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Rezensionen von liesmal:
Xanthippe in einem anderen Licht
In ihrem Roman „Xanthippe – Schöne Braut des Sokrates“ stellt Maria Regina Kaiser die sprichwörtliche Bedeutung der Xanthippe als streitsüchtiges Weib auf den Kopf und zeigt sie in einem völlig anderen Licht, nämlich als junge, intelligente Frau.
Sieht man das, was es an Überlieferung gibt, wie ein Puzzle, so ist es eines, bei dem viele Teile einfach fehlen.
Die Geschichte, die die Autorin daraus gezaubert hat, hat mich fasziniert und das Bild, das sie von Xanthippe zeigt, gefällt mir außerordentlich gut. Großartig, wie sie die vorhandenen Puzzleteile aufgegriffen und mit bekannt sorgfältiger Recherche und teilweise auch mit ihrer Fantasie eine spannende und berührende Geschichte geschrieben hat.
Ich habe mich sehr wohl gefühlt im Athen der klassischen Antike mit Xanthippe, Sokrates und anderen historischen Personen.
Durch das Nachwort erhält man weitere wertvolle historische Erklärungen.
Sehr gern gebe ich eine Leseempfehlung für diesen großartigen Roman, der gespickt ist mit kleinen und großen Wahrheiten und auch mit Fantasie.
Für Herz und Sinne
Volle Nuss voraus von Thomas Klischke; Henrik Böhl
Über Tiere, die mir im Garten oder auf dem Spaziergang begegnen, freue ich mich immer. Eichhörnchen sind besonders putzig. Darum bin ich wohl auch auf das Cover mit dem Eichhörnchen aufmerksam geworden.
„Volle Nuss voraus“ entpuppt sich als bunt bebildertes Kinderbuch mit tollen Botschaften.
Das Eichhörnchenmädchen Nellie ist noch zu klein, um mit der Familie auf Nusssuche zu gehen. Das hält sie aber nicht davon ab, sich allein auf den Weg zu machen. Dabei erlebt sie allerhand Abenteuer, lernt andere Tiere kennen und schließt Freundschaften. Nellie freut sich, wenn sie Hilfe bekommt und ist selbst ebenfalls jederzeit bereit, anderen Tieren bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Das Buch bereitet nicht nur Kindern große Freude, sondern auch Erwachsenen ein tolles Lesevergnügen. Mir gefällt die Idee mit den eingebauten Liedern sehr. Nellie singt gern und durch die QR-Codes an den entsprechenden Stellen können die Lieder nicht nur gelesen, sondern auch gehört und ganz leicht mitgesungen werden.
Auf den Buchinnenseiten sind auf einer Karte die Wege und Orte von Nellies abenteuerlicher Reise zu sehen. Und am Ende des Buches bekommt man noch die Möglichkeit, selbst kreativ zu werden, sofern man Malstifte zur Hand hat. Auch das zeigt, dass bei der Entstehung des Buches Herzenswärme eine große Rolle gespielt hat.
Sehr gern empfehle ich das Buch, das Herz und Sinne anspricht und ebenso unterhaltsam wie lehrreich ist.
Achtsam sein und hilfsbereit
Emma und die Fürchterlichen Fünf von Hiltrud Baier
Fünf Tiere, alle mit körperlichen Problemen, die das Alter so mit sich bringt, sind in großer Sorge. Sie haben Angst, dass sie nicht weiter auf dem Bauernhof leben dürfen, auf dem sie bisher zu Hause waren, und dass der Bauer sie in ein Altenheim stecken wolle.
Die Autorin Hiltrud Baier macht mit ihrer Geschichte deutlich, dass die alten Tiere vom Bauernhof das Gefühl haben, nicht mehr gebraucht zu werden und sich deswegen auch nicht mehr geliebt fühlen.
Doch zum Glück gibt es Emma, die mit Hilfe ihres Bruders nach Lösungen sucht, um die Tiere davor bewahren zu können, ihr Zuhause verlassen zu müssen.
Ideen gibt es einige, aber ganz ohne Schwierigkeiten ist Hilfe nicht möglich. So gibt es ein paar Heimlichkeiten vor den Eltern, auch so manche Notlüge muss herhalten für die gute Sache.
Auf dem Cover ist Emma mit den „Fürchterlichen Fünf“ zu sehen. Auf dem Bild sehen alle recht glücklich und zufrieden aus. Da kann man nur hoffen, dass die zugleich spannende und fröhliche Geschichte ein gutes Ende findet.
Sehr gern gebe ich meine Leseempfehlung für das Buch, das zeigt, wie wichtig es ist, sorgsam miteinander umzugehen und füreinander da zu sein.
Einfach bezaubernd
Leonard und Paul von Rónán Hession
Glaubt man dem kleinen Fisch auf dem Cover, aus dessen Luftbläschen das Wort „ROMAN“ zu erkennen ist, dann handelt es sich bei dem Debüt von Rónán Hession um einen Roman. Statt „Roman“ hätte der Fisch auch „Erzählungen“ ausstoßen können, denn es sind viele kleine herzerwärmende Geschichten, die zusammen einen wunderbaren Roman ergeben, der glücklich macht.
Leonard und Paul sind zwei Männer, die zunächst mal nichts Besonderes sind. Allerdings leben beide als längst Erwachsene noch im Elternhaus, Leonard bei seiner Mutter und Paul bei beiden Elternteilen. Dabei werden sie von ihren Müttern so umsorgt und behütet, als wären sie vollkommen unselbstständig.
Leonard und Paul sind befreundet, treffen sich häufig und nehmen teil an den meist kleinen und eher unbedeutenden Erlebnissen im Leben des jeweils anderen.
Wenn
- ich mit „Rosen in Dosen“ eine Überraschung erlebe, die mich zum Lachen bringt,
- der Autor beim Namen des Fahrradgeschäftes Mike’s Bike’s vom „Deppenapostroph“ spricht (was ich gern bestätige),
- Leonard und Paul in all ihrer Bescheidenheit über sich selbst hinauswachsen und doch nicht so unscheinbar sind, wie es scheint,
dann bin ich hellauf begeistert von einer Geschichte, bei der der Autor alles richtig gemacht hat. Ein tolles Debüt voller Menschlichkeit und Herzenswärme, das berührt.
Sehr empfehlenswert!
Vernachlässigt und ausgesetzt
Institut für gute Mütter von Jessamine Chan
Nein! Natürlich hätte Frida ihr Baby nicht allein zu Hause lassen dürfen. Doch auch Mütter, die ihr Kind lieben, machen Fehler. Frida, die sich nach durchwachten Nächten einfach nur nach Ruhe sehnte und dadurch bedingt ihr Kind zwei Stunden allein zu Hause gelassen hatte, muss für ihre Unbedachtheit teuer zahlen.
In einer Besserungsanstalt muss sie zusammen mit vielen anderen Müttern ein Jahr lang lernen, eine „gute“ Mutter zu werden. Die eigenen Kinder werden währenddessen von einer Pflegefamilie betreut oder – wie im Fall von Fridas Baby Harriet – von dem getrenntlebenden Vater und dessen neuer Frau.
Für Frida beginnt eine Zeit kompletter Überwachung – auf Schritt und Tritt. Außerdem ist Vorsicht geboten bei jedem Wort, das ausgesprochen wird. Mit Hilfe einer KI-Puppe sollen die Mütter lernen, welche Zuwendung ein Kind benötigt. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie es möglich sein sollte, sich trotz all dieser Maßnahmen noch „normal“ zu verhalten. Und ich finde die Vorstellung erschreckend, wozu ein totalitäres Regime in der Lage sein könnte.
Jessamine Chan hat mich mit ihrem erschütternden Debütroman nachhaltig beeindruckt. Sie hat erreicht, dass ich mit Frida gelitten, gehofft und gebangt habe. Dabei ist Frida mir nach dem harten Urteil immer noch so nahe, dass sie einen Platz in meinem Herzen behält.
99 Häppchen
Zum Frühstück ein Stück Himmel von Klaus Nagorni
„Zum Frühstück ein Stück Himmel“ heißt das kleine Buch von Klaus Nagorni, und das ist nicht zu viel versprochen. Mit 99 „Gedanken zum Wachwerden“, wie es im Untertitel heißt, werden ganz unterschiedliche Themen angesprochen, die jeweils ein Stück Himmel in kleinen Häppchen servieren.
Kurze Geschichten mit einer Länge von zwei bis drei Seiten bieten eine willkommene Gelegenheit für einen guten Start in den Tag.
Mir gefällt nicht nur der leicht verständliche Schreibstil, sondern auch der Bezug auf die Bibel, die mir mit wohl bekannten Zitaten an vielen Stellen begegnet.
Da ich als Aufhänger für Gruppengespräche auch gern kurze Texte mag, habe ich mit diesem Buch ebenfalls einen guten Fang gemacht.
Nach einem Inhaltsverzeichnis oder einer thematischen Übersicht, mit deren Hilfe mir die Auswahl der Geschichten leichter fallen würde, habe ich allerdings leider vergeblich gesucht. Das finde ich schade, aber mir gefällt das Buch trotzdem so gut, dass ich es sehr gern weiterempfehle.
1000 Liebe
Nur ein paar Nächte von Fabian Neidhardt
Eine Geschichte, die viel Gelegenheit zum Nachdenken bietet, die mich mit der unglaublichen Vielfalt an Ereignissen und unterschiedlichen Gefühlen bis ins Herz trifft und vor allem: die mir vor Augen führt, dass man sich (ich mich) mit einer Meinungsbildung viel zu leicht beeinflussen lassen kann von ersten Eindrücken, ohne die Hintergründe auch nur annähernd zu kennen und zu verstehen.
Fabian Neidhardt hat einen gekonnten Weg gefunden, alles zu sagen, was gesagt werden muss, um verstehen zu können. So hat mir der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit sehr gefallen, um nicht nur die Geschichte des alleinerziehenden Vater Ben und seiner ganz besonderen Tochter Mia zu erleben, sondern auch, um Antworten über die Beweggründe, die Denkweise und die Gefühle von Mias Mutter Orna zu erfahren.
Dass auch noch Bens Vater plötzlich vor dessen Tür steht, weil er seine Mutter betrogen hat und damit ein Problem auftaucht, das eigentlich der Aufhänger für eine andere Geschichte sein könnte, fand ich zunächst befremdlich. (Hier fand ich übrigens die Erzählung über die Zeit, als Bens Eltern jung waren, sehr gelungen.) Aber ich habe gemerkt, dass die Geschichte erst durch alle Geschehnisse komplett wird.
Ich habe das Buch, das überall die Liebe, aber auch die Sehnsucht danach spürbar erkennen lässt, fast in einem Rutsch gelesen. Sehr gern gebe ich eine Leseempfehlung für 1000 Liebe!
Fesselnd und erschütternd
Fünf Winter von James Kestrel
„Fünf Winter“ ist ein Thriller, der Ende 1941 auf Hawai beginnt. Joe McGrady, ein knallharter Detective, wird mit der Untersuchung eines Mordes an einem jungen Mann und seiner japanischen Freundin beauftragt. Die Ermittlungsarbeiten führen ihn über Wake Island nach Hongkong.
Nicht nur die Orte, die McGrady bereist, sondern auch das Kriegsgeschehen in der asiatischen Welt waren mir bisher wenig bekannt.
Darum habe ich mich vollkommen fasziniert mit einem Atlas neben mir an McGradys Fersen geheftet und das Buch regelrecht verschlungen.
Ob es nun die erschütternden Szenen waren, die das Bild des schrecklichen Krieges zeichneten, oder die Bedrohungen und Gefahren, denen McGrady gegenüber stand und die er bestehen musste: Brutalität, Spannung, Wut, Angst und Hoffnung waren ständige Begleiter.
James Kestrel hat mit einem spannungsgeladenen Schreibstil für fesselnde Lesestunden gesorgt. Darum von mir eine klare Leseempfehlung.
Die Evangelien im Handy-Format
Jesus-Stories_gechillt von James Kestrel
Die Inhalte erfassen und verstehen, ist sicherlich mit dem Büchlein nicht möglich, wenn man mit dem Bibellesen keine oder nur wenig Erfahrungen hat. Aber wenn man die Bibelgeschichten ein wenig kennt, dann hat man die Geschichten durch die "Kurznachrichten" auch bald vor Augen. Darum finde ich die Idee, die Evangelien so darzustellen, dass sie in dieses Handy-Format passen, total witzig.
Auch in einer kleinen Handtasche findet das Büchlein Platz und mir gefällt es.
Ich finde es gut für mich und auch zum Verschenken als nicht alltägliche Idee schön.
Die Gier hat mich gepackt
Ostfriesengier von Klaus-Peter Wolf
Große Begeisterung meines Mannes, der alle Bücher von Klaus-Peter Wolf gelesen hat, und einige Lesungen, die wir gemeinsam besucht haben, fand ich zwar richtig gut, konnten mich aber nicht zum Selbstlesen animieren.
Jetzt hat die Ostfriesen Gier gesiegt. Ich habe endlich meinen ersten Fall mit Ann Kathrin Klaasen „bearbeitet“ – und bin restlos begeistert.
Es ist eigentlich ständig etwas los, immer wieder wechseln die Schauplätze, aber egal, wo wir uns gerade befinden, der Spannungsbogen bleibt straff gespannt. Unheimliche Gefühle, Angst vor Entdeckung, Hoffen auf Hilfe…
Nach den ersten etwa 50 Seiten war es mir fast noch ein bisschen zu witzig, doch dann war es einfach nur noch spannend und ich habe das Buch (fast) in einem Rutsch durchgelesen.
Dass reale Personen, Orte und Plätze einfach in die Geschichte einfließen und so eingewebt werden, dass alles wahr zu sein scheint, ist von Wolf meisterhaft gemacht.
Großartig auch Textstellen wie die, in der ein Stück Holz mit dem Leben verglichen wird: Was man daraus machen kann – alles ist formbar.










