Kunden em pfehlungen
Rezensionen von SLovesBooks:
vielschichtig
Underground Railroad von Colson Whitehead
Meine Meinung:
Ich finde amerikanische Geschichte sehr interessant. Vieles ist geschichtlich so stark verwurzelt, dass seine Auswüchse bis in die aktuelle Gegenwart reichen. Meiner Meinung nach ist das Thema Slavery bis heute noch nicht abgehakt und auch noch nicht wirklich aufgearbeitet. Deswegen finde ich es auch sehr wichtig, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich dieses Thema zu Herzen nehmen und ein Buch darüber schreiben.
Eins kann ich vorweg nehmen: Den Pulitzer Preis hat Colson Whitehead nicht umsonst bekommen. Er schafft es ein geschichtlich traumatisches Ereignis mit Mitteln der Gegenwart in Szene zu setzen. Seine Geschichte enthält fantastische Elemente. So stellt er die Underground Railroad nicht, wie wirklich existierend als ein im Untergrund arbeitendes Netzwerk aus Gegnern der Sklaverei dar, sondern als ein wirkliches unterirdisches Zugsystem.
Der Einstieg gelang leicht, auch wenn die Geschichte erst nach einigen Seiten wirklich fesselnd wurde. Doch dann nahm sie an Fahrt auf. Whitehead berichtet in schockierender Weise über die damaligen Zustände. Seine Geschichte wirkt gut recherchiert und leider erstaunlich realistisch. Angesichts der menschenverachtlichen Handlungen wünscht man sich, dass es sowas besser niemals gegeben hätte. In dieser schlimmen Zeit schafft er aber mit Cora einen Charakter, der den Leser immer wieder aufbaut und dazu bringt weiter zu lesen. Man möchte erfahren wie es mit ihr weiter geht.
Cora ist ein vielschichtiger Charakter. Ihre Gedanken, welche in Gesprächen offenbart werden, helfen dem Leser sich in die Geschichte zu versetzen. Man kann sie verstehen und leidet mit ihr mit. Durch diese Art die Geschichte zu erzählen fühlt man sich ihr stark verbunden. Sie ist ein starker Charakter, der trotz der Grausamkeiten noch nach einem Sinn im Leben sucht.
Die fantastischen Elemente sind eine interessante Idee. Vor allem, da sie vor dem Hintergrund einer so alten Kulisse stattfinden, wo Fantasy an sich noch nicht in der Form existiert hat. Trotzdem finde ich, dass sich Historie auf der einen und Fantasy auf der anderen Seite nicht unbedingt ausschließen. Vielmehr gehen beide in diesem Buch eine Art Symbiose ein, die erstaunlicherweise gut funktioniert. Ich empfand es nicht als störend oder unpassend. Es schaffte allerdings ein bisschen Distanz von der Realität der Geschichte. So konnte Whitehead auch ein wenig davon Abstand nehmen eine Geschichte über Sklaverei zu erzählen. Selbstverständlich ist der Kern trotzdem eine Erzählung darüber, aber es wurde schon etwas abgeschwächt.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Der Autor schafft es gut zwischen Distanz und Nähe zu seinen Charakteren hin und her zu springen. Das Buch lässt sich flüssig lesen.
Insgesamt finde ich, dass es ein sehr gelungenes Buch ist, das das Thema Sklaverei beleuchtet und so auch auf aktuelle gesellschaftliche Probleme anspielt. Vielschichtige Gesellschaftskritik.
Rezensionen von SLovesBooks:
interessante Herangehensweise
Targa. Der Moment, bevor du stirbst von Schiller B.C.
Ein Detail, welches wirklich gut gemacht ist, ist der Klappentext des Buches. Im Innenteil sind Steckbriefe der Charaktere angegeben, die bereits neugierig machen. Hinten drauf steht ein kleiner einleitender Text zu den Charakteren, keine normale Inhaltsangabe. Das war neu und das mochte ich. Allein die Tatsache, dass Falk Sandman von den letzten Worten Sterbender fasziniert ist, ist schon eine seltsame Begebenheit, die einen interessanten Fall versprach.
Die Protagonistin Targa ist nicht einfach. Ihre Art ist recht speziell. Sie hat Ecken und Kanten und sicherlich kommt nicht jeder Leser mit ihr klar. Ich aber mochte sie. Ihre Herangehensweise war spannend zu beobachten. Sie unterscheidet sich stark von den gängigen weiblichen Ermittlerinnen in den üblichen Krimis. Sie ist sehr emotionslos und das macht sie auch so gut in ihrem Job. Diese Eigenschaft wird aber im Laufe des Falles auf die Probe gestellt.
Ich finde das Buch sehr spannend. Auch wenn man schon recht zu Beginn weiß, wer der Täter ist, ist der Weg bis zum Ende wirklich spannend gezeichnet. Ich konnte das Buch nicht zur Seite legen und musste unbedingt wissen, wie es endet. Ab und an war es ein wenig vorhersehbar. Trotzdem gab es ein paar gute Kniffe in der Handlung, die wieder neue Möglichkeiten ins Spiel gebracht haben.
Der Schreibstil ist das, was mir am besten gefallen hat. Er war sehr gut lesbar und ragte heraus. Er hat immer wieder mein Interesse geweckt und mich zum weiter lesen ermuntert. Auch konnte man sich sowohl Umgebung als auch Charaktere sehr gut vorstellen. Ab und an griff er voraus, was aber der Spannung keinen Abbruch tat, das hat mir gefallen.
Insgesamt mochte ich dieses Buch. Ich kann mir gut vorstellen die Fortsetzung zu lesen, wenn sie erscheint. Eine spannende Geschichte mit coolen Protagonisten. Targa sticht unter Büchern dieses Genres wirklich heraus.
Rezensionen von i.weilharter@ais-jugend.at:
Das Unfassbare beschreiben ... eine Begabung!
Underground Railroad von Colson Whitehead
Dieser Roman hat mich sehr berührt, denn der Autor schafft es mit seinem Schreibstil und der Art, die Ereignisse schonungslos darzustellen, den Leser/die Leserin gefangen zunehmen und in eine Welt zu entführen, aus der man am liebsten immer wieder ausbrechen möchte. Es aber nicht schafft, weil man den Verlauf der Flucht von Cora, der Hauptdarstellerin, weiter verfolgen möchte.
Colson Whitehead's Roman thematisiert mit offener Brutalität das Schicksal der schwarzen Sklaven in Amerika. Auf Schiffen nach Amerika verfrachtet, verbrachten sie ihr Leben in Leibeigenschaft weißer Kapitalisten, die sie wie Tiere für ihre wirtschaftlichen Ziele missbrauchten.
Der Mensch als untergeordnete Rasse, für Geld erwerb- und verfügbar und ein Leben lang Spielball wirtschaftlicher und auch sadistischer Interessen. An ihnen reagierte sich der Weiße ab, je nach Tagesverfassung. Whitehead schildert mit Nachdruck das Unfassbare: Was Menschen imstande sind, anderen Menschen anzutun.
Erschütternd waren für mich auch Coras Erlebnisse nach ihrer Flucht: Sie wird als Schaufensterpuppe degradiert und mit der speziellen Geburtenregelung für Schwarze vertraut gemacht. Sterilisation ist die Methode, um einer offenbar unnötigen bzw. angsteinflößenden Vermehrung der schwarzen Bevölkerung entgegenzuwirken. Gleichzeitig wird uns von einem medizinischen Versuchsprogramm an Schwarzen bezüglich der Übertragung von Syphilis berichtet! Die Amerikaner haben ihren "Holocaust" offensichtlich 100 bis 150 Jahre früher inszeniert und das über Generationen!
Bis zum Schluss bleibt der Autor in der Beschreibung des Schicksals von Cora düster und dramatisch Sie verliert alles, außer ihr Leben. Aber erlangt sie schließlich doch ihre Freiheit? Das offene Ende des Romans lässt uns zumindest dahingehend hoffen.
Rezensionen von Booknaerrisch:
ein solider Reiheneinstieg, der neugierig auf die Fortsetzung macht
Oxen. Das erste Opfer von Jensen Jens Henrik
Zitate:
"Er wollte in sich selbst versinken, immer tiefer und tiefer - und unsichtbar werden ..." Seite 16
"Zufrieden betrachtete er den toten Hund in der Gewissheit, dass man, was einem einmal in Fleisch und Blut übergegangen war, niemals verlernte." Seite 19
"Sein Plan A war fertig.
Es war ein schlichter Plan, der aus brutaler Gewalt bestand." Seite 184
Meinung:
Während Oxen versucht, sein neues Leben als Aussteiger aufzubauen, geschehen andernorts mehrere Morde. Irgendjemand tötet zuerst deren Hunde und anschließend die Opfer, die alle öffentliche, einflussreiche und mächtige Personen sind. Und Oxen, der eigentlich nichts sehnlicher will, als seine Ruhe im Wald zu finden, findet sich -bevor er sich versieht- im Fadenkreuz der Ermittlungen wieder! Und möglicherweise nicht nur in deren.
Schon der Beginn der Geschichte verursachte bei mir ein beklemmendes Gefühl, da der Autor das erste Kapitel mit einem erhängten Hund beginnen lässt. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber da hatte ich schon eine Gänsehaut ;) Auch im weiteren Verlauf versucht er Spannung und Atmosphäre nicht abklingen zu lassen. Dazu greift er auf einige altbewährte Mittel zurück. Natürlich -zumindest bei mir sehr beliebt- sind die Kapitel weitestgehend kurz gehalten und jeweils im Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven. Ob Oxen, Opfer, Ermittler... Wir bekommen immer wieder ein paar Seiten einer anderen Sicht, was natürlich den Spannungsbogen über die Geschichte hinweg aufrecht hält.
Auch wird der Leser nur langsam mit Infos versorgt. Zum Beispiel die Geschichte, wer Oxen eigentlich ist und wie er zu dem wurde, was er heute darstellt. Aber auch andere Handlungsstränge werden erst nach und nach klarer - so bleibt die Geschichte interessant.
Einzig die Tatsache, dass mir der Autor stellenweise etwas zu viele Details wie Personenvorgeschichten, Umgebungs- und Objektbeschreibungen einfließen lässt, würde ich mir im nächsten Teil anders wünschen. Sie waren zwar nicht ausufernd, stellen für mich somit keinen gravierenden Makel dar, haben der Geschichte aber auch nichts gebracht.
Ca. ab der Hälfte des Buches werden diese jedoch weniger und auch die Story nimmt merklich Fahrt auf. Ab diesem Punkt wird sie immer rasanter und atemloser, so hätte mir das von Anfang gefallen. Vermutlich dienten diese Details in erster Linie dazu, die Charaktere für die Trilogie zu setzen, von daher kann ich es natürlich auch wieder verstehen ;)
Richtig gut hat mir die Darstellung von Oxen gefallen. Einst ein hochdekorierter Elitesoldat mit vielen Auszeichnungen, heute ein Einzelgänger mit Vorstrafen sowie regelmäßigem Alkohol- und Drogenkonsum, der durch ein posttraumatisches Belastungssyndrom stellenweise zu einer tickenden Zeitbombe mutiert ist. Er kommt nicht mit Menschen klar, liebt Einsamkeit und Ruhe. Eigentlich verständlich, wenn man ein Aggressionsproblem hat und von Geistern der Vergangenheit getrieben wird, oder? Dieses Bild lässt ihn theoretisch zu einem kleinen Antihelden mutieren, aber seine Probleme sind zu gut nachvollziehbar und die Faszination seinen Charakter betreffend ist zu groß, als dass ich mich hätte von ihm abwenden können.
Alles in Allem hat Jens Henrik Jensen es geschafft, einen soliden Reiheneinstieg zu gestalten, den ich als gelungene Basis empfinde und der neugierig auf mehr macht!
Rezensionen von SLovesBooks:
Neue Idee
Amrita. Am Ende beginnt der Anfang von Khorana Aditi
Meine Meinung:
Neben dem extravaganten Cover gibt es aber auch eine tolle Geschichte, die es zu entdecken gibt. Meine Erwartung war, dass es eine Fantasygeschichte wird, die mit arabischen und persischen vielleicht indischen Elementen spielt und auch eine schöne Love Story vermittelt. Und genau das habe ich auch bekommen.
In letzter Zeit ist dieser Kulturkreis mit ?Zorn und Morgenröte? für die Jugensbuchszene sehr interessant geworden. Es gibt mittlerweile immer mehr Bücher, die darüber erzählen und sich am alten Kulturgut von 1001 Nacht orientieren. So ist es auch bei dieser Geschichte. Jedoch muss man klar sagen, dass es eine neue und eigene Geschichte ist, die Aditi Khorana hier erzählt.
Thematisch geht es viel um das Schicksal und seine Auswirkungen. Selbstverständlich kommt auch eine wichtige aber nicht zu ausladende Liebesgeschichte vor. Mir hat es sehr gefallen Amrita auf ihrer Reise zu begleiten. Sie hat schwierige Entscheidungen zu treffen, nicht nur was ihr Schicksal angeht, sondern auch das von vielen anderen. Die Geschichte startet sehr stark. Ich habe mich schnell in die Umgebung eingefunden, was nicht zuletzt daran lag, dass die Beschreibungen so gut funktioniert haben, da Aditi Khorana einen sehr bildlichen Schreibstil hat. Im Mittelteil hatte ich kurzzeitig das Gefühl ein wenig in der Handlung stecken zu bleiben, bis es dann fulminant weiter ging und auf ein wirklich gelungenes Finale hinarbeitete, welches durch eine mehr als unerwarteten Wendung eingeläutet wurde. Das Bauch war somit überwiegend spannend. Gerade am Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, welches Schicksal die Handlung nimmt.
Die Charaktere haben mir gut gefallen. Gerade Amrita konnte ich sehr gut fassen. Sie war mir von Anfang unsympathisch. Ich mag ihre Art. Über die Geschichte hinweg macht sie eine beeindruckende Entwicklung durch und gewinnt an Stärke und Selbstbewusstsein. Dabei bleibt sie aber stets authentisch. Auch kann ich ihre Handlungsweise nachvollziehen. Thala ist aber leider ein wenig zu stark im Hintergrund geblieben. Ich finde sie interessant und auch ihre Aufgabe beziehungsweise Rolle im Buch, aber gegenüber Amrita hat sie mir zu wenig Beachtung gefunden. Ich hätte auch die Beziehung zwischen ihr und Amrita gerne etwas weiter aufgebaut gesehen. Die Charaktertiefe hätte ich insgesamt gerne noch ein wenig ausgebauter erleben wollen, aber trotzdem sind es gut gezeichnete Charaktere, die in ihrer Struktur und in ihren Beziehungen einfach noch ein wenig Entwicklung gebrauchen könnten (vielleicht ja in einer Fortsetzung?).
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ließ sich flott lesen. Die Beschreibungen haben eine ganz andere Welt vor meinem geistigen Auge entstehen lassen. Aditi Khoranas Schreibstil ist präzise und fantasievoll. Ich mag ihre Art zu schrieben sehr.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Handlung ist zwar recht abgeschlossen, aber trotzdem hätte ich nichts gegen eine Fortsetzung auszusetzen. Ein Jugendbuch, dessen Geschichte mich gepackt, überzeugt und begeistert hat. Es ist eine neue Idee, die viel Frische und Innovation mit sich bringt.
Rezensionen von Janine2610:
Gibt es immer nur DIE EINE Wahrheit?
Die einzige Wahrheit von Jodi Picoult
Oder kann es nicht auch sein, dass jeder seine eigene gültige Wahrheit hat, geprägt durch die subjektive Wahrnehmung? - Genau diese Frage stellt in Jodi Picoults »Die einzige Wahrheit« das Zentralthema dar.
Die Autorin hat sich für diese Thematik ein ganz besonderes Setting mit Buchfiguren, von denen man wahrscheinlich noch nicht so viel gelesen oder gehört hat, ausgedacht.
Es geht um eine Amisch-Farm im US-Bundesstaat Pennsylvania, in der die junge unverheiratete Katie ein Baby zur Welt gebracht und es getötet haben soll. In weiterer Folge taucht dann noch Ellie, eine erfolgreiche Anwältin, auf, um für Katie die Verteidigung zu übernehmen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dieser Fall ist insofern bemerkenswert, weil Amische unter den "Englischen" eine ganz besondere Stellung einnehmen: Sie gelten sozusagen als heilig. Niemand würde annehmen, dass jemand aus dieser Gemeinde zu so einer Straftat fähig wäre, insbesondere keine so unschuldig wirkende 18-Jährige wie Katie.
~ Ihre Gemeinde lebte unauffällig inmitten der normalen Welt, wie eine kleine Luftblase, unberührt von allem anderen. ~
(S. 14)
Allein diese Umstände haben mich schon wahnsinnig neugierig auf den Verlauf der Geschichte gemacht!
Begonnen hat das Ganze schon sehr spannend: Man erlebt mit Katie die Geburt ihres Babys mit und erfährt ebenso ihre anschließende Bewusstlosigkeit. Nach ihrem Erwachen ist das Baby verschwunden ...
Was ist in der Zwischenzeit passiert? Hat Katie dissoziiert? Hat sie sich das alles nur eingebildet? Wurden ihre Gebete erhört und hat Gott alles wieder in Ordnung gebracht?
~ Man sieht nur das, was man sehen will. ~
(S. 344)
Für mich war es anfangs sehr schwer, mich in Katie hineinzuversetzen, da mir die amische Lebensweise ja völlig fremd ist. Bevor ich mir nicht den Wikipedia-Artikel über diese Leute durchgelesen habe, ist mir das also ziemlich schwer gefallen. Die 18-jährige Katie kam mir lange so vor wie ein kleines naives Mädchen, das unglaublicherweise das absolut Offensichtliche leugnet - und das trotz all der erdrückenden Beweise. Dazu dachte ich mir erst: Ignoranz in seinem vollen Ausmaß! - Das kann doch nur dazu führen, dass all die Leute glauben werden, sie sei psychisch nicht ganz auf der Höhe. Oder nicht?
~ Wenn man sich an etwas nicht erinnerte, lag das daran, dass es nie passiert war? Oder daran, dass man sich wünschte, es wäre nie passiert? ~
(S. 238)
Erst später, im weiteren Verlauf, konnte ich Verständnis für die junge Frau entwickeln. Ich fand die Entwicklung, Aufklärung und schlussendlich auch die Lösung echt gut durchdacht und schlüssig sowieso. Picoult hat es hier, im Gegensatz zu ein paar ihrer anderen Werke, echt geschafft, die Spannung dauerhaft hoch zu halten und immer wieder neue Fragezeichen bei mir entstehen zu lassen.
Besonders interessiert hat mich die Sprache der Amischen, die teilweise immer wieder in die Gespräche mit eingeflossen ist. Die Amischen reden kein reines Englisch, es ist eher so eine Mischung aus Deutsch und Englisch und nennt sich Deitsch.
Was ich am Anfang als schwierig empfunden habe, war, mir so viele Namen merken zu müssen, denn man wird in meinen Augen zu Beginn regelrecht erschlagen davon und läuft deswegen Gefahr, Buchfiguren zu verwechseln.
~ Wenn du einen Fehler machst und bereust, wird dir vergeben. Du wirst mit offenen Armen wieder aufgenommen. Wenn du lügst und immer weiter lügst, gibt es keinen Platz mehr für dich. ~
(S. 272)
Alles in allem bin ich aber hochzufrieden mit der Geschichte gewesen. Die brisante Thematik und die für mich ganz neuen Informationen über die Amisch-Gemeinde haben mich gut beschäftigt und unterhalten. Meiner Meinung nach also definitiv eine Empfehlung wert!
Rezensionen von EdVanSchleck:
Packender Trilogiestart
Oxen. Das erste Opfer von Jensen Jens Henrik
Handlung:
Der ehemalige Elitesoldat Nils Oxen, ist der renommierteste und höchst ausgezeichnetste Soldat Dänemarks. Er wurde zu zahlreichen Einsätzen, in den verschiedenen Krisengebien gesendet und verdiente sich dort aufgrund seiner Taten jede erdenkliche Ehrung und Auszeichnung, die Dänemark zu bieten hat.
Doch der Krieg hat Oxen schwer zugesetzt. Gebeutelt von seiner posttraumatischen Belastungsstörung wird er immer wieder von seinen ?inneren Dämonen? heimgesucht. So kommt es, dass Oxen auf der Suche nach Ruhe und Frieden zu einem Aussteiger wird. Abgekapselt von der Gesellschaft verschlägt es ihn und seinen treuen Begleiter ? ?Mr. White? ? in ein Waldstück nahe des Schlosses Norlund. Auf einem nächtlichen Erkundungstrip zum Schloss findet er dort neben diversem Wachpersonal und Videoüberwachung auch einen erhängten Hund vor. Schnell zieht sich Oxen wieder in den Wald zurück, denn er möchte nichts von den seltsamen Vorgängen auf Schloss Norlund zu tun haben. Allerdings stirbt noch am selben Abend der Schlossbesitzer und so dauert es auch nicht lange, bis Oxen ins Visier der nachfolgenden Ermittlungen gerät. Um sein Unschuld zu beweisen bleibt ihm nichts anderes übrig, als ein inoffizieller Ermittler, gemeinsam mit der Geheimdienstmitarbeiterin Magarethe Frank in diesem Fall zu ermitteln. Bald stellen die beiden Fest, dass es sich nicht nur um einen toten Diplomaten handelt, sondern dass der Fall viel größere Ausmaße besitzt als es zunächst scheint und auch ihre Ermittlungen bringen sie schon sehr bald in Lebensgefahr.
Persönliche Meinung:
Gerade am Anfang geschehen viele spannende Ereignisse, die allerdings noch nicht richtig zugeordnet werden können und auch als beschrieben wurde, wie Oxen derzeit lebt und durch dunkle Gassen und Wälder streunt, hatte ich noch überhaupt keine Vorstellung, wie die Geschehnisse miteinander verknüpft sein könnten und wohin mich die Reise führen würde. Dennoch Spannung kommt in diesem Thriller definitiv nicht zu kurz. Durch actionreiche Ereignisse aber auch überraschende bzw. neue Ermittlungsergebnisse wird die Spannung stets aufrechterhalten. Oxen ist ein tiefgründiger Hauptcharakter mit vielen Facetten, der aufgrund seiner militärischen Vergangenheit perfekt auf die Rolle des ?unkonventionellen? Ermittlers passt. Magarethe Frank, die gewisse Parallelen zu Oxen aufweist und immer wieder versucht Oxens verworrene Vergangenheit zu entschlüsseln, ist eine kluge, zuverlässige Geheimdienstmitarbeiterin und so bilden die beiden ein sehr gutes Ermittlerduo, welches sich auf clevere Art und Weise Stück für Stück durch den komplexen Fall hangelt. Das ständige doppelte Spiel und die Unwissenheit wem die beiden Trauen können und wem nicht, sorgt für reichlich Nervenkitzel.
Der Schreibstil ist detailliert, spannend und fesselnd. Anfänglich waren die vielen Dänischen (Orts-) Namen noch ein wenig gewöhnungsbedürftig zu lesen aber auch das gab sich binnen weniger Seiten.
Fazit:
Leider scheint der Anfang etwas wirr, aber schon nach kurzer Zeit baut sich viel Spannung auf, die das Lesepublikum in ihren Bann zieht und den etwas holprigen Start sofort vergessen lässt. Durch den ständig gespannten Spannungsbogen möchte man immer sofort wissen, wie denn die Geschichte weitergeht und es fällt direkt schwer das Buch aus der Hand zu legen. Die Charaktere passen hervorragend zu dem Szenario und besitzen viel Tiefgang. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen der sich für gute Thriller, sowie spannende und actionreiche Ermittlungen begeistern kann. Dieser wirklich gelungene Auftakt der Oxen-Trilogie macht Lust auf mehr und weckt so Vorfreude auf die nachfolgenden Bücher.
Rezensionen von Gaby 2707:
Aufklärung nach 20 Jahren
Oxen. Das erste Opfer von Jensen Jens Henrik
22. Juli 1997, Badestrand von Süddorf auf Amrum ? nach einem nächtlichen Bad im Meer wird die hübsche, lebenslustige Nina Asmus tot aus dem Wasser gezogen. Für die Polizei war es ein Unfall, an den ihre Mutter Tela und ihre Freundin Eske aber nicht glauben wollen.
Genau an ihrem 20. Todestag findet Frederik Christians, der damals die leblose Nina gefunden hatte, genau an der Stelle jetzt eine Flaschenpost ? ich habe gemordet ? ich werde es wieder tun.
Und der Mörder wartet nicht lange, bis er seine Drohung wahr macht.
Hauptkommissar Kuno Knudsen und Hauptkommissar Arne Zander nehmen die Spuren von damals wieder auf und die Jagd nach dem Mörder beginnt.
Kuno Knutsen hat aber auch noch ein privates Problem: sein Bruder Okko, zu dem er jahrelang keinen Kontakt hatte und der nicht viel vom arbeiten hält, muss seine Wohnung auf dem Festland räumen und hat sich an ihn erinnert. Als erstes darf Okko nun den Dachboden aufräumen, denn hier wird er die nächste Zeit leben.
Nach "Der Pfauenmord" und "Jaspers letzte Fahrt" ist dies der 3. Fall für die Kripo Wattenmeer. Ich hatte mich schon richtig auf das Wiedersehen mit Kuno und Arne gefreut. Sie sind ein tolles Team, wie ich finde. Und auch wer die ersten beiden Fälle nicht mit ermittelt hat, findet sich leicht im beschaulichen Amrum zurecht.
Besonders gut gefällt mir auch hier wieder der Lokalkolorit. Bei den Dialogen habe ich den norddeutschen Klang in den Ohren, immer wieder wird Tee getrunken und ich begleite nicht nur die Hauptkommissare auf ihren Wegen auf der Insel, bei einer Überfahrt nach Föhr und genieße mit ihnen den Blick auf die Halligen, das Wattenmeer und die Wattwiesen. Urlaubsfeeling macht sich breit und in mir das Gefühl auch diese Insel einmal besuchen zu wollen.
Ulrike Busch hat einen sehr leichten, flüssigen Schreib- und Erzählstil. Damit zieht sie mich sofort in die Geschichte hinein. Wie ich es mir bei den Insulanern vorstelle, gehen die Ermittlungen langsam und ruhig voran, obwohl man den Ermittlern die Anspannung schon anmerkt. Sie stoßen auf ein Meer von Gedächtnislücken, werden mit Volltrunkenheit an dem besagten Abend abgespeist und auch die Alibis halten nicht immer stand.
Ich finde es spannend, nicht nur einen Kriminalfall zu lösen, sondern auch die Entwicklung der Protagonisten mitverfolgen zu können. Da Nina Asmus sich, wie auf so engen Raum der Insel wohl üblich, in einer Clique bewegt hat, gibt es auch dementsprechend viele Verdächtige. Hier und da hatte ich einen Verdacht, der sich dann anhand von Indizien wieder zerstreut hat. Bis zur endgültigen Auflösung konnte ich auch hier wieder sehr gut miträtseln.
Man muss kein Nordseefan sein um mit diesem Amrum-Krimi ein paar interessante Lesestunden zu verbringen. Aber die Spannung, die Beschreibung von Land und Leuten und die Dialoge haben mich z.B. dazu gemacht.
Rezensionen von Krimine:
Ein eigenwilliger und emotional ansprechender Thriller mit einigen Mankos
Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst. von Hawkins Paula
Helena Petrier ist in der Wildnis groß geworden. Als Tochter eines Mannes, der im Moor zu Hause war, hat sie es gelernt, aus wild wachsenden Pflanzen Nahrung herzustellen. Auch das Lesen von Fährten und das Jagen großer Tiere ist ihr ins Blut übergegangen. Deshalb ist sie es auch, die auf die Suche nach ihrem Vater geht, als dieser aus dem Hochsicherheitsgefängnis entfliehen kann.
Denn dort hat er die letzten 15 Jahre verbracht, weil er ihre Mutter als junges Mädchen entführt und wie eine Gefangene gehalten hat. Erst Helena ist es gelungen, seine frevlerische Tat aufzudecken und nun fürchtet sie, dass er an ihr und ihrer Familie Rache nehmen will.
"Die Moortochter" ist ein düsterer Psychothriller, in dessen Mittelpunkt die zweifache Mutter Helena Petrier steht und ihr Leben als Tochter eines Psychopathen. So wundert es auch nicht, dass sie als Icherzähler fungiert und vor allem ihr Werdegang unter Einbeziehung von Gefühlen und Gedanken sowie die Suche nach dem entflohenen Vater die Handlung bestimmt. Dabei erlebt der Leser zum einen die gegenwärtigen Ereignisse mit, in denen Helena trotz bestehender Furcht versucht, den Vater aufzuspüren. Zum anderen taucht er tief in ihre Vergangenheit ein und erfährt, wie es ist, ein einsames Leben in der Wildnis zu führen. Wobei die Beschreibungen über ihre Kindheit einen wesentlich größeren Raum einnehmen, als die dramatischen Vorkommnisse in der Gegenwart, was angesichts der unerwartet verlaufenden Entwicklung vor allem zum Ende des Buches hin schade ist.
Karen Dionne erzählt sehr lebendig und weiß, worüber sie schreibt. Schließlich lebte sie selbst gemeinsam mit Mann und Tochter in der Wildnis der Upper Peninsula, einer Halbinsel oberhalb von Michigan. Ihre dortigen Erlebnisse und Erfahrungen fließen in den Thriller ein, wobei vor allem die Beschreibungen des Moors und der in ihr zu findenden Fauna und Flora manchmal etwas zu detailreich geraten sind. Dadurch kommt die Handlung immer wieder einmal ins Stocken, was aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass es sehr umfangreiche Einblicke in frühere Erlebnisse gibt. Trotzdem weiß der Thriller vor allem auf emotionaler Ebene zu bewegen und zeigt deutlich die in ihm thematisierten menschlichen Abgründe auf.
Fazit:
"Die Moortochter" ist ein eigenwilliger Thriller, der trotz einiger Mankos vor allem durch seine glaubwürdige und emotional ansprechende Darstellung gut unterhält.
Rezensionen von yellowdog:
Parallelen
Das Schicksal der Sterne von Höra Daniel
Das Schicksal der Sterne ist ein Jugendroman, indem sich die Wege eines Jungen und eines Alten kreuzen. Adhib aus Afghanistan erlebte die Ermordung seines Vaters durch die Taliban mit und musste flüchten. In Deutschland trifft er Karl, der einst als Kind den zweiten Weltkrieg miterlebte und aus Schlesien flüchten musste.
Neben dem zeitgenössischen Plot gibt es immer wieder ergreifende Rückblicke, die den Leser emotional anspricht. Der Roman profitiert von den Details der berichteten Widrigkeiten bei der Flucht die sowohl damals wie auch heute sehr hart und gefährlich waren. Der Autor zeigt überraschende Parallelen auf.
Eine ähnliche Konstellation mit Alt und Jung gab es in Peter Härtlings letzten Jugendroman Djadi, Flüchtlingsjunge.
Daniel Höra schreibt aber einen anderen Stil und lässt die beiden Parteien gleichberechtigt zu Wort kommen. Das ist überzeugend und führt zum gelingen des nicht einfachen Stoffes.
Das der Roman trotz so einiger geschildeter Härten nicht düster wird, liegt am Wortwitz, der sich z.B. in den Dialogen zwischen Karl und Mildred entwickelt und an Adhibs positiver Lebenseinstellung. Dabei gaben sie es auch nach ihrer Flucht in der neuen Heimat nicht leicht. Immerhin profitieren sie von ihrer Freundschaft zueinander.
Viele der Beschreibungen halte ich für sehr glaubhaft und nachvollziehbar.
Das Schicksal der Sterne ist ein Roman der bewegt und dem ich viele Leser wünsche.








