Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Weder Fisch noch Vogel, oberflächliche Geschichte
"Jetzt noch mal von vorn" ist anscheinend der zweite Teil der Geschichte um Caroline und ihre Tapas-Bar. Leider wusste ich dies noch nicht, als ich das Buch zu lesen begann.
Vielleicht könnte man die Beziehungen von Caroline besser verstehen, wenn man den ersten Teil gelesen hat, aber es ging auch ohne gut.
Mich lockte die Tapas-Bar in Stockholm, das hörte sich gut an.
Doch schnell war ich enttäuscht, es ist eine komische Geschichte.
Carolines neuer Vermieter will sie aus dem Haus werfen, damit er das gesamte Gebäude sanieren kann und später teurer vermieten. Doch er hat nicht mit Carolines Widerstand gerechnet. Obwohl finanziell nicht viel herausschaut und sie deswegen keinen weiteren Raum mieten kann, um zusätzlich einen Cateringservice aufzubauen, will sie ihre Tapas-Bar nicht hergeben.
Die neue Vermieter ist nicht das einzige Problem in Carolines Leben. Ihre ältere Nachbarin Nancy liegt nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim, Caroline ist die einzige, die sie besucht. Nancy will nicht mehr leben, und bittet Caroline ihr zu helfen.
Der Roman spielt sich zwischen diesen beiden Problemen und dem Umstand, dass sich Caroline in ihren Anwalt Oscar verliebt hat, ab. Es könnte eine nette Geschichte sein, wenn die Charaktere besser ausgearbeitet wären. Doch alle sind blass, man kann sie nicht mal sympathisch oder unsympathisch finden, denn dafür ist zu wenig da.
Man weiss auch nicht, in welches Genre man die Story packen soll. Es ist weder Fisch noch Vogel, von allem ein bisschen, aber nichts richtiges.
Fazit: Schwache Geschichte mit oberflächlichen Charakteren.
2 Punkte.
Poetisch, aber zu schwermütig
Die 48 Briefkästen meines Vaters von Lorraine Fouchet
Ein genialer Titel - doch stilistisch konnte mich der Inhalt von "Die 48 Briefkästen meines Vaters" nicht vollends überzeugen.
Nach einem Streit erfährt Chiara, dass nicht der - eine Woche nach der Hochzeit - verstorbene Mann ihrer Mutter ihr Vater ist, sondern ein Bretone, der von der Insel Groix stammen soll.
Kurzentschlossen lässt sie alles stehen und liegen und fliegt nach Frankreich, reist auf die Insel Groix.
Auf der Fähre lernt sie Urielle mit ihren Zwillingsjungs und den Korsen Gabin kennen. Durch einen Beinahe-Unfall freunden sich die drei an. Chiara wird eingeladen bei Urielles Familie zu wohnen, was Chiara gerne annimmt. Da gerade die Briefträgerin für eine Woche ausfällt, nimmt Chiara deren Job an. Sie erhofft dadurch mehr über die Inselbewohner zu erfahren, insbesondere herauszufinden, wer ihr leiblicher Vater ist. Alles was sie von ihm weiss, ist, dass er den Nachnamen eines Wetterphänomens hat und vor 26 Jahren kurz auf der Insel Elba war. Chiara fühlt sich schnell familiär und willkommen, ein Gefühl, das sie von ihrer Mutter Livia nicht kennt.
Neben Chiaras Geschichte wird auch jene von einem, bis fast zum Ende unbekannten, Charles geschildert, aber rückblickend. Sogar einige der Briefkästen werden zu Erzähler. Diese vielen Wechsel der Handlungsstränge und die Pendelei zwischen Gegenwart und Vergangenheit wirkten mit der Zeit aber ermüdend.
Für meinen Geschmack werden zu oft Gedichte zitiert, und ebenso zu oft werden (vor allem in der ersten Hälfte) bretonische Ausdrücke benutzt. Im französischen Original sind sie vielleicht nicht so auffällig und normalerweise stören mich fremdsprachige Begriffe nicht sehr, aber hier hatte ich bald mal genug von den dazugehörigen Erklärungen.
Man kann der Geschichte eine gewisse Poesie nicht absprechen und auch nicht den Schalk, der sich bei Lorraine Fouchets Romanen fast immer durch alle Seiten zieht. Sie ist auf eine spezielle Art schön, fast eine Liebeserklärung an die Insel Groix.
Trotzdem hat mich "Die 48 Briefkästen meines Vaters" leider nicht richtig gefesselt, der Titel ist ein wenig irritierend und ich stolperte über ein, zwei Unstimmigkeiten. Anstatt Abends wie üblich noch einige Kapitel zu lesen und irgendwann schweren Herzens nur aus Vernunftgründen die Lektüre zur Seite zu legen, entschloss ich mich hier gleich zweimal ohne Bettmümpfeli-Lektüre einzuschlafen.
Fazit: Die poetische Geschichte um die Suche nach Chiaras Vater kam mir zu schwermütig daher.
3.5 Punkte.
Ein geheimnisvolles Kraut
Sommerglück und Honigduft von Thomas Jo
Bereits viermal war ich auf der griechischen Insel Kreta in den Ferien, jedesmal woanders. Kreta ist an einigen Orten extrem touristisch verbaut, hat aber auch sehr schöne Ecken. Bei einem dieser Aufenthalte war es uns abends unten am Meer zu laut und zu britisch, deshalb verbrachten wir die weiteren Abende weiter oben in einem kleinen, ruhigen Dorf mit urchigen, noch traditionellen Restaurants.
Ich konnte mich deshalb gut in Nell, die Protagonistin von "Sommerglück und Honigduft", hineinversetzen, als sie nach 18 Jahren wieder auf die Insel kommt und sieht, was der Tourismus alles verschandelt hat. Die früheren Individualtouristen bleiben weg von Vounoplagia, das Dorf scheint ausgestorben und alles Heitere verschwunden.
Nachdem Nell innerhalb einer Woche ihre Tochter Demi als Aupair nach London ziehen lassen musste; die Fabrik, in der Nell arbeitet, wegen einem grossen Brand für einige Monate schliessen muss, sie somit joblos ist; und sie dann noch ihren Freund beim Betrügen erwischte, hat sie sich in England als freiwillige Helferin (WOOF) gemeldet und wurde bei Maria, Kostas und dessen Mutter Mitera eingeteilt. Fortan hilft sie ihnen bei der Arbeit auf dem Hof und bringt die seit 10 Jahren leer stehende Imkerei auf Vordermann. Kostas und Maria hoffen darauf, dass die Bienen zurück kehren und sie wieder Honig ernten können. Wie früher, als der Berg voller Diptam-Dost war, ein oregano-ähnliches Kraut, dass voller Heilkraft steckt. Doch in Dorfnähe gibt es keins mehr, nur noch hoch oben auf dem Berg.
Dort aber gehen seit einigen Jahren komische Dinge vor sich, niemand weiss, was dahinter steckt. "Betreten verboten"-Schilder und nächtliche Schiessereien halten die Dorfbewohner ab, nachzusehen, was los ist. Nell aber ist neugierig und versucht herauszufinden, was auf dem Berg abgeht. Ob es ihr gelingt, oder sie sich damit in Gefahr bringt?
Ich fand es sehr wohltuend einmal eine Story zu lesen, die mit Charakteren aus der "Arbeiterklasse" bestückt ist. Alle haben wenig Geld und können und wollen arbeiten, ohne Gejammere. Für einmal keine Erbgeschichte, das hat mir super gefallen.
Die Lektüre von Sommerglück und Honigduft lässt mich aber zwiegespalten zurück. Einerseits mochte ich wie bereits erwähnt, dass die Charakter alle zupacken können und bodenständig sind. Andererseits fand ich das Geheimnis um das Diptamkraut und Leute vom Berg fern halten an den Haaren herbei gezogen - es machte den Eindruck, als ob die Dorfbewohner einfach nur gleichgültig sind. Leider wird die Heilpflanze viel zu oft erwähnt, und auch all die anderen Wiederholungen, wie Nell ihre Tochter Demi vermisst, nervten mich zusehends. Kostas scheint teilweise so, als ob er null Ahnung von Bienen hat.
Aber zum Glück gibt es andere, die mehr Ahnung davon haben, viel Flora- und Faunabeschreibungen, jede Menge Lokalkolorit und ein spannendes und versöhnliches Ende.
Fazit: Dieser Roman von Jo Thomas hat mich nicht ganz überzeugt, er war oft zu repetierend und unlogisch, hat aber auch viel Schönes zu bieten.
3.5 Punkte.
Für Gourmetfans
Die Toten von Carcassonne von Jules Besson
Titel, Cover und Klappentext sahen und hörten sich gut an. Ein Ermittler, der auf einem Hausboot lebt, gibt es bereits in der Cherringham-Serie, aber die spielt in England und nicht wie hier auf den Kanälen Frankreichs. So war ich sehr gespannt, was hinter "Monsieur Keller ermittelt" steckt.
Konrad Keller ist mit seinem gemieteten Hausboot in Carcassone angekommen, schaut sich tagsüber die Stadt an und geniesst den ruhigen Abend am Hafen an Deck. Plötzlich ertönen Sirenen und der Hafen wird erleuchtet: die Polizei rückt an, jemand rennt davon und landet auf Konrads Boot. Bevor die Polizei den Mann erwischt, flüstert er Konrad zu, dass er unschuldig sei. Als Konrad am nächsten Tag erfährt, was dem Mann vorgeworfen wird - Dreifachmord - kann der ehemalige Kommissar dessen Worte nicht mehr vergessen und mischt sich ein. Die zuständige Kommissarin Béatrice Bardot ist nicht gerade begeistert, doch bald muss auch sie Konrads Einwände ernst nehmen.
Die Kommissarin und ihr Stellvertreter ermitteln sehr einseitig. Das wirft kein gutes Licht auf die französische Polizei. Auch wenn ich Bardots Stellvertreter Gauthier nicht mochte, hatte ich ständig das Gefühl, als ob der Autor eine zu starke Betonung auf die gute deutsche Polizeiarbeit legte.
Der Krimi ist okay, bedient sich aber vieler Klischees (z.B. steife Deutsche, gutangezogene Französinnen, gewisse Verhörmethoden bei Einwandern), und führt in die Einwanderer- und Politikszene.
Leider kommt der Krimi teilweise unglaubwürdig daher - vieles davon hat mit Telefonieren zu tun. Wieso hat Keller Bardots Durchwahlnummer nicht gespeichert? Und wer sitzt schon in einem öffentlichen Café und plaudert in aller Ruhe und ausführlich am Telefon über seine neuen prekären Entdeckungen im Mordfall? Die unzähligen Kontrollanrufe von Konrads erwachsenen Kindern nervten mit der Zeit, sie brachten ausser Kochtipps kaum etwas.
Dafür kommen alle Leser, die es gerne gemütlich haben und an landestypischen Spezialitäten interessiert sind, voll auf ihre Kosten.
Insgesamt ist "Die Toten von Carcassone" ein unterhaltender Krimi mit viel Lokalkolorit, mir fehlt aber noch das gewisse Etwas. Manchmal erinnert Konrad Keller ein wenig an Matula, doch um an den ranzukommen, braucht es mehr.
Fazit: Netter Reise- und Gourmetkrimi.
3.5 Punkte.
Postkartenidylle?
Sterne sieht man nur im Dunkeln von Meike Werkmeister
Ich weiss nicht, ob ich den Roman gelesen hätte, wenn er nicht als Überraschung bei mir gelandet wäre. Im Anhang des Buches finden sich einige Postkartenspruchmotive - die machten mich neugierig auf die Geschichte.
Annie und Thies waren zum Glück älter als ich dem Klappentext nach erwartete, beide sind über 30 Jahre alt.
Protagonistin Anni ist an einem Punkt angekommen, an dem sie ihr Leben überdenkt. Erst macht sich das nur still und leise bemerkbar, weil sie ihren Job immer unattraktiver findet.
Als dann in kürzester Zeit, fast gleichzeitig, ihr Freund Thies sie heiraten will, sie ein Jobangebot in Berlin bekommt und eine ehemalige Freundin sich nach Jahren bei ihr meldet, wird Anni alles zuviel. Anni nimmt schnell entschlossen das Angebot von Maria an und reist zu ihr nach Norderney, um ihr sechs Wochen in ihrem Strandcafé zu helfen.
Annis Freund Thies war mir am Anfang sehr sympathisch, ein Traumpaar die zwei. Ich verstand weder seine noch Annis Reaktion auf die Hochzeitsfrage; verstand nicht, wieso sie nicht normal darüber reden können. Erst später im Roman wird erzählt, was zu diesen Reaktionen führte. Nach und nach erfährt man nämlich nicht nur, weshalb Anni und Thies einst zusammen gefunden haben, sondern auch was zur Entfremdung von Maria und Anni führte und wie Anni zu ihrem Job kam.
Auf der Insel erlebt Anni dann so einiges und muss sich ihrer Vergangenheit stellen, doch noch immer weiss sie nicht, wie sie ihre Zukunft gestalten will.
Die Zeit auf der Insel ist toll beschrieben, die Charaktere wie Marias Mutter Iris und Surfer Simon waren mir sehr sympathisch. Für einen Schuss Exzentrik sorgt hingegen Thies Mutter Mo.
Trotz anfänglichem Bedenken fesselte mich die nette Story sehr schnell. Meike Werkmeister ist mit "Sterne sieht man nur im Dunkeln" ein toller Roman gelungen. Er traf mit den erfrischenden (Handlettering-)Sprüchen total meinen Geschmack. Echt eine coole und neue Idee, diese in den Roman einzubauen. Dank diesen Sprüchen und dem sehr stimmigen Schluss - ich dachte anfänglich an ein ganz anderes Ende - vergebe ich gerne einen halben Extra-Punkt.
Fazit: Inselfeeling verpackt in einer sehr stimmigen, authentisch erzählten Geschichte.
4.5 Punkte.
Das Jahr, in dem ein Kind verschwand
Der Wind nimmt uns mit von Katharina Herzog
In "Der Wind nimmt uns mit" erzählt uns Katharina Herzog die Geschichte von Maya und ihrer Adoptivmutter Karoline.
Maya ist Reisebloggerin und will überall hin, nur nicht nach La Gomera - bis sie schlussendlich doch dort landet. Denn Tobi, nach dem sie sucht, wurde hier gesichtet. Maya versucht ihrer Adoptivmutter Karoline, die auf der Insel lebt, zu entgehen, aber sie läuft ihr immer wieder über den Weg.
Immerhin kommt Maya zur Ruhe, nicht zuletzt auch wegen mangelnder Internetverbindung und der nicht vorhandenen Rückfahrtmöglichkeit in den nächsten Tagen. Sie lernt in diesen sechs Tagen die Insel und einige der Bewohner, fast alles Zugewanderte, und ihre interessanten Lebensgeschichten kennen.
Der Leser erfährt daneben nicht nur Karolines spannende Geschichte, die als Jugendliche das erste Mal zusammen mit ihren Eltern nach La Gomera fuhr und dort Xabi, Hannah und Gärtner Alejandro kennenlernte, sondern auch mehr über das Jahr, in dem ein Kind verschwand. Die Zusammenhänge werden fesselnd geschildert.
Sehr schön fand ich die Beschreibungen des Lichterfestes in Taiwan und die der Landschaft auf La Gomera. Auch wenn man zuhause auf dem Sofa sitzt, kann man an der Seite von Maya die Insel mit entdecken. Neben den tollen Landschaftsbildern warten einige witzige Situationen wie "Internet gibts nur in der Badewanne" auf die Leserinnen.
Nicht so gefallen hat mir, dass praktisch alle Geheimnisse und Ungeklärtheiten durch nur ein Gespräch hätten gelöst werden können. Dies zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch, angefangen bei Karolines Eltern bis hin zu Maya - ein etwas zu einfach gestrickter Plot.
Doch die interessanten, teils recht verschrobenen - ich sag nur Fred - Charaktere lassen darüber hinweg sehen und so ist "Der Wind nimmt uns mit" ein leichter und flüssig erzählter Roman mit vielen Emotionen.
Fazit: Wie Ferien auf La Gomera, nur viel günstiger!
4 Punkte.
Beschwingt und gleichzeitig etwas wehmütig
Zwischen dir und mir das Meer von Katharina Herzog
Schon lange stand der Roman mit dem schönen Cover auf meiner Merkliste. Es ist zwar ein Stand alone, wird aber unter "Farben des Sommers" als Reihentitel genannt. Es ist mehr das einheitlich gestaltete Cover, der die Bücher einheitlich aussehen lässt. Alle drei können in beliebiger Reihenfolge gelesen werden.
Das gelbe Buch führt den Leser von Amrun an die italienische Amalfiküste - von Meer zu Meer.
Wer ist der Mann, der eines Tages vor Lena und ihrer Grossmutter steht und nach Lenas Mutter sucht? Lena reist ihm nach, zusammen mit ihrer jüngeren unbekümmerten Schwester Zoe. Die Reise geht nach Italien, von dort kommt Matteo Forlani, der unbekannte Mann. Doch auch Lenas und Zoes vor einigen Jahren verstorbener Mutter stammt aus derselben Gegend wie Matteo. Was weiss er über Mariella?
Katharina Herzog erzählt uns in "Zwischen dir und mir das Meer" nicht nur die aktuelle Geschichte von Lena, Zoe und Matteo, sondern auch die Lebensgeschichte von Mariella. Von der Lena und Zoe nie etwas erfahren haben, da ihre Mutter ihnen kaum etwas von ihrer italienischen Heimat erzählte.
Die Autorin sorgt für einige Überraschungen, zeichnet vielschichtige Figuren wie zum Beispiel die beiden unterschiedlichen Schwestern, von denen die eine das Wasser meidet und vorsichtig lebt, während die andere jeden Nervenkitzel mitmacht. Matteo erscheint auf den ersten Blick wie ein Macho, doch es steckt mehr hinter dieser Macho-Fassade. Davon zeugt nur schon seine Reise nach Amrun, mit der die Geschichte beginnt.
Mit ein Grund, um das Buch zu lesen, war für mich Lenas Hobby mit dem Meerglasschmuck. Leider erfuhr man davon nur wenig. Ausglätten konnte das dafür Marielles Geschichte, die mich sehr berührte.
Der Roman macht Lust auf Ferien an der Amalfiküste, lässt einen vom Süden träumen, ist beschwingt und gleichzeitig etwas wehmütig.
Fazit: Wunderbar leichte, leicht melancholische Sommerstory.
4 Punkte.
Ein Glücksort für alle
Das kleine Cottage am Meer von Debbie Macomber
Wenn man Lust auf einen schönen Wohlfühlroman hat, kann man praktisch immer zu Debbie Macombers Bücher greifen ohne enttäuscht zu werden. So gebe ich gerne auch eine Leseempfehlung für den Roman "Das kleine Cottage am Meer", in dessen Geschichte Annie Marlow das kleine Städtchen Oceanside gehörig aufmischt.
In Oceanside hat Annie in ihrer Kindheit die Sommerferien mit ihrer Familie verbracht und fühlte sich dort sehr glücklich. Eineinhalb Jahre nachdem Annie ihre Eltern und ihren Bruder durch einen Erdrutsch verloren hat, und sich seither zwischen Trauer und Behördengängen durchgeschlagen hat, fährt sie zurück nach Oceanside. Das erste Mal seit langem schläft sie wieder durch und beschliesst für ein Jahr hierhin zu ziehen.
Annie findet eine Stelle als Arztassistentin und auch das kleine Cottage von früher. Dort möchte sie wohnen, doch die Vermieterin stellt sich quer. Die Vermieterin ist Melly, deren Grosseltern Annie immer gern mochte. Annie erinnert sich an Melly, doch aus dem netten Mädchen wurde eine junge Frau mit einer Phobie. Melly will keinen Kontakt zur Aussenwelt und verlässt nie das Haus. Keaton versorgt sie mit Lebensmitteln und allem anderen, das sie zum Leben braucht.
Keaton war schon immer ein Aussenseiter. Seine Grösse und seine Wortkargheit sorgten in seiner Jugend für viel Spott. Der talentierte Maler hat ein Herz für Tiere und hilft in einem Tierheim mit. Vor 13 Jahre sah er Annie zum ersten Mal am Strand - und ist seither verliebt in sie. Deshalb traut er seinen Augen nicht, als er sie eines Tages am Strand sieht - aber sie ist es tatsächlich. Da er der einzige ist, der mit Melly umgehen kann, sorgt Keaton schliesslich dafür, dass Annie den Mietvertrag für ein Jahr bekommt.
Zwischen Annie und Keaton beginnt eine stille Freundschaft, aber Annie bringt auch Melly dazu, sich ein wenig zu öffnen. Wie Annie mit Melly umgegangen ist und Melly darauf reagierte, war richtig amüsant zu lesen. Obwohl Annie die Protagonistin ist, war ich von der rotzigen Melly so fasziniert, dass sie mein Monats-Lieblingscharakter wird.
Die Figuren, die allesamt Schweres erlebt haben, mochte ich total gerne. Die eckigen Charaktere treiben dem Leser ein Grinsen ins Gesicht und lassen die Augen glänzen vor Freude: Annie hat das Herz am rechten Fleck; Keaton zeigt seine Zuneigung durch seine Hilfsbereitschaft; Melly kommandiert herum, doch man merkt, dass sie dadurch trotzdem auf andere eingeht; Teresa lässt sich nicht unterkriegen. Auch Preston, Britt und Candi sind sehr nette Figuren.
Ich bewundere immer wieder, wie Debbie Macomber es schafft derart leichte, warmherzige und lebensbejahende Geschichten zu schreiben, obwohl ihren Figuren oft Schlimmes widerfahren ist. Wenn sie trotz allem nicht selbst noch ans Gute glauben, haben sie tief in ihren Herzen doch noch einen Funken Hoffnung vergraben, den andere, die an ihre Seite gestellt werden, heraus kitzeln.
Ein Pageturner durch und durch, ich war gefesselt von der Storyline und den kauzigen Charakteren und hab deshalb den Roman an einem einzigen Nachmittag ausgelesen.
Fazit: "Das kleine Cottage am Meer" ist nicht nur ein Glücksort für Annie, sondern auch für den Leser. Einfach bezaubernd.
5 Punkte.
Unterhaltung für die Liegestuhl-Saison
Fado fatal von Hanne Holms
Eigentlich lese ich Serien immer vom ersten Band an. Bei "Fado Fatal" mache ich eine Ausnahme, denn ich bin erst auf den dritten Band aufmerksam geworden. Portugal mag ich, Fado ebenso, da war ich neugierig.
Okay, wegen dem Fado muss man das Buch nicht lesen. Die einzige Fado-Sängerin, die vorkommt, singt ziemlich schief.
Und wenn ich jetzt böse wäre, würde ich sagen, Lisa Langer braucht es auch nicht unbedingt in diesem "Portugal-Krimi". Sie ist hier mehr die Reiseleitung durch die Geschichte und nicht die Ermittlerin, die den Fall auflöst.
Lisa reist nach Porto und kommt bei Ana unter. Ana führt ein kleines Restaurant und bietet eine Handvoll Gästezimmer an. Komischerweise gibt es an Lisas Ankunftstag kaum was zu essen. Wie Lisa später erfährt, ist jemand eingebrochen und hat verkleinerte Rasierklingen in Anas Lebensmittelvorräte versteckt. Dies ist nicht der einzige Sabbotageakt, aber auch im Restaurant von Anas Grosscousine Madalena wird Feuer gelegt. Will jemand ihre Restaurants aufkaufen oder steckt ein jahrzehntealter Patriarchenstreit dahinter?
Anas Freunde sind davon überzeugt, dass auch der Unfall ihrer Eltern kein Unfall war. Lisa lässt sich alles erklären und macht sich zusammen mit Ana auf Erkundungstour. Derweil werden sie beobachtet. Aber auch die Beobachter werden beobachtet.
Beide Seiten bespitzeln einander, das merken die Betroffenen erst gegen Ende des Buches. In jedem Kapitel bekommt man Puzzlesteine-Häppchen über die beiden Familienclans, die am Ende zur Auflösung führen.
Zwei Namens-Verschreiber, die den Lektoren durch die Lappen gingen, sorgten beim Stand von 2/3 des Buches zu Überlegungen meinerseits, ob vielleicht ganz was anderes dahinter steckt - doch ich gebe Entwarnung, es sind wirklich nur Namensverwechslungen, also nicht irritieren lassen.
"Fado fatal" kann gut ohne Kenntnisse der beiden Vorgänger gelesen werden. Irgendwann taucht Fred Hamann auf, der anscheinend schon in den vorigen Fällen mit Lisa zusammengearbeitet hat. Seine Rolle ist sehr klein, und bis auf eine Szene wäre die Geschichte auch ohne ihn ausgekommen.
Ich habe bisher bewusst das Wort "Krimi" vermieden, denn für mich ist es ein unterhaltender Roman mit kriminellen Elementen und kein klassischer Krimi, da die Ermittlerin nichts ermittelt, sondern nur durch die Story führt und Fakten sammelt.
Fazit: Kein typischer Krimi, aber leicht, unterhaltend und amüsant - eine easy Sommerlektüre für in den Liegestuhl.
3.5 Punkte.
Siena23 macht Pause
Taxi criminale - Ein Fall für die rasanteste Hobbyermittlerin Roms von Venturini Nora
Siena23 ist Debora Camillis Taxi-Kürzel. Die 25jährige erbte die Taxilizenz nach dem Tod ihres Vaters vor zwei Jahren. Eigentlich hatte sie bereits die Ausbildung zur Polizistin zu Ende gebracht, aber um die Familie zu unterstützen, verzichtete sie auf ihren Traumberuf und ist nun als Taxifahrerin in den Strassen Roms unterwegs.
Eines Morgens liest sie in der Zeitung über den Mord an einer Römerin. Die Frau auf dem Foto kennt Debora, sie hatte sie am Mordtag gefahren. Debora fühlt sich schuldig und geht schnurstracks zum Polizeidezernat um eine Zeugenaussage zu tätigen. Der zuständige Kommissar Eduardo Raggio schüttelt zuerst den Kopf über diese forsche Zeugin, die ihm Fragen stellt anstatt umgekehrt. Er wird sie schnell los, doch nur zu bald treffen sie erneut aufeinander - denn beide bleiben am Fall dran.
Raggio kommt nicht vom Fleck und Debora braucht Infos um weiter zu forschen und beide sind fasziniert vom jeweils anderen. So beginnt eine sehr formlose und sehr inoffizielle Zusammenarbeit, die schlussendlich zum Ziel - zum Täter - führt.
"Taxi criminale" ist ein typischer Auftakt-Krimi, in dem sehr ausgiebig über das Privatleben der Protagonisten erzählt wird. Raggio ist Wochenaufenthalter und pendelt zwischen Rom und seiner Familie - Frau Cecilia und Sohn Giulio - in der Toskana. Die Ehe steht nicht zum Besten, und so fernab von zuhause kann er theoretisch tun was er will. Kein Wunder also, dass ihm Debora gefällt und sich da etwas Scheues anbahnt. Raggio als Charakter war für mich nicht zu fassen: er war nett, aber er weiss nicht, was er will.
Debora lebt mit ihrer Mutter und ihrem Medizin studierenden Bruder zusammen, und fährt jeden Tag von Ostia nach Rom rein, um zu arbeiten. Aus Deborah wurde ich nicht ganz schlau. Mir fehlt eine gescheite Begründung, wieso sie nach dem Tod ihres Vaters nicht als Polizistin arbeiten konnte, sie war ja kurz davor. Damit hätte sie ebenso Geld verdient.
Die beiden Ermittler und alle anderen Buchfiguren waren mir viel zu oberflächlich gezeichnet. Die Beschreibungen ihrer Charaktere haben völlig lieblos immer etwas mit der Statur zu tun: "magersüchtig", "kleine Tonne", "stämmige Polizistin", "mehr breit als hoch", "Walküre", "rund wie ein Osterei", "ein Schlumpf" - und das war längst nicht alles. Zudem setzt die Autorin Debora die ganze Zeit auf Diät, obwohl sie in Grösse 36 passt. Sämtliche dieser Bezeichnungen hatten null und nichts mit dem Mordfall zu tun. Ich fand sie in der Menge fast schon beleidigend, als ob Nora Venturini ihre eigenen Figuren allesamt nicht mag. Es sind plumpe und negative Seitenfüller, die nicht nötig wären.
Auch die Angehörigen des Opfers werden nach diesem Muster beschrieben. Selbst Deboras Freundin Jessica interessiert sich nur für Diäten, Männer und Mode. Debora sich immerhin für Diäten, Männer und Morde.
Es ist kein Wunder, dass vor diesem Kontext der Mordfall vor lauter Privatleben in den Hintergrund tritt. Der Mordplot wäre eigentlich nicht mal so schlecht, bis am Ende kann man miträtseln, aber er geht leider in den Befindlichkeiten ein wenig unter.
Fazit: Der Mordfall wäre okay, aber die Autorin sollte dringend an ihren oberflächlichen Figuren arbeiten. Einen halben Punkt mehr als Auftakt-Bonus.
3.5 Punkte.










