Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Christina P.:
Maritime Spannung für junge Abenteurer
Rick Nautilus - SOS aus der Tiefe von Ulf Blanck
Rick Nautilus ist wie seine Eltern begeisterter Forscher und Entdecker. Gemeinsam mit seinen Freunden Ava und Emilio bereist er in seinem U-Boot die Weltmeere und erlebt mit ihnen spannende Abenteuer. Als sie eine Flaschenpost mit einem Hilferuf darin entdecken, führt die Neugier sie hinab bis auf den Meeresgrund, wo ihnen eine gewaltige Überraschung bevorsteht.
Am liebsten möchte man sich den drei Freunden bei ihren Abenteuern anschließen! Rick ist ein echter Nachfahre des berühmten Kapitäns Nemo, Ava eine clevere Ozeanerin mit besonderen Fähigkeiten und Emilio der Sohn von Piraten mit einem aussergewöhnlichen Säbel am Gürtel. Gemeinsam bilden sie ein klasse Team, welches sich sehr gut ergänzt. Und auch die Nautilus, das U-Boot in Fischform, wirkt sehr durchdacht und lässt sich im Anhang einmal komplett von innen betrachten.
Neben dem spannenden Abenteuer mit seinen Rätseln, Gefahren und überraschenden Wendungen sind es vor allem die vielen liebevollen Details in Wort und Bild, welche das Buch zu etwas Besonderem machen. Sehr viele wirklich genial gezeichnete Bilder (von Timo Grubing) im Buch lassen dem Leser sich viele Szenen sehr gut vorstellen, vor allem die dynamischen Bildfolgen, welche fast schon wie ein kleiner Film wirken, haben es mir hierbei angetan.
Mit „SOS aus der Tiefe“ ist dem Autor ein spannender und abwechslungsreicher Start einer Reihe von Meeres-Abenteuern mit drei aussergewöhnlichen Freunden gelungen, der auch optisch so einiges zu bieten hat und dem hoffentlich weitere ebenso geniale Abenteuer folgen.
Oldschool-Detektiv auf digitaler Schatzsuche
Montecrypto von Tom Hillenbrand
Privatdetektiv Ed Dante, seines Zeichens spezialisiert auf Financial Forensics, wird beauftragt, einen womöglich vorhandenen Bitcoin-Schatz des kürzlich verunglückten Unternehmers Gregory Hollister zu finden. Obwohl früher selbst in der Finanzbranche tätig, hat Dante zunächst wenig Ahnung von Kryptowährungen, muss sich so manches Hintergrundwissen erst aneignen.
Als ein im Internet kursierendes Video zur Jagd auf Hollisters Schatz aufruft, sind neben haufenweise Nerds auch diverse Geheimdienste hinter dem Schatz her. Bei seinen Recherchen erwacht in Dante nach und nach der Verdacht, dass deutlich mehr hinter der Sache stecken könnte - bis hin zu einem gigantischen Finanzskandal mit womöglich weitreichenden Folgen.
Dass Ed Dante zunächst wenig Ahnung von Kryptowährungen und Bezahl-Apps hat kommt dem Leser dahingehend zugute, dass man beim Lesen gemeinsam mit Ed Dante nach und nach Einblick in diese Welt erhält. Gepaart mit seinem Wissen über Finanzmärkte ergibt sich dadurch ein interessantes Thema, auf welchem der Roman basiert und das auch für Themen-Neulinge recht verständlich dargestellt wird. Dante selbst liebt Sarkasmus, Punkrock und Cocktails, von denen er im Roman so einige konsumiert. Zum Sidekick seiner Ermittlungen wird die IT-Bloggerin Mercy Mondego, welche mit ihrem Fachwissen und ihrem resolutem Auftreten die Handlung angenehm bereichert.
Der Schreibstil ist manchmal wie berichtend, teilweise durch Dantes Sichtweise etwas provokant. Die Handlung ist eine unterhaltsame Mischung aus Ermittlungsarbeit und Hintergrundwissen, die Spannung bleibt konstant hoch, auch wenn zum Ende hin der Roman ein wenig an ein James Bond Abenteuer erinnert. Ed Dante wirkt ziemlich stereotyp als sarkastischer Detektiv mit hohem Alkoholkonsum, weitere Charaktere wie vor allem Mercy Mondego bleiben leider recht blass. Zwar ist der Titel eine Anlehnung an den Graf von Monte Christo, allerdings bleibt es lediglich bei einigen Anspielungen (wie die Namen Dante und Mondego) an den Roman von Alexandre Dumas und ist keine Neuinterpretation.
Eine moderne Schatzsuche eines Oldschool-Detektivs mit Einblicken in die klassische und moderne Finanzwelt, die bis zum Schluss spannende Unterhaltung bietet.
Humorvolles Buch über Freundschaft
Montecrypto von Tom Hillenbrand
Auf liebevolle Weise illustriert die Autorin, wie Tiere und Tierkinder trotz ihrer Unterschiede miteinander auskommen, auf welche Probleme sie dabei manchmal stoßen und welche Lösungen sie versuchen zu finden. Hilfsbereitschaft, Freundschaft, Elternsein und Liebe werden in Situationen von ein bis vier Bildern dargestellt.
Als Running Gag gibt es über das Buch verteilt verschiedene Tiere mit Partyhütchen, welche eine Überraschungsparty planen und versuchen, sich erfolgreich vor dem Geburtstagskind zu verstecken, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. Wunderschön zum Verschenken und immer mal wieder drin lesen.
Spannende Reise in die Zukunft
Behemoth von T. S. Orgel
Valles Marineris, Mars, 2148 A.D.: Das Ehepaar Venta und Oren Chitru entdeckt ein Artefakt nichtmenschlichen Ursprungs. Rund 150 Jahre später stoßen drei Weltschiffe, basierend auf den Erfindungen des erfolgreichen Unternehmers Oren Chitru, auf der Reise zu ihrem neuen Heimatplaneten auf ein Artefakt im Dunkel des Weltalls.
Ein Fund, der erneut das Schicksal der Menschheit verändern wird.
„Niemand hier draußen überlebt allein.“ (Zitat S. 544)
Neben der Konfrontation mit Technologien nichtmenschlichen Ursprungs beschäftigt sich der Roman zunächst mit einem anderen, wichtigen Thema: Wie entwickelt sich die menschliche Gesellschaft, wenn sie über hundert Jahre in einem Generationenschiff eingepfercht unterwegs ist? Hier bieten die drei aus unserem Sonnensystem gestarteten Raumschiffe entsprechende Möglichkeiten, von denen zunächst zwei Schiffe besonders in ihrer gegensätzlichen Entwicklung thematisiert werden. Erst mit der Entdeckung des mysteriösen Objekts im All, welches natürlich in voller Erwartung des Lesers untersucht werden soll, lernt man eine weitere Gesellschaftvariante kennen, für welche sich das dritte Schiff entschieden hat.
„Ich denke, dass das Untier erwacht.“ (Zitat S. 327)
Bringt das Betrachten der Raumschiffbewohner mitsamt ihrer Strukturen und Problemen bereits jede Menge Unterhaltung mit sich, nimmt die Spannung mit Betreten des Artefakts im Weltraum erweiterte Ausmaße an, wirft neue Variablen ins Spiel und schlägt den beim Lesen erwarteten Bogen zur Vergangenheit.
Die Handlungen und Entwicklungen im Roman wirken gut durchdacht und bauen geschickt aufeinander auf. Mir gefielen die unterschiedlichen Gesellschaftsstrukturen samt ihrer Vor- und Nachteile ebenso sehr wie die technischen Spielereien, welche es beim Lesen zu entdecken gilt. Auch die Charaktere sind vielfältig gestaltet, insbesondere mit den Hauptcharakteren wurde ich schnell vertraut. Neben der ein oder anderen Wendung im Roman lassen sich zudem versteckte Bezüge zur Popkultur entdecken.
Behemoth ist ein solides Science Fiction Abenteuer, welches Unterhaltung auf mehreren Ebenen bietet: Sowohl die gesellschaftliche Entwicklung an sich mit ihren jeweiligen Problemen als auch der Kontakt mit fremden Technologien bietet einiges an Spannung und Überraschung. Vielschichtige Charaktere, ausgeklügelte Technologien und eine straffe Handlung ohne unnötige Längen konnten mich ebenfalls überzeugen.
Erinnerungen eines Autors
Die Katzen von Shinjuku von Durian Sukegawa
Ein Autor erinnert sich zurück an die Zeit vor rund 25 Jahren, welche einen entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben darstellte. Damals, Ende der 1980er, geriet Yamas Karriere als Fernsehautor immer mehr in Schräglage und er drohte, in eine unzufriedene Zukunft abzudriften. Auf der Suche nach Zerstreuung fand er eine Bar in Tokio, in der die Gäste für sich eine Art Katzenbingo entwickelt hatten.
In dieser Bar arbeitete Yume, eine verschlossene junge Frau, deren Herz an ebendiesen Katzen hing. Ihr Kennenlernen sollte das Leben beider entscheidend bestimmen.
Dem Roman ist der Hang des (fiktiven) Autors zu plakativen, überzogenen Darstellungen von Charakteren anzumerken. Ein Sammelsurium aus extravaganten Charakteren, bedenklichen Entwicklungen in der damaligen Arbeitswelt und einer langsamen Charakterentwicklung des Erzählers zeichnen einen Aussschnitt seines damaligen Lebens in Tokio, welcher Yumes Leben eher tangiert als dieses wirklich zu kreuzen. Und dennoch helfen beide sich fast schon unbemerkt gegenseitig, ihre jeweils unzufriedenen Leben zu ändern, wobei die Katzen eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Der Stil ist teils bildhaft, teils poetisch, manchmal etwas überdreht und dennoch in sich eher ruhig, vielleicht stellenweise schon etwas langatmig. Zum Schluss kehrt der Erzählende jedoch wieder in die Gegenwart zurück, um zu einem stimmigen Ende zu finden.
Eine eher ruhige Erzählung eines fiktiven Autors über einen für ihn entscheidenden Abschnitt seines früheren Lebens, mit teils poetischem, teils nachdenklichem Inhalt, die sich angenehm lesen lässt, aber keine allzu aufregenden Highlights beinhaltet.
Keine Zeit zum Wunden lecken, wenn der Feind weiterhin seine Pläne schmiedet
Die Katzen von Shinjuku von Durian Sukegawa
Nachwirkungen… Was geschieht mit Familie Hunt nach dem brutalen Anschlag auf die Schule der Kinder? Wird der schwerverletze Jules überleben? Wie gehen Familie und Freunde damit um? Oder andere Betroffene?
Nachwirkungen… Welche Pläne verfolgt Cornelius Carlton nach dem Einzug der Totenbändiger in den Rat?
Nachwirkungen… Wie reagiert Evan auf das Angebot des Direktors der Totenbändiger-Akademie, dort eine Ausbildung in der Abwehr von Geistern zu erhalten?
Band 15 ist eine Folge voller Emotionalität - die Folgen des Anschlags sind in weiten Bereichen spürbar und so gut dargestellt, dass sie niemanden beim Lesen kalt lassen.
Ebenso ist Band 15 jedoch auch ein Band voller Entschlüsse, Pläne und Überraschungen, denn obwohl der Schock noch in ihrer aller Glieder steckt, muss Cornelius Carlton in seinen Machenschaften unbedingt aufgehalten werden. Dessen öffentliche Strategie sorgt wiederum für die ein oder andere Überraschung. Und auch Evan bietet wieder Stoff zum Mitfiebern.
Eine wieder sehr gelungene Folge, welche zunächst in erster Linie von Emotionen und Pläneschmieden geprägt ist, bevor es zum Ende hin nochmal einige gehörige Überraschung gibt.
Anstrengende Klischees und Charaktere
Das Geheimnis der Sternenuhr von Francesca Gibbons
Die Idee, dass Kinder in eine magische Anderswelt gelockt werden, um ebendiese zu retten, ist nicht neu. Hier sind es Imogen und ihre jüngere Schwester Marie, die durch eine Tür im Baum in ein Königreich stolpern, welches nachts von tödlichen Monstern heimgesucht wird. Schnell lässt sich erahnen, dass die wahren Bösen ganz woanders sitzen.
Das Buch hätte so schön sein können - leider macht die Autorin dies gleich zu Beginn durch eine Imogen vollauf zunichte, welche an Egozentrik und Jähzorn kaum zu überbieten ist. Wahrscheinlich tragen die Erwachsenen daran mit ihrer „Benimm dich!“-Einstellung ein wenig Mitschuld, möchte man meinen. Doch gibt es weder eine Charakterentwicklung zum Besseren noch irgendwelche Schlüsselszenen, welche beim Leser für Verständnis für ihr anstrengendes Verhalten sorgen. Im Gegenteil. Trotz und sinnlose Zerstörungswut machten mir das Mädchen schnell unerträglich. In Konkurrenz zu ihr steht der Prinz, der an Dummheit leider kaum zu überbieten ist, sich als wahrer Thronerbe von seinem Onkel alles Mögliche verbieten lässt und den Unterschied zwischen Freundschaft und Dienerschaft nicht zu kennen scheint. Die nächtlichen Monster wurden einfach dumm und blutrünstig wie Orks dargestellt statt die Chance wahrzunehmen aufzuzeigen, dass die Bösen manchmal nur durch geschickte Lügen und Intrigen zu den Bösen wurden. Und die titelgebende und faszinierende Sternenuhr, welche durch das Auftauchen der Mädchen plötzlich wieder läuft, wird von den Kindern kaum eines Blickes gewürdigt - mir absolut unverständlich, dass keiner mal nach der Bedeutung der Uhr fragt. Dafür kennt man in dieser Anderswelt erstaunlicherweise Böhmische Knödel. Und von der Klischee-Stiefmutter brauch ich gar nicht erst weiter berichten.
So leid es mir tut das sagen zu müssen, die im Kern interessante Idee wird zunichte gemacht durch haufenweise Klischees und höchst anstrengende Hauptcharaktere sowie teils unaussprechliche Namen mit Sonderzeichen, welche ich auf der Tastatur nicht finde. Macht keinen Spaß.
Manchen zieht es hinaus aufs Meer, manchen ins Meer hinein
Der dunkle Sog des Meeres von Bouchard Roxanne
Ein Roman über eine Frau mitte Dreißig, die in einem kanadischen Fischerdorf nach ihren Wurzeln sucht, dort auf eigenwillige Bewohner trifft und durchs Entschleunigen am Meer ihre Wurzeln in sich selbst findet. Ein in die Jahre gekommener Polizist, der bei seiner Ankunft in demselben Dorf droht, in eine Midlife-Crisis zu rutschen und aufklären soll, warum die Mutter der Frau kurz nach deren Auftauchen tot aus dem Wasser gefischt wird.
Und über allem der ewige Sog des rauschenden Meeres.
Ein Roman, so eigenwillig wie die Bewohner des Fischerdorfes Caplan. Auch wenn ein vermeintlicher Mord geschieht ist es dennoch kein Krimi, vielmehr steht das Meer im Mittelpunkt und dessen Bedeutung für die einzelnen Menschen. Freiheit, Bedrohung, Ruhe, Unendlichkeit, für jeden bedeutet das Meer etwas anderes. Wenn es um das Meer geht, sind die Bewohner der fremden Frau gegenüber gesprächig - sobald es jedoch um ihre Mutter geht, driften sie ab wie ein herrenloses Boot bei Sturm, selbst dem ermittelnden Polizisten gegenüber, der mit seiner großstädtischen Ungeduld langsamer vorankommt als durch gemächliches Zuhören.
Der Roman lädt definitiv zum Entschleunigen ein, mit Ungeduld kommt man hier nicht weiter, vielmehr sollte man sich durchs Buch treiben lassen wie ein Schiff auf der Brandung. Als störend empfand ich die Stereotypen, welche primär gezeichnet wurden, wobei vor allem die Frauen ausgelutschten Klischeebildern nachempfunden wurden (sexy aber blöd, stutenbissig, Dramaqueen). Ebenso reizte der Polizist in seiner Midlife-Crisis die gängigen Klischees aus, was es nicht besser machte. Ohne diese Stereotypien wäre das Buch deutlich besser gewesen, so blieb das Buch atmosphärisch und die Handlung betreffend gelungen, charakterlich jedoch eher enttäuschend. (3,5/5 Punkten)
Der Schöne wird zum Biest
Emanio - Der Schöne und das Biest von Nicole Gozdek
In dieser Märchenadaption wird Emanio, Erstgeborener des Herzogs und somit zukünftiger Regent, wegen seines verwerflichen Verhaltens in einen Panther verflucht. Retten kann ihn nur die einzig wahre Liebe, aber leider gibt es hier eine zeitliche Frist - Eile ist also geboten. So ganz verstehen kann Emanio sein Schicksal nicht, da er in seinen Augen niemandem etwas angetan hat.
Klar, welcher Bösewicht wäre da einsichtig? Allerdings stellt sich hier selbst dem Leser die Frage, ob nicht vielleicht eine Verwechslung vorliegen könnte.
In einer weiteren Hauptrolle lernt man den jungen Wildhüter Lerio kennen, der als Gestaltwandler bereits viel Boshaftigkeit in Menschengestalt ertragen musste. Als Luchs könnte er den verwandelten Emanio verstehen und somit eine Kommunikation mit dessen Familie und Bediensteten ermöglichen. Will er aber nicht. Denn er hat mit dem Regentensohn noch eine Rechnung offen.
Mit Emanio ist Nicole Gozdek eine wunderschöne Adaption des Märchens „Die Schöne und das Biest“ gelungen. Vertrauen, Verrat, Missgunst und Neid geben sich hier die Hand bzw. die Pfote. Neben dem allmählichen Versuch von Emanio und Lerio, einander zu verstehen und zu vertrauen, bleibt es vor allem lange Zeit spannend, wer Emanio warum etwas Böses will. Eine eigens für diese Erzählung ausgeklügelte Magie-Hierarchie zwischen Zauberern, Hexenkünsten und Wandlern gibt hier kleine Hinweise, der Schwerpunkt liegt jedoch bei den beiden Männern sowie ihrer jeweiligen Familie. Zudem gibt es genügend Personen, die sich verdächtig (un)auffällig verhalten und es somit nicht einfach machen, den Verrat zu durchschauen.
Ein gelungenes Wohlfühlbuch mit Märchencharakter, welches problemlos als AllAge-Fantasy durchgeht und zum Miträtseln einlädt, wer der wahre Bösewicht dieser Geschichte ist.
Abenteuer in virtuellen Welten
Cryptos von Ursula Poznanski
Irgendwann in der Zukunft: Die bewohnbaren Flächen auf der Erde sind rar, ebenso die Lebensmittel. Viele Menschen verbringen die Tage in VR-Kapseln und somit in virtuellen Welten, welche von Weltendesignern angelegt werden. Eine dieser Designer ist Jana. In ihrer Lieblingswelt Kerrybrook, einem idyllischen Fischerdorf nachempfunden, lassen es sich die Leute im Pub oder bei Angelwettbewerben gutgehen, während ihr tägliches Horoskop sie auf dem Laufenden hält.
Als ihre Welt auffällig viele „Exits“ anzeigt und sogar ein Mord geschieht, wird nicht nur die Security darauf aufmerksam, sondern auch Jana will auf eigene Faust herausfinden, was in ihrer virtuellen Welt geschehen ist. Und gerät dadurch schon bald in tödliche Gefahr.
Das Worldbuilding dieses Romans ist spannend konstruiert: Die reale Welt befindet sich am Rand einer Klimakatastrophe, Lebensmittel und Wasser sind streng limitiert und ein Großteil der Bevölkerung steigt täglich in VR-Kapseln, um in einer der vielen virtuellen Welten ein erträglicheres Leben zu führen. Die Vielfalt ist erstaunlich, es gibt Welten, die auf früheren Zeiten basieren, Fantasywelten und sogar Gefängniswelten. Tatsächlich hat mich Ursula Poznanski nicht enttäuscht und mich in eine Vielzahl dieser Welten mitgenommen, welche Jana im Laufe des Romans bereist. Die Gefahr, in welche Jana sich begibt, nimmt immer mehr zu und lange ist nicht sicher, wer die Guten und wer die Bösen sind. Das Geheimnis dahinter gefiel mir gut, die Auflösung des Ganzen passt für einen Jugendroman, da doch einiges recht glatt läuft am Schluss. Jana selbst ist mit ihren jungen Jahren tatsächlich stellenweise noch etwas naiv und läuft mitten in die Gefahr hinein, statt vorher nachzudenken. Dennoch ist sie als Protagonistin und Erzählerin sympathisch und bringt eine gute Portion Spannung und Emotionalität mit sich. Ein wenig illusorisch blieb mir die ganze Energieversorgung dieser Unzahl an Welten und VR-Kapseln sowie die Versorgung der Nutzer, was meiner Meinung nach auf Dauer einen Riesenaufwand bedeutet und das Unentdecktbleiben einiger Beteiligter ziemlich unrealistisch machte. Wegen dieser Ungereimtheit in der ansonsten recht spannenden Story gebe ich Cryptos 4,5/5 Punkten.









