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Rezensionen von Christina P.:
Eine toughe Jugendliche sucht ihre Schwester - zur Not eben auch illegal
Searching Lucy von Christina Stein
Lucy ist verschwunden - ohne jegliche Spur. Ihre Zwillingsschwester Amber macht sich nun selbst auf die Suche, die Polizei arbeitet ihrer Meinung nach einfach nicht gründlich genug, sonst wäre Lucy doch schon längst gefunden. Sie spioniert verdächtige Nachbarn und Bekannte aus und bricht heimlich in deren Häuser ein - bisher unerkannt und leider auch erfolglos.
Was sie dort herausfindet, ist zwar manchmal überraschend, aber Lucy hat sie das noch kein Stück näher gebracht. Wurde sie entführt? Hatte sie einen Unfall? Geschah mit ihr dasselbe wie mit Ambers Vater, der nur wenige Wochen zuvor verschwand? Und was ist mir diesem neuen Mitschüler, der immer nur still dasitzt und niemanden an sich heranlässt? Verdächtig…
Welch fürchterliches Szenario: Gleich zwei geliebte Menschen hat die 17-jährige Amber innerhalb kürzester Zeit verloren! Sehr gut konnte ich nachvollziehen, dass die Jugendliche auf eigene Faust ermittelt - und das macht sie gar nicht mal so schlecht. Gleich zu Beginn des Romans war ich bei einem ihrer heimlichen Einbrüche dabei. Gut, läuft nicht immer alles glatt, aber das machte den Roman für mich umso realistischer. Zumal alles aus Ambers Sicht in der Gegenwartsform erzählt wird, sie also während des Romans selbst noch nicht weiß, wie ihre Suche ausgehen wird.
Klar, vieles ist hierbei subjektiv, ihre Beobachtungen, Meinungen und Rückschlüsse. Dabei ist alles so gehalten, dass man als Leser dennoch erkennen kann, an welcher Stelle sie vielleicht nicht so ganz richtig liegen könnte. Ihre Verzweiflung, ihr Misstrauen wachsen immer mehr an, je mehr Fehlschläge sie bei ihrer Suche erleidet. Ebenso der Druck, welcher auf ihr lastet. Das empfand ich als etwas, was die Autorin wirklich sehr gut dargestellt hat. Spannend war nicht nur, gemeinsam mit Amber den Fall zu lösen, sondern auch herauszufinden, was es mit diesem stillen neuen Mitschüler auf sich hat. Und das i-Tüpfelchen des Ganzen war die bewegende Familiensituation nicht nur bei Amber daheim.
„Searching Lucy“ ist in meinen Augen ein gelungener Jugendthriller. Die Situation als solche, Ambers verzweifelte Unruhe, ihre Schwester zu finden und noch viele weitere Details, welche entweder spannend waren oder mich emotional berührten, waren stimmig dargestellt und haben mich als Gesamtpaket vollauf überzeugen können.
Magisch ausgestattete Security
Tinte & Siegel von Kevin Hearne
Die Siegelmagier wurden dazu ausgebildet, die Menschenwelt davor zu schützen, dass Bewohner anderer Pantheons und Nebenwelten hier ihren Schabernack treiben. Dazu stehen ihnen magische Siegel zur Verfügung, welche, mit besonderen Tinten verfasst, ihnen kurzfristig besondere Kräfte verleihen wie „einen Hack des Gehirns über den Sehnerv“ (O-Ton), Schnelligkeit oder beschleunigte Wundheilung.
Leider hat grad der bereits siebte Lehrling des schottischen Siegelmagiers Al MacBharrais (gesprochen: Äl MäcVärrisch) auf aussergewöhnliche Weise das Zeitliche gesegnet. In der Wohnung des Verstorbenen entdeckt Al, dass dieser sich nebenbei die Portokasse mit einer Art illegalem Menschenhandel aufgebessert hat - nur mit Feenwesen statt mit Menschen. Bei seinem Versuch, das Ganze aufzuklären, gerät Al schnell ins Visier gefährlicher Gegner. Allerdings hat auch er mächtige Verbündete an seiner Seite.
Nach der Chronik des Eisernen Druiden berichtet uns Kevin Hearne nun über die Siegelmagier, welche wie eine Art magisch ausgestattete Security die Menschen vor Göttern, Kobolden, Ogern und dergleichen beschützen sollen. Neben seinem gewaltigen Schnurrbart zeichnet den älteren Schotten Al MacBharrais noch eine weitere Besonderheit aus: Irgendwer muss ihn verflucht haben, denn sobald jemand über längere Zeit seine Stimme hört, entwickelt derjenige einen regelrechten Hass auf Al. An seiner Seite hat er noch ein paar Helfer mit besonderen Begabungen, die von der geheimen Identität des Druckereibesitzers wissen.
Der Roman bietet so einige interessante Bewohner der schottischen und irischen Mythologie, welche Als Weg kreuzen - und nicht immer gehen diese Begegnungen friedlich aus. Als Cameo hat der Autor auch dem Druiden Atticus mit seinem Hund Oberon eine Szene gegönnt.
Vom Stil her ist der Roman spannend und lustig mit leichten Anklängen zur Popkultur, auch wenn der Humor stellenweise eher Pub-Niveau erreicht. Zeitweise hat das Buch einige Längen, wenn der Autor versucht, dem Leser die Hintergründe näherzubringen. Bei so einigen gälischen Namen und Bezeichnungen musste ich zudem erstmal nachschauen, wie sich das überhaupt ausspricht. Das Zusammenspiel diverser Feenwesen, magischer Siegel und den Bemühungen, das Ganze vor der unwissenden Menschenwelt zu verbergen, empfand ich als gelungen und erfrischend unterhaltsam. Zwar wirkte Al aufgrund seiner Alters manchmal etwas träge auf mich, das machten aber zum Glück seine deutlich jüngeren Sidekicks wieder wett.
Spannend, unterhaltsam und manchmal etwas schräg, kombiniert mit schottisch-trockenem Pub-Humor.
Sommerfeldt bekommt Konkurrenz
Tinte & Siegel von Kevin Hearne
In den Dünen Langeoogs wird eine ermordete Frau gefunden. In Verdacht gerät ein junger Mann, der kurz zuvor Frauen unter die Röcke fotografierte - wählte er so sein Opfer aus? Auch Ann Kathrin Klaasen und ihr Team ermitteln auf der Insel, als Ann überraschend eine Nachricht von Dr. Sommerfeldt erhält - Nordens Serienmörder, welchen sie erfolgreich verhaften konnte.
Der Langeoog-Mörder scheint Dr. Sommerfeldt mit seinen Taten imponieren zu wollen, denn er hat sich bei ihm gemeldet - und bereits die nächste Tat angekündigt. Vielleicht könnte Dr. Sommerfeldt helfen, den Täter zu überführen. Aber kann man diesem intelligenten Psychopathen trauen?
Ostfriesenzorn ist bereits der 15. Fall für die toughe Ostfriesin Ann Kathrin Klassen und ihr Team. Der Wiedererkennungwert ist hoch, sowohl inhaltlich wie auch bei Titel und Cover. Wer die bisherigen Fälle kennt weiß, dass der Autor immer eine gesunde Mischung aus echten Details und Personen sowie fiktiven Charakteren zu einem unterhaltsamen Fall verstrickt. So ist es auch diesmal wieder, und selbst Dr. Sommerfeldt, der sympathische Serienmörder, welcher seine eigene Trilogie erhielt, ist wieder mit dabei. Was den Fall in meinen Augen nur umso interessanter macht.
Neben dem Fall des Langeoog-Killers, der Ann Kathrin und ihre Leute diesmal in Atem hält, hat der Autor sich Themen wie Upskirting herausgesucht und den Protagonisten eine unterschiedliche Meinung dazu verpasst. Auch gibt es einige Anspielungen zu Sommerfeldts Taten. Tatsächlich hat Klaus-Peter Wolf es geschafft, trotz so vieler vorheriger Bände den Fall so zu gestalten, dass man auch wunderbar mitkommt, ohne die vorherigen Bände zu kennen.
Ein sehr gelungener und spannender Ostfriesen-Krimi mit viel Lokalkolorit, hohem Unterhaltungswert und hier und da eingebauten Details, die mich zum Schmunzeln brachten.
Gehört habe ich Ostfriesenzorn als Hörbuch/Autorenlesung. Klaus-Peter Wolf liest seinen eigenen Krimi auf eine angenehm ruhige Art vor, ohne mich als Hörer durch den Fall zu hetzen, so dass ich mir beim Zuhören meine eigenen Gedanken machen kann, ohne irgendwas zu verpassen. Dadurch, dass er keine unnötig großen Sprünge in Geschwindigkeit und Lautstärke macht, lässt sich das Hörbuch sehr gut auch unterwegs hören. Die Spannung liegt im Inhalt selbst, da braucht es keine Special Effects beim Vorlesen. Sehr gelungen kann Herr Wolf auch die einzelnen Personen darstellen, von denen so manche zu seinen echten Bekannten im wirklichen Leben zählen. Besonders, wenn ein Mann versucht, eine Frau zu sprechen, versagen so einige Sprecher hin und wieder mal, das ist hier nicht der Fall.
Ein bis zum Schluss spannendes Finale
Die 12 Häuser der Magie von Andreas Suchanek
Endlich ist der da, der dritte Band um Schicksalswächter Nic und seine Freunde im Kampf gegen den mächtigen Dämon. Moment - endete der zweite Band nicht tödlich für den ein oder anderen aus der Gruppe? Nicht nur hier überrascht der Autor mit erstaunlichen Wendungen. Um den immer unbesiegbarer scheinenden Dämon erfolgreich bekämpfen zu können, müssen die Freunde diesmal ein wenig in der Vergangenheit forschen, um nach und nach die Puzzleteile zu finden, die einen Sieg über den Dämon ermöglichen.
Die Handlung des dritten Bandes schließt nahtlos an den zweiten Band an, einige eingebaute Rückblicke erleichtern den Wiedereinstieg. Es geht regelrecht flott vorwärts, die Handlungsstränge wechseln schnell, so dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, an mehreren Fronten zugleich aktiv zu sein. Es gibt Rätsel, die es zu lösen gilt, schockierende Erkenntnisse, Hinweise, deren Bedeutung sich zunächst nicht zu erkennen geben und so manche ziemlich brutale Kampfszene. Tatsächlich schaffen die Freunde es gemeinsam, sich einen Plan zu erarbeiten, der aber bis zuletzt dem Leser nicht verraten, sondern nur angedeutet wird.
Der dritte Band sollte auf jeden Fall nicht ohne Vorkenntnis der ersten beiden Bände gelesen werden, da die Handlung stark aufeinander aufbaut. Der Autor legt in den Abenteuern teilweise ein ziemliches Tempo vor, schnelle Szenenwechsel sorgen dafür, dass man bei den jeweiligen Handlungssträngen nicht den Überblick verliert. Die Spannungskurve ist gleichbleibend hoch, überraschende Wendungen sorgen zusätzlich für das gewisse magische Etwas. Um es kurz zu machen: Spannung pur!
Über Freunde, Familie und andere Geheimnisse
Die Unausstehlichen & ich (Band 3) - Die Welt ist voller Wunder von Vanessa Walder
Im dritten Buch um Enni und ihre neuen Freunde in Saaks darf man sich endlich auf die Auflösung einiger Geheimnisse freuen: Wer bezahlt Enni und Dante das teure Stipendium - und warum? Wer ist Dantes Vater? Und so manches mehr. Natürlich gibt es auch wieder einige Abenteuer zu bestehen. Diesmal will die Clique unbedingt an einem Theaterwettbewerb teilnehmen, um als Siegergruppe nach München eingeladen zu werden.
Denn nur dort wird Dante hoffentlich mehr über seinen Vater herausfinden.
Auch der dritte Band ist wieder in Briefform mit so einigen ausgekritzelten Kraftausdrücken geschrieben. Enni schreibt an ihren Vater und bittet ihn zu Beginn um Hilfe. Überhaupt sind die Themen Familie und Geheimnisse recht wichtige Themen, die teilweise miteinander verknüpft sind. Desweiteren möchte ich den Zusammenhalt der Kinder loben, die sowohl für das Theaterstück als auch z. B. für das Aufdecken von Dantes Geheimnis so einiges auf die Beine stellen.
Das Lesen hat mir auch diesmal wieder sehr viel Spaß bereitet. Vor allem die ausgekritzelten Wörter verleiten dazu, die Lücken mit eigenen Worten zu füllen. Die Charaktere sind alle herrlich komplex, es kamen in Band 3 ein paar alte und neue Gesichter dazu, es blieb aber alles angenehm übersichtlich. Auch inhaltlich ist der Wechsel zwischen Gedanken, Emotionen und Abenteuern der Kinder und Erwachsenen wieder sehr gelungen. Nicht zu vergessen die Illustrationen im Buch, welche mit Liebe zum Detail die Kapitel wunderbar ergänzen. Eine sehr zu empfehlende Trilogie!
Wir retten euch!
Calypsos Irrfahrt von Cornelia Franz
Segelurlaub mit den Eltern im Mittelmeer - wie öde! Das denkt sich der 10-jährige Oscar, der stattdessen viel lieber im Fußballcamp wäre. Oder zumindest einen Freund dabei gehabt hätte. Die Langeweile ist schlagartig wie weggeblasen, als Oscar und seine Eltern zwei Kinder vor dem Ertrinken retten: Nala und ihren kleinen Bruder Moh.
Das Buch ist komplett aus Kindersicht geschrieben, meist aus der Sicht von Oscar, einige Szenen aus der Sicht von der wenig älteren Nala. Natürlich hat der Junge keine Ahnung von Flüchtlingspolitik und freut sich, endlich Kinder zum Spielen an Bord zu haben. Und während seine Eltern vergeblich versuchen, die Flüchtlingskinder auf korrektem Weg in einem Flüchtlingslager unterzubringen, beschließen die Kinder, dass sie gar nicht mehr voneinander getrennt werden wollen. Doch irgendwann ist auch der schönste Urlaub vorbei und die Familie muss zurück nach Deutschland.
Sehr einfühlsam werden Geschehnisse und Emotionen in diesem Buch kindgerecht vermittelt. Der kleine Junge, der von der missglückten Flucht wie traumatisiert scheint, was Oscar zunächst gar nicht versteht und durch seine Augen beschreibt. Nala, die jedes Wissen in sich aufsaugt und durch Bilder erzählt, was ihr und ihrem Bruder geschehen ist. Die innere Unruhe der Eltern, die statt Erholung nun mit abweisenden Hafenmeistern und Beamten zu kämpfen haben. Und natürlich die Pläne der Kinder, die alles dafür tun, um zusammenbleiben zu können.
Ein wunderschöner Roman voller Emotionen, Menschlichkeit und Vertrauen.
Von vergangenen und neuen Pläne
Calypsos Irrfahrt von Cornelia Franz
Gemeinsam mit den Totenbändigern und ihren Freunden habe ich darauf hingefiebert, endlich das Manifest von Kenwick in Händen zu halten - dem Sektenführer, der einst gnadenlose Versuche durchführte, um den geminus obscurus zu erschaffen. In Band 13 ist es endlich soweit - und was darin steht, geht nicht nur Cam ziemlich nah, denn ihn betrifft der Inhalt noch am meisten.
Zudem erfährt man in Band 13 ein wenig, was Cornelius und Blaine Carlton, Vater und Sohn, jeweils so treiben. Natürlich stets auf Kosten anderer.
Eine wie gewohnt gelungene Mischung aus Spannung, schockierenden Erkenntnissen und zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Eine düstere Urban Fantasy Serie mit ausgefeilten Charakteren, die einfach Spaß macht.
Spannung, Freundschaft und Magie in japanischem Setting
Die Clans von Tokito - Lotus und Tiger von Caroline Brinkmann
Das Leben ist hart in den Straßen von Tokito. Seit ihrer Kindheit im Waisenhaus sind die drei Freunde Erin, Mikko und Ryanne füreinander dagewesen, jetzt bestimmen harte Ausbildung und Clanzugehörigkeit ihren Alltag. Wer nicht zu einem der Clans Tokitos gehört, ist vogelfrei und verliert sämtlichen Schutz.
Das muss Erin schmerzlich erfahren, als sie ihren Job und somit ihre Clanzugehörigkeit verliert und in die Hände grausamer Menschenfänger gerät. Nur der Deal mit einem Dämon kann sie noch retten - und der hat es in sich! Zeitgleich versuchen Angehörige aus dem Tempel der Phari eine Reihe mysteriöser Mordfälle zu klären, unter ihnen der junge Kiran.
Das Buch ist ein absolutes Lese-Highlight. Warum? Ich hätte da mehrere Gründe zu nennen: Der Fantasyroman ist durchsetzt mit einem wunderschönen japanischem Flair, was sich nicht nur in den Namen der Clans (Lotus, Affe, Tiger etc.) widerspiegelt. Protagonistin Erin ist tough, lässt sich nichts gefallen und einfach eine wahre Kämpfernatur, wie bereits ihr Coverbild beweist. Auch wenn sie das manchmal in Schwierigkeiten bringt. Ihr Freund und Partner Mikko ist eine Art Nerd und widerspricht dem gängigen Bad-Boy-Baby-ich-beschütze-dich Klischee, was ihn wahnsinnig sympathisch macht. Es gibt Magie, Twists und rätselhafte Morde, die für ordentlich Spannung sorgen. Und mein persönliches Highlight: Der Dämon Distelkönig, mit welchem Erin einen Pakt eingeht und der fortan wie ein sprücheklopfender Sidekick für jede Menge Lacher sorgt.
„Ab jetzt hast du mich“, versprach der Distelkönig. „Du musst nie wieder putzen. Stattdessen können wir Leute umbringen. Das macht viel mehr Spaß!“ (Zitat des Dämons, S. 135)
„Die Clans von Tokito“ ist ein Standalone für Jugendliche und Erwachsene. Die jungen Protagonisten sind alle so um die 17 und dürfen altersgerecht ihre Stärken und Schwächen ausleben. Vor allem Erin sticht hierbei als starke Frauenfigur deutlich hervor, aber auch die anderen Charaktere haben ihre mal mehr, mal weniger sympathischen Eigenschaften und wirkten auf mich, zusammen mit der Atmosphäre Tokitos, angenehm komplex. Die Perspektiven switchen zwischen Erin, Ryanne und Kiran und sorgen für jede Menge Abwechslung beim Lesen. Neben der Charakterentwicklung einiger Personen gefiel mir auch das Rätsel um die Morde ganz gut, welches zum Spekulieren regelrecht einlädt.
Ein wunderschönes Lese-Highlight voller Abenteuer, Spannung, Magie und Humor vor einem japanisch angehauchten Setting.
Scharf wider Willen
Animalis - Die Legende des ersten Drachen von Nicole Knoblauch
Durch einen Zufall erfährt die Volontärin Pamina, dass ihre Wurzeln in der Welt der Animalis liegen, eine Art Spiegelwelt, in der die Bewohner sich in Wesen verwandeln können, welche wir aus Mythen und Sagen kennen. Und als wär das noch nicht alles, ist sie jetzt dummerweise unfreiwillig an einen dieser Animalis gebunden: Robin, jung, gutaussehend und ihr von Beginn an unsympathisch.
Leider hat diese Bindung ein paar pikante Nebenwirkungen.
Zu Beginn befürchtete ich, Pamina sei eines dieser Naivchen, die von einer Blitzkarriere im Journalismus träumen, besteht ihr Alltag doch nur aus Redaktion und Coffee-to-go. Zum Glück entpuppte sie sich als eine starke Frau, die sich nicht alles gefallen lässt und auch sonst nicht auf den Mund gefallen ist. Wobei sie mir manche Dinge schon etwas zu penetrant kommentierte. Dass ihr Typen wie Robin, die auf die schnelle Nummer mit heißen Frauen stehen, zuwider sind, war da nur allzu verständlich. Nach ihrer unfreiwilligen Begegnung erfährt sie von der geheimen Welt voller Silphen, Drachen, Trollen und Sphinxe, ebenso, warum sie als Kind davon ausgeschlossen wurde. Das fand ich eine recht spannende Idee, welche zudem noch zu einer erstaunlichen Wendung führt. Dazu kommt, dass Pamina und Robin durch ihre Berührung eine Art Mal auf der Haut tragen, welches die beiden immer weiter zusammenzuziehen scheint. Das äusserst sich irrsinnigerweise darin, das die zwei Menschen, welche nicht müde werden zu betonen, dass sie sich nicht abkönnen, regelrecht wild aufeinander werden, sobald sie sich nahe kommen. Nebenher läuft dann noch eine kleine Mordserie an Animalis, die sich mit dem Schicksal der beiden irgendwann verknüpft.
So einfallsreich sich das Ganze auch anhört - leider liegt der Fokus stark auf Pamina und Robin, darauf, wie sie sich Freundlichkeiten der unschönen Art und diverse Vorurteile an den Kopf werfen und zugleich immer wieder versuchen, sich aus irgendwelchen pikanten Momenten zu hangeln, in denen sie magisch am liebsten übereinander herfallen und sich die Kleider vom Leib reißen wollen. Klingt ein wenig absurd und wirkt auch oftmals so. Dass die beiden sich verhassten Charaktere so nach und nach auch mal über den anderen nachzudenken beginnen war klar.
Die Welt der Animalis kam mir leider viel zu kurz und ging im ewigen Hin und Her zwischen Sexlust und Abneigung unter. Es kommen einige magische Wesen vor, manche mit ihren besonderen Eigenschaften, aber leider fast alle nur am Rand. Auch das Rätsel um die Morde und die Male auf der Haut blieb mir zu peripher, um wirklich spannend zu sein.
Animalis ist ein Fantasyroman, bei dem sich der Hauptteil der Handlung um ein stark ungleiches Paar dreht, welches zu Beginn gegen seinen Willen scharf aufeinander ist, während die eigentliche Welt voller magischer Wesen leider nur so nebenbei läuft.
Zweiter Band über diskriminierende Handlungen gegen Frauen
Nie wieder Minirock!.Bd.2 von Aoi Makino
Der zweite Band um Nina, die ihre Weiblichkeit zum Schutz vor Übergriffen verbirgt, und dem einfühlsamen Judoka Hikaru geht in die zweite Runde und startet mit dem Verdacht, hinter Hikaru könnte sich der Angreifer verbergen, der Nina als beliebte Sängerin Karen so brutal angriff. Immerhin sprechen einige Punkte dafür, einige aber auch dagegen.
Das Thema Gewalt gegen Frauen sowie die erschreckend diskriminierende Grundeinstellung Frauen gegenüber wird im zweiten Band gelungen und bewegend fortgeführt. Dabei spielt der Stalker, welcher Nina verfolgt, eine nicht unerhebliche Rolle. Sehr gefiel mir, dass Ninas frühere Bandfreundinnen diesmal nach und nach in die Handlung integriert werden. Etwas nervig ist die uneinsichtige Miku, die trotz aller Vorfälle weiterhin darauf beharrt, dass frauenverachtendes Gedankengut völlig legitim sei und die zarten Bande zwischen Nina und Hikaru mit Gewalt zu zerstören versucht, um ihr Ego damit aufzubügeln. Da bin ich etwas enttäuscht, dass diese Figur die Handlung mit ihrem stellenweise schon unverständlichen Verhalten so unnötig in die Länge zieht. Ebenso, dass Hikaru es versäumt, rechtzeitig Stellung zu beziehen und es allen recht machen will. Ansonsten wieder wunderschön gezeichnet und thematisch sehr gut ausgearbeitet.









