Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Unglaublich gut
Die Meerjungfrau von Black Conch von Monique Roffey
1976: Der junge Fischer David Baptiste lebt auf der kleinen karibischen Insel Black Conch, und entdeckt eines Tages auf See eine Meerjungfrau. Einige Zeit später wird diese im Rahmen eines Angelwettbewerbs von zwei Texanern aus dem Meer geholt, und mehr als Tier als als Mensch gesehen, gequält, und mit der anderen Beute auf dem Pier kopfüber aufgehängt.
David rettet sie in der Nacht, um sie am nächsten Tag wieder ins Meer zu entlassen, doch dann verwandelt sie sich, und Davids Leben wird auf den Kopf gestellt.
Die Autorin stammt selbst aus der Karibik, und erzählt ihre Geschichte der Gegend angepasst im karibischen Slang, genug, um es authentisch zu machen, aber nicht so viel, dass es das Lesen erschwert. Es gibt drei Erzählebenen: Ein Erzähler, Davids Tagebuch, das er vierzig Jahre später rückblickend führt, und Gedanken der Meerjungfrau. Letztere sind zusätzlich in Vers- aber nicht in Reimform verfasst. Ich brauchte kurz, mich in die Erzählung einzufinden, doch nicht lange, dann hatte ich mich eingelesen.
Das Geschehen verläuft anders als gedacht, und auch die Meerjungfrau ist nicht das, was ich erwartet hatte, aber ich mag es, wenn ich überrascht werde. Monique Roffey hat ein interessantes Figurenensemble erstellt, neben der Meerjungfrau ist da vor allem David, der seine Gefühle für sie im Zaum halten muss, aber auch viel lernt. Arcadia Rain stammt von anglikanischen Geistlichen ab, sie lebt mit ihrem Sohn Reggie im Herrenhaus, und ihr gehört fast die ganze Insel. Daneben gibt es eine ganze Reihe Insulaner, alle irgendwie miteinander verwandt, und die beiden Texaner, die sich ihren Fang natürlich nicht so einfach entreißen lassen wollen.
Die Geschichte der Meerjungfrau basiert u a. auf einer tatsächlichen Legende der indigenen karibischen Völker, daneben fließt auch einiges an karibischem historischem Background mit ein, z. B. auch in Form des Charakters Arcadia Rain. Ich wurde einmal wieder inspiriert, mehr darüber erfahren zu wollen.
Für mich hat die Geschichte einen starken Sog entwickelt, mich hat sie, nicht nur in Bezug auf die Meerjungfrau, berührt, und mich stellenweise fast atemlos lesen lassen, z. B., als die Meerjungfrau am Haken hing und sich ein wilder Kampf zwischen ihr und den Anglern entspann. Am Ende brauchte ich Zeit, um alles einordnen zu können, gerne hätte ich einige der Charaktere in ihrem späteren Leben noch einmal wiedergetroffen, vor allem Reggie, so musste ich mir eben selbst Gedanken darüber machen. Das Ende war für mich, wie die ganze Geschichte, unerwartet.
„Die Meerjungfrau von Black Conch“ ist eine besondere Geschichte, auf die man sich einlassen muss, und die vielleicht nicht immer leicht zu lesen ist, über die man nachdenken kann/muss, und die einen auch nach Beendigung der Lektüre noch in ihren Klauen hält – aber sie ist es absolut wert, gelesen zu werden.
Unbedingt lesenswert
Miss Kim weiß Bescheid von Nam-joo Cho
Cho Nam-Joo erzählt in acht Kurzgeschichten von Frauen aus Südkorea, die mit vielfältigen gesellschaftlich-sozialen Problemen zu kämpfen haben.
Fast alle Protagonistinnen erzählen ihre Geschichten selbst in Ich-Form, wobei sie alle sehr unterschiedlich sind, da gibt es Töchter, Mütter und Großmütter, ledige, verheiratete und verwitwete Frauen, Schülerinnen und Berufstätige, alle Altersgruppen sind vertreten.
Die Erzählungen gehen oft weit in die Vergangenheit zurück, ganze Lebensläufe erfährt man da, und oft haben die Frauen immer wieder mit ähnlichen Problemen, oft, aber nicht nur, durch sie bestimmende Männer bedingt, zu kämpfen. Da gibt es die Schriftstellerin, die bekannt nun mit Hass im Internet zu kämpfen hat (was womöglich sogar autobiografisch ist), die Angestellte, schlecht bezahlt, die dennoch den Laden wuppt oder die junge Frau, die ihrem bisherigen Freund erklärt, warum sie seinen Heiratsantrag nicht annehmen will. Besonders gut gefallen hat mir die erste Erzählung, die Erzählerin besucht ihre Schwester im Pflegeheim und erinnert sich an ihre (gemeinsame) Vergangenheit. Etwas aus der Reihe fällt die letzte Erzählung, sie ist nicht in Ich-Form, und erzählt von einer Schülerin, noch ein Kind, und ihrer ersten Liebe, die durch die Corona-Pandemie auf eine Belastungsprobe gestellt wird.
Alle Geschichten sind typische koreanische Lebensläufe, die Probleme, vor die die Protagonistinnen gestellt werden, sind aber teilweise sehr global. Sexuelle Belästigung, Schlechterstellung im Beruf, familiäre Belastungen usw. treffen viele Frauen auf der ganzen Welt. Cho Nam-Joo gilt nicht umsonst als feministische Schriftstellerin.
Die Erzählweise, gerade durch die Ich-Form, ist sehr eingängig und berührend. Auch wenn ich mich nicht mit jeder Protagonistin identifizieren konnte, so habe ich doch die jeweiligen Gedanken, Emotionen und Intentionen verstehen können.
Eine Anthologie über Frauen, die immer wieder an Grenzen stoßen und/oder ausgebremst werden, ihr Leben aber dennoch meistern können – unbedingt lesenswert.
Die Geschichte geht spannend weiter
Millenia Magika - Das Vermächtnis der Raben von Zapf
Nach den Ereignissen im Vorgängerband fällt es Adrians Großtante immer schwerer, den Schleier über Arken aufrechtzuerhalten. Jazz versucht alles, um ihr zu helfen, und reist nach Frankfurt, um andere Hexen zu finden, während sich ein alter Feind nach Arken aufmacht.
Die Geschichte ist wieder sehr düster, nicht nur, dass Themen wie Mobbing, Verluste und Einsamkeit eine Rolle spielen, auch die Gegner haben es in sich.
Adrian und seine Freunde werden vor einige Entscheidungen gestellt, und es gibt manche überraschende Erkenntnisse.
Schauplatz ist dieses Mal nicht nur Arken, sondern auch Frankfurt, eine Stadt gänzlich ohne Magie, in der Jazz dennoch Antworten erwartet. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, hauptsächlich aus den Adrians, Jazz’ und Merles, die hier eine größere Rolle einnimmt. Der Epilog fungiert als Cliffhanger und macht mehr als gespannt auf den finalen Band der Trilogie.
Wie schon im Vorgänger hat der Autor selbst eine ganze Reihe Illustrationen beigesteuert, die das Geschehen mit veranschaulichen, und die mir gut gefallen.
Band 2 der Trilogie führt die Geschichte konsequent und spannend weiter, bietet neue Erkenntnisse und macht gespannt auf den Abschlussband. Jugendliche Leser, die düsterere Fantasygeschichten nicht scheuen und schon ein bisschen fantasyerfahren sind, können auch hier zugreifen, sollten aber unbedingt mit dem ersten Band starten.
Sehr lesenswerte Anthologie
Sternenglut - Reisen ins Grenzenlose von Szosha Kramer; Katharina Maier; Aybiline I. Dahlson; O. E. Wendt; Matilda Best; R. M. Amerein; Alexander Lenz; Mary Stormhouse
Die zweite Band der Sternenglut-Anthologiereihe enthält acht Geschichten. Die sieben Autor:innen des ersten Bandes sind wieder alle beteiligt, neu dazu gekommen ist Mary Stormhouse. Alle Geschichten stammen aus dem Science-Fiction-Genre, manche greifen Geschichten wieder auf, die bereits im ersten Band erzählt wurden, andere sind alleinstehende Erzählungen, manch eine macht Lust auf weitere Geschichten aus den entsprechenden Universen.
Ich persönlich finde diesen Band besser als den ersten, der auch schon lesenswert war, aber hier übertroffen wird. Schon die erste Geschichte, R. M. Amereins „Sternenschutzprogramm“ überzeugt sofort, eine schöne Idee wird gelungen erzählt, und macht Lust auf mehr.
Auch die letzte Geschichte, Mary Stormhouses „Vergessen im Staub der Sterne“ hat mich sofort gefesselt und am liebsten hätte ich auch hiervon direkt mehr gelesen. Ein Roman dazu ist auch angekündigt, ich hoffe auf baldiges Erscheinen.
Von den sechs Geschichten dazwischen haben mich zwei weniger überzeugt, die anderen vier dafür umso mehr, so dass ich das Buch zufrieden beendet habe. Das Spektrum ist breit, die Phantasie der Autor:innen groß, die Erzählungen sind spannend, berührend, interessant und unterhalten gut.
Eine Anthologie lohnt sich nicht nur wegen der Geschichten, sondern auch, um neue Autor:innen kennen zu lernen, und so haben auch mich einige Geschichten so angesprochen, dass ich mir den einen oder anderen Roman gegönnt habe.
Die zweite Sternenglut-Anthologie hat mir sehr gut gefallen und mehr als einmal Lust auf weitere Geschichten gemacht, sehr gerne empfehle ich sie daher weiter.
Anthologie mit größtenteils lesenswerten Geschichten
Sternenglut - Galaxie der Abenteuer von Szosha Kramer; Katharina Maier; Aybiline I. Dahlson; O. E. Wendt; Matilda Best; R. M. Amerein; Alexander Lenz
Die Anthologie enthält sieben Geschichten aus dem Science-Fiction-Bereich von ebenso vielen Autor:innen. Manche der Geschichten spielen in bereits durch Romane/Reihen der Autor:innen etablierten, andere in noch neuen Universen. Das Spektrum ist dabei breit, Humor, Romance, Drama – alles ist vorhanden.
Ich kannte bisher nur eine der Autorinnen, R. M. Amerein, die mich auch hier wieder überzeugen kann. Ihre Geschichte macht Lust auf mehr, wie auch einige der anderen Geschichten, es bleibt zu hoffen, dass die, die nicht Reihen entstammen, dennoch zu Romanen oder gar Reihen führen, das Potential wäre durchaus da.
Die Charaktere sind größtenteils interessant und gut gelungen, KIs/AIs nehmen fast überall einen besonderen Platz ein, was mir persönlich gut gefällt. Auch die Erzählweise gefällt mir in den meisten Fällen gut.
Meist kann nicht jede Geschichte einer Anthologie gefallen, so auch hier. Doch die, die ich weniger mag, mag womöglich jemand anderes gern. Ich denke, es ist für jeden etwas dabei, nur Hard Science Fiction darf man hier nur bedingt erwarten.
Die Anthologie eignet sich gut, neue Autor:innen kennenzulernen und einen kleinen Blick auf das Genre zu werfen. Die meisten Geschichten konnten mich gut unterhalten, so dass ich 4 Sterne und eine Leseempfehlung vergebe.
Historie, Mystik und Horror - eine gute Mischung
Sternenglut - Galaxie der Abenteuer von Szosha Kramer; Katharina Maier; Aybiline I. Dahlson; O. E. Wendt; Matilda Best; R. M. Amerein; Alexander Lenz
1599: Das Benediktinerkloster Eberberg wird niedergebrannt, alle anwesenden Mönche getötet, doch eigentlich hatte man es auf den Mönch und Hexenschnüffler Hilarius abgesehen, der gerade mit seinen Gehilfen Martin und Suitbertus zu einem Hexenprozess in Volkach weilt. Wer ist das, der hinter ihm her ist, und was will er von Hilarius?
Doch nicht nur dieser scheint hinter ihm herzusein, und schon bald wird Hilarius entführt, es gibt Tote und viel Gewalt.
Die Spur führt bis nach Prag, und Martin setzt sich auf die Spur seines Lehrmeister, nicht wissend, wem er vertrauen kann.
Eigentlich habe ich es nicht so mit Hexenprozessen, doch manchmal bekommt man einen Roman in die Hand, der viel mehr zu erzählen hat, als das „Übliche“, und mir so, vor allem, wenn er so packend erzählt ist, wie dieser, doch gefallen kann. Gleich zu Anfang setze ich allerdings eine Warnung: Der Roman ist nur für Erwachsene geeignet, hier gibt es neben viel Gewalt auch explizite sexuelle Szenen – entsprechend der Thematik und passend zum Fortgang der Handlung, wirkt nichts davon aufgesetzt.
Meint man zunächst einen historischen Roman zu lesen, entwickelt sich der Roman immer mehr zum Schauer-/Horrorroman. Michael Siefener hat dafür die passenden Worte gefunden, und zieht einen damit noch tiefer in die Geschichte. Dazu gibt es manches Rätsel, immer einmal wieder unerwartete Wendungen, und lange ist unklar, wer hier nun auf welcher Seite steht (auch wenn man manche Vermutung hat). Martins Weg führt bis nach Prag, wo zu jener Zeit Rudolf II herrschte, selbst an Alchemie und Okkultismus interessiert. So kommt es dann auch hier zum Höhepunkt der Reise und der Geschehnisse. Ich fand den Roman zunehmend spannend.
Die meisten Charaktere sind recht undurchsichtig, Martin aber fand ich von Anfang an zugänglich und nett, auch wenn er natürlich manche Ansicht hat, die man heute nicht mehr teilen mag. Er macht auch eine interessante Entwicklung durch. Ein weiterer interessanter Charakter ist Federlin, ein Gaukler, hinter dem aber, man ahnt es bald, viel mehr steckt, als zunächst gedacht. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, was sowohl die Spannung als auch den Tiefgang erhöht.
Besonders hervorheben möchte ich noch das sehr schön gestaltete Cover von Timo Kümmel, der auch die Innenillustrationen gestaltet hat, sowie das Lesebändchen.
Dieser Horrorroman, der historische und mystische Hintergründe bietet sowie viel Spannung, hat mir gut gefallen, sicher wird es nicht der letzte Roman sein, den ich von Michael Siefener lesen werde. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung für Genrefans aus.
Liebe- und phantasievoll erzählt
Der Atem des Ozeans von Ilka Mella
Im Ozean vor Hawaii lebt die Meerfrau Hokulani. Sie liebt das Meer, versucht alles, dieses zu retten, und hat mit einem Walhai eine ganz besondere Freundschaft geschlossen, die sie ein wenig darüber hinwegtröstet, dass ihr Volk sie, nachdem sie nicht den Mann geheiratet hat, den man für sie vorgesehen hatte, ausgrenzt.
Eines Tages rettet sie einem Menschen das Leben, nicht ahnend, dass das ihr eigenes stark beeinflussen wird – leider nicht zum Guten.
Ilka Mella entführt einen schon mit wenigen Worten mitten in ihre Geschichte, man meint selbst mittendrin zu sein, das Meer um sich herum zu erleben, und auch Hokulani und ihre Gedanken und Gefühle werden sehr greifbar. Leider erlebt sie schlimme Dinge, die man auch als Leser:in kaum aushalten kann, was auch ihr Seelenleben stark beeinflusst.
Auch der Zustand des Meeres macht einem zu schaffen, die Message die der Roman enthält ist deutlich, und man hat durchaus die Möglichkeit, ihr zu folgen, und zu versuchen, etwas am aktuellen Zustand zu ändern.
Die Autorin hat sehr liebe- und phantasievoll das Leben unter dem Meer beschrieben. Vor allem die Schönheit des Meeres und seiner Bewohner kommt sehr gut zum Tragen. Das Meervolk ist leider unter sich nicht ganz einig, und aus Gründen, die nachvollziehbar sind, haben manche gewisse Fähigkeiten verloren. Diese Fähigkeiten fand ich übrigens sehr spannend, und ebenfalls wunderbar beschrieben. Die Bedrohung durch manche Menschen – es wird deutlich gemacht, dass nicht alle so sind – zwingt es nun, mehr zusammenzuhalten als vorher, und manche Strukturen zu überdenken. Etwas, was man durchaus auch auf die Menschen übertragen könnte. Sehr gut gefallen hat mir, dass der Roman immer wieder Überraschungen bietet.
Schon die Leseprobe hatte mich davon überzeugt, dass dies ein besonderer Roman sein könnte. Dass ich nun trotzdem keine volle Punktzahl vergebe, liegt an zwei Dingen, die mich gestört haben, weil sie mir nicht logisch bzw. nachvollziehbar erschienen. Auch wenn das im Roman wichtige Punkte sind, hat es mir den Genuss der Lektüre doch nicht so sehr vermiest, wie es hätte sein können, wäre der Erzählstil anders gewesen und hätte mich die Geschichte weniger gepackt. Am Ende habe ich mich dann auch nur schwer lösen können, und würde mich freuen, Hokulani und die anderen Meermenschen noch einmal wiederzutreffen.
Ein lesenswerter Roman mit einer wichtigen Botschaft, der liebe- und phantasievoll erzählt wird, aber auch dunkle Seiten nicht verschweigt – ich empfehle ihn sehr gerne weiter!
Spannend, aber auch verstörend
Was wir verbergen von Arttu Tuominen
Ein Anschlag auf einen Nachtclub kostet fünf Menschenleben. Kommissar Henrik Oksman war kurz vorher noch selbst im Club – in Frauenkleidung. Der Täter, der sich selbst der Gesandte Gottes nennt, ruft zu weiteren Anschlägen auf sexuelle Minderheiten auf.
Lag im Vorgängerroman noch der Fokus auf Jari Paloviita so tritt in diesem dessen Kollege Henrik Oksman in den Vordergrund.
Oksman, den man auch schon in „Was wir verschweigen“ kennengelernt hat, kann sich nicht als Gast des Clubs zu erkennen geben, da er sich auf keinen Fall outen will. Doch nun wird nach der Frau im roten Kleid, die niemand anderes als er selbst ist, gesucht.
Wieder hat es Arttu Tuominen geschafft, tief in die Psyche seiner Charaktere einzudringen, zudem hat er sich eines sehr aktuellen Themas angenommen, und trifft damit auch in die Psyche seiner Leser:innen. Mich hat vor allem die Gedankenwelt des Gesandten tief getroffen, diese ist sehr verstörend und verursacht mir Übelkeit – und ich bin damit sicher nicht allein. Man erfährt aber auch, noch bevor man weiß, um wen es sich überhaupt handelt, viel über das Leben des „Gesandten“, vor allem über seine Kindheit, die sich zudem ähnlich entpuppt wie die Oksmans (weswegen man teilweise Verständnis entwickelt für dessen Nicht-Outen-Wollen) – man kann hier aber auch erkennen, wie unterschiedlich man sich dennoch entwickeln kann, auch wenn einiges an der Psyche hängen bleibt.
Auf Oksman liegt zwar der Fokus, aber man folgt auch Paloviita wieder in sein Privatleben, das sich gegenüber dem ersten Band nicht wesentlich geändert hat, immer noch hat er finanzielle Probleme, die sich auf seine Ehe auswirken (und umgekehrt). Mal sehen, wer im nächsten Band in den Fokus gerät, ich tippe auf Linda Toivonen, die Kollegin Paloviitas und Oksmans, deren Probleme auch schon angesprochen wurden. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf den dritten Band.
Im Zuge der Ermittlungen gibt es einige Charaktere, die das Geschehen beeinflussen, besonders interessant finde ich den Pfarrer Mikael Fredriksson, der früher bei der Fremdenlegion war und nun ganz klar Stellung bezieht, auch wenn er damit in Gefahr gerät. Gegenteilig wirken auf mich die Mitglieder der Nazibewegung „White Order“, die sich vom Gesandten gerne aufstacheln lassen, und mich ebenso verstört haben wie dieser.
Der Roman ist von Anfang an spannend, so dass man ihn, trotz der Thematik und dessen Auswucherungen kaum aus der Hand legen mag, manchmal aber dennoch kurz innehalten muss, weil diese nicht nur verstörend sind, sondern auch allzu aktuell. „Was wir verbergen“ ist ein lesenswerter Roman, der lange nachwirken wird.
Spannung und viel Humor
Die Fowl-Zwillinge und die große Entführung von Eoin Colfer
Die Fowl-Zwillinge Myles und Beckett erwartet nach einem unerlaubten Ausflug zu Hause ein Donnerwetter und der Entzug aller Freiheiten einschließlich der KI NANNI und des Kontaktes zu den Unterirdischen. Der Zeitpunkt ist denkbar schlecht, denn kurz darauf wird Myles entführt.
Myles und Becket sind die Brüder des aus seiner eigenen Reihe bekannten Artemis Fowl, der sich derzeit mit seinem Leibwächter Butler auf einer Weltraumexpedition befindet.
Doch seine Brüder stehen ihm in nichts nach, Myles ist superschlau, und Beckett weiß nicht nur seinen Körper gekonnt einzusetzen, sondern hat auch ein gutes Gespür für Sprachen. Als Zwillinge sind die beiden ein eingespieltes Team, haben mittlerweile ebenfalls Kontakt zu den Unterirdischen, und sind keinem Abenteuer abgeneigt. Bereits der erste Band hat mir gut gefallen, und dieser zweite hat genauso viel Action, Humor und Irrwitziges zu bieten.
Hier nun bekommen es die Zwillinge mit den Horteknut Sieben zu tun, einer militanten Zwergenfamilie, die auf Menschen, vor allem aber auf die Fowl-Familie, schlecht zu sprechen ist. Anführerin Gveld Horteknut hat es, wie zu erwarten, nicht leicht mit den Fowls, aber auch für diese ist sie ein harter Brocken.
Eoin Coifer erzählt spannend, actionreich und mit viel, oft schwarzem, Humor – man wird gut unterhalten, muss sich aber auf diesen Erzählstil einlassen bzw. ihn mögen. Wer aber bereits die Artemis-Romane mochte, kann hier eigentlich nichts falsch machen. Ich habe mich wieder köstlich amüsiert, auch wenn man hin und wieder doch ein bisschen um die Protagonisten bangen muss, denn natürlich geraten sie wieder in eine schier ausweglose Situation nach der anderen.
Den Zwillingen zur Seite steht auch dieses Mal wieder die Welfe Lazuli Heitz von der Zentralen Untergrund-Polizei, die hier auch einiges über sich selbst erfährt. Als Welfe ist sie eine Mischung aus Wichtel und Elfe, was nicht immer leicht für sie ist. Und natürlich ist auch der Troll Whistleblower wieder dabei. Der Epilog lässt dann auf ein weiteres Abenteuer für Myles, Becket und Lazuli hoffen.
Wie schon der erste Band der Reihe ist auch dieser zweite sehr spannend, actionreich und humorvoll erzählt. Nicht nur Jugendliche, auch Erwachsene können sich hier gut unterhalten.
Interessanter Kriminalroman
Goyas Ungeheuer von Berna González Harbour
Tote Truthähne, ein Hund, der einem Schlammloch nicht entkommen kann, und eine ermordete Kunststudentin, die sich auf Goya spezialisiert hatte und im Tod wie auf einer Zeichnung des Malers inszeniert wird. Comisaria María Ruiz, die vom Dienst suspendiert ist, und kurz vor ihrer Anhörung steht, kann nichts davon abhalten, neben der offiziellen Ermittlung der Sache selbst auf den Grund zu gehen.
Interessant ist hier schon die Verbindung zu Goya, mehrere Werke des Malers finden sich im Roman wieder, und haben Einfluss auf die Ermittlungen Marías – die den offiziellen Ermittlern immer einen Schritt voraus ist. Ihr hilft dabei der Junge Eloy, der von zu Hause weggelaufen, nun in dem besetzten Haus lebt, in dem auch die Tote wohnte. Eloy ist mein Favorit unter den Charakteren dieses Romans. Neben Goya spielt auch Madrid eine Rolle, so dass der Roman auch Lokalkolorit ausstrahlt.
María Ruiz ist zum einen eine interessante Persönlichkeit, eine starke Frau, die sich von niemandem hineinreden lässt, aber oft auch etwas nervig, da sie sich immer wieder in Gefahr begibt, nicht nur, dass sie ihren Job endgültig verlieren könnte, nein, sie begibt sich auch, oft sehenden Auges, mehr als einmal in Lebensgefahr. In meinen Augen ist sie deshalb nur ein bedingt glaubwürdiger Charakter. Neben der Suspendierung muss sie mit diversen Verlusten kämpfen, tut sich aber auch schwer damit, sich anderen zu öffnen, nicht nur, aber auch, weil sie die Ermittlungsergebnisse für sich beanspruchen möchte. Das macht sie in meinen Augen nicht sehr sympathisch. Die offiziellen Ermittler scheinen, obwohl ehemalige Teamkollegen Marías, weniger kompetent, auch das scheint mir nicht sehr authentisch.
Der Kriminalfall ist sehr interessant, und lässt Raum für eigene Überlegungen. Vor allem eine war für mich schnell eine klare Sache, für María und die Polizeiermittler aber merkwürdigerweise nicht – und nicht nur hier kam ich den Tatsachen schneller auf die Spur.
Von Anfang an hat man den Eindruck, dass dies nicht der erste Roman mit der Protagonistin sein kann, und tatsächlich ist es bereits der vierte einer Reihe, die anderen sind aber – bisher – nicht auf Deutsch erschienen. Schade, denn ich hätte María gerne auch einmal in ihrem beruflichen Umfeld kennengelernt, vielleicht hätte ich sie dann besser einordnen können – sollten sie noch erscheinen, würde ich sie gerne lesen.
Die für den Roman wichtigsten Bilder Goyas sind im Roman abgedruckt, so kann man sich schnell ein eigenes Bild von ihnen machen, und auch das Interview mit der Autorin im Anhang ist interessant.
Der Roman ist interessant zu lesen, und hat mein Interesse an Francisco de Goya geweckt, die Protagonistin allerdings erscheint mir wenig authentisch, wobei mir die Kenntnis der Vorgängerromane, die leider nicht auf Deutsch erschienen sind, fehlen, womöglich hätte ich sonst einen anderen Eindruck erhalten. Dennoch ist der Roman eine fesselnde Lektüre, die ich empfehlen kann.










