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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Eva Knezicek:

?Der Autor vermag es, seine Leser ins Himmelreich der Phantasie verschwinden zu lassen, er zaubert famos Kulissen in die Köpfe seiner Leser.?

Polarrot von Patrick Tschan

"Ich will das Leben."(Patrick Tschan"Polarrot",S.97) ist ein Satz von Jack Breiter, dem Protagonisten aus Patrick Tschans Roman "Polarrot". Im rasanten Tempo eines road movies darf ich ihn als Leserin begleiten, eile stellenweise seinem ehrgeizigen Streben nach Erfolg hinterher, wünsche dieser, moralisch nicht immer korrekt handelnden Romanfigur, oft mehr Glück.

Und immer wieder frage ich mit Elsie "Mein Gott Breiter, warum dieses Tempo?"(P.Tschan,S.257). Jack wächst einem ans Herz, ein derart unkorrekter Mensch wirkt wohltuend. "Polarrot" ist eine sehr lebendige Geschichte, es ist buntes Erleben, es "menschelt".
Breiter ordnet sein Leben mit der Aufteilung seines Geldes in "Kässelis". Auf Anraten von Vittorio, stellt er Behälter für die Einteilung seines verdienten Einkommens bereit. Diese begleiten ihn sein Leben lang, zeigen ihm vergessene, verlorene Wünsche, lehren ihn nicht alles auf eine Karte zu setzen. Aus dem "Hals-über-Kopf-handelnden", spontanen Taggenburger Jungen wird ein strategisch operierender Widerstandskämpfer. Oder ist er doch nur ein profitstrebender Menschenschmuggler? Ein Buch frei von Pathos !
Breiter fasst Boden, nachdem er den Boden durch seinen Aufenthalt im Konzentrationslager unter den Füssen verloren hat, nachdem er unzählige Schicksale erlebt, Grausamkeiten durchlebt hat. Ich nahm teil an Breiters flotten Leben, wurde mit ihm sesshaft, nahm seine Erschütterungen wahr, fasste mit ihm wieder Mut für neuerlichen Aufbruch.
Patrick Tschan vermag es seine Leser ins Himmelreich der Phantasie verschwinden zu lassen, er zaubert famos Kulissen in die Köpfe seiner Leser. Obwohl Jack Breiter letztendlich alleine durchs Leben gehen muss (vgl.P.Tschan,S.98), wurde eine Liebesgeschichte, voll verspielter Details, fein eingewebt.

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Rezensionen von Harald Schellander:

Die Zeit, die man sich durch das Nicht-Lesen erspart, kann jedenfalls besser genutzt werden.

Polarrot von Patrick Tschan

Tiefenbohrungen über und unter Tage im Berlin knapp vor dem Mauerfall. Der junge, fesche Karsten Gruber gerät in die Redaktion des lokalen Blättchens im Märkischen Viertel, einem öden Stadtteil im Norden Berlins mit 40.000 von der U-Bahn abgeschnittenen Einwohnern.
Genau dieser Umstand wird zum Mittelpunkt abenteuerlicher Recherchen, bei denen nichts ausgespart bleibt: nicht Kartsens amouröse Abenteuer mit seiner alten Schulfreundin Simone, in deren Mutter er sich verliebt, nicht die seitenlangen Beschreibungen des Berliner U-Bahn- und (ja, das gibt es) Bergbaunetzes, nicht die ausführlichen und letztlich wenig informativen Schilderungen zur titelgebenden "Senatsreserve".

Vor allem aber - die Berliner Halbwelt. Deren Zuhälter und Prostituieren scheinen anfangs bloß schrullig, fast liebenswert, um dann immer mehr ihre brutale Seite zu zeigen.
Dass und wie Karsten und sein Reporterkolleg Martin letztlich dem Strudel entkommen, in den sie sich nichtsahnend und naiv hineinziehen ließen, ist billig wie das Ende eines C-Movies.
Dem Leser wird auf diesen 300 viel zu langen Seiten auch stilistisch einiges zugemutet, zum Beispiel oftmalige Wechsel ins Berlinerische oder der Wechsel der Erzähler-Perspektive. Die Zeit, die man sich durch das Nicht-Lesen erspart, kann jedenfalls besser genutzt werden.

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Rezensionen von Harald Schellander:

Den Begriff "Zeit" hat für mich noch kein Autor in so vielen unterschiedlichen Facetten so wortgewaltig geschildert.

Polarrot von Patrick Tschan

Den Begriff "Zeit" hat für mich noch kein Autor in so vielen unterschiedlichen Facetten so wortgewaltig geschildert. Felix J. Palma gelingt es, in manchen Passagen atemlose Spannung zu erzeugen, in anderen wiederum durch detailgenaue Beschreibungen zu langweilen. Weil er dafür jede Menge Zeit braucht, erzählt er die Geschichte auf den letzten Seiten im Zeitraffer.

Zurück bleiben bei mir einige Fragezeichen. War der Roman den vielstündigen Lese-Aufwand wert? Würde ich mir Zeit für weitere Fortsetzungen nehmen? Wahrscheinlich schon, denn letztlich siegt bei mir doch immer die Neugierde.?

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Rezensionen von Harald Schellander:

...das Kunststück, auch noch dem letzten Satz Sprengkraft zu verleihen!

Massimo Marini von Rolf Dobelli

?Den Rahmen für diese perfekt recherchierte, knapp und präzis geschriebene
Einwanderergeschichte bildet der Bau des Gotthard-Basistunnels.

Wie ein Mineur dringt Rolf Dobelli in die Seelentiefen der von ihm sehr plastisch
und mit viel Liebe zum Detail gearbeiteten Figuren vor. Es bleibt kein Stein
auf dem anderen, wenn der Ich-Erzähler in Gestalt eines (scheinbar
eigenschaftslosen) Rechtsanwaltes den Aufstieg, Erfolg und Fall seines
Klienten Massimo Marini, einem Mann mit vielen Eigenschaften, beschreibt.

Dieser Roman erreicht das Ausmaß einer antiken Tragödie, ohne jemals zu
langweilen oder zu belehren. Dobelli gelingt sogar das Kunststück, auch noch
dem letzten Satz Sprengkraft zu verleihen. Und dieser besteht aus bloß vier
Worten.?

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Rezensionen von Harald Schellander:

Vielen Dank für diese starke Geschichte, Frau Rosenfeld. Meine Hochachtung!

Adams Erbe. von Rosenfeld Astrid

Was für ein Debüt! Ein Roman, der ins Herz, durch Mark und Bein geht. Lachen und Weinen, das liegt in dieser deutsch-jüdischen Familiengeschichte nah beieinander. Wunderbar, mit welcher sprachlichen Meisterschaft, vor allem auch in den Dialogen, Astrid Rosenfeld ihren Figuren Zeit und Raum zur Entfaltung gibt.

Die Liebe in Zeiten des Nazi-Terrors bis in die Gegenwart erweist sich als seltsames Spiel meist unerfüllter Hoffnungen, aufgelockert durch köstlichen jüdischen Humor, zugespitzt in den zutiefst bewegenden Szenen im Warschauer Ghetto und erlöst durch eine unglaublich berührende Tat. Vielen Dank für diese starke Geschichte, Frau Rosenfeld. Meine Hochachtung!

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Rezensionen von Harald Schellander:

....pures Amusement.

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand Roman . 29.08.2011. Hardback. von Jonasson Jonas

Die Lügengeschichten des Barons Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen schauen dagegen echt alt aus: In seinem Romanerstling "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" lädt uns der schwedische Autor Jonas Jonasson zu einem Ritt - nein, nicht auf der Kanonenkugel - sondern auf der Atombombe ein.

Denn diese, so erfährt der staunende Leser, wurde eigentlich vom Titelhelden Allan Karlsson (mit)erfunden.
Aber das ist nur ein Erzählstrang dieser skurrilen Lebensgeschichte, die damit beginnt, das Alan an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altersheim flüchtet. Mich hat die unbändige Lust des Autos, immer wieder neue und noch überraschendere Situationen und Personen einzuführen, teils sehr erheitert, teils gequält, teils auch einschlafen lassen. Immerhin werden mehrere amerikanische Präsidenten, General Franco, Stalin, Mao und viele andere aufgeboten, um die Weltgeschichte umzuschreiben. Gleichzeitig gewann ich die Hauptpersonen und-tiere der Handlung so lieb, dass ich das Buch doch nicht weglegen konnte.
Das Durchhaltevermögen lohnt sich jedenfalls: Wie die sympathische Truppe, der auf der Flucht vor Gangstern, Polizei und Journalisten einige Todesfälle passieren, letztlich ihre eigene Lügengeschichte präsentiert und sich damit endgültig den Schlingen der Justiz entzieht, ist pures Amusement.

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Rezensionen von Harald Schellander:

Mich konnte dieser Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte ...... nicht fesseln

In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge

Mit Preisen überhäuft wird Eugen Ruge für seinen Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichtes" - unter anderem mit dem "aspekte"-Preis für das beste deutschsprachige Erstlingswerk. Mich konnte dieser Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte, der sich - oft recht mühsam - über vier Generationen zieht, nicht fesseln.

Vielleicht lag es daran, dass ich Ruges Buch im Krankenstand las. Damals - es war mitten im Sommer - nahm ich mir vor, dem Werk später noch eine Chance zu geben. Dass ich es nicht tat, wird seine Gründe haben. Ich vertraue darauf, dass die Summe aller Meinungen der geschätzten Heyn-Leserunde diesem Debüt gerecht wird.

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?...verdient mein ganz persönliches "Bravo!"

Der Russe ist einer, der Birken liebt von Grjasnowa Olga

Diesmal ist es wirklich leicht mit der Kritik. Sie steht - erstaunlich genug - gleich auf den ersten Seiten des Debütromans "Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Olga Grjasnowa, stammt vom Literaturjournalisten Elmar Krekeler, ist gut geschrieben und trifft den Kern des Werkes. Mit dem Verweis, dass dieser Buchbesprechung nichts mehr hinzuzufügen ist, könnte ich aufhören.

Tue ich aber nicht. Denn die Geschichte von Mascha, dem unerträglich ausführlich beschriebenen Tod ihres Freundes Elias und all dem, was in der Multikulti-Welt der Protagonistin danach noch passiert, verdient mein ganz persönliches "Bravo!" Ich würde Mascha so gerne die Ruhe gönnen, die sie sich in ihrem Leben wünscht. Dass ihr die Autorin, schon aus eigener leidvoller Erfahrung einer jüdischen Migrantin aus Aserbaidschan, diesen Wunsch nicht erfüllen kann, ist wegen des rasanten Stils und der vielfältigen Ereignisse letztlich ein Glück für den Leser.

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Bevölkert ist dieser Roman mit wunderbaren Figuren, deren Geschichten so unglaublich und so unglaublich gut geschrieben sind, dass die 26jährige Autorin um ihre Erfindungskraft zu beneiden ist.

Die Tigerfrau. von Obreht Téa

Der domestizierte Tiger, der die Bombenangriffe auf die Stadt und ihren Zoo überlebt, lernt in der für ihn ungewohnten Freiheit schmerzvoll das Überleben.
Die taubstumme Frau, in ihrer Ehe und der Begrenztheit ihres Dorfes gefangen, wird zur Retterin und Gefährtin des Tigers und überlebt das nicht.

Téa Obreht lässt ihren Debütroman mitten im (Jugoslawien)Krieg auf vielen zeitlichen und räumlichen Ebenen spielen. Bevölkert ist dieser Roman mit wunderbaren Figuren, deren Geschichten so unglaublich und so unglaublich gut geschrieben sind, dass die 26jährige Autorin um ihre Erfindungskraft zu beneiden ist. Unvergesslich sind der Großvater, der Mann, der nicht sterben kann, oder der feinfühlige junge Musiker, der als brutaler Fleischhauer enden muss. Und natürlich: Der Tiger! Die Frau!

Am Ende verknüpft Téa Obreht alle Erzählstränge zu einem gordischen Knoten, den der Lesende lösen darf, wenn er kann. Die Fragezeichen können ruhig stehen bleiben, denn das verträgt dieses gelungene Realmystical durchaus.

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Rezensionen von Harald Schellander:

Spannend und mit Engagement geschrieben, gut zu lesen und durchaus empfehlenswert!

Der Sohn. von Durlacher Jessica

Das ist kein Buch, über das man die Nasen rümpfen sollte! Zwar beginnt Jessica Durlacher ihren Roman "Der Sohn" mit der Schilderung eines Essens, bei dem die von ihrem Vater zubereiteten "heiligen" Kohlrouladen im Mittelpunkt stehen.
Doch schon auf den ersten Seiten lässt sie keinen Zweifel daran, dass Schlimmeres folgen wird.

"Ist Schicksal ein zu freundliches Wort für die Gewalt, der wir ausgesetzt wurden?" fragt die Ich-Erzählerin.
Tatsächlich kann der Leser kaum glauben, was dieser niederländischen Familie widerfährt. Wie in Zeitlupe und dadurch umso unerträglicher schildert Durlacher die brutalen Übergriffe. Wer dahinter steckt wird relativ bald klar, doch das Buch ist weit mehr als ein "How-has-done-it"-Krimi.
Über viele Jahrzehnte und Nebengeschichten erstreckt sich diese Familiengeschichte, die erst im Epilog ihren Ausgangs- und Drehpunkt offenbart.
Spannend und mit Engagement geschrieben, gut zu lesen und durchaus empfehlenswert!

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