Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Dana:
spannend, blutig und wieder anders
Bluthölle von Chris Carter
Als Taschendiebin freut sich Angela Wood ganz besonders auf die Adventszeit. Wenn alle Menschen dicht gedrängt durch die Geschäfte und Ladenstraßen laufen, dicht eingewickelt in warme Kleidung, fällt kaum einen auf, was die junge Frau in ihrer Mitte treibt. Nach einem erfolgreichen Tag gönnt sie sich eine kleine Pause in einer Bar, als ihr jemand auffällt, der ebenfalls eine Lektion verdient hätte.
Hätte Angela allerdings gewusst, was da auf sie zukommt, hätte sie wohl die Finger von der teuren Tasche gelassen. Denn der Beklaute ist ein Profikiller, der nun weitere Personen auf seine Abschussliste geschrieben hat…
Ich habe bereits einige Bücher von Chris Carter gelesen beziehungsweise die Geschichte als Hörbücher gehört und doch wird es mir nie langweilig. Jede Geschichte ist individuell und einzigartig, auch wenn es vielleicht mal Ähnlichkeiten in den Abläufen oder Morden gibt. Die Grausamkeiten scheinen dem Autoren nicht auszugehen, ebenso wie es ja auch immer weiter Menschen gibt, die Verbrechen begehen und ihren schrecklichen Gelüsten nachgehen.
Mir hat der Schreibstil des Autoren wieder gut gefallen und ich war von Anfang an gespannt auf die Geschichte und die Entwicklungen. Das Buch ist flüssig zu lesen und die Spannung in der Handlung steigert sich immer weiter. Am Ende habe ich so mitgefiebert, dass ich das Buch gar nicht mehr weglegen konnte.
Zunächst begleitet man die Taschendiebin, die schon einiges in ihrem Leben mitgemacht hat. Doch was sie nun erlebt, hätte sie niemals erwartet. Auf das Tagebuch eines Mörders zu stoßen, ist auch alles andere als Alltäglich. Angela lässt sich nicht gern Vorschriften machen und nimmt den Ernst der Lage vermutlich auch nicht so wahr, wie sie es sollte. Damit bringt sie sich selbst, aber auch die Ermittler zusätzlich in Gefahr, denn mit ihrem Gegner ist alles andere als zu spaßen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in dem jeder ein Druckmittel parat hält. Doch wer wird wohl die besseren Karten haben?
Von Hunter und Garcia hat man in den vorangegangenen Büchern schon einiges erfahren und einige ihrer Eigenschaften und Eigenarten finden auch hier wieder Erwähnung. Es wurde insgesamt aber nicht ganz so persönlich, wie in manch anderen Büchern. Mich hat das nicht gestört, da die Ereignisse rund um die Morde sehr vielseitig sind und es nie langweilig wird. Ich erfahre aber auch immer gern etwas über die Ermittler, mit denen man unterwegs ist, da ihre Persönlichkeit meistens ja auch Einfluss auf die Entwicklungen und ihre Arbeit hat.
Man kann die Thriller alle gut unabhängig voneinander lesen, da die Fälle in sich abgeschlossen sind und man kein Vorwissen zu den Figuren benötigt. Ich habe auch noch nicht alle Werke gelesen und konnte der Handlung trotzdem gut folgen. Es ist auf jeden Fall spürbar, dass die Ermittler gut aufeinander abgestimmt sind und teilweise die Gedanken des jeweils anderen fortführen können. Ich mag die beiden Detectives gern, sie sind alles andere als perfekt, aber sehr ehrgeizig und geben nicht schnell auf. Sie packen selbst mit an und scheuen weder Dreck noch andere Widrigkeiten. Gut gefallen hat mir auch die Kooperation mit anderen Einheiten des LAPD, die zum Vorankommen mit einbezogen werden. So taucht man gleich noch etwas tiefer in die Strukturen der Polizei ein.
Die Wege der Ermittlungen sind im Verlauf des Buches unterschiedlich, denn umso mehr sie über ihren Täter erfahren, umso mehr Fragen werden auch aufgeworfen, bis sich nach und nach ein schlüssiges Bild ergibt, mit dem ich in der Form zu Beginn nicht unbedingt gerechnet habe. Doch auch dieses hilft nur bedingt dabei, den Verbrecher festzunehmen, so durchdacht und gut organisiert, wie er vorgeht. Ich fand es sowohl interessant als auch gruselig zu verfolgen, wie durchtrieben, brutal, blutig und absolut grauenvoll die Morde geschehen sind und wie scheinbar unbeteiligt die Aufzeichnungen darüber wirken.
Während nach und nach die alten Verbrechen aufgerollt werden, müssen sich alle auch mit den aktuellen Entwicklungen beschäftigen und das Team des LAPD gerät sehr schnell mit ins Visier. Durch die Perspektivwechsel kann man die parallel laufenden Stränge verfolgen und erhält Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Handlung, die sich alle bedingen und irgendwann auch ineinander übergehen. Die Szenenwechsel sorgen für zusätzliche Spannung und Dynamik in der Geschichte, die Spannung steigert sich immer weiter, auch weil die Gefahr für alle Beteiligten deutlich zunimmt. Einige Passagen sind wieder blutig und heftig, geschont wird man da als Leser nicht unbedingt.
Fazit
Wieder ein spannender, blutiger Thriller aus der Feder von Chris Carter. Es gibt zahlreiche Morde, die im Buch aufgerollt werden. Einige erlebt man direkt mit, von anderen wird rückblickend berichtet, was sie aber nicht weniger erschreckend, brutal und grausam erscheinen lässt. Das Tempo steigert sich im Verlauf des Buches, ich habe bis zum Ende mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, wie es ausgehen wird.
schönes Bilderbuch mit viel Natur
Lotta entdeckt die Welt: Im Wald von Sandra Grimm
Lotta, ihr Opa und Hund Zottel entdecken den Wald. Dort gibt es viele unterschiedliche Dinge zu sehen und zu hören. Seite für Seite erleben die drei, wie vielfältig und bunt es zugeht.
Das Buch ist sehr stabil und damit auch gut geeignet für Kinderhände. Den Großteil der Seite nehmen die Bilder an, die eine Mischung aus Fotografie und Illustrationen sind.
Dadurch werden die Dinge, die man entdecken „soll“ noch mehr hervorgehoben. Die Gestaltung der Seiten gefällt mir sehr gut.
Neben den im Text angesprochenen Aspekten kann man auf den Seiten noch weitere Sachen entdecken, vor allem unterschiedliche Tiere. So kann man sich auf den Buchseiten auch länger aufhalten, als der Text selbst andauert. Die Texte sind leicht formuliert und nicht zu voll an Informationen. Schön finde ich auch die Gestaltung der Wörter entsprechend ihrer Bedeutung. So ist „klein“ zum Beispiel eben klein geschrieben. Allerdings ist das wohl eher schön für die Erwachsenen, die es lesen und nicht für die Kids selbst. Es verleitet jedoch dazu diese Wörter beim Vorlesen auch anders zu betonen, wodurch es dann noch lebendiger wird.
Schön fand ich auch, dass Lotta und ihr Opa sehr achtsam mit der Natur umgehen. Sie sehen und entdecken viel, erkunden, was es zu sehen gibt, bemühen sich aber die Tiere nicht zu stören und achten auch auf ganz junge Pflanzen, die noch viel wachsen müssen.
Ein schönes Buch für kleine Naturentdecker, das man auch gut mehrfach durchblättern kann. Auf den Seiten gibt es viel zu entdecken und es macht ja auch Spaß einige Dinge einfach immer wieder zu „erleben“.
tolle Geschichte, locker-leicht und zeitgleich gefühlvoll
Lotta entdeckt die Welt: Im Wald von Sandra Grimm
Thea ist Physiotherapeutin und hat schon mit 27 ihre eigene Praxis, in der sie sich sehr wohl fühlt. Das liegt vor allem auch an den netten Nachbarn, mit denen man sich immer mal auf ein Gespräch oder eine Tafel Notfallschokolade treffen kann. Egal welches Problem angegangen werden muss, irgendjemand wird eine Lösung finden.
Und auch wenn Thea in dem Haus nur arbeitet und nicht wohnt, so sind ihr die Menschen dort sehr ans Herz gewachsen, so unterschiedlich sie auch alle sind. Als dann die Nachricht kommt, dass das Gebäude verkauft werden soll, ist das nicht nur für Thea ein Schock. Alle müssen raus und sich neue Räumlichkeiten suchen und dabei ist es ziemlich ausgeschlossen, dass die Hausgemeinschaft beieinander bleiben kann. Doch der nahende Umzug ist nicht die einzige Veränderung, die gerade Theas Leben auf den Kopf stellt…
Die Geschichte war richtig toll und hätte für mich gern noch länger andauern können. Ich habe mich sofort wohl gefühlt mit der Hausgemeinschaft, die aus so unterschiedlichen Menschen besteht. Mit denen wird es definitiv nicht langweilig und man kann fast jede Krise besprechen und angehen, wenn manchmal vielleicht auch mit einem Kaffee oder einer ordentlichen Portion Schokolade, um den Frust in den Hintergrund zu schieben. Jeder darf seine Persönlichkeit mit einbringen, sowohl die Macken, als auch die liebenswerten Seiten und so gab es immer wieder Momente zum Schmunzeln.
Thea ist eine sympathische Protagonistin, die nicht perfekt, aber einfach liebenswert ist. Auch die Emanze, die sich immer mal an die Oberfläche schlägt, mochte ich. Vor allem wohl weil es so schön in die Handlung eingebunden war, dass man es sich einfach gut vorstellen konnte. Und in ihrem Emanzen-Modus auch mal was schief geht. Wenn mal keine Hüfte, kein Knie oder ein verspannter Rücken da ist, an dem man seine Energien abarbeiten kann, dann muss öfter eine Tafel Schokolade herhalten – immer wieder ein Thema im Buch, wie ein zusätzlicher roter Faden, der sich durch die Geschichte zieht.
Die Kombination der Figuren hat mir richtig gut gefallen. Von manchen erfährt man mehr, andere bleiben etwas im Hintergrund, aber jeder hat seinen Platz in der Geschichte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, neben Schröder, auch Theas Oma, die war einfach toll, wenn auch ein wenig speziell. Auch wenn man von Thea durch die Ich-Perspektive am meisten Einblicke bekommt, so empfand ich die Verknüpfung der anderen Figuren mit ihr und damit auch die Informationen, die man erhält, als gelungen. Genau das richtige Maß für die Entwicklungen in der Geschichte.
Die Sprecherin Vanida Karun ist großartig. Sie transportiert die Handlung intensiv und lässt sowohl die Geschehnisse, als auch die Charaktere lebendig werden. Es wird ausdrucksstark und abwechslungsreich vorgelesen. Durch die Anpassungen in der Tonlage, Sprechtempo und Sprechweise kann man die Figuren nicht nur gut unterscheiden, sondern einige ihrer Eigenarten werden dabei auch gleich noch deutlich. Während Schröder zum Beispiel sehr ruhig und entspannt wirkt, beherrscht, aber nicht unterkühlt, so ist Thea doch eher etwas aufgedreht, schlagfertig und lässt sich eher von ihren Emotionen leiten, als andere Bewohner der Hausgemeinschaft. Auch die unterschiedlichen Gefühlslagen der Beteiligten haben mich erreicht. Ich konnte mich mit ihnen freuen, mit ihnen bangen, lachen oder schmunzeln und auch grübeln und rätseln, was es wohl mit der einen oder anderen Begebenheit auf sich hat.
Insgesamt ist es eine locker-leichte Geschichte, die aber auch ernstere, emotionale Passagen enthält, ohne dabei die Leichtigkeit zu verlieren. Auch wenn es erst die zweite Geschichte der Autorin war, die ich kennengelernt habe, kann ich doch schon sagen, dass ich den Stil total gern mag. Die Bücher regen zum Nachdenken an, aber auf eine sehr schöne Weise, nicht so erdrückend oder niedergeschlagen, sondern einfach durch die Fragen, die sich die Figuren im Laufe der Handlung so stellen.
Einige der Entwicklungen waren zu erahnen, andere Wendungen haben mich dann jedoch überrascht. Vor allem in den Szenen, die mehr in die Tiefe gingen, hatte ich nicht erwartet, so etwas zu erleben. Das hat wieder deutlich gemacht, dass manches eben doch nicht so ist, wie es scheint und unterschiedliche, schwierige Situationen ähnliche Gefühle oder Einstellungen hinterlassen kann. Ich mochte aber auch die ernsteren Elemente in der Geschichte, denn jeder Mensch hat ja seine Vergangenheit, seine eigenen Dämonen, Ängste, Hoffnungen und Wünsche.
Für mich war die Liebesgeschichte richtig gut in den Gesamtkontext eingebunden. Die beiden Charaktere waren einfach so süß miteinander, ohne dabei zu kitschig zu werden. Es wirkte gar nicht aufgesetzt oder erzwungen und dadurch besonders authentisch. In der Hörrunde bezeichnete es jemand als „unaufgeregt“ und ich finde, das passt total gut. Die Gefühle flossen in die Handlung mit ein, es entwickelte sich Stück für Stück und natürlich hat man bei Thea dadurch Veränderungen bemerkt, aber sie war trotzdem noch sie selbst am Ende. Und die Geschehnisse rund um die Hausgemeinschaft standen trotz allem immer mit im Fokus des Buches.
Fazit
Eine wundervolle Geschichte, die mich mit der Mischung aus Leichtigkeit, Humor, tollen Charakteren, kleinen überraschenden Wendungen und auch ernsteren Momenten überzeugt hat. Ich mag den Stil der Autorin und auch die Sprecherin sehr gern und hätte auch die etwas chaotischen Hausgemeinschaft gern noch länger bei ihren Erlebnissen begleitet.
direkt, gefühlvoll, erschütternd und gleichzeitig ergreifend
Drahtseiltänzer von S. B. Sasori
Noah hatte sich seine Sommerferien eigentlich anders vorgestellt, aber als sich ihm die Chance bietet spontan mit seinem Onkel in die Toskana zu fahren, schlägt er das Angebot nicht aus. So entkommt er der angespannten Situation zu Hause, der Vergangenheit und den Gefühlen seiner Eltern, die nach seinem Outing ein wenig in Schieflage geraten sind.
Ein paar schöne Stunden unter der italienischen Sonne hatte er sich erhofft, doch bekommen hat er etwas ganz Anderes. So viel mehr, aber auch viel weniger Entspannung, als eigentlich gedacht und am Ende ist das Chaos in ihm und um ihn herum noch viel größer, als vorher.
Viel zu lange hat dieses Buch auf dem SuB darauf gewartet von mir gelesen zu werden und nun endlich habe ich es befreit und es absolut genossen. Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und mag ihren Stil sehr gern, auch wenn er vielleicht nicht für jeden etwas ist. Auch in diesem Werk hat sie mich nicht enttäuscht. Es wird derb, erschütternd, emotional, aufwühlend, chaotisch, direkt, aber auch immer wieder einfach wunderschön und herzerwärmend. Wer vor expliziten Szenen, ungeschönten Momenten, ehrlichen Worten und den tiefen, aufrichtigen, zugleich vernichtenden, als auch haltspenenden Gefühlen zweiter Männer zurückschreckt, der sollte die Finger von dem Buch lassen. Wer jetzt neugierig ist, für den könnte die Geschichte etwas sein.
Ciro und Noah haben sich mitten in mein Herz gesetzt. Beide Charaktere sind einfach toll, mit reichlich Ecken und Kanten, mit Problemen, Macken, Wünschen, Träumen, Hoffnungen, gefangen in Zwängen und Zweifeln. Auf den ersten Blick erscheint Noah als deutlich stärkerer Protagonist, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Und in gewisser Weise zieht sich das durch das gesamte Buch, aber in Ciro schlummert auch eine ganz besondere Stärke, die man nicht unbedingt sofort sieht. Aber Ciro ist auch verletzlich, unsicher und durch sein Leben ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten. Und doch ist er einfach großartig, mutig und das nicht nur beim Tanz auf dem Seil, sondern auch bei den anderen Dingen, die er erträgt, die er duldet, die er schluckt, weil sich der Ausweg im Moment eben auch einfach nicht bietet.
Gemeinsam ergeben Ciro und Noah eine emotional aufgeladene, explosive Mischung, die einen mit nimmt auf eine turbulente, überraschende Achterbahnfahrt, die immer wieder auch Einblicke in die Abgründe ihrer Seelen liefert. Dieses Buch ist voller Leid und Schmerz, Kummer und Zweifeln und daneben scheint trotzdem die Sonne, es gibt so tolle Momente, Gespräche oder auch einfach nur Gesten, die deutlich machen, dass es manchmal einfach mehr als tausend Worte sagt, jemanden zu halten und für ihn da zu sein.
Klingt alles noch ein wenig wirr und unverständlich? Nun ich will hier nicht spoilern, euch aber trotzdem versuchen die Bandbreite an Gefühlen, Elementen, tollen und aufwühlenden Situationen zu schildern. Mit Ciro und Noah wird es nie langweilig und auch wenn die Dinge, die man mit ihnen erlebt und über sie erfährt, nicht alle leicht zu schlucken sind, so hat sich für mich doch jede Seite gelohnt.
Gut gefallen hat mir auch der Vergleich mit der Situation auf dem Drahtseil, beziehungsweise auf dem Drahtseil mit dem Leben. So zieht sich der Name durch das Buch wie ein roter Faden. Es hat einen direkten Bezug zu Ciro, denn er läuft über dieses Seil, wieder und wieder. Aber auch außerhalb der Arbeit taucht es immer wieder auf. Ich mochte diese Assoziationen dazu, es hat vieles sehr schön veranschaulicht und gleichzeitig die Dramatik in manchen Situationen noch verstärkt.
Die Geschichte wird sowohl aus der Perspektive von Ciro, als auch aus der von Noah geschildert. So hat man die Möglichkeit beide Protagonisten sehr intensiv zu begleiten und direkt in ihre Köpfe zu schauen. Die Kämpfe, die sie mit sich selbst austragen, sind teilweise noch größer, als die, die sie nach außen hin austragen müssen. Durch die Ich-Perspektive erlebt man auch all ihre Gefühle hautnah mit, was das ganze noch intensiver und authentischer macht.
Fazit
Ein Buch, das einfach unter die Haut geht, auf ganz verschiedene Weise. Das Zusammentreffen und Kennenlernen von Ciro und Noah war ziemlich spontan, die folgen für beide verheerend. Der Kampf um Anerkennung, um Respekt, Verständnis und einfach darum, sein und leben zu dürfen, wie man ist und sich fühlt, nimmt viel Platz im Buch ein und wurde auf eine Art beschrieben, die einen erst innerlich zerreißt und dann wieder heilt. Der Schreibstil der Autorin ist direkt, ehrlich, beschönigt nicht, wo es nichts schön zu reden gibt und transportiert trotzdem oder gerade deswegen enorm viele Emotionen. Und obwohl ich öfter schlucken musste und die Protagonisten in den Arm nehmen wollte, um ihnen zu zeigen, dass da noch mehr Menschen sind, die für sie da sind, liebe ich die Sasori-Bücher einfach.
spannend, aber auch kleine Schwächen
Drahtseiltänzer von S. B. Sasori
Gerichtsmedizinerin und Kinderärztin Sara Linton findet eine aufgeschlitzte Frau auf der Toilette eines Restaurants. Brutal zugerichtet und ohne die Chance auf eine Rettung. Und was das ganze noch ein bisschen grausamer macht: Sara kennt die junge Frau, die in ihren Armen verblutet. Die gesamte Stadt ist erschüttert und auch die Polizei hat ein persönliches Interesse daran den Fall möglichst schnell aufzuklären, denn das Opfer ist die Schwester einer Mitarbeiterin.
Umso tiefer die Beamten in den Fall eintauchen, umso mehr grausame Details kommen ans Licht. Und es geraten weitere Frauen in Gefahr…
Ich bin gut in die Geschichte hinein gekommen. Nachdem man kurz etwas über Sara Linton erfährt, geht es auch schon direkt los mit dem ersten Opfer. In dieser Szene wird nicht an Blut und Brutalität gespart und auch in den nachfolgenden Ermittlungen gibt es immer wieder Momente, die erschütternd und grausam sind. Für schwache Nerven sind diese Details sicherlich nichts, ich empfand es aber nicht als „schlimmer“, als ich es aus anderen Thrillern kenne. Es gibt der Handlung auf jeden Fall gleich eine ziemlich blutige Note.
Der Stil des Buches hat mir gut gefallen. Besonders gelungen empfand ich die Kombination aus dem Kriminalfall und den persönlichen Einblicken in das Leben der Figuren. Ich mag es immer ganz gern, wenn man auch in einem Krimi oder Thriller ein wenig was von den Menschen weiß, die dort ermitteln, untersuchen oder einfach beteiligt sind, besonders bei denen, die im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Denn ihre Erfahrungen, Erwartungen und Charakterzüge haben ebenfalls Einfluss auf die Entwicklung der Handlung. Bei all den Grausamkeiten, die der Täter seinen Opfern antut, war es manchmal auch einfach eine willkommene Abwechslung ein wenig Abstand davon zu bekommen, ohne zu weit weggeführt zu werden. Auch die Entwicklungen zwischen Jeff und Sara haben mir einfach gut gefallen. Die beiden verbindet schon eine längere Geschichte und es kocht immer wieder hoch. Dabei sind sie nicht immer ehrlich, aber irgendwann wird doch klar, was sie eigentlich wollen und wieso auch wieder nicht. Daher waren die kleinen Episoden, in denen es nicht direkt um den Mordfall ging, für mich trotzdem interessant zu verfolgen und haben einen guten Blick auf zwei der Protagonisten gegeben.
Andere Szenen sind geprägt von Brutalität, Blut, Leid und Qual und machen sehr deutlich, was den Frauen angetan wurde. Es ist immer wieder erschreckend zu was Menschen fähig sind und doch weiß man genau, dass nichts davon aus der Luft gegriffen sein müsste, denn Gewaltverbrechen gibt es ja auch in der Realität mehr als genug. Im Verlauf des Buches werden verschiedene Abgründe offenbart und auch wenn man in einem Thriller natürlich damit rechnet, dass da jemand kranke Fantasien oder eine grenzenlose Mordlust hat, war ich doch wieder erschrocken, was manchen Menschen in den Kopf kommt.
Insgesamt gab es mir zu viele Fachbegriffe, besonders was den medizinischen Bereich anging. Ja, Sara ist Ärztin, man begleitet sie teilweise bei ihrer Arbeit und sie macht zusätzlich auch Atopsien, auch die für diesen Fall relevanten. Dass es da nicht ganz ohne Fachbegriffe zugeht, ist sicher verständlich, einiges ergibt sich ja auch einfach aus der Handlung. Hier hat es aber in einigen Szenen einfach Überhand genommen. Ich bin Krankenschwester, ich habe alles von dem verstanden, was sie im Krankenhaus unternehmen, was sie herausfinden und so weiter, aber für Laien dürfte es an einigen stellen schon etwas schwierig gewesen sein. Noch dazu kommt, dass die größte medizinische Szene fachlich nicht komplett korrekt war. So was nervt mich in Büchern. Wenn man schon so detailliert werden muss, dann sollte es doch bitte auch richtig sein. Für mich hat es in dieser Passage auch etwas von der Spannung genommen, weil ich mich immer fragen musste „was machen die da, warum machen die das, was soll das“… Das ändert nichts daran, dass mir das Buch insgesamt trotzdem ganz gut gefallen hat, es ist aber einer meiner Kritikpunkte, der anderen vielleicht nicht auffällt, mir aber wichtig war zu erwähnen.
Nicht jedes Detail in der Handlung wurde am Ende auch aufgeklärt. Es gab Dinge, die angedeutet, teilweise auch recht deutlich angedeutet wurden, anderes schien etwas unbeantwortet zu bleiben. Ob diese Aspekte in den Folgebänden noch mal aufgegriffen werden, weiß ich nicht, da ich den Fortgang der Reihe nicht kenne. Bei der einen oder anderen Sache würde ich darauf hoffen, damit es nicht so ganz in der Luft hängt. Es sind aus meiner Sicht jetzt keine dramatischen Elemente gewesen, ich bin nur einfach neugierig und hätte es gern gewusst. Bei den persönlichen Entwicklungen der Charaktere bin ich mir relativ sicher, dass diese im Verlauf der Reihe weiter geführt werden, hier wäre es schade gewesen, wenn sich schon alles zu Beginn geklärt hätte. Schließlich sind diese Passagen auch wichtig im Buch und haben für mich einen Rahmen um die Ermittlungen gebildet.
Die Stimme von Nina Petri ist passend für die Geschichte und die teilweise sehr düstere Atmosphäre in dem Thriller. Leider muss ich aber sagen, dass mir besonders die Gesprächspassagen bis zum Ende zu monoton und emotionslos waren. Es gab kurze Szenen, in denen es etwas besser war und die Gefühle der Sprechenden auch transportiert wurde, die meiste Zeit klangen sie jedoch gleich, unabhängig davon ob sie aufgebracht, wütend, enttäuscht oder völlig im Delirium waren. Mit der Zeit hat man sich beim Hören daran gewöhnt und einfach auch nicht mehr erwartet, dass da mehr kommt, schade war es aber dennoch. Zu Beginn empfand ich es auch als nicht so einfach die Charaktere anhand der Stimme auseinander zu halten, auch hier klang vieles einfach sehr ähnlich. Das wurde im Verlauf der Geschichte etwas besser und es ist aus der Handlung an sich auch eigentlich immer ersichtlich, wer sich da gerade äußert.
Fazit
Einige Kritikpunkte habe ich an der Handlung und der Vertonung, aber insgesamt muss ich sagen, hat mir die Geschichte trotzdem gut gefallen. Ich war gespannt, wie es weitergeht, neugierig auf weitere Details und Ermittlungserfolge und auch die Figuren an sich, zumindest die Protagonisten, haben mir gut gefallen. Vom Rest erfährt man nicht so sehr viel. Es würde mich jetzt auf jeden Fall nicht davon abhalten die Reihe weiter zu verfolgen, auch wenn ich nicht mit allem ganz glücklich und einverstanden war.
Es wird blutig und grausam, es ist erschreckend und auch spannend gewesen. Die persönlichen Entwicklungen waren für mich gelungen in die Handlung integriert und so bildete sich doch ein recht stimmiges Bild.
facettenreich, gefühlvoll, spannend
Gods of Ivy Hall, Band 1: Cursed Kiss von Falk Alana
Erin hält sich meistens von den anderen Studenten fern und konzentriert sich komplett auf ihr Studium. Nur mit ihren Mitbewohnern gibt sie sich ab und mischt sich notgedrungen hin und wieder für kurze Zeit unter das Partyvolk der zahlreichen Abendveranstaltungen. Allerdings ist ihr Ziel dabei nicht feiern und Spaß haben.
Sie erfüllt nur ihre Pflicht, sichert ihr eigenes Überleben und versucht nebenbei noch ein wenig für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Für private Bekanntschaften gibt es bei Erin strenge Regeln, denn niemand sollte ihr unbedacht zu nah kommen. Die junge Frau küsst niemals aus Spaß am Vergnügen, denn ihre Nähe ist gefährlich und kann einen im schlimmsten Fall die Seele kosten.
Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und fühle mich jedes Mal wieder sehr wohl in ihren Geschichten, obwohl jede so unterschiedlich und einzigartig ist. Auch in diesem Reihenauftakt habe ich mich schnell in die Handlung eingefunden und wurde von den beiden Protagonisten mitgerissen. Das Buch wird aus zwei Ich-Perspektiven geschildert. Jeweils zum Beginn des Kapitels befindet sich der Name des Protagonisten aus dessen Sicht man die aktuelle Handlung erfährt. So lernt man sowohl Erin, als auch Arden sehr intensiv kennen.
Erin hat einige dunkle Geheimnisse und obwohl ihre Mitbewohner ihr Schicksal teilen, ist doch jeder anders und auf seine ganz eigene Weise gefangen in dem Pakt, den sie alle geschlossen haben. Es ist ihnen verboten über die Details zu sprechen, selbst untereinander müssen die Stillschweigen bewahren. So bleiben einige der Mitbewohner schwer greifbar, denn jeder scheint etwas zu verbergen zu haben und auch wenn sie für die Erfüllung ihrer Quoten zusammen halten und sich aufeinander abstimmen müssen, so brütet doch jeder über seinen ganz eigenen Problemen. Da Arden und Erin im Mittelpunkt stehen, hat es mich nicht so gestört, dass man von den anderen nicht so viel erfährt. Einige Mitbewohner sind etwas präsenter, andere halten sich sehr im Hintergrund. Sie bringen zusätzlich noch eine geheimnisvolle Note ins Geschehen und man weiß nie so genau, was daraus vielleicht noch werden könnte. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn man zu ihnen im zweiten Band vielleicht noch etwas mehr erfahren würde, auch wenn es für den Fortgang der Handlung vielleicht nicht so entscheidend sein wird.
Arden… ja also Arden ist ein Protagonist, der die gesamte Zeit bei mir unterschiedliche Fragen aufgeworfen hat. Was ist los mit ihm? Wieso hat er Erinnerungslücken? Verbirgt er bewusst Dinge oder kann er sich wirklich nicht entsinnen, wie all die mysteriösen Gedankenfetzen in seinem Kopf in Verbindung gebracht werden müssen? Er ist ein sehr interessanter Charakter, der mehr zu bieten hat, als man zunächst denkt.. Mehr möchte ich zu ihm hier gar nicht verraten. Seinen Weg zu verfolgen ist in jedem Fall spannend und für mich war es auch überraschend.
Als Erin und Arden sich begegnen, ändert sich für beide Einiges. Nicht nur dass sie in der kommenden Zeit einige Projekte gemeinsam angehen und immer wieder geplant oder zufällig aufeinander treffen, sie gehen dem jeweils anderen auch nur schwer aus dem Kopf, obwohl beide versuchen sich für den anderen so uninteressant wie möglich zu machen. Ihre Gründe dafür sind verschieden und kommen nach und nach ans Licht – zumindest für ihren Gegenüber. Da der Leser von Erins Fähigkeiten weiß, ist schnell klar, wieso sie Arden nicht zu nah an sich heran lassen will. Bei Arden stehen die Dinge da etwas anders, er hält sich lange Zeit sehr bedeckt, was die gesamte Situation noch geheimnisvoller, spannender und verzwickter gemacht hat.
Der Schreibstil von Alana Falk ist sehr angenehm, flüssig, intensiv und detailreich. Man wird zu Beginn in die Handlung geworfen und erfährt nach und nach mehr über die beiden Protagonisten, ihre Vergangenheit, die Umgebung und die Nebencharaktere. Durch die bildhaften Beschreibungen konnte ich mir sowohl die Figuren als auch die einzelnen Ereignisse sehr gut vorstellen. Besonders faszinierend und gleichzeitig auch erschreckend empfand ich dabei die Arbeit der Rachegöttinnen. Detaillierte Erläuterungen machen den Raub der Seelen lebendig, mit all den düsteren, erschütternden, aber zugleich auch nachvollziehbaren Aspekten und Beweggründen. Sehr eindrücklich erlebt man dabei wie Erin mit sich und ihrem Schicksal hadert, was sie dazu bewogen hat, diesen Pakt überhaupt einzugehen und wie viel Wut, Hass und Verzweiflung noch immer in ihr brennt.
Die Handlung ist vielseitig und spannend gestaltet. Das Buch entführt einen ein Stück weit in die Mythologie, kombiniert jedoch auch zahlreiche Emotionen, sehr individuelle und facettenreich ausgearbeitete Charaktere, persönliche Schicksale, Hoffnungen, Ängste, Wünsche und Intrigen. Langweilig war mir beim Lesen nie. Auch wenn die Handlung mal etwas ruhiger wird, so war es sehr interessant die Protagonisten besser kennen zu lernen und zu erleben, wie sie miteinander agieren. Wie sie sich anziehen und wegstoßen, wie sie sich brauchen und doch nicht zulassen können, was sie sich insgeheim wünschen. Neben den bewegenden, nachdenklich stimmenden, für die Charaktere teilweise erschütternden Szenen, gibt es immer wieder aber auch turbulentere, gefährliche Momente, in denen jede Minute zählt und sie manchmal Entscheidungen treffen müssen, die ihnen nicht gefallen.
Ich habe mit den Protagonisten mitgefiebert, mit ihnen gehofft und gebangt und mich trotzdem stets gefragt, was sie wohl noch zu verbergen haben, welche Geheimnisse man noch nicht kennt, wie alles zusammenhängt und ob es wohl doch eine Lösung für all die aufwühlenden Probleme geben könnte. Am Ende des Buches sind viele Puzzleteile an ihren Platz gefallen, man hat sehr umfangreiche Einblicke bekommen und ich wurde auch überrascht und etwas sprachlos zurück gelassen. Nun bin ich sehr neugierig, wie es weitergeht und hoffe auf weitere Überraschungen.
Fazit
Ein fesselnder, toll geschriebener Auftakt, der mich von Beginn an gut unterhalten und mitgenommen hat. Es gibt sowohl temporeiche, als auch ruhigere Momente und jede Szene hat ihre Berechtigung in der Handlung. Man lernt die beiden Protagonisten sehr intensiv kennen, erlebt ihr Kennenlernen detailliert mit und kann gleichzeitig in ihre Köpfe schauen, um zu erfahren, was sie dabei wirklich denken und fühlen. Eine spannende und vielseitige Handlung mit Überraschungen und Emotionen.
vielseitige Geschichte -macht Lust auf weitere Abenteuer
Mina und die Karma-Jäger - Der Klassenkassen-Klau 18.02.2020. Hardback. von Clark Janet
Mina hat Geburtstag und eine richtig tolle Party geplant. Voller Vorfreude wartet sie auf ihre Schulfreunde und kann es kaum erwarten, endlich los zu legen. Doch dann verläuft der Nachmittag ganz anders, als erwartet. Vor ihrer Tür steht ein Junge, der ihre Hilfe braucht, um sein Karma zu verbessern.
Damit Mina Zeit für ihn hat, hat Julius kurzerhand ihre Feier abgesagt. Keine besonders gute Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit denn Mina ist sauer- verständlicherweise. Was Mina da noch nicht ahnt: außer ihr kann niemand Julius sehen, denn er ist ein Geist. Für die beiden beginnt eine spannende Zeit, in der sie viel voneinander lernen können.
Milena, die meistens nur Mina gennant wird, und Julius haben ziemlich unterschiedliche Vorstellungen von Spaß, Gerechtigkeit und der Art Probleme zu lösen. Immer wieder muss Mina feststellen, dass der Geist für neues Chaos sorgt, anstatt sich seiner eigentlichen Aufgabe zu widmen. Julius selbst kann gar nicht verstehen, wieso seine Aktionen ihn weitere Karma-Punkte kosten, dabei ist ziemlich offensichtlich, dass die Dinge, die er als lustig ansieht, für die anderen alles andere als witzig sind. Streitigkeiten entstehen, Minas Mitschüler sind verärgert, schämen sich oder fühlen sich verspottet. Minas Zurechtweisung empfindet er als spießig, ihre Ansichten als zu langweilig… wo bleibt denn da schließlich der Spaß für einen selbst, wenn man immer nett und brav ist? Mina und Julius geraten immer wieder aneinander, was ich sehr gelungen fand. Es wird gut deutlich, wie verschieden die beiden sind und wie falsch Julius mit einigen Ansichten liegt. Die Reaktionen der Menschen, die ihn nicht sehen können, sprechen da eine sehr eindeutige Sprache. Um dem Geheimnis mit der Klassenkasse auf den Grund zu gehen, sind die Eigenschaften des Geistes allerdings ganz brauchbar. Wer könnte besser spionieren und Dinge herausfinden als jemand, den man nicht sehen kann?
Mir haben die Entwicklungen im Buch gut gefallen. Die verschiedenen Standpunkte werden immer wieder eindrucksvoll in die Geschichte eingebunden und es gibt ein direktes Feedback der anderen Figuren. Einige Dinge verstecken sich zwar auch zwischen den Zeilen bzw. sind aus dem Verlauf der Handlung zu entnehmen, aber es gibt viele Botschaften, die ziemlich klar formuliert sind. Da Mina den „Zeigefinger“ gegen Julius erhebt, empfand ich diese Zurechtweisungen auch als angenehmer, als wenn es ein Erwachsener gewesen wäre, der meckert. Auch bei jungen Lesern wird das sicher besser ankommen. Minas Mutter hingegen hätte aus meiner Sicht schon etwas strenger sein können. Auch wenn ich ihren Standpunkt verstehen konnte, sollte sich keiner motiviert fühlen, genau so ein Chaos anzurichten, wie Mina mit ihren Freunden und darauf zu hoffen, dass die eigenen Eltern genauso reagieren.
Die Seitengestaltung hat mir gut gefallen. Es sind häufig Bilder in den Text eingebunden, die die Handlung unterstützen und es leicht machen, sich die Figuren und einige Elemente aus der Geschichte vorzustellen. Da ich das Buch als eBook gelesen habe, kann ich nicht so viel zur Schriftgröße sagen. In der Leseprobe sah es jedoch so aus, dass die Schrift recht groß gehalten ist und die Bilder die Seite zusätzlich auflockern. So kann man alles gut überblicken und es wirkt nicht zu überladen. Auch die Illustrationen an sich waren schön gestaltet, passten zur Geschichte und haben das Buch noch lebendiger gemacht.
Die Geschichte ist flüssig und leicht zu lesen. Die Sprache ist einfach, die Sätze häufig kurz und knapp gehalten. So können auch junge Leser der Handlung gut folgen. Durch die häufige Nutzung der wörtlichen Rede wird der Text zusätzlich noch aufgelockert und übersichtlich gehalten.
Die Mischung aus den spannenden Ermittlungen und den daraus resultierenden neuen Aufgaben und die Karma-Challenge von Julius, die immer wieder für Diskussionen, Streitigkeiten, aber auch Einsicht führt, hat mir gut gefallen. Es gibt immer wieder Situationen zum Lachen, aber auch Momente, in denen man dazu angeregt wird darüber nachzudenken, wie man selbst das alles wohl empfinden und dann handeln würde. Langweilig wird es mit den Figuren nicht und ich bin gespannt, was beim nächsten Mal bei Mina so los ist schließlich ist es der Auftakt einer Reihe.
Fazit
Eine tolle Geschichte mit klaren Botschaften, bei der der Spaß aber trotzdem nicht zu kurz kommt. Die Charaktere sind schön gestaltet, sehr gegensätzlich und authentisch. Man kann sich gut vorstellen, dass es Mina, Julius und die andren wirklich geben könnte und all dieses Chaos anstellen und erleben. Mit cleveren Ideen, tollem Zusammenhalt und viel Einsatz erreichen sie dann auch ihre Ziele, worauf alle sehr stolz sein können. Kleiner Kritikpunkt: Minas Mutter war mir fast ein wenig zu tolerant und nett, wenn man bedenkt, was da am Anfang des Buches los war. Ich finde es zwar toll, dass sie nicht unbedingt zu denen gehört, die Meckern und Strafen verteilt, aber ein paar ernstere Worte wären aus meiner Sicht dennoch angebracht gewesen.
Stibitz- mehr als nur ein Name
Familie von Stibitz - Der Riesenlolli-Raub von Anders Sparring; Per Gustavsson
Bei Familie von Stibitz steht das Stibitzen an der Tagesordnung. Dabei machen sie auch vor der eigenen Familie nicht Halt. So verschwinden immer mal Dinge, die man im Alltag oder für den nächsten Diebstahl braucht, auch die eine oder andere Socke musste schon dran glauben. Man könnte also sagen der Name ist Programm.
Das Buch ist handlich und ansprechend gestaltet. Viele Bilder unterstützen die Handlung, lassen die Figuren lebendig werden und erzählen fast schon allein eine Geschichte. Die Schrift ist groß und damit auch für Leseanfänger gut geeignet. Durch die vielen, teilweise sehr großen Bilder sind die Seiten auch nicht so überladen und man kann den Inhalt gut überblicken und aufnehmen. Die Sätze sind größtenteils kurz und einfach gehalten. Viel wörtliche Rede sorgt für ein rasches Vorankommen.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, zwar sehr klischeehaft, aber irgendwie auch passend zu der Geschichte, den Entwicklungen und mit treffenden Namen versehen.
Gut gefallen hat mir auch der Hinweis direkt zu Beginn des Buches, aus dem klar hervorgeht: stibitzen ist natürlich nicht erlaubt! Ein wichtiger Hinweis, da es in dem Buch ja sehr viel um das Thema Diebstahl geht.
Bei der Familie von Stibitz geht auch öfter mal was schief, es war ganz witzig zu verfolgen, wie ungeschickt und tollpatschig sie sich teilweise anstellen, obwohl man ja annehmen sollte, dass sie durch ihre langjährige Erfahrung schon Profis sind. Nur Ture, der Sohn der Familie, hält nichts vom Stibitzen, er ist ein ehrlicher Junge und fällt damit ziemlich aus dem Muster. Ich fand es schön, dass nicht alle in der Familie auf Ungerechtigkeiten aus sind, hätte mir aber hin und wieder gewünscht, dass vielleicht auch die Eltern oder wenigstens die kleine Schwester darüber nachdenken, warum er das nicht mag, nicht macht und auch auf den Ruhm in der Zeitung nichts gibt. Da es eine Reihe wird, kann das natürlich noch kommen. Erkennbar war am Ende trotzdem, dass Stibitzen nicht der beste Weg ist und nicht nur für Chaos, sondern auch für negative Gefühle sorgen kann und man auf ehrlichem Weg viel mehr erreichen kann.
Eine witzige, kurzweilige Geschichte, die sich sowohl für Leseanfänger, als auch zum Vorlesen eignet. Auch wenn ich nicht restlos überzeugt bin, war es eine unterhaltsame Story mit der tollpatschigen Stibitzfamilie.
Magie und Thriller vereint: düster, spannend, vielseitig (nach etwas zähem Start)
Das neunte Haus von Leigh Bardugo
Wer Macht hat, hat auch das Sagen! So in etwa läuft es auch in Yale, denn dort gibt es mächtige Studentenverbindungen, die sich dunkler Magie bedienen, um ihren Einfluss und ihre Position in und außerhalb der Stadt zu stärken. Um die Machenschaften der acht starken Verbindungen zu überwachen, gibt es das neunte Haus.
Ganz neu dabei ist Alex Stern, die unter ungewöhnlichen Umständen rekrutiert worden ist. Die Zeit, um sich an alles zu gewöhnen und sich einzuarbeiten, ist knapp, denn schon kurz nach ihrer Ankunft in Yale werden ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten benötigt, um ein Verbrechen an einer jungen Frau zu untersuchen.
Der Einstieg in die Geschichte ist mir nicht ganz leicht gefallen. Es war etwas wirr und zäh, wodurch man keine Ahnung hatte, wovon man da eigentlich liest, wie alles zusammenhängt und was man den Worten, die man dort liest, entnehmen sollte. Die Kapitel springen zwischen dem Herbst und Winter hin und her und ich konnte mir zunächst nur wenig einen Reim darauf machen, was da vor sich geht. Man bekommt zwar erste Einblicke in die Komplexität der acht Häuser, die Magie nutzen, man begegnet einigen Charakteren und ist bemüht, alles irgendwie zu ordnen, anfangs fiel mir das jedoch eher schwer. Nach und nach werden die Informationen, mit denen man etwas anfangen kann, dann jedoch zahlreicher, die Stränge der unterschiedlichen Zeiten weisen Verknüpfungen auf, es erschließen sich damit die Zusammenhänge, man taucht tiefer in die Handlung ein und dann wurde es auch richtig spannend. Umso weiter man im Buch voranschreitet, umso größer wird der Einfluss von Magie, umso mehr spielen die Geister eine Rolle und die düsteren Rituale, die die unterschiedlichen Verbindungen durchführen. Die Wechsel zwischen den Strängen sind dann auch nicht mehr so riesig, man springt nicht mehr so viel, ist länger an einem „Ort“ und kann sich dadurch auch besser auf die Entwicklungen im Buch einlassen. Teilweise ergänzen die Rückblenden dann auch die Geschehnisse des späteren Handlungsstranges, was das Geschehen voranbringt und für den Leser verständlicher macht. Ich wurde immer wieder überrascht und war erstaunt, wie viel mehr möglich ist als die Dinge, die man vielleicht zwischendurch schon geahnt hat. Die Suche nach der Wahrheit führt Alex und die anderen immer tiefer in die Vergangenheit und bringt noch mehr düstere Aspekte ans Licht, als sie erwartet hatte.
Mitten drin im Chaos ist die gesamte Zeit Alex, die man sehr intensiv begleitet. Da auch sie zunächst kaum weiß, was eigentlich vor sich geht, wem sie trauen kann und auf wen sie besser nicht hören sollte, ist es für sie nicht gerade leicht, in der „neuen Welt“ zurecht zu kommen. Die Protagonistin hat eine teilweise recht dunkle, nicht gerade ruhmreiche Vergangenheit, auf die sie nicht sehr stolz ist. Sie ist sich bewusst, dass sie nun eine Chance bekommt ein anderes Leben zu führen, doch die Umstände sind nicht unbedingt leicht. Sie muss viele Herausforderungen meistern und neben den Unikursen, in denen sie teilweise kaum mitkommt, auch noch die Geheimnisse und Verstrickungen rund um die Studenten-Verbindungen entschlüsseln. Alex‘ Methoden sind nicht immer ganz fair und sorgen für Unmut bei ihrem Gegenüber, sie ist jedoch erfolgreicher, als es wohl so manch anderer wäre und da die meisten nicht wissen, woher sie kommt und wozu sie fähig ist, trifft es alle ziemlich unvorbereitet. Auch wenn ich nicht jede ihrer Aktionen gutheißen konnte, hat es mir Spaß gemacht Alex zu begleiten, zu sehen, wie sie sich entwickelt und durchschlägt, wie sie für Gerechtigkeit kämpft und dafür auch Gefahren eingeht. Sie ist sicher nicht die einfachste Person, aber sehr ehrgeizig und für die Menschen da, die ihr wirklich wichtig sind. Neben ihr gab es noch einige andere Figuren, die mich fasziniert haben. Dazu gehörte North, der schon seit einigen Jahren nicht mehr unter den Lebenden weilte und Dawes, die besonders in der zweiten Hälfte des Buches sehr eng mit Alex zusammenarbeitet und immer wieder ihr Rettungsanker ist. Nicht alle Charaktere lernt man intensiv kennen, da Alex auch mit sehr vielen Kontakt hat durch ihre unterschiedlichen Aufgaben, aber von den wichtigsten Personen erfährt man zumindest so viel, dass man sie halbwegs einschätzen kann – Überraschungen nicht ausgeschlossen.
Der Aufbau und die Verknüpfungen der Stundenverbindungen, die unterschiedlichen, teils grausamen Rituale und die Welt der Geister sorgen für ein interessantes, vielseitiges Setting. Es gab die gesamte Zeit neue Dinge zu entdecken, neue Zusammenhänge herzustellen, Verbindungen aufzudecken und Geheimnisse zu lüften. Nachdem ich in der Handlung drin war, empfand ich es als sehr spannend und fesselnd. An der einen oder anderen Stelle wäre ich sogar gern noch tiefer in die Handlung und die Personen eingetaucht, auch wenn es vielleicht ein wenig vom Tempo genommen hätte. Hier und da ist es mir etwas zu blass und oberflächlich geblieben, auch wenn die Ereignisse dafür gesorgt haben, dass ich gespannt darauf war zu erfahren, wie es weitergeht und wie alles aufgedeckt wird.
Fazit
Auch wenn der Einstieg in die Geschichte nicht ganz leicht und etwas wirr war, hat sich das Buch dann richtig toll entwickelt. Es wurde sehr spannend und rasant, es gab düstere und blutige Momente, Geheimnisse und Überraschungen, unerwartete Verknüpfungen und tolle Entwicklungen bei den Charakteren. Die Geschichte der Stundenverbindungen ist komplex, verzweigt und viel verzwickter, als man zunächst erwarten würde. Die Kombination aus Fantasy und Thriller hat mir gut gefallen und immer wieder für Abwechslung im Buch gesorgt.
abwechslungsreich und informativ
Ausgestorben - Das Buch der verschwundenen Tiere von Katarzyna Gladysz; Joanna Wajs
Der Buchtitel ist inhaltlich sehr gut umgesetzt. Auf jeder Seite geht es um Tiere, die es früher einmal gab oder gegeben haben könnte, die durch verschiedene Ursachen ausgestorben sind oder ganz aktuell vom Aussterben bedroht sind. Es ist sehr informativ und abwechslungsreich und es gibt reichlich zu entdecken.
Einige der Fachbegriffe sind für die jungen Leser vielleicht nicht ganz so leicht zu verstehen bzw. auszusprechen und zu lesen. Allerdings kann man die Dinge, die in der Erdgeschichte von einige Jahrtausende oder Jahrmillionen zurück liegen, auch nicht viel einfacher oder kindgerechter ausdrücken. Die Namen der Tiere und Zeiten sind festgeschrieben und gehören daher mit zum Text und Geschehen dazu. Eine kleine Übersicht hätte es hier aber vielleicht einfacher gemacht, einen Zusammenhang zwischen den sich verändernden Namen herzustellen, damit man auch noch einen besseren Eindruck davon bekommt, welche Zeit welcher folgte.
Wer sich wirklich für das Thema interessiert, der wird sich auch durch die Fachbegriffe arbeiten und sich davon nicht abschrecken lassen. Interessant ist das Buch allemal, aber sicher nicht so leicht die Inhalte zu behalten, wie bei anderen Themen.
Die anderen Erklärungen sind weitestgehend einfach gehalten, so dass es zumindest nicht noch künstlich kompliziert gemacht wurde. Die zahlreichen Illustrationen, die es dazu noch gibt, sind sehr ansprechend und gut gelungen. Man wandert mit dem Buch durch die Erdgeschichte und kann zu den unterschiedlichen Themen verschiedene Theorien und Möglichkeiten lesen. Mir hat das ganz gut gefallen, da man sich nicht auf eine Aussage versteift, sondern unterschiedliche Varianten aufzeigt, die möglich sind, zum Beispiel was das Aussterben der Dinosaurier angeht.
Das Buch an sich ist leider sehr groß, was es für Kids schon eher unhandlich macht, es in der Hand zu haben oder auf den Schoß zu legen, um darin zu blättern. Die Seiten bieten dadurch zwar viel Raum für Informationen und Bilder etwas kleiner wäre aber vermutlich doch praktischer gewesen.
Ein sehr informatives Buch, in dem nicht nur Kinder noch etwas lernen und mitnehmen können. Besonders schön fand ich auch den Bezug zur Gegenwart, der zeigt, dass eben auch heute noch Tiere vom Aussterben bedroht sind und vielleicht bald verschwinden werden.









