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Rezensionen von PMelittaM:
Neue Blickwinkel
STONE BLIND – Der Blick der Medusa von Natalie Haynes
Sicher kennt jeder Medusa oder hat zumindest schon einmal von ihr gehört – die Frau mit den Schlangenhaaren und dem versteinerten Blick. Aber ist sie wirklich das Ungeheuer, als das sie oft, auch in diversen Filmen, dargestellt wird?
Romane, die sich die griechische Mythologie zum Thema machen, sind aktuell groß in Mode, ich selbst habe bereits ein paar davon gelesen.
Natalie Haynes nimmt sich der Medusa-Sage an, und zwar der kompletten – es beginnt bereits vor Medusas Geburt, und sämtliche Akteure werden bedacht, auch eher nebensächliche, das Figurenensemble des Romans ist groß, und fast jede erhält ihre eigene Perspektive.
Mir hat das wirklich gut gefallen, aber ich kenne die griechische Mythologie auch recht gut bzw. kam mir vieles wieder in Erinnerung. Und ich denke, dass das wichtig ist: Man sollte sich, zumindest ein bisschen, auskennen mit den griechischen Göttern, ihren Nachkommen, den Helden und „Ungeheuern“ – dann wird man diesen Roman auch in vollem Umfang genießen können. Leider gibt es kein Glossar, dafür stehen uns heute aber Suchmaschinen im Internet zur Verfügung, vieles ergibt sich aber auch aus dem Kontext.
Mir hat die Herangehensweise der Autorin sehr gut gefallen, und manche der auftretenden Figuren wird man zukünftig vielleicht in einem anderen Licht sehen. So sind z. B. die Gorgonen hier alles andere als Ungeheuer, sie haben Gefühle und kümmern sich umeinander. Dafür sind andere weniger heldenhaft als gedacht. Mir persönlich haben die Kapitel gut gefallen, in den wir Leser:innen in Ich- bzw. Wir-Form persönlich angesprochen werden – und ich mochte auch den gelegentlichen Humor, vor allem die oft süffisanten Sprüche der Götter..
Durch die vielen verschiedenen Perspektiven und das Weitausholen des Plots war der Roman keiner, den man schnell wegliest, auch, weil zwar eine gewisse Spannung vorhanden ist, aber diese mich nicht vorangetrieben hat. Letztlich ist die Geschichte halt auch bekannt, und auch, wenn sich mancher Charakter anders darstellt als man vielleicht erwartet hat, bleibt die Geschichte eben doch die Geschichte, die Spannung ergibt sich eher aus dem Miteinander.
Mir hat der Roman gut gefallen, vor allem, weil er neue Blickwinkel mitgebracht hat. Vor allem Medusa und ihre Gorgonenschwestern werde ich zukünftig mit anderen Augen sehen. Meiner Meinung nach sollte man sich aber in der griechischen Mythologie ein bisschen auskennen, um die Geschichte voll genießen zu können. Der besondere Erzählstil der Autorin mit vielen Perspektiven, einem Weitausholen der Ereignisse und der „Ansprachen“ an die Leser:innen empfand ich als sehr passend. Von mir gibt es daher 4,5 Sterne (die ich, wo nötig, aufrunde) und eine Leseempfehlung für alle, die die griechische Mythologie interessant finden oder sich damit auseinander setzen möchten.
Unterhaltsamer historischer Krimi
Fräulein vom Amt – Die Nachricht des Mörders von Charlotte Blum
Baden-Baden, 1922: Alma Täuber ist ein Fräulein vom Amt, und hört eines Tages etwas mit, was sie nach einer Zeitungsmeldung am nächsten Tag, zur Polizei gehen lässt. Offenbar wurde in dem Telefonat ein Mord bestätigt. Bei der Polizei nimmt man sie, bis auf Kommissaranwärter Ludwig Schiller, nicht so ganz ernst, doch Alma lässt die Sache keine Ruhe.
Ehrlich gesagt, hatte ich mir gar nicht so viel von dem Roman versprochen, da Baden-Baden aber einmal ein neues Setting verspricht, und mich sowohl die 20er Jahre als auch historische Kriminalromane interessieren, hatte ich doch ein gewisses Interesse an dem Roman entwickelt – der mich dann tatsächlich schon nach kurzer Zeit gepackt hat.
Das liegt vor allem auch an den Charakteren. Sowohl Alma als auch Ludwig mochte ich direkt, und auch ihr Umfeld bzw. das von Alma (von Ludwig erfährt man noch nicht so viel) hat mir gefallen, ihre Mitbewohnerin Emmi, ihre Familie, aber tatsächlich in erster Linie Alma selbst, die modern, klug und zupackend ist, und sich nicht aufhalten lässt, wenn sie das Gefühl hat, es läuft etwas schief.
Sehr gut finde ich auch den Zeitkolorit, den der Roman aus jeder Pore verströmt, da werden historische Persönlichkeiten und Ereignisse mit hineingepackt, aber auch die damalige Zeit lebendig, die Automobile, die mehr und mehr die Straßen erobern, aber auch z. B. Almas Beruf, und die Tatsache, dass nur unverheiratete Frauen arbeiten (sollten). Und auch Baden-Baden spielt seine Rolle, wenn es z. B. auf die Pferderennbahn geht. Ich habe mich schnell in die Zeit zurückversetzt gefühlt. Durch das Glossar im Anhang erhält man zusätzliche Informationen.
Der Fall ist komplex und bietet überraschende Wendungen, am Ende wird er nachvollziehbar gelöst. Vielleicht ist es nicht ganz realistisch, dass Alma in manches miteinbezogen wird, das hat mich aber nicht gestört, denn Alma ist auch hier klug und patent, und eher eine Bereicherung als eine Störung.
Ich bin begeistert, freue mich schon darauf, den nächsten Band zu lesen und hoffe auf viele weitere Bände dieser Reihe. Wer gerne historische Kriminalromane mit sympathischen Charakteren, interessanten Fällen und viel Zeitkolorit liest, ist hier genau richtig.
Wieder herrlich!
Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel von Richard Osman
Der Donnerstagmordclub hat sich einen neuen Cold-Case-Fall ausgesucht, den es zu lösen gilt. Joyce ist begeistert, denn es steht zu erwarten, dass sie den Fernsehmoderator Mike Waghorn kennenlernen wird, Kollege und Freund des Opfers. Nahezu parallel werden Elizabeth und ihr Ehemann Stephen entführt.
Es ist wieder viel los in der Seniorenresidenz Coopers Chase …
Der dritte Fall und es geht gleich wieder zur Sache. Ich mag diese Reihe sehr, die sympathische Charaktere mit, sagen wir, „besonderen“ Fähigkeiten zu bieten hat, spannende Fälle und viel (britischen) Humor. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich wieder geschmunzelt oder gar laut gelacht habe.
Auch dieses Mal gibt es zu den Vier vom Donnerstagmordclub und ihren „Helfern“ wieder ein paar interessante neue Charaktere, eine Maskenbildnerin, ein ehemaliger KGB-Offizier, ein „Wikinger“ und ein paar mehr oder weniger Kriminelle. Wer nicht aufpasst, wird flugs miteingespannt.
Der Fall ist wieder einmal nicht einfach zu lösen, zumal man ja auch noch verhindern muss, dass der Entführer etwas unangenehmes tut. Aber nach und nach ergeben sich neue Erkenntnisse, und als Leser:in kann man auch gut mitraten. Gut gefallen haben mir auch die mehr oder weniger innigen zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich ergeben, und natürlich auch das Miteinbeziehen von Charakteren aus den Vorgängerbänden, was man nicht in jedem Fall erwarten würde, und was sich in zukünftigen Bänden (die es hoffentlich geben wird) interessant entwickeln könnte.
Am Ende ist alles gut gelöst und hat noch ein paar herrliche/überraschende Wendungen bereit. Ich habe den Roman mit einen lachenden und einem weinenden Auge zugeklappt, weinend, weil ich jetzt wieder warten muss. Ich bin so gespannt auf den nächsten Fall, aber auch, wie sich manches und manche Beziehung weiterentwickeln wird.
Wer gute Krimis mag, aber auch ebenso guten Humor zu schätzen weiß, dabei von spannenden Fällen und interessanten (wenn auch schon etwas älteren) Protagonist:innen lesen möchte, sollte hier unbedingt zuschlagen. Ich kann diese Reihe absolut empfehlen.
Ein Ausnahmetalent
Das Monster und andere Geschichten von Stephen Crane
Die Anthologie enthält 12 Geschichten des leider viel zu früh verstorbenen Ausnahmetalentes Stephen Crane.
Erst im letzten Jahr las ich die Kurzgeschichtensammlung „Die tristen Tage von Coney Island“ mit weiteren Werken von ihm, und war schnell begeistert. Stephen Crane erzählt wie aus dem Leben gegriffen, sehr anschaulich und packend, man erkennt auch manches wieder, auch wenn zwischen den Erzählungen und heute über hundert Jahre liegen.
So konnte ich z. B. gerade in den Geschichten aus kindlicher Perspektive (dazu später mehr) etwas wiederfinden.
Die titelgebende Geschichte „Das Monster“ ist die mit Abstand längste, schon fast ein Kurzroman. Es geht um den dunkelhäutigen Henry Johnson, der bei der Arztfamilie Trescott in Stellung ist. Als ein Brand ausbricht, rettet er Jimmie, dem Sohn des Hauses, das Leben, trägt aber selbst schwere Brandwunden, vor allem im Gesicht davon, und wird fortan von der Bevölkerung als Monster bezeichnet und gemieden, letztlich wirkt sein Dasein sich sogar negativ auf das Renommee seines Dienstherren aus. Mich hat diese Geschichte sehr berührt, aber auch bedrückt.
Die Trescotts, vor allem Jimmie kommen auch in weiteren Geschichten vor, diese werden aus Jimmies Perspektive erzählt, und man hat sofort den Eindruck, dass Crane sich noch gut an seine Kindheit erinnert. Diese Geschichten fand ich am eindrucksvollsten, zuzüglich der ersten „Neue Handschuhe“, die ebenfalls aus Kindersicht, dieses Mal aber aus der eines Jungen namens Horace, erzählt wird, dem verboten wird, seine neuen Handschuhe zu verschmutzen. Meine Lieblingsgeschichte ist aber wohl „Redner in Nöten“, mit der ich mich tatsächlich identifizieren kann, und die davon erzählt, welche Nöte ein Kind ausstehen muss, wenn es in der Schule etwas vortragen muss. „Natürlich war Jimmie nicht klar, dass man an diesem Tag die Weichen gestellt hatte für die unwiderrufliche Unfähigkeit öffentlich vorzutragen, die ihn bis zum Ende seiner Tage begleiten würde. (Pos. 367) – ich fürchte, bei mir ist das auch so ….
Aber auch alle anderen Geschichten haben mich auf ihre jeweils eigene Art berührt, sie alle sind absolut lesenswert. Stephen Cranes Geschichten sind nichts für zwischendurch, dafür sind sie tatsächlich auch zu schade. Man sollte sich Zeit nehmen und aufmerksam lesen, damit sie ihr ganzes Potential entfalten können. Was hätte dieser junge Mann wohl noch geschrieben, hätte er länger leben dürfen? Was für ein Verlust. Aber immerhin hat er ein vielfältiges Werk hinterlassen, ich freue mich darauf, weiteres aus seiner Feder lesen zu können.
Die Geschichten sind alle über hundert Jahre alt, Stephen Crane verstarb bereits im Jahr 1900 im Alter von 28 Jahren. So muss man diese auch im Kontext ihrer Zeit lesen, in den Hinweisen zur Übersetzung wird darauf hingewiesen, dass so originalgetreu wie machbar übersetzt wurde, auch wenn manche Begriffe heute anders besetzt sind: „Die Erhaltung der Begriffe ist notwendig, gerade für ein umfassendes Verständnis des zeitlichen Kontextes, und um der Leserschaft eine eigene Einschätzung der seinerzeit herrschenden Verhältnisse zu ermöglichen“ (Pos. 31). Dies kommt vor allem auch in „Das Monster“ zum Tragen.
Stephen Crane ist ein Ausnahmetalent, dessen Werke man gelesen haben sollte. Er erzählt aus dem Leben gegriffen, anschaulich, eindringlich und berührend. Seine Geschichten wirken lange nach.
Unbedingt empfehlenswert
KoboldKroniken 1. Sie sind unter uns! von Daniel Bleckmann
Dario freut sich auf das Wiedersehen mit seinem besten Freund Lennard nach den Ferien, doch der Lennard, der dann erscheint, hat so gar nichts mit seinem Freund zu tun, was ist nur mit ihm passiert? Als Dario dahinter kommt, fängt das Abenteuer erst an …
Ist das Buch kaputt? Nein, da ist nur ein Teil des vorderen Buchdeckels ausgeschnitten, was absolut absichtlich passiert ist, und schon mal einen kleinen Eindruck davon gibt, was das Buch sonst noch zu bieten hat.
Schon beim Durchblättern fällt auf, dass hier einiges passiert, und es sich nicht „nur“ um einen üblichen Roman handelt, der Text wird laufend mit allerhand Illustierendem unterbrochen – schon da bekommt man (ich auf jeden Fall) Lust sich dem Buch ganz schnell zu widmen.
Es gibt wirklich eine Menge zu sehen, und einige gelungene Ideen zu bestaunen, wie z. B. die Pommes-Ketchup-Zeichnungen. Autor und Illustrator ergänzen sich wunderbar, ich bin begeistert. Thomas Hussung kannte ich schon vorher, seine Zeichnungen haben mir gleich gut gefallen, doch hier toppt er das Ganze noch durch die Vielgestaltigkeit seiner Illustrationen. Es gibt viel zu sehen, so viel zu entdecken, und auch viele kleine „Bonbons“, die nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen Spaß machen können, genauso wie der Humor, vor dem Text und Illustrationen nur so sprühen – am besten, man liest/schaut das Buch gemeinsam (und dann noch einmal jeder für sich).
Die Geschichte an sich ist zudem ziemlich spannend, ein echtes Abenteuer, das natürlich in sich abgeschlossen ist, auch wenn es bereits zusätzliche Geschichten gibt, und auch die Hoffnung auf weitere Abenteuer besteht. Am Ende wird man dieses Buch zufrieden zuklappen können.
Ein Buch, das nicht nur Kindern sondern auch Erwachsenen gefallen kann, ich finde es jedenfalls super, vor allem auch, weil es so viel neben der Geschichte zu entdecken gibt. Autor und Illustrator haben gelungen zusammengearbeitet, die Geschichte ist spannend, macht aber auch viel Spaß, und zwar sowohl Kindern als auch Erwachsenen. Unbedingt empfehlenswert!
Wow
Das Gold der Krähen von Leigh Bardugo
Kaz Brekker und seine Mitstreiter wurden betrogen und Inej sogar entführt. Das kann Kaz nicht auf sich sitzen lassen, neben den Anstrengungen, Inej zu befreien, hat er nun auch Jan van Eck neben Pekka Rollins auf seine Racheliste gesetzt.
Der Roman führt die Geschehnisse aus „Das Lied der Krähen“ fort, und ist von Anfang bis Ende sehr spannend.
Ich staune jedes Mal, wenn offenbart wird, welche Pläne Kaz kreiert. Nicht alle glücken, immer wieder gibt es Rückschläge, und oft genug hat man als Leser:in das Gefühl, das müsse das Ende sein. Ich habe diesen Band nahezu atemlos gelesen!
Wie im Vorgängerband wird aus den Perspektiven der Sechs erzählt, und dieses Mal erhält auch Wylan ausreichend Raum. Es gibt eine ganze Reihe neue Erkenntnisse, die u. a. die Hintergründe der Gruppenmitglieder betreffen, und man lernt auch ein paar neue Charaktere kennen, wie z. B. Jespers Vater, der aus bestimmten Gründen nach Ketterdam gereist ist.
Was mir gut gefällt ist, dass es bei all der Spannung und den nicht immer schönen Dingen, die passieren, auch Humor gibt, immer wieder einmal musste ich schmunzeln (wenn z. B. Alys singt ...), das macht den Roman in meinen Augen authentischer und die Charaktere rund um Kaz sympathischer. Überhaupt könnte ich mittlerweile nicht mehr sagen, wen ich am liebsten mag, ich fühle und zittere mit allen mit, und hoffe, dass es für sie alle gut ausgeht. Nicht nur die bisherigen Sechs, auch z. B. Kuwei Yul-Bo oder auch Jespers Vater, nehmen dabei ihren Teil ein.
Auch die Antagonistenseite ist nicht ohne, und immer wieder gelingt es, Kaz’ Gruppe mehr oder weniger große Steine in den Weg zu legen. Auch hier gibt es Überraschungen und vieles, das nicht vorhersehbar ist. Dass diese Seite aber die Antagnonistenseite ist, ist eindeutig.
Der zweite Teil der Dilogie hat mich von Anfang an gefesselt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen – sehr gerne vergebe ich volle Punktzahl und eine Leseempfehlung für beide Bände.
Neue Erkenntnisse, Enttäuschungen und spannende Szenen
Die letzten Hexen von Berlin - Der finstere Gang von Oliver Skuza
Mercurius hatte zu dem Wasserschemen, das seinen Club verwüstet hatte, eine Verbindung aufgebaut, und eigentlich sollte es längst wieder im Meer sein, doch es scheint immer noch in Berlin zu weilen. Mercurius und Ferat machen sich auf, es zu suchen und ihm, wenn möglich den Weg zum Meer zu ermöglichen.
Folge 2 der Reihe schließt nahtlos an Folge 1 an, und es geht spannend weiter. Über Rückblenden erfährt man zudem weitere Einzelheiten aus Mercurius’ Vergangenheit. Mir hat gut gefallen, dass in diesem Band Ferat eine größere Rolle einnehmen durfte. Da die Hexen zu einem möglichen Portal ins Feenreich auf den Orkneys unterwegs sind, muss Mercurius alleine versuchen, weiteres Unheil zu verhüten, wobei ihn neben Ferat noch ein weiterer Charakter, den man aus dem Vorgängerband kennt, unterstützt – auch das hat mir gut gefallen. Ferat bringt dabei einiges an Humor ins Spiel ("Sie ist unser Monster. Quasi ein Stammgast" (Pos. 552)), neben einem witzigen Running Gag, den ich so nicht erwartet hatte.
Einige Erkenntnisse, Enttäuschungen und spannende Szenen später gibt es dann am Ende einen ziemlich fiesen Cliffhanger, der natürlich zusätzlich Appetit auf Folge 3 macht.
Die zweite Folge der Reihe führt die Geschichte spannend fort. Mir hat gut gefallen, dass Charaktere in den Mittelpunkt gerückt sind, die vorher eher kleinere Nebenrollen hatten. Ich freue mich auf die nächste Folge.
Islandfeeling
Verschwiegen von Eva Björg Ægisdóttir
Polizistin Elma ist nach Jahren in Reykjavik wieder in ihren Heimatort Akranes gezogen, und hat dort auch direkt einen Posten bei der örtlichen Polizei bekommen. Dass sie so bald in einem Todesfall ermitteln müsste, hätte sie allerdings nicht gedacht, und dann stellt sich auch noch heraus, dass die tote Frau, die am Leuchtturm gefunden wurde, nicht nur ermordet wurde, sondern auch in ihrer Kindheit in Akranes gelebt hat.
Ich mag Islandromane, gerade auch von isländischen Autor:innen, sehr, einfach auch wegen der Atmosphäre, die dort oft herrscht. An diesem Roman finde ich schön, dass er einmal nicht in der Hauptstadt spielt, sondern einer anderen isländischen Stadt, die zudem offenbar auch eine Reise wert wäre. Dass Autorin und Protagonistin beide aus dieser Stadt stammen, und z. B. auch das isländische „Du“ beibehalten wurde, macht das Ganze zudem sehr authentisch. Ich fühlte mich beim Lesen schnell, als sei ich selbst mit in Island.
Akranes ist eine kleine Stadt, aber dennoch gibt es dort einige Geheimnisse, so dass viele der Charaktere nicht alles offenbaren, und die Ermittlungen dadurch, und auch durch die naturgemäß engeren Beziehungen in einer Kleinstadt, wo nahezu jeder jeden kennt, beeinflusst werden. Erzählt wird in zwei Zeitebenen, zum einen die aktuellen Ereignisse, zum anderen Rückblenden ins Jahr 1989, die aus Sicht eines Kindes erzählt werden.
Der Fall ist daher nicht einfach zu lösen, als Leser:in ist man den Ermittelnden durch die Rückblenden auch immer etwas voraus, und weiß Dinge, die diese gar nicht kennen können, allerdings wird vieles erst nach und nach klar. Am Ende ist der Fall aber in meinen Augen zufriedenstellend aufgelöst, auch wenn, vor allem für die Polizei, noch Fragen offen bleiben, was aber meiner Meinung nach in der Natur der Sache liegt. Vielleicht wird in den Folgebänden (der Nachfolgeband „Verlogen“ ist für September 2023 bereits angekündigt) manches noch einmal in Gesprächen aufgenommen oder man erfährt, wie es mit manchen Charakteren danach weiterging.
Neben den Rückblenden wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so lernt man manche Charaktere recht gut kennen. Auch über das Leben in Island erfährt man manches.
Gut gefallen haben mir auch die Karten in den inneren Klappen, sie zeigen Island aber auch die nähere Umgebung von Akranes. Während der Lektüre hatte ich auch Lust, mir Akranes im Internet näher anzusehen.
Mir hat das Debüt der Autorin gut gefallen, ich hatte ein gutes Islandfeeling, und konnte mitfühlen. Auch hat der Roman mir Lust auf den nächsten Band gemacht. Wer sich bei skandinavischen Krimis wohlfühlt, könnte Gefallen an diesem Roman finden.
Optisch ein Genuss, inhaltlich lehrreich
Atlas der verborgenen Welten von Emily Hawkins
Auf fast 100 Seiten werden 32 „geheime Orte, vergessene Städte und verschwundene Inseln“ vorgestellt. Untergliedert wird dabei nach Kontinenten, neben einer zweiseitigen Weltkarte zu Beginn des Buches, erhält auch jeder Kontinent eine illustrierte Doppelseite, auf der eine ganze Reihe verschiedener verborgener, verschollener oder mythischer Orte aufgezeichnet sind, im Anschluss daran werden einige davon vorgestellt, jeder auf zwei wunderschön gestalteten Doppelseiten.
In diesem Buch gibt es fiktive (z. B. Schlaraffenland) aber auch einst existierende (z. B. Shi Cheng) Orte zu entdecken, von manchen davon hat man schon öfter gehört (z. B. Atlantis, Eldorado, Camelot, Troja), andere sind zumindest mir gänzlich unbekannt gewesen (z. B. Hy-Brasil). Viele basieren auf Mytholgien verschiedener Kulturen (z. B. Yggdrasil). Zu jedem Ort gibt es eine ganze Reihe Informationen, z. B. wo der Ort liegen könnte/gelegen hat oder über seine Hintergründe. Das ist nicht nur für die Zielgruppe (ab 10 Jahre) informativ, auch Erwachsene können daraus neues Wissen erlangen. Schade nur, dass nicht alle auf den jeweiligen Kontinenten verzeichneten Orte näher betrachtet wrden.
Abgeschlossen wird das Buch mit einem Glossar, in dem man nachschlagen kann, wenn einem ein Wort nicht geläufig ist. - das wird vor allem für die jüngeren Leser:innen wichtig sein.
Ich habe mit viel Vergnügen in diesem Buch gelesen, optisch ein Genuss, hat es mich Neues gelehrt, auch über Bekanntes, aber vor allem neue verschollene Orte entdecken lassen. Gerne empfehle ich es weiter und denke, man wird immer wieder einmal gerne darin blättern.
Hat mich wieder berührt
A. S. Tory und das Spiel mit der Zeit von S. Sagenroth
2020 – Corona beherrscht das Leben, und Sid langweilt sich, er hört kaum etwas von Tory, und das geplante Treffen mit Chiara musste auch ausfallen. Doch, jetzt im Sommer, lockert sich manches, Tory meldet sich, und hat erneut einen Auftrag für Sid und Chiara: In Frankfurt am Main soll der Haushalt einer Villa aufgelöst werden, doch womöglich geht dadurch einiges verloren, so dass die beiden das Anwesen sichten sollen.
Gesagt, getan, und schnell stellt sich heraus, dass es ein Familiengeheimnis geben muss, zwei Männer der Familie sind vor vielen Jahren verschwunden und werden seitdem totgeschwiegen.
Es ist so schön, Sid und Chiara wiederzutreffen, auch, wenn es dieses mal wohl das letzte Mal ist. Sid ist mittlerweile volljährig, während Chiara ihr Abitur gemacht hat. Ihre Reise bleibt dieses Mal in Deutschland, neben Frankfurt geht es nach Leipzig und ins Elbsandsteingebirge. Vor allem bei letzterem hat mir die Beschreibung der Autorin große Lust gemacht, mehr darüber zu erfahren. Apropos Beschreibung, die Geschichte, die die Autorin Sid in Ich-Form erzählen lässt, ist sehr bildhaft geschrieben, was sich nicht nur im Elbsandsteingebirge, sondern z. B. auch bei den Werken Arnes zeigt. Arne ist einer der o. g. Männer, auf dessen Spuren sich die beiden setzen, und von dem wir rückblickend eine Art Tagebuch lesen dürfen.
Wie immer hat sich die Autorin eines wichtigen Themas angenommen, das ich hier aber nicht verraten möchte, da es sich auch im Roman erst nach und nach erschließt. Mir gefällt aber gut, wie an es herangegangen wird, und auch, wie Sid und Chiara damit umgehen. Auch hier gibt es wieder philosophische Betrachtungen, das Thema Zeit spielt ebenfalls eine Rolle.
Wer die Vorgängerromane nicht kennt, erhält zu Beginn des Buches jeweils eine kleine Zusammenfassung. Sicher kann man jeden Roman unabhängig voneinander lesen, schöner ist es aber schon, sie der Reihe nach zu lesen, da man hier dann auch die Entwicklung mitbekommt.
Der Roman passt wieder wunderbar in die Reihe um Tory, Sid und Chiara, nimmt erneut ein wichtiges Thema in den Fokus und behält auch das aktuelle Geschehen im Blick. Mich hat der Roman wieder sehr berührt, und ich wünsche ihm, wie auch den Vorgängern, viele Leser.











