Kunden em pfehlungen
Rezensionen von liesmal:
Ein Stern, der Hoffnung schenkt
Der Stern vor meinem Fenster von Onjali Q. Raúf
Aniyah ist zehn Jahre alt und lebt seit einiger Zeit mit ihrem kleinen Bruder bei einer Pflegemutter. Sie weiß nicht, warum ihre Mutter sie verlassen hat, aber sie weiß genau, dass sie nicht für immer gegangen ist.
In dem Buch behandelt die Autorin Onjali Q. Raúf das Thema häusliche Gewalt. Niemals vorher habe ich etwas aus diesem Bereich gelesen, das mich mehr berührt hat als die Geschichte von Aniyah und Noah, die mit absoluter Sicherheit und voller Vertrauen wissen, dass der neue Stern, der am Himmel entdeckt wurde, ihre Mutter ist.
Ich hatte das große Glück, wohl behütet in einer liebevollen Familie aufzuwachsen. Dennoch glaube ich, dass dieses Buch ein wertvoller Ratgeber und eine wunderbare Hilfe sein kann für Menschen, die unter häuslicher Gewalt leiden müssen.
Raúf hat eine ganz besondere Gabe, den Menschen zur Seite zu stehen und Hilfe zu geben, und zwar nicht nur durch die Geschichte, die Mut, Kraft und Hoffnung schenkt, sondern auch dadurch, dass sie am Ende des Buches noch Erklärungen gibt zur Frage „Was ist häusliche Gewalt?“ und Vorschläge macht, wohin man sich wenden kann, um Hilfe zu bekommen.
Jedem Kapitel sind Sternbilder zugeordnet. Wer mag, kann sich über die Geschichten der Sterne erkundigen und herausfinden, wie sie in die Geschichte passen, rät die Autorin.
Ich weiß gar nicht, ob ich alles erwähnt habe, was in diesem wunderbaren Buch steckt. Es ist für Kinder ab 10 Jahren gedacht und ich empfehle es wirklich aus vollem Herzen!
Ein bewegtes und bewegendes Leben
Der Ruf des Eisvogels von Anne Prettin
„Der Ruf des Eisvogels“ ist ein bewegender Roman von Anne Prettin. So schön wie das Blumenarrangement mit dem Eisvogel auf dem Cover, so ist auch der Weg, mit dem der Großvater Olga die Natur erklärt. Pa, wie Olga ihren Großvater nennt, hängt mit absoluter Liebe und Fürsorge an seiner Enkelin und nimmt die Stelle ihres Vaters ein.
Auch die Liebe zum Beruf als Arzt überträgt er auf Olga. Schon als Kind geht sie ihrem Großvater in der Praxis zur Hand und begleitet ihn bei seinen Krankenbesuchen.
Die unglaubliche Willensstärke, mit der Olga ihren Wunsch verfolgt, selbst einmal Ärztin zu sein, ist bewundernswert, allerdings ist das nur ein Teil ihres Lebens ist, das bereits mit ihrer Geburt im Jahr 1925 einen dramatischen Anfang genommen hat.
Über ihre Vergangenheit redet Olga nicht. Erst als ihre Tochter und Enkelin sie mit einer Reise in ihr Heimatdorf in der Uckermark überraschen, beginnt auch für Olga die Konfrontation mit ihrer eigenen Vergangenheit. Als Leserin habe ich es genossen, in den Jahren zwischen 1925 und 1991 hin- und hergeworfen zu werden und damit einen Teil von Olgas bewegtem Leben begleiten zu können.
Anne Prettin hat Olgas Geschichte lebendig werden, die Tage ihrer Jugend aufleuchten lassen und auch die Schrecken des Krieges mit allem gewollten und ungewollten Geschehen zu Bildern werden lassen, die Olga am liebsten nie wiedersehen, sondern für immer verdrängen wollte.
Dass ihr wohlgehütetes Geheimnis aufgedeckt würde, hatte ich mir gewünscht, aber das Ende, wie es dann war, hatte ich auf keinen Fall so erwartet. Es war so gut!
Eine großartige Leistung einer ganz besonderen Autorin, die mir traurig-schöne, aber auch freudige Lesestunden bereitet hat.
Eine Geschichte, die alle etwas angeht!
HIRNSALAT von Véronique Hübner
Veronique Hübner hat mit „Hirnsalat“ einen klaren, einfachen Weg gefunden, um auf die Nöte und Bedürfnisse der Menschen aufmerksam zu machen, die aus neurologischer Sicht besonders sind. #Neurodiversität
Wir lernen in dem Buch vier Kinder kennen – alle verschieden, so wie sie schon auf dem Cover zu sehen sind.
Hier sind die Unterschiede äußerlich zu sehen, aber Noah, Lea, Oskar und Nancy haben eines gemeinsam, unter dem sie alle, wenn auch auf unterschiedliche Weise, leiden: Hirnsalat!
Durch den Einblick in die Gefühlswelt der Kinder wird spürbar, wie sehr sie selbst unter der „ver-rückten“ Art leiden, die ihr Hirn mit ihnen spielt. Als erwachsene Person bin ich manchmal viel zu schnell dabei, sie als unerzogen abzustempeln und die Schuld für das Verhalten der Kinder bei den Eltern zu suchen. Mit Hilfe dieses Buches sehe ich vieles klarer.
„Noah kann sich selbst nicht erklären, warum er manche Dinge tut. Das passiert einfach. Er meint es auch gar nicht böse. Sein größter Wunsch ist doch, einfach nur dazuzugehören.“
Diesen Satz habe ich ausgewählt um deutlich zu machen, wie wichtig es ist, sensibel miteinander umzugehen und nicht gleich Vorurteile parat zu haben, wenn ein Kind sich nicht „normgerecht“ verhält.
Schön, dass die vier Kinder aus dem Buch einen Weg für sich gefunden haben, der ihnen Hilfe bringt: den Hirnsalatclub!
So wichtig und so besonders wie das, was Veronique Hübner zu sagen hat, sind auch die mit Buntstiften gemalten Bilder der Illustratorin Uli Erbes, die wie das i-Tüpfelchen zum geschriebenen Wort passen.
Meine volle Empfehlung für dieses Buch, das nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene lesenswert ist – oder noch besser geeignet zum gemeinsamen Lesen.
Einfach Freude schenken
60 Fingerspiele für Babys von Brigitte Loenhard
„60 Fingerspiele für Babys“ ist der Name für ein Buch von Brigitte Loenhard, das laut Untertitel „Fingerreime, Kinderlieder und Gutenachtgeschichten zur spielerischen Förderung im ersten Lebensjahr“ verspricht. Das trifft es nicht ganz, denn es ist auch für größere Kinder sehr gut geeignet.
Ich finde schon rein äußerlich das quadratische Format, die leicht zu reinigende Oberfläche des Einbands und die Spiralbindung gut. Ebenso gelungen ist der Aufbau des Buches. Bevor es ans Spielen und Reimen geht, gibt es Informationen zu den Entwicklungsstadien eines Babys und Tipps fürs Spielen.
Ich bin gerade eine Ur-Oma geworden und finde es toll, dass Fingerspiele für Eltern und Kinder gleichermaßen bis heute nichts von ihrem Reiz verloren haben.
Brigitte Loenhard hat eine Menge an Fingerspielen in diesem Buch vereint. Ganz einfache Fingerreime, Fingerspiele in Form von Kinderliedern und selbst Fingerspiele in Form von Geschichten finden hier ihren Platz und können leicht – ganz nach Lust und Laune und freier Zeit – ausgewählt werden. Dabei hilft ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis.
Ich freue mich darauf, bald selbst wieder zu einer „Fingerspielerin“ zu werden und empfehle das Buch sehr gern allen Menschen, die Umgang mit Babys und Kleinkindern haben. Ganz bestimmt ist das Buch auch sehr gut geeignet als Geschenk zur Geburt oder zur Taufe.
Hautfarbe: Mensch
Salomés Zorn von Simone Atangana Bekono
Für Salomé gehört es zum Alltag, dass sie diskriminiert wird aufgrund ihrer Hautfarbe. Die Autorin Simone Atangana Bekonos aus den Niederlanden erzählt ihre Geschichte und trifft damit voll meinen Nerv. Es ist ein bewegender Debütroman.
Salomé ist zornig. Sie weiß sich nicht zu helfen, denn eigentlich macht sie doch nichts falsch.
Doch es gibt diese Vorurteile gegen die Hautfarbe. Allein dadurch hat sie schon verloren.
Ich verabscheue Gewalt und ich denke immer noch, dass Gewalt keine Option ist, um sich Recht zu verschaffen. Allerdings sehe ich auch die Angst von Salomés Vater, einem gebürtigen Kameruner, der weiß, was Rassismus bedeutet. Deswegen beschwört er seine Tochter: "Du musst deiner Faust folgen. So als ob du ein Loch in deinen Feind schlagen willst." Das klingt erst einmal brutal und ist doch eher ein einziger Hilfeschrei, denn er sieht keine andere Möglichkeit, um seiner Tochter zu helfen. Für ihn scheint es keinen anderen Ausweg zu geben.
Salomé verbringt einige Jahre in einer Jugendstrafanstalt, wo sie sich mit ihrer Wut auseinandersetzen muss.
Simone Atangana Bekonos ist es gelungen, mich in die Gefühlswelt von Salomé eintauchen zu lassen, ihre Hilflosigkeit, die Ohnmacht, aber auch ihren Zorn zu erkennen und zu begreifen.
Mein Fazit: Es sollte für alle Menschen nur eine Farbe geben: Die Hautfarbe heißt Mensch!
Am richtigen Ende der Welt
Der Inselmann von Dirk Gieselmann
Buchtitel und Cover haben bei mir auf Anhieb Lust auf das Buch geweckt. Dazu kommt noch, dass der Hauptprotagonist Hans genauso alt ist wie ich.
Hans ist ein Einzelgänger, hat nur einen einzigen Freund, mit dem er als Kind Zeit verbringt. Da werden Erinnerungen wach, wenn der Autor vom Versteckspielen in aufgegebenen Baracken am Rande der Stadt spricht, und sofort entstehen Bilder im Kopf.
Als die Eltern von Hans den Entschluss fassen, die Stadt hinter sich zu lassen und ihr Leben auf einer unbewohnten Insel zu verbringen, ist Hans zehn Jahre alt.
Mit dem Debütroman von Dirk Gieselmann habe ich einen Schatz für mich entdeckt. Das Besondere an dem Buch ist, dass ich das Bedürfnis hatte, es ganz langsam zu lesen, damit ich ganz darin aufgehen konnte. So waren Stille und Einsamkeit, aber an vielen Stellen auch die Dramatik besonders zu spüren.
Der Schreibstil ist poetisch, bildhaft und bunt. Dabei ist Hans‘ Leben, das hier geschildert wird, nicht nur leicht und schön, sondern es gibt auch bittere Zeiten.
Selten habe ich am Leben und an der Denkweise eines Menschen so hautnah teilhaben können wie bei Hans in dieser Geschichte.
Sehr gern empfehle ich das Buch, das tief unter die Haut geht, weiter.
Das Leben könnte so schön sein
Von Spaß war nie die Rede von Ellen Berg
Es ist schade, dass Ellen Berg bereits 20 Bücher geschrieben hat, bis ich eines davon für mich entdeckt habe, nämlich „Von Spaß war nie die Rede“. Schade, weil ich von dem Buch so begeistert bin und mich beim Lesen königlich amüsiert habe.
Ellen Berg hat einen herzerfrischenden Schreibstil mit köstlichen Umschreibungen und großartigem Humor.
Dabei ist der Inhalt aber keinesfalls oberflächlich, sondern beschäftigt sich mit Problemen, wie sie in einer Familie vorkommen (können).
Die Protagonistin Fee ist eine liebende Ehefrau, fürsorgliche Mutter, eine gute Freundin und zuverlässige Arbeitskraft. Sie gibt alles, um die Menschen in ihrem Umfeld zufriedenzustellen, und das, obwohl sie selbst kaum Anerkennung bekommt.
Mir gefällt Fee, doch bereits nach wenigen Seiten stellt sich mir die Frage, ob sie denn gar nicht mal an sich selber denkt. Erst ein missglückter Familienurlaub bringt die Wende und mit turbulenten Ereignissen und spannenden Erlebnissen lasse ich mich mitreißen mitten hinein in die Geschichte.
Sehr gern gebe ich meine Empfehlung für das Buch, das nicht nur die Lachmuskeln reizt, sondern auch Raum zum Nachdenken gibt.
Keine alltägliche Geschichte
Frankie von Michael Köhlmeier
Dies ist die Geschichte des 14-jährigen Frank und seines Großvaters, der nach 18 Jahren aus der Haft entlassen wird.
Der Buchtitel „Frankie“ ist die Verniedlichung des Namens, wie der Großvater ihn für Frank benutzt, obwohl der das gar nicht mag. Für mich ist der Buchtitel der Grund, die Geschichte eigentlich schon zu kennen, nämlich die langsame Annäherung von Großvater und Enkel.
Doch weit gefehlt!
Frank ist ein Junge ohne Freunde, kennt seinen Vater kaum, hat aber eine enge Bindung zu seiner Mutter. Er liebt es, für sie zu kochen und die Abende mit ihr zu verbringen. Dieses geordnete Leben endet nach der Entlassung des Großvaters aus dem Gefängnis.
Frank weiß nicht, warum sein Großvater im Gefängnis saß. Er kennt ihn kaum, ja nicht einmal seinen Namen. Trotzdem scheint es da so etwas wie ein unsichtbares Band zwischen ihnen zu geben, denn obwohl er manchmal regelrecht Angst verspürt, fühlt er sich doch zu ihm hingezogen.
Sprachgewaltig versteht es Michael Köhlmeier, von einer behaglichen in eine außerordentlich angespannte Atmosphäre zu wechseln. Er regt meine Fantasie an und breitet Franks Gedankenwelt gekonnt vor mir aus.
Auch das Ende ist gewaltig: Zu einigen Fragen, auf deren Antworten ich lange gewartet, die ich aber irgendwann nicht mehr vermisst habe, kommt die letzte Szene, die mich anregt, sie gedanklich weiterzuverfolgen, selbst wenn dabei eine andere, ganz neue Geschichte entsteht.
Was hält Liebe aus?
Die Liebe an miesen Tagen von Ewald Arenz
„Ihr habt ausgesehen wie zwei zerbrochene Hälften, die jemand wieder zusammenfügt, und dann sieht man den Riss fast nicht mehr, so genau passen sie zusammen.“
Hört sich kitschig an? Ist es aber nicht!
Bewegend, berührend und vor allem glaubhaft erzählt Ewald Arenz von der Liebe, wie sie plötzlich und ungewollt über zwei Menschen hereinbrechen und deren Leben vollkommen verändern kann.
Ich liebe den lebendigen Schreibstil von Ewald Arenz, der auf leichte Art Stimmungen einfangen und Situationen beschreiben kann wie kein anderer. Doch es sind nicht nur die schönen und glücklichen Momente, denen man in dem Buch begegnet. Es geht ja schließlich auch um „Die Liebe an miesen Tagen“.
So hat mir auch der Umgang mit dem Thema Demenz sehr gefallen. Da wird die Krankheit von Claras Mutter nicht einfach wie nebenbei erwähnt, sondern Arenz zeigt auf, welche Belastung das für die ganze Familie bedeutet und wie würdevoll man gemeinsam damit umgehen kann.
Ich gebe sehr gern meine volle Empfehlung für eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann – und natürlich Ewald Arenz!
Verbundenheit mit der Natur
Im Einklang mit dem Jahreskreis von Anne-Maria Apelt; Nicole Schweiger
Das Buch bietet Ideen für ein bewusstes Erleben der Jahreszeiten und der Natur durch ein ganzes Jahr. Einen Vorgeschmack auf kreative Vorschläge lässt bereits das Cover erkennen. Die liebevolle Gestaltung begleitet durch das gesamte Buch.
Für jede Jahreszeit gibt es viel Wissenswertes und kreative Ideen, die oft einfach, aber sehr wirkungsvoll und leicht nachzuarbeiten sind.
Ich freue mich immer, wenn ich Texte oder Bastelvorschläge bekomme, die auch für die Gruppenarbeit geeignet sind. Auch in dieser Hinsicht werde ich hier fündig.
Ich finde es großartig, was Anne-Maria Apelt und Nicole Schweiger an kreativen Vorschlägen, Impulsen und Naturerfahrungen erarbeitet, zusammengetragen und in diesem Buch vereint haben. Auch die Gestaltung des Buches aus dem Verlag adeo ist in Farbauswahl, mit Illustrationen und Symbolen sehr schön und übersichtlich gestaltet.
Gern empfehle ich dieses Buch als Begleiter für lange Zeit mit immer neuen Ideen zu Ritualen und Festen in Verbundenheit mit der Natur weiter.











