Kunden em pfehlungen
Rezensionen von tweedledee:
Endzeit-Thriller
Ein Fluss so rot und schwarz von Anthony Ryan
Anthony Ryan hat in seinem neuesten Werk "Ein Fluss so rot und schwarz" ein düsteres Alptraumszenario geschaffen.
Stell dir vor, du erwachst aus dem Schlaf und findest dich auf einem Schiff wieder. Mit Menschen, die du noch nie zuvor gesehen hast, die du nicht kennst. Das Schlimmste aber: Du weißt nicht, wer du bist.
Kennst weder deinen Namen, deine Vergangenheit, noch weißt du wie du auf das Schiff gekommen bist oder was dein Ziel ist. Du bist wie ein leeres, unbeschriebenes Blatt. Auf deinen Arm ist ein Name tätowiert: Huxley.
Wie Huxley geht es den übrigen Personen auf dem Schiff, keiner weiß wer er ist. Nur eines wird klar: sie haben eine Mission.
Das Schiff steuert durch dichten undurchdringlichen Nebel, ist ferngesteuert, keine Möglichkeit, den Kurs zu beeinflussen. Irgendwann zeigt sich, dass das Schiff auf London zusteuert. Ein menschenleeres, ausgestorbenes London. Nur von Ferne hört man merkwürdige Schreie.....
Ich war von der ersten Seite an gefesselt von dieser postapokalyptischen Geschichte. Die Vorstellung einer solchen Welt ist verstörend und beunruhigend. Ich hatte beim lesen Kopfkino und die Szenerie bildlich vor Augen.
Die Idee ist nicht wirklich neu, aber gut umgesetzt, ein bildhafter Schreibstil und eine dichte, düstere Atmosphäre. Einziges Manko für mich ist die Figurenzeichnung, die aufgrund des Gedächtnisverlusts der Protagonisten eher spärlich ausfällt. Ich hätte mir gewünscht, einige zumindest besser kennenzulernen.
Insgesamt läuft die Handlung wie in einem Actionfilm ab, ist temporeich und spannend. Genau mein Geschmack.
komplexer Krimi
Glutspur von Katrine Engberg
Hannah Leons Bruder hat vor einigen Monaten Selbstmord verübt, als er auf Freigang aus dem Gefängnis war, sie und ihr Vater sind immer noch geschockt. Da sie dringend Geld benötigen, vermieten sie die Einliegerwohnung an Liv Jensen, die früher Polizistin war und jetzt als Privatdetektivin arbeitet.
Liv wird von einem ehemaligen Kollegen gebeten, in dem Mordfall an einem Journalisten zu ermitteln, der immer noch nicht geklärt ist.
Dann geschieht ein neuer Mord. Die Museumsangestellte Marianne wird ermordet aufgefunden, ihr ehemaliger Lover Nima gerät als potentieller Täter ins Visier der Polizei. Während Liv Recherchen anstellt wird klar, dass es zwischen den Taten Verbindungen gibt....
Für mich war es das erste Buch der Autorin und ich bin begeistert. Ein eingängiger, flüssig zu lesender Schreibstil lässt die Seiten nur so dahin fliegen. Die Charaktere sind detailliert angelegt, man erhält zu allen Protagonisten Hintergrundinfo und kann so ihre Gefühle und Handlungen sehr gut verstehen. Sie wirken plastisch, realistisch und sind mehr oder weniger sympathisch. Liv hat mir als Hauptcharakter gut gefallen, ich konnte ihr bei den Ermittlungen über die Schulter schauen und hatte das Gefühl, mitten in der Story zu sein.
Fazit: Kann ich nur empfehlen, eine dichte, fesselnde Handlung und tolle Protagonisten.
packender zweiter Fall
Tief im Schatten von Viveca Sten
Hanna Ahlanders zweiter Fall geht unter die Haut: Hanna und ihre Kollegen müssen den Mord an einem ehemaligen Ski-Olympioniken aufzuklären. Johan Andersson ist nach einem Unfall vor vielen Jahren, der ihn die Ski-Karriere kostete, als Klempner unterwegs. Er ist für seine Freundlichkeit und gute Laune bekannt und allseits beliebt.
Umso unverständlicher ist der brutale Mord, die Suche nach einem Mordmotiv und dem Täter gestaltet sich schwierig.
Schon der erste Fall für Hanna war überzeugend, aber der zweite toppt das noch. Die Geschichte wird in zwei verschiedenen Strängen erzählt. Zum einen verfolgen wir die Ermittlungen in der Gegenwart, zum anderen erfahren wir etwas über eine Frau, die Ihr Leben in der Gemeinschaft einer Freikirche verbringt. Dieser Strang hat mich sprachlos gemacht, er geht sehr nah.
Der Schreibstil ist wie gewohnt locker, die winterliche Atmosphäre perfekt eingefangen.
An den Figuren war ich hautnah dran, sie gewinnen an Tiefe, auch weil ihr Privatleben miteinbezogen wird.
Die Spannung ist bei diesem Krimi immer präsent, ich konnte miträtseln und habe mich gefragt, was hier wirklich vorgeht. Für mich war das Buch ein Pageturner, auf die Fortsetzung freue ich mich schon jetzt.
atmosphärischer Island-Krimi
Verlogen von Eva Björg Ægisdóttir
Schauplatz Island: In einer Höhle wird eine Frauenleiche durch Zufall entdeckt. Bald steht fest, dass es sich um die seit einigen Monaten vermisste Marianna handelt. Nachdem die Polizei nach ihrem Verschwinden aufgrund eines hinterlassenen Briefes von Selbstmord ausging, wurde die Suche nach ihr irgendwann eingestellt.
Der Zustand der Leiche lässt keinen Zweifel daran, dass Marianna ermordet wurde und so beginnen die Ermittlungen von neuem. Elma und Sævar sind die ermittelnden Kommissare, sie versuchen alles um den Fall aufzuklären.
"Verlogen" war für mich das erste Buch der Autorin, das Cover ist gelungen und man sieht auf den ersten Blick, dass es sich um einen nordischen Krimi handelt. Die Autorin fängt die Atmosphäre gekonnt ein, Land und Leute werden beim lesen lebendig.
Neben der Haupthandlung in der Gegenwart gibt es den Strang einer jungen Frau, der in der Vergangenheit spielt. Diesen Strang fand ich besonders fesselnd, zumal er so geschickt angelegt ist, dass man als Leser auf der falschen Fährte ist. Ich war sehr überrascht, als sich anbahnte, wer die junge Frau ist.
Die Figurenzeichnung war in Ordnung, könnte aber noch detaillierter sein. Was ich vermisst habe war Spannung, denn die Handlung ist zwar fesselnd und interessant, hat aber auch einige Längen im Mittelteil.
Insgesamt hat mich der Krimi gut unterhalten, ich vergebe 3 Sterne
fesselnd
Der Trip - Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand. von Arno Strobel
Zwei Jahre ist es her, dass Evelyn Janckes Bruder Fabian zusammen mit seiner Frau von einem Wohnmobil-Trip nicht mehr nach Hause gekommen ist. Seinen Zielort hat er nie erreicht, nach einer Autopanne in Frankreich verliert sich jede Spur von ihm. Evelyn stand ihrem Bruder sehr nahe, seit seinem Verschwinden ist die forensische Psychologin wie gelähmt und quält sich durch die Tage.
Das ändert sich, als ein Serienkiller in Norddeutschland auf Campingplätzen brutal mordet und die Polizei sie um ihre Hilfe bittet. Der Schock: das Phantombild, das nach der Beschreibung des einzigen Zeugen erstellt wird, sieht Fabian zum Verwechseln ähnlich. Für Evelyn ist klar, dass sie Fabian unbedingt finden muss. Mit Hilfe ihres Kollegen Tillmann begibt sie sich auf eine gefährliche Suche...
Der Thriller hat mich gut unterhalten, er ist flüssig zu lesen und absolut spannend. Evelyns Zerrissenheit kommt glaubhaft rüber, sie weiß nicht wem oder was sie glauben soll und schwankt immer wieder in ihrer Meinung, ob der Mörder tatsächlich ihr Bruder sein könnte oder nicht. Auch wenn die Taten des Serienkillers grausam sind, werden sie nicht allzu deutlich beschrieben. Ich konnte miträtseln und habe je nach Wendung auch geschwankt, ob Fabian der Mörder ist oder nicht. Spannende Thrillerkost.
fesselnder Auftakt
Schwarzvogel von Frida Skybäck
Die Kommissarin Fredrika Storm wird nach einem missglückten Einsatz in Stockholm nach Lund versetzt, in die Region in der sie aufgewachsen ist. Kaum angekommen, hat sie mit ihren neuen Kollegen den ersten Fall. Es ist Winter, das Eis auf den Seen trägt noch nicht. Tragisch für eine junge Frau, die panisch auf das Eis läuft, einbricht und ertrinkt.
Fredrikas Großmutter hat den Unfall beobachtet und ist die einzige Zeugin. Für Fredrika stellt sich die Frage, ob es sich wirklich nur um einen tragischen Unfall handelt, oder ob ein Verbrechen dahinter steckt.
Mir hat Fredrikas erster Fall richtig gut gefallen, Fredrika und ihr Kollege Henry Calment sind interessante Figuren. Beide sind sympathisch, so dass ich mit ihnen mitfiebern konnte. Spannend auch, wie die Autorin Fredrikas Familie in den Fall einbindet. Welches Geheimnis steckt hinter dem Verschwinden von Fredrikas Mutter, als sie noch ein Kind war? So ist der Plot dicht gewebt und man wird mit so mancher Wendung überrascht.
Fazit: Fesselnder Auftakt einer neuen Reihe, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
spannende Thematik
KRYO - Die Verheißung von Petra Ivanov
"Kryo - Die Verheißung" ist der erste Teil einer Trilogie. Im Mittelpunkt steht Julia, deren Sohn Michael Wild plötzlich verschwindet. Das Verhältnis zu ihrem Sohn war seit einiger Zeit schwierig, doch Julia macht sich sofort auf die Suche nach Michael. Dabei wird sie mit dem Thema der Optimierung des Menschen konfrontiert.
Ihr Sohn hatte seinen Beruf als Chirurg aufgegeben und war zuletzt als freischaffender Journalist angestellt, er wollte die Inhaber verschiedener Firmen zu diesem Thema interviewen.
Ein Unternehmen bietet die Möglichkeit, den Körper nach dem Tot zu konservieren, eine andere preist Verjüngungen mittels Blutplasma an. Und letztlich wird dran geforscht, das menschliche Bewusstsein digital zu speichern. Julias Recherchen bringen sie in Gefahr.
Die Story hat mich von Anfang an gepackt, da mich die Thematik interessiert. Der Schreibstil ist für einen Thriller anspruchsvoll und doch flüssig zu lesen, die Seiten fliegen nur so dahin. Julia ist sehr gut gezeichnet, ich konnte mit ihr mitfühlen und war bei ihren Recherchen hautnah dabei.
Man erlebt die Geschichte zumeist aus Julilas Perspektive, es gibt aber noch andere Stränge, so dass es abwechslungsreich bleibt.
Fazit: Ich fand den ersten Teil absolut spannend und freue mich schon auf die Fortsetzung.
politischer Thriller
Skorpion von Matt Basanisi; Gerd Schneider
Ich lese gerne Polit- und Wirtschaftsthriller. Das Thema war für mich interessant, ich habe mich auf das Buch gefreut und Punkte eingelöst. Leider konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen.
Angefangen bei den vielen Zeitenwechseln und Rückblicken. Normalerweise kein Problem für mich, im Gegenteil.
Verschiedene Zeitebenen machen eine Story erst richtig interessant. In diesem Fall haben die Rückblicke meinen Lesefluss gestört, es fiel mir schwer, mich in der Geschichte einzufinden. Viele, für mich zu viele Details, zu viele Personen, Ortswechsel, die Rückblenden. Ich musste mich zwingen, das Buch zu Ende zu lesen.
Und das obwohl das Thema wirklich interessant ist, zumal das Autorenduo auch reale Figuren und Begebenheiten einfließen lässt.
Die Charakterzeichnung war in Ordnung, allerdings hatte ich keinen, mit dem ich richtig mitfiebern konnte. Auch spannungstechnisch wurden meine Erwartungen leider nicht erfüllt. Schade.
eine Nacht, die alles verändert
Die letzte Nacht von Karin Slaughter
Im elften Teil der Georgia-Reihe geht es um ein brisantes Thema, ein Thema das Sara Linton ganz persönlich betrifft. Während Saras Dienst in der Notaufnahme behandelt sie eine junge Frau, die missbraucht wurde. Sara versucht alles, um Danis Leben zu retten, leider ohne Erfolg. Dani Cooper stirbt, doch Sara hat sich geschworen, den Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.
Die eigentliche Handlung findet drei Jahre später statt, als der Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger läuft und Sara mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird.
Für mich war es der erste Teil der Reihe. Ich habe zwar einige Bücher der Autorin gelesen, aber noch keinen Teil der Georgia-Reihe. Der Einstieg war flüssig, die Charaktere werden eingeführt, ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, in die Geschichte einzusteigen. Sara wirkt sympathisch, ich konnte mit ihr fühlen und ihre Reaktionen verstehen. Auch die anderen Figuren sind sehr gut gezeichnet, so dass ich ein gutes Bild von ihnen hatte.
Die Thematik geht nahe, Karin Slaughter packt das Thema feinfühlig an, so dass ich mich in die Protagonisten hinein versetzen konnte. Die Story ist packend und auf subtile Weise spannend. Für mich zwar kein typischer Thriller, dennoch so fesselnd, dass ich am liebsten ohne Pause gelesen hätte. Verdiente 5 Sterne.
Satire?
Blue Skies von T.C. Boyle
Mein erster Boyle, so viel schon von seinen Büchern gehört, das Thema brandaktuell, insofern war ich ziemlich gespannt.
Positiv: Boyles Schreibstil ist gewaltig, er zeichnet Bilder mit Worten, man fühlt sich in der Szenerie zu Hause. Nimmt die Umgebung, die Wetterlagen wahr, fühlt sich als Teil der Geschichte.
Großartige Atmosphäre mit zwei Schauplätzen in den USA. Florida und Kalifornien. Wobei Florida im Wasser zu versinken scheint, während Kalifornien austrocknet und brennt.
Vor diesem Hintergrund leben die Protagonisten ihr Leben, und hier wird es grotesk. Eine Familie, von Schicksalsschlägen gebeutelt, die man sich nicht ausdenken kann. Ich wusste teils nicht, ob ich lachen oder heulen sollte, aber so ganz erst konnte ich die Figuren nicht nehmen, die ziemlich überzeichnet sind. Ottilie und Frank haben zwei Kinder hervorgebracht: Cooper, der Insekten erforscht, immer noch an seiner Dissertation feilt, die wohl nie fertig werden wird. Und Cat, die berufsmäßig "Influencerin" werden will. Hat sie überhaupt etwas gelernt? Geht nicht hervor, es sei denn, ich habe es überlesen. Cat ist so herrlich naiv (um nicht zu schreiben blöd) und weltfremd, ich kam aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Ihr Lover und Ehemann Todd veranstaltet für Bacardi Partys, er ist so oberflächlich, dass man sich fragt ob es solche Menschen im real life wirklich gibt. Cooper wird nach seinem Schicksalsschlag verbittert, wo er zuvor verbissen war. Seine Beziehungen wechseln immer wieder. Ottilie folgt den Empfehlungen ihre Sohnes akribisch, ohne zu hinterfragen. Sie will krampfhaft das Richtige tun.
Und ganz nebenbei spielt der böse Klimawandel eine Rolle. Der Autor malt ein Weltuntergangszenario, das sich gewaschen hat. Meine Güte! Hier wird dick aufgetragen und kein Punkt ausgelassen. Sintflutartige Regenfälle, Fäule und Moder auf der einen Seite, Trockenheit, Dürre und Waldbrände die andere. Die Familie isst Insekten, betreibt eine Zucht um immer frisch an die leckeren Proteine zu gelangen. Fleisch aus dem Reagenzglas, Covid-Impfungen, Elektroautos, die Familie tut alles, um die Welt zu retten. Hilft nur nicht.
Aber was immer zu helfen scheint, ist Alkohol, der in rauen Mengen fließt. Prost!
Fazit: Der wirklich wunderbare Schreibstil hat mich bewogen, das Buch zu Ende zu lesen. Allerdings wirkt die Story wie Satire, ernst nehmen kann ich die Handlung nicht.











