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Rezensionen von rewareni:

Aus dem Leben

"Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten" und "Einladung zum Klassentreffen" von Martin Schörle

In dem kleinen Büchlein ( 117 Seiten ) präsentiert der Autor Martin Schörle, dem Leser zwei Theaterstücke.
Das erste, mit dem Titel: ,,Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten´´, bringt uns Hans Fredenbek näher, der in seiner leicht übertriebenen und manchmal auch etwas zynischen Art und Weise, sein schweres Leben als Beamter beschreibt.

Sein monologisieren lässt den Leser an vielen Dingen teilhaben, über die sich Fredenbek fürchterlich aufregen kann. Als korrekter Beamter muss sein Tag ausgefüllt sein mit Regeln, Formularen und natürlich der Beachtung aller Vorschriften. Hierbei spürt man als Leser immer wieder, wie er mit sich selbst und der Welt zu kämpfen hat. Er wird im Grunde als ,,tragischer Held´´ dargstellt, der für seinen geliebten Beruf bis an seine eigenen Grenzen geht, aber dabei vergisst, dass er auch noch ein Privatleben hat.

Im zweiten Stück ,, Einladung zum Klassentreffen´´ wird der Leser auf humorvoller und auch sehr emotionaler Weise Zeuge davon, wie die Dialoge zwischen Carsten und Marina, die sich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben, immer intensiver und tiefgründiger werden. Hier spielt der Autor auch immer wieder nur mit einem einzigen Wort als Frage oder als Antwort und trotzdem steckt darin viel Gefühl. Die Gespräche wechseln ständig zwischen Freude und Hoffnung bis zu Wut und Verzweiflung. Sehr schön sind hier die Gefühle dargestellt und es zeigt, dass eine tiefe seelische Verbundenheit, selbst noch nach vielen Jahren bestehen kann.

Eine interessante Geschichte mit schönen Sätzen : ,, Menschen sind wie Musikinstrumente. Ihre Resonanz hängt davon ab, wer sie berührt.´´

Zwei unterschiedliche Stücke, die beide ihren Charme haben und man sieht, dass der Autor sein Gegenüber genau beobachtet und Alltagssituationen gekonnt humorvoll und auch zum Nachdenken anregend, erzählen und beschreiben kann.

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Der Albtraum beginnt

Der verschenkte Albtraum von Jürgen Warmbold

Der Kunstlehrer Matthias Böse ist entsetzt, als ihm seine Frau Annika ein Buch schenkt mit dem Titel ,,BÖSES ENDE´´. Da er schon lange unter Angstzuständen leidet, ist dieses Buch der reinste Albtraum für ihn, noch dazu als er bemerkt, dass sich der Inhalt ständig wie von Geisterhand verändert.

Obwohl er es schon weggeworfen und verbrannt hat, liegt es am nächsten Tag wieder vor ihm. Da es um die Ehe zwischen den beiden nicht gut bestellt ist, verdächtigt er auch immer wieder seine Frau, die es vehemmt abstreitet, etwas damit zu tun zu haben. Der Inhalt wird für Matthias immer bedrohlicher und als die attraktive Reinigungskraft Maria auch noch auftaucht und sich ihm gegenüber seltsam verhält ist er sicher , dass gegen ihn eine Verschwörung läuft und er setzt alles daran, dass es mit ihm kein ,, BÖSES ENDE ´´ nimmt.

Der Autor, Jürgen Warmbold, hat mit dem Roman ,,Der verschenkte Albtraum´´ eine spannende und originelle Geschichte geschrieben. Der Gedanke, dass sich ein Buch jederzeit mit einem selbst als Protagonist sich ständig auf mysteriöse Art und Weise verändern kann, hat schon ein Gänsehautgefühl hervor gerufen. Man fiebert als Leser ständig mit, weil man ja ,,live´´ dabei ist und keine Ahnung hat, wie dieses Rätsel zu lösen ist. Die Protagonisten, nur drei Personen, schaffen es aber leider nicht, mich in ihren Bann zu ziehen. Dafür sind die Dialoge immer wieder etwas zu ,,einfach´´ gehalten, wo ihnen mehr Gefühlsregungen und Emotionen gut getan hätten.Auch waren manche Dialologe für mich zu ,,schwulstig´´ angehaucht ,, Der Schock hat mir geholfen meine Ängste zu verdrängen und mich zur Göttin der Lust zu wagen ´´.
Manche Szenen haben für mich nicht immer mit dem Inhalt und der Situation zusammen gepasst. Wenn eine lebensbedrohliche und unheimliche Gefahr droht, würde ich nicht mit einem Freund fröhlich essend und trinkend am Boden sitzen und mich unterhalten. Ich würde 3,5 Sterne vergeben, da Idee mit dem sich verändernden Buch mir gut gefallen hat und weil es einmal eine etwas andere Geschichte war, runde ich doch noch auf 4 Sterne auf.

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Eine berührende und unmenschliche Geschichte

Überleben von Gerhard Zeillinger

Als Walter 1924 als Sohn jüdischer Eltern geboren wurde, konnte noch niemand ahnen, welch schreckliche Jahre noch auf sie zukommen werden. Im österreischischen Bischofstetten wächst Walter mit seiner Schwester Gertrude noch unbkümmert auf, sein Vater ist ein angesehener Kaufmann und so können sie es kaum glauben, dass sie 1938 plötzlich verhaftet werden und man sie ein Jahr später zwingt ihr gesamtes Hab und Gut zu verkaufen.

In Wien gelandet beginnt Walter die Ausbildung zum Schlosser, wo er schon bald Wohnungen von SS- Angehörigen oder Nazis instand halten muss. Sämtlich Versuche seines Vaters nach Amerika auszuwandern schlagen fehl und so landen er und seine Familie 1942 im Ghetto Theresienstadt. Es folgen noch weitere Stationen wie das KZ Auschwitz - Birkenau, wo nun Walter alleine ist und miterleben muss, wie Menschen verhungern, von brutalen Kapos ermordet werden und man Juden aus- selektiert und in den Verbrennungsöfen ermordet. Unmenschliches hat Walter gesehen und erlebt. Er wiegt nur mehr 37 kg und schon mehr tot als lebendig, erfolgt für ihn und seine Kameraden der sogenannte ,, Todesmarsch´´, den er nur dank hilfsbereiter Mithäftlingen überlebt.

Der Literaturwissenschaftler und Historiker Gerhard Zeillinger, hat in jahrelanger, intensiver Recherche mit Zeitzeugen und Originaldokumenten, das berührende Buch ,, Überleben - Der Gürtel des Walter Fantl ´´ geschrieben.
Die Lebens- und Leidensgeschichte des Protagonisten, der einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen ist, ist ein Einblick in eine der dunkelsten Geschichte aus der Zeit als Hitler in Österreich einmarschiert ist. Ich mag mir gar nicht vorstellen, welch furchtbare Erinnerungen bei Walter Fantl hervorgerufen wurden, als er gemeinsam mit dem Autor an der Entstehung des Romanes gearbeitet hat. Das Buch beginnt im Grunde nach dem Krieg 1945 als Walter in das zerstörte und zerbomte Wien zurück gekehrt ist. Hier bekommt man anschaulich ein trostloses Bild von den Menschen, die zumeist ohne Familie, ohne Hab und Gut in eine Stadt zurück kommen, in der Juden nicht mehr erwünscht sind. Der erwähnte Gürtel ist das einzige, das Walter noch besessen hat und für ihn war dieser Gegenstand das Wertvollste, was er in seiner Gefangenschaft besessen hat, ohne ihn, wäre sein Überlebenswille schon sehr viel früher gebrochen.
Die beschriebenen Szenen über brutale Misshandlungen, über die Vernichtung der Juden in den Krematorien sind so bildhaft und intensiv, dass es mir oft nicht möglich war, weiter zu lesen. Diese Unmenschlichkeit, wie immer wieder einfach zur Belustigung der SS Leute Juden mit perfinden Spielen umgebracht wurden, haben mir immer wieder die Tränen aufsteigen lassen. Besonders emotional sind die Stellen, bei denen Walter Fantl selbst aus seiner Erinnerung heraus dem Leser etwas berichtet.
Der Autor hat einen Teil der unschönen Geschichte aus der Hitlerzeit beeindruckend nieder geschrieben und die Geschehnisse in den Lagern sind emotional, beschämend, traurig und manchmal so unglaublich ob der Grausamkeiten, dass ich jedem Überlebenden nur meinen Repekt zollen kann. Ich habe selten so ein Buch gelesen, das über wahre Begebenheiten so direkt und brutal berichtet.
Wie herzlos und unmenschlich Walter diese Zeit erlebt hat kommt aus vielen Textstellen beeindruckend hervor:
,, Dann bin ich zu einem Kapo hin und habe gefragt : Was ist mit den anderen? Wo ist mein Vater? Und der schaut mich an und zeigt auf einen der Schornsteine und sagt: Siehst du den Rauch? Das sind die anderen, das ist dein Vater.``

,, Überleben´´ von Gerhard Zeillinger, eine absolute Leseempfehlung.

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Wunder geschehen

Die Nacht der Vergessenen von Iris Muhl


Es ist Heiligabend und sehr zum Missfallen ihres Mannes Markus macht sich Nicole, genannt Niki, wieder einmal auf den Weg zur ,,Roten Meile´´. Eine besondere Seitenstraße in der Großstadt, wo Prostituierte, Obdachlose und noch so manch andere eisame und verzweifelte Menschen auf der Suche nach einem schöneren und besseren Leben sind.

Es ist kalt und unwirtlich und Niki und ihre Kollegin Heidi stehen wieder einmal vor dem Salon die ,,Schwarze Traube´´ wo sie bereits seit einem Jahr jede Woche anklopft und um Einlass bittet. Doch der Heilsarmee - Offizierin wird auch jetzt kein Einlass gewährt. Von Selbstzweifel geplagt, von Hoffnungslosigleit übermannt und der Frage, ob es sich noch lohnt anderen Menschen, die offensichtlich keine Hilfe wollen, hartnäckig jede Woche diese trotzdem anbieten zu wollen, beginnt sie auch an Gott zu zweifeln und sieht für sich keine andere Wahl als aufzugeben. Aber es ist der Weihnachtsabend und manchmal geschehen auch noch Wunder.
Die Autorin , Iris Muhl, hat mit dem Roman ,, Die Nacht der Vergessenen´´ eine bewegende Weihnachsgeschichte geschrieben, deren Geschichten auf wahren Begebenheiten beruhen. Ein wunderschönes, einfach gehaltenes Cover, erzeugt eine besondere Stimmung, wo man schon eintauchen kann in die emotionalen Lebensgeschichten.
Ein angenehmer und besonders einfühlsamer Schreibstil drückt auch zwischen den Zeilen viele Gefühle aus.

Seite 211 ,, Man darf die Menschen nicht einfach aufgeben, sinniert sie glücklich. Man soll die Felder niemals trocken legen, soll die Quellen im Ackerland erschließen und die Erde pflügen, und manchmal, wenn es angebracht ist, auch Grundstücksgrenzen überschreiten - auch wenn unsere Fürsorglichkeit bisweilen unvollkommen und lückenhaft ist.´´

Die Geschichten der Autorin handeln von Frauen, die von ihrem Zuhälter ausgenutzt und geschlagen werden, von Frauen, die davon träumen wieder in ihre Heimat zurück kehren zu können, wo ihre Familien auf sie warten oder von einem Obdachlosen, dessen einziger Halt in seinem verpfuschten Leben sein treuer Hund ist, der selbst in der kältesten Nacht nicht von seiner Seite weicht.
Es sind berührende Schicksale die zu Herzen gehen und in eine Welt blicken lassen, die hinter verborgenen Türen liegen und kaum jemand wissen möchte, was dahinter eigentlich passiert.
Mit welchen Wünschen, Versprechungen und vor allem Hoffnungen junge Frauen in ein anderes Land oft kommen weil sie ihre Familien finanziell unterstützen möchten, aber schon bald merken, dass ihr Traum von einem schönen Leben wie eine Seifenblase zerplatzt.
Die Protagonistin Niki wird von der Autorin mit einem großen Herzen und einen unerschütterlichen Glauben an das Gute ausgestattet. Aber sie zeigt auch auf, dass nicht immer der Glaube und der Wille helfen zu wollen ausreicht um nicht ins Wanken zu kommen und ob das, was man tut, zu einem Erfolg führt.
Viele Gedanken der Frauen im Salon rühren immer wieder zu Tränen, weil sie sehr oft von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Sehnsüchten und zerplatzten Träumen erzählen. Aber es ist auch ein Roman, der zeigen soll, dass man nie die Hoffnung aufgeben soll, dass Hartnäckigkeit immer wieder zum Ziel führen kann und dass einfach das Zuhören für einsame Menschen gleichbedeutend ist mit dem Gefühl akzeptiert und verstanden zu werden.

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Win waghalsiger Schritt

Die Nacht der Vergessenen von Iris Muhl

Woran bisher noch niemand gedacht hat, ist britischen Forschern gelungen, die sogenannte
,, Ovum-in-ovo- Fertilisation´´, bei der eine weibliche Eizelle mit der DNA einer anderen weiblichen Eizelle befruchtet wird. Für Rosie und ihrer Partnerin Jules kommt diese Chance gerade recht. Endlich kann sich Rosie ihren Kinderwunsch erfüllen und was könnte es schöneres geben, als von ihrer Freundin ,,schwanger´´ zu werden.

Weltweit schlägt dieses ,, Experiment´´ hohe Wellen und die anfängliche Freude schlägt sich bald in Verzweiflung und Unsicherheit nieder. Reporter belagern ihr Haus, Nachbarn beschimpfen sie und auch in der Arbeit von Jules, die selbst als Reporterin arbeitet, wird sie mit gehässigen und beleidigenden Äußerungen konfrontiert. Aber auch die Politik beteiligt sich an der Hetzkampagne, da bei dieser künstlichen Befruchtung nur Mädchen gezeugt werden können und die Angst besteht, dass die Männer aussterben könnten, wenn sie nicht mehr ,,gebraucht´´ werden. Die vielen Monate der Angst, der Verunsicherung ob das Kind wirklich gesund auf die Welt kommen kann, belastet auch die Bezeihung zwsichen Rosie und Jules. Jules fühlt sich immer mehr in eine Rolle gedrängt, mit der sie nicht mehr umgehen kann und sie merkt, dass sie das Kind gar nicht mehr will. Nach einem peinlichen Interview, das Jules Vater der Presse gegeben hat, trennt sich Rosie von Jules und plötzlich weiß Jules, was ihr im Leben wichtig ist.

Der Roman ,, XX Was Wäre Wenn`` von Angela Chadwick greift ein besonderes und sehr emotionales Thema auf. Sie beschreibt darin eine neuartige Methode, die es zwei Frauen ermöglicht ein gemeinsames Kind zu bekommen. Ihre beiden Protagonistinnen Rosie und Jules erleben in der Geschichte alle Höhen und Tiefen einer Beziehung. Anschaulich und intensiv werden dabei die Anfeindungen der Mitmenschen, der Brutalität in der Pressefreiheit und auch die psychischen Belastungen der beiden Frauen dargestellt, die sich einfach nur auf das Kind freuen wollten. Speziell bei Jules wird der Leser oft und intensiv mit ihre Gedankenwelt und ihren Gefühlen konfrontiert. Beginnend von anfänglicher Freude über Begeisterung bis hin zur totalen Ablehnung der Kindes und der Frage, ob man als Frau Muttergefühle haben muss und man sich als Minderwertig fühlt, wenn dem nicht so ist.
Der Roman beleuchtet aber auch die Diskussion, wie weit man in die Natur eingreifen darf, kann und soll. Dieses waghalsige Experiment, das erfolgreich bei Tieren eingestzt wurde und bedrohte Tiere somit vor dem Aussterben schützt, wird dem Versuch mit einem menschlichen Wesen gegenüber gestellt. Hierbei ist immer wieder die Frage aufgetreten, ob das Kind eine Schädigung aufweist oder ob es eine Erbkrankheit haben könnte. Somit stellt sich auch immer wieder dem Leser die Frage, ob dieses ,,Was Wäre Wenn´´ Szenario wünschenswert ist oder nicht. Der Roman lebt von vielen Gefühlen und Situationen, die einen wütend machen über die Ignoranz und Dummheit der Menschen. Ich hätte den Roman um einige Seiten kürzer gehalten, da die Gespräche zwischen Jules und Rosie sich dabei immer wieder um ähnliche Themen gedreht haben wie z.B ob man die Presse von Beginn an mit einbeziehen hätte sollen oder ob sich Jules wirklich auf das Kind freut...
Es bleiben zwar ein paar Fragen offen, aber ich denke, dass man die getrost übergehen kann, weil die Geschichte an sich gut geschrieben ist und das ungewöhnliche Thema neugierig macht.

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Der Ginstermann

Aus finsterem Himmel von Ralf Kramp

Diesen Tag werden Herbie Feldmann und sein unsichtbarer Begleiter Julius nicht so schnell vergessen. Wegen der vielen Baustellen und Umleitungen versucht Herbie einen Schleichweg zu nehmen und prompt passiert das Unglück. Ein Bison läuft vor sein Auto und ist tot. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht findet sich Herbie auf einer Art Ranch wieder, wo ihm der selbsternannte Marshal sofort erklärt, was er nun von ihm erwartet.

Er darf auf seinem Hof arbeiten um den finanziellen Schaden wieder gut zu machen. Da dieses Angebot keineswegs freundlich klingt, muss er sich wohl damit abfinden. Es dauert nicht lange und er lernt einige seltsame Personen kennen. So arbeiten der einfach gestrickte Hibbel mit seiner 92 jährigen Mutter auf dem Hof und zwei seltsame Schwestern, die gerne Schauermärchen vom ,,Ginstermann´´ erzählen kreuzen ebenfalls immer wieder seinen Weg. Als ein junger Mann verschwindet und man nur blutige Abdrücke findet, beginnt Herbie nach zuforschen und er kommt einem Verbrechen auf die Spur, das schon lange zurück liegt.

,,Aus finsterem Himmel´´ ist ein weiterer Roman aus der Herbie Feldmann Reihe von Ralf Kramp. Auch wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt, kann man der Geschichte problemlos folgen. Amüsant in der Geschichte ist vor allem der unsichtbare Begleiter Julius, den nur Herbie sehen kann und der es nicht lassen kann seine humorvollen und manchmal auch etwas boshaften Kommentare abzugeben. Dabei entstehen oft witzige Szenen, wenn sich Julius ständig mit gut gemeinten Ratschlägen einmischt. Die Geschichte an sich geht schnell zu lesen. Es kommen kauzige Personen vor, die alle ein wenig seltsam anmuten. Man bekommt eine leichte Unterhaltung, wo manche Fragen, speziell zum Schluss offen bleiben, aber im Großen und Ganzen ist es eine leichte Lektüre wo der Humor im Vordergrund steht. Ein Krimi aus der Eifel von Ralf Kramp, wo man sich gut unterhalten kann, wenn man sich auf eine skurrile Geschichte einlassen will.

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Ein neues Leben beginnt

Wunschleben von Vera Nentwich

Wenn Anja in den Spiegel blickt kann sie es immer noch nicht glauben, sie ist eine richtige Frau. Als Transgender - Frau steckte sie jahrelang im falschen Körper, doch seit 4 Jahren, nach ihrer Operation, kann sie das Leben leben, das sie schon immer wollte. Doch es ist nicht so leicht für Anja und so lebt sie zurück gezogen in ihrem Schneckenhaus.

Dank ihrer lebensfrohen Nachbarin Bettina, die weiß, wie man das Leben genießt, lernt sie eine Welt kennen, von der sie bisher nur träumen konnte. Ausgiebige Shoppingtouren, ein Treffen mit einer richtigen Freundin zum Kaffeklatsch, all diese Dinge waren für Anja bisher fremd und dass sich sogar ein Mann nur für sie interessieren kann, erscheint ihr fast schon wie ein Wunder. Mit jedem kleinen Erfolg der sich bei Anja einstellt, wird sie mutiger und selbstsicherer und wenn sie anderen von ihrer Geschlechtsangleichung oder Genitalkorrektur berichtet, weiß sie, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Und selbst die Schatten der Vergangenheit beginnen sich langsam, aber sicher aufzulösen und sie kann in eine neue und hoffentlich schöne Zukunft blicken.

Die Autorin Vera Nentwich, die ihren ,,männlichen Migrationshintergrund´´ den sie auf humorvolle und einfühlsame Weise bei ihren Lesungen und den Büchern thematisiert, hat mit dem Roman ,,Wunschleben´´ eine Geschichte geschrieben, die den Leser für ein sensibles Thema zum Nachdenken anregen soll.
Mit ihrer gewohnten lockeren und humorvollen Schreibart schafft sie es immer wieder auch ernste und nicht alltägliche Themen so anzusprechen, dass sich der Leser zwar gut unterhalten fühlt, aber auch darüber nachdenkt.
Ihre Protagonistin Anja ist ein zutiefst unsicherer Mensch, der zwar weiß, das richtigen getan zu haben mit der Operation, der aber aufgrund der Ablehnung und der Unverständnis auch von seitens der Familie immer das Gefühl hat, nicht richtig zu sein.

Hier hat Vera Nentwich schöne und auch berührende Gedanken einfließen lassen:
Seite 113 ,,Den Traum,in dem sie eine attraktive und begehrte Frau ist, die einen Partner hat und geliebt wird? Die vor allen Dingen geliebt wird. Es ist, als ob ein Geist aus der Flasche gelassen wurde. Der Geist der Hoffnung, der Sehnsucht. Er ist nicht wieder zurück in die Flasche zu bringen. Er ist da.´´

Mir wäre es fast lieber gewesen, wenn die Geschichte aus Anjas Sicht geschrieben worden wäre und sie in der Ich- Erzählperspektive berichtet hätte. So war für mich der ,,außenstehende Erzähler´´ zwar an ihren Gedanken und Gefühlen beteiligt , aber es gab dadurch doch eine unsichtbare Wand.

Wunderschön hat die Autorin die verschiedenen Sorgen und Ängste von Anja wieder gegeben und hat dabei aufgezeigt, wie schwer für ihre Protagonistin ganz einfache Dinge und Handlungen, die Frauen tagtäglich machen, sein können. Es ist ein Buch das Betroffenen Mut machen soll, das zum Nachdenken anregen soll und da es ein offenes Ende gibt kann somit jeder selbst entscheiden ob, oder wie weit der Weg von Anja in Richtung selbstbestimmende Freiheit noch gehen kann.

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Verlorene Kindheit

Puppenmutter von Astrid Korten

Für Tessa Simonet scheint der Alptraum kein Ende zu nehmen. Zuerst wird sie in ihrer Villa am helllichten Tag Opfer eines Überfalles und kurz darauf erhält sie die schreckliche Nachricht, dass ihr Mann Jules Selbstmord begangen hat. Gut, dass ihre Schwägerin Karola und Jules Bruder Sebastien, sowie Tessas beste Freundin Amelie ihr zur Seite stehen.

Obwohl alle sehr bemüht um sie scheinen spürt Tessa, dass etwas nicht stimmt. Ihr Zuhause bereitet ihr Unbehagen, sie fühlt sich beobachtet und plötzlich benehmen sich die Menschen in ihrer Umgebung ihr gegen über nicht immer freundlich und verständnisvoll.
Als Bruce ihr geistig behinderter Gärtner plötzlich verschwindet und dann noch dazu ein Mord ganz in ihrer Nähe passiert ist sich Tessa sicher, dass es jemanden gibt, der ihr Schaden möchte. Sie ist sich mittlerweile sicher, dass irgendwer in ihrer Nähe ein perfides Spiel mit ihr spielt. Die grausame Wahrheit kommt spät ans Licht und für viele wird es dann zu spät sein.
Mit dem Thriller ,,Puppenmutter´´ von Astrid Korten, wird man als Leser in gewohnter Manier von Beginn weg bis zum Ende hinters Licht geführt. Das gruselige Cover mit dem gefesselten Puppenkopf ist ein toller Eyecatcher, der wunderbar zu dem Roman passt.
Man fühlt sich wie in einem Labyrinth gefangen, wo man zwar weiß, dass es irgendwo einen Ausgang gibt, aber die vielen Wege lassen einen dabei verzweifeln. So ist es auch bei Astrid Korten und ihrem Roman. Wut auf die Protagonisten, die ein grausames Spiel spielen, keinen blassen Schimmer, wie die verschiedenen Handlungsstränge zusammen hängen und kurz vor dem nervlichen Zusammenbruch, wird man von der Autorin erlöst.
Spannend ist nicht nur die Geschichte rund um Tessa, sondern auch die Briefe, die an sie gerichtet sind, wo der unbekannte Schreiber seine fanatische Liebe zu ihr gesteht. Ein weiteres Verwirrspiel beschert uns die Autorin mit der ,,Puppenmutter´´ die in Paris in der forensischen Abteilung der Strafanstalt in Zimmer 13 seit Jahren lebt. Ihre verwirrten Gedankengänge und die geheimnisvolle Puppe Alice, die immer wieder mit ihren Augen klimpert, hat nicht nur einmal ein Gänsehautgefühl hervorgerufen.
Astrid Kortens Hauptfigur Tessa lässt den Leser hautnah in ihre Gefühlen und Gedanken eindringen, wo man nie sagen kann, wie sie im nächsten Moment reagiert. Man kann keinen Schritt vorherahnen, noch würde man auf die Idee kommen, wie alles zusammenhängt. Man bekommt wieder einmal einen erschütternden, emotionalen und traurigen Einblick in die menschliche Seele, die es immer wieder schafft zu täuschen, zu verdrängen und versucht traumatische Erlebnisse zu kompensieren.
Bravo, an Astrid Korten!

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Das überwachte Haus

Adrian oder: Die unzählbaren Dinge von Angelika Stallhofer

Der Werbetexter, Adrian Keller, arbeitet für große Unternehmen. Produkte, über die er schreibt sind Uhren, Autos oder Sportschuhe. Eines Tages erhält er ein ungewöhnliches und interessantes Angebot: er soll in ein ,, Smart Haus´´einziehen, in dem alles überwacht und digitalisiert ist. Da seine Freundin Anna, die Schriftstellerin ist und ihre Unbekümmertheit und Freiheit einfach nur mit Worten ausdrücken kann, anderweitig beschäftigt ist, willigt Adrian dem Experiment ein.

Doch bald merkt er, dass er im Haus nicht alleine ist, denn seine Werbefigur ,, Max Baier´´ ist mit eingezogen. So erlebt Adrian die kommenden Tage mit seiner Fantasiegestalt und immer mehr stellt sich ihm die Frage, ob dieses überwachte Haus wirklich Sicherheit und Wohlbefinden vermittelt. Aber auch die Gedanken an seinem Vater im Pflegeheim und die seltener gewordnen SMS von Anna machen ihm zu schaffen und Max Baier ist auch kein angenehemer Mitbewohner.

Manchmal gibt es Bücher, bei denen kein Funke überspringt und so war es hier bei dem Roman ,, Adrian oder : Die unzählbaren Dinge von Angelika Stallhofer.
Die Autorin hat zwar eine bildgewaltige und literrarisch angehauchte Schreibweise, aber die Geschichte an sich und speziell die Handlungsabfolge ist mir ein Rätsel geblieben.

In der Ich - Form geschrieben erzählt Adrian seine Geschichte, wo er immer wieder von früher von seinem Vater oder von seiner Freundin Anna berichtet. Dann befindet man sich wieder im Smart Haus, wo Max Baier wie ein Schatten Adrian folgt und scheinbar ein Eigenleben entwickelt. Es ist mir zu keiner Zeit gelungen so etwas wie eine Beziehung zu irgendeiner Figur herzustellen oder jemanden sympathisch zu finden. Anna kommuniziert meistens über SMS mit Adrian, ihren Studenten möchte sie die Literatur und den Mut selbst etwas zu verfassen dahingehend näher zu bringen, in dem sie ein Buch zerschneiden und somit zu zerstören? Es tauchen immer wieder Figuren auf, die kurz erscheinen und dann wieder weg sind ohne, dass es mir klar war welchen Sinn ihr Erscheinen hatte.

Das dargestellte ,,Smart Haus´´ hat bei mir einen etwas beängstigenden Eindruck hinterlassen, wo es der Autorin wahrscheinlich darum gegangen ist, dass man als Leser darüber nachdenkt was es bedeutet in einer überwachten und voll digitalisierten Wohnung zu leben. Will man wirklich, dass die Waage einen Diätplan erstellt, dass Kameras jeden meiner Schritte überwachen oder dass man über eine Smart Watch jeden Handgriff im Haus steuern kann? Diese Gedankengänge waren das einzige, das interessant war. Ansonsten muss ich leider sagen, dass sich der Roman von Beginn bis zum Ende hin gezogen hat und ich weder mit den Protagonisten noch mit der Handlung warm werden konnte.

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Freunde fürs Leben

Adrian oder: Die unzählbaren Dinge von Angelika Stallhofer

Im Münchner Waisenhaus wachsen Ludwig und Bernhardt gemeinsam auf. Während Ludwig der aufgeweckte und intelligente Junge ist, der Bernhardt Schutz und Zuneigung gibt, ist dieser der ruhige und seltsame, der oft müde ist und dann in einen todesähnlichen Schlaf fällt. Viele Entbehrungen müssen beide erleiden und der grausame Mord an der jungen Pauline erschüttert die Bewohner des Waisenhauses.

Die Jahre vergehen und es beginnen die furchtbaren Kriegsjahre in denen Hitler die Machtübernahme plant.
Während Ludwig als Medizinstudent eine verbotene Affaire mit der Jüdin Eva beginnt, landet Bernhardt als begnadeter Scharfschütze bei der Waffen SS wo der brutale und unmenschliche Oskar Dirlewanger sein Unwesen treibt.
Obwohl sich Ludwig und Bernhardt jahrelang nicht mehr sehen, wo Ludwig als KZ Häftling um sein Leben bangen muss und Bernhardt nur mehr mit dem Aufputschmittel Pervitin seine Leistung erbringen kann, gibt es ein unsichtbares Band zwischen den beiden. Ein unvermutetes Zusammentreffen in Polen, wo Oskar Dirlewanger wieder einmal die Bewohner wie Vieh abschlachten lässt, zeigt Ludwig und Bernhardt, dass sie immer noch Freunde sind.
Auf ihrer heimlichen Flucht in ihre Heimat gibt es für sie nur ein Ziel, Rache an einem menschlichen Monster, der eine jahrzehnte lange blutige Spur hinterlassen hat.

,, Tartigrada´´ Das Bärchentier , ist der historische Debütroman von Alexander Meining. Es ist ein Roman, den man sicher nicht einfach so lesen und dann auf die Seite legen kann. Es ist ein toll recherchierter historischer Thriller, wo man nicht zart besaitet sein sollte. Die Hitlerzeit, mit der Judenverfolgung, sowie grausame Gewaltszenen an unschuldigen Menschen, zeigen sehr bildhaft eine Zeit auf, in der die beiden Hauptprotagonisten leben. Beide Charaktere werden sehr gut beschrieben und man leidet mit, man hofft, dass alles gut wird, auch wenn man spürt, dass es wohl nicht so ist.
Der Autor lässt in seine Geschichte viele tatsächliche Begebenheiten wie z.b die Spanische Grippe oder reale Personen wie Adolf Hitler, gekonnt mit einfließen.
Wenn man zu lesen beginnt nimmt einen die tragische, interessante, spannende und emotionale Geschichte gleich gefangen.
Da der Autor ein Mediziner ist, hat er sich in seinem Roman mit seinem Protagonist Bernhardt auch etwas besonderes einfallen lassen. So wie die ,, Bärtierchen´´ die sich auf widrige Umstände einstellen können und sich sogar jahrelang ,, tot´´ stellen können, so ähnlich ist auch Bernhardt, der sich mit seiner Narkolepsie in einen rettenden Schlaf flüchtet und die Welt rund um ihn nicht mehr existiert. Begriffe wie Parthenogenese, die sogenannte Jungfernzeugung, die angeblich bei Bernhardts Mutter stattfunden hat, werden hier ebenfalls angeschnitten und sollen den Leser zum Nachdenken anregen, in wie weit die Religion oder die Wissenschaft die Grundlage für ungwöhnliche Erscheinungen sind.
Man darf sich ob des bunten Covers, das eher an ein Kinderbuch erinnert, nicht täuschen lassen und sich auf eine lockere Geschichte freuen. Denn die wird man hier nicht finden. Wer bereit ist sich auf einen ungwöhnlichen und auch unmenschlichen Roman einzulassen, der sollte unbedingt ,,Tartigrada´´ lesen. Für mich war es ein besonderes Leseerlebnis, zu dem ich dem Autor nur gratulieren kann.

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