Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Christina P.:
Wenn Verhalten das Zusammenleben vergiftet
Die Leuchtturmwärter von Emma Stonex
1972 verschwanden vor der Küste Cornwalls drei Leuchtturmwärter spurlos: Der Tisch in der Küche war gedeckt, die Uhren alle zur selben Zeit stehengeblieben und die Tür von innen verschlossen. Zwanzig Jahre später möchte ein Autor sich des Geheimnisses rund um das Verschwinden der Männer annehmen und beginnt, die Partnerinnen der Wärter zu befragen.
Aufgebaut ist das Buch so, dass man zwischen den Zeitebenen 1972 und 1992 hin- und herspringt. Man erlebt die Zusammenarbeit der Männer, in welche sich nach und nach eine ungesunde Atmosphäre einschleicht und deren Leben vergiftet. Ebenso lernt man die Frauen kennen, wie sie mit ihrem Schicksal jeweils umgegangen sind, ihre Gedanken und Emotionen sowie ihre Theorien zum Verschwinden ihrer Partner. Tatsächlich gab es damals schnell einen mutmaßlichen Täter, dem alles in die Schuhe geschoben werden konnte, doch nicht alle sind derselben Meinung. Langsam entwickelt sich während des Romans ein Bild der drei Paare, ihr Leben, ihre Probleme sowie ihre Charaktere, welche mehr oder weniger zur Tragödie führten. Das Ende bleibt nicht offen, man erlebt als Leser mit, was damals wirklich geschah, auch wenn die Menschen im Roman dies womöglich nie erfahren werden.
Ich empfand es als lesenswert, die charakterlichen Entwicklungen der Beteiligten zu verfolgen, wobei mir im Laufe des Romans klar wurde, dass nicht jeder Charakter für derlei Leben tauglich ist und so manche Personen die Atmosphäre mit der Zeit einfach vergiften. Vermisst habe ich etwas mehr Details zum Leben damals auf einem Leuchtturm, der mitten im Meer stehend vom Rest der Bevölkerung buchstäblich abgeschlossen ist. Das hätte die Stimmung noch greifbarer gemacht. Ebenso ist der Schreibstil etwas ungewohnt, wenn die Perspektive auf die Frauen in der Gegenwart umschwenkt.
Insgesamt ein interessantes Buch über aussergewöhnliche Charaktere und wie manche davon langsam toxisch auf eine enge Gemeinschaft wirken können.
Sehr gesund und sättigend
Genussvoll gesund bleiben von Christopher Crell
Das Buch zielt darauf ab, sein Immunsystem über die Ernährung aktiv zu stärken. Dies geschieht, pauschal zusammengefasst, durch das Weglassen bzw. Reduzieren von Lebensmittelbausteinen, welche den Körper eher belasten als diesem nützlich zu sein (gesättigte Fettsäuren, einfache Kohlenhydrate wie in Mehl und Zucker, Gluten).
Stattdessen isst man vermehrt nützliche Bausteine wie Vitamine und Mineralstoffe, Spurenelemente, gesunde Fette, komplexe Kohlenhydrate, Proteine und so einiges mehr. Aufgebaut ist das Buch als Challenge über 4 Wochen mit jeweils drei Mahlzeiten pro Tag. Zu vielen Gerichten gibt es kleine Hinweise, warum enthaltene Zutaten so gesund für den Körper sind, sowie ein bisschen Hintergrundwissen. Ebenso gibt es viele Bilder zu den Rezepten.
Generell gefällt mir das Buch, da es in erster Linie viele gesunde Lebenmittel untereinander kombiniert, wodurch ein positiver Effekt einfach zu erwarten ist. Wer die Challenge akzeptiert muss sich darauf einstellen, zum Frühstück auch mal einen grünen Smoothie oder einen herzhaften Salat zu essen. Ich empfand die Mahlzeiten als recht sättigend und lecker, manche würd ich mir für meinen eigenen Geschmack etwas anpassen wie z. B. die benötigte Knoblauchmenge. Vorbereitend wird zu Beginn ein Brot gebacken, welches als Low-Carb-Variante u. a. Quark und Eier enthält. Hier wäre ein Hinweis zur Lagerung des Brotes über mehrere Tage sinnvoll gewesen, damit es nicht zu schnell schimmelt. Wie es bei Kochbüchern generell der Fall ist haben mir einige Rezepte geschmacklich mehr zugesagt als andere, allerdings bietet das Buch genügend Alternativen, welche man stattdessen kochen könnte. Selbst ein Apfelkuchen kommt in der Rezeptsammlung vor, nur eben mit ein wenig anderen Zutaten. Das ist auch ein Punkt, der etwas ungewohnt ist, da auf gängige Zutaten wie Mehl und Zucken eben verzichtet wird. Tendenziell sind die Rezepte im Low-Carb-Bereich anzusiedeln, nur eben mit erhöhtem Anteil an für den Körper positiven Inhaltsstoffen.
Vom Aufbau her fand ich es etwas schwierig, bestimmte Rezepte im Register wiederzufinden, wenn ich nicht den genauen Namen des Rezeptes wusste. Ebenso sind die Zutatenlisten der Rezepte leider nicht tabellarisch angeordnet, so dass ich es als umständlich empfand, die benötigten Zutaten für die Einkaufsliste herauszuschreiben. Eine vorgefertigte Einkaufsliste für die jeweilige Woche fehlt leider.
Wer sein Immunsystem über die Ernährung boosten will, für den ist diese Challenge auf jeden Fall zu empfehlen. Ebenso taugen die Rezepte für eine langfristige Umstellung hin zur gesünderen Ernährung. Da gängige Zutaten wie Mehl, Zucker und Nudeln hier keine Verwendung finden sollte man sich schon darauf einstellen, dass die Zutatenlisten ein wenig anders als gewohnt ausfallen und der Kauf von Erythrit, Mandelmehl und Sojakernen zur eigenen kleinen Challenge werden könnte.
Spannend und dystopisch
Das Erbe der Macht - Band 29: Zeitasche von Andreas Suchanek
Bei dem Versuch, den letzten Seelensplitter von Jen in einer ihrer früheren Inkarnationen zu finden, geht irgendwas schief: Alex und seine Freunde landen irgendwo im Nirgendwo in Zeit und Ort, die einer fürchterlichen Dystopie entsprungen sein könnten - etwa die Zukunft, vor welcher Alanas Bruder warnte? Währenddessen will Max das Agentenprogramm wiederaufnehmen und macht sich auf die Suche nach einem vor 20 Jahren verschollen Agenten Edisons, der damals Wichtiges herausgefunden hatte: Oliver.
Mit an Bord Max‘ neuer Sidekick Titik.
Die 29. Folge der Urban Fantasy Serie hat mich wieder vollauf begeistert. Das Szenario wirkt bedrohlich, manchmal etwas surreal und auf jeden Fall geheimnisvoll. Aufgelockert wird das Ganze durch ein paar Seitenhiebe zwischen Alex und Artus, vor allem aber durch Titik, dem kleinen Flauschwesen, welches nun gemeinsam mit Max unterwegs ist und gern unterschätzt wird. Besonders hat mir gefallen, wie so nach und nach spürbar wird, dass der Kampf gegen den Gegner Merlin komplexer scheint, als zunächst angenommen - sind wirklich alle Feinde Merlins auch auf der Seite von Alex, Jen & Co.? Überaus spannend und wegbereitend für eine vermutlich bewegende Zyklus-Halbzeit.
Manchmal ist Blut dicker als das Strafgesetzbuch
Pirlo - Gegen alle Regeln von Ingo Bott
Autor Ingo Bott lässt seinen erfolgreichen Anwalt Pirlo tief fallen - und wie einen Phönix aus der Asche wieder auferstehen. Nachdem er seinen Job in einer hochangesehenen Anwaltskanzlei verloren hat, übernimmt er nach seinem Seelentief einen hochbrisanten, wenn auch zunächst aussichtslos wirkenden Fall: Marlene von Späth soll ihren Mann hinterrücks erstochen haben, einen reichen Unternehmer.
Für diesen Fall gründet Pirlo spontan eine Wohnzimmer-Kanzlei. Mit an Bord die clevere Junganwältin Sophie Mahler, die sich in der Upperclass bestens auskennt, während Pirlos familiäre Hintergründe auf der anderen Seite des Gesetzes liegen.
Ein spannender und abwechslungsreicher Roman mit einem etwas unkonventionell agierenden Anwalt. Um an wichtige Details für die Verteidigung der Angeklagten zu gelangen, gehen Sophie und Pirlo auch mal aussergewöhnliche Wege, wobei Pirlos kriminelle Brüder vielleicht ein klein wenig Einfluss auf sein Handeln nehmen, nicht zuletzt auch deswegen, weil sie Mist gebaut haben und Pirlo nun um Unterstützung bitten. Da ist Blut manchmal dicker als das Strafgesetzbuch.
Bereits Pirlos anfängliches Seelentief war recht beeindruckend, ebenso gefiel mir seine Zusammenarbeit mit Sophie, die einen ungewöhnlichen Start hat, sich aber dank der gut ausgearbeiteten Charaktere spannend entwickelt. Natürlich gibt es auch Szenen im Gericht, beeindruckend geschildert und hervorragend in die Gesamthandlung eingefügt, welche sich durchaus sehen lassen kann. Ebenso ist der Schreibstil recht angenehm, Pirlos etwas lockere und manchmal direkte Art scheint immer mal wieder durch und macht das Buch zu einem unterhaltsamen Lesevergnügen.
Spannend und äusserst perfide
Die Nacht Wirst du morgen noch leben? von Beck Jan
Ein neuer Fall für Europols Super-Recognizerin Inga Björk: Fünf Personen wurden entführt und in Glasröhren gesteckt, über online gestellte Aufgaben können andere Menschen über deren Schicksal mitentscheiden: Leben oder Tod? Weder ist klar, was hinter dieser perfiden Tat steckt noch ob die Opfer zufällig ausgewählt wurden.
Mit ins Boot holt sich Inga Björk wieder Christian Brand, der dank seiner schnellen Auffassungsgabe und effektiven Entscheidungen die Ermittlungen zügig vorantreibt.
Ein Thriller, der Spannung bis zur letzten Seite verspricht. Der Leser erhält vom Autor Andeutungen, welche erste Vermutungen ermöglichen - nur, um diese wieder über den Haufen werfen zu müssen, weil ein Detail noch nicht so recht passt. Sämtliche Hintergründe, welche zu der aussergewöhnlichen Tat führten, sind durchdacht und spannend inszeniert, die Ermittlungen wirken authentisch und professionell.
Auch im zweiten Band des Ermittlerteams gibt es wieder einige Einblicke in deren Persönlichkeit, eine Kenntnis des ersten Bandes ist jedoch nicht notwendig. Besonders gefallen hat mir neben dem recht komplexen Fall die aussergewöhnliche Durchführung der Entführung, da haben sich Täter und Autor etwas ziemlich Ausgefallenes einfallen lassen.
Ein äusserst spannender und abwechslungsreicher Thriller mit sympathischen Ermittlern und einem aussergewöhnlichen Fall, der zum Mitermitteln einlädt. Definitive Leseempfehlung.
Von der (In)-Stabilität digitaler Systeme
Systemfehler von Wolf Harlander
In mehreren europäischen Ländern kommt es zu digitalen Aussetzern, welche sich kontinuierlich steigern. Zunächst beginnt es mit kleinen Ausfällen in der Stromversorgung, dem folgen schon bald Internet und Mobilfunk. Die Steuerung des Verkehrswesens sowie weite Bereiche der Infrastruktur brechen zusammen, Verletzte und Todesopfer sind die Folge.
Natürlich läuft dadurch auch die Versorgung mit Wasser, Energie und Lebensmitteln nicht mehr reibungslos. Zunächst hat Teenager Ben noch Sorge, er sei für den ganzen Schlamassel verantwortlich, da er heimlich ein Online-Videospiel gespielt hat, welches genau solche Szenarien beinhaltet. Durch seine Fehler gerät zunächst sein Vater als IT-Experte ins Visier des BND, an dessen Schuld der zuständige Ermittler jedoch schnell zweifelt. Dann überschlagen sich die Ereignisse und das Chaos in Europa bricht aus.
Sowohl Idee als auch Umsetzung des Romans empfand ich als sehr gelungen. Hauptsächlich geht es um den IT-Experten Daniel Faber, der auf eigene Faust versucht, die Drahtzieher der Cyberangriffe ausfindig zu machen, um seine Unschuld zu beweisen. Ihm gegenüber steht Nelson Carius, der als neuer Mitarbeiter des BND auf die zunächst noch harmlos wirkenden digitalen Ausfälle angesetzt wird. Entsprechend wechseln die Perspektiven, zu denen noch weitere anderer Charaktere hinzukommen, wodurch die Handlung sehr abwechslungsreich ist. Auch ist das Szenario selbst, wie nach und nach immer mehr digitale Systeme ausfallen mitsamt den Auswirkungen auf mehreren Ebenen, realistisch und verständlich aufgebaut. Kritik muss ich hierbei leider anbringen: Einigen Charakteren hat der Autor ein unnötig naives Handeln angedichtet wie z. B., dass eine intelligente Frau bei Stromaussetzern dennoch in einen Aufzug steigt - der natürlich prompt ausfällt, oder dass eine andere Frau sich beim Ausfall des Internet als erstes Sorgen macht, nicht mehr die Supermarktangebote online durchstöbern zu können. Ebenso fielen mir zu früh manche männliche Personen zu aggressiv aus. Ohne so manches Klischee-Verhalten wär der Roman perfekt gewesen. Davon abgesehen bietet der Roman eine angenehme Spannung, die Jagd nach den Drahtziehern des Cyberwar gestaltet sich immer umfangreicher und endet in einem kleinen Showdown, nicht ohne auf dem Weg dahin einigen Menschen das Leben zu kosten.
Ein spannendes „was wäre, wenn“-Szenario, welches verdeutlicht, wie abhängig bereits viele Systeme von einer funktionierenden digitalen Infrastruktur sind und wie instabil dieses System in Wirklichkeit ist.
Amazonen und der Trojanische Krieg
Die Götter müssen sterben von Nora Bendzko
Die Amazonen, Töchter des Kriegsgottes Ares, werden von Göttin Artemis in den Krieg gegen Troja geführt, auf dass sie sich beim Niedergang Trojas an ihren Feinden rächen können. Von Artemis für dieses Vorhaben mit besonderen Fähigkeiten gesegnet wird ausgerechnet die Nicht-Amazone Areto, welche sich den Kämpferinnen nach einem Überfall auf den Palast des Theseus anschloss.
Ein faszinierendes Epos der Dark Fantasy, welches die Amazonen frei von maskulinen Vorurteilen zeichnet. Weder sind sie männerhassende Emanzen noch Bikiniathletinnen mit niedrigem IQ, wie in manch anderen Werken dargestellt. Sie sind ein Volk des Kampfes, welches sich ebenso Sklaven und Huren hält wie die Griechen, wenn auch mit deutlich mehr Toleranz. Eine freie Wahl des Geschlechts sowie der sexuellen Neigungen ist hier normal, mit expliziten Szenen muss ebenso gerechnet werden wie mit Kampfhandlungen.
Sehr gefielen mir die umfangreichen Darstellungen der unterschiedlichen Charaktere, von denen viele in der bekannten Sagen- und Götterwelt wiederzufinden sind. Die Stärke des Romans ist jedoch zugleich auch dessen Schwäche: Die Autorin hat sich die Mühe gemacht, viele Charaktere äusserst komplex zu gestalten, zeigt Träume und Erinnerungen an frühere Szenen, wechselt zu vielen Nebenschauplätzen. Dadurch bekommt man ein umfangreiches Gefühl für die Personen und warum sie wie handeln und entscheiden, gleichzeitig fühlte ich mich jedoch beim Lesen durch noch einen und noch einen Einschub vor lauter Input manchmal wie erschlagen. Ebenso geht die Haupthandlung dadurch nur äusserst langsam voran. Erfrischend waren die Götter und Halbgötter, die wiederholt in die Handlung eingriffen, wobei deren Kämpfer manchmal vor brutaler und sexueller Gewalt ebenso wenig zurückschreckten wie die Soldaten Griechenlands, diese gefühlt sogar noch überboten.
Ein durchaus beeindruckender und bildgewaltiger, stellenweise recht brutaler Roman, dem anzumerken ist, wieviel Arbeit darin steckt. Besonders lobenswert ist die Darstellung der Amazonen, endlich nicht durch Ängste und Sexualfantasien männlicher Erzähler verklärt. Die Erzählung gestaltet sich als äusserst komplex und vielschichtig, was die Haupthandlung ein wenig ausbremst, dafür wiederum ein komplettes Eintauchen in eine götterdurchzogene Zeit rund um den Trojanischen Krieg bietet. (4,5/5 Sternen)
Aufregend, spannend und voller Überraschungen
Flüsterwald - Durch das Portal der Zeit: Ausgezeichnet mit dem LovelyBooks-Leserpreis 2021: Kategorie Kinderbuch (Flüsterwald, Staffel I, Bd. 3) von Andreas Suchanek
Sehnsüchtigst erwartet und sofort im Abenteuer versunken: In Band 3 der Flüsterwald-Reihe reisen die Kinder Lukas und Ella gemeinsam mit Elfe Felicitas, Beschützerkatze Punchy und Menok Rani in die Vergangenheit der Stadt Winterstein zu einer früheren Ausgabe von Ellas Großvater, Professor Archibald von Thun.
Nur durch dessen Blut können sie den Entdecker des Flüsterpulvers in der Gegenwart aus dem Baumgefängnis befreien. Natürlich läuft von vorn bis hinten alles anders als geplant. Diesmal ist es aber nicht Felicitas‘ Schuld - Ehrenwort!
Auch der dritte Band steckt voller Abenteuer, spannender und lustiger Szenen und jeder Menge Überraschungen. Neben neuen magischen Details und Wesen darf diesmal auch der Dunkle Magier ein wenig mitmischen und lädt zum Spekulieren ein, wer wohl hinter dem gefährlichen Feind des Flüsterwaldes stecken könnte. Auch erfährt man ein Geheimnis um Felicitas, welches sie selbst noch nicht wusste. Und Rani darf wieder ein wenig ganz aus seiner Perspektive erzählen, in der er natürlich der absolute Oberheld ist. Schmunzler sind da garantiert.
Ein gelungener dritter Band eines fantastischen Abenteuers, wieder mit vielen liebevollen Details, Überraschungen, Action und Humor. Die Illustrationen zu Beginn eines jeden Kapitels machen das Buch auch optisch wieder zu einem Highlight. Absolute Leseempfehlung, kann ich euch flüstern.
Fängt stark an, lässt stark nach
Der dunkle Schwarm von Marie Graßhoff
Programmiererin Atlas alias Oracle verdient sich im Jahr 2100 illegal ein wenig Geld durch den Diebstahl und Verkauf von Erinnerungen dazu, bevorzugt Industriespionage. Eine Besonderheit ihres Mindchip-Implantats macht es möglich, dass sie mehr Zugriffsmöglichkeiten in den Hives, so eine Art Gedanken-Gruppenchats, hat als normalerweise üblich.
An ihrer Seite arbeitet Julien, ein ehemaliger Kampfandroide und für Atlas Beschützer und Familie in einem. Ihr neuester Auftrag stellt jedoch alle bisherigen Aufträge in den Schatten: Noah bittet sie, den Mord an seiner Schwester aufzuklären, welche bei einem Anschlag auf einen gesamten Hive getötet wurde. Zufall? Ökoterrorismus? Oder steckt einer der Großkonzerne dahinter?
Was zunächst wie ein Kriminalfalll in einer dystopischen Zukunft wirkt, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem gesellschaftskritischen Science-Fiction-Thriller. Der Erdball ist ausgebeutet und mit 11 Milliarden Menschen restlos überbevölkert, die Schere zwischen arm und reich klafft weit auseinander. Echte Lebensmittel und schulische Bildung sind den Reichen vorbehalten, während in den unteren Bereichen der Megacities im ewigen Schatten die Armen ums Überleben kämpfen. Eine Vereinigung names „The Cell“ macht im Kampf für die Umwelt seit langem radikal Stimmung gegen die Konzerne. Zudem lassen sich einige interessante Zukunftstechnologien im Roman entdecken.
Atlas mogelt sich in dieser Welt durch - woher sie ihre aussergewöhnlichen Fähigkeiten hat, weiß sie nicht. Als Charakter ist sie eine durchaus interessante Figur: Tough, intelligent, aber leider auch recht distanziert und einsam. Zwar entwickelt sie sich im Laufe des Romans weiter, allerdings wird dies enttäuschenderweise nur erwähnt, statt diese Charakterentwicklungen richtig miterleben zu können. Ebenso missfiel mir, dass sie mit der Zeit „from zero to hero“-Eigenschaften entwickelte, ihre Fähigkeiten auf unerklärliche Weise passend zur Handlung immer umfangreicher wurden, bis es ab einem gewissen Punkt auf mich nur noch unglaubwürdig wirkte. Neben der angedeuteten Gesellschaftskritik vermisste ich eine ethische Auseinandersetzung mit den Androiden, die mal dem Menschen gleichgestellt wirkten, dann aber plötzlich nur wie „Dinge“ behandelt wurden. Das blieb im Roman leider genauso undeutlich wie das Setting selbst, welches ich mir anhand einiger eingeworfener Details doch größtenteils selbst zurechtfantasieren musste. Hintergründe zur Entwicklung der ADICs (wofür steht diese Abkürzung?), der implantierten Hive-Chips, finden sich leider auch nicht im Buch. Der Spannungsbogen, welcher zunächst vielversprechend aussah, nahm zum Ende hin leider auch rapide ab, da es statt überraschender Twists nur noch eine vorhersehbare, gradlinige Handlung ohne viel Tiefgang gab.
Auch wenn die Idee faszinierend ist, hat mich doch der diesmal recht detailarme Stil nicht überzeugen können. Zuviel blieb oberflächlich oder wurde nicht ausreichend erläutert, manches driftete zum Ende hin in den Superlativ ab, blieb oberflächlich und vorhersehbar. Gelungene SF war das leider nicht, sorry.
Aussergewöhnliches Eiszeit-Abenteuer mit wunderschönen Illustrationen
Die Legende von Frostherz 1. Die Reise beginnt von Jamie Littler
In einem Land nach unserer Zeit: Die Welt ist bedeckt von ewigem Eis und Schnee, selbst im Sommer. Unter der Schneedecke verborgen liegen nicht nur die Erfindungen früherer Völker, sondern auch gefährliche Monster, Leviathane, welche Jagd auf Mensch und Tier machen. In einem kleinen Dorf hoch im Norden wohnt der kleine Junge Ash.
Als herauskommt, dass er die verbotene Magie des Klangwebens beherrscht, wird er zusammen mit Jäger Tobu verbannt, einem Yeti, der den kleinen Ash um alles in der Welt beschützen will. Zusammen mit der Crew des Eisschiffs Frostherz erleben sie fortan gefährliche Abenteuer.
Inhaltlich sowie optisch ein absolutes Lese-Highlight! Neben einer umfangreichen Karte der Welt beinhaltet das Buch unzählige Illustrationen rund um die Abenteuer von Ash, Tobu und der Crew der Frostherz. Neben Menschen und Yetis gibt es noch Charaktere, die an Walrosse und Polarfüchse erinnern. Durch seine besondere Magie sind Ash gegenüber einige Leute feindlich gesinnt, während er in der aufgeweckten und mutigen Lunah eine neue beste Freundin findet. Und auch mit dem wortkargen Yeti Tobu muss Ash sich erstmal zusammenraufen, die beiden sind doch sehr verschieden. Hervorragend ist der Zusammenhalt der Schiffscrew dargestellt, selbst in gefährlichsten Situationen halten alle zusammen und sind füreinander da. Zudem sind die beiden Kinder Ash und Lunah so gestaltet, dass die jungen Leser sich problemlos mit ihnen identifizieren können.
Eine aussergewöhnliche, frostige Welt mit magischen Elementen und faszinierenden Charakteren, die gemeinsam höchst spannende Abenteuer erleben.











