Kunden em pfehlungen
Rezensionen von liesmal:
Sehnsuchtsort - Erinnerungen
Woanders wachsen Mangos von Cindy Ruch; Reisedepeschen
„Vom Wegsein, der großen Liebe Australien und dem Versuch, die Sehnsucht zuhause zu stillen“, so steht es im Untertitel. Diese wenigen Worte beschreiben das Buch sehr passend. Cindy Ruch gelingt es, mich mit ihren Erzählungen zu beeindrucken und zu begeistern. Ihre Liebe zum Reisen und vor allem zu ihrem Sehnsuchtsort Australien wird spürbar und bringt mir das Land mit seinen Menschen, Tieren und dem Klima näher.
Manchmal habe ich fast das Gefühl, ich wäre mit ihr unterwegs, weil sie einfach, aber sehr bildhaft Dinge, Landschaften und Erlebnisse beschreibt. Dabei ist auch keine bestimmte chronologische Reihenfolge erkennbar, sondern es ist gefühlsmäßig eher so, als würde sie neben mir sitzen und einfach ihre Erinnerungen mit mir teilen. Die reihen sich wie kurze Geschichten aneinander und sind betitelt. Mal ist Cindy zuhause in Berlin, denkt an Brisbane und versucht, ähnlichen Gefühle für ihre Heimatstadt nachzuspüren, dann erzählt sie über ein „Raues Ende der Welt“, Tasmanien.
Es gibt einzelne Abschnitte im Buch, die getrennt werden durch Bilder der Autorin und Fotografin. Das lockert und wertet zusätzlich auf.
Unglaublich viele neue Eindrücke habe ich gewonnen, die es lohnt, sie kennenzulernen. Darum empfehle ich dieses Buch sehr gern weiter.
Vielen Dank auch dem Verlag Reisedepeschen, der den Erzählungen von Cindy Ruch mit dem qualitativ hochwertigen Buch einen passenden Rahmen geben.
Geheimnisvolle Ich-Erzählerin
Tochter einer leuchtenden Stadt von Defne Suman
Die Geschichte der Ich-Erzählerin beginnt mit ihrer Geburt im Jahr 1907. Der überwiegende Teil der Handlung spielt in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg in der blühenden Stadt Smyrna, dem heutigen Izmir. Damals lebten dort viele Menschen aus verschiedenen Ländern und unterschiedlicher Religionen friedlich und in guter Gemeinschaft.
Die Autorin Defne Suman nimmt mich mit in in eine fremde Welt und schnell muss ich feststellen, dass ich mich in der Geschichte des Landes in jener Zeit so gut wie gar nicht auskenne. Das macht das Lesen nicht ganz einfach. Hilfreich ist allerdings das Vorwort, das einen kurzen, aber aufschlussreichen Überblick bietet. Trotzdem habe ich viele Fragen, deren Antworten ich mir manchmal aus anderen Quellen gesucht habe.
An dieser Stelle weise ich auf die Liste „Die Smyrnaer“ hin, die – ebenso wie das Glossar der im Buch verwendeten Fremdwörter – am Ende des Buches zu finden ist. Hier sind die Protagonisten und auch die historischen Figuren übersichtlich aufgeführt und auf einen Blick erkennbar.
Eindrucksvoll und unglaublich spannend liest sich das, was in Smyrna nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches und dem Einmarsch der Griechen geschieht.
Erwähnen möchte ich eine Szene in Ediths Garten, nämlich die mit den vielen Menschen. Allein wegen dieses Moments an „diesem besonderen Tag“ ist dieses Buch für mich lesenswert. Auch wenn mich die gesamte Geschichte interessiert und fesselt, so ist dies die Stelle, die mich emotional am meisten berührt hat und ich Edith ganz besonders mochte. Leider kann ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, ohne zu spoilern. Darum empfehle ich gern allen, das Buch selbst zu lesen.
Blumen gegen das Traurigsein
Blumen im Kopf. Opa Günther pflanzt gute Gedanken von Lisa Wirth
Lisa Wirth hat ein tolles Kinderbuch geschrieben und illustriert. In dem Buch „Blumen im Kopf“ pflanzt Opa Günther gute Gedanken. Er ist zur Stelle, als seine Enkelin Johanna weinend und traurig aus der Schule kommt, und hat ein wunderbares Rezept: Gegen traurige Gedanken, bei Regenwolken über dem Kopf helfen ganz einfach gute neue Gedanken.
Natürlich kann Opa Günther die schlechten Dinge nicht für immer vertreiben, denn – so weiß er – sie gehören für jeden zum Leben dazu. Aber er erklärt Johanna, dass man Blumen pflanzen kann in seinem Kopf, immer dann, wenn man traurig ist, Ärger bekommen hat oder wenn man etwas Schlimmes erlebt hat.
Die Geschichte ist mit einfachen Worten in verschiedenen Schriftarten, Farben und Forman wunderbar geschrieben und mit vielen bunten Bildern wunderschön illustriert. Die Bilder zeigen einen Garten im Sonnenschein mit Opa Günther als Gärtner und mit vielen bunten Tieren und Pflanzen. Aber es gibt natürlich auch die traurigen Zeiten im Leben und dazu dann passend die Bilder mit der weinenden Johanna, dunklen Wolken am Himmel und dicken Regentropfen.
Zusätzlich zum Buch gibt es das kostenlose Arbeitsheft zum Download. Hier findet man tolle Möglichkeiten, um eigene Ideen zu entfalten.
Inzwischen gibt es auch das Hörbuch, das ich auch kennen gelernt habe. Als Ergänzung zum Bilderbuch gefällt es mir ebenfalls gut.
Sehr gern empfehle ich das Buch zum Vorlesen und zum Lernen - und das Arbeitsheft, um selbst kreativ zu werden.
Xanthippe in einem anderen Licht
Blumen im Kopf. Opa Günther pflanzt gute Gedanken von Lisa Wirth
In ihrem Roman „Xanthippe – Schöne Braut des Sokrates“ stellt Maria Regina Kaiser die sprichwörtliche Bedeutung der Xanthippe als streitsüchtiges Weib auf den Kopf und zeigt sie in einem völlig anderen Licht, nämlich als junge, intelligente Frau.
Sieht man das, was es an Überlieferung gibt, wie ein Puzzle, so ist es eines, bei dem viele Teile einfach fehlen.
Die Geschichte, die die Autorin daraus gezaubert hat, hat mich fasziniert und das Bild, das sie von Xanthippe zeigt, gefällt mir außerordentlich gut. Großartig, wie sie die vorhandenen Puzzleteile aufgegriffen und mit bekannt sorgfältiger Recherche und teilweise auch mit ihrer Fantasie eine spannende und berührende Geschichte geschrieben hat.
Ich habe mich sehr wohl gefühlt im Athen der klassischen Antike mit Xanthippe, Sokrates und anderen historischen Personen.
Durch das Nachwort erhält man weitere wertvolle historische Erklärungen.
Sehr gern gebe ich eine Leseempfehlung für diesen großartigen Roman, der gespickt ist mit kleinen und großen Wahrheiten und auch mit Fantasie.
Für Herz und Sinne
Volle Nuss voraus von Thomas Klischke; Henrik Böhl
Über Tiere, die mir im Garten oder auf dem Spaziergang begegnen, freue ich mich immer. Eichhörnchen sind besonders putzig. Darum bin ich wohl auch auf das Cover mit dem Eichhörnchen aufmerksam geworden.
„Volle Nuss voraus“ entpuppt sich als bunt bebildertes Kinderbuch mit tollen Botschaften.
Das Eichhörnchenmädchen Nellie ist noch zu klein, um mit der Familie auf Nusssuche zu gehen. Das hält sie aber nicht davon ab, sich allein auf den Weg zu machen. Dabei erlebt sie allerhand Abenteuer, lernt andere Tiere kennen und schließt Freundschaften. Nellie freut sich, wenn sie Hilfe bekommt und ist selbst ebenfalls jederzeit bereit, anderen Tieren bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Das Buch bereitet nicht nur Kindern große Freude, sondern auch Erwachsenen ein tolles Lesevergnügen. Mir gefällt die Idee mit den eingebauten Liedern sehr. Nellie singt gern und durch die QR-Codes an den entsprechenden Stellen können die Lieder nicht nur gelesen, sondern auch gehört und ganz leicht mitgesungen werden.
Auf den Buchinnenseiten sind auf einer Karte die Wege und Orte von Nellies abenteuerlicher Reise zu sehen. Und am Ende des Buches bekommt man noch die Möglichkeit, selbst kreativ zu werden, sofern man Malstifte zur Hand hat. Auch das zeigt, dass bei der Entstehung des Buches Herzenswärme eine große Rolle gespielt hat.
Sehr gern empfehle ich das Buch, das Herz und Sinne anspricht und ebenso unterhaltsam wie lehrreich ist.
Achtsam sein und hilfsbereit
Emma und die Fürchterlichen Fünf von Hiltrud Baier
Fünf Tiere, alle mit körperlichen Problemen, die das Alter so mit sich bringt, sind in großer Sorge. Sie haben Angst, dass sie nicht weiter auf dem Bauernhof leben dürfen, auf dem sie bisher zu Hause waren, und dass der Bauer sie in ein Altenheim stecken wolle.
Die Autorin Hiltrud Baier macht mit ihrer Geschichte deutlich, dass die alten Tiere vom Bauernhof das Gefühl haben, nicht mehr gebraucht zu werden und sich deswegen auch nicht mehr geliebt fühlen.
Doch zum Glück gibt es Emma, die mit Hilfe ihres Bruders nach Lösungen sucht, um die Tiere davor bewahren zu können, ihr Zuhause verlassen zu müssen.
Ideen gibt es einige, aber ganz ohne Schwierigkeiten ist Hilfe nicht möglich. So gibt es ein paar Heimlichkeiten vor den Eltern, auch so manche Notlüge muss herhalten für die gute Sache.
Auf dem Cover ist Emma mit den „Fürchterlichen Fünf“ zu sehen. Auf dem Bild sehen alle recht glücklich und zufrieden aus. Da kann man nur hoffen, dass die zugleich spannende und fröhliche Geschichte ein gutes Ende findet.
Sehr gern gebe ich meine Leseempfehlung für das Buch, das zeigt, wie wichtig es ist, sorgsam miteinander umzugehen und füreinander da zu sein.
Einfach bezaubernd
Leonard und Paul von Rónán Hession
Glaubt man dem kleinen Fisch auf dem Cover, aus dessen Luftbläschen das Wort „ROMAN“ zu erkennen ist, dann handelt es sich bei dem Debüt von Rónán Hession um einen Roman. Statt „Roman“ hätte der Fisch auch „Erzählungen“ ausstoßen können, denn es sind viele kleine herzerwärmende Geschichten, die zusammen einen wunderbaren Roman ergeben, der glücklich macht.
Leonard und Paul sind zwei Männer, die zunächst mal nichts Besonderes sind. Allerdings leben beide als längst Erwachsene noch im Elternhaus, Leonard bei seiner Mutter und Paul bei beiden Elternteilen. Dabei werden sie von ihren Müttern so umsorgt und behütet, als wären sie vollkommen unselbstständig.
Leonard und Paul sind befreundet, treffen sich häufig und nehmen teil an den meist kleinen und eher unbedeutenden Erlebnissen im Leben des jeweils anderen.
Wenn
- ich mit „Rosen in Dosen“ eine Überraschung erlebe, die mich zum Lachen bringt,
- der Autor beim Namen des Fahrradgeschäftes Mike’s Bike’s vom „Deppenapostroph“ spricht (was ich gern bestätige),
- Leonard und Paul in all ihrer Bescheidenheit über sich selbst hinauswachsen und doch nicht so unscheinbar sind, wie es scheint,
dann bin ich hellauf begeistert von einer Geschichte, bei der der Autor alles richtig gemacht hat. Ein tolles Debüt voller Menschlichkeit und Herzenswärme, das berührt.
Sehr empfehlenswert!
Vernachlässigt und ausgesetzt
Institut für gute Mütter von Jessamine Chan
Nein! Natürlich hätte Frida ihr Baby nicht allein zu Hause lassen dürfen. Doch auch Mütter, die ihr Kind lieben, machen Fehler. Frida, die sich nach durchwachten Nächten einfach nur nach Ruhe sehnte und dadurch bedingt ihr Kind zwei Stunden allein zu Hause gelassen hatte, muss für ihre Unbedachtheit teuer zahlen.
In einer Besserungsanstalt muss sie zusammen mit vielen anderen Müttern ein Jahr lang lernen, eine „gute“ Mutter zu werden. Die eigenen Kinder werden währenddessen von einer Pflegefamilie betreut oder – wie im Fall von Fridas Baby Harriet – von dem getrenntlebenden Vater und dessen neuer Frau.
Für Frida beginnt eine Zeit kompletter Überwachung – auf Schritt und Tritt. Außerdem ist Vorsicht geboten bei jedem Wort, das ausgesprochen wird. Mit Hilfe einer KI-Puppe sollen die Mütter lernen, welche Zuwendung ein Kind benötigt. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie es möglich sein sollte, sich trotz all dieser Maßnahmen noch „normal“ zu verhalten. Und ich finde die Vorstellung erschreckend, wozu ein totalitäres Regime in der Lage sein könnte.
Jessamine Chan hat mich mit ihrem erschütternden Debütroman nachhaltig beeindruckt. Sie hat erreicht, dass ich mit Frida gelitten, gehofft und gebangt habe. Dabei ist Frida mir nach dem harten Urteil immer noch so nahe, dass sie einen Platz in meinem Herzen behält.
99 Häppchen
Zum Frühstück ein Stück Himmel von Klaus Nagorni
„Zum Frühstück ein Stück Himmel“ heißt das kleine Buch von Klaus Nagorni, und das ist nicht zu viel versprochen. Mit 99 „Gedanken zum Wachwerden“, wie es im Untertitel heißt, werden ganz unterschiedliche Themen angesprochen, die jeweils ein Stück Himmel in kleinen Häppchen servieren.
Kurze Geschichten mit einer Länge von zwei bis drei Seiten bieten eine willkommene Gelegenheit für einen guten Start in den Tag.
Mir gefällt nicht nur der leicht verständliche Schreibstil, sondern auch der Bezug auf die Bibel, die mir mit wohl bekannten Zitaten an vielen Stellen begegnet.
Da ich als Aufhänger für Gruppengespräche auch gern kurze Texte mag, habe ich mit diesem Buch ebenfalls einen guten Fang gemacht.
Nach einem Inhaltsverzeichnis oder einer thematischen Übersicht, mit deren Hilfe mir die Auswahl der Geschichten leichter fallen würde, habe ich allerdings leider vergeblich gesucht. Das finde ich schade, aber mir gefällt das Buch trotzdem so gut, dass ich es sehr gern weiterempfehle.
1000 Liebe
Nur ein paar Nächte von Fabian Neidhardt
Eine Geschichte, die viel Gelegenheit zum Nachdenken bietet, die mich mit der unglaublichen Vielfalt an Ereignissen und unterschiedlichen Gefühlen bis ins Herz trifft und vor allem: die mir vor Augen führt, dass man sich (ich mich) mit einer Meinungsbildung viel zu leicht beeinflussen lassen kann von ersten Eindrücken, ohne die Hintergründe auch nur annähernd zu kennen und zu verstehen.
Fabian Neidhardt hat einen gekonnten Weg gefunden, alles zu sagen, was gesagt werden muss, um verstehen zu können. So hat mir der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit sehr gefallen, um nicht nur die Geschichte des alleinerziehenden Vater Ben und seiner ganz besonderen Tochter Mia zu erleben, sondern auch, um Antworten über die Beweggründe, die Denkweise und die Gefühle von Mias Mutter Orna zu erfahren.
Dass auch noch Bens Vater plötzlich vor dessen Tür steht, weil er seine Mutter betrogen hat und damit ein Problem auftaucht, das eigentlich der Aufhänger für eine andere Geschichte sein könnte, fand ich zunächst befremdlich. (Hier fand ich übrigens die Erzählung über die Zeit, als Bens Eltern jung waren, sehr gelungen.) Aber ich habe gemerkt, dass die Geschichte erst durch alle Geschehnisse komplett wird.
Ich habe das Buch, das überall die Liebe, aber auch die Sehnsucht danach spürbar erkennen lässt, fast in einem Rutsch gelesen. Sehr gern gebe ich eine Leseempfehlung für 1000 Liebe!










