Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Hat mich gut unterhalten
Grünblatt & Silberbart von Tom Flambard
Der Zwerg Colin Silberbart und der Elb Flynn Grünblatt führen zusammen eine Detektei. Die beiden sind sehr unterschiedlich und ihre Fälle trotz der Prämisse „Keine Ehestreitigkeiten. Keine Verlieserkundungen. Keine Drachen“ spannend und einzigartig.
Der Band enthält drei Kurzromane mit drei ebenfalls sehr unterschiedlichen Fällen, wobei der erste davon erzählt, wie die beiden zusammenkommen, hier haben sie noch keine Detektei gegründet, sondern sind durch diverse Umstände in den gleichen Fall involviert, den sie am Ende lösen müssen, um zu überleben.
Auch die beiden weiteren Geschichten sind für beide sehr gefährlich, und können nur durch ihre Fähigkeiten gemeinsam gelöst werden. Lebensgefahr besteht dabei immer, wodurch auch viel Spannung entsteht. Mir hat am besten die dritte Geschichte gefallen, die auch einiges an teils schwarzem Humor mitgebracht hat.
Tom Flambard gelingt es gut, mir beide Protagonisten sympathisch zu machen, so dass ich auch gut mit ihnen mitfiebern kann. Leider sind noch keine weiteren Bände erschienen, ich würde gerne mehr lesen, zumal ein Geheimnis, das sich bereits in der ersten Geschichte ergibt, und mit Katzen zu tun hat, in meinen Augen noch offen ist.
Die Welt kann man sich gut vorstellen, sie wird mit jedem Fall deutlicher, sie ist gut ausgearbeitet, wirkt lebendig und ist im wesentlichen begrenzt auf die Stadt Brae Flammar. Zu Beginn des Bandes findet sich eine Karte.
Mich haben die drei Geschichten der beiden sehr unterschiedlichen Protagonisten gut unterhalten, ich würde gerne mehr von ihnen lesen, und empfehle diesen Band gerne an Fantasyfans weiter.
Setting klasse, Protagonist gewöhnungsbedürftig
Tod in Siebenbürgen von Werrelmann Lioba
Der Investigativjournalist Paul Schwartzmüller wird überraschend Erbe seiner Tante Zinzi. Eigentlich dachte er, dass sie, bei der er in seiner Kindheit die Ferien verbracht hat, schon vor 35 Jahren verstorben sei. Das hatte ihm zumindest sein Vater erzählt, als sie damals Siebenbürgen plötzlich verließen.
Paul reist nach Siebenbürgen, eine Reise in seine Vergangenheit, die viele Erinnerungen weckt. Kurz nach seiner Ankunft begegnet er seinem Kindheitsfreund Sorin, der am nächsten Tag wegen Mordes verhaftet wird. Paul glaubt an seine Unschuld, und versucht, den wahren Mörder zu finden.
Schon der Schauplatz des Romans, Siebenbürgen, auch bekannt als Transsylvanien, hat mich sehr neugierig gemacht, und das mit Recht, denn ich habe sehr viel über diese rumänische Landschaft erfahren, in der sich bereits im Mittelalter Deutsche, die sogenannten Siebenbürger Sachsen, niedergelassen, das Land gegen Eroberer verteidigt, und ihre eigene Kultur bis heute bewahrt haben. Bewahrt wurde bis heute auch der Aberglaube, und so nehmen im Roman Dracula, Strigoi, Nachzehrer und Flüche eine gewisse Rolle ein.
Das Manko des Romans ist leider vor allem sein Protagonist. Ein Investigativjournalist, davon hatte ich mir einiges erwartet, und dann kommt Paul, der so gar nicht kompetent wirkt, vieles nicht durchschaut, und sich nicht mit Ruhm bekleckert – im Gegenteil möchte man sagen. Auch der Fall ist sehr eigen, ich bin nicht sicher, ob ich das Ganze überhaupt Kriminalroman nennen würde, denn man kann auch nicht wirklich von Ermittlungen sprechen. Paul trinkt und isst vor allem, erinnert sich an manches und schlafwandelt. Kommt er in seinen Recherchen voran, dann vor allem wegen anderen, die ihn, meist sehr deutlich, auf die Spur bringen. Die Charakterisierung dieser Anderen bleibt übrigens ziemlich an der Oberfläche, das liegt aber auch daran, dass Paul sie ebenfalls kaum näher kennenlernt.
Dennoch hat der Roman etwas, das mich nicht ungern lesen ließ. Tatsächlich hat die Autorin, die übrigens entgegen meiner Erwartung, nicht selbst aus der Gegend stammt, es geschafft, mich zu packen. Das liegt vor allem, aber eben nicht nur, am Setting, das mir übrigens große Lust machte, die Gegend selbst einmal zu besuchen. Ja, ich könnte mir vorstellen, einen weiteren Band mit Paul zu lesen, und zu schauen, wie er in Deutschland agiert, oder vielleicht nach Siebenbürgen zurückkehrt.
Am Ende wird der Fall natürlich aufgelöst, die Auflösung ist okay.
Dies ist einer der Romane, der es mir schwer macht, ihn zu bewerten. Das Setting ist klasse, keine Frage, der Protagonist gewöhnungsbedürftig und wirkt nicht sehr kompetent, seine Ermittlungen sind kaum vorhanden. Mehr als 3 Sterne kann ich leider nicht vergeben.
Absolut lesenswert
Die spürst du nicht von Daniel Glattauer
Die Binders und die Strobl-Marineks machen Urlaub in der Toskana, auf Wunsch einer der Töchter mit dabei das 14jährige Flüchtlingsmädchen Aayana. Schon bald geschieht etwas Schreckliches …
Der Einstieg in den Roman hat etwas von einem Filmdrehbuch, und auch sonst ist die Erzählweise nicht immer „normal“.
Zwischendurch gibt es z. B. auf Social Media veröffentlichte Pressenachrichten mitsamt einem Teil der dazugehörigen Posts. Vielleicht kann es sich mancher nun schon denken – man muss den Roman, genauso wie Posts auf Social Media, auf seine Art interpretieren. Für mich ist er in weiten Teilen Sarkasmus pur. Daniel Glattauer trifft da, wo es weh tut, und er hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Und auch wenn der Autor und die Charaktere des Romans Österreicher:innen sind, so passt es – leider – auch auf die deutsche Gesellschaft. Bei den Posts z. B. hat man das Gefühl, als wäre man gerade auf Facebook unterwegs. Die Charaktere wirken teilweise schon fast wie Karikaturen. Und mitten drin die somalische Familie, die man nicht spürt, die untergeht im „Leid“ der anderen, obwohl ihr Leid viel größer ist, größer noch, als man zunächst vielleicht denkt.
Mich hat das Ganze schnell gepackt, auch, aber nicht nur wegen der abwechslungsreichen Erzählweise. Man will wissen, wie es weiter-, wie es ausgeht, da bräuchte es noch nicht einmal die Geschehnisse rund um Sophie-Luise, auf deren Wunsch Aayana mitgefahren war, um Spannung aufkommen zu lassen. Wahrscheinlich werde ich auch noch öfter an den Roman denken, über ihn nachdenken müssen.
Für mich war dies der erste Roman des Autors, ich kann ihn daher nicht mit seinen anderen Werken vergleichen, aber, das kann ich sagen, er hat mich neugierig gemacht.
Sehr sarkastisch, die Charaktere zum Teil fast Karikaturen, mit einem ernsten und wichtigen Thema – der Roman hat mich auf verschiedene Arten berührt, wird nachhallen und ist absolut lesenswert.
Packend
The Atlas Six von Olivie Blake
Die Bibliothek von Alexandria und mit ihr unschätzbare Werke wurden vor ungefähr zweitausend Jahren durch einen Brand zerstört – das weiß doch jeder. Aber stimmt das auch? Tatsächlich wurde der Brand und die Zerstörung nur vorgetäuscht, um die Bibliothek zu verbergen und zu schützen. Die alexandrinische Gesellschaft gründete sich, die alle zehn Jahre sechs hoch begabte Medäer mit einzigartigen magischen Fähigkeiten einlädt und ihnen Zugang zu den Werken der Bibliothek anbietet.
Fünf dieser sechs werden nach einem Jahr in die Gesellschaft aufgenommen.
Zu Beginn des Romans sind die zehn Jahre gerade um, und Kurator Atlas Blaekly spricht die Einladung aus, die Auserwählten sind drei Frauen und drei Männer, drei psychisch und drei physisch Magiebegabte, die sich am Ende des Jahres entscheiden müssen, wer von ihnen eliminiert wird. Dass Eliminierung durchaus wörtlich zu verstehen ist, wissen sie zunächst nicht.
Erzählt wird abwechselnd aus Sicht der sechs Auserwählten, die alle ganz unterschiedliche Menschen sind. Vorangebracht wird die Geschichte in erster Linie durch Gedanken, Gefühle und Gespräche, eine durchgehende Handlung gibt es nicht. Sehr interessant finde ich das magische System. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Menschen hat überhaupt Magie in sich, die Elite der magisch Begabten sind die Medäer. Die – sehr komplexe – Magie ist entweder physischer (z. B. Kontrolle der Elemente) oder psychischer (z. B. Gedankenlesen) Natur. Was alles möglich sein könnte, davon erhält man hier wohl nur einen kleinen Ausschnitt, der aber schon sehr interessant wirkt.
Nicht jeder Hauptcharaktere ist sympathisch, gleich der erste, Libby Rhodes, war mir sofort unsympathisch, und das hat sich im Laufe des Romans auch nicht wesentlich geändert. Bei anderen bekam ich schneller Zugang, wie etwa bei Nicolás Ferrer de Varona, vor allem, weil er den Zugang zur Bibliothek auch für einen Freund nutzen möchte bzw. sich Hilfe für diesen erhofft. Dieser Freund, Gideon, ist übrigens kein Mensch. Dass es neben Menschen auch – offenbar – mythische Wesen gibt, spielt hier aber (noch?) eine untergeordnete Rolle, dennoch finde ich es spannend.
Neben den sechs Adepten gibt es wenige weitere Charakter, eine besondere Rolle nimmt natürlich Atlas Blakey ein, sowie Dalton Ellery, selbst früher Adept, der nun so etwas wie die Rolle eines Tutors für die Sechs einnimmt. Und dann gibt es noch jemanden, dessen Perspektive überraschend ganz am Ende kommt.
Mich hat der Roman schnell gepackt, ich fand es sehr interessant zu lesen, wie die Charaktere miteinander umgehen, was sie von anderen halten, wie sich sich immer mehr auf ihre neue Situation einstellen, und wie sie das eine oder andere Geheimnis lüften (oder auch zu verbergen versuchen). Das hat, bis auf wenige Szenen, keine actionhafte, aber eine doch immer vorhandene subtile Spannung. Irgendwann will man dann natürlich unbedingt wissen, gegen wen sich die Gruppe entscheiden wird (ich selbst konnte mich auf keinen Charakter festlegen) bzw. überhaupt auf das Ende.
Nun, eine endgültiges Ende gibt es ja sowieso nicht, denn dies ist erst der erste Band, und dennoch gibt es natürlich ein Ende, und zwar eines, das mich zum größten Teil überrascht hat. Und mich sehr gespannt auf den nächsten Band macht, der schon hier darauf wartet, gelesen zu werden.
Ich bin sehr angenehm überrascht von diesem Roman, der nicht nur einen originellen Erzählstil hat, sondern auch eine originelle Welt, nämlich im Grunde die unsere, die aber ein interessantes Magiesystem bietet. Ich bin sehr gespannt, was die Autorin im nächsten Band (und weiteren?) auf Lager hat.
Punktet mit viel Zeit- und Lokalkolorit
Fräulein vom Amt - Der Tote im Kurhaus von Charlotte Blum
1924, Baden-Baden im Ägyptenfieber. Alma Täuber, das Fräulein vom Amt, hat nicht nur die Gelegenheit, sich die Aufführung der Oper „Aida“ anzusehen, sondern auch, an der anschließenden Premierenfeier, für die ihre Freundin Emmi Wolke die Blumenarrangements zusammengestellt hat, teilzunehmen.
Emmi selbst flirtet auf der Feier eifrig mit dem Tenor, was ihrem Freund August gar nicht gefällt. Als der Tenor tot aufgefunden wird, wird August verhaftet, und Emmi fleht Alma an, erneut zu ermitteln.
Der zweite Band der Reihe spielt etwa zwei Jahre nach dem ersten. Alma ist immer noch Telefonistin, und hat ihre Beziehung zu Ludwig Schiller, der mittlerweile Kriminalkommissar ist, beendet. Nun treffen sie sich wieder, denn Ludwig ist in die Ermittlungen zum Todesfall involviert, und schnell ist klar, dass beiderseits noch Gefühle füreinander da sind. Ob sich am Ende des Romans die Beziehung der beiden erneut geändert hat, verrate ich natürlich nicht. Ich selbst mag Ludwig sehr, und bin gespannt, wo die beiden am Ende der Reihe stehen werden.
Neben Ludwig und Emmi trifft man eine ganze Reihe weiterer Charaktere wieder, die man bereits aus dem Vorgängerband kennt, allen voran Almas Familie und ihre Vermieterin. Auch Emmis Chef ist wieder dabei, und hat sogar eine größere Rolle. Größer ist auch die der Kolleginnen Almas und ihrer Vorgesetzten. Vor allem letztere überrascht.
Natürlich gibt es auch neue Charaktere, mir hat die autofahrende Frau Doktor Hinrichs gut gefallen, aber auch die ägyptische Sängerin Mary Milabran ist interessant.
Der Fall wird am Ende natürlich aufgelöst, aber tatsächlich steht er eher weniger im Mittelpunkt der Geschichte. Dort findet sich neben Almas Privatleben wie schon im Vorgängerband viel Zeit- und Lokalkolorit. Der historische Hintergrund wird, unter anderem, wieder von vielen kleinen Szenen und einigen Namen gebildet, so z. B. die Hutnadelszene und Bess Mesendiecks Frauenturnen. Das trägt gut zur Atmosphäre bei und gefällt mit insgesamt gut. Das Glossar im Anhang vertieft das eine oder andere noch etwas.
Die Auflösung dagegen gefällt mir nur so einigermaßen, sie ist nicht unlogisch, doch der Weg zu ihr ist in meinen Augen aufgesetzt und Almas Verhalten nicht klug. Dafür gibt es leider einen Stern Abzug.
Das Fräulein vom Amt konnte mich im wesentlichen wieder überzeugen, nur die Auflösung des Todesfalls bzw. die Umstände der Auflösung wirkten auf mich aufgesetzt. Punkten kann der Roman wieder mit seinen Charakteren und dem Zeit- und Lokalkolorit, das für zusätzliche Atmosphäre sorgt. Gerne empfehle ich die Reihe weiter und vergebe dieses Mal 4 Sterne.
Ein Touch zu viele Handlungsstränge
Berlin Monster - Ein Dieb kommt selten allein von Kim Rabe
Am 03.10.1989 explodierte in Berlin die Omega-Bombe, die alle Wesen, die bisher nur in der Phantasie der Menschen lebten, manifestierte. Diese Wesen werden Stifs genannt. Manifestiert wurden auch die jeweiligen Artefakte, wie z. B. das Schwert Excalibur.
Im Berliner Pergamon-Museum ist aktuell eine Ausstellung einiger, von Privatleuten geliehener, Artefakte geplant, und Lucy Wayne, die nicht nur Privatdetektivin für Übernatürliches, sondern auch der wahrscheinlich einzige Mensch, der die Omega-Strahlung, die alles Manifestierte ausströmt, spüren kann, ist als Expertin zum Vorabempfang der Sammler geladen.
Sie soll bestätigen, dass die Artefakte echt sind. Die Feier wird von einer Gruppe Stifs, Mitgliedern der Organisation WAAP („we are all people“) gestört, die sich dafür einsetzt, dass die Artefakte den Stifs, ihren wahren Besitzern, übergeben werden.
Zwei der Artefakte, Leihgabe eines erst kürzlich verstorbenen Sammlers, kann Lucy als Fälschung entlarven, die Originale werden wenig später bei Verbrechen eingesetzt. Da einige Indizien auf Lucy hindeuten, ist sie plötzlich eine Verdächtige, und muss möglichst schnell die wahren Täter finden.
Der zweite Band der Reihe kann problemlos auch unabhängig vom ersten gelesen werden, alles, was man wissen muss, erfährt man auch hier. Ihre Mitbewohnerin, die Sirene Lore, ist ausgezogen, und so kann Cosima, die Lucy im Vorgängerband kennenlernte, und die dort eine wichtige Rolle spielte, nun bei ihr einziehen. Cosima gefällt mir gut, und auch hier hat sie wieder eine wichtige Rolle. Lucys anderer Mitbewohner, der iranische Dämon Akaman Div, Aki genannt, gibt sich natürlich auch wieder die Ehre, und macht es Lucy dieses Mal nicht so leicht, sondern weckt ihr Misstrauen. Ich schätze, dass das Rätsel um ihn Thema im nächsten Band sein wird.
Auch Lucys frühere Kollegen der ÜSG9, einer Sondereinheit der Polizei, sind natürlich wieder mit an Bord, sowie eine ganze Reihe Stifs, u. a. Till Eulenspiegel und die Faeriekönigin Maeve, mit der Lucy – leider – einen Deal eingegangen ist. Mir hat besonders gut Inka, Drude und Mitglied der WAAP gefallen, die hoffentlich auch im nächsten Band wieder auftreten wird. Ein paar weitere Menschen gibt es auch, insbesondere die Witwe des Sammlers, dessen Artefakte gestohlen und durch Fälschungen ersetzt wurden, und deren Sohn.
Es geht ziemlich turbulent zu, für mich hat die Geschichte einen Touch zu viele Stränge, da gibt es die gestohlenen Artefakte, die WAAP, die Diebe, die ÜSG9, die Faeriekönigin und die „Problematik“ um Aki, und das alles irgendwie verbunden, es ist gar nicht so leicht, die Übersicht zu wahren. Weniger wäre eventuell mehr gewesen, jedenfalls hatte ich, trotz interessanter Stifs, das Gefühl etwas weniger gut als im Vorgängerband unterhalten zu werden. Ansonsten finde ich die Idee immer noch faszinierend und hoffe auf weitere Bände.
Band 2 der Reihe war für mich ein bisschen zu viel des Guten. Gut gefällt mir immer noch die Idee und die interessanten Stifs, und ich bin gespannt, was mich in – hoffentlich geplanten – weiteren Bänden erwartet. Für dieses Mal vergebe ich „nur“ 4 Sterne, aber auch eine Leseempfehlung für die Reihe.
Was für eine Geschichte!
Fünf Winter von James Kestrel
Ende 1941: Der ehemalige Soldat Joe McGrady arbeitet seit kurzem beim Honolulu Police Department. Sein erster Mordfall hat es direkt in sich, ein junges Paar wird bestialisch ermordet. Als Joe wegen weiterer Ermittlungen nach Hongkong reist, gerät er mitten in den Pazifikkrieg, und sein Leben wird für Jahre auf den Kopf gestellt.
Nach dem Krieg nimmt er den alten Fall wieder auf, denn er hat ein Versprechen gegeben.
Was für eine Geschichte! Anders kann ich das nicht sagen, und im Grunde ist das schon mein Fazit. Von der ersten Seite an hat sie mich gepackt, und bis zum Ende nicht losgelassen. James Kestrel hat einen recht sachlichen Erzählstil, trotzdem, aber vielleicht auch gerade deswegen, hat mich Joes Geschichte, sein Leben, dennoch sehr berührt. Im Grunde passt der Erzählstil zu Joe, denn oft scheint er alles sehr sachlich zu sehen, und tut, was er tun muss – und trotzdem scheinen seine Emotionen immer durch. Und auch mein Kopfkino hat sehr gut funktioniert – ganz großes Kino (eine Verfilmung könnte ich mir gut vorstellen).
Ich mochte Joe von Anfang an, und habe mit ihm mitgefühlt. Im Laufe seiner Geschichte begegnet er einer Reihe Personen, viele sind nur (sehr) kurz Weggefährten, nur wenige davon prägen sich tiefer ein, diese wird man dann aber nicht so schnell vergessen, wie etwa seinen Kollegen und Partner im Mordfall, Fred Ball, der gerne seine Fäuste einsetzt, um Geständnisse zu bekommen, oder Emily Kam und Takahashi Sachi, die beide auf ihre Art betroffen und für Joe wichtig sind.
Der historische Hintergrund war mir nicht in seiner Gänze bekannt, den Angriff auf Pearl Harbor kennt man natürlich, aber z. B. über Hongkongs Schicksal hatte ich bisher kaum etwas auf dem Schirm. Das macht den Roman für mich umso interessanter, denn so habe ich Neues erfahren. Da alles eng mit Joes Schicksal verbunden ist, wird es umso eindringlicher vermittelt. Der Roman erzählt, durchaus auch kritisch, ein Stück Kriegsgeschichte.
Joes Ermittlungen nach dem Krieg sind naturgemäß schwieriger, aber dennoch kann er den einen oder anderen Faden aufnehmen, und nun strebt die Geschichte ihrem endgültigen Höhepunkt zu, bietet noch ein paar Überraschungen – und ein sehr passendes Ende. Selten habe ich einen Roman so zufrieden und gleichzeitig berührt zugeklappt.
Was für eine Geschichte! Sie hat mich von Anfang bis Ende gepackt und berührt, mich Neues gelehrt, mir einen überaus interessanten Protagonisten und sehr viel Spannung beschert, sowie ein gelungenes Ende – ich bin rundum zufrieden und empfehle den Roman unbedingt weiter.
Gelungene Märchenadaption
Schattengold - Ach, wie gut, dass niemand weiß ... von Christian Handel
Die Müllerstochter Farah lebt mit ihrem Vater und Bruder nahe dem Feenland. Ihre Mutter ist schon früh verstorben, seither ist der Vater nicht mehr er selbst, und neigt dazu zu viel zu trinken, worunter die Familie finanziell leidet. Letztlich führt das dazu, dass Farah in Ereignisse verstrickt wird, die sie bald nicht mehr unter Kontrolle hat, und die nicht nur sie in große Gefahr bringen.
„Ach, wie gut, dass niemand weiß ...“, der Untertitel verrät es schon, Christian Handel hat eine Adaption des Märchens „Rumpelstilzchen“ geschrieben. Diese hat er mit der Mythenwelt der Feen verwoben. Herausgekommen ist eine spannende und recht düstere Geschichte, die man kaum aus der Hand legen mag.
Ich mochte Farah von Anfang an, auch, weil sie kein perfekter Charakter ist, sondern auch Fehler macht, sich manchmal nicht anders zu helfen weiß, und sich dann in etwas verstrickt, dessen Konsequenzen sie so nicht erwartet hat. Sie ist aber auch eine sympathische junge Frau, die ihre Familie liebt und alles für diese tut. Der Autor lässt Farah ihre Geschichte selbst erzählen, wodurch man Anteil an ihren Gedanken und Gefühlen hat. Andere Charaktere nimmt man daher nur durch Farahs Blickwinkel wahr, doch sie hat recht tiefgehende Meinungen über diese, so dass man sich ein gutes – subjektiv gefärbtes – Bild machen kann.
Mein Lieblingscharakter ist die alte Kräuterfrau Berit, die bereits Farahs Mutter aufgezogen hat, und später sie und ihren Bruder, wodurch ein besonderes Verhältnis entstanden ist. Berit weiß zudem viel über das Feenvolk, und hat ein Herz für verletzte Tiere. Weniger gut gefallen hat mir Iolanthe, die Königin des Reiches, in dem Farah lebt, vor allem, was sie nach ihrem letzten persönlichen Auftritt in die Wege leitet, erscheint mir etwas überzogen, und in diesem Ausmaß gar nicht nötig.
Die Rumpelstilzchenrolle ist hier ein bisschen anders geartet als im Märchen, der Autor hat einen sehr faszinierenden Charakter kreiert, zu dem man schnell ambivalente Gefühle entwickelt, jedenfalls ging es mir so. Im Laufe der Ereignisse werden nicht nur ihn betreffend einige Geheimnisse aufgedeckt, die das Leben einiger Charaktere mehr oder weniger auf den Kopf stellen werden. Christian Handel ist es gut gelungen, diese nach und nach einfließen zu lassen, sie wirken nie störend oder aufgesetzt. Da man aus Sicht Farahs liest, haben sie zudem immer eine gewisse Brisanz.
Der Roman ist in zwei Teile aufgeteilt, zunächst „Gold“, danach „Schatten“, wobei schon der erste nicht nur gute Zeiten vermittelt, der zweite aber noch einmal deutlich düsterer ist. Erzählt wird sehr atmosphärisch und das Kopfkino hat viel zu tun. Christian Handel hat mit dieser Adaption einige Fragen beantwortet, die ihm, und vielleicht auch anderen, beim Lesen des Märchens in den Sinn kamen, und zwar auf gelungene und nachvollziehbare Art.
Ich mag Märchen und ebenso Märchenadaptionen. „Rumpelstilzchen“ trifft man dabei eher selten, umso schöner, dass es hier eine gelungene und spannende gibt, die ich sehr gerne gelesen habe. Ich habe mitgefühlt und mitgezittert, und mochte den Roman kaum aus der Hand legen. Sehr gerne empfehle ich den Roman an Genrefans und solche, die es werden wollen, und vergebe 4,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.
Naja ...
Schattengold - Ach, wie gut, dass niemand weiß ... von Christian Handel
Zwischen den Menschen und den Xerks gibt es schon lange Krieg. Sain gehört zu einer Gruppe Jäger, die Xerks aufspüren und töten. Eines Tages findet er einen schwer verletzten Xerk, der seine Meinung über diese von den Menschen als Tiere angesehenen Wesen, komplett ändert, ja, es entsteht sogar eine Beziehung zwischen den beiden, die nicht nur Sain und Dejeen, den Xerk, sondern auch beider Gemeinschaften erschüttern.
Nachdem mir Klappentext und Leseprobe gut gefallen habe, habe ich mich auf das Experiment gefreut, einmal außerhalb meines Beuteschemas zu lesen. Dieses ist zwar sehr breit gefächert, aber Dark Romance und (Gay)Erotik gehören eher nicht dazu. Mich hat auch die Thematik, die Beziehung zwischen zwei so grundverschiedenen Charakteren, die zudem stark verfeindeten Gesellschaften angehörten, angesprochen, sowie die phantastischen Elemente, und auch der Kuneli-Verlag ist mir sehr sympathisch.
Leider ist es so, dass sich die Geschichte doch sehr auf die Liebesbeziehung fokussiert. Natürlich erfährt man auch ein bisschen über die Hintergründe, aber eben nur ein bisschen. Gerade die Welt bleibt einem sehr fremd, und auch die beiden Gesellschaften geben mir viele Fragen auf. Wo sind z. B. die Frauen, die Familien, die Kinder? Nur bei den Xerks werden – ganz selten – weibliche Personen erwähnt, alle anderen sind offensichtlich männlich. Das finde ich sehr schade. Sicher wäre am Schluss eine andere Geschichte entstanden, aber bestimmt keine schlechtere. Zu einem guten phantastischen Roman, und ein phantastischer Roman liegt hier eindeutig vor, gehört meiner Meinung nach auch eine gut ausgearbeitete Welt.
Auch die Charaktere lassen etwas zu wünschen übrig. Sain ist zwar der Ich-Erzähler, aber wirklich viel erfahren wir über ihn nicht, auch Dejeen, der mir aber tatsächlich sympathischer erscheint, vielleicht auch, weil er mir weniger naiv vorkommt, bleibt relativ blass. Man erfährt natürlich Sains Gedanken und Gefühle, aber die fand ich eher sachlich, weniger berührend. Anderen Charakteren kommt man wenig nahe, sie spielen aber alle auch nur Nebenrollen.
Durch die Feindschaft der beiden Gemeinschaften und die Unterschiede der beiden Protagonisten erfährt man immerhin in Ansätzen über die beiden Kulturen, jedoch erscheint mir vor allem Sain sehr oft sehr naiv, was die Bedeutung dieser Unterschiede angeht, bzw. hätte er sich schon sehr früh Fragen stellen müssen. Auch Dejeen kann man da den ein oder anderen Vorwurf machen. Wenn man schon jemanden aus einem anderen Kulturkreis kennenlernt, sollte man dann nicht viel mehr darüber wissen wollen, gerade auch, wenn man dann in diesem lebt/leben muss? Dass es große Unterschiede geben muss, sollte doch klar sein? Im Grunde konnte ich von Anfang an diese Beziehung nicht fühlen.
Es gibt einige explizite Sexszenen, auch stark gewaltbehaftete, aber auch entsprechende Triggerwarnungen zu Beginn des Romans, ich kann ihn daher nur für erwachsene Leser:innen empfehlen. Auch, da z. B. keine echte Aufarbeitung dieser gewaltbehafteten Szenen stattfindet, ja, denjenigen noch nicht einmal in seinen späteren sexuellen Aktivitäten beeinträchtigt (und ich spreche hier von nicht sehr viel später). Möglicherweise ist das im Genre üblich, da habe ich keine Erfahrungen.
Das Ende kam überraschend, und auch hier bleiben Fragezeichen. Im Grunde ist es aber passend, zumindest in Bezug auf Sain und Dejeen. Angekündigt ist ja eine Trilogie, in einem Interview mit Lucien Moutier habe ich gelesen, dass die Romance zukünftig noch dunkler werden wird, ich denke, das ist dann nichts mehr für mich. Inwieweit es tatsächlich eine Fortsetzung von diesem Roman werden wird, kann ich mir nicht so recht vorstellen, lesen werde ich weitere Bände wahrscheinlich nicht.
Ich wollte den Roman wirklich mögen, das Setting spricht mich an, und er lässt sich flott lesen, jedoch hätte ich mir mehr Hintergrund gewünscht, über die Welt, die Kulturen, die Charaktere, da bleiben für mich zu viele Fragezeichen. Für Genrefans eventuell empfehlenswert.
Spannende Fantasy voller Überraschungen
Schattengold - Ach, wie gut, dass niemand weiß ... von Christian Handel
Jiana möchte Drachenreiterin werden, doch die Traditionen ihrer Gemeinschaft sehen dafür nur Männer vor. Dennoch schafft Jiana es, am Training für die zukünftigen Drachenreiter teilnehmen zu dürfen, an dessen Ende es ein Drachenei zu finden gilt.
Elias zweifelt an der Beziehung zu seiner Freundin Mara, doch dann landet er mitten in Ereignissen, die dieses Problem unwichtig erscheinen lassen.
Der erste Band der Chroniken der Drachenreiterin lebt von Überraschungen, ja, er startet bereits mit einer großen, die ich, und wahrscheinlich fast jeder, so nicht erwarten würde. Mir hat das gut gefallen, und meine Spannung und Neugier noch erhöht. Auch im späteren Verlauf gelingt es dem Autor mich immer wieder zu überraschen, die Geschichte ist größtenteils nicht nur unvorhersehbar, sondern bietet auch eine ganze Reihe Wow-Effekte.
Matthias Lange ist eine interessante Welt gelungen, die ihre Geheimnisse erst nach und nach aufdeckt, und im ersten Band ganz sicher noch nicht alle offenbart hat. Dennoch hat man schon einen ganz guten Einblick und kann eigene Überlegungen anstellen, wie der weitere Verlauf aussieht – ob die dann zutreffen, muss man abwarten, denn womöglich lauert noch einiges, das man nicht vorhersehen kann. Ich jedenfalls bin schon sehr gespannt.
Auch bei den Charakteren warten Überraschungen. Die Protagonistin Jiana gefällt mir gut, sie weiß, was sie will, und versucht so zu leben, wie sie möchte. Traditionen, die einfach nur das sind, und keinen weiteren Sinn machen, lehnt sie ab, was ihr natürlich nicht nur Freunde einbringt. Meine Einstellung zu Protagonist Elias ändert sich im Laufe des Geschehens, war er mir zunächst nicht sehr sympathisch, wird er das mehr und mehr, er hat allerdings auch mit den meisten Veränderungen zu kämpfen, und bekommt das ganz gut hin, wobei es auch hier noch das eine oder andere Geheimnis zu ergründen gilt. Besonders gut haben mir aber zwei Charaktere gefallen, die wichtig sind, man aber eher zu den Nebencharakteren zählen kann: Zwerg Balduin und die Drachendame Frasla, über die ich hier aber gar nicht mehr schreiben möchte, lasst euch überraschen. Antagonisten gibt es einige, und die haben es auch in sich. Einer, Jorick, gehört zu Jianas Gemeinschaft, und offenbart auch erst nach und nach seine Gesinnung. Eine Antagonistin ist zwar wichtig, spielt hier noch keine größere Rolle, aber das kommt sicher noch in den weiteren Bänden.
Kampfszenen sind sparsam eingesetzt, dann aber gut komponiert, allerdings auch recht blutrünstig, was aber in diese Welt passt, so dass es nicht aufgesetzt wirkt.
Einen Kritikpunkt habe ich am Ende dann doch noch. Gerade zu Beginn erscheint mir der Roman etwas holprig erzählt, im späteren Verlauf ist der Schreibstil dann deutlich geschmeidiger. Die Fehlerquote bleibt leider bis zum Ende relativ hoch, hier sollte noch einmal nachgebessert werden. Meine Begeisterung für den Roman hat das aber nur marginal getrübt, auch wenn es, gerade zu Beginn, meinen Lesefluss hin und wieder gestört hat. Dennoch kostet es den Roman einen halben Stern, so dass ich nur 4,5 Sterne vergeben kann.
In meinen Augen hat dieser Roman alles, was eine gute Fantasygeschichte haben muss, eine spannende Geschichte, interessante Charaktere und eine gut gestaltete Welt. Er ist aber nicht nur spannend und interessant, sondern auch originell und immer wieder überraschend. Ich vergebe, wie bereits erwähnt, 4,5 Sterne, die ich, wo nötig aufrunde, und eine Leseempfehlung für Genrefans.









