Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Christina P.:
Unerwartet langweilig
Sprich mit mir von T. C. Boyle
Tatsächlich kann auch ein Roman von T. C. Boyle ein absoluter Fehlgriff sein. An einer überzogenen Erwartungshaltung kann es nicht liegen, da ich bzgl. des Verlaufs zunächst wenig Erwartungen hatte. Vielmehr sind es der Aubau des Buches selbst, der Stil sowie die Charaktere, die mich ziemlich enttäuschten.
Auch wenn es um den Schimpansen Sam geht, dem Prof. Schermerhorn die Zeichensprache versucht beizubringen, sind die meisten Szenen nicht mit Sam, sondern über Sam: Es wird über ihn geredet, gefachsimpelt, spekuliert, interpretiert und sein Leben verplant. Prof Schermerhorn hat bei seinem Projekt in erster Linie seine Karriere im Sinn, die Studentin Aimee redet sich in ihrer naiven Weltsicht ein, sich für das Wohl des Schimpansen einzusetzen - und der Besitzer von Sam denkt nur an seinen Profit. Das ist übrigens auch derjenige, der Sam zurückfordert - Sam wird nicht von irgendeiner Universität beschlagnahmt, sondern einfach von seinem Besitzer zurückgeholt. Zwar hat Sam selbst auch einige Kapitel, geschrieben aus seiner Sicht, aber die sind recht einfach gehalten und kaum emotionaler, als wenn ein Mensch die Szenen beschrieben hätte.
Platziert hat der Autor das Geschehen in die Zeit Ende der 1970er bis Anfang der 1980er. Anstrengend war seine Entscheidung, viele Szenen, besonders zum Ende hin, aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, und zwar nicht parallel, sondern man macht einen Zeitsprung zurück und erlebt das Ganze nochmal - und wenn man Pech hat nochmal. Überhaupt muss man sich auf einige nicht weiter definierte Zeitsprünge gefasst machen, wodurch man beim Lesen schnell das Zeitgefühl verliert. Wär im Buch nicht angemerkt, dass die Handlung sich innerhalb von 3,5 Jahren abspielt - ich hätte es nicht benennen können.
Ebenso anstregend waren die Charaktere: Der Professor, der erwartet, dass Frauen ihre Ziele für seine Karriere zurückstecken und bei dem ich mir nicht sicher war, ob er wirklich einen Charakter in Sam sah oder doch nur ein Objekt. Aimee in ihrer naiven und weltfremden Art, die sich für Sam hätte einsetzen können, bei der jedoch allein durch ihren Charakter bereits zu Beginn sicher ist, dass ihre Bemühungen zum Scheitern verurteilt sein werden. Und Sam, der mal als niedliches Haustier betrachtet wird, bis er aus Mangel als Möglichkeiten (oder fehlender Selbstbeherrschung?) zu Gewalt neigt und dann plötzlich nur noch das wilde Tier ist, bei Gefahr zum Abschuss freigegeben. Chance vertan, wirklich etwas zu bewegen. Von allen, sowohl von den Charakteren als auch vom Autor selbst.
Der Autor hält der Bestie Mensch den (Wasser-)Spiegel vor
Und der Ozean war unser Himmel von Patrick Ness
Ein Spontankauf, den ich nicht bereut habe. Mich machten sowohl das Thema an sich (eine Adaption von Moby Dick) als auch die optische Ausstattung mit den vielen Bildern in blau/schwarz/weiß, teilweise mit blutigem rot durchsetzt, neugierig.
In dieser fiktiven Zeit haben die Wale gelernt, ebenfalls auf Jagd zu gehen - auf Menschenjagd, nachdem die Menschen seit langer Zeit Wale jagen und abschlachten.
Erzählt wird alles von einer Waldame, die einst den Walen angehörte, welche Jagd auf den teuflischen Toby Wick machten, den gefährlichsten aller Waljäger. Erzählte man sich zumindest, wobei manche ihn für den Teufel selbst, andere nur für eine Legende hielten. Auf dieser Jagd, welche Thema der Erzählung ist, lernt die Walin, sich selbst Bathseba nennend, einen Menschen kennen und beginnt, Jagd und Brutalität an sich etwas genauer zu betrachten.
„Wer den Teufel bekämpft, wird selbst zum Teufel.“
„Vielleicht kann ja aber nur ein Teufel einen Teufel bekämpfen“, sagte ich.
„Doch wenn dieser Kampf zu Ende ist, Bathseba“, sagte er, „bleiben dann nicht nur noch Teufel übrig?“
Erzählerisch sowie optisch einfach genial. Das Besondere ist, dass für die Wale die Wasserlinie der Abgrund ist, und was für den Menschen die Erdanziehung, ist für die Wale der Auftrieb. Entsprechend ist bei den Bildern auch der Himmel unten, das Meer oben. Die Welt der Wale ist mit ihren Städten, Erfindungen und Erlebnissen faszinierend dargestellt, die „Bedrohung Mensch“ regelrecht spürbar. Angst, Verlust, Hass und Zweifel lassen den Leser Bathsebas mutiges Abenteuer auch emotional sehr gut miterleben.
Tiefgründig in jederlei Hinsicht, spannend und emotional bewegend - ein faszinierendes Walabenteuer.
Junger Druide rettet magisches Dorf
Die Chroniken von Mistle End 2: Die Jagd beginnt von Benedict Mirow
Nachdem Cedrik erfahren hat, dass er ein Druide ist, gerät das magische Dorf Mistle End schon bald in Gefahr, als ein seltenes Buch aus der Bibliothek gestohlen wird. Mit dem Wissen des Buches könnten Feinde ungehindert über magische Wege eindringen und den Ort in ihre Gewalt bringen. Bei dem wagemutigen Versuch, das Buch zurückzuholen, gelangen Cedrik und seine besten Freunde Emily und Elliot zunächst nach London, wo mächtige Feinde von Mistle End leben, mit denen der dunkle Druide Crutch sich zu einem Schlag gegen Mistle End verbünden will.
Der zweite Band baut auf dem ersten auf, welchen man zum besseren Verständnis gelesen haben sollte. Diesmal weiten sich die Abenteuer des jungen Druiden Cedrik nicht nur bis nach London aus, auch in der magischen Zwischenwelt wartet bereits sein Großvater darauf, Cedrik kennenzulernen. Druide Crutch, der bereits im ersten Band einen starken Hass auf Mistle End erkennen ließ, wird immer stärker und mit ihm die Bedrohung für die Bewohner des Dorfes. Neben weiteren faszinierenden druidischen Fähigkeiten lernt Cedrik zudem neue magische Wesen kennen (das auf dem Cover abgebildete Tentakelwesen spielt hierbei eher eine bedrohliche Nebenrolle), welche mit ihren jeweiligen Besonderheiten spannend zu entdecken sind.
Auch wenn der zweite Band wieder herrlich mitreißend und vielfältig ist, haben mich die Geschwister Emily und Elliot auf ihrer ersten Tour nach London leider sehr genervt: Von Kindern, die in einem toleranten, multikulturellen Ort aufwachsen, hätt ich mir mehr Aufgeschlossenheit gewünscht als dass sie wiederholt Vorurteile gegenüber anderen Wesen von sich geben. Zudem wirkten sie im Verhalten stellenweise sehr anstregend und kindisch, schade, dass der Autor sie so dargestellt hat. Im Laufe des Romans bessert sich dies zum Glück und das Ende macht gekonnt neugierig auf die Fortsetzung rund um Druide Cedrik und das Schicksal von Mistle End.
Spannender Trilogie-Start mit brisanten Themen
Dark Blue Rising (Bd. 1) von Teri Terry
Solange sie sich erinnern kann, lebt Tabby mit ihrer Mutter Cate unter dem Radar der Behörden: Kein Telefon, keine Freunde, niemand kennt ihren Namen. Ein Zufall sorgt dafür, dass das Leben der 16-jährigen plötzlich völlig auf den Kopf gestellt wird: Tabby soll als Kind entführt worden sein - von Cate! Ihre echten Eltern warten bereits darauf, ihre Tochter wieder in die Arme schließen zu können.
Eine emotional unruhige Zeit beginnt für Tabby. Wem kann sie trauen? Hat Cate sie damals wirklich entführt? Und falls ja - warum? Einzig das Meer bleibt ihr als Konstante, zu dem sie eine ganz besondere Verbindung hat.
Hüte dich vor dem Kreis!
Was für ein geniales Buch! Anfangs lernt man Tabby kennen, wie sie mit Cate zusammenlebt, ständig wie auf der Flucht. Cates Argumente für ihr gewähltes Leben kommen so nach und nach im Roman durch und waren für Tabby bisher plausibel, allerdings ist sie an einem Punkt angekommen, an welchem sie beginnt, so manches in Frage zu stellen. Bis sie duch einen Zufall dazu gezwingen wird, alles Bisherige zu überdenken. Ihre Unsicherheit, ihre anerzogene übersteigerte Skepsis anderen Menschen und Institutionen gegenüber, ist sehr gut dargestellt, ebenso der langsame Wandel von Misstrauen zu Vertrauen den eigenen Eltern gegenüber.
Ihre Verbundenheit zum Meer sowie ihre erhöhte Grundskepsis kommen Tabby allerdings einige Zeit später zugute, als sich nach und nach Hinweise häufen, warum Cate sie als Kleinkind entführt haben könnte. Als Cates Warnung „Hüte dich vor dem Kreis“ plötzlich für Tabby einen Sinn ergibt, ist es jedoch fast schon zu spät und ihr Leben in großer Gefahr.
Meiner Meinung nach hat die Autorin eine sehr gute Entscheidung getroffen, Tabby als Ich-Erzählerin zu wählen. So ist man als Leser stets auf demselben Wissensstand wie sie, erlebt ihre Gedanken und Emotionen mit und kann parallel zur Protagonistin Überlegungen anstellen und Schlüsse ziehen. Ihre zunächst etwas befremdlich wirkende Skepsis, welche Cate ihr anerzogen hat, sorgt dafür, dass sie vieles genauer betrachtet und hinterfragt, statt die Dinge als gegeben hinzunehmen. Zudem sind sämtliche Personen und Situationen sehr authentisch dargestellt und der Erzählstil selbst ist angenehm komplex, spannend und bildhaft. Die Handlung startet zwar zu Beginn mehr mit dem Fokus auf Tabbys Gefühlswelt, gestaltet sich jedoch im Verlauf des Romans als überaus vielschichtig und hat mich mit ihren Rätseln und Gefahren regelrecht in ihren Bann gesogen.
Ein sehr zu empfehlender erster Band einer Trilogie, der zwar zunächst etwas ruhiger startet, dann aber rasant an Tempo aufnimmt. Stilistisch äusserst gelungen und thematisch spannend und vielversprechend.
Willkommen in der Unterwelt von Detroit
Underworld Chronicles - Verflucht von Jackie May
Einzelgängerin Nora weiß von der Unterwelt, der Welt der Dämonen, Vampire und Trolle, obwohl sie selbst als Mensch nicht dazu gehört. Dennoch hat sie gewisse magische Fähigkeiten wie das Lesen von Erinnerungen bei Kontakt mit Personen und Gegenständen. Diese Eigenschaft wollen nun die Vampire für sich nutzen, um ihre entführte Artgenossin durch Noras Hilfe wiederzufinden - notfalls unter Zwang.
Als eine weitere Angehörige der Unterwelt-Wesen verschwindet, mischen sich noch weitere Personen in die Suche mit ein, unter anderem ein Troll, ein Magier und ein Agent, dessen Wesen Nora nur erahnen kann.
Generell ist Nora eine sympathische und toughe junge Frau, die leider arg an ihrer Vergangenheit zu knabbern hat. Beim Lesen merkt man schnell, dass die Autoren sich an jüngeren Lesern orientiert haben. So wird öfter mal diskutiert, wer auf wen steht oder auch nicht. Zudem haben sie versucht, die Selbstbestimmung der Frau zu thematisieren, dass Frauen sich ihre Partner selbst aussuchen und Männer nicht ungefragt Besitzansprüche auf sie erheben können. Im Ansatz ganz gut, dennoch empfand ich den Punkt als äusserst fragwürdig, dass Nora im Roman die Schuld in die Schuhe geschoben wird, warum Männer meinen, sie ungefragt besitzen bzw missbrauchen zu dürfen - einfach, weil sie so eine starke Anziehungskraft auf Männer ausübt. Ahja. Das stank mir leider zu sehr nach der Ausrede, eine Frau will es ja so, weil sie Minirock trägt und entsprechend schockiert war ich von der Begründung des Verhaltens einiger männlicher Individuen im Roman. Die Charaktere, welche positiv im Roman dargestellt werden wie Troll Terrance, empfand ich als sympathisch und gut gelungen. Bei der Lösung des Entführungsfalles haperte es jedoch wiederum hier und da, vor allem, als statt wichtige Details aufzunehmen und zu verfolgen, ausgiebig in großer Runde über mögliche Besitzansprüche gegenüber Nora diskutiert wird - und dann nichts weiter, keine Datenaufnahme, obwohl bei Entführungen jede Sekunde zählt.
Eine unterhaltsame Urban Fantasy mit diversen Wesen der Unterwelt, die vom Worldbuilding recht interesssant gestaltet ist. Leider hapert es stark an der Ausseinandersetzung mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen“ und der Kriminalfall selbst, in den Nora hineingezogen wird, läuft nicht so ganz in sich stimmig.
Clanrivalitäten
Die Drachen von Talanis - Blue Scales von Katharina V. Haderer
Die Stadt Poschovar wird von einem Rat aus sechs Familien, der sogenannten Hexade, regiert. Als der Alpha-Wolf eines Rudels von Gestaltwandlern mit Gewalt den Platz der Familie Song einnehmen will, gerät die 18-jährige Christie Song unerwartet zwischen die Fronten, obwohl sie als außereheliches Kind die roten Drachenkräfte ihres Familienvaters nicht geerbt hat.
Stattdessen bilden sich seit kurzem blaue Schuppen auf ihrem Rücken aus - doch davon weiß bisher niemand.
Blue Scales (Blaue Schuppen) ist der erste Band der Trilogie „Die Drachen von Talanis“ und spielt im Großen und Ganzen in der fiktiven Welt der Autorin, welche auch in ihren anderen Romanen Schauplatz ist. In dieser Welt gibt es Gestaltwandler sowie Personen mit anderen magischen Eigenschaften. Christies Vater ist ein mächtiger Roter Drache der Familie Song, der sie damals als eigenes Kind angekommen hat - ihren biologischen Vater kennt sie nicht. Da sich seit kurzem blaue Schuppen auf ihrem Rücken bemerkbar machen, versucht sie, diese zunächst vor allen zu verheimlichen. Ein Grund ist die Matriarchin der Familie sein, eine Nekromantin, welche Christie aufgrund ihrer Herkunft nie als Familienmitglied anerkannt hat. Neben den Verwicklungen der Hexade mit den Wölfen sind die Familienkonflikte der Familie Song Hauptthema der Erzählung.
Christie, welche als Ich-Ezählerin fungiert, wurde mir beim Lesen schnell sympathisch. Der Aufbau des Romans bringt dem Leser die Welt, in der Christie lebt, ebenso wie die Charaktere nach und nach näher, ohne das Gefühl zu verursachen, von zuviel Input erschlagen zu werden. Vielmehr fügen sich die Informationen nach und nach in die Handlung ein. Auch diese ist durchgehend unterhaltsam mit einigen überraschenden Wendungen und Konflikten, welche sich mit Christies Gedanken und Emotionen vermischen. Trotz des flüssigen und bildhaften Schreibstils empfand ich leider die Konflikte mit dem Wolfsrudel stellenweise als nicht stimmig und Christies Part insbesondere am Schluss unlogisch. Zudem fiel mir die Darstellung des Clans der Wolfswandler zu klischeehaft aus, deren Verhalten erinnerte mich zu sehr an das überzogene Bild des bösen Wolfs aus Grimms Märchensammlung. Das verhinderte, mich wirklich in die Perspektive der Wölfe hineinversetzen zu können und minderte somit das Lesevergnügen etwas.
Blue Scales ist der erste Band einer Trilogie rund um Gestaltwandler und Magie, um Familienstreitigkeiten und Clanrivalitäten und um Christie, die als bisher noch verborgener Blauer Drache unfreiwillig zwischen die Fronten gerät. Spannend und unterhaltsam geschrieben, wenn auch aus meiner Sicht stellenweise nicht ganz stimmig. Macht auf jeden Fall neugierig auf die Fortsetzung.
Sehr viele veraltete Klischees und Stereotype, Details oftmals schwer erkennbar
Knights of Sidonia - Master Edition.Bd.1 von Tsutomu Nihei
Inhaltlich verschlägt es den Leser dieses elf Einzelbände umfassenden Sammelbands in eine weit entfernte Zukunft: Seit rund 1000 Jahren ist das Raumschiff Sidonia nun bereits unterwegs, seitdem die Erde beim Krieg gegen die Gauna zerstört wurde. Gemeinsam mit dem Jungen Nagate Tanikaze, der bisher unentdeckt mit seinem Großvater im Untergrund des Raumschiffes lebte, lernt man zunächst die Bewohner des Raumschiffes kennen, welche sich aus der ursprünglichen Menschheit entwickelt haben - bevor Nagate auch schon zu einem ersten Pflichteinsatz im Kampf gegen die Gauna einberufen wird.
Weltenschiffe und deren Bevölkerung sind ein faszinierendes Thema, entsprechend neuigierig war ich, wie der Autor sich die Menschheit hat entwickeln lassen. Tatsächlich hat er ein paar geniale Ideen eingearbeitet. Leider hat er diese mit bereits zum Zeitpunkt der Ersterscheinung schon völlig veralteten Rollenklischees vermischt. Gemeinsam mit einer actionlastigen Science Fiction-Dystopie erhält man also eifersüchtige Mädchen in zuckersüßen Miniröckchen, diverse Höschenblitzer und noch eine andere eindeutige Männerfantasien präsentiert, während die Männer in erster Linie an Ruhm und Ehre denken. Davon war ich sehr enttäuscht. Ebenso wurden Themen in der Gesellschaft vom Autor immer nur kurz angerissen, bevor es zum nächsten Kampfeinsatz ging, der leider meist so viel schwarz in den Panels enthielt, dass vieles gar nicht richtig erkennbar war. Durch das viele von Kampfszene zu Kampfszene springen empfand ich den roten Faden der Story eher wie eine handvoll kleiner roter Wollschnipsel. Informationen zu den Gauna, den mysteriösen Weltraummonstern, sowie zu Schicksal und Entwicklung der Menschheit erfährt man als Leser erst recht spät, entsprechend empfand ich einen Großteil des Sammelbandes wie eine überlange Einleitung. Erst zum Ende hin lässt sich allmählich eine stringent wirkende Handlung sowie ein vernünftiger Spannungsaufbau erkennen.
Bei mir konnte beim Lesen des Sammelbandes leider sehr lange Zeit keine Spannung aufkommen. Der Autor hangelt sich anfangs vielmehr von Kampf zu Kampf mit teilweise kaum erkennbaren Details in den Panels, bietet einen stark verpeilt wirkenden Hauptcharakter sowie jede Menge Klischee-Stereotype, welche bereits seit Jahrzehnten überholt sind und rückt erst zum Ende hin mit Hintergründen und Details heraus, welche langsam eine stringente Handlung sowie eine Spannungskurve ausbilden. Das Thema bietet definitiv Potential, leider reizt der Autor dies erst sehr spät aus. Manchen mögen meine Kritikpunkte vielleicht weniger stören, daher empfehle ich jedem, sich ein eigenes Bild von dem Manga zu machen.
Paparazzi und Morde im Rom der 1960er
Imperator von Kai Meyer; Lisanne Surborg
Rom, 1965: Die junge Londonerin Anna möchte den Mord an ihrer Mutter aufklären. Zwar wurde ihr Vater dafür verurteilt, allerdings nur aufgrund von Indizien. Anna will nun endlich die Wahrheit erfahren - Hilfe bekommt sie von ihrem italienischen Onkel und dessen Paparazzi-Kollegen. Noch ahnt sie nicht, dass ihr Weg sich schon bald mit dem von Gennaro Palladino kreuzen wird, einem skrupellosen Privatdetektiv, der den Mord an einem Künstler aufklären soll.
Währenddessen ziehen im Hintergrund die Imperatoren die Fäden, eine Gruppe von Personen, die nur darauf wartet, in Rom wieder die Machtverhältnisse wie zu alten Kaiserzeiten einzuführen.
Anna gefiel mir als Person, sie ist mutig, clever und liebt es zu fotografieren. Privatdetektiv Gennaro hingegen ist ein Charakter, der mir zwar nicht sympathisch wurde, dennoch seinen gewissen Reiz hatte. Die Atmosphäre des damaligen Rom, insbesondere die Welt der Stars und Sternchen, ist überzeugend bildhaft und abwechslungsreich dargestellt - so manches Detail oder frühere Schauspieler lassen alles recht realistisch wirken. Die Ermittlungen der beiden sind abwechslungsreich, wenn auch mit einigen Längen. Ebenso war mir der Prolog zu lang gehalten, zumal dieser kaum wichtige Details oder Spannung bot - den hätte man inhaltlich als Rückblende erwähnen oder einfach weglassen können, damit es schneller spannend wird.
Sehr gefallen hat mir bei diesem Buch die Atmosphäre des damaligen Rom, in welche ich gerne eingetaucht bin, wobei ein paar mehr Details das Bild lebendiger gemacht hätten. Die Handlungsstränge um Anna und Gennaro waren unterhaltsam, aber mir hat hier und da das gewisse Etwas gefehlt um sagen zu können „ja, das ist spannend so“. Vor allem die rätselhaften Imperatoren blieben recht blass, was es genau mit ihnen auf sich hat war zum Ende hin nicht klar. Ebenfalls ließ mich Annas Nachforschung über den Tod ihrer Mutter am Ende etwas enttäuscht zurück. Da das Buch als Auftakt einer Serie beworben wird hoffe ich, dass dann so manche Themen etwas mehr vertieft werden. So blieb mir einiges zu oberflächlich, zu vieles am Schluss ungeklärt, unter anderem auch der Mystery-Anteil. Unterhaltsam ist es auf jeden Fall, spannend eben mit einigen Längen und offen bleibenden Fragen.
Kriege der Vergangenheit
Das Erbe der Macht - Band 28: Sigilmagie von Andreas Suchanek
Auf der Suche nach Jens zweitem Seelensplitter in Zeit und Raum verschlägt es die Zeitreisenden rund um Alex mitten in den einstigen Hexenholzkrieg. Während ihres Abenteuers gelangen sie an Informationen, welche für den Kampf gegen Merlin in der Gegenwart hilfreich sein könnten. Letzterer taucht indessen überraschend in Dark London auf, Morganas langsam zerfallendes Splitterreich.
Auch hier müssen Morgana und ihre Gäste zunächst einigen Gefahren trotzen, bevor überraschende Geheimnisse die Weichen für die Zukunft neu stellen. Ob pro oder contra Merlin bleibt abzuwarten.
Ein durchaus spannender Band der Urban Fantasy serie. So, wie die Einzelteile von Jens Seele eingesammelt werden, finden die Gegner Merlins nach und nach einzelne Puzzlestücke, welche in ihrem Kampf gegen den mächtigen Feidn hilfreich sein könnten. Durch die beiden sich abwechselnden Handlungsstränge bleibt es spannend, zudem wird die Folge von so manchen Emotionen und Überraschungen bereichert. Sehr genial!
Das tierliebe Vampirmädchen erlebt weitere Abenteuer
Mirella Manusch - Achtung, hier kommt Frau Eule! von Anne Barns; Christin-Marie Below
Erneut erlebt das sympathische Vampirmädchen interessante Abenteuer gemeinsam mit ihrem sprechenden Kater Sir Lancelot sowie der besten Freundin Klara. Ihre Tierliebe führt dazu, dass die Mädchen einer kranken Eule bei ihren Sehproblemen helfen wollen. Ebenso wollen sie aufklären, wer seit kurzem Tiere mit Farbe einsprüht.
Der zweite Band kommt nicht ganz an den ersten Band heran, es gibt einige Längen und bei so manchem Detail fragte ich mich, ob das für die jungen Leser/innen wirklich relevant ist wie z. B. der mehrfache Hinweis, dass sie etwas aus Quark-Öl-Teig (!) backen wollen. Welches Kind interessiert die Teigsorte? Ebenso wunderte ich mich, dass der Vater als Tierarzt nicht wusste, dass den meisten Tieren Nacktschnecken als Futter nicht schmecken. Mirellas Rettungs- und Erziehungsversuche an den Tieren kamen mir zum Teil etwas fragwürdig vor, wobei die titelgebende Eule nur einen kleinen Part einnimmt. Ansonsten werden die Themen Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Vertrauen diesmal etwas stärker behandelt. Stilistisch ist das Buch leicht umgangssprachlich gehalten, was die Dialoge etwas lockerer wirken lässt. Spannungstechnisch hat mir diesmal leider einiges gefehlt. (3,5/5)











