Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Sei du selbst - alle anderen gibt es schon

Schmidt malt von Zaoui David

Die Geschichte von "Schmidt malt" läuft nicht ganz so ab, wie im Klappentext beschrieben. Alfredo, ein junger Arbeitsloser, wohnt in einem Vorort von Paris. Er übernimmt Schmidt, das Kappuzineräffchen seiner an Alzheimer erkrankten Grossmutter Daisy. Von Daniel Dossier, Alfredos Betreuer vom Arbeitsvermittlungszentrum, bekommt er immer wieder neue Hilfsjobangebote.

Die Jobs passen Alfredo nicht, denn er ist schliesslich weder Möbelpacker noch sonst etwas, sondern Kunstmaler, was er immer wieder betont. Nur hat er keine Kunstschule besucht und keinen Abschluss.

Bis zur Mitte des Buches malt er nur einmal. Von daher konnte ich bis hierhin auch kein wirkliches Herzensanliegen feststellen, das Malen kommt eher als spärlich betriebenes Hobby rüber. Doch dann verliebt er sich in Celestine, und Schmidt beginnt zu malen. Aber nur unter bestimmten Umständen, die ich hier nicht verrate. Dummerweise sind es genau Schmidts Bilder, die Alfredo verkaufen kann. Nun ist Alfredo im Clinch mit sich selbst: endlich hat er Erfolg, aber es ist nicht sein Verdienst.

"Schmidt malt" wird erst ab diesem Zeitpunkt interessant, vorher ist es einfach eine Story über einen arbeitslosen jungen Mann, der nicht wirklich etwas dagegen unternimmt. Bis dahin hatte ich Mühe mit der Geschichte, ich fand sie uninteressant, denn ich habe eine Abneigungen gegen inaktive Protagonisten. Deswegen lese ich Romane über junge Männer, die einfach so in den Tag hineinleben, rum maulen und nicht aktiv sind, nicht gerne.

Doch genau dies beschreibt David Zaoui im ersten Teil. Den Alltag von Alfredo, was er so macht oder was nicht, meist alles erfolglos. Der Protagonist zeigt kein Interesse, etwas zu lernen oder sich den Lebensunterhalt irgendwie zu verdienen.

Alfredos Eltern sind sehr nett, insbesondere Alfredos Vater, ein Tierpfleger, fand ich toll. Die Lebensweisheit, die er seinem Sohn mitgibt, ist: sei du selbst. Damit kann Alfredo aber gar nichts anfangen, denn für ihn ist klar, was er ist. Kunstmaler. So wie er es immer an Daniel Dossier schreibt. Bis das "sich selbst sein" in sein Inneres dringt, braucht es einiges - fast die ganze Länge des Romans. Und so sind die Figuren in zwei Gruppen aufgeteilt: die einen, die sich noch suchen und die anderen, sie sich erst noch finden müssen. Originale sind sie jedenfalls fast alle.

Erst im zweiten Teil, als Schmidt endlich malt, kommt Leben in die Geschichte. Das war dringend nötig, sonst hätte ich sie vielleicht nicht zu Ende gelesen - es ist einfach nicht die Art Geschichte, die ich mag, obwohl sie gut geschrieben ist. Zum Schluss hin macht aber alles Sinn, die Botschaft "Sei du selbst. Alle anderen gibt es schon" (so sinngemäss auch der französische Originaltitel) erreicht den Leser auf jeden Fall.

Die Szenen mit dem cleveren Affen sind manchmal schon etwas an den Haaren herbeigezogen, aber sie sind sehr witzig und sorgen für den nötigen Humor im eher tristen Umfeld. Die Kommunikation zwischen Alfredo und Herrn Dossier lockern den eintönigen ersten Teil des Buches auf. Man wartet förmlich drauf, dass Dossier seine Post endlich mal richtig liest und hat gleichzeitig Angst vor dessen Reaktion.

"Schmidt malt" ist kein Roman über Kunst und Malerei, sondern ein Roman über Selbstfindung, anfangs mit Mitleid suchenden Figuren, das Ende immerhin versöhnend. Der Held darin und ruhende Pol ist Alfredos Vater, der mit seiner Freundlichkeit, seinem tiefen jüdischen Glauben, seiner Lebenseinstellung und immer mit Keksen in der Tasche, nicht nur seinem Sohn ein Vorbild ist.

Fazit: Die Quintessenz des Romans: sei du selbst und wasche deine Hände!
3.5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Traurige Geschichte

So groß wie deine Träume von Viola Shipman

Diesen Roman habe ich während dem Sommerurlaub am Hotelpool gelesen. Es war eindeutig der falsche Ort für diese Lektüre, aber an einem kalten Abend eingekuschelt auf dem Sofa, passt er auch nicht wirklich. Das Problem? Die Geschichte ist enorm traurig. Es ist definitiv kein Roman für alle Leser, man muss sich auf diese Traurigkeit einstellen und dies auch lesen wollen.

Mattie Tice und ihr Mann Don ziehen um im ein rollstuhlgängiges Haus. Dabei entdecken sie die Truhe, die Matties Eltern ihr geschenkt haben. Die Truhe ist voller Erinnerungsstücke und soll im neuen Haus in Matties Zimmer einen Ehrenplatz bekommen.

Jeri, die sechsjährige Tochter von Matties neuer Pflegerin Rose Hoffs, entdeckt die Truhe und nimmt etwas heraus, worauf Mattie und Don den beiden die Geschichte dazu erzählen. In den nächsten Wochen ermuntert Rose Mattie, ihr die Geschichten aller Gegenstände aus der Erinnerungs-Truhe zu erzählen. Mattie kann so die Vergangenheit nochmals erleben und Rose geben die Geschichten neuen Mut, denn auch sie hat es nicht leicht im Leben.

Shipmans Charaktere kommen in "So gross wie deine Träume" ausnahmslos liebenswert rüber. Jeder natürlich mit seiner Persönlichkeit und den eigenen Problemen, aber alle echt, ohne etwas zu Übertreiben. Der Schwarze Peter hat hier ausschliesslich die fiese Krankheit inne.

Wie auch die anderen Romane von Viola Shipman, ist auch dieser am idyllischen Lake Michigan angesiedelt. Die Stadt und die Gegend sind schön beschrieben, so dass man am liebsten gleich nach Saugatuck reisen und den Roman in Dons bevorzugtem Coffee Shop lesen würde.

Und auch hier spielt ein Möbelstück - wie bereits in "Weil es dir Glück bringt" das Rezeptekästchen - eine grosse Rolle: die Truhe - etwas Altes, das in der Gegenwart an die Vergangenheit und spezielle Erlebnisse erinnert, sowie zugleich tröstet und Mut macht für die Zukunft.

Fazit: Eine traurige Geschichte über schöne Erinnerungen.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Mutter-Tochter-Spannungen

Immer wieder im Sommer von Herzog Katharina

"Immer wieder im Sommer" wird abwechselnd von den konfliktfreudigen Frauen dieser Geschichte erzählt: von Frieda, Anna und Sophie.

Anna hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter und ist sehr überrascht, als sie auf einmal Post von ihr bekommt. Anstatt sie anzurufen, reist sie gleich hin.

Nicht alleine wie erst geplant, sondern mit der ganzen Familie (Ex-Mann Max und ihre beiden Töchter Sophie und Nelly) im Gepäck.

Dass sie von Max geschieden ist, will sie ihrer Mutter verschweigen, doch Frieda findet es schneller heraus als gedacht. Und verkündet gleich allen, dass sie an Alzheimer erkrankt ist und in wenigen Wochen in ein Pflegeheim ziehen will. Ein Konflikt mehr, an dem sich alle Beteiligten messen müssen.

Viele Themen und Konflikte packt die Autorin Katharina Herzig in diesen Roman rein. Trotzdem war er nicht überladen, aber es gab viele Situationen, die wenig glaubhaft waren - beginnend mit der Reise zu Frieda.

Die Mutter-Tochter-Spannungen von früher wiederholen sich zwischen Anna und der widerspenstigen Sophie. Frieda gefiel mir am besten. Eine sympathische ältere Frau, die versucht sich selbst zu helfen, was nicht immer gelang, aber sie hat es immerhin versucht.

Fazit: Ein Generationenroman, der nicht gross überrascht - die zwei anderen Romane der Autorin fand ich deutlich besser.
3.5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Viel los in der Heide

Heideblütenküsse von Silvia Konnerth

Silvia Konnerths aktueller Roman besticht zuerst mit seinem schönen Cover und dann mit seinem Inhalt. Denn schon von der ersten Seite an hat mich der Roman gepackt.

Emma ist Immobilienmaklerin und soll in ihrem Heimatdorf eine Pension für einen Kunden kaufen. Doch diese Pension gehört Mark, Emmas Freund aus Kindertagen und ihrer ersten Liebe.

Ihm gab sie als Kind ein Versprechen: dass sie alles tun würde, damit er nie aus Moorbach weg muss.

Aber nicht nur deshalb hat Emma Bedenken nach Hause zu fahren und dieses Geschäft abzuwickeln. Anscheinend wurde Emma vor 16 Jahren in Schimpf und Schande aus Moorbach vertrieben, weil sie Schuld an etwas hat. Emma nagt noch immer daran. Um was es dabei geht, bleibt lange ein Geheimnis.

Da sich Emma auch gleich mit ihren Eltern verkracht und Mark eh nicht gut auf sie zu sprechen ist. Obwohl er unterschiedliche Signale aussendet, fühlt sie sich ausgeschlossen. Nur Elvis, das Pferd, das immer ausbüxt, und dessen Besitzer Leo scheinen Emma zu verstehen.

Elvis ist ohne Zweifel der Herzensbrecher und das Goldstück des Romans. Auch die anderen Charaktere sind der Autorin gelungen, so dass es eine runde und sehr stimmige Geschichte ist, die sich auch im wahren Leben so abspielen könnte.

Fast bist zur letzten Seite überrascht "Heideblütenküsse" immer wieder aufs Neue, somit machte mir das Lesen enorm Spass.

Wer Wohlfühlbücher mit einer authentischen Geschichte und schönen Landschaftbeschreibungen mag, der sollte zu "Heideblütenküsse" greifen.

Fazit: Ganz schön viel los in der Heide - ein schöner Roman für alle Jahreszeiten.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Laue Liebesgeschichte

Annas kleiner Teeladen von Fay Keenan

Ich hoffte auf eine gemütliche Lovestory mit Landlebenfeeling und immer vorgeheizten Backöfen, damit es nie an Gebäck fehlt.

Dieses Teeladen-Feeling habe ich nicht gespürt. Es geht auch nicht um Tee oder mit viel Liebe und Kreativität gebackene Cupcakes (in einigen Sätzen bekommt man zwar mit, dass die gebacken werden, sie sind aber Nebensache), sondern mehr um die Liebesgeschichte zwischen Anna und Matthew.

Sie verwitwet, er geschieden, beide mit Töchtern zurück gelassen.

Während Anna, zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, die Geschäftsführung des "Little Orchad Tea Shop's" für ein Jahr von ihrer Tante übernimmt und dafür mit ihrer kleinen Tochter Ellie nach Little Somerby zurück kehrt, blieb Matthew fast immer im Dorf und führt die Cider-Farm seines Vaters weiter. Matthew und Anna kennen sich noch von früher, und nähern sich einander an. Matthews fünfzehnjährige Tochter Meredith hilft dabei.

Diese Kennenlerngeschichte mit allen Auf und Abs ist das Zentrum des ersten Bandes dieser neuen Serie.

Matthew hat die Cider-Farm aufgebaut und jahrelang Zeit hinein gesteckt, nachdem sein Vater Jack die Firma fast in den Abgrund steuerte. Doch Jack will immer mal wieder mitreden. So überrascht es auch nicht, dass er hinter dem Rücken von Matthew dessen Bruder wieder in die Firma aufnimmt. Sehr zum Leidwesen von Matthew, denn er gibt Jonathan die Schuld am Zerbrechen seiner Ehe.

Anna könnte ebenso gut in einem Haushaltwarenladen, Computershop, Kiosk, oder sonst wo mit Kundenkontakt arbeiten - der Tearoom spielt nicht wirklich eine Rolle. Auch die Cider Farm nicht, die Szenerie ist hier überhaupt nicht entscheidend. Daher fehlte mir der Charme, den so eine Farm oder ein Café, ein Laden in Romanen oft inne hat, komplett. Es ist in erster Linie eine Beziehungsgeschichte und keine, in der ein Café enorm wichtig ist.

Mir fehlte aber auch in der Beziehungsgeschichte viel. Mit Matthew hatte ich Anfangs fast ein wenig Mitleid, doch dann macht er einen Fehler. Der an sich wäre irgendwie verkraftbar, aber nicht seine Reaktion. Real würde man ihn nicht aufgrund seines Fehlers, sondern seinem Verhalten danach zum Mond schicken. Sein passives Verhalten wirkt sich auch auf den Roman aus: es passiert lange nichts mehr.

Anna blieb mir den ganzen Roman hindurch viel zu blass, bei ihr fehlte mir eine Figurentwicklung. Jonathan ist ein elender Schleimer, ihm traue ich noch immer nicht über den Weg. Am liebsten mochte ich Meredith. Abgesehen von den beiden Kindern und Hund Senfton kann man die Figuren an einer Hand abzählen. Das dünkt mich für eine Dorfgeschichte recht wenig, vor allem da sich praktisch alle anderen nur als Statisten erweisen.

Durch die flache Erzählweise und die vorhersehbare Story bleiben dann auch die erwarteten Dramen spannungslos und somit konnte mich "Annas kleiner Teeladen" nicht begeistern.

Fazit: Leider kein Wohlfühlbuch, sondern eine laue Liebesgeschichte über zweite und dritte Chancen.
3 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Der heilige Eid macht alles kompliziert

Wer Lügen sät von Peter Tremayne

Bei mittlerweile 30 Bänden dieser historischen Krimireihe aus Irland ist es fast jedesmal wie ein Besuch bei Bekannten, wenn man einen neuen Band von Schwester Fidelma aufschlägt.

Doch in diesem Band ist Fidelma äusserst wortkarg und erzählt ihrem Mann Eadulf nicht, wieso sie so dringend Abt Nessan aufsuchen muss.

Eadulf besteht darauf mitzukommen, was Fidelma nicht so recht passt. Später hingegen wird sie froh sein, dass Eadulf und Enda aus der königlichen Leibwache sie begleitet haben.

Eadulf hat schlechte Laune. Er versteht nicht, wieso Fidelma ihm nicht wie sonst üblich erzählt, um was es bei dieser Reise geht. Als er wütend an ihrer Ehe zweifelt, sagt Fidelma ihm, dass sie einen "geis", einen heiligen Eid, geschworen hat und niemanden ihren Auftrag erläutern darf. Nicht, dass dies Eadulf irgendwie besänftigt, denn er kann ihr nicht helfen solange er nicht weiss, um was es geht. Auch Enda ist enttäuscht über Fidelmas Verhalten.

Durch diverse Situationen wie das Auffinden eines ermordeten Abtes, Überfälle, Gefangenennahme und vieles mehr geraten die drei immer wieder in Lebensgefahr. Sogar Fidelma weiss nicht mehr, wem sie trauen kann und wem nicht. Von wem die Gefahr ausgeht, ist allen schleierhaft. Doch die drei aus Cashel schaffen es schlussendlich, die Verstrickungen zu lösen.

Leider trug sich die schlechte Laune der Protagonisten auch auf mich über. Ich begriff nicht, wieso Fidelma ihren Begleitern nicht schon von Anfang an sagte, wieso sie nicht über die Sache reden darf. Das hätte die Reise für alle angenehmer gemacht.

Nach dem genialen Band 26 "Der Lohn der Sünde" und allen anderen guten Bänden war ich von "Wer Lügen sät" ein wenig enttäuscht. Fidelmas Geheimniskrämerei ging mir auf den Keks und die Verschwörungen waren zu wirr. Ausserdem war der geheime Auftraggeber nie physisch anwesend, was mir die Geschichte sympathischer gemacht hätte.

Fazit: Am Ende doch ziemlich schlüssig, aber dennoch eins der schwächsten Bücher der sonst ganz tollen und lesenswerten Reihe.
Knappe 4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Das Nicht-Date

Verliebt in Bloomsbury von Annie Darling

Im ersten Band schrieb Posy selbst einen Roman, im zweiten Band ist Verity von Jane Austens "Stolz und Vorurteil" begeistert und hier im dritten Band ist Nina Fan von Emily Brontes "Sturmhöhe" und sucht ihren eigenen "Heathcliff". Doch bisher hatte Nina immer Pech mit ihren Dates, die sie vor allen über Sebastians Dating-App kennenlernte.

Sie will der App abschwören, was sich einfacher anhört als es auch wirklich zu tun.

Nina, die Kratzbürste der Buchhandlung der einsamen Herzen, die Kuchen, Tattoos und 50er-Jahre-Kleider liebt, nervt sich über den Typen, der von Posy beauftragt wurde, die Arbeitsabläufe im Laden zu optimieren. Der Typ steht in der Ecke und beobachtet stundenlang wie Nina mit ihren Kollegen umgeht (kratzig, laut) und mit den Kunden (nett, hilfsbereit). Als er eines Abends mit ins Pub kommt, merkt sie, dass ihn ja kennt. Und das schon seit ihrer Schulzeit, als Noah von allen Mitschülern, besonders von Ninas Bruders gemobbt wurde.

Nina getraut sich nicht ihm zu sagen, dass sie ihn von früher kennt, auch dann nicht, als er feststellt, dass beide aus dem gleichen Londoner Vorort kommen. Dennoch freunden sie sich an und gehen miteinander aus, wobei Nina darauf besteht, dass es sich hierbei immer nur um "Nicht-Dates" handelt. Aber immer wieder überrascht Noah Nina. Noch nie hat ein Mann so viel für Nina getan oder ihr so gut zugehört. Doch er weiss noch immer nicht, wessen Schwester sie ist...

Nina und Noah sind zwei tolle Figuren. Dass die beiden aus dem selben Ort kommen und dieselbe Schule besucht haben, macht die Geschichte speziell. Noah hatte eine schreckliche Kindheit, Nina fand keine berufliche Perspektive. Und doch haben sie das alles hinter sich gelassen, sich dabei selbst gefunden oder sind zumindest auf dem Weg dahin.

Von Band zu Band wird die Serie besser, Tom lernt man hier schon ein wenig besser kennen, doch um ihn und Mattie geht es erst im nächsten Band.

"Verliebt in Bloomsbury" ist die Krönung, der Höhepunkt der ersten drei Bände. Es hat Tiefgang, erzählt eine plausible und romantische Geschichte, und wer die Vorgängerbände kennt, weiss, dass auch der Humor nicht zu kurz kommt. Nach dem ersten Band hätte ich wirklich nicht gedacht, dass die Serie sich so gut entwickelt.

Fazit: Die Geschichte über die "Nicht-Dates" zu lesen macht total Spass. Man mag den Roman nicht aus den Händen legen, bevor er zu Ende gelesen ist.
5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Romantischer Lesegenuss

Die kleine Patisserie in Paris von Julie Caplin

Nina träumt davon Patisserie herzustellen. Deshalb denkt sie, sie könnte einiges lernen, wenn sie Sebastian, der beste Freund ihres Bruders und früher auch mal ein Freund von ihr, für einige Wochen in seinem neuen Bistro in Paris unterstützt. Ausserdem will sie einfach auch mal weg von zuhause, wo sie von ihren Eltern umsorgt und von ihren vier Brüdern genervt wird.

In Paris angekommen wird Nina sogleich von Sebastian herum kommandiert. Ist das noch der Sebastian, den sie als Kind kannte, oder hat er sich dermassen negativ verändert? Nina versucht das Beste aus der Situation zu machen und freundet sich schnell mit Marguerite, einer langjährigen Stammkundin des Cafés an. Mit Marcel, dem komischen Kellner, wird sie nicht richtig warm. Er lässt Nina spüren, dass er mit Sebastians Idee, aus dem Café ein Bistro zu machen, nicht einverstanden ist.

Auch Nina findet den Umbau blöd. Ebenso die Backkurs-Teilnehmer, bei dem Nina Sebastian assistiert. Sie freundet sich schnell mit Maddie, Jane, Peter und Bill an. Die bunt zusammen gewürfelte Backschülerschar ist beeindruckt von Ninas Backkünsten und so geht es nicht lange und sie alle - zusammen mit Marcel - hecken einen Plan aus, um Sebastian davon zu überzeugen, dass Paris dieses kleine Café braucht.

Sebastian bekommt davon nichts mit. Er ist mit seinem gebrochenen Bein und der Tatsache, dass sein Freund Alex mit Nina ausgeht, beschäftigt und ist äusserst eifersüchtig. Also will auch er mit Nina ausgehen, wovon aber Ninas Bruder nicht begeistert ist, als er davon hört. Und Nina? Fühlt sich wie auf einer Achterbahn.

Sebastian ist arrogant. Aber ihn kann man gut beiseite schieben und sich an den Geschichten der anderen Charakter, allen voran die der Backtruppe, erfreuen und zuschauen, wie sie Paris entdecken und sich miteinander verbünden.

Die Streifzüge mit Nina durch die diversen Patisserien in Paris lasen sich so, als ob man auch dabei wäre und sich mit Nina durch alle Köstlichkeiten probiert. Sie machen Lust wieder mal nach Paris zu reisen oder zumindest in der nächsten Patisserie einzufallen und sich einmal quer durchs Angebot zu essen.

Mir haben Band 1 und 2 der Romantic Escapes-Serie schon gut gefallen. Durch den einnehmenden Schreibstil, die versprühte Romantik und den grosszügigen Genuss (den hier endlich mal niemand bereut!) der Patisserie-Stückchen ist aber der dritte Teil definitiv der schönste und romantischste Band der Serie bisher.

Fazit: Ein romantischer Lesegenuss!
5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Nicht mit rechten Dingen

Das Glück hat viele Seiten von Zeiss Ella; McCoy Ellen

In diesem Buchladen-Buch erbt Hannah eine alte Buchhandlung. Sie ist froh, dass schon ein Käufer parat steht, denn sie hat kein Interesse, den Laden zu halten. Zu viele Erinnerungen an eine glückliche Kindheit, die mit dem Tod ihrer Mutter endete, hängen im Laden drin.

Doch auf einmal merkt Hannah, das etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und möchte den Laden wieder zurück kaufen.

Das ganze Dorf steht hinter ihr und gemeinsam versuchen sie alles, damit Ben von seinem Vertrag zurück tritt.

Leider ist der ganze Roman auf Hannahs Naivität aufgebaut. So verkauft sie den Laden innert kürzester Zeit ohne alles in Ruhe abzuklären; sie stört sich an nichts. Hauptsache schnell wieder weg aus dem Dorf. Dieser Fehler ist der Ausgangspunkt der ganzen Geschichte, deshalb kann man nur schlecht drüber hinwegsehen. Mich störte das enorm, so naiv kann man doch einfach nicht sein. Auch später handelt sie immer wieder unüberlegt, das machte Hannah nicht sonderlich sympathisch.

Aber gut, so nimmt die Story ihren Lauf. Blendet man Hannahs Fehler und Naivität aus, wird man gut unterhalten von der Geschichte. Die Leser erfahren im Gegensatz zu Hannah auch Bens Sicht aus erster Hand und können nachempfinden, wieso er den Laden unbedingt und so schnell kaufen wollte. Das gefiel mir sehr gut und ich mochte Ben deshalb lieber als Hannah. Die Liebe zu den Büchern kam mir zu kurz, aber auch diesbezüglich überrascht Ben mehr als Hannah.

Die zwei mögen sich trotz allem und so stecken beide in Schuldgefühlen dem anderen gegenüber. Beide reiten sich immer weiter ins Unvermeidliche hinein und müssen einen Weg daraus suchen. Natürlich gewinnt schlussendlich die Liebe in einem versöhnlichen Finale, das alle glücklich macht.

Fazit: Ein leichter Roman (mit naiver Protagonistin) um den Erhalt eines Buchladens auf dem Dorf, den man dank einem flüssigen Schreibstil schnell durchgelesen hat.
3.5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Effi niest

Das Glück hat viele Seiten von Zeiss Ella; McCoy Ellen

Auf diesen Roman wurde ich aufgrund des wunderschönen Covers aufmerksam, dann gleich auf den Titel, der auf den Klassiker "Effi Briest" anspielt. Auch der Klappentext und die schöne Gestaltung der Hardcover-Ausgabe machten mich neugierig und so freute ich mich sehr auf diese Lektüre.

"Eine romantische Komödie aus der prüdesten Epoche der deutschen Geschichte" ist es definitiv und sorgt für ein ständig lächelndes Gesicht während dem Lesen.

Auch wenn man die Frauen damals bedauert - was die Männer ihnen alles unterstellten, furchtbar.

Effi fliegt aus dem Mädchenpensionat. Eigentlich nur weil sie ein Buch aufgehoben hat. Der Inhalt dieses Buches muss recht pikant sein, so dass man ihr nicht mal zuhörte und keinen Glauben schenkte. Schlussendlich ist Effi froh um den Rauswurf. Sie will lesen, lernen und studieren.

Während sie im Hause ihres Vaters auf die Zulassung zur Universität wartet, versucht Effi das geheimnisvolle Buch aufzutreiben, welches sie am Fluss vor dem Pensionat gefunden hat. Sie will unbedingt wissen, was da drin steht und wieso man ihr die Lektüre verbietet. Effi und ihre beiden Freundinnen sind sehr einfallsreich, auch im Umgang mit ihrer Tante Auguste, die ein Auge auf das junge Mädchen halten soll. Dazwischen führt Tante Auguste Effi auf Bälle und lehrt sie unter anderem, was bei einem Kaffeekränzchen aufgetischt werden darf und was nicht.

Auf der Reise vom Pensionat nach Berlin lernt Effi einen jungen Arzt samt seiner Katze kennen. Maximilian, der junge Arzt, ist unterwegs um in Berlin Doktor Fleiss in der Arztpraxis zu unterstützen. "Zufällig" ist Doktor Fleiss der Hausarzt der Familie von Burow. Maximilian verliebt sich in Effi, aber diese beginnt jedesmal zu niesen und sich zu schnäuzen, wenn sie sich begegnen.

Schon beim ersten Zusammentreffen in der Bahn war mir klar, was die Niesanfälle auslöst. Doch dazumal kannte man diese "mysteriöse" Krankheit noch nicht, und im Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Buch dachten die Herren Doktoren, dass Effi an etwas anderem leidet. Doktor Fleiss trifft sich sogar mit Sigmund Freund, die beiden wollen Effi gar die Nase operieren.

Eindrücklich schildert Anna Moretti welche - aus heutiger Sicht komplett unsinnige - Ansichten die Ärzte damals in Bezug auf Frauen hatten. Für uns ist "Effi liest" ganz amüsant zu lesen, aber ich glaube, jede Frau ist froh, nicht zu dieser Zeit gelebt zu haben.

Aufgelockert wird die unterhaltende Komödie durch die Briefe, die Maximilian seinem Bruder Benjamin schickte, die seinen Standpunkt und seine Gefühle erklärte.

Die Autorin bringt den Lesern die damalige Zeit nahe, beschreibt zum Beispiel einen Besuch in einer Buchhandlung, in der die Frauen direkt in die Frauenabteilung geschickt wurden, denn nicht jedes Buch durfte von Frauen gelesen werden. Das Nachwort sollte man sich nicht entgehen lassen, interessant weist Anna Moretti daraufhin, was sich wirklich so abspielte, so wie sie es im Roman beschrieben hat.

Mir hat die "romantische Komödie" extrem gut gefallen. Die Mischung aus Humor, Verschlagenheit, Romantik, inklusive der Weltanschauung im 19. Jahrhundert und dem damaligen Medizinwissen wurde zu einer perfekten Geschichte kombiniert.

Fazit: Charmant und sehr humorvoll packt Anna Moretti gesellschaftliche und medizinische Lehrmeinungen des 19. Jahrhunderts in eine kurzweilige und unterhaltende Geschichte. Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen!
5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand