Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Helen und Merlin
Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy
Helen Cartwright ist alt und allein. Nicht nur allein, sondern wahrlich einsam. Sie will es so. Mann und Sohn leben schon seit langer Zeit nicht mehr.
Ganz winzig, klein, ebenfalls allein, schleicht sich ein unfreiwilliger Mitbewohner in ihr Herz. Wunderbar, in berührenden Worten beschreibt Simon Van Booy wie Helen auflebt, sich mit der Maus anfreundet, sie kennenlernt, sich verantwortlich fühlt und Gefühle zulässt.
Sehr detailliert werden alle Verrichtungen und Gedanke der alten Frau geschildert. Auch die überraschende Änderung von Helens Gewohnheiten; so z.B. wird sie zur Vegetarierin. Mit 83! Und nicht nur das, so ganz gesetzestreu und vorschriftenkonform … war einmal.
Emphatisch, gedankenvoll und sehr phantasievoll gestaltet Simon Van Booy die Geschichte seiner Hauptfigur. So klein die Maus - so groß ihr Einfluss. Bezaubernd.
Bilanz ziehen
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Marlene Buchholz soll Vorstandsvorsitzende eines Konzerns werden. Sie ist engagiert, kompetent und erfolgreich. So weit, so gut. Als Führungskraft allerdings absolut ungeeignet. Deshalb wird sie dazu verdonnert, ein Achtsamkeitsseminar zu absolvieren.
Überzeugt, das folgenlos durchzustehen, reist sie an und erlebt Überraschendes.
Maxim Leo beherrscht Sprache, kann Gedanken glaubhaft vermitteln. Anschaulich schildert er die verschiedenen Figuren, die Intentionen des Coaches, das Flair im Schönerlinder Schloss. Man trifft auf durchweg sympathische Personen in luxuriöser Umgebung.
Was unterhaltsam begann, driftet ab in Fantastisches, Unrealistisches, Idealzustände, Unwahrscheinliches. Es wird sinniert, philosophiert, interpretiert, die Sinnfrage wird gestellt.
Interessante Gedankengänge, Schlussfolgerungen, die man sich leisten können muss.
Mal was Anderes, warum nicht?
Im Gemälde
Zwei in einem Bild von Morgan Pager
Aus anderer Perspektive gesehen: tagsüber erscheinen die Personen in jedem Gemälde der Galerie bewegungslos und starr, nachts dürfen sie agieren, ein eigenes Leben führen. Der Leser kann an ihren Gedanken teilhaben. Besonders an denen eines jungen Mannes aus einem Gemälde von Matisse. Dieser wirkt eigenartig auf Claire.
Sie liebt gemalte Bilder und ist glücklich über ihren Job, nächtens die Museumsräume zu putzen und die Gemälde nahezu ungestört betrachten zu können. Dabei geschieht das Unglaubliche: Claire kann hinein ins Gemälde klettern. Sie lernt Jean, einen Sohn Matisses, näher kennen und entdeckt auch die Welt anderer Kunstwerke. Ihr offenbart sich Ungeahntes.
Morgan Pager beschreibt ein Welt hinter Glas. Wie geht es den Figuren, wie leben sie, was fühlen sie und vor allem: was machen sie, wenn keine Besucher anwesend sind? Interessant, unerwartet - Gedankenspiele, die ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Andererseits aber auch ein wenig traurig stimmen …
Mit einigen Längen, jedoch phantasievoll und sogar mit einem Kriminalfall mitunter spannend.
Annis Leben
Das gute Leben von Nadine Schneider
Interessantes hatte ich erhofft; nämlich eine Zeitgeschichte, beginnend in den 60ern in einer Gegend in Deutschlands Süden.
Bekommen habe ich eine Lebensgeschichte. Oma Anni, eingewandert aus Rumänien, vererbt Enkelin Chrissy ihr Haus bei Nürnberg. Das geplante Aufräumen wird zu einer
Reminiszenz.
Beim Durchstöbern lernt Chrissy ihre Oma wirklich kennen. Ihre Mutter, selbst ungewolltes Kind, hat sie dort abgeliefert und ist nach Amerika ausgewandert. Omas Leben ist überwiegend von der Arbeit bei der Firma Quelle bestimmt. Ihr Anfang im erträumten Land war nicht leicht. Recht eigennützig quartiert sie sich beim Bruder ein, staunt, dass er über ihr Auftauchen und darüber, dass sie ihn ausnutzt, nicht begeistert ist. Genauso ärgert sie sich über den aufnahmeunwilligen Onkel. Wovon sollen denn sie und ihr Kind leben, ohne Geld, ohne Einkommen?
Nadine Schneider beschreibt Annis Leben ausführlich, detailliert beobachtet, analysiert Gefühle, berichtet ungeschönt. Positive Seiten klingen nur an, werden nicht gewertschätzt. Man sieht eine Anni, die ständig voller Zorn ist, den sie auch weitergibt. Sympathie erweckt keiner der Charaktere des Buches.
Ein gutes Leben? Kann man so oder so sehen.
Zeitgeschichten
Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell
Kunstgutachterin Eve Shaw ist Kunstsachverständige. Ihr eigenartiges Tattoo, ein Oktopus, wandert auf ihrer Haut herum. Um einen merkwürdigen Fall zu recherchieren, reist sie in ein eigentlich verlassenes Hotel, in dem die Zeit verrückt spielt. Nicht nur das, man kann auch Verstorbene anrufen - ein einziges Mal.
Allerdings wurde es vor langer Zeit geschlossen, ist nur noch eine Ruine. Dennoch hofft Eve, einen Wunsch erfüllt zu bekommen.
Alexandra Bell legt einen schwungvollen Anfang hin, die Handlung flacht aber bald ab, offenbart einige Widersprüchlichkeiten. Alles dreht sich um Oktopusse, das wird schnell ermüdend. Auch die Horrorszenen konnten mich nicht überzeugen. Die Handlung verwirrt sich, verläuft in Spiralen. Manche Gedankengänge sind nett, andere eher unheimlich. Schuld spielt eine stets präsente Rolle. Die Protagonistin verliert sich.
Konnte mich trotz spannender Ansätze nicht wirklich überzeugen.
Ein Geist als Mörder
The Girls Ghostbusting Agency – Crazy Spooky Love von Josie Silver
Ein Geist als Mörder
Melody Bittersweet kann Geister sehen und hören. Sie beschließt, daraus ein Geschäft zu machen. Sie möchte also Geister vertreiben; klar, wer will schon mit Geistern zusammen wohnen. Und die selbst wollen erlöst werden oder Botschaften überbringen lassen. Könnte so schön sein, wenn nicht ihr Ex einen trickreichen Konkurrenzkampf anzetteln würde.
Und: Geister sind nicht immer ehrlich!
Glücklicherweise hat sie eine hilfreiche und flippige Freundin und findet einen schüchternen, aber treuen Partner. Dazu kommen eine liebevoll dominante Mutter mit nervigen Kuppelversuchen und eine champagnerverliebte Großmutter, die Melody mal unterstützt, mal nervt. Und dann noch dieser heiße Reporter… .
Josie Silber hat eine amüsante Romcom mit Krimielementen geschrieben.
Locker, witzig, leicht = gute Unterhaltung!
Der Letter Shop
Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand von Baek Seungyeon
In Südkorea hat das Briefeschreiben einen ganz anderen Stellenwert als hierzulande. Es ist eine Kunst, die von wenigen, jedoch mit viel Achtsamkeit ausgeübt wird. Briefpapier, Schreibgerät, Stil, Schrift, Einteilung, Anrede, Dank und mehr Feinheiten werden sorgfältig ausgesucht und angewendet.
Deshalb gibt es auch so etwas wie den Letter Shop, einen kleinen Schreibwarenladen, der alle benötigten Utensilien bevorratet, Hilfe und Schreibplätze anbietet.
Auch Brieffreundschaften kann man beginnen und fortsetzen. Hier fängt Hyoyeong nach einer familiären Katastrophe an, zu arbeiten. Ihre Arbeitsprotokolle sind eloquent und dennoch unterhaltsam.
Zusammen mit ihr lernt der Leser die verschiedensten Menschen kennen. Sie alle haben ihre Sorgen, Probleme, aber auch Freuden. Sorgfältig formuliert, gut überlegt und ehrlich werden diese besonderen Briefe geschrieben. Manche werden nie beantwortet. Der Leser kann ein wenig am Leben der Schreiber teilhaben …
Ein ruhiger, nachdenklicher Roman über ein selten gewordenes Hobby.
Lesenlernen mit Witz
Die drei ??? Kids, Bücherhelden 1. Klasse, Witze zum Lesenlernen von N. N.
Das schmale Büchlein mit stabilen Buchdeckeln kommt mit den drei Kids in Aktion auf dem Cover lautstark ins Kinderzimmer. Witze, die siebenjährige Kinder ansprechen, sind ein Thema, welches auch Lesefaule interessiert.
Spannend beginnt es, die drei ???, ihr geheimes Versteck und ihre Bekannten werden vorgestellt.
Dann geht es auch schon los: es hagelt Witze! Die werden mit gelungenen und anschaulichen Illustrationen ergänzt. Manche Doppeldeutigkeiten zünden nicht gleich, haben also die typische Eigenschaft von Witzen, man muss überlegen, d.h. die Logik wird gefördert. Und wer die Antwort nicht weiß: es gibt einige Lösungen am Buchende.
Wenig Text in großer, übersichtlicher Schrift und pro Seite ein Witz macht das Lesen leichter und motivieren. Optisch unterscheidbar gemachte Silben erleichtern Leseanfängern den Zutritt zur Bücherwelt. Portionsweise genossen eine nette Aufforderung für ein kleines Lächeln zwischendurch.
Gefährliche Gefühle
Imperia - you let the fire in von Cleo B. Moon
In Imperia leben nur Frauen. Ein Virus hat alle Männer getötet. Egal, es waren sowieso nur Schwächlinge. Jara wurde dort zu einer knallharten, möglichst gefühllosen Kämpferin erzogen. Als ihre einzige Freundin in die Randbezirke verbannt wird, folgt sie ihr und entdeckt nicht nur eine wunderbare Welt, - bis hier stimmig, interessant, gut geschrieben - sondern auch den Supermann und wandelt sich zum liebeshungrigen gehorsamen und wimmernden … Weibchen.
Im Hintergrund geht es um eine eifersüchtige Ex-Freundin, nette Bewohner mit wirklich interessanten Fähigkeiten (das dürfte gern ausgebaut werden) und die Vorbereitung auf den Kampf, in dem Imperia besiegt werden soll.
Im Buch ist für mich ein Bruch. Zunächst spannend, gut erzählt, dann überwiegend auf ein Thema fokussiert. Interessante Nebencharaktere geben etwas Salz, der zweite Teil ist aber eher einseitig. Nur ein kurzes, aber heftiges Aufflackern von Spannung. Das wars.
Die Fuchsbande
Kleine Lesehelden: Wir sind erste Klasse! von Daniela Kulot
Das Buch passt super gut zu uns! Schulanfängerin in einer 1. Klasse, die den Fuchs im Namen führt. Mitschüler, die Namen der Freunde haben. Dazu eine nette Lehrerin - das gefällt, das ist eigenes Erleben, das spricht an.
Die Seiten sind anschaulich gestaltet, bunte, klare Illustrationen ergänzen den Text.
Die Schrift ist schön groß, sauber gedruckt, für lesen Lernende gut zu erkennen. Die Seiten sind nicht überfrachtet. Eingeschobene Rätsel machen Spaß, erhöhen die Aufmerksamkeit. Themen wie Jahreszeiten werden geübt, Blattformen verglichen - gut für das Allgemeinwissen. Auch gleichzeitig eine Beschäftigungs- und Bastelidee. Bei der spannenden Mäusejagd werden viele Kinder einbezogen, Jede/r kann etwas Tolles.
Im Anhang finden sich die Lösungen, die sind aber für aufmerksame Kinder gar nicht nötig.
Ein empfehlenswertes Buch für 1. Klasse- Schüler.











