Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von PMelittaM:

Neue Erkenntnisse, Enttäuschungen und spannende Szenen

Die letzten Hexen von Berlin - Der finstere Gang von Oliver Skuza

Mercurius hatte zu dem Wasserschemen, das seinen Club verwüstet hatte, eine Verbindung aufgebaut, und eigentlich sollte es längst wieder im Meer sein, doch es scheint immer noch in Berlin zu weilen. Mercurius und Ferat machen sich auf, es zu suchen und ihm, wenn möglich den Weg zum Meer zu ermöglichen.

Folge 2 der Reihe schließt nahtlos an Folge 1 an, und es geht spannend weiter. Über Rückblenden erfährt man zudem weitere Einzelheiten aus Mercurius’ Vergangenheit. Mir hat gut gefallen, dass in diesem Band Ferat eine größere Rolle einnehmen durfte. Da die Hexen zu einem möglichen Portal ins Feenreich auf den Orkneys unterwegs sind, muss Mercurius alleine versuchen, weiteres Unheil zu verhüten, wobei ihn neben Ferat noch ein weiterer Charakter, den man aus dem Vorgängerband kennt, unterstützt – auch das hat mir gut gefallen. Ferat bringt dabei einiges an Humor ins Spiel ("Sie ist unser Monster. Quasi ein Stammgast" (Pos. 552)), neben einem witzigen Running Gag, den ich so nicht erwartet hatte.

Einige Erkenntnisse, Enttäuschungen und spannende Szenen später gibt es dann am Ende einen ziemlich fiesen Cliffhanger, der natürlich zusätzlich Appetit auf Folge 3 macht.

Die zweite Folge der Reihe führt die Geschichte spannend fort. Mir hat gut gefallen, dass Charaktere in den Mittelpunkt gerückt sind, die vorher eher kleinere Nebenrollen hatten. Ich freue mich auf die nächste Folge.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Islandfeeling

Verschwiegen von Eva Björg Ægisdóttir

Polizistin Elma ist nach Jahren in Reykjavik wieder in ihren Heimatort Akranes gezogen, und hat dort auch direkt einen Posten bei der örtlichen Polizei bekommen. Dass sie so bald in einem Todesfall ermitteln müsste, hätte sie allerdings nicht gedacht, und dann stellt sich auch noch heraus, dass die tote Frau, die am Leuchtturm gefunden wurde, nicht nur ermordet wurde, sondern auch in ihrer Kindheit in Akranes gelebt hat.

Ich mag Islandromane, gerade auch von isländischen Autor:innen, sehr, einfach auch wegen der Atmosphäre, die dort oft herrscht. An diesem Roman finde ich schön, dass er einmal nicht in der Hauptstadt spielt, sondern einer anderen isländischen Stadt, die zudem offenbar auch eine Reise wert wäre. Dass Autorin und Protagonistin beide aus dieser Stadt stammen, und z. B. auch das isländische „Du“ beibehalten wurde, macht das Ganze zudem sehr authentisch. Ich fühlte mich beim Lesen schnell, als sei ich selbst mit in Island.

Akranes ist eine kleine Stadt, aber dennoch gibt es dort einige Geheimnisse, so dass viele der Charaktere nicht alles offenbaren, und die Ermittlungen dadurch, und auch durch die naturgemäß engeren Beziehungen in einer Kleinstadt, wo nahezu jeder jeden kennt, beeinflusst werden. Erzählt wird in zwei Zeitebenen, zum einen die aktuellen Ereignisse, zum anderen Rückblenden ins Jahr 1989, die aus Sicht eines Kindes erzählt werden.

Der Fall ist daher nicht einfach zu lösen, als Leser:in ist man den Ermittelnden durch die Rückblenden auch immer etwas voraus, und weiß Dinge, die diese gar nicht kennen können, allerdings wird vieles erst nach und nach klar. Am Ende ist der Fall aber in meinen Augen zufriedenstellend aufgelöst, auch wenn, vor allem für die Polizei, noch Fragen offen bleiben, was aber meiner Meinung nach in der Natur der Sache liegt. Vielleicht wird in den Folgebänden (der Nachfolgeband „Verlogen“ ist für September 2023 bereits angekündigt) manches noch einmal in Gesprächen aufgenommen oder man erfährt, wie es mit manchen Charakteren danach weiterging.

Neben den Rückblenden wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so lernt man manche Charaktere recht gut kennen. Auch über das Leben in Island erfährt man manches.

Gut gefallen haben mir auch die Karten in den inneren Klappen, sie zeigen Island aber auch die nähere Umgebung von Akranes. Während der Lektüre hatte ich auch Lust, mir Akranes im Internet näher anzusehen.

Mir hat das Debüt der Autorin gut gefallen, ich hatte ein gutes Islandfeeling, und konnte mitfühlen. Auch hat der Roman mir Lust auf den nächsten Band gemacht. Wer sich bei skandinavischen Krimis wohlfühlt, könnte Gefallen an diesem Roman finden.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Optisch ein Genuss, inhaltlich lehrreich

Atlas der verborgenen Welten von Emily Hawkins

Auf fast 100 Seiten werden 32 „geheime Orte, vergessene Städte und verschwundene Inseln“ vorgestellt. Untergliedert wird dabei nach Kontinenten, neben einer zweiseitigen Weltkarte zu Beginn des Buches, erhält auch jeder Kontinent eine illustrierte Doppelseite, auf der eine ganze Reihe verschiedener verborgener, verschollener oder mythischer Orte aufgezeichnet sind, im Anschluss daran werden einige davon vorgestellt, jeder auf zwei wunderschön gestalteten Doppelseiten.

In diesem Buch gibt es fiktive (z. B. Schlaraffenland) aber auch einst existierende (z. B. Shi Cheng) Orte zu entdecken, von manchen davon hat man schon öfter gehört (z. B. Atlantis, Eldorado, Camelot, Troja), andere sind zumindest mir gänzlich unbekannt gewesen (z. B. Hy-Brasil). Viele basieren auf Mytholgien verschiedener Kulturen (z. B. Yggdrasil). Zu jedem Ort gibt es eine ganze Reihe Informationen, z. B. wo der Ort liegen könnte/gelegen hat oder über seine Hintergründe. Das ist nicht nur für die Zielgruppe (ab 10 Jahre) informativ, auch Erwachsene können daraus neues Wissen erlangen. Schade nur, dass nicht alle auf den jeweiligen Kontinenten verzeichneten Orte näher betrachtet wrden.

Abgeschlossen wird das Buch mit einem Glossar, in dem man nachschlagen kann, wenn einem ein Wort nicht geläufig ist. - das wird vor allem für die jüngeren Leser:innen wichtig sein.

Ich habe mit viel Vergnügen in diesem Buch gelesen, optisch ein Genuss, hat es mich Neues gelehrt, auch über Bekanntes, aber vor allem neue verschollene Orte entdecken lassen. Gerne empfehle ich es weiter und denke, man wird immer wieder einmal gerne darin blättern.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Hat mich wieder berührt

A. S. Tory und das Spiel mit der Zeit von S. Sagenroth

2020 – Corona beherrscht das Leben, und Sid langweilt sich, er hört kaum etwas von Tory, und das geplante Treffen mit Chiara musste auch ausfallen. Doch, jetzt im Sommer, lockert sich manches, Tory meldet sich, und hat erneut einen Auftrag für Sid und Chiara: In Frankfurt am Main soll der Haushalt einer Villa aufgelöst werden, doch womöglich geht dadurch einiges verloren, so dass die beiden das Anwesen sichten sollen.

Gesagt, getan, und schnell stellt sich heraus, dass es ein Familiengeheimnis geben muss, zwei Männer der Familie sind vor vielen Jahren verschwunden und werden seitdem totgeschwiegen.

Es ist so schön, Sid und Chiara wiederzutreffen, auch, wenn es dieses mal wohl das letzte Mal ist. Sid ist mittlerweile volljährig, während Chiara ihr Abitur gemacht hat. Ihre Reise bleibt dieses Mal in Deutschland, neben Frankfurt geht es nach Leipzig und ins Elbsandsteingebirge. Vor allem bei letzterem hat mir die Beschreibung der Autorin große Lust gemacht, mehr darüber zu erfahren. Apropos Beschreibung, die Geschichte, die die Autorin Sid in Ich-Form erzählen lässt, ist sehr bildhaft geschrieben, was sich nicht nur im Elbsandsteingebirge, sondern z. B. auch bei den Werken Arnes zeigt. Arne ist einer der o. g. Männer, auf dessen Spuren sich die beiden setzen, und von dem wir rückblickend eine Art Tagebuch lesen dürfen.

Wie immer hat sich die Autorin eines wichtigen Themas angenommen, das ich hier aber nicht verraten möchte, da es sich auch im Roman erst nach und nach erschließt. Mir gefällt aber gut, wie an es herangegangen wird, und auch, wie Sid und Chiara damit umgehen. Auch hier gibt es wieder philosophische Betrachtungen, das Thema Zeit spielt ebenfalls eine Rolle.

Wer die Vorgängerromane nicht kennt, erhält zu Beginn des Buches jeweils eine kleine Zusammenfassung. Sicher kann man jeden Roman unabhängig voneinander lesen, schöner ist es aber schon, sie der Reihe nach zu lesen, da man hier dann auch die Entwicklung mitbekommt.

Der Roman passt wieder wunderbar in die Reihe um Tory, Sid und Chiara, nimmt erneut ein wichtiges Thema in den Fokus und behält auch das aktuelle Geschehen im Blick. Mich hat der Roman wieder sehr berührt, und ich wünsche ihm, wie auch den Vorgängern, viele Leser.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Band 2 der Trilogie führt nach Avalon

Hidden Worlds 2 - Die Krone des Erben von Mikkel Robrahn

Elliot und Soleil sind mit Hilfe des Drachen Rhegad nach Avalon gekommen. Leider treffen sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt ein und landen mitten in politischen Intrigen. Keiner interessiert sich für die Zustände auf der Erde, und so müssen sie alleine versuchen, das Portal wieder zu öffnen, um den magischen Bewohnern der Erde zu ermöglichen, ebenfalls nach Avalon zu kommen.

Sie machen sich auf zu Rhegads Höhle, was alleine schon ein großes Abenteuer ist, während sich in der Hauptstadt Avalons die Lage zuspitzt und die politischen Gegner der an der Macht befindlichen „Erben Merlins“ inhaftiert werden, darunter Elliots Mutter.

Wieder steht Elliot ein spannendes Abenteuer bevor, dieses Mal in Avalon, das er zudem nicht kennt, und daher manchmal etwas weniger vorsichtig ist, als er sein sollte. Aber immerhin hat er Soleil an der Seite, und auch Rhegad tut sein bestes, allerdings will der Drache nur noch Archivar und Historiker sein, und kein Verschlinger und Zerstörer, so dass Elliot und Soleil am Ende auf sich alleine angewiesen sind – naja, mit ein bisschen Hilfe von mystischen Wesen. Eines dieser mystischen Wesen, das hier neu auftritt, hat mir besonders gut gefallen, und wird sicher im nächsten Band weiter an Bord sein. Auch Rhegad, der Drache, ist ein toller Charakter, den man hoffentlich wiedertreffen wird.

Avalon wirkt eher mittelalterlich und ist besiedelt von einer ganzen Reihe Wesen. Man erfährt manches über Land und Leute, und ich bin gespannt, wie der Austausch zwischen den Wesen auf der Erde und denen auf Avalon aussehen wird, sollte das Portal wieder geöffnet werden können. Auf der Erde droht zudem große Gefahr durch die Inquisition – man darf auf den Abschlussband der Trilogie also gespannt sein.

Auch dieser Band ist spannend und lässt sich zügig lesen, aber er hat mich nicht ganz so gefesset wie Band 1. Ich hätte mir ein bisschen mehr Phantastisches von Avalon erwartet, im Gegensatz zum ersten Band, der davon nur so strotzte, obwohl er auf unserer Erde und in unserer Zeit spielt, hat der Wechsel in die eigentlich phantastische Welt einiges Phantastische genommen – schade. Noch nicht einmal die phantastischen Wesen sind so phantastisch, wie es die im ersten Band waren.

Band 2 der Trilogie führt nach Avalon, das mich ein bisschen enttäuscht hat, dennoch wurde ich auch hier gut unterhalten und neugierig auf den Abschlussband gemacht.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Wieder ein "besonderer" Krimi

Inspektor Takeda und die stille Schuld von Henrik Siebold

In einer Hamburger Seniorenresidenz bricht ein Feuer aus, mehrere Bewohner sterben. Da offenbar Brandstiftung vorliegt, werden der japanische Austauschinspektor Kenjiro Takeda und seine Partnerin Claudia Harms eingeschaltet. Weitere Brände lenken den Verdacht auf den neuartigen Pflegeroboter Lisa, der an allen Tatorten eingesetzt wurde – doch kann ein Roboter morden?

Nachdem sich im letzten Band die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten verändert hatte, gibt es hier eine erneute Veränderung, die ebenso tiefgreifend ist, und in meinen Augen zu umfangreich thematisiert wird, ich hätte den Fokus lieber mehr auf dem Fall gewusst.

Ob es daran liegt, dass ich immer einmal wieder den Eindruck hatte, die beiden würden manches übersehen? Oder, dass Claudias Fragen mir oft etwas einfältig erscheinen? Nun, letzteres liegt vielleicht auch daran, dass der Autor über diese Fragen dem Lesenden Wissen vermitteln wollte?

Leider hat mich die Beziehungsproblematik zu sehr gestört, weswegen ich keine volle Punktzahl vergeben kann. Nach wie vor ist zudem für mich Takeda der interessantere und sympathischere Teil des Duos.

Da das Thema Robotik im Mittelpunkt steht, ein sehr interessantes Thema im Übrigen, wird es manchmal eben auch ein bisschen technisch und theoretisch. Durch dieses Thema steht auch Takedas Heimatland einmal mehr im Mittelpunkt – so wurde Lisa dort entwickelt und wird nun im Rahmen eines Joint Ventures in Deutschland eingeführt. In diesem Zusammenhang ist übrigens auch das Nachwort des Autors lesenswert. Mich hat die Thematik auch zum Nachdenken gebracht – könnten Roboter z. B. wirklich den Pflegenotstand lösen? Würde man sich, würde ich mich von einem Roboter pflegen lassen wollen?

Der Fall gestaltet sich letztlich natürlich ein bisschen komplexer, und die Auflösung ist gelungen (auch hierzu ist das Nachwort lesenswert). Wie immer, hat der Autor einen besonderen Kriminalfall entwickelt, der mir gut gefallen hat.

Takedas fünfter Fall ist wieder lesenswert, da erneut ein besonderer Kriminalfall im Mittelpunkt steht, der wieder die beiden Länder der Hauptcharaktere verbindet – wäre nicht die zu ausufernde Beziehungsproblematik zwischen Takeda und Harms, hätte das der beste Band der Reihe sein können, so bleibt es bei 4 Sternen, aber auch einer Leseempfehlung für die ganze Reihe.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Eine meiner Lieblingsreihen geht in die achte Runde

Heimstein der Zwerge von Thorsten Hoß

Nachdem Tilseg in mehrere Teile geteilt wurde, hat er nun ganz unterschiedliche Probleme. Gemeinsam mit Ashley Bender verhandelt er mit den Zwergen darum, ihren Heimstein betreten zu dürfen, um die Überreste seines Körper sowie die der Kristalle bergen zu können, die womöglich eine Gefahr darstellen.

Beim Magierturm dagegen muss er darum kämpfen, nicht zu einer Werkreatur zu werden, und im Kloster von Laylay erhält er ein uraltes Schreiben, das offensichtlich an ihn gerichtet ist.

Doch nicht nur Tilseg muss sich mit all dem und noch viel mehr auseinandersetzen, auch die anderen Astronauten stehen vor vielfältigen Problemen, die zum Teil auch uns Leser:innen den Kopf zerbrechen lassen, was ist zum Beispiel mit Sven Eriksson los?

Auch im achten Band der Reihe wartet Thorsten Hoß wieder mit viel Phantasie und ordentlich Spannung auf. Erzählt wird wieder in kurzen Kapitel aus den Perspektiven verschiedener Charaktere. Mittlerweile gibt es einige Schauplätze, und manche Astronauten sind weitab vom Hauptlager, Barbara zum Beispiel ist auf der Suche nach dem Hammer, der ihr entwendet wurde, und gerät unter Wilde, die ebenfalls Fragen aufwerfen. In den Zwischenspielen erfahren wir etwas über die Vorgänge im Heimstein der Zwerge sowie die beim Clan der Vier Flüsse, bei dem die Stelle der Königin vakant, die Prinzessin aber noch zu jung ist, und verschiedene Gruppierungen sich darum bemühen, für sie regieren zu dürfen.

Auch dieser Band strotzt wieder vor Phantasie, ist sehr spannend und hat mich gut unterhalten. Der Cliffhanger macht mich auf den nächsten Band mehr als gespannt. Ich spreche erneut eine Leseempfehlung für die gesamt Reihe aus.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Sehr unterhaltsam

Die Tausend Leben des Ardor Benn von Tyler Whitesides

Ardor Benn, der Meister von List und Tücke, erhält von dem Geistlichen Eiland Halavend einen sehr komplexen Auftrag. Ihn zu befolgen, wird sein ganzes Genie fordern, aber die Belohnung ist das wert. Doch zunächst sind Mitstreiter, viel Recherchearbeit und ein guter Plan von Nöten.

Schon der erste Satz hat mich in den Roman gezogen, ich mag solche Sätze, die mich direkt gespannt auf das weitere machen.

Das gesamte erste Kapitel hat mich bereits atemlos lesen lassen und Lust auf mehr gemacht. Ardor Benn schien seinen Ruf zu verdienen.

Der Roman zeichnet sich durch seinen Humor (vor allem, aber nicht nur, zu Beginn), seine Spannung, seine überraschenden Wendungen und seine interessanten Charaktere aus. Mein Lieblingscharakter war sehr schnell Havalend, er tut für seine Überzeugungen alles und setzt dafür auch sein Leben aufs Spiel. Seine Mitstreiterin Lyndel ist eine Priesterin der Trothianer, die zwar humanoid, aber offenbar nicht menschlich sind, so haben sie eine ganz andere visuelle Wahrnehmung. Ich hoffe sehr, dass wir über sie noch mehr in den nächsten Bänden erfahren werden. Ardors engste Mitstreiter sind Raek, den ihn schon lange begleitet, und der seine Ideen technisch umsetzt, sowie Quarrah, eine Diebin, die extra für diesen Auftrag angeheuert wird. Besonders interessant sind auch Elbrig und Cinza, zwei Verkleidungskünstler, die nicht nur sich selbst auf unglaubliche Weise verändern können.

Leider sind die Charaktere nicht sehr tiefgründig gezeichnet, sie zeichnen sich durch ihr Können aus, aber viel darüberhinaus erfährt man nicht, Gedanken und Emotionen bleiben oberflächlich – nur Havalend kam mir gefühlsmäßig näher. Das ist schade, jedoch steht die Geschichte für sich, und hat genug eigenes Potential, so dass man den Roman dennoch mit Genuss lesen kann. Leider kann man dadurch aber auch die sich entwickelnde Liebesgeschichte nicht wirklich fühlen, vielleicht hätte man sie lieber als tiefe Freundschaft etabliert, in meinen Augen hätte die Geschichte damit auch funktionieren können.

Die Magie, die es in dieser Welt gibt, hängt eng mit den Drachen zusammen, die auf einer Insel leben, und leider vom Aussterben bedroht sind, da es keine Drachenbullen mehr gibt. Auch die Welt an sich ist besonders, sie besteht aus Inseln, über diese hinaus zu fahren scheint nicht möglich. Auf den inneren Umschlagseiten des Paperback kann man Interessantes zu den Ideen des Autors finden, außerdem gibt es eine Karte der Welt, leider aber weder Personenverzeichnis noch Glossar.

Es ist vor allem die Geschichte, die mich hier packt, so dass die recht oberflächlich gezeichneten Charaktere, die „nur“ ihr Können mitbringen – was sie alleine schon recht faszinierend macht – , nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Besonders die vielen überraschenden Wendungen haben mich die Geschichte genießen lassen, und meine Vorfreude auf den nächsten Band geweckt. Ich vergebe 4,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde, und eine Leseempfehlung für Genrefans.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Hat mich berührt

Freundin bleibst du immer von Tomi Obaro

Zainab, Funmi und Enitan sind Freundinnen seit ihrer Teenagerzeit, nach dem Studium haben sich ihre Wege getrennt, ihre Leben hätten sich kaum unterschiedlicher entwickeln können, und seit vielen Jahren waren sie nicht mehr alle zusammen. Aus Anlass der Hochzeit von Destiny, Funmis Tochter, treffen sie sich endlich wieder.

Man erfährt so einiges über die drei Freundinnen, über ihre Familien, ihre Kindheit, wie unterschiedlich sie schon waren, als sie sich kennenlernten. Auch ihr weiteres Leben bis zur Hochzeit Destinys verläuft bei jeder ganz anders als bei den anderen beiden – und doch bleibt ihre Freundschaft über all die Jahre erhalten, und bewährt sich erneut.

Alle drei, aber auch andere, die ihren Weg kreuzen, werden gut und einfühlsam beschrieben, und auch der soziale Hintergrund, Kultur und Gesellschaft Nigerias, sind wichtige Themen, wobei diese ganz natürlich integriert werden. Ich hätte wirklich Lust, Funmi, Zainab und Enitan einmal tatsächlich zu treffen. sie sind mir ans Herz gewachsen, und ich hätte sie gerne noch länger begleitet.

Der Roman lässt sich sehr gut lesen, auch wenn viele nigerianische Begriffe enthalten sind. Es gibt ein Glossar im Anhang, dieses habe ich während des Lesens jedoch nicht benutzt, da die meisten Begriffe sich aus dem Kontext erklärt haben, und mein Lesefluss durch sie nicht gestört wurde. Für mich hat es das Ganze authentischer gemacht, ich hätte darauf nicht verzichten wollen. Ich konnte mich auch gut in die drei Frauen hineinversetzen, auch wenn ihre Lebenswirklichkeit recht weit weg von meiner ist. Insgesamt hat mich der Roman einmal wieder dazu gebracht, selbst weiterzurecherchieren.

Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen, zudem gibt es zweimal einen Wechsel der Zeitebene, zunächst wird aus dem Jahr 2015 erzählt, dem Jahr, in dem die Drei sich wiedersehen, dann gibt es Rückblenden, man erfährt mehr über Kindheit, Jugend und Kennenlernen und Zusammensein, um dann wieder die Geschehnisse aus 2015 weiterzuerzählen.

Das Ende lässt mich etwas ratlos zurück, es ist sehr offen, was ja kein Problem sein muss, es fällt mir aber schwer, das Ganze weiterzudenken, da hier auch die nigerianische Kultur mitbedacht werden müsste, zumindest in Teilen. Ausnahmsweise hätte ich mir hier einmal ein weniger offenes Ende gewünscht, dennoch macht es den Roman an sich nicht weniger lesenswert.

Tomi Obaros Debütroman hat mich schnell nicht mehr losgelassen, die drei Protagonistinnen, ihre Hintergründe und und ihre Leben haben mich berührt. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Roman der Autorin.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM

Unglaublich gut

Die Meerjungfrau von Black Conch von Monique Roffey

1976: Der junge Fischer David Baptiste lebt auf der kleinen karibischen Insel Black Conch, und entdeckt eines Tages auf See eine Meerjungfrau. Einige Zeit später wird diese im Rahmen eines Angelwettbewerbs von zwei Texanern aus dem Meer geholt, und mehr als Tier als als Mensch gesehen, gequält, und mit der anderen Beute auf dem Pier kopfüber aufgehängt.

David rettet sie in der Nacht, um sie am nächsten Tag wieder ins Meer zu entlassen, doch dann verwandelt sie sich, und Davids Leben wird auf den Kopf gestellt.

Die Autorin stammt selbst aus der Karibik, und erzählt ihre Geschichte der Gegend angepasst im karibischen Slang, genug, um es authentisch zu machen, aber nicht so viel, dass es das Lesen erschwert. Es gibt drei Erzählebenen: Ein Erzähler, Davids Tagebuch, das er vierzig Jahre später rückblickend führt, und Gedanken der Meerjungfrau. Letztere sind zusätzlich in Vers- aber nicht in Reimform verfasst. Ich brauchte kurz, mich in die Erzählung einzufinden, doch nicht lange, dann hatte ich mich eingelesen.

Das Geschehen verläuft anders als gedacht, und auch die Meerjungfrau ist nicht das, was ich erwartet hatte, aber ich mag es, wenn ich überrascht werde. Monique Roffey hat ein interessantes Figurenensemble erstellt, neben der Meerjungfrau ist da vor allem David, der seine Gefühle für sie im Zaum halten muss, aber auch viel lernt. Arcadia Rain stammt von anglikanischen Geistlichen ab, sie lebt mit ihrem Sohn Reggie im Herrenhaus, und ihr gehört fast die ganze Insel. Daneben gibt es eine ganze Reihe Insulaner, alle irgendwie miteinander verwandt, und die beiden Texaner, die sich ihren Fang natürlich nicht so einfach entreißen lassen wollen.

Die Geschichte der Meerjungfrau basiert u a. auf einer tatsächlichen Legende der indigenen karibischen Völker, daneben fließt auch einiges an karibischem historischem Background mit ein, z. B. auch in Form des Charakters Arcadia Rain. Ich wurde einmal wieder inspiriert, mehr darüber erfahren zu wollen.

Für mich hat die Geschichte einen starken Sog entwickelt, mich hat sie, nicht nur in Bezug auf die Meerjungfrau, berührt, und mich stellenweise fast atemlos lesen lassen, z. B., als die Meerjungfrau am Haken hing und sich ein wilder Kampf zwischen ihr und den Anglern entspann. Am Ende brauchte ich Zeit, um alles einordnen zu können, gerne hätte ich einige der Charaktere in ihrem späteren Leben noch einmal wiedergetroffen, vor allem Reggie, so musste ich mir eben selbst Gedanken darüber machen. Das Ende war für mich, wie die ganze Geschichte, unerwartet.

„Die Meerjungfrau von Black Conch“ ist eine besondere Geschichte, auf die man sich einlassen muss, und die vielleicht nicht immer leicht zu lesen ist, über die man nachdenken kann/muss, und die einen auch nach Beendigung der Lektüre noch in ihren Klauen hält – aber sie ist es absolut wert, gelesen zu werden.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von PMelittaM