Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Danislesestube:
Ein wundervoller Liebesroman
Rosie von Vera Schaub
Kaum hat Vera Schaub dieses optisch sehr ansprechende Buch angekündigt, war ich schon begeistert von diesem. Der Klappentext klang zu meiner Freude ebenfalls nach etwas, was mir gefallen könnte. Kein Highschool, College oder WG Liebesdrama. Auch wenn die Protagonistin namens Rosie in diesem Alter ist.
Theoretisch wäre sie auch aufs College gegangen. Jedoch dachte sich das Leben so „Nein, du nicht.“ und schwups war ihr Traum dahin. Genauso wie ihr Freund, der das Mädchen nach dem Unfall alleine ließ. Genau dann, als Rosie ihn am meisten gebraucht hat.
Ohne große Umschweife und ellenlange Erklärungen zeigt uns der Beginn des Buches recht gut, wohin die Reise geht. Hier ist noch alles Friede, Freude, Eierkuchen. Rosie, ihr Freund und deren Freunde freuen sich auf ihre gemeinsame Zukunft. Jedoch sollte es, vor allem für Rosie anders kommen als geplant. Nach einem schweren Unfall, bei dem ihre Mitfahrer nur leicht bis mittel verletzt wurden, kann sich unsere Protagonistin von ihren Plänen verabschieden. Von diesem Ereignis gezeichnet wird sie die folgenden Wochen, Monate und Jahre bei verschiedenen Ärzten verbringen. Von da an wurde mir bewusst, dass das Buch keine leichte Kost sein wird. Zugegeben, die Triggerwarnungen wiesen mich direkt am Anfang darauf hin. Bis zum Zeitpunkt ihres Erwachens lernte ich bereits ein paar Nebencharaktere kennen, von denen eine Handvoll in den kommenden Abschnitten noch eine wichtige Rolle spielen werden. Generell gefiel mir die Beschreibung dieser recht gut. Der Einstieg in die Handlung und der angedeutete noch kommende Leidensweg von Rosie machten mich neugierig. Wie geht es weiter? Wie sehr werden sich die Folgen des Unfalls auf sie auswirken?
Die Triggerwarnungen sind nicht nur Dekoration. Auch Wochen später ist Rosie bei Weitem nicht bereit, wieder ein halbwegs normales Leben führen zu können. Irgendwo nachvollziehbar. Denn ihre Freunde und ihr Ex-Freund leben das Leben, welches sie auch hätte führen können. Wären da nicht die Schmerzen bei jeder Bewegung. Das „kaputte“ Gesicht im Spiegel, welches sie mit einem Blick anstarrt, als wolle es damit sagen, wie hässlich sie doch ist. So ist es kein Wunder, dass sich unsere Protagonistin immer mehr zurückzieht. Auch ihre Therapeutin ist ratlos. Genauso wie ihr Umfeld, welches mit der Zeit immer weniger wird, da dieses nichts mehr mit Rosie, in diesem Zustand, anfangen kann. Spätestens bis zur Hälfte des Buches wird einem bewusst, wie schlecht es Rosie geht. Die Autorin hat ihren Schmerz, ihre Hilflosigkeit, ihre Selbstzweifel und ihre Schwächen ausgezeichnet zu Papier gebracht.
Gleichzeitig hatte ich immer die Hoffnung, dass sie von alleine die Kurve kriegt. Und siehe da, kaum ist Leik in ihr Leben getreten, kehrt wieder etwas Lebensmut zurück. Ihre innere Wunde beginnt sich nach und nach zu schließen. Er selbst sieht nicht nur ihr Äußeres, sondern auch die Rosie, die sich darin verbirgt. In den ersten Momenten blitzt nur ein Teil ihrer alten Persönlichkeit durch. Nach ein paar Wochen immer mehr. Jedoch ist es nicht nur sein Verdienst, dass Rosie wieder zurück ins Leben findet. In diesem Buch wird deutlich gemacht, dass es an ihr liegt, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Wobei Leik nicht nur der Auslöser, sondern generell ein wundervoller Charakter mit seinen Ecken und Kanten ist. Genauso wie Rosie hat auch Leik Wünsche und Sorgen, welcher er mit ihr teilt. Es wirkte irgendwann so, als würden sie sich gegenseitig „therapieren“. Was irgendwie ein schöner Gedanke ist, welcher mich bis zu den letzten Seiten des Buches begleitet hat.
Der Name der Protagonistin und das Cover kommen übrigens nicht von irgendwo her. Im Laufe der Handlung wird eine Rose immer wieder für eine Lebensweisheit verwendet. Nachfolgend ein Beispiel:
>> Ein Neuanfang ist wie eine Rose – sobald die alten Blätter verwelkt und abgefallen sind, können darunter, neue bunte Knospen sprießen. << – Zitat Seite 11.
Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass mir das Buch unglaublich gefallen und es jede Minute wert gewesen ist. Die Handlung bietet so viel Inhalt und Stoff zum Nachdenken. Solche Bücher mag ich sehr und werde auch nicht müde diese im Bücherurwald zu suchen.
Was gibt es zum Meckern? Eigentlich gar nichts. Denn jede Sache, die mir beim Lesen nicht gefallen hat, etwa das Verhalten von Rosies Ex-Freund wurde im späteren Verlauf durch eine noch schönere Sache ersetzt. Was mich beim Schreiben an das Zitat von oben erinnert. Dafür gibt es übrigens generell viele Beispiele. Ich liebe solche kleinen Details. Also nein, nichts zum Meckern.
Ich kann euch das Buch sehr ans Herz legen. Lest es und gebt mir gerne Bescheid, wie es euch gefallen hat.
Für mich: Zeitverschwendung
Hast du Zeit? von Andreas Winkelmann
Es ist schon eine Weile her, seit ich ein Buch von Andreas Winkelmann gelesen habe. Sein letztes Werk konnte mich eher mäßig überzeugen, dementsprechend gering war mein Interesse, mich direkt auf das nächste Buch von ihm zu stürzen. Etwa zwei Jahre später konnte wieder eines seiner Bücher meine Neugier wecken.
Zeit ist ein Thema, welches mir gut gefällt, vor allem weil man mit dieser Komponente sehr viel anstellen und umsetzen kann. (Gutes Beispiel: Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit) Welche Gedanken hat sich der Autor dazu gemacht? Der Klappentext klingt vielversprechend, wenn auch etwas dünn, was kein Nachteil ist. Was wir wissen, dass jemandem offenbar Zeit gestohlen wurde bzw. sich darüber aufregt, dass andere seine verschwenden. In welcher Form kann man nur raten. Wie möchte dieser Jemand seinen Opfern wohl deren Zeit stehlen? Logisch. Er wird sie vermutlich umbringen. Das ist jetzt kein Spoiler, sondern naheliegend.
Fangen wir also wie immer am Anfang und mit den positiven Dingen an. Das Buch beginnt mit dem Prolog, oder wie es weiter unten heißt „Hinter der Zeit“. Jemand scheint ein Gespräch mit einer anderen Person zu führen, oder mit sich selbst, so genau weiß man das nicht. Die noch unbekannte Person bewundert eine Wand. Eine Wand, in welche er viel Arbeit gesteckt hat. Was sich darauf, oder darin verbirgt, weiß man genauso wenig. Fakt ist, hier floss viel Arbeit rein. Oder besser gesagt, seine wertvolle Zeit, die ihm von seinen Mitmenschen genommen wurde. Das ist auch das Grundthema des Buches. Menschen, die seine Zeit, in welcher Form auch immer, verschwendet haben, müssen mit selbiger bezahlen. Hier fingt meine anfängliche Freude bereits an zu bröckeln. Es las sich bis dahin eher mau. Diese Art von Mörder:in kannte ich bereits von den anderen Büchern des Autors. Aber davon ließ ich mich nicht beirren. Könnte ja noch etwas werden.
Etwas später werden wir Zeugen, wie die ersten Opfer geholt und getötet werden. Interessant empfand ich, wie der erwähnte Jemand diese geködert hat. Hier ein Beispiel. Eine junge Frau fährt auf einer Landstraße. Plötzlich taucht ein Auto neben ihr auf und schneidet sie, sodass sie eine Vollbremsung einleiten muss, um Schlimmeres zu verhindern. Daraufhin steigt ein Mann aus und stellt ihr folgende Frage „Hast du Zeit?“. Mal abgesehen davon, dass wir wissen, was folgt, wie glaubt ihr, beantwortet die Frau diese Frage? Genau, dass was ihr gerade denkt. Selbstverständlich wird sie anschließend niedergeschlagen und verschleppt. Diese „Logik“ zieht sich durch das gesamte Buch. Es gibt sogar Ausnahmen, in denen Menschen tatsächlich ihre Zeit dem Typen komplett freiwillig schenken. Natürlich werden diese dann in Ruhe gelassen. Nein, natürlich auch getötet. Halten wir fest: Menschen, die sich für ihn keine Zeit nehmen wollen, werden getötet. Menschen, die ihm ihre Zeit hingegen schenken, werden getötet. Das ist doch logisch. ^^
Ups, jetzt habe ich die Kritik etwas vorgezogen. Jetzt zum Positiven. Das durch tragische Umstände zusammengefundene Trio, bestehend aus Lilly (der Freundin eines Opfers), Grotheer ein ehemaliger quasi Polizist und seinem Hund namens Jemand (fragt nicht) machen sich auf der Entführungsserie und den mysteriösen Paketen, welche an die Verbliebenen geliefert wurden, auf den Grund zu gehen. Die Polizei scheint stellenweise zwar bemüht, aber eher desinteressiert zu sein. Es verschwindet doch jeden Tag irgendwer. Gelegentlich gesellen sich ein paar Nebencharaktere hinzu, welche irgendetwas mit den Opfern zu tun haben und daher gerne mithelfen. Diese bleiben, aufgrund mangelnder Auftritte, eher blass. Nicht so schlimm, immerhin geht es um das erwähnte Trio, welches mir sympathisch war. Alle drei sind komplett unterschiedlich, mit ebenso unterschiedlichen Herangehensweisen. Durch den Wechsel der Perspektiven kam so etwas Abwechslung in die Handlung. Diese hatte letztere bitter nötig, denn viel zu bieten hatte diese nicht.
Mal abgesehen davon, von den kleinen Abenteuern der kleinen Gruppe gab es kaum Highlights. Die letzten Stunden der Opfer, eine Handvoll Auftritte unseres Mörders, welche mit der Zeit immer abstruser wurden. Ja, es soll eine kranke Seele mit einer „interessanten“ Wahrnehmung und mangelnder Selbstreflexion darstellen. Das verstehe ich, aber die meiste Zeit über waren diese Passagen unglaublich langweilig. Schon so oft gelesen, sogar in den Büchern des Autors selbst. Ich habe keine Logik oder nachvollziehbares Verhalten erwartet, aber das war einfach nicht meins.
Die grundsätzliche Handlung war langweilig. Nach den ersten 70 Seiten weiß man als Leser, wie die restlichen 310 Seiten aussehen könnten. Es ist nahezu immer das gleiche Schema. Ein bisher unbekannter und offenbar unwichtiger Charakter taucht auf, begegnet jemanden, der Hilfe benötigt oder ersterer wird einfach mal so Krankenhausreif geschlagen und stirbt wenige Kapitel später. Wie die Opfer sterben ist bereits vor dem Auftauchen der Sanduhren (kein offensichtlicher Spoiler, da auf dem Cover) klar. Da, wo an Details gespart hätte werden können, wurde leider nicht gespart und sehr viel bereits vorweggenommen. Dabei hätten wir ja noch viele Seiten vor uns, die irgendwie gefüllt werden mussten. Irgendwie ist auch gleich unser nächstes Stichwort. Viele Geschehnisse wurden genauso gelöst. Gerade so, dass sie Sinn ergeben (könnten). Mehr nicht. Garniert mit ein paar „Oh mein Gott, da passiert gleich etwas Schlimmes.“ Momenten und einem Familiendrama. Wobei ich letzteres noch am spannendsten fand. Was sehr viel über das eigentliche Thema aussagt.
Die Fragen, die ich mir das Ganze Buch über gestellt habe, waren folgende: Der Mörder geht also davon aus, dass Menschen ihre und seine Zeit verschwendet haben. Demnach müssen sie dafür bzw. damit bezahlen. Verschwendet er somit nicht seine eigene Zeit damit, um anderen ihre Achtlosigkeit unter die Nase zu reiben, indem er sie umbringt? (Und Apparaturen baut, um dies zu tun) Wäre es nicht besser gewesen, diese am Leben zu lassen, um aus seiner Lektion, wie auch immer diese dann ausgesehen hätte, zu lernen, um dann anschließend ihre Zeit wieder sinnvoller zu nutzen?
Mit diesen Fragen im Kopf und den genannten Kritikpunkten fällt das Buch bei mir gnadenlos durch. Keine Vollkatastrophe, aber meine Zeit habe ich damit definitiv verschwendet.
Ein gelungener Auftakt mit einem fiesen Cliffhanger
A Breath of Winter von Carina Schnell
Passend zur Jahreszeit habe ich ein winterlich angehauchtes Buch für euch. Anfang Dezember wurde meine Anfrage bei Netgalley bestätigt. An Heiligabend kam ich in den Genuss des Buches. Zuvor wollten noch ein paar andere Bücher gelesen werden. Nun liegt es gelesen vor mir und wartet darauf, rezensiert werden.
Wie fast immer muss ich mich nach einem Buch von Carina Schnell wieder etwas beruhigen, um nicht ausschließlich positiv zu berichten. Denn nur weil das Ende der Knaller war, muss das nicht für das gesamte Buch gelten. Wobei es bisher bei anderen Autoren oft andersherum war. Tolle Handlung, spannende Nebenereignisse, aber maues oder zu schnelles Ende. Oder die Charaktere waren mir zu Klischeehaft. Warum so viele Schreiberlinge bereits verwendete Charaktere bzw. deren Eigenarten so oft verwenden ist mir ein Rätsel. Dass es anders geht, beweist z.B. Carina immer wieder aufs Neue. Der Fokus liegt da wohl bei jedem anders.
Hier haben wir das Glück, dass sich meine Lieblingsautorin, was sie nicht ohne Grund ist, auf die richtigen Dinge in ihrer Handlung konzentriert hat. Angefangen bei der tragischen Geschichte von Smilla. Es wurde erst gar nicht versucht, die vergangenen Ereignisse großartig dramatisch in Szene zu setzen. In knackigen Rückblenden wird erzählt, wie es dazu kam und warum Rache der sinnvollste Weg für unsere Hexe ist. Wo hingegen nicht an Details gespart und sich dementsprechend Zeit gelassen wurde, ist die Beschreibung der Charaktere und der Umgebung. Oft reichte es aus, nach ein paar Absätzen, die Augen zu schließen, um in die Welt von Smilla und Gent tauchen zu können. Egal, ob der Angriff der Walküren, die sich mit ihren Krallen tief ins Fleisch ihrer Gegner bohren und verheerenden Schaden anrichten oder die Anziehung zwischen unseren beiden Hauptcharakteren. All das und noch viel mehr konnte ich beim Lesen nicht nur spüren, sondern auch in Gedanken sehen. Wo es an Details mangelte, half die eigene Fantasy nach. So muss das bei einem Fantasy Roman sein. Wäre auch langweilig, wenn Leser alles auf einem Silbertablett serviert bekämen.
Kommen wir zu Gent. Dem scheinbar brutalen und gnadenlosen Anführer der Söldnergruppe, welcher sich Smilla zu Beginn der Handlung angeschlossen hat. Um ihn ranken sich viele Gerüchte. Nicht ohne Grund, wie man im Laufe der Geschichte erfährt. Von seiner weichen, fast schon feinfühligen Seite wird hingegen kaum berichtet. Zugegeben, bisher schaffte es keine Frau, außer Smilla, diese hervorzuholen. Sein Misstrauen ihr gegenüber verfliegt, zum Glück, nicht direkt auf den ersten Blick, und auch danach bleibt es bis zu einem gewissen Grad bestehen. Das ist eine Sache, die ich bei Carina liebe. Es gibt für sie keinen Grund, warum ihr Hauptcharakter alles stehen und liegen lassen sollte, nur weil er eine interessante Frau sieht. Er kennt sie nicht. Wer sagt denn, dass diese ihn nicht hintergeht? Eben. Auch sein engster Mitstreiter ist sich nicht sicher, was Smilla im Schilde führen könnte. Sie tauchte aus dem Nichts auf und schweigt lange Zeit über ihren wahren Grund, warum sie sich der Gruppe angeschlossen hat. Wer riskiert schon freiwillig sein Leben? Jetzt mal den Mord ihrer Familie ignoriert.
Die grundsätzliche Handlung und der langsame Einstieg haben mir gefallen. Nicht zu kompliziert, keine dramatischen Schicksale und was weiß ich. Die Geschichte von Middangard füllt die wenigen leeren Passagen mühelos aus. Der Hauch von nordischer Mythologie passt hier perfekt rein. Was auch an der Optik der Umgebung, der Gebäude und auch der Charaktere zu sehen ist. Gleiches gilt für die mystischen Kreaturen. Hier hat sich Carina reichlich bedient.
Selbstverständlich hat sie auch darauf geachtet, uns einen abwechslungsreichen und rasanten Showdown zu liefern. Der Plottwist gegen Ende rundete alles erlebte perfekt ab. Hier wurde noch einmal hinterfragt, ob sich die Reise für alle gelohnt hat. Vor allem aus welchen Gründen der Hexenschlächter seine Jagd auf Hexen eröffnet hat. Seine Familie wurde jedenfalls nicht von diesen ausgelöscht.
Noch ein paar Worte zum Magiesystem. Dieses ist simpel wie effektiv. Spannend, was man alles mit Knochen machen kann. Woher die Kraft aus diesen kommt und wie diese genutzt wird, hat die Autorin gleichmäßig auf verschiedene Situationen, in denen eine bestimmte Kraft benötigt wurde, verteilt. Auch hier wurde der Lesefluss nicht durch ausschweifende Erklärungen gestört.
Was hat es eigentlich mit den Raben auf sich? Hier muss man als Leser etwas genauer hinschauen. Diese werden nicht nur für Maßeinheiten genutzt. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, bietet sich an, das Buch zu lesen. ????
Um langsam zum Ende zu kommen. Mir hat das Buch bzw. der Auftakt der Dilogie ausgezeichnet gefallen. Alles ist da, wo es sein soll, der Einstieg ist ein Träumchen. Zum Meckern gibt es eigentlich nichts. Wenn ich es darauf anlegen würde, dann hätte ich mich darüber beschwert, dass es zu wenig Informationen über die restlichen Mitglieder der Gruppe gegeben hat, oder was Leif (Gents engster Vertrauter) für ein Problem mit Smilla hat, oder warum Charaktere so sind, wie sie sind. Aber das sind Dinge, die mich kaum bis gar nicht stören. Es ist, wie es ist. Eventuell bekommen wir mehr Informationen in Teil zwei. Wer weiß das schon? ????
Schwächer als seine Vorgänger, aber gut lesbar
Der Polizistenmörder: Ein Kommissar-Beck-Roman von Maj Sjöwall; Per Wahlöö
Früher wie heute bin ich bei „Der Polizistenmörder“ zwiegespalten. Einerseits haben mir die rasanten Szenen, die im Vergleich zu den anderen Teilen häufiger vorkamen, wirklich gut gefallen, andererseits wurde recht wenig über das eigentliche Thema gesprochen. Der Vergewaltigungsteil nahm viel Raum in der Handlung ein.
Die Befragungen vom einst verurteilten und nun in Frieden lebenden Sexualstraftäter zogen sich sehr in die Länge. Auf der anderen Seite wiederum wurde recht viel über die neue Umgebung geschrieben. Erzählerisch und vom Detailreichtum gut gelungen. Auch die Absätze, in denen Martin Beck ermittelte und mit seinem im Ort ansässigen Partner eine schöne Zeit hatte, empfand ich ebenfalls als gut.
Abwechslung gab es also genug. Viel zu kurz gekommen ist der Fall des Polizistenmörders. Nicht nur, weil dieser erst nach der Hälfte des Buches in Fahrt gekommen ist, sondern auch, weil schon von Anfang klar war, was vorgefallen ist. Somit schlich man den ahnungslosen Ermittlern hinterher, bis dann der große Showdown die Erlösung brachte.
War zumindest der Abschluss des Sexualfalles da hinfiebern wert? Ja. Bedingt dadurch, dass der Täter nicht durch die halbe Stadt gejagt werden musste und die schlussendliche Befragung friedlich ablief, bekamen wir hier einen angenehmen Ausgleich zum anderen Fall.
Ein guter neunter Teil, mit mehreren Schwächen, aber dennoch gut lesbar und unterhält für ein paar Stunden.
Für Fans des Autors ein solider Thriller
Die Dämmerung von Marc Raabe
Vor etwa einem Jahr habe ich den Vorgänger „Der Morgen“ gelesen. Dieser hat mir, mal abgesehen von ein paar Kritikpunkten, recht gut gefallen. Dementsprechend war es nur eine Frage der Zeit, bis Teil zwei in meinem Warenkorb landet. Vorweg kann ich sagen: Ja, das Buch hat mir etwas besser gefallen, aber dennoch missfielen mir wieder ein paar Dinge.
Fangen wir also wie immer am Anfang an.
Dieser gestaltet sich recht rasant. Ein Wildschwein attackiert eine junge Frau. Diese kann sich gerade so retten. Während ihrer Flucht hört sie einen markerschütternden Schrei. Ein paar Meter von ihr entfernt findet sie ein Mischwesen, welches sich später als die tote Charlotte Tempel herausstellt. Bis hierhin hat mir das Buch gut gefallen. Knallharte Action. Herzklopfen. Zur Krönung eine Portion Entsetzen.
Danach ebbt das Tempo etwas ab, als Art Mayer und Nele Tschaikowski den Fall übernehmen. Was folgt, ist eine gut geschriebene und rasante Ermittlung. Die beiden Charaktere haben sich von Teil eins weg bis hierhin gut weiterentwickelt. Die Ereignisse von vor einiger Zeit stecken ihnen immer noch in den Knochen. Arts Privatleben ist turbulent wie eh und je. Seine „Ziehtochter“ haltet ihn auf Trab. Und sonst hat er immer was zu tun. Nele hingegen geht es diesmal etwas ruhiger an. Aus guten Gründen versteht sich. Dementsprechend steht sie diesmal etwas weniger im Rampenlicht. Dennoch gerade so viel, dass sie nicht wie ein Anhängsel wirkt. Außerhalb des Wahrnehmungsbereiches der beiden tut sich nicht viel. Ihre Kollegen sind etwas blass und tragen zum Geschehen nicht mehr bei als sie sollten.
Leo, die Tochter von Charlotte Tempel, hält unser Duo ordentlich auf Trab. Bedingt durch die Umstände zeigt diese sehr viele Charaktereigenschaften auf einmal. Außerdem ist ihr Handeln in der Regel unberechenbar und stellenweise brutal. Passt irgendwie so gar nicht zu ihrer Mutter. Daher ist es kein Wunder, dass sie zuerst ins Visier der Ermittler gerät. Zwischen dem aktuellen Geschehen wird eine Tonband-Aufnahme abgespielt, welche viele Fragen zur gegenwärtigen Lage beantwortet und eine durchaus spannende Geschichte erzählt. In dieser kommen zwei Charaktere vor, welche in der Handlung auch ihren Auftritt haben. Die Namen wurden jedoch geändert.
Bis es zum schlussendlichen Showdown kommt, vergeht eine Weile. Diese ist glücklicherweise nicht lange von Dauer. Denn der Schreibstil erzeugt eine recht hohe Geschwindigkeit, sodass die Geschehnisse gerade zu an einem vorbeifliegen. Was in den meisten Fällen gut funktioniert hat.
Jedoch haben mich ein paar Dinge beim Lesen gestört.
Zuerst das Offensichtlichste. Die Aufmachung der Handlung ist der im ersten Teil sehr ähnlich, wenn nicht sogar identisch. Schade, dass sich hier nichts anderes überlegt wurde. Wieder wurde darauf verzichtet, einen Charakter als Täter:in zu nehmen, den/die man kennt und welcher bereits Anzeichen gezeigt hat, dass mit ihm/ihr etwas nicht stimmt. Stattdessen wurde, böse gesagt, ein/e Statist:in gewählt, der/die mit dem Geschehen relativ wenig zu tun hat. Anwesend und etwas komisch zu sein reicht wohl aus, um als Mörder:in durchzugehen. Die Glaubhaftigkeit seines/ihres Motivs war löchriger als ein Schweizerkäse. Ich habe ihm/ihr seine/ihre Rolle keine Minute abgenommen. Schade.
Die genannten Punkte haben mir das Buch etwas madig gemacht. Fühlt sich sehr nach Recycling an. Was prinzipiell nichts Schlechtes ist. Es gibt genügend Leser:innen da draußen, die sich wohl damit fühlen ein bekanntes Schema vor Augen zu haben und nicht auf unerwartete Wendungen zu treffen. Für mich ist das leider nichts. Andere größere Autoren habe ich dafür ausreichend kritisiert. Verstehe aber, warum das so gehandhabt wird.
Trotz aller Kritik könnte das Buch, bzw. die Reihe, etwas für euch sein, wenn euch meine genannten Punkte nicht stören.
Eine gelungene Dystopie
Our Mechanical Hearts von Jacqueline Mayerhofer
Es ist schon eine Weile her, seit ich einen Roman aus diesem Genre gelesen habe. Nicht jede Handlung gefiel mir auf Anhieb. Viele Bücher waren mir zu klischeehaft oder zu einfach gestrickt. Dementsprechend mied ich dann irgendwann alles, was damit zu tun hatte, oder so ähnlich klang.
Nachdem ich auf der VIECC dieses Buch live vorgelesen bekommen habe, wollte ich dem Ganzen eine erneute Chance geben.
Das Cover sah vielversprechend aus, der Klappentext klang simpel und versprach nicht zu viel. Nur das Wesentliche. Da ich kein Fan davon bin, wenn ich auf der Rückseite die halbe Handlung lesen kann, war ich davon recht angetan.
Der Anfang erklärte recht flott, worum es geht. Julian Baldir wohnt zusammen mit einem Mitbewohner in einer viel zu kleinen Wohnung. Die Preise und Löhne scheinen in dieser noch weiter auseinanderzuklaffen als bei uns. Dementsprechend ist alleine wohnen für unseren Protagonisten ein Wunschtraum. Aufgrund seines Jobs wird er von Menschen, die recht wenig von den mechanischen Lebensformen halten, angefeindet und schief angeschaut. Als ob er absolut freiwillig für den „Feind“ arbeiten würde.
Von da an machte mich das Buch noch neugieriger. Das klang bisher nicht nach dem üblichen Standard Plot.
Während seiner Schicht trifft er neben seinen menschlichen Arbeitskollegen auch auf eine Androidin, welche optisch, wie viele andere moderne Modelle auch, sehr menschlich wirkt, aber sich vom Verhalten her nicht weiter von ihrer Vorlage unterscheiden kann. Das scheint aber von der großen KI, der alle mechanischen Helferlein dienen, so gewollt zu sein. Es könnte sich durch ein freies Entfalten ein neues Bewusstsein entwickeln. Das will ja keiner. Menschen sind ja bekanntlich das beste Negativbeispiel dafür, wenn die vollständige Kontrolle fehlt.
Die alten Modelle, mit denen sich Julian nach besagtem Vorfall anfreundet, wirken dagegen sehr viel menschlicher. Nach und nach wird auch klar, dass es sogar unter mechanischen Individuen so etwas wie „Rassenunterschiede“ oder gar Rassismus gibt. Sieht man perfekt am überheblichen Verhalten der modernen Androiden. Warum sollten sich diese auch mit dem alten Schrott abgeben?
Die Art und Weise, wie die Autorin die Handlung erzählt hat, hat mir wirklich gut gefallen. Nicht zu hastig, aber nicht zu langsam. Immer der Situation entsprechend. Die grundsätzliche Stimmung fing sie ebenfalls perfekt ein. Genauso wie ich mir so eine Zukunft vorgestellt habe.
Das Ende inklusive Showdown und dem liebevoll erzählten Epilog rundeten das Gesamtwerk perfekt ab.
Wenn ihr das Buch noch nicht kennt, oder einen kurzweiligen Science-Fiction-Roman sucht, könnte es euch gefallen.
Für Fans einen Blick wert
Gestehe von Henri Faber
Nach einem recht eindrucksvollen Einstieg lernen wir einen Charakter namens „ER“ kennen. Dieser scheint sehr viel Spaß dabei zu haben, seine Opfer zu quälen. Dass dieser Gedanke zu kurz gedacht ist, zeigt sich später recht eindrucksvoll. Danach ist es endlich so weit, wir lernen unseren Helden, den Star-Ermittler, Johann Winkler, Jacket kennen.
Seine Fassade. Unantastbar. Sein Lächeln. Umwerfend. Seine Vergangenheit. Futter für jeden Verlag und die lokale Zeitung. Auf den ersten Seiten empfand ich keinerlei Sympathie für ihn. Freut mich sehr, wenn Jacket von sich überzeugt ist und seit jenem Ereignis auf einem roten Teppich durch Leben läuft, aber wie kann man nur so unsympathisch und teilweise ekelhaft sein? Später wird klar, alles nur Fassade, für die Blitzlichter, für den Verlag, der seine Geschichte in Form eines Thrillers veröffentlicht hat und für ihn selbst. Denn unter dem makellosen Äußeren verbirgt sich eigentlich ein verletzlicher Mann, der mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Sprich einerseits mochte ich ihn so gar nicht, andererseits hatte ich einen Hauch Mitleid. Eher eine semi gute Basis für einen Hauptcharakter, der die Handlung tragen sollte. Dieser Eindruck bessert sich auf den nachfolgenden Kapiteln und Seiten kaum.
Dann haben wir noch Mo, welcher bisher eigentlich im Hintergrund gearbeitet hat. Seine Arbeit erledigt er immer mit absoluter Präzision. Aufgrund dieser Tatsache und weil er „Ausländer“ ist, wird er von seinen Kollegen immer wieder aufgezogen. Nicht selten auch körperlich gemobbt. Hier wurde die Rassismus-Keule so richtig schön geschwungen. Denn so ein Verhalten legten die Kollegen, trotz Mo’s Erfolg in dem Fall, nicht ab. Im Gegenteil. Es wurde mit der Zeit immer schlimmer. Besonders ein Kollege fällt durch seine „besonders kritische“ Art auf. Ich weiß nicht, ob so ein Charakter unbedingt eingebaut werden musste. Dass dieser so oft vorkam, machte es nicht besser. Natürlich ist nur Akzeptanz, Liebe und Heiterkeit in hoher Konzentration auch anstrengend, aber eine gesunde Balance hätte gereicht. Mal abgesehen davon, macht sich dieser Ermittler damit auf keinen Fall verdächtig. Niemals. ???? Immerhin bekommt Mo von seiner Freundin die Unterstützung, die er braucht, um sich behaupten zu können.
Wer „Er“ ist, welcher einem fast schon liebevoll erzählt, was mit seinen Opfern als Nächstes passiert, und warum diese seiner Meinung nach sterben müssen, erfahren wir glücklicherweise erst gegen Ende. Denn alles andere wird uns schon ab der Hälfte des Buches serviert. Wer sich nicht von zahlreichen Wendungen und Perspektivenwechsel durcheinander bringen lässt, kommt recht schnell auf die Lösung, wer mit wem unter einer Decke steckt.
Das Lesen empfand ich allgemein als eher anstrengend. Der Anfang zog sich, dank unseres Star-Ermittlers, sehr in die Länge, die vom Autor gestreute Verwirrung, welche zu oft angewendet wurde und die angesprochenen Probleme der Kollegen untereinander, welche den Rest der Handlung ausmachte, machten es nicht besser. Für die meisten Leser, welche gerne die bekannten Bestseller Thriller lesen, wird es ein tolles Buch sein, aber für mich ist es eines von vielen, welches ich bald wieder vergessen werde.
Die schlussendliche Auflösung hat mir nicht zugesagt. Es wurde versucht sehr viel im Nachhinein zu erklären, was in den Seiten zuvor vorgefallen und dass „Sache A“ eigentlich durch „Ereignis D“ entstanden und die logische Lösung selbstverständlich „Lösung Z“ und nicht „F“ ist. Selbst nach mehrmaligem Lesen und darüber grübeln wurde es für mich nicht logischer. Oder ich bin einfach zu doof für einen solchen Plot. Das kann auch sein.
Hier möchte ich auf mein zu Anfang verwiesenes Zitat hinweisen. Es war wieder einer dieser Fitzek ähnlichen Romane, welcher für die Masse ausgelegt wurde. Nicht mehr und nicht weniger.
Zum Schluss noch ein paar positive Dinge. Den Charakter Mo habe ich bereits erwähnt. Ein toller Charakter, mit viel Ehrgeiz, mit dem Herz am rechten Fleck, welcher sich kaum aus der Ruhe bringen konnte. Die kleinen Verweise auf den tatsächlich existierenden Verlag „dtv“ und den Autor selbst haben mich zum Grinsen gebracht.
Wenn euch das Buch immer noch zusagt, lest es gerne und teilt mir eure Meinung mit. Würde mich freuen. Bis zum nächsten Mal.
Ein guter Auftakt der Reihe
Diebesgut & Hexenmal - Die Abenteuer des Barden Spikero 1 von C. Gina Riot
Wie hat mir das Buch nun gefallen? Wurde ich enttäuscht oder konnte ich dem ersten Abenteuer von Spikero etwas abgewinnen?
Beginnen wir zunächst mit dem auffälligsten Merkmal des Buches. Dem Schreibstil. Dieser bedient sich dem Wortschatz aus den mittelalterlichen Gefilden. Sowohl in den Dialogen als auch in der Beschreibung der Handlung.
Zu Beginn empfand ich die Ausdrucksweisen als ungewohnt oder gar gestelzt. Befand aber mit dem Fortschreiten der Handlung, dass der Stil perfekt zum ganzen Rest gepasst hat. Manchmal schlich sich ein Schmunzeln auf meine Lippen. Die teils sehr detaillierten Beschreibungen von Spikeros Gedanken oder dessen Aussehen konnten mir stellenweise einen Lacher entlocken.
Wenn man vom Teufel spricht. Der gute Spikero spielt ganz eindeutig die Hauptrolle. Nicht nur auf seiner kleinen Bühne, sondern auch in der Handlung gibt es praktisch kaum einen Absatz ohne ihn. Dies stellte sich in den folgenden Kapiteln als gute Entscheidung der Autorin heraus. Denn die anderen Charaktere, sogar seine liebste Ber, konnten mich nicht wirklich überzeugen. Letztere spielte ihre Rolle zwar noch recht gut, aber die andere Besatzung vergaß ich irgendwann sogar komplett. An sich nicht weiter schlimm.
Denn unser eitler Barde riss jeden nur verfügbaren Scheinwerfer an sich, um im Rampenlicht stehen zu können. Seine teils naive und tollpatschige Art brachten ihn in die seltsamsten und gefährlichsten Situationen, aus denen er sich zwar verbeult, aber halbwegs gesund heraus wieseln konnte.
Und sonst so? Die Umgebung, die Beschreibung der Schlüsselcharaktere und das rasante Ende haben mir wirklich gut gefallen.
Insgesamt betrachtet konnte mich das Buch überzeugen.
Guter zweiter Teil
Meuchler & Gestaltwandler - Die Abenteuer des Barden Spikero 2 von C. Gina Riot
Meine Neugier, mit welchem Abenteuer uns die Autorin nun verwöhnen möchte, hat sich gelohnt. Gestaltwandler in Büchern locken mich ohnehin an wie Motten das Licht. Garniert mit einem Meuchelmörder. Was kann da noch schiefgehen?
Die Geschichte beginnt wie immer recht friedlich. Spikero schlendert durch die Straßen, musiziert fröhlich vor sich hin und schmachtet seine Geliebte an.
Jedoch dauert es nicht lange, bis ihn seine zukünftige Auftraggeberin mit einem interessanten Auftrag lockt. Ein Elixier, welches Gestaltwandler enttarnt. Alleine die Tatsache, dass diese Geschöpfe wirklich existieren, fasziniert unseren Helden. Das Gebräu lässt sich sicher einfach besorgen. Immerhin gibt es in seiner Nähe einen Gelehrten, welcher in der Lage sein müsste dieses zu brauen. Der Einstieg hat mir bis hierhin gut gefallen. Schön knackig, relativ simpel aufgebaut. Garniert mit Spikeros witzigen Äußerungen. Der kleine Barde ist wieder ganz in seinem Element. Sehr zum Leid seines Umfeldes, welches nicht wirklich davon angetan ist. Wenn wunderts? ^^
Von da an gewinnt die Handlung an Fahrt. Ein plötzlicher Mord, mindestens ein Toter, ein verdächtiger, aber bekannter Gestaltwandler, eine seltsame Auftraggeberin und eine Geliebte, welche ihrem Barden immer weniger Aufmerksamkeit schenkt. Die Autorin hat es auch im zweiten Teil geschafft, die perfekte Balance zwischen Spikeros Alltag und seinem Abenteuer zu halten. Auch wenn mir der Kleine stellenweise etwas auf die Kartöffelchen ging. Aber kann man ihm böse sein? Nun denn. Weiter geht’s.
Die schrittweise Aufklärung der Morde und die gut platzierten Schlüsselmomente sind der Autorin ebenfalls gelungen. Das (offene) Ende hat mich überrascht. Hut ab. Ich war so damit beschäftigt, den Mörder vor Spikero zu finden, dass ich gar daran gedacht habe, es könnte an anderer Stelle ebenfalls brenzlig für ihn werden.
Ganz allgemein hat mir die detailreiche und spannende Beschreibung der Umgebung gut gefallen. Die Charaktere waren wie auch im Teil zuvor eher Beiwerk. Aber, wie schon zuvor erwähnt, um die ging es ja nicht. Unser selbst ernannter Held stand ganz klar im Vordergrund.
Mein Fazit sollte euch nicht verwundern. Teil zwei hat mir, trotz kleiner Kritik, sogar etwas besser gefallen als Teil eins. Es wirkte vieles ausgereifter und interessanter. Wenn euch die Beschreibungen beider Teile zusagen, könnt ihr gerne einen Kauf wagen. Ihr werdet es nicht bereuen.
Ein gelungener Nachfolger
Hold me tight von Sabrina Liska
Kennt ihr die Liebesromane in denen, die beiden Protagonisten ewig umeinander herumkreisen, bis sie sich dann schlussendlich eingestehen müssen, dass ihre Gefühle füreinander nicht nur eine Phase sind? Sondern echt? Solche Bücher sind nichts Neues und schaffen es, garniert mit allerlei Missverständnissen, die Leser:innen über mehrere Seiten hinweg bei der Stange zu halten.
Meine bisherigen Erfahrungen waren bisher mit Masse positiv. Viele Autoren haben eine gute Mischung aus den genannten Punkten abgeliefert. Dazu kommen natürlich noch Dinge wie das soziale Umfeld, die Freizeitaktivitäten beider Charaktere, das sinnvolle Einbinden von Nebencharakteren, unerwartete Wendungen, ein Blick in vergangene Zeiten und was den fleißigen Schreiberlingen sonst noch so einfällt.
Aber warum erzähle ich euch das? Nun. Sabrina Liska hat in diesem Buch mit den Missverständnissen, die mir sonst gehörig auf die Nerven gehen und dem Mangel an Selbstreflexion in Bezug auf ihre Protagonistin, was auch dezent lästig ist, sehr viel herumgespielt. Wie hat sie es geschafft, mit der einfachen Prämisse „Sie wissen, dass sie sich lieben, aber eine Seite möchte sich den Fakt nicht eingestehen“ über 300 Seiten zu füllen?
Fangen wir mit Ricarda an. Wer Teil eins gelesen hat, weiß bereits, um wen es sich handelt. Für alle anderen ein kurzer Abriss ihrer Persönlichkeit. Sie ist die Zwillingsschwester von Ella, was vor allem im ersten Teil zu witzigen Szenen geführt hat. Aber spätestens, wenn sie den Mund aufmacht weiß man, wer wer ist. ???? Egal in welcher Situation, egal, wer gerade die Szenerie betritt, Ricarda hat für jeden einen passenden Spruch parat. Nicht immer nett, wirklich nicht. Aber die freche und vorlaute Art ist eben ihr Ding und gleichzeitig ihr Schutzpanzer. Bei Carter jedoch ist das eine ganz andere Sache. Sie bleibt vorlaut, jedoch fällt es ihr unglaublich schwer sich nicht an ihn zu kuscheln und ihn nicht nur mit den Augen auszuziehen. Problem an der Sache. Liebe ist (scheinbar) nicht ihr Ding. Beziehungen noch viel weniger. Sie möchte frei wie ein Vogel sein. Gefühle stehen ihr hierbei nur im Weg. Außerdem resultiert ihrer Meinung nach eine Beziehung darin, irgendwann eingesperrt zu sein. So ihr Gedankengang. Das Problem ist nur, dass ihre Sturheit, sich die Gefühle für Carter einzugestehen, immer mehr einengt und sich somit jede „Fluchtmöglichkeit“ nach und nach auflöst.
Apropos Carter. Dieser hat mir die meiste Zeit über echt leidgetan. Selten habe ich in einem Buch einen Typen erlebt, der sich so um seine Geliebte bemüht hat und aufgrund ihrer Sturheit nahezu permanent abgeblitzt ist. Jeder andere hätte Ricarda irgendwann in den Wind geschossen. Er nicht. (Warum Carter?) Aber zum Glück gab er sie nie auf. Gerade ihre Sturheit, der Mangel an Selbstreflexion und ihrer Angst sich zu binden machte ihn für mich zum Helden des Buches. Selbstverständlich hat auch Carter eine schwere Zeit durchmachen müssen, welche natürlich zur Sprache kommt. Generell wurden sämtliche Fragen, welche beim Lesen aufkamen, nach und nach beantwortet, oder man machte sich am Ende seinen eigenen Reim darauf.
Letzteres ist generell eine gute Herangehensweise an das Buch. Hier könnt ihr euch gedanklich vielfach austoben und so wie ich „Was wäre wenn?“ Szenarien ausdenken. Da viele Dinge bereits offensichtlich sind. Die Gefühle zwischen Carter und Ricarda. Dass beide eine schwere Zeit durchgemacht haben. Dass wir vermutlich eine gefühlte Ewigkeit darauf warten, bis sie endlich nachgibt, um dann wirklich ein freies Leben, mit ihm, führen zu können. Es ist ein Buch, welches noch weit mehr als der Vorgänger zum Nachdenken anregt. Vor allem, ob es sich lohnt seiner großen Liebe ewig hinterherzurennen, obwohl man weiß, dass erstere eigentlich auf Gegenseitigkeit beruht, aber der letzte Schritt von ihr kommen muss.
Was haben wir noch? Das soziale Umfeld der beiden. Es ist, da sich beide den gleichen Freundeskreis teilen wie unser erstes Pärchen, nicht großartig anders als in „Be my light“. Etwas Weiterentwicklung war da, angedeutete Dinge im ersten Teil wurden nun umgesetzt. Freute mich zu lesen, dass die Zeit nicht plötzlich stehen geblieben ist. Gerade Ella stach mit ihrer Persönlichkeit heraus. Es geschah nicht selten, dass sie ihre Schwester bei den Ohren bezüglich Carter nehmen musste. Mit Ricarda musste die komplette Gruppe sehr viel mitmachen.
Noch ein paar Worte zum Cover. Es ist wieder wunderschön und passte wie der Vorgänger auch perfekt zu Handlung. Das ist nicht selbstverständlich und daher eine Erwähnung wert.
Insgesamt betrachtet hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ein Vergleich zum Vorgänger ist schwierig, da die Herangehensweise anders und die Atmosphäre im Buch selbst ebenfalls anders war. Natürlich gibt es wieder Triggerwarnungen. Der Schreibstil konnte mich auch hier wieder packen. Eine leichte Verbesserung zum ersten Teil ist spürbar. Kritikpunkte gibt es grob betrachtet keine. Wenn ich danach suchen müsste, dann würde mir sicher etwas einfallen, aber das sprichwörtliche Haar in der Suppe suchen ist nicht meine Aufgabe. Bin nur ein Leser, mehr nicht. ????











