Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Liebe und Bücher
Südlichter von Nina George
"Das Lavendelzimmer" habe ich vor einigen Jahren mit Freuden gelesen. Mir hat die Geschichte um Jean Perdu und seiner literarischen Apotheke, der Buchhandlung auf dem Flussschiff, sehr gut gefallen. Deshalb war ich nun mächtig gespannt auf "Südlichter", das Buch im Buch, das Jean geliebt hat.
Geschrieben von Sanary - ein Pseudonym eines Autors, das Jean im Lavendelzimmer entschlüsseln wollte. Wenn ihr wissen wollt, ob es ihm gelang, liest zuerst "Das Lavendelzimmer", bevor ihr zu "Südlichter" greift.
Auch ich habe den ersten Teil nochmals gelesen, einfach um wieder up to date zu sein, um zu wissen, was Monsieur Perdu an "Südlichter" gefiel. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Ich musste und wollte mich überraschen lassen, von der Geschichte, die Nina George nun vorlegt.
"Südlichter" ist ein leiser Roman mit zart eingestreuter Magie. Es passiert zwar einiges, wird aber sehr ruhig erzählt. Es geht einerseits um das Thema Liebe, das vor allem in Marie-Jeannes Leben ein grosses Thema ist, andererseits - wie könnte es anders sein - um Bücher.
Die Liebe ist die Erzählerin der Geschichte um Marie-Jeanne und ihre Zieheltern Francis und Elsa. Es spielt sich alles in der Gegend im französischen Nyons ab. Francis, der selbst nie liest und Angst vor Büchern hat, will genau die zu den Dorfbewohnern bringen und sie zum Lesen animieren. Ob und wie das funktioniert, hat Nina George mit viel stillem Humor beschrieben.
Marie-Jeanne hat bei ihrer Geburt die Liebe angeschaut - und sieht bei fast allen Menschen Leuchtfäden, bei jedem woanders. Sie spürt auch, wer füreinander gemacht ist. Etwa ihre Schulfreundin Loulou und Lucas oder ihre Zieheltern Francis und die harte Elsa, die nur selten jemandem ein Lächeln zeigt.
Die Figuren sind interessant, neben der harten, aber innerlich sehr weichen und lieben Elsa gibt es eine sehr steife Notarin und noch viele andere Charaktere, die sehr liebevoll mit Ecken und Kanten gezeichnet sind.
Der Plot und die Idee hinter "Südlichter" ist sehr schön. Doch trotzdem konnte der Roman mich nicht so recht begeistern, so wie "Das Lavendelzimmer" es schaffte. Die Geschichte um die Leuchtfäden und die Leihbücherei auf Rädern ist mir irgendwie zu unaufgeregt geraten. Sie ist auch mehr wie ein Märchen zu lesen als wie ein Roman.
Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich "Das Lavendelzimmer" erst nach der Lektüre von "Südlichter" nochmals gelesen hätte, anstatt davor. Vielleicht sollte man das Bücherschiff auch komplett ausblenden und erwartungslos an den neuen Roman gehen. Gut, Erwartungen hatte ich zumindest inhaltsmässig keine spezifischen, aber ich ging davon aus, dass mich "Südlichter" ebenso begeistern kann, was nicht der Fall war. So bleibe ich leider ein wenig gelangweilt zurück.
Fazit: "Südlichter" ist eine sprachlich und inhaltlich schön geschriebene, aber sehr ruhige Erzählung, die mich aufgrund fehlender Spannung nicht überzeugen konnte.
3.5 Punkte.
Briefe im Hotel
Das Geheimnis des alten Strandhotels von Anna Bednorz
Im zweiten Band der Aoife-Serie geht es um einen Cold Case, einen sehr alten, nie aufgelösten Mord- und Vermisstenfall.
Tom möchte das alte Strandhotel renovieren und es zusätzlich zum Pub betreiben. Viel Arbeit müssen sie hineinstecken, dass Aoife hilft, ist klar. Gleich bei ihrem ersten Arbeitseinsatz finden sie versteckt eine Schachtel mit alten Liebesbriefen.
Aoife ist begeistert und will herausfinden, von wem die sind.
Ihr Inhalt ist geheimnisvoll, da geht es um eifersüchtige Ehemänner und Drohungen. Als sie bei ihrer Recherche herausfindet, dass da wirklich etwas dran war, ist sie Feuer und Flamme. Sie vermutet, dass die Briefeschreiber wahrscheinlich nicht mehr leben, aber ihre Angehörigen schon. Mit Hilfe von Putzfrau Maggie, die eine Doktorarbeit über alte Herrenhäuser in der Gegend schrieb, will sie das Rätsel lösen.
Derweil ist Tom weiterhin mit den Renovationsarbeiten im Hotel und dem normalen Puballtag beschäftigt. Immerhin hat er aktuell einen neuen jungen Koch, Rory, der nicht nur sensationell kocht, sondern zu Toms Leidwesen auch seine Tochter Liz beeindruckt hat. Vater-Tochter-Konflikte sind da vorprogrammiert.
Mit "Das Geheimnis des alten Strandhotels" verschafft es Anna Bednorz erneut, mir einige angenehme Lesestunden zu schenken, in dem ich mich an die irische Küste versetzen konnte. Dieser abwechslungsreiche Cold Case ist aber weniger ein Krimi, sondern vielmehr eine lockere Spannungsgeschichte, bei dem es ein Wiedersehen mit den bereits aus dem ersten Band bekannten Dorfbewohner gibt.
Fazit: Eine lesenswerte und gelungene Geschichte für alle "Herrenhäuser-mit-Geheimnissen"-Fans.
4 Punkte.
Ein Büchermörder geht umher
Mord im Cottage von Anna Bednorz
Ein Büchermörder geht um - betroffen ist ausschliesslich der fünfte Band einer Serie, die Aoife geschrieben hat. Allerdings nicht unter ihrem Namen, sondern unter Pseudonym. Kein Mensch weiss, wer die Autorin dieser Serie ist, nur eben sie selbst und ein paar Verlagsmenschen. Da eigentlich auch niemand weiss, dass Aoife vorübergehend nach Ard Carraig in ein kleines Cottage zieht, um hier in Ruhe zu schreiben, ist das alles sehr mysteriös.
Hat jemand herausgefunden, wer sie ist? Oder ist ihre Stalkerin etwa wieder auf freiem Fuss?
Sehr unterhaltend erzählt Anna Bednorz die Geschichte um Aoifes Einleben im kleinen irischen Dorf und all die Anschläge auf "Lady Huffington von Baddonhall".
Aoifes Nachbarin Petula Murphy ist pedantisch und will keine neue Nachbarin, sie legt ihr einige Steine in den Weg. Ihr Mann Ian dagegen ist sehr nett und hilft, wo er kann. Ebenso tut dies Pubbesitzer Tom Harold, und bald schon bahnt sich eine kleine Romanze an, die aber immer im Hintergrund bleibt. Auch andere Dorfbewohner wie Druide Ed oder die ehemalige Lehrerin Mary und weitere mehr werten die Geschichte auf.
"Mord im Cottage" ist sehr liebevoll und witzig geschrieben; und auch wenn man ahnt, wer die Bücher auf dem Gewissen hat, absolut kurzweilig.
Wer bei dem auf dem Cover angekündigten Satz "Ein Krimi mit Katze" in der Hauptrolle erwartet, wird enttäuscht sein, denn Aoife besitzt zwar eine Katze, die ist für die Handlung des Romans nicht wichtig. Dr. Jingles taucht höchstens mal auf, wenn sie Hunger hat. Von dem her hätte man diesen Zusatz besser weggelassen.
Fazit: Ein etwas anderer Krimi, in dem die Opfer Bücher sind - super unterhaltend und humorvoll.
4 Punkte.
Die Pfarrerstochter
Sommer in Bloomsbury von Annie Darling
Dank dem Lesen von "Sommer in Bloomsbury" kenne ich nun das Datum der Erstveröffentlichung von Jane Austens "Stolz und Vorurteil" - Verity liebt diese Geschichte total und fragt sich auch immer wieder was Elizabeth Bennet an ihrer Stelle tun würde.
Im zweiten Band rund um die Buchhandlung in Bloomsbury lernen wir also die im ersten Band sehr stille Verity Love besser kennen.
Aufgewachsen in einem turbulenten Pfarrhaushalt mit vier Schwestern, geniesst sie die Stille in ihrer Wohnung und im Büro der Buchhandlung.
Ihren Arbeitskolleginnen gaukelt Verity einen Freund vor, der es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Als sie eines Tages in einem Pub von ihren Freundinnen überrascht wird, gibt sie ihren Tischnachbarn kurzerhand als neuen Freund aus. Johnny spielt mit, auch ihm ist eine Schein-Freundin sehr willkommen.
Zusammen gehen sie fortan auf Partys, Hochzeiten und andere Events, die sie sonst beide abgesagt hätten, weil sie keine Lust hatten alleine die Einladungen anzunehmen und die Fragen nach einem/r Freund/Freundin zu beantworten. Doch wann sagen sie den anderen, dass das alles nicht echt ist?
Autorin Annie Darling bringt uns Veritys Leben in der Buchhandlung wie auch ihr Familienleben zuhause sehr nahe. Als Leser begreift man schnell, wieso sie gerne ihre Ruhe hat, obwohl ihre Familie sehr liebevoll, aber eben halt sehr chaotisch ist. Die Hochzeitsvorbereitungen für ihre Schwester sind lustig zu lesen, man fiebert mit ob auch wirklich alles gelingt. Verity ist eine feinfühlige junge Frau, die sich ruhig mehr zutrauen könnte.
Johnny hätte ich manchmal am liebsten geschüttelt, es ging mir zu lange, bis er hinter die Fassade einer gewissen Frau blickte. Aber im Grossen und Ganzen fand ich seine Lebensgeschichte nachvollziehbar.
"Sommer in Bloomsbury" habe ich gerne gelesen, dieser zweite Band hat mich oft zum Lachen gebracht. Obwohl in sich abgeschlossen, empfehle ich die Reihenfolge der Serie einzuhalten, um auch wirklich alle Zwischentöne und Bemerkungen zu den einzelnen Charakteren nachvollziehen zu können.
Auch für "Bücher in Bücher"-Fans - vor allem jene von Jane Austen - ist der Roman empfehlenswert, da wie oben bereits vermerkt, Verity ein totaler Jane Austen Fan ist und sie diese Begeisterung auch an Johnny weitergeben will.
Nun bin ich sehr gespannt auf den dritten Band, in dem es um Nina, die dritte Frau in der Buchhandlung der einsamen Herzen geht.
Fazit: Ein witzige, leichte Lektüre mit interessanten Figuren und für alle Liebesgeschichten-Fans empfohlen.
4 Punkte.
Backstubenparty
Sommer in Bloomsbury von Annie Darling
Erst als ich "Apfelträume am Meer" schon vor mir hatte, sah ich, dass diese Kurzgeschichte quasi eine Fortsetzung zu "Apfelkuchen am Meer" ist, den ich noch nicht gelesen habe. Dennoch wollte ich nicht zuerst den regulären Band lesen, dafür erschien mir der neue "Kurzroman" eindeutig zu kurz.
Schöner wärs natürlich schon, wenn man die Figuren bereits kennen würde, aber die Frauen der Geschichte geben soviel her, dass man schon auf diesen wenigen Seiten das Gefühl hat, sie schon ewig zu kennen und gleichzeitig total Lust hat, den Roman dazu zu lesen.
Merle hat Liebeskummer - viel mehr kann man nicht verraten, sonst ist die ganze Story schon erzählt, bevor ihr überhaupt das eBook auf dem Reader habt.
So ist die Kurzgeschichte innert kurzer Zeit ausgelesen, ideal also für eine kurze Bahnfahrt oder für einen gemütlichen Lese-Sonntagmorgen im Bett.
Fazit: Sicher ein schöner Abschluss für "Apfelkuchen am Meer"-Leserinnen und ein absoluter Lustmacher für alle, die den ersten Roman noch nicht gelesen haben.
4 Punkte.
Drei Hochzeiten auf einen Schlag
Sommer im kleinen Brautladen am Strand von Jane Linfoot
Nach einem schwachen ersten Teil und einem witzigen zweiten Teil war ich auf den dritten Teil der Serie gespannt.
Protagonistin ist Lily, die erst jetzt in die Serie reinkommt. Früher hatte sie mal kurz als Floristin bei Jess gearbeitet, nun lebt sie in Bath. Bis eben arbeitete Lily in einer Hotelkette, ihre Wohnung gehört ihrem Arbeitgeber.
Doch da ihr Job wegen einer Geschäftsübernahme gestrichen wird, ist sie arbeits- und wohnungslos. Auch ihre kurze Ehe mit Thom ist längst vorbei. Eine neue Wohnung und einen Job muss sie sich noch suchen, eine neue Liebe nicht. Von Liebe und Männer hat sie genug.
Deshalb ist Lily auch nicht so begeistert von der Valentinstag-Feier im "Brides by the Sea", zu der sie eingeladen ist. Der Tag wartet mit mehreren Überraschungen auf: Jess bietet ihr einen Job an als Hochzeits-Stylistin. Und aus dem Radio erfährt sie, dass ihre Mutter heiraten will.
Ihre Mutter Barbara ist nicht die einzige, die im Sommer heiraten möchte. Auch Immie und Chas, sowie Chas Ex-Freundin Nicole - sie ist der Alptraum aller Angestellten von "Brides by the Sea". Es folgt ein Wettstreit der drei Bräute: Barbara mit Nicole, und Immie mit Nicole. Jede will die andere übertrumpfen. Barbara und Nicole haben total überzogene Ansprüche. Immie weniger, aber auch sie ist keine einfache Braut und wird hier von der Autorin mal wieder zum Trinken verdonnert.
Lily hat mit diesen drei Hochzeiten mehr als genug zu tun. Doch sie muss sich auch noch mit Kip Penryn abgeben, der aus dem Herrenhaus (in dem Alice aus Band 2 heiratete) eine Hochzeitslocation machen will - ohne irgendeine Ahnung von Hochzeitsorganisation zu haben.
Die Geschichte war nervig: statt Nicole rauszuwerfen, mit Barbara Klartext zu reden und Kip zu ignorieren, muss Lily mit allen arbeiten. Dies war mühsam zu lesen, weil diese Streitereien absolut kindisch abliefen. Und wie im ersten Band wird nebenbei wieder enorm viel Alkohol getrunken.
Alles wird in "Sommer im kleinen Brautladen am Strand" derart übertrieben beschrieben, dass es keine Freude ist, den Band zu lesen. Dazu kommen einige Längen im Mittelteil und die vielen anstrengenden Figuren. Wieso ausgerechnet Kip in seinen Plänen unterstützt werden sollte, obwohl er ein Konkurrent ist, machte nur für den Plot Sinn, ansonsten war es total unlogisch. Die schönen Szenen (Blumen pflanzen, das Gedenken an Lilys Vater, die Freundschaft zwischen Lily, Poppy, Jess und Immie) gehen in all dem nervigen und hektischen Getue total unter.
Fazit: Vor lauter witzig-sein-wollen und überspitzt sein ist die Geschichte oberflächlich heraus gekommen. Es fehlten wie bereits im ersten Band (die Zeit für) echte Emotionen.
3 Punkte.
Im Witwenhaus
Sommer im kleinen Brautladen am Strand von Jane Linfoot
Seit dem Geschehen im ersten Band sind eineinhalb Jahre vergangen. Nun ist September und Bee Merryweather hat seit knapp einem Jahr neue Nachbarn.
Mit der jungen Lavinia versteht sich Bee einigermassen gut, nicht jedoch mit deren Mann Percy. Der tätigt geheimnisvolle Geschäfte und passt irgendwie nicht nach South Pendrick.
Aber er gibt sich auch keine Mühe. Lavinia hingegen würde gerne im Dorfleben aufgenommen werden, aber ausser mit Bee hat sie kaum Kontakte - alle haben Vorurteile gegen die Frau, die schon öfters beim Beautydoc war. Vielleicht ist ihre Geburtstagsparty im Oktober ja eine Möglichkeit, die Dorfbewohner besser kennen zu lernen und Freunde zu finden.
Denn Lavinia fühlt sich im Witwenhaus nicht wohl, der Nebel und eine Spukgeschichte tun ihr übriges, dass es so bleibt. Als Bee über eine Leiche stolpert, scheinen Lavinias Vorahnungen erfüllt. Doch es gibt noch mehr Ungereimtheiten und Percy verhält sich noch wortkarger als sonst.
Bee Merryweather hat viel zu tun mit ihrem neuen Shop - sie häkelt Eierwärmer auf Bestellung, momentan sind vor allem Weihnachtsmotive gefragt. Dass Bee die Farben der gerade zu Ende gehäkelten Bestellungen nicht mehr sehen kann, ist verständlich, wurde mir aber zu oft erwähnt. Das hätte man eleganter lösen können. Auch sonst gab es viele unnütze Wiederholungen, etwa dass Polizist David die falsche Frau liebt oder Marcus seine Frau, die ihn eigentlich verlassen hat, immer wieder bei sich aufnimmt.
Im Gegensatz zum ersten Band gab es in "Leichenschmaus im Herrenhaus" einige Längen, so dass der Spannungsbogen sehr flach blieb. Ausserdem vergeht eine - für einen Krimi - recht lange Zeit, die übersprungen wird, bis wieder etwas passiert. Das mag ich nicht so.
Dafür mochte ich, dass die Geheimnisse gut bewahrt werden. Man weiss schnell, wer Dreck am Stecken hat, bei anderen vermutet es man. Ob man damit richtig lag und was für "Dreck" das ist, erfährt man erst gegen Ende, wenn alle Geheimnisse enthüllt werden und für so manche Überraschung sorgen.
Fazit: Ein netter, aber sehr ruhiger Häkel-Krimi, da kaum Spannung aufgebaut wird.
3.5 Punkte.
Die rettende Visitenkarte
Der Klavierspieler vom Gare du Nord von Gabriel Katz
Am Flughafen von Barcelona habe ich vor einigen Jahren das erste Mal ein Klavier gesehen, auf dem Fluggäste beim Warten spielen dürfen. Die Idee finde ich toll und es ging mir wie Pierre, als zwei junge Mädchen sehr schön spielten, diejenigen nach ihnen leider nurmehr auf die Tasten hackten...
Pierre, der Direktor des Konservatoriums, ist begeistert von dem jungen Genie und möchte mit ihm sprechen.
Doch da jagt schon die Polizei hinter dem Klavierspieler hinterher. Einige Tage später gelingt es Pierre aber einige kurze Sätze mit Mathieu zu tauschen.
Mathieu fährt Gabelstapler, hilft seinem kleinen Bruder bei den Hausaufgaben und putzt die Wohnung, in der die zwei Jungs mit ihrer Mutter wohnen. Seine Freunde Driss und Kevin sind wie er Kleinkriminelle, beide haben nur Gelegenheitsjobs. Da sind hier und da mal ein Diebstahl oder ein Einbruch für sie optimal, um - nach ihrem Gutdünken - mal zu ein wenig Geld zu kommen. Mathieu macht manchmal mit, wohl fühlt er sich nicht, aber nein sagen tut er auch nicht. Eines Tags wird ihm dies zum Verhängnis, er wird geschnappt. Da denkt Mathieu an die Visitenkarte, die Pierre ihm zugesteckt hat.
Mit solch einem prominenten Fürsprecher an der Seite landet er nicht im Knast, sondern als Putzmann im Konservatorium. Doch Pierre hat noch etwas anderes mit ihm vor: Mathieu bekommt Klavierunterricht und soll als neues Talent beim jährlichen Klavierwettbewerb teilnehmen.
Es wäre die Chance für Mathieu aus seinem Leben im Milieu rauszukommen und für Pierre die Sicherheit Direktor zu bleiben. Pierre steht unter Druck von oben, aber auch seine Ehefrau nörgelt.
Soweit die Eckdaten der Geschichte von "Der Klavierspieler vom Gare du Nord". Die unterschiedliche Welt, in der sie sich bewegen, wird sehr deutlich beschrieben. Beide Charaktere zeigen Stärken und Schwächen. Beide getrauen sich zum Beispiel nicht, sich auszusprechen und einfach mal nein zu sagen.
Es mutet ein wenig wie eine Gesellschaftsstudie an, denn so unterschiedlich sind Pierre und Mathieu nicht - trotz Altersunterschied und ihrem Background. Oft weiss man deshalb beim Beginn eines neuen Kapitels nicht, von welchem der beiden es gerade handelt, es könnten oft beide sein. Erst nach einigen Sätzen oder einer Seite wird klar, ob es nun Pierre oder Mathieu ist.
Ihre Schicksale haben mich aber nicht wirklich berührt. Zu dem Thema "Musiker/Lehrer entdeckt begabtes Kind/Jugendliche" habe ich früher einige bessere Romane gelesen. Die Geschichte wird mir zu schnell erzählt und geht nicht in die Tiefe. Das Musikspiel, das in Gabriel Katz Erzählung so kraftvoll sein soll, konnte ich nicht spüren. Dazu kommt der plötzliche, sehr schnelle Schluss - sie hätten am Ende wenigstens noch einen Döner essen gehen können.
Fazit: Interessante Charakterstudie, aber die Geschichte hat zu wenig Tiefe.
3 Punkte.
Von A nach E
Heimelig von Blanca Imboden
Die kurze Geschichte über Nelly hat mich angelacht - ich habe bereits einige Altersheimromane gelesen (zum Beispiel die schwedische dreiteilige Rotwein-für-drei-alte-Frauen-Serie von Minna Lindgren, die irisch-französische Version von Judy Leigh oder etwas weiter gespannt der deutsche Mauersegler von Christoph Poschenrieder) und war auf die Schweizer Variante gespannt.
Schnell war ich in der Geschichte drin und konnte die Abneigung gegen das Altersheimessen und gegen weitere dortige Gepflogenheiten, die leider Gottes oft real sind, absolut nachvollziehen.
Ich konnte Nellys Entschluss - nicht in Trudis Einlegerwohnung zu leben - total verstehen, nicht aber, dass sie freiwillig ins Altersheim zieht. Für das Heim ist sie doch noch zu jung und vor allem zu zwäg beieinander. Aber ich verstehe, es brauchte dies für den Plot, zudem beruht die Hintergrundgeschichte auf Erlebnisse von Frau Imbodens Mutter.
Der Plot ist witzig, wie auch der Schreibstil von Bianca Imboden. All die Reisen und Begegnungen, die sie Nelly zukommen lässt, sind charmant und mit viel Humor wiedergegeben. Wer kann sich schon vorstellen, in zwanzig, dreissig oder vierzig Jahren auf einmal gerne und absolut freiwillig Putzlappen zusammen zu legen?
Trotz viel Amüsement gehen aber auch die lebenswichtigen, ernsten Fragen nicht vergessen: Liebe im Alter? Demenz? Sterbehilfe? Wie mit der unliebsamen Verwandtschaft umgehen?
Wie Nelly haben mir die Szenen beim Essen im Altersheim fast am Besten gefallen, natürlich mal abgesehen vom Ende des Romans. Ihre Gspännli wurden gut dargestellt, die Nörgeltante hatte ihre Auftritte genauso wie der durch Zeitungen und Radio bestens informierte Mann und und und...
Fazit: Eine heimelige und lässige kleine Tour de Suisse - lasst euch überraschen.
4 Punkte.
Der rote Briefkasten ist zurück
Mörder unbekannt verzogen von Thomas Chatwin
Im zweiten Band der Serie um Briefträgerin Daphne Penrose, die im hübschen Fowey in Cornwall angesiedelt ist, bekommt David Goodall eine komische Nachricht von der Dorflehrerin Florence Bligh - er solle sie an einem bestimmten Steg abholen und Doktor Finch warnen. David ist beunruhigt und nimmt deswegen Hafenmeister Francis Penrose mit.
Leider kommen sie zu spät, Florence ist tot.
Etwa zeitgleich wird Daphne von einem Mountainbikefahrer böswillig angerempelt, und später wird auch Doktor Finch tot aufgefunden. Kommt dazu, dass sich Daphnes Freundin Linda sehr komisch verhält. Ist das nur Zufall oder hängen die Vorfalle alle irgendwie zusammen?
Wer der den ersten Band gelesen hat, weiss, dass DCI James Vincent andere Vorlieben hat, anstatt richtig und ausgiebig zu ermitteln. Wie gut, dass die Penroses gut in Fowey vernetzt sind und so viel mehr erfahren als Vincent, und sich auch nicht mit dem erstbesten möglichen Täter zufrieden geben. Ich mag das Ermittlerpaar, die durch ihre Berufe in der Gegend gut bekannt sind und von allen geschätzt werden.
Ich mochte schon den ersten Band und bin auch schnell dem zweiten Teil verfallen. Viele Geheimnisse werden enthüllt, der Autor Thomas Chatwin macht es spannend. Dann lässt er uns Leser noch mit einem witzigen Cliffhanger schadenfreudig zurück - wer sich da nicht auf Band 3 freut, dem ist nicht zu helfen.
Am Ende des Buches hat Thomas Chatwin einige Ausflugsorte in Cornwall aufgelistet. "Mörder unbekannt verzogen" gehört deshalb wie auch der erste Band unbedingt in den Koffer bei einer Cornwall-Reise.
Fazit: Gelungene unterhaltende und humorvolle Krimi-Unterhaltung.
4 Punkte.









