Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Psychogramm einer Weltmacht
Die Chinesen Psychogramm einer Weltmacht. Gebunden. von Baron Stefan; Yin-Baron Guangyan
Die Chinesen ist ein interessantes Sachbuch, dass einen ganzheitlichen Ansatz besitzt. Somit werden die unterschiedlichsten Themen über die Chinesen und ihre Eigenschaften und Verhaltensweisen in verschiedenen Bereichen des Lebens gezeigt.
Mich persönlich interessierte erst einmal der wirtschaftliche Aspekt am meisten und da der Journalist Stefan Baron Spezialist gerade im Bereich Wirtschaft ist, gibt es einiges Substantielles darüber zu lesen.
Neben Fakten, die dem Leser bekannt sein dürften oder wo sich der Effekt des erwartendes und bestätigenden ergibt, sind auch einige Überraschungen dabei.
Zweifellos werden einige Bereiche der Thematik durch Stefan Barons Co-Autorin und Ehefrau Guangyan Yin-Baron bereichert.
Das Lesen reflektiert eigene Erfahrungen, die sicher manche Leser mit Chinesen als Kunden, Lieferanten oder Kollegen haben. Im privaten Leben wird es schon etwas seltener.
Das Buch wirkt dadurch erhellend, dass einem klar wird, das man nur Teilaspekte der Chinesen erkennt, es einen kulturellen, sozialen Background gibt, der einem ohne entsprechende Erfahrungen fremd bleibt. Einige Klischees lassen sich besser einordnen, wenn man die Hintergründe kennt, die jeweils dazu führen können.
Manche Passagen sind auch langweilig, aber das betrifft hauptsächlichen Abschnitte mit Themen, die mich weniger beschäftigen.
Die gefühlte Fremdheit kann einem das Buch aber auch nicht nehmen. Trotz Sympathien für China glaube ich nicht, das ich hinreisen könnte, ohne mich verloren zu fühlen.
Das Buch bleibt durchgehend und zu vielen Themen gut verständlich und schafft den Spagat zwischen kulturwissenschaftlichen und unterhaltenden Text.
Elegant
All die Jahre von J. Courtney Sullivan
All die Jahre ist eine elegant geschriebene Familien- und Auswanderergeschichte. Der Stil ist angenehm zu lesen, aber auch ein wenig verhaltend, nie ausschweifend. Das zeichnet en Roman durchaus aus.
Dem Buch ist ein schönes Zitat von Margaret Atwood vorangestellt:
Ich existiere an zwei Orten,
Hier und wo du bist.
Nora Flynn ist eine junge Frau, die sich nach dem frühen Tod ihrer Mutter pflichtbewusst um ihre jüngeren Geschwister kümmert. Dabei ist sie eigentlich kein selbstbewusster Typ, im Gegensatz zu ihrer jüngeren Schwester Theresa, die forsch und neugierig auf das Leben ist.
In den fünfziger Jahren wandert Nora mit Theresa von Irland in die USA aus. In Boston soll sie ihren Verlobten heiraten. Obwohl Nora nicht sehr in ihn verliebt ist, lässt sie sich darauf ein, damit Theresa gute Zukunftsaussichten bekommt. Prompt wird diese unbeabsichtigt Schwanger. Und wieder muss Nora Pflichten übernehmen.
Es ist beeindruckend, wie deutlich die Beziehungen er Figuren untereinander gezeigt werden. Das gilt zunächst für die Schwestern und eine Generation später auch für deren Kinder, die aber hauptsächlich 2009 als Erwachsene gezeigt werden. John, Patrick, Bridget, Brian. Auch diese 4 haben grundverschiedene Charaktere. Das macht das Buch gerade interessant.
Ausgezeichnete Sprecher-Riege
Mudbound - Die Tränen von Mississippi,8 Audio-CD von Hillary Jordan
Dieser Roman funktioniert aufgrund der verschiedenen, wechselnden Perspektiven hervorragend als Hörbuch, zumal es mit 6 großen Namen eine große Anzahl von Sprechern gibt. Der legendäre Detlef Bierstedt spricht Henry, , Eva Mackbach seine Frau Laura, Patrick Güldenberg seinen jüngeren Bruder Jamie, dazu kommen noch Steve Windolf, Maria Hartmann und Walter Kreye.
Eigentlich möchte ich keinen dieser hervorragenden Sprechern herausheben, aber erwähnenswert ist, dass Eva Mackbach am Anfang die umfangreichste Rolle, die sie entsprechend meistert. Später verteilen sich die Sprecheranteile mehr.
Die Dichte der Atmosphäre ergibt sich aus dem Schauplatz Mississippi und der Zeit, den vierziger Jahren. Die Handlung ist entsprechend von den Themen und Problemen der Südstaaten wie z.B. Rassenkonflikten, Kriegstraumata und den Naturgewalten beeinflusst.
Die weiße Familie McAllan und die schwarzen Pächter Jackson leben als Nachbarn und sind aufeinander angewiesen, aber es gibt auch Probleme. Ein alltäglicher, latenter Rassismus ist tief verwurzelt, aber es ist auch interessant zu sehen, wie sich manche der Figuren davon befreien können.
Das ist schon sehr hörenswert. Die Sprecher geben mit ihren einmaligen, prägenden Stimmen den Figuren wirklich Charakter und Persönlichkeit.
Nicht nur die Dialoge sind gelungen, besonders die inneren Gedanken der Figuren werden sichtbar und ihre Emotionen nachvollziehbar.
Hillary Jordans Mudbound ist ein Hörbuch, das man nicht so schnell vergisst!
Addies Gedanken
Frag mich, wie es für mich war von Heppermann Christine
Das Jugendbuch der US-amerikanischen Autorin Christine Heppermann ist vollkommen aus der Perspektive der Protagonistin Addie gestaltet, mit wenigen, gediegen gemachten Zeilen auf jeder Seite, die an Tagebucheinträge in Versform erinnern, an poems, innere Zwiegespräche etc.
Dieser Stil ist ganz anders als der vieler anderer Jugendbücher, sehr fein, sensibel und originell.
In der Summe entsteht dennoch eine geradlinige Handlung, die sich auf ein paar Monate erstreckt und von Addies Beziehung mit Nick erzählt, ihr Leben an einer katholischen Schule und als Läuferin, ihre ungewollte Schwangerschaft und Abtreibung und wie sie damit fertigen werden muss.
Dabei werden Addies Freund Nick, ihre Eltern und Freundinnen durchaus als unterstützend beschrieben.
Addie begegnet auch einer alten Freundin Juliana wieder, die ebenfalls Läuferin war.
Es ist eine Zeit, in der sich Addie und ihr Leben sowie ihre Gefühle ändern. Das ist sehr interessant zu lesen.
Geschichte mit Substanz
Eine Insel zwischen Himmel und Meer von Lauren Wolk
Die Insel zwischen Himmel und Meer ist ein sehr schönes, intensiv zu lesendes Jugendbuch, angesiedelt bei den Inseln der Küste von Massachuchetts. Das Buch ist ziemlich auf die junge Protagonistin Crow fokussiert, die als Baby aufgefunden bei ihrem väterlichen Freund Ochs aufwächst, unterstützt von Maggie, einer Nachbarin.
Ansonsten hat Crow kaum Kontakte, die Bevölkerung meidet sie aus unerklärlichen Gründen. Mit 12 Jahren ist Crow versessen darauf, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Sie fahren auf eine verlassene Nachbarsinsel, von der sie vermuten, das Crow daher stammt. Hier gibt es aber noch jemand, der der Vergangenheit nachforscht, eine düstere und gefährliche Gestalt.
Dadurch dass die Perspektive sehr auf Crow gelegt ist, wirken die Nebenfiguren leider ein wenig schematisch.
In der Realität würde jemand wie Crow wohl noch mehr unter der Einsamkeit und Isolation leiden. Immerhin weiß sie, auf wen sie sich verlassen kann und hat auf der Insel schon einiges gelernt.
Die Autorin Lauren Wolk setzt auf Atmosphäre, der Betonung der Freundschaft und Gemeinschaft der Protagonisten und ein wenig Action. Der Roman lässt sich einigermaßen spannend und auf jeden Fall sehr angenehm weglesen.
Im Nachwort erfährt man von der Autorin noch einiges von der Herkunft der Grundidee, wie die Figuren entstanden und reale geschichtliche und geographische Ursprünge. Persönlich mag ich es sehr, wenn jemand seine Stoffe so findet und geschickt aufbereitet. Die Geschichte bekommt mehr Substanz! Sprachlich spürt man den lyrischen Background der Autorin.
Ein Buch mit vielen Stärken und wenigen Schwächen, sehr lesenswert!
Umfassende Werkschau
Ernst Volland von Ernst Volland
Dieses Buch bietet eine umfassende Werkschau von Ernst Volland, die sich sowohl an den Kenner wie an den neuen Betrachter wendet.
Die Bilderflut erschlägt einen zu Anfang fast, mit den “eingebrannten Bilder”, die den ersten Teil des Buches einnehmen. Hier sieht man viele historisch bedeutenden Fotos, unscharf, dadurch verfremdet, mit bekannten wie brisanten Motiven, etwa das Foto von Anne Frank, Martin Luther King, Marilyn Monroe, Opfer und Täter aus Deutschlands schlimmer Zeit etc.
Viele Texte begleiten die Abbildungen, darunter auch Interviews und eigene Beiträge von Ernst Volland. Mir gefallen seine Gelassenheit und sein Humor.
In weiteren Kapiteln geht es um Plakate, Zeichnungen und Cartoons. Daran erkennt man, was für ein großer Querschnitt an verschiedenen Mitteln der Künstler nutzt. Dabei ist fast immer provokant gegen die Leute, die Macht haben und sie missbrauchten. Es gab in vielen Zeiten der deutschen Vergangenheit nicht viele, die sich gegen die Machtausüber stellten. Mächtige Konzerne, Atommächte und von der Wirtschaft abhängige Politiker haben nicht viel zugelassen. Der politisch engagierte Ernst Volland hält dagegen, sein Mittel ist die Satire. Themen sind immer wieder Kriegsgefahr insbesondere die atomare, Apartheid, Alkoholmissbrauch, Gewalt etc, dabei wird immer wieder die Vergangenheit herangezogen, um auf aktuelle Gefahren aufmerksam zu machen.
Intimfeinde sind Konzerne wie Esso, Firmen wie Jägermeister, Politiker wie Strauß, natürlich auch andere Politiker.
Ein sehr lesenswertes Buch, gerade in Zeiten, in denen die Mächtigen der Welt skrupellos und ungezügelt wie nie loslegen.
sensibel erzählt
Beneath the Scars - Nie wieder ohne dich von Melanie Moreland
Als sich die Schriftstellerin Megan Green und der geheimnisvolle Maler Zachary Adams zum ersten Mal begegnen, befinden sich beide in einer Lebenskrise. Megan wurde von ihrem Ex-Freund böse hintergangen, Zachary lebt seit Jahren aufgrund eines schlimmen Erlebnisses zurückgezogen.
Doch von der freundlichen, sensiblen Megan ist er sofort fasziniert.
Diese beiden Figuren sind der Trumpf des Romans, als Leser mag man sie sofort, auch Zachary, obwohl er sich so unfreundlich gibt. Er hat eine Vergangenheit, über die er nicht spricht und die der Grund für seine Narben und Weltabgeschiedenheit sind. Aber es ist sein Handeln, das zählt und er kümmert sich um Megan
Die ersten Kapitel, als die beiden zueinander finden, sind wirklich sehr gut gemacht.
Zur Atmosphäre trägt auch die landschaftliche, abgelegene Lokation an der Küste von Massachusetts in der Nähe von Boston bei. An Meer und Wäldern verleben Megan und Zach zusammen mit ihren liebenswerten Hunden eine schöne Zeit, ganz alleine für sich. Bis die Außenwelt hier einbricht.
Später folgt der Roman vielleicht etwas zu sehr den Genre-Regeln des Liebesromans, das heißt, es gibt die üblichen Missverständnisse, die die Liebe bedrohen, aber bei Überstehen der Probleme auch stärken können.
Ganz interessant finde ich, dass die Protagonisten als Maler und Schriftstellerin künstlerische Berufe haben und dass das auch wirklich eine große Rolle für die Handlung spielt.
Die Autorin nutzt ihre sprachlichen Mittel, um der Geschichte und den Figuren Ausdruck zu geben. Das lässt den Roman aus der Masse herausragen.
Verwandtschaft als Kulturgeschichte
Blutsbande von Christina von Braun
Das leitende Thema dieses Buches ist laut Autorin die Idee von der Verwandtschaft als Blutsbande, die allmähliche Entwicklung dieser Idee und die Kritik in der Moderne daran.
Heutzutage ist das Familienbild häufig anders als früher, als es noch die Vernunftehe gab. Patchwork- und Regenbogenfamilien gehören jetzt zum normalen.
Die biologische oder soziale Komponente in der Rolle der Familie und der Wandel dieser Rolle wird untersucht.
Dafür holt die Christiane von Braun weit aus, geht weit in der Geschichte zurück, von der Antike über die Aufklärung bis sie schließlich die Gegenwart erreicht.
Sie beleuchtet das Thema in verschiedenen Kontext, z.B.
Verwandtschaft als Sprache und als Text sowie in der christlichen und jüdischen Gesellschaftsordnung sowie Genetik.
Als Leser, der sich mit diesem Thema in diesem Umfang bisher nicht beschäftigt hat, fühlt man sich zunächst nahezu eingeschüchtert.
Christina von Braun ist Expertin für jüdische Studien, Gender-Studies, Religionsgeschichte, Antisemitismus und Geschichte der Schrift. Das fließt hier alles mit ein. Das kann man nicht alles ohne weiteres verarbeiten. Man pickt sich also verschiedenes aus diesen Themen heraus, im Bewusstsein, dass es noch mehr gibt und so bleibt das Buch wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum für den Leser relevant. Mir persönlich hat das Kapitel Literatur und Verwandtschaft mit der Behandlung von Goethes Wahlverwandtschaft gut gefallen, um nur mal eins zu nennen. Interessant sind auch die Passagen über Darwin, den Rassismus, Trumps biblischen Kapitalismus und die genetische Forschung.
Dem Anspruch allumfassend zu schreiben steht letztlich das Problem entgegen, einfaches alles in ein Buch zu packen. So wird man den einzelnen Themen nicht wirklich gerecht. Das ist jedenfalls mein Eindruck, es kann aber auch sein, dass Leser, die schon tiefer im Thema sind, das anders sehen und den umfassenden Ansatz begrüßen.
Davon abgesehen, kann man schon sagen, dass das Buch gut lesbar ist, aber auch nicht ohne Strenge. Die Autorin geht gewissenhaft und gründlich vor. Das ist Kulturwissenschaft auf hohen Niveau, an das sich der Laie ggf. erst herantasten und einlesen muss. Dann aber wird man reich belohnt.
Das komplexe Buch wird durch Abbildungen, umfangreiche Anmerkungen, Fußnoten und einem Literaturverzeichnis ergänzt.
Schwierige Beziehung
Wenn Funken über Wolken tanzen von Sandra Binder
Wenn Funken über Wolken tanzen ist ein Liebesroman mit wichtigem Thema.
Erinnern Passagen am Anfang noch an leichte, amüsante Chicklit, kann man dem Roman schon nach wenigen Kapiteln nicht absprechen, dass die nicht ganz einfache Beziehung zwischen Nico und Kosta realistisch und glaubwürdig gezeigt wird.
Die beiden passen gut zusammen, aber der Altersunterschied von 14 Jahren ist gesellschaftlich nicht akzeptiert. Nico ist 33 Jahre alt und geschieden, Kosta 19.
Kostas junge Freunde können die Beziehung nicht ernst nehmen, auch Nicos Freunde missbilligen sie.
Ich schätze an dem Roman, wie er zeigt, dass es in solcher Situation nicht leicht ist, dass sie auch Fehler machen. Vor allen Nico fühlt sich dem Druck manchmal gelassen, Kosta ist gelassener, kann Nico aber manchmal nicht verstehen.
Was aber wirklich wichtig ist, zeigt sich, wenn man füreinander da sein muss.
Außerdem überzeugt die Autorin damit, ein anspruchsvolles Thema mit großer Leichtigkeit und doch angemessen zu behandeln. Es gibt teilweise wirklich amüsante Dialoge. Das zu lesen, macht richtig Spaß.
Allzu dramatisch oder wendungsreich ist der Roman aber nicht, Fans leichter Liebesgeschichten könnten sich auch leicht langweilen.
Leerstellen im Leben
Olga von Bernhard Schlink
Olga ist ein intelligentes Mädchen aus Schlesien, das etwas anders ist als die anderen. Leider sterben ihre Eltern früh.
Da sie in Armut aufwächst, gibt es nicht viele Möglichkeiten.
Dann gibt es auch noch eine weitere wichtige Figur: Herbert. Auch er ist ein begabter Mensch. Die beiden freunden sich an, werden ein Paar.
Der Stil ist typisch für Bernhard Schlink.
Kennzeichnend ist ein ruhiger, sachlich wirkender Erzählton, der dennoch nicht ohne Emotionen gehalten ist. Im Gegenteil!
Die konzentrierte Sprache ermöglich, viel Handlung ökonomisch auf geringen Raum zu bringen. Das fällt insbesondere bei Herbert Kriegseinsätzen und Reisen, z.B. zur Arktis, auf.
Auffällig und selten in der deutschen Literatur sind die Schilderungen der Kämpfe gegen die Herero in Deutsch-Südwestafrika. Das ist bis heute ein Thema. Die Nachfahren der wenig Überlebenden dieses Völkermordes verklagten Deutschland erst vor kurzem.
Die Geschichte geht weiter, zeigt Olga schweres Leben auch während und nach dem Krieg.
Ihre Lebensgeschichte wird schließlich vom Icherzähler der Geschichte gekreuzt und anhand von Briefen aufgearbeitet.
Ein wirklich gutes Buch, dass die Leerstellen im Leben der Menschen zeigt!
Ich habe Olga als Hörbuch gehört, gelesen wurde es von Burkhard Klausner, den ich für einen der besten Sprecher für zeitgenössische Romane halte.











