht, allerdings nehmen sie es nicht so ernst, wie Luis es sich wünschen würde. Dafür verhalten sie sich kurz nach seinem Schulwechsel allerdings sehr seltsam, er erkennt sie kaum wieder und daher fasst er einen Plan: er muss sie umerziehen, damit endlich alles wieder läuft, wie er es kennt.
Luis hat nach seinem Umzug längst nicht mehr so viele lustige und fröhliche Momente, wie zuvor. Alles ist neu, seine Schule ziemlich spießig, die Mitschüler lachen kaum über seine Späße und mit seinen durchschnittlichen Zensuren kann er auch nicht unbedingt punkten. Zusätzlich verhalten seine Eltern sich ziemlich schräg und nehmen sich zu sehr ein Beispiel an den Lebensweisen der Nachbarschaft.
Seine Erlebnisse hält Luis in Tagebuchform fest und berichtet so über mehrere Monate, was ihm widerfahren ist, was ihn besonders glücklich oder auch traurig gemacht hat, was ihn frustriert, was er sich erhofft und wünscht und welche Pläne er schmiedet. Immer wieder berichtet Luis auch von Theo, einem seiner Mitschüler, der zusätzlich noch in der Nachbarschaft wohnt. Schnell wird klar, dass seine Eltern sich wünschen, er wäre etwas mehr wie Theo. Nur ist für Theo längst nicht alles so toll, wie es auf den ersten Blick scheint.
Das Buch ist leichtgängig und lässt sich flüssig lesen. Die Sprache ist passend für den zwölfjährigen Protagonisten und damit für jüngere Leser gut verständlich. Es gab viele Situationen, in denen ich dachte: das werden so viele Kids nachvollziehen können. Wie man als Heranwachsender seine Eltern, Mitschüler und Lehrer wahrnimmt, ist einfach etwas anderes, als wenn man dann älter ist. Und einige der Eindrücke, die Luis beschreibt, kamen auch mir sehr bekannt vor. Durch die Tagebuchform fühlte ich mich sofort gut mitgenommen und man ist sehr nah bei Luis und seinen Gedanken, ohne Ablenkung von außerhalb. Kleine Zeichnungen unterstützen dabei die Inhalte der Tagebucheinträge und lockern den Textfluss zusätzlich auf.
Man bekommt einen Eindruck von seinen Eltern und seinem kleinen Bruder, seinen Mitschülern und kann miterleben, wie er seinen Traum, Komiker zu werden, weiter verfolgt. Daher sind im Buch auch immer mal wieder kleine Witze enthalten, einige davon fand ich ganz lustig, andere entsprachen nicht so meinem Humor, aber ich empfand es auch gar nicht so sehr als Hauptpunkt des Buches. Natürlich spielt es eine Rolle, weil es ein Teil von Luis ist und er sonst mit seinen lockeren Sprüchen gut angekommen ist. Aber nun hat sich einiges geändert und Luis grübelt viel, was da eigentlich los ist und was er dagegen tun kann. Dadurch wird das Buch deutlich tiefgründiger und ernster, als ich es zunächst erwartet hatte.
Durch die Eltern der Nachbarschaft, die von ihren Kindern viel erwarten und ihren Alltag von A bis Z durchplanen, nehmen auch Luis‘ Eltern sich das immer mehr an und übertragen den Druck, den sie von außen empfinden, durch Kommentare und Gespräche, nun auf ihre Kinder. Leistungs- und Erwartungsdruck, Vergleiche, sich mit anderen messen und sie idealerweise übertrumpfen zu müssen, fehlende Selbstbestimmung und Freizeit, das Rebellieren gegen Vorschriften, der Wunsch seine Träume zu verfolgen… all solche Dinge spielen im Buch eine große Rolle. Es ist zwar ein kindlich-jugendlicher Blick auf all diese Dinge, aber es ist keinesfalls lächerlich oder unbedeutend, was Luis da denkt, erlebt und fühlt, im Gegenteil. So wird die Geschichte nicht nur junge Leser, sondern auch Erwachsene zum Nachdenken und vielleicht auch Überdenken einiger Einstellungen und Verhaltensweisen anregen.
Fazit
Eine wirklich schöne Geschichte, die aus meiner Sicht nicht nur für junge Leser geeignet ist. Auch als Erwachsener kann man viel daraus mitnehmen, weil man durch Luis Blick auf die Dinge zum Nachdenken angeregt wird. Durch die lockere Erzählerweise und die teils lässigen, teils lustigen Sprüche, die immer wieder integriert sind, ist es keine durchweg ernste Stimmung, es ist aber auch alles andere als dauerhaft witzig und unbeschwert. Mir hat die Mischung richtig gut gefallen und ich war überrascht, wie tiefgründig der Inhalt tatsächlich ist. Das hätte ich anfangs nämlich nicht erwartet. Und die angesprochenen Probleme sind auch längst nicht alle nur Schwierigkeiten für Kinder und Jugendliche, einiges davon lässt sich auch in die „Erwachsenenwelt“ gut übertragen.
schöne Geschichte, tolle Gestaltung
Mission Hollercamp Band 1 - Der unheimliche Fremde von Lena Hach
Im Hollercmap können Leon, Jakub und Emily so richtig die Seele baumeln lassen und die Ferien genießen. Jedes Mal, wenn sie an den idyllischen See fahren, freuen sie sich darauf, sich wiederzusehen, gemeinsam zu entspannen, die Gegend zu erkunden und auch mal kleine Abenteuer zu erleben. Doch dieses Mal ist etwas anders.
Es passieren seltsame Dinge: während des Schwimmens verschwindet Kleidung, Holz, das eigentlich trocken war, ist plötzlich nass, Schilder werden versetzt oder zur Irreführung beschmiert.
Kann das an dem Fremden liegen, der recht neu in der Gegend zu sein scheint und den alle nur aus der Ferne beäugen? Die Freunde begeben sich auf die Suche nach der Wahrheit und finden dabei allerhand heraus.
Der Auftakt der Reihe hat mir wirklich gut gefallen. Die Sprache und die Satzstruktur sind einfach gehalten, so dass es auch für jüngere Leser gut verständlich ist und sich das Buch zügig und flüssig lesen lässt. Es schwingt auch eine gute Portion Humor mit, die mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat und einfach auch zeigt, wie anders Kinder Situationen manchmal sehen und empfinden. So werden sich jüngere Leser bestimmt gut mit vielen der Dinge identifizieren können, die Leon berichtet, Erwachsene schmunzeln vielleicht einfach ein paar mal öfter, weil sie die Lage aus einer anderen Sicht betrachten.
Besonders toll gemacht fand ich die kleinen Einschübe von Emily, die hier und da kommentiert, was Leon aus der Ich-Perspektive berichtet. Manchmal stimmt sie zu, manchmal widerspricht sie, lobt ihn dafür, dass er das erwähnt hat oder gibt einfach noch mal ihren eigenen Senf dazu. Das lockert den Textfluss auf und bringt einem die Figuren und die Stimmung, die zwischen ihnen herrscht noch einmal näher. Zusätzlich gibt es auch kleine Illustrationen, die die Handlung gut unterstützen.
Die drei Freunde sind alle unterschiedlich, was mir gut gefallen hat. Emily spricht zum Beispiel auch Englisch und Hindi, weil ihre Familie Wurzeln in den Ländern hat. Das ist ebenso selbstverständlich in den Text eingebaut, wie Jakubs Hörgeräte und seine polnische Heimat bzw. die seines Vaters. Sie akzeptieren einander, wie sie sind und auch wenn sie sich gegenseitig mal aufziehen, mit ihren Stärken und Schwächen, geschieht das immer auf eine Art und Weise, die mir niemals abwertend erschien. Gemeinsam ergeben sie ein starkes Team, unterstützen sich, tüfteln an cleveren Ideen, bauen sich auf bei Misserfolgen und halten einfach zusammen, egal was kommt. Abgesehen von den Freunden lernt man auch Leons Eltern, seine Schwester, seine Cousine, Emilys Granny, Jakubs Vater, den geheimnisvollen Fremden und einige andere vom Campingplatz bzw. aus dem Ort kennen. Viele von ihnen spielen jedoch eher am Rand eine Rolle und rücken nicht so sehr in den Mittelpunkt des Geschehens. Auf jeden Fall entsteht ein sehr bunt gemischtes Figurenfeld.
Da immer mehr ungewöhnliche Dinge passieren, schmieden die Freunde Pläne, um hinter die Machenschaften zu kommen. Dabei lernen sie auch den „Fremden“ kennen, der von den meisten nur aus der Ferne betrachtet wird, mit dem sich aber die wenigstens nur persönlich beschäftigen. Ihre erste Begegnung verlief jedoch ganz anders, als die Kids das geplant hatten. Dabei wird schnell deutlich, dass es ihnen irgendwie unheimlich ist, sie aber auch sehr neugierig sind und sie die Vorurteile, die ihnen von anderen eingetrichtert wurden, nicht einfach glauben wollen, wo ihr Gegenüber doch einen ganz anderen Eindruck auf sie macht und ihnen sogar geholfen hat.
Insgesamt ist die Handlung nicht oft überraschend, aber es gibt schöne Entwicklungen und die Charaktere bei ihrer Suche zu begleiten, war interessant und hat mir viel Spaß gemacht. Für jüngere Leser ist der Spannungsfaktor sicher auch noch etwas größer und man fiebert noch intensiver mit den Figuren mit. Schön eingeflochten fand ich auch die Freundschaft zwischen dem 12 jährigen Leon und seinen Freunden.
Fazit
Ein schöner Auftakt, der neugierig darauf macht, was Leon und die anderen noch im Hollercamp erleben und herausfinden werden. Können sie Beweise sammeln oder wird es weitere Streiche geben, für die sie selbst sich möglicherweise verantworten müssen, obwohl alles ganz anders ist? Durch die Illustrationen und die Kommentare von Emily ist das Buch sehr ansprechend gestaltet und es entsteht gemeinsam mit dem schönen, einfach gehaltenen Schreibstil eine lockere, teilweise witzige Atmosphäre zum Wohlfühlen.
facettenreiches Setting, spannende Handlung, toller Auftakt
Das Reich der Schatten, Band 1: Her Wish So Dark (High Romantasy von der SPIEGEL-Bestsellerautorin von "One True Queen") von Jennifer Benkau
In Laires Leben lief schon so einiges nicht nach Plan. Sie lebt mit ihrer Mutter im Exil und kann sich nur knapp mit den Verkäufen ihrer Produkte über Wasser halten. Nur wenige Menschen halten noch zu ihr, der Zugang zur Universität wird ihr nicht gestattet und darüber hinaus trägt sie auch noch ein großes Geheimnis mit sich herum, das ihr gefährlich werden könnte.
Doch all die Schwierigkeiten und Entbehrungen haben sie auch stark gemacht und lassen sie bedingungslos für ihre Ziele einstehen. Wenn ihr etwas wichtig ist, dann gibt sie nicht so schnell auf. Daher war auch sofort klar, dass sie sich auf den Weg ins Daemareich machen würde, als sie erfahren hat, dass ihr Verlobter verflucht wurde und sich nun in den Fängen des düsteren Lords befindet.Wer im Reich der Schatten bestehen will, muss allerdings einiges auf sich nehmen und sollte sich auf keinen Fall das falsche wünschen…
Zunächst beginnt das Buch relativ ruhig und man bekommt die Gelegenheit in die komplex aufgebaute Welt einzutauchen und die wichtigsten Figuren kennen zu lernen. Im Verlauf der Geschichte erfährt man dann immer mehr Details, die deutlich machen wie facettenreich schon allein das Daemareich ist, in das die Charaktere reisen, um den Verfluchten zu befreien. Im Reich der Schatten ist nicht viel, wie es scheint. Es wird mit Wünschen, Ängsten, Hoffnungen, Stärken und Schwächen gespielt. Nur wem es gelingt, sich nicht in die Irre führen zu lassen, wer sich seinen Gedanken stellt und felsenfest an seinem Ziel festhält, hat überhaupt die Chance, es bis zum Daemalord zu schaffen. Auf dem Weg dahin gibt es zahlreiche Hürden, die überwunden werden müssen und auch nicht alle Wesen des Reiches sind den Eindringlingen wohlgesonnen. So kommt es zwischendurch zu kämpferischen Auseinandersetzungen. Mir hat der Aufbau des Daemareiches unglaublich gut gefallen. Es gibt an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken und durch die unterschiedlichen Aspekte, die miteinander verwoben werden, wird es niemals langweilig. Dazu kommt dann noch, dass die Figuren sich ihren eigenen Gedanken stellen müssen und nicht nur den Hindernissen, die ihnen ganz offensichtlich in den Weg gestellt werden. Dabei müssen sie sich Dinge eingestehen, die sie lieber verdrängt oder für immer in sich verschlossen hätten. Durch lebendige Beschreibungen kann man die Handlung sehr intensiv verfolgen und umso weiter das Buch voranschreitet, umso temporeicher, spannender und dynamischer wird das Geschehen.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert, wodurch es möglich wird, unterschiedliche Handlungsstränge zu verfolgen, aber auch in unterschiedliche Köpfe zu schauen und zu erfahren, was die Ereignisse mit den Figuren machen. Protagonistin Laire erzählt dabei aus der Ich-Perspektive und hat auch die größten Anteile im Buch, so dass man sie besonders intensiv kennenlernt. Ihren Verlobten zu befreien hat für sie oberste Priorität, dennoch ist sie sehr bemüht, sich selbst treu zu bleiben und weicht nur von diesem Weg ab, wenn es gar nicht anders geht. Durch ihr Geheimnis hat sie früh gelernt, wie schwer es ist, echte Freunde zu finden und dass sie nur wenigen Leuten vertrauen darf. Im Daemareich können ihre Fähigkeiten ihr jedoch helfen, allerdings nur, wenn sie mutig genug ist, es zuzulassen und es ihr gelingt, die Gabe nicht zu mächtig und unkontrolliert werden zu lassen. Eine ziemliche Gradwanderung für Laire, die es ihr immer wieder schwer macht. Auch Alaric macht ihr das Leben nicht unbedingt leichter. Er ist eine der weiteren Figuren, aus deren Perspektive man einen Teil der Handlung erlebt. Laire und er haben eine gemeinsame Vorgeschichte, die nicht besonders positiv ausgegangen ist. Tief verletzt, ist Laire zunächst nicht bereit, auf sein Angebot einzugehen und ihn mit ins Daemareich zu nehmen. Erst als sich kein anderer Ausweg mehr bietet, muss sie murrend zustimmen ihn, neben ihrer besten Freundin Vika und dem ehemaligen Paladin Jero, mitzunehmen und bereut diese Entscheidung immer wieder. Denn so gern sie Alaric einfach weiter verachten würde, für das, was er getan hat, so löst seine Anwesenheit doch sehr viel mehr in ihre aus.
Alaric ist ein interessanter Charakter, dessen Geschichte ich ebenfalls gern begleitet habe. Als Leser weiß man mehr als die anderen Figuren, da Alaric nicht über das sprechen darf, was ihn antreibt. Dadurch wirkt er oft kalt und unnahbar, die Kapitel aus seiner Perspektive geben jedoch trotz eines personalen Erzählers gute Einblicke in sein Innenleben und zeigen, wie sehr ihm einige Dinge zu schaffen machen und wie gern er einiges ändern würde, wenn es ihm doch nur möglich wäre. Ich mochte ihn als Figur sehr gern und bin gespannt, was da noch kommen wird, denn die Ereignisse und Enthüllungen zum Ende des Buches haben große Auswirkungen auf seine Zukunft.
Die dritte Figur, die begleitet wird, ist Desmond, Laires Verlobter. Er befindet sich beim Lord des Daemareiches und wagt kaum zu hoffen, dass jemand kommen könnte, um ihn zu befreien. Es gibt nur hin und wieder Kapitel aus seiner Sicht, in diesen bekommt man dann noch mal andere Eindrücke vom Lord, aber auch von Desmonds Leben, seinen Absichten und Geheimnissen. Laire und Alaric lernt man insgesamt besser kennen, als Desmond, auch wenn er mehr oder weniger die treibende Kraft ist, die die anderen antreibt, überhaupt ins Reich der Schatten zu gehen.
Zusammen ergeben die einzelnen Perspektiven ein komplexes, abwechslungsreiches Gesamtbild und da sich die Stränge alle in gewisser Weise bedingen und zumindest die von Alaric und Laire direkt miteinander verwoben sind, wird die Handlung trotz der Wechsel stetig vorangetrieben. Ich mochte auch die Dynamik zwischen den Figuren sehr gern. Es ist für alle nicht einfach, sie müssen Kompromisse eingehen, sich aufeinander verlassen, obwohl sie einander nicht alle vertrauen und immer wieder stehen ihnen unterschiedliche Gefühle und Empfindungen im Weg. So müssen sich die Protagonisten auch viel mit sich und ihren Eindrücken auseinandersetzen, um im großen Ganzen voran zu kommen.
Der Schreibstil von Jennifer Benkau lebt von der facettenreich ausgebauten Welt, all den fantastischen Ideen, den dynamischen Gesprächen und den lebendigen Beschreibungen. Ich habe mich von Beginn an wohlgefühlt, auch wenn der Start insgesamt recht ruhig und eher gemächlich war. Die Handlung nimmt dann allerdings stetig mehr Tempo auf und man möchte die Geschichte kaum noch beiseite legen. Besonders gut gefallen mir auch die bildgewaltigen Formulierungen, die die Atmosphäre und Emotionen super transportieren. Am Ende des Buches ist viel passiert, es war sehr spannend und turbulent, es gab zahlreiche Hürden zu bewältigen und Herausforderungen zu meistern, die Figuren sind zusammengewachsen und doch hat jeder so seine Geheimnisse, von denen zwischendurch einige ans Licht kommen und doch bleiben für den weiteren Verlauf der Handlung noch viele Fragen offen und es haben sich neue Konstellationen ergeben, bei denen es interessant sein wird, zu verfolgen, wie es weitergeht.
Fazit
Ein richtig toller Auftakt, der einen in eine komplexe, fantasievolle Welt entführt. Besonders das düstere Reich der Schatten hat mich fasziniert und immer wieder für Überraschungen gesorgt. Auch wenn es zunächst eher ruhig startet, nimmt die Handlung dann an Fahrt auf, es wird sehr turbulent und spannend, mit einigen Wendungen und unerwarteten Ereignissen. Durch die lebendige Erzählweise entstanden detaillierte Bilder in meinem Kopf, die das Lesen der angenehm und stimmungsvoll gemacht haben. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird mit den interessanten Charakteren und der ziemlich veränderten Konstellation, die sich zum Schluss ergeben hat.
schönes Kinderbuch zum Entdecken und Lernen
Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 71 - Turnen, tanzen, Musik machen von Constanza Droop
Wieso, weshalb, warum? Ich mag die Art dieser Bücher total gern. Die Themen werden kindgerecht präsentiert und es gibt immer viel zu entdecken, auch über die kleinen Texte hinaus, die auf den Seiten stehen. Die kurzen Passagen beschreiben grob das Geschehen der tollen Illustrationen, zusätzlich kann man aber weitere Kinder, Sportgeräte, Musikinstrumente oder andere Dinge, je nach dem behandelten Aspekt auf der Seite, sehen.
Zu dem offensichtlichen Geschehen gibt es hinter den vorhandenen Klappen für die Kinder vor dem Buch noch zusätzlich etwas zu entdecken. Die Kinder auf den Buchseiten verändern ihre Haltung im Ballett, machen eine neue Bewegung beim Turnen, fangen an ihre Instrumente zu spielen oder führen ihre Tänze fort, wenn man die Klappen im Buch umklappt. Beim ersten Knicken waren einige dieser Klappen etwas schwergängig, danach ging es dann aber problemlos. Gut gefallen hat mir auch, dass die Klappen unterschiedlich von der Form und Größe sind, das macht es zusätzlich abwechslungsreich. So sind die Kinder beim Ansehen des Buches auch aktiv integriert und können selbst etwas machen. Besonders schön finde ich auch das Drehrad, das zum einen zeigt, welche Yogaübung zu welchem Bild passt und auf der anderen Seite unterschiedliche Möglichkeiten präsentiert, Bänder durch die Luft wirbeln zu lassen. Die im Buch gezeigten Kinder sind alle sehr unterschiedlich, was mich ebenfalls angesprochen hat. Unterschiedliche Haaar- und Hautfarben, unterschiedliche Interessen und Talente und auf der einen Seite gibt es auch ein Kind im Rollstuhl. So kann man auch an solche Themen heranführen und zeigen, dass es nicht auf Handicaps oder Herkunft ankommt, sondern auf das Miteinander und den Spaß an der Sache.
Ein toller Querschnitt durch die Themen Turnen, Tanzen und Musik machen, bei dem man sehr viel sehen und entdecken kann und das eine oder andere Kind sicher auch Lust bekommen wird, selbst etwas von dem Gezeigten auszutesten. Es wird bei keinem Thema sehr lange verweilt, aber es bietet auf jeden Fall die Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen und bei Interesse das eine oder andere noch mal zu vertiefen. Da es so viel auf den Seiten zu entdecken gibt, kann man es auch sehr gut mehrfach anschauen und immer mal wieder auf andere Aspekte den Fokus legen.










