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Rezensionen von PMelittaM:

Sehr spannend, aber auch sehr blutig

Market of Monsters von Rebecca Schaeffer

Nitas Mutter jagt Unnatürliche, deren Leichen Nita dann seziert und zerteilt, die einzelnen Teile werden schließlich über das Darknet verkauft. Eines Tages wird Nita entführt, und landet selbst als Kaufobjekt in den einschlägigen Foren.

Dieser Roman hat es in sich, und die Triggerwarnung am Ende hat ihren guten Grund, man muss schon aushalten können, was sich hier so abspielt.

Andererseits hat mancher Thriller in der Beziehung noch einiges mehr zu bieten. Was „Market of Monsters“ aber auch ist: Sehr spannend. Zumindest der erste Band der Trilogie hat mich von Anfang bis Ende gefesselt, und nach dem letzten Satz, der gleichzeitig auch Cliffhanger ist, musste ich direkt den zweiten beginnen, zum Glück ist bereits die gesamte Trilogie veröffentlicht.

Auch die Charaktere muss man aushalten können, keiner, auch nicht die Protagonistin, ist sympathisch, viele sind regelrecht widerlich. Aber, man kommt Nita dennoch auf gewisse Weise näher, und hofft, dass sie das Ganze gut übersteht, und manche ihrer Handlungen sind letztlich nachvollziehbar. Ich habe mich gegen Ende auch gefragt, wie ich in dieser Situation wohl handeln würde. Ein Charakter, von dem man (auch Nita) das am Anfang nicht gedacht hätte, ist mir sogar noch näher als Nita gekommen.

Interessant ist auch das Setting, zunächst befindet man sich in Lima/Peru, später mitten im Regenwald. Auch das Worldbuilding ist gelungen, Übernatürliche gibt es global, aber auch diverse Organisationen, die sich mit ihnen auf verschiedene Weise beschäftigen, zudem gibt es auch ausreichend Background zu verschiedenen Unnatürlichen, und womöglich trifft man in den Folgebänden noch weitere bzw. hört von ihnen .

Ich bin sehr gespannt, was Nita in den weiteren Bänden erleben wird, so ganz kann ich mir noch nicht vorstellen, was in den zwei Folgebänden passieren könnte, obwohl es natürlich schon Material gibt für weiteren Stoff.

Der erste Band der „Market of Monsters“-Trilogie ist vor allem spannend, es gibt aber auch viel Blut und Gewalt. Wer damit klar kommt, erhält einen Pageturner, dessen zwei Folgebände zum Glück schon veröffentlicht sind, so dass man direkt weiterlesen kann.

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Eine eindrucksvolle Persönlichkeit

Josephine Baker und der Tanz des Lebens von Juliana Weinberg

Josephine Baker – der Name ist wohl jedem ein Begriff, und viele denken dabei wahrscheinlich an die halbnackte Tänzerin im Bananenröckchen – Josephine Baker war aber so viel mehr …

Das hat Juliana Weinberg in diesem Band der Reihe „Ikonen ihrer Zeit“ ausdrucksstark zu Papier gebracht. Im Prolog lernen wir die elfjährige Protagonistin kennen, die – in einem armen Schwarzenviertel in St.

Louis lebend – ein Pogrom gegen ihre Familie und Nachbarn erleben muss, bei dem Häuser in Brand gesteckt wurden und viele starben. Josephine und ihre Familie konnten sich gerade noch retten.

Danach wird der Roman in drei Teile aufgeteilt, jeder davon wird, wie auch der Prolog und der Epilog mit einem Zitat von Josephine Baker eingeleitet, das thematisch dazu passt. Im ersten Teil „Die schwarze Venus“, in den Jahren 1925 bis 1936, erleben wir Josephines Karriere vom Revuegirl zum gefeierten Star mit. In den USA hatte Josephine weiterhin wegen ihrer Hautfarbe mit Diskrimierung zu kämpfen, 1925 aber das Glück, dass sie für die Show „Revue Nègre“ in Paris gebucht wurde. Dort spielte ihre Hautfarbe keine Rolle, so dass sie sich in Frankreich schnell heimisch fühlte, und es zu ihrer Wahlheimat machte, dessen Staatsbürgerschaft sie später annahm. Ihr Aufstieg war rasant, und tanzte sie zunächst noch sehr freizügig, wurden ihre Auftritte später seriöser, und ihr Gesang stand im Vordergrund.

Der zweite Teil des Romans „Der heimliche Krieg“ spielt in den Jahren 1939 bis 1944, den Kriegsjahren, in denen sich Josephine stark engagierte, zunächst als Rotkreuzschwester, trat sie wenig später der Resistance bei und hat schließlich auch die Truppen unterhalten. Schon hier trat sie engagiert der Rassentrennung entgegen.

Letzteres wird im dritten Teil „Die Kinder des Regenbogens“, 1945 bis 1963, zu ihrer vorrangigen Aufgabe, nicht nur, dass sie sich stark gegen Rassismus einsetzte und z. B. neben Martin Luther King bei Kundgebungen auftrat, sie versuchte auch zu zeigen, dass Menschen verschiedener Hautfarbe, Religion und Herkunft friedlich miteinander leben können, in dem sie Kinder aus verschiedenen Ländern adoptierte, ihre Regenbogenfamilie.

Juliana Weinberg zeigt die Protagonistin dabei als Mensch, ein Mensch, der seine guten, aber auch seine weniger guten Seiten hat. So ist Josephine oft naiv, schnell aufbrausend, macht oft, was sie will, ohne auf andere zu achten, was sich vor allem im dritten Teil des Romans stark äußert. In ihrer Jugend lebt sie ihr Leben in vollen Zügen, sie, die aus ärmsten Verhältnissen stammt, wirft mit Geld nur so um sich, was in späteren Jahren zu einem Problem wird. Besonders ist sie auch in Bezug auf ihre Haustiere, ein Schwein, eine Schlange, ein Affe, einen Gepard – das ist nur ein Teil ihres Zoos, und mancher Hotelier konnte wahrscheinlich ein eher nicht so gutes Lied davon singen, auch in ihren Garderoben hatte sie immer einige davon bei sich.

Die Autorin erzählt interessant und bildhaft, mein Kopfkino sprang schnell an. Daneben habe ich immer wieder gegoogelt, mir Fotos angeschaut und über die historischen Persönlichkeiten gelesen, die Josephine getroffen hat. Viele sind mir mehr oder weniger bekannt gewesen, jedoch nicht alle. Unbedingt sollte man auch das Nachwort der Autorin lesen.

Josephine Baker war nicht nur die halbnackte Tänzerin im Bananenröckchen, sie war so viel mehr, wurde mit Orden geehrt und erhielt einen Platz im Pariser Pantheon. Sie hat in ihrem Leben, das so hoffnungslos begann, viele berühmte Menschen getroffen und war auch selbst ein großer Star, zudem hat sie sich mutig für einige wichtige Dinge eingesetzt.

Josephine Baker hat ein interessantes und eindrucksvolles Leben gelebt. Juliana Weinberg ist es in diesem Roman gut gelungen, Interesse für Josephine Baker zu wecken, und sie dem/der Leser:in nahezubringen.

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Wieder ein verzwickter Fall für den japanischen Privatdetektiv

Mord auf der Insel Gokumon von Seishi Yokomizo

Japan 1946: Auch Privatdetektiv Kosuke Kindaichi wurde während des Krieges eingezogen und diente bis zu dessen Ende. Er freundete sich in dieser Zeit mit Chimata Kito an, der zwar das Kriegsende erlebte, aber nicht mehr seine Ankunft in der Heimat. Kosuke reist nun auf dessen Bitte zur Insel Gokumon, um Chimatas Familie von dessen Ableben in Kenntnis zu setzen.

Außerdem hatte ihn Chimata mit seinen letzten Worten gebeten, seine Schwestern zu retten, die sterben müssten, wenn er nicht heim käme.

Auf der Insel angekommen, lernt er schnell neben Chimatas Familie auch einige andere Bewohner kennen, und lässt sich, trotz seines „Auftrages“ ein wenig treiben, bis eines Tages ein Mord geschieht.

Der Blumenbar Verlag hat nun nach „Die rätselhaften Honjin-Morde“ einen weiteren Fall des japanischen Privatdetektivs veröffentlicht. Hier wie dort stammen die Opfer aus einer wichtigen, gut betuchten Familie, von der es zudem eine Seitenlinie gibt, mit der man sich nicht unbedingt versteht, und die möglicherweise in den Fall verstrickt ist. Hier hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf. Wie der Titel schon sagt, findet dieser Fall auf einer Insel statt. Einer Insel zudem, die so ihre Eigenheiten hat, offenbar stammen alle Bewohner von Sträflingen und Piraten ab. Man lebt hier vor allem von der Fischerei, und Chimata wäre der Erbe des Fischereigroßunternehmen, bei dem ein großer Teil der Bevölkerung angestellt ist, gewesen.

Wie bereits im oben erwähnten Roman ist auch hier der Fall äußerst verzwickt, doch der Autor liefert einiges, worüber nicht nur Kosuke, sondern auch der/die Leser:in nachdenken kann. Die Lösung am Ende ist zufriedenstellend, wenn auch sehr erschütternd.

Nebenbei lernt man manches über die japanische Lebensweise jener Zeit, im Anhang findet sich zudem ein Glossar, das manches näher erläutert. Auch das Personenregister ist nützlich, vor allem, wenn man Probleme hat, die japanischen Namen zuzuordnen. Wie auch bei den Hojin-Morden gibt es einen übergeordneten Erzähler, doch dessen Erläuterungen nehmen hier einiges weniger an Raum ein, was ich schade finde, da ich die dortige Erzählweise sehr interessant fand. Aber auch hier gibt es eine ganz eigene Atmosphäre, das Japan jener Zeit wird durchaus lebendig.
Seishi Yokomizo (1902 – 1981) war ein in Japan sehr bekannter, erfolgreicher und mehrfach ausgezeichneter Kriminalautor, der insgesamt 77 Bänden mit Kosuke Kindaichi veröffentlicht hat. Blumenbar hat also noch eine reiche Auswahl an Romanen der Reihe, von denen der Verlag hoffentlich noch weitere auf Deutsch veröffentlicht.

Auch „Mord auf der Insel Gokumon“ habe ich gerne gelesen, auch wenn ich „Die rätselhafen Honjin-Morde“ lieber mochte. Es ist aber allemal interessant, (Kriminal)Romane japanischer Autoren zu lesen, und dabei ein Stück (historisches) Japan zu entdecken.

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Lesenswerte Novelle aus dem Drachenreiterin-Universum

Mord auf der Insel Gokumon von Seishi Yokomizo

Inquisitor Orlin wird nach Alberdon zurückgerufen. Ein „brennendes Einhorn“ soll Dörfer in der Umgebung niedergebrannt und viele Bewohner getötet haben. Orlin soll untersuchen, was dahintersteckt, zur Seite gestellt wird ihm die Adeptin Kwill, die kurz vorher noch eingekerkert worden war.

Die Novelle spielt im selben Universum wie die „Chroniken der Drachenreiterin“-Reihe des Autors, deren erster Band bereits erschienen ist, hat aber andere Protagonist:innen.

Bereits der bildreiche und atmosphärische Prolog hat mich in die Geschichte gezogen und mich gespannt auf das weitere Geschehen gemacht.

Trotz der Kürze der Geschichte ist es Matthias Lange gelungen, den Charakteren Profil zu geben, Orlin hatte schnell meine Sympathie, bei Kwill brauchte ich ein bisschen länger. Beide haben ihre Geheimnisse, die sich erst im Laufe der Novelle entschlüsseln. Sehr gefreut habe ich mich, die beiden Charaktere aus dem Prolog im späteren Verlauf wiederzutreffen, vor allem der Zwerg Bernhardt hat es mir angetan – bei Zwergen kann ich wohl schlecht aus meiner Haut …

Die Geschichte hat eine Reihe unerwartete Wendungen bzw. hatte ich zu Beginn eine ganz andere Geschichte erwartet, als ich am Ende bekommen habe. Dass er Überraschungen gut kann, hat der Autor ja schon in „Die Ankunft des Drachen“ gezeigt. Orlin und Kwill treffen auf Kultisten, Syndikats-Zwerge und eine sehr erschreckende Antagonistin, und nicht immer kann man sicher sein, wer überleben wird.

Am Ende kann man das Buch zufrieden zuklappen, und sich auf die nächste Geschichte aus diesem Universum freuen. Ich fände es sehr gut, wenn neben der Drachenreiterin-Reihe auch weitere Novellen erscheinen würden, dieses Universum hat einiges zu bieten.

„Das brennende Einhorn“ ist eine spannende und atmosphärische Novelle aus dem Drachenreiterin-Universum und macht Lust auf mehr.

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Süffiger historischer Kriminalroman

Feuer der Vergeltung von Christopher J. Sansom

London, 1540: Ein ehemaliger Mandant bittet Matthew Shardlake um Hilfe: Seiner Nichte wird der Prozess gemacht, weil sie angeblich ihren Cousin getötet hat, Joseph Wentworth ist sich sicher, dass Elizabeth unschuldig ist, Elizabeth aber will nicht sprechen. Thomas Cromwell verhilft Matthew zu einem Zeitaufschub, verlangt dafür von ihm aber auch einen Gefallen.

Der zweite Band um einen Anwalt zur Zeit König Heinrichs VIII ist ein praller Historienroman, in dem nicht nur das damalige London, sondern auch die Charaktere, darunter einige historische Persönlichkeiten, lebendig werden. Mein Kopfkino hatte viel zu tun, der Autor schreibt sehr bildhaft, und nicht nur das, auch Gerüche und Geräusche kann man sich gut vorstellen.

Matthew Shardlake habe ich schnell liebgewonnen, er strebt nicht, wie viele seiner Berufs- und Zeitgenossen, nach Ruhm, Macht und Geld, sondern ihm sind vor allem seine Mandanten wichtig, für sie setzt er sich ein, egal ob sie arm oder reich sind. Der Autor lässt ihn in Ich-Form erzählen, so dass man seine Gedanken und Emotionen hautnah miterlebt. Ein körperliches Gebrechen macht ihm zu schaffen, doch er steht trotzdem seinen Mann, mit dem Apotheker Guy hat er zudem jemanden, der seiner Gesundheit gut tut.

Ihm zur Seite steht Jack Barak, der im Dienste Cromwells steht und Matthew unterstützen soll, bei beiden Fällen, wohlgemerkt. Die Beziehung zwischen den beiden, zunächst distanziert, entwickelt sich mehr und mehr, es ist schön, dies zu verfolgen.

1540, wer sich ein bisschen mit der englischen Geschichte auskennt, weiß vielleicht auch etwas über Cromwells Schicksal. Ich war sehr gespannt, ob und wenn ja, wie dies in die Geschichte einfließt. Dass Cromwells Stern am Sinken ist, ist von Anfang an Thema, und alles weitere sollte man selbst lesen. Neben Cromwell spielt Richard Rich eine größere Rolle wie auch Thomas Howard, der Onkel Katherine Howards, Heinrich VIII fünfter Ehefrau. Zu Beginn des Romans ist der König noch mit Anna von Kleve verheiratet. Der historische Hintergrund, man ahnt es, spielt eine große Rolle und ist gut eingebaut. Interessant fand ich u. a. die Ausführungen zum Rechtsystem. Im Anhang gibt es einige historische Anmerkungen C. J. Sansoms.

Wie es zu der Zeit „üblich“ war, gibt es auch im Roman Intrigen, man muss Heinrichs Launen fürchten, und manch einer überlebt auch nicht – auch Matthew und Barak kommen mehr als einmal in große Gefahr. Das gibt dem Roman immer wieder spannende Momente, und auch die Frage, ob es Matthew gelingt, wenigstens eine seiner Aufgaben zu erfüllen, ist spannend, zudem es auch immer wieder unvorhersehbare Wendungen gibt. Als Leser:in kann man auch miträtseln.

Was soll ich sagen, dies ist ein historischer Roman, wie ich ihn mag, gut recherchiert, süffig, spannend, mit packenden Fällen, interessanten Charakteren und einem liebenswerten Protagonisten. Genrefans sollten zugreifen – und ich freue mich darauf, noch weitere Romane der Reihe lesen zu können.

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Eine Zukunftsvision?

Draußen von Mary Stormhouse

Die Menschen leben in virtuellen Welten von einer KI bewacht, die die Menschen für ihre Göttin halten. Eines Tages, Nalani hat sich gerade ausgeloggt, um sich ihren Lebensbedürfnissen zu widmen, fällt ein junger Mann, Caiden, in ihren Cubus und hastet schnell weiter. Ohne zu überlegen, folgt ihm Nalani - und ist plötzlich „draußen“.

Und draußen gibt es tatsächlich auch Leben, sogar menschliches.

Mary Stormhouse zeigt uns hier eine mögliche Zukunftsvision. Das ist schon ein bisschen erschreckend und Augen öffnend, gerade heutzutage, doch, der Roman würde nicht als Solarpunk veröffentlicht, wenn er nicht auch ein Stück Hoffnung mitbrächte – und damit einiges zum Nachdenken.

Erzählt wird aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern bildhaft und spannend, bereits der Prolog hat mich sehr angesprochen. Man liest sich schnell ein, und ist gespannt, was Nalani erwartet, und wie es weitergehen wird. Nach und nach lernt man zusammen mit ihr verschiedene Menschen kennen, die zum Teil ganz unterschiedlich leben, ein Teil der Menschheit hat hier draußen seine Nischen gefunden, vielleicht auch finden müssen.

Es brauchte ein bisschen, bis ich Nalani mochte, bei Caiden ging es schneller, ebenso bei einigen der Menschen draußen. Die relative Kürze des Romans lässt keine sehr tiefgehenden Charakterzeichnungen zu, aber die Charaktere, die mehr im Mittelpunkt stehen, haben alle ihre besonderen Wesenszüge und prägen sich ein.

Zwischen dem aktuellen Geschehen gibt es immer wieder Texte in kursiv zu lesen, aus denen man nach und nach erfährt, was vorher passiert ist, wie es dazu kam, dass die Welt nun so ist. Das ist gut gemacht, man erfährt immer nur das, was gerade nötig ist, erst gegen Ende wird das Komplette offenbart – das stark auf unserer Welt aufbaut, und dadurch ziemlich realistisch wirkt.

„Draußen“ ist ein interessanter Roman, der eine mögliche dystopische Zukunft offenbart, aber auch Hoffnung lässt. Sehr gerne empfehle ich ihn uneingeschränkt weiter.

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Berührte und packte mich

The Rules of Magic. Eine zauberhafte Familie von Alice Hoffman

Die Familie Owens besteht aus Hexen. Susanna Owens hat sich allerdings von ihrer Familie losgesagt, und lebt mit ihrem Mann und den Kindern Frances, Franny genannt, Bridget, Jet genannt, und Vincent in New York, weitab vom Rest der Familie. Der Tradition, dass eine Owens, wenn sie 17 ist, den Sommer bei Tante Isabelle verbringt, beugt sie sich dennoch.

Frances, Jet und Vincent sind unzertrennlich, und so kommt es, dass alle drei zusammen nach Massachusetts reisen, als die Älteste von ihnen 17 wird. Hier erfahren sie nun auch mehr über ihren magischen Hintergrund – und über den Fluch, der auf der Familie liegen soll.

Vor Jahren war ich eine Zeit lang fast süchtig nach Romanen Alice Hoffmanns, bis diese irgendwann wieder von anderen überlagert wurden, und erst jetzt habe ich wieder zu einem Roman der Autorin gegriffen. Und Alice Hoffmanns „Zauber“ hat mich direkt wieder erreicht. Für mich ist ihr Schreib- und Erzählstil etwas besonderes, er packt und berührt mich sehr schnell, zieht mich mitten hinein in das Leben der Protagonist:innen, ich fühle mich schnell mittendrin – und kann mich am Ende nur schwer lösen.

Erzählt wird das Leben der drei Geschwister über mehrere Jahrzehnte, wobei immer wieder die Perspektive gewechselt wird. So lernt man Franny, Jet und Vincent sowie ihre Gedanken und Emotionen gut kennen –und trotzdem sind sie mir nicht so nahe gekommen, wie ich mir das gewünscht hätte, am ehesten ist das noch Vincent gelungen – anscheinend hat sein besonderes Charisma auch bei mir gewirkt – Franny und Jet blieben mir dagegen seltsam fremd. Und das, obwohl mich ihrer aller Geschichte sehr berührt hat. Beim Lesen war mir das immer bewusst, hat aber meine Lesefreude kaum geschmälert. Vincent ist übrigens eine Ausnahme, üblicherweise bekommen Owens-Frauen nur weibliche Kinder, magische Fähigkeiten hat er aber trotzdem bekommen.

„Rules of Magic“ ist ein im Original 2017 erschienenes Prequel zu „Practical Magic“, das bereits 1995 erschienen ist und 1998 mit Sandra Bullock und Nicole Kidman verfilmt wurde. Am Ende von „Rules of Magic“ lernt man die beiden Protagonistinnen aus „Practical Magic“ kennen, sie sind hier noch Kinder. Fischer Tor hat „Practical Magic“ 2022 übrigens neu herausgebracht.

Meine Wiederbegegnung mir Alice Hoffmann ist gut verlaufen, und hat mir erneut Lust gemacht, ihre anderen Werke zu lesen. Ich kann „Rules of Magic“ empfehlen, vor allem jenen, die sowohl Familiengeschichten als auch ein bisschen Magie in ihrer Lektüre mögen, hier gibt es noch einen Touch amerikanische Geschichte obendrauf. Von mir gibt es 4,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.

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Spannendes Wiedersehen mit geliebten Charakteren

Outlander - Das Schwärmen von tausend Bienen von Diana Gabaldon

1779 sind Brianna, Roger und die Kinder zurück in Frasers Ridge, wo man gedacht hatte, sie nie wiederzusehen – um so größer ist die Freude. Claires und Jamies neues Haus wächst zunehmend und auch das Gemeindehaus kann bald seinen Dienst aufnehmen, sonntags teilen die verschiedenen Glaubensgemeinschaften es sich, wobei es zum Zusammenhalt der Bewohner dient, dass man, wenn man schon einmal da ist, und ja sonst nichts Interessantes zu tun hat, man sich direkt alle Gottesdienste zu Gemüte führt.

Doch noch ist der Krieg nicht zu Ende, und die Einwohner von Frasers Ridge sind teilweise Rebellen und teilweise Royalisten. Vor allem der neu hinzugezogene Kapitän Cunningham ist königstreu durch und durch, und im Laufe des Romans wird es auch hier zu Problemen kommen.

Auf einen Brief John Greys hin, reisen Roger, Brianna und ihre Kinder nach Savannah, nicht ohne einen Zwischenstop in Charles Town, wo sie Germain bei Marsali und Fergus abliefern. In Savannah trifft Brianna auch ihren Halbbruder William, der sich nach erfolgloser Suche nach seinem Cousin Ben vorübergehend hier aufhält. Gleichzeitig erfüllt Brianna einen brisanten Auftrag ihres Vaters.

Auch Ian ist mit Frau, Mutter und Sohn unterwegs. Sie reisen nach New York, da Ian nach seiner ersten Frau, der Mohawk Emily sehen möchte.

Es ist für mich immer wieder ein Nachhausekommen, wenn ich einen neuen Band der Reihe aufschlage. Dieser ist bereits der neunte Band. Ich bin der Familie Jamie Frasers inzwischen sehr verbunden, vor allem in den Büchern. Ich schaue auch die Serie, kann mich dort aber nicht für jede:n Schauspieler:in erwärmen. Zum Glück sehe ich diese beim Lesen größtenteils nicht vor mir, sondern für mich passendere Gesichter. Der einzige, der sich komplett durchgesetzt hat, ist der John-Grey-Darsteller David Berry, der für mich perfekt passt.

Doch zurück zum Roman. Wie immer erzählt Diana Gabaldon sehr ausführlich. Wir sind dadurch wirklich mitten im Leben der Charaktere, und durch den bildhaften Erzählstil springt das Kopfkino sofort an. Ich mag es auch, wenn z. B. Claire, die als einzige in Ich-Form erzählt, ausführlich über Krankheiten und mögliche Heilungsformen referiert, auch wenn es manchmal blutig und/oder eklig wird. Die Bücher sind dick, aber haben für mich keinerlei Längen, zumal viel Historisches integriert ist.

Natürlich gibt es neben Claire wieder eine ganze Reihe anderer Perspektiven, Jamie, Roger, Brianna, Ian, Rachel, John, William – alle sind vertreten, und so erhält man umfassende Einblicke, da die Perspektiven auch oft ineinander übergehen. Es passiert wieder sehr viel, und oft ist es richtig spannend, manche:r gerät in Lebensgefahr, es gibt Tote und neues Leben. Und mancher Charakter taucht auf, mit dem man nicht (mehr) gerechnet hätte. Und auch die Bienen aus dem Titel spielen natürlich eine Rolle.

Am Ende gibt es einen Cliffhanger, und ich hoffe, es dauert nicht mehr allzu lange, bis Band 10 erscheint. Auch die Anmerkungen der Autorin im Anhang sind lesenswert.

Band 9 der Reihe hat mich, wie schon die Vorgängerbände, wieder sofort abgeholt. Mir wird bei dieser Familiengeschichte einfach nie langweilig, und ich könnte immer weiter lesen. Wer die Familie um Claire und Jamie mag, und die bisherigen Bände kennt, macht auch hier nichts falsch. Alle anderen sollten besser mit Band 1 starten.

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Mystisch, poetisch und berührend

Als wir Vögel waren von Ayanna Lloyd Banwo

Darwin ist ein Rastafari, daher muss er sich von Toten fernhalten. Seine einzige Chance auf einen Job ist allerdings die des Totengräbers, und so trennt er sich von Dreads, Bart und Mütze und nimmt den Job an.

Yejide stammt aus einer Familie mit einem mythologischen Hintergrund. Die Frauen der Familie haben eine besondere Beziehung zu Toten, und nach dem Tod ihrer Mutter, ist es nun an ihr, deren Platz einzunehmen.

Die Autorin ist selbst auf Trinidad geboren, der Roman wurde im Original in trinidad-kreolischem Englisch verfasst, auch das Titelbild weist nicht nur mit seinen Farben auf die Karibik hin, sondern macht auch Lust, nach dem Buch zu greifen. Der Autorin gelingt es gut, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, sie einen sehr bildreichen, manchmal fast poetischen Sprachstil und erzählt abwechselnd aus Darwins und Yejides Perspektive.

Darwins Szenen sind dabei leichter zu lesen. Ich empfehle jenen, die sich nicht mit Rastafari auskennen, sich zu diesem Thema ein bisschen zu belesen, Darwin ist dann leichter zu verstehen. Mir kam er schnell nahe, und ich mochte ihn schon nach wenigen Seiten. Er hat es nicht leicht auf dem Friedhof, aber nicht nur wegen seines kulturellen/religiösen Hintergrundes, auch seine Kollegen machen es ihm nicht immer leicht, und erst nach und nach erkennt man, dass hinter ihnen mehr steckt, als zunächst gedacht, und es wird noch richtig spannend.

Bei Yejide ist es schwieriger, ihre Szenen sind voller Mystik (hier erklärt sich dann auch der Titel), und als Leser:in versteht man nicht immer die Hintergründe, vieles kann man deuten und erahnen, aber bis zum Ende bleibt manches unklar. Ich hätte mir hierzu ein erklärendes Nachwort gewünscht, zumal ich auch nichts ergoogeln konnte. Handelt es sich hier um eine tatsächliche karibische Mythologie oder ist es eine fiktive, von der Autorin erdachte? Für mich wird das leider nicht klar. Und mit Yejide geht es mir teilweise ähnlich, ich kann sie nicht ganz greifen, komme ihr nicht so nahe wie Darwin.

Im Laufe des Romans treffen Darwin und Yejide aufeinander, und schon das erste, noch nicht körperliche, Zusammentreffen zeigt, dass es eine besondere Verbindung zwischen ihnen geben muss. Als sie sich dann tatsächlich treffen, wird das in kurzen Abschnitten aus ihren abwechselnden Perspektiven beschrieben, was ich erzählerisch sehr gelungen finde. Sprachlich und erzählerisch ist der Roman überhaupt sehr gelungen.

Neben den beiden Hauptcharakteren gibt es relativ wenige weitere Personen. Ich könnte nicht bei jedem Namen eine konkrete Charakterisierung liefern, doch einige sind wichtiger als andere, und diese finde ich gut gezeichnet, so dass ich mir ein deutliches Bild von ihnen machen konnte. Auch die Orte kommen gut zur Geltung, was dem bildhaften Erzählstil geschuldet ist, vor allem den Friedhof, auf dem Darwin arbeitet, kann man sich gut vorstellen.

„Als wir Vögel waren“ ist kein Roman für zwischendurch, man muss ihm Aufmerksamkeit schenken und offen sein für seine Mystik.

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Lesenswerter Roman mit einer guten Botschaft

In all seinen Farben von George Lester

Robins Leben läuft gerade nicht so gut, sein Wunschtraum hat sich nicht erfüllt und die Beziehung zu seinem Freund Connor ist schwierig. Connor hat sich, im Gegensatz zu Robin, noch nicht geoutet, im Gegenteil, sein Freundeskreis ist homophob, und hat es vor allem auf Robin abgesehen.

Als seine besten Freunde Natalie und Greg Robin an seinem 18.

Geburtstag zu einer Dragshow einladen, ist das für ihn eine Offenbarung, er weiß nun, was er möchte und hat wieder eine Vorstellung von seiner Zukunft. Doch ganz so einfach macht es ihm sein Umfeld dann doch nicht.

Ich bin ein großer Drag-Fan, und so habe ich mich gefreut, einmal einen Roman zu lesen, der in diesem Umfeld spielt. Der Autor ist selbst Drag-Queen, der Roman somit auf gewisse Weise autobiographisch, wie man auch in Interviews lesen kann.

Mich haben vor allem die Szenen im Club unterhalten und berührt. Die verschiedenen, größtenteils fiktiven, Drag-Künstler im Roman haben mir gut gefallen. Auch Robin selbst mochte ich sehr gerne, ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen, auch wenn seine Lebenswelt meiner doch sehr wenig gleicht. Der Autor hat ihn mir sehr nahegebracht und ihn lebendig werden lassen. Robin hat das Glück, einige gute Freunde und weitere Menschen zu haben, die ihm zur Seite stehen, und ihn so akzeptieren, wie er ist. Gern mochte ich auch Seth, einen neuen Schüler an Robins Schule, der seine eigenen Probleme mitbringt, aber auch eine Unterstützung für Robin sein kann.

Es gibt aber auch Szenen, die mich gestört, zum Teil auch geärgert haben, und das nicht nur, wenn Connor und seine Freunde aufgetauchen. Auch seine Vertrauenspersonen verändern sich im späteren Verlauf in meinen Augen negativ. Ich kann nicht nachvollziehen, warum auch sie Robin Steine in den Weg legen müssen bzw. ihm gegenüber weniger verständnisvoll auftreten. Für mich ist das tatsächlich ein Charakterbruch. Sicher hat auch Robin Fehler gemacht, aber das Verhalten dieser wichtigsten Menschen in seinem Leben erscheint mir hier sehr übertrieben. Womöglich sollte das Dramatik erzeugen, ist aber gar nicht nötig, Probleme gibt es ja sonst auch schon genug.

In meinen Augen hat es dem Roman nicht gut getan, aber auch nur wenig geschadet, denn er ist weiterhin lesenswert, und seine Botschaft von Selbstfindung, Akzeptanz und Toleranz bleibt bestehen – in diesem Zusammenhang finde ich auch den deutschen Titel sehr passend gewählt.

„In all seinen Farben“ ist ein Roman, dem ich viele Leser:innen wünsche. Hier wird die Lebenswelt einer queeren Person auf einfühlsame Weise dargestellt, aber auch Nöte und Ängste nicht ausgespart. Und man erhält einen guten Einblick in die Drag-Kunst.

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