Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Einmal Hölle und zurück - Bagdad
Mörderische Freiheit 15 Jahre zwischen Himmel und Hölle im Irak von Svensson Birgit
Die deutsche Journalisten Birgit Svensson lebt seit 2003 im Irak. In diesem Buch sind ihre Beobachtungen, Erfahrungen und Reportagen zusammengefasst.
In zehn Kapiteln versucht sie Ursache und (Aus)Wirkung der Politik in dieser Region darzustellen. Für den interessierten Leser eröffnen sich neue Sichtweisen.
Das Unverständnis der USA für diese Region, die seit Jahrzehnten durch Diktatoren und Stammesfehden beherrscht wurde, und das Aufzwingen einer Demokratie nach westlichem, amerikanischen Vorbild, (wobei das auch ein Widerspruch in sich ist), hat erst die religiösen Fanatiker erstarken lassen. Das Grundübel ist allerdings im 19. Jahrhundert zu suchen, als vor allem die Briten willkürlich Länder und Grenzen schufen, ohne Rücksicht auf Religionen, Ethnien oder Traditionen zu nehmen.
Denn mit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 bricht nicht der Weltfrieden aus, sondern im Gegenteil, die seinerzeit mit eiserner Klammer zusammengehaltenen unterschiedlichsten Interessen implodieren in ein nicht beherrschbares Chaos.
Seit dem Bürgerkrieg in Syrien sind die Konflikte im Irak ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit entschwunden. Daher sind Bücher, wie das vorliegende, notwendig. Der Irak ist nicht ausschließlich ein Tummelplatz des IS und anderer militanter Gruppierungen.
Die Herausforderungen, denen sich das Land und seine Bevölkerung stellen müssen, reichen weiter: Da ist zum Beispiel der Ölreichtum, der Fluch und Segen zugleich ist. Oder die Lage der Frauen und/oder Jugend dort – brachliegendes Potenzial, versäumte Gelegenheiten.
Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich fasziniert. Es ist eine Reportage aus dem Inneren eines Landes, das nach dem Wegfall der eisernen Klammer und dem Terror des IS, sich neu erfinden muss, sich seines brachliegenden Potenzials bewusst werden muss. Wahrscheinlich wird es eine Herkulesaufgabe sein, ein funktionierendes Justizwesen zu errichten. Derzeit scheint ein Rückschritt eingetreten zu sein, dass die Rechtsprechung wieder an die jeweiligen Stammesfürsten „delegiert“ werden, die dann den status quo zementieren.
Nebenbei und unterschwellig lernen wir hier das Denken, die Wahrnehmung, die Hoffnungen und Ängste der irakischen Menschen kennen. Nur die ältesten können sich an eine Zeit ohne Krieg, Bürgerkrieg, Verbrechen, Unruhen, Diktatur und Exil erinnern. Eine ganze Generation ist von Gewalt und Terror geprägt. Es ist an der jungen Generation, die seit einigen Monaten darangeht, konfessionelle Gegensätze zu überwinden und die Geschicke ihres Landes in eigene Hände zu nehmen. Hier kommt vor allem den Frauen große Bedeutung zu, die ihre traditionelle Rolle in islamischen Gesellschaften zunehmend in Frage stellen. Immerhin wird Bagdad als erste arabische Großstadt überhaupt, von einer Oberbürgermeisterin regiert.
Der Schreibstil ist eingängig und das Buch lässt sich gut lesen.
Für die Autorin besteht die Region und besonders Bagdad nicht ausschließlich aus der Hölle, sondern bedeutet auch Himmel, selbst wenn der noch Verbesserungsmöglichkeiten bietet.
Der Titel passt perfekt, denn die Menschen sind nach dem Sturz von Saddam Hussein in eine mörderische Freiheit hineingestoßen worden, die sie sich (die Freiheit nämlich) wohl so nicht vorgestellt haben.
Fazit:
Wer sich also für diese Region und ihre Konflikte interessiert, kommt an diesem außergewöhnlich sachlichen und beeindruckenden Buch nicht vorbei. Gerne gebe ich für dieses Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Google & Co. - eine Art Ersatzreligion?
Mörderische Freiheit 15 Jahre zwischen Himmel und Hölle im Irak von Svensson Birgit
Schon der Titel lässt ahnen, dass hier Anleihen in der Bibel bzw. Religion genommen werden. Gleich zu Beginn steht ein Richtung Google adaptiertes Vater Unser.
In 5 Hauptkapiteln, die noch weiter unterteilt sind, versucht der Autor die Ähnlichkeiten dieses Konzerns mit Religion aufzuzeigen.
Glaube, Geld & Google
Die Kirche der digitalen Neuzeit
Die neuen digitalen Believers
Diagnose der digitalen Moderne
Digitale Aufklärung
Hoffmeister deutet an, dass die aktuelle säkulare Welt nach einer Art Ersatz-Religion sucht.
Alle möglichen Ansichten werden zu einer „Pseudoreligion“ erhoben. So gibt es eingefleischte Fans des Wiener Fußballklubs „Rapid“, die bei der Frage nach dem religiösen Bekenntnis „Rapid“ angeben. (Das steht nicht im Buch.)
Wenn Karl Marx, die Religion als „Opium für das Volk“ bezeichnet, so gilt das in viel stärkerem Maße für Google & Co. Ob der chronische Google-Abusus gesünder als Opium ist, mag dahingestellt bleiben. Dazu gibt es noch zu wenige Langzeitstudien.
„Digitale Aufklärung beginnt mit Ideen, Konzepten und Erkenntnissen der Quantenphysik.“ (S.192) Wirklich? Die Menschheit hat seit je gemessen und gewogen.
Wenn, wie Hoffmeister ausführt, Elon Musk glaubt, die Menschheit befindet sich in einer Art Computerspiel, warum jagt Musk dann höchst irdischem Geld und Erfolg nach?
Hoffmeister versucht, mit diesem Buch zu provozieren. Manchmal verliert er sich, dort wo kurze prägnante Aussagen nötig und passend wären, in allzu vielen Details.
Nicht der schöpferische Geist wird zum Göttlichen erhoben, sondern die Möglichkeit der weltumspannenden Verbreitung durch das Internet entpuppt sich als Dienst am Götzen.
Kaum jemand entkommt der allumfassenden Präsenz des www und seiner Inhalte. Die Menschheit wird beeinflusst, manipuliert und in eine bestimmte Richtung gedrängt.
Der Autor gibt einige Denkanstöße und jeder Leser kann sich seine eigene Meinung bilden.
Fazit:
Ein interessantes Buch, das sich zu lesen lohnt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von begine:
Drei Frauen
Was man unter Wasser sehen kann von Henriette Dyckerhoff
Die Autorin Henriette Dyckerhoff schreibt in ihrem Roman „Was kan unter Wasser sehen kann“ von dem Schicksal dreier Frauen aus drei Generationen.
Luca lebt im Jahr 2015 in Berlin. Ihre Mutter meldet sich überraschend zu einem Besuch an. Aber sie kommt nicht an. Ihr Auto steht auf einer Brücke in ihrem Heimatort Ronnebach.
Niemand weiß, wo Marion abgeblieben ist. Da macht sich Juca auf den Weg zu ihrer Großmutter Grete.
Das Verhältnis zwischen Grete und Marion ist seltsam.
Die Geschichte geht zurück in das Jahr 1956, da wird ein Teil des Ortes für einen Staudamm abgerissen und geflutet. Die Bewohner sind alle erwas merkwürdig.
Auch Luca ist nicht einfach, aber sie lernt jetzt einiges über Marion besser verstehen.
Die Charakter der Frauen sind gut ausgearbeitet, mit Ecken und Kanten versehen.
Henriette Dyckerhoff ist es gut gelungen die Stimmung eines Dorfes und ihrer Bewohner einzufangen. Daraus resultiert dann die Stimmung unter einander
Ein spannender Roman, den man verschlingt.
Rezensionen von Gaby 2707:
Krimi muss nicht vor Blut triefen
Wolfsspiel von Christian Jaschinski
In Lippe geht die Angst um. Kurz nachdem eine nicht zu identifizierende Leiche entdeckt wird, gibt es einen zweiten Toten. Beide mit den gleichen Merkmalen: In Ohren und Nase finden sich Spielfiguren wie von einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Die Kommissare Florian Dreier und Bernd Rohde stehen vor einem Rätsel.
Unterstützt werden sie bei ihren Ermittlungen aus dem Hintergrund von Tara Wolf und zwei ihrer Freunde. Tara sucht auch immer noch den Rocker, der ihren Mann bei ihrer Hochzeit ermordet hat. Und ein nerviger Staatsanwalt will unbedingt Ergebnisse...
Nach „Mörderisches Lipperland“ ist dies der zweite Fall, bei dem ich Strafrichterin Tara Wolf und Kriminalhauptkommissar Florian Dreier beim Lösen eines Kriminalfalles über die Schulter schaue. Gerade die Beiden habe ich gleich ins Herz geschlossen und mich gefreut, dass sie mich auch bei diesem Fall Mäuschen sein lassen. Auch die anderen Protagonisten haben irgendwo ihr Päckchen zu tragen und sind gut vorstellbar ausgearbeitet und wirken richtig menschlich und authentisch. Sogar den Täter kann ich verstehen und seine Taten nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht gutheiße.
Ab einem regnerischen Mittwoch im Februar bin ich dabei, und versuche zusammen mit Florian Dreier und seinem Kollegen Bernd Rohde, der seine privaten Probleme nicht in den Griff bekommt, 13 Tage lang einen Serienkiller zu stellen. Auch wenn man meint es passiert nicht viel, weil die Ermittlungen immer wieder ins Stocken kommen, da sich der Täter absolut keine Fehler erlaubt, finde ich die Gespräche, Gedanken und Dialoge richtig gut und kann so noch besser verstehen, wie die Menschen, die ich hier begleite, ticken. Natürlich habe ich bald einen Verdacht, der aber durch neue Erkenntnisse oder einer neuen Wendung wieder „freigelassen“ werden muss. Der Schluss bzw. die Auflösung hat mich dann doch überrascht, ist aber schlüssig und absolut nachvollziehbar.
In kursiver Schrift bekomme ich fast täglich auch die Gedanken des Mörders zu lesen, was die Spannung weiter anfacht.
Christian Jaschinski hat seinen Lesern hier einen zumeist unaufgeregten, leisen und doch sehr spannenden Krimi vorgelegt. Und ich hoffe, dass Florian und Tara bald wieder einen neuen Fall zu lösen haben.
Rezensionen von LEXI:
Wahre Liebe ist niemals selbstsüchtig
Wolfsspiel von Christian Jaschinski
Zu dieser Erkenntnis kommen auch die Protagonisten dieses Romandebüts von Manuela Schörghofer. Bereits bei der ersten Begegnung zwischen Franka von Marienfeld und dem zukünftigen Ehemann ihrer betörend schönen Schwester Melinda sprühen die Funken. Der stattliche Ritter aus Lomere sieht sich im Wald einem listigen Jungen mit grünen Katzenaugen gegenüber, der ihm Widerworte gibt, anstatt ihm für die Rettung aus einer lebensgefährlichen Situation zu danken.
Als der Frechdachs sich auch noch als verkleidete junge Frau mit scharfer Zunge und temperamentvollem Wesen entpuppt, ist Wulfgar von Röllberg völlig hingerissen. Doch Franka wurde bereits seit frühester Kindheit auf eine geistliche Laufbahn vorbereitet, ihre Abreise ins Kloster steht kurz bevor. Obgleich Wulfgar sich nach näherem Kennenlernen nichts sehnlicher wünscht, als sein Leben an der Seite dieser faszinierenden Frau zu verbringen, akzeptiert er ihre Entscheidung und lässt sie schweren Herzens gehen. Er stellt Frankas Glück über sein eigenes und fügt sich in sein vermeintliches Schicksal. Der Aufbruch zum Kreuzzug ins Heilige Land scheint eine willkommene Gelegenheit, der lieblosen Ehe mit Melinda für eine Weile zu entfliehen. Doch nicht Melinda, sondern vielmehr Franka bangt um seine wohlbehaltene Rückkehr aus dem Krieg…
Die Autorin zeichnet in diesem Roman eine typische Familiengeschichte der Adeligen im dreizehnten Jahrhundert, wo das Leben der Erst- und Zweitgeborenen bereits von Geburt an vorgezeichnet war. Der älteste Sohn trat das Erbe an, während der zweite ebenfalls in den Ritterstand zu treten hatte. Das Streben nach einer geistlichen Laufbahn war erst dem Drittgeborenen gestattet, Ehen wurden unter taktischen Aspekten oder zum Zwecke der Vermögens- und Machterweiterung arrangiert. Im vorliegenden Buch präsentiert Manuela Schörghofer wunderbar ausgefeilte Charaktere, die mit hoher Authentizität punkten und den Leser dadurch emotional ins Geschehen einbeziehen. Frankas Temperament und ihr gesamtes Wesen bilden einen deutlichen Kontrast zu ihrer sanftmütig wirkenden Schwester Melinda, die sich einen an Literatur und Musik interessierten reichen Freigeist als Mann wünscht. Melinda möchte hofiert und bewundert werden, während Franka nicht das geringste Interesse daran hat, sich einem Mann unterzuordnen. Die Autorin ersann auch interessante Nebenfiguren, die ebenfalls überzeugend dargestellt waren. Besonderes Augenmerk wurde auf Frankas Mitschwestern gelegt, die durch ihr Verhalten für unerwartete Wendungen im Buch sorgten.
Während der Einstieg in diese Geschichte in eher gemächlichem Tempo stattfand, erhöhte sich der Spannungsbogen bei Wulfgars Turnier- und Kriegserlebnissen, vor allem aber auch während des Aufenthalts der Protagonistin im Kloster. Hier war ich überrascht, regelrechte Krimi-Elemente vorzufinden, wobei die Autorin mich auch auf eine falsche Fährte führte. Der einnehmende Schreibstil, die bildhaften Beschreibungen der Lebensumstände der damaligen Zeit und die Einbindung historischer Persönlichkeiten, die im Anhang detailliert aufgelistet werden, haben mir sehr gut gefallen. Ich empfand es als überaus hilfreich, dass dieses Buch auch über ein Personenregister, die Städte- und Flussbezeichnungen von damals und heute, sowie ein Glossar verfügte.
Die Lektüre dieses Buches hat mir ein unterhaltsames Abenteuer mit romantischer Verwicklung und interessanten historischen Aspekten beschert und mir sehr gut gefallen.
Rezensionen von LEXI:
Ein Mord auf St. Michael’s Mount
Je dunkler das Grab von Mary Ann Fox
Im zweiten Band der Reihe verschlägt es die sympathische Gärtnerin Mags Blake auf die Klosterinsel St. Michael’s Mount im wunderschönen Cornwall, wo nicht nur Mags guter Freund Dr. Sam Hawthorne, sondern zugleich auch ein neuer Fall auf sie wartet. Die Inhaberin des Unternehmens „Evergreen Garden Service“ wurde aufgrund ihres Fachwissens und ihrer großen Leidenschaft für die Natur gebeten, über den bezaubernden Garten auf der Insel zu schreiben.
Doch Sam und Mags stoßen auf eine Leiche, und über kurz oder lang wird das Duo wieder in die Ermittlungen involviert. Nichts ist so, wie es den Anschein hat, und die beiden Amateurermittler glauben nicht so recht an Beweise, die fingiert scheinen und viel zu konkret auf einen ganz bestimmten Täter hinweisen.
Dieser gemütliche Krimi versetzt den Leser erneut ins wunderschöne Cornwall, wobei der einnehmende Schreibstil und die bildhafte Sprache der Autorin wesentlich dazu beitrugen, mir den Zauber dieser Landschaft und die prachtvolle Gartenanlage auf der Klosterinsel St. Michael’s Mount vor Augen zu führen. Mary Ann Fox ersann einen interessanten Kriminalfall, legt jedoch das Hauptaugenmerk definitiv auf die liebevoll charakterisierten Figuren ihres Buches. Ihre Interaktionen und die gemütlichen Ermittlungsarbeiten haben mich bestens unterhalten und mir sehr gut gefallen.
Der charmante Historiker Dr. Sam Hawthorn und die Hauptfigur Mags fungieren als Hobby-Ermittler und tragen zur Klärung des Falles bei, wobei sie jedoch auch eine gewisse gegenseitige Anziehungskraft nicht leugnen können. Es hat mich darüber hinaus gefreut, Miss Clara, Mags Vermieterin und wohlmeinende Freundin aus dem Vorgängerband sowie dem Ermittlerduo Sergeant Mary Shifter und Inspector Johnson wieder zu begegnen. Zudem wird behutsam ein kleines Stück von Mags Vergangenheit gelüftet, als sie zum ersten Mal seit dem Tod ihres Vaters versucht, etwas über ihre verschwundene Mutter in Erfahrung zu bringen. Mary Ann Fox stellt ihrer Protagonistin Nebenfiguren zur Seite, die ich als überzeugend und interessant gezeichnet empfand. Meine besondere Sympathie galt Elsa Sand, die in ihrem Pub Mags Bekanntschaft macht und nichts über ihre Vergangenheit preisgibt. Die eigenwillige Hauptgärtnerin Irene Jacobs und der nach Pfeifentabak und Patschuli riechende Surfer und Weltenbummler „Onkel Jim“ erhielten eine für meinen Geschmack viel zu kleine Rolle in diesem Buch, ich hätte sehr gerne mehr über sie erfahren.
Da es sich bei diesem Buch um einen richtigen Wohlfühlkrimi handelt, erwartete ich auch keinen rasanten Handlungsverlauf. Der kleine Spannungsbogen vom Auffinden der Leiche bis zur Enthüllung der Identität des Täters wurde jedoch bis zuletzt konstant aufrechterhalten, der Autorin ist es sogar gelungen, mich durch einige falsche Fährten kurzzeitig in die Irre zu führen.
Fazit: Als absoluter Fan von „cosy crimes“ hat mir „Je dunkler das Grab“ ebenso wie auch der erste Band der Reihe um Mags Blake ausgezeichnet gefallen.
Ich freue mich bereits auf weitere Abenteuer!
Rezensionen von LEXI:
Wo du hingehst, da will ich auch hingehen. Wo du bleibst, da bleibe auch ich.
Das Gutshaus in der Toskana von Karin Seemayer
Marco Michele di Raimandis Plan, mit seiner frisch angetrauten Ehefrau nach Amerika auszuwandern und auf diese Weise seinen Häschern zu entgehen, wird durch Antonellas Schwangerschaft durchkreuzt. Die beiden finden bei einem alten Pächter in Vallone di Segalari Unterschlupf, knüpfen neue Kontakte und finden ihr Auslangen.
Doch das unerwartete Auftauchen von Antonellas rachsüchtigen ehemaligen Verlobten aus ihrem Heimatdorf Cerreto wirft dunkle Schatten auf das Glück der beiden Liebenden.
Karin Seemayer ist mit „Das Gutshaus in der Toskana“ ein fantastischer Nachfolgeband ihrer Geschichte um Marco und Antonella gelungen. Ihren hervorragend charakterisierten Protagonisten und auch einige Nebenfiguren aus dem ersten Buch wieder zu begegnen hat mir große Freude bereitet. Die Autorin versteht es, ihren Lesern die wunderschöne Landschaft der Toskana vor Augen zu führen. Mit ihrem einnehmenden Schreibstil und der spannenden Handlung hat sie mich auf der Stelle für dieses Buch eingenommen. Es war schön, Marcos Familie näher kennenzulernen, wobei sie es verstand, die Gedanken und Emotionen der di Raimandis anschaulich darzustellen. Im vorliegenden zweiten Band sind zwar Elemente des ersten Buches wie beispielsweise der Kampf um die Unabhängigkeit Italiens durch Guiseppe Mazzini und Giovine Italia vorhanden, diesmal jedoch mit einem wesentlich niedrigeren Spannungsbogen. Ich habe die Liebe zum Detail genossen, die Karin Seemayer in ihren Beschreibungen der Landschaft und der Bevölkerung zum Ausdruck brachte und begrüßte die Gewichtung der Autorin auf das Weingut Alberi d’Argento und die Familiengeschichte der di Raimandis. Man kann sich zudem durch laufende kleine Rückblicke auf relevante Ereignisse in der Vergangenheit ein Bild von der Vorgeschichte der Protagonisten machen. Meine favorisierten Nebenfiguren waren Tiziana Ferrante und ihr Schwager Ugo, die von ihren Mitmenschen nicht akzeptiert werden, aber ihrerseits zu sehr guten und unerschütterlich treuen Freunden von Marco und Antonella wurden. Der Antagonist dieses Buches war natürlich der „rachsüchtige Widerling Paolo“, wie die Autorin den ehemaligen Verlobten Antonellas tituliert. Bereits der Klappentext verheißt nichts Gutes, und tatsächlich erhält auch er einen nicht unwesentlichen Part in dieser Geschichte.
Fazit: „Das Gutshaus in der Toskana“ war nicht nur ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes, sondern hat ihn aus meiner Sicht sogar noch übertroffen. Mir haben das etwas gemächlichere Tempo und die Konzentration auf die Interaktion der handelnden Figuren in diesem Buch ausgezeichnet gefallen – es hat mir ein wunderschönes Abenteuer im Kopf bereitet und ich kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.
Rezensionen von LEXI:
Es ist Zeit für ein zweites Paar Schultern
Ein Job für Neill Archer von Karen Witemeyer
Die zwanzigjährige Clara Danvers ist Witwe und lebt in einer kleinen, baufälligen Hütte in Dry Gulch, Texas. Ihr nichtsnutziger Ehemann Matthew war Spieler, ein Taugenichts, der sich lieber im Saloon herumtrieb, als sich seiner jungen Ehefrau zu widmen. Clara ist zwar eine mutige und starke Kämpferin, doch ihr droht auf sich alleine gestellt große Gefahr.
Als Neill Archer auf der Suche nach Arbeit an sie verwiesen wird, bringt der gutaussehende und freundliche junge Mann nicht nur Dach und Treppen in Ordnung, sondern auch ihr Leben.
Karen Witemeyers bezaubernder Liebesroman besticht durch einen äußerst einnehmenden Schreibstil, gespickt mit vielen Emotionen und einer kleinen Prise Humor. Diese Kurzgeschichte bietet wie auch alle anderen Bücher der Autorin großen Unterhaltungswert, es erzählt vom Schicksal einer wunderschönen Außenseiterin in Texas, im Jahre 1893. Bei den handelnden Personen konzentriert sie sich in erster Linie auf die beiden Protagonisten Clara und Neill, deren Charakterzeichnung sie sich ausführlich widmet. Die Nebenfiguren wie beispielsweise Claras arroganter und unnachgiebiger Schwiegervater Mack oder Neills Brüder Travis, Jim und Crockett werden nur oberflächlich beschrieben, ein Umstand, den ich auch hinsichtlich Neills bestem Freund Josiah ein wenig bedauerte. Dennoch verstand es Karen Witemeyer, trotz der geringen Anzahl von Buchseiten möglichst viel von Neills Vergangenheit und den Bewohnern der Archer-Ranch in diese kurze Erzählung einzubringen.
Zu meinem Bedauern blieben einige Fragen bis zur letzten Seite unbeantwortet und es mangelte dem Verhalten von Neill Archer sowie Mack Danvers an zwei bestimmten Passagen im Buch etwas an Überzeugungskraft.
Trotz alledem hat mir dieses Buch, das im Übrigen als „Kleine-Auszeit-Roman“ mit geringer Seitenanzahl und lesefreundlicher Schriftgröße erschienen ist, ausgezeichnet gefallen. „Ein Job für Neill Archer“ hat mir unterhaltsame und vergnügliche Lesestunden bereitet und Karen Witemeyer aus meiner Sicht erneut als grandiose Autorin historischer Romane mit happy-end-Garantie und christlicher Botschaft bestätigt.
Rezensionen von LEXI:
"Wir sind gleich. Vor Gott sind wir alle gleich."
Ein Job für Neill Archer von Karen Witemeyer
Es gibt in Wilkes County, Georgia, im Jahre 1868 viele Menschen, die nicht dieser Ansicht sind. Menschen, die gegen die Aufhebung der Sklaverei protestieren und alles dafür tun, um ihre Mitmenschen mit schwarzer Hautfarbe wie zuvor zu diskriminieren und in Angst und Schrecken zu versetzen. Die rebellische Emily Joy Derracott verbrachte ihr ganzes Leben auf der Baumwollplantage ihres Vaters und ist strikt gegen die Sklaverei.
Sie steht zu ihren Überzeugungen, fühlt sich dazu berufen, den ehemaligen Sklaven zu helfen und erteilt ihnen Unterricht im Lesen und Schreiben. Doch eines Tages wütet der berüchtigte Ku-Klux-Klan auch auf der Derracott-Plantage in Wilkes County. Leutnant Thomas McGinnis ist Emilys guter Freund aus Jugendtagen. Die beiden verbinden wunderschöne Erinnerungen an gemeinsame Unternehmungen vor dem Krieg, als sie ihre Freizeit ausgelassen und unbeschwert miteinander verbrachten. Doch der Krieg hat vieles verändert. Thomas McGinnis bezeichnet die ehemaligen Sklaven als dumm und arbeitsunwillig und zieht sich damit den Unwillen jener Frau zu, die er zu umwerben gedenkt. Emily ist Thomas wie einem Bruder zugetan, ihr Herz gehört jedoch einem anderen. Sie würde zudem niemals einem Mann das Jawort geben, der ihre Überzeugungen nicht teilt.
Die Aufhebung der Sklaverei, der Einsatz für die Rechte der ehemaligen Sklaven sowie die Widerstände gegen deren aktive politische Beteiligung – beispielsweise durch das mörderische Treiben des Ku-Klux-Klans - sind Themen dieses Buches. Die Protagonistin Emily wird als warmherzige, aber auch ziemlich rebellische junge Frau dargestellt, die als überzeugte Gegnerin der Sklaverei ihren Part dazu beiträgt, den Freigelassenen zu ihren Rechten zu verhelfen. Ihr männlicher Gegenpart Thomas McGinnis scheint von ihrer Einstellung nicht begeistert zu sein. Es kommt zu Meinungsverschiedenheiten und letztendlich kann Emily ihrem ehemals besten Freund nicht mehr vertrauen. Die Autorin hat ihre handelnden Figuren und deren Gefühls- und Gedankenwelt überzeugend dargestellt. Als meine favorisierte Nebenfigur möchte ich die anmutige und würdevolle Miss Lillian anführen, die durch die Missionary Aid Society als Lehrerin in den Süden kam. Die tief gläubige Christin möchte den Freigelassenen dienen. Sie strahlt Frieden und Freundlichkeit aus und gibt an, lieber Gott zu gehorchen, als den Menschen. Miss Lillians tiefgründige Gespräche mit Emily waren für mich Höhepunkte dieses Buches.
Ich empfinde den einnehmenden Schreibstil, die gewählte Ausdrucksweise und die hervorragende Charakterzeichnung der handelnden Figuren bereits als ein Markenzeichen von Elizabeth Musser. In diesem Buch wurde nicht so detailliert auf die Personen eingegangen wie ich es aus den anderen Werken der Autorin gewohnt bin, was aber vermutlich der Kürze dieser Geschichte geschuldet war.
Fazit: Elizabeth Musser hat mit ihrer Lektüre „Savannah“ eine eindrucksvolle Kurzgeschichte geschaffen, die sowohl durch ihren Inhalt, als auch durch die handelnden Personen überzeugte und mir ausgezeichnet gefallen hat. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen!
Rezensionen von LEXI:
George Washington Carver – der Mann, der die kleine Erdnuss ganz groß machte
Ein Job für Neill Archer von Karen Witemeyer
„Mit dem Fragen fängt es an. Und mit dem Staunen.“
Der kleine George hatte eine Menge Fragen. Der stets kränkelnde Sohn einer ehemaligen Sklavin hatte das große Glück, beim Ehepaar Moses und Susan Carver in Diamond Grove, in den Ozarkbergen im Süden von Missouri, ein Zuhause zu finden. Der ruhige und besonnene Moses war einfacher Farmer, ein gutmütiger Mann, der sein Wissen um die Landwirtschaft an George weitergab.
Seine herzensgute Frau Susan päppelte den zarten Jungen auf und brachte ihm das Lesen bei. Doch George hatte unzählige Fragen, und bei den Carvers gab es viel zu wenige Antworten darauf. Sein starkes Interesse an der Schöpfung und sein unbändiger Drang, sich Wissen anzueignen, veranlassten den Halbwüchsigen schließlich dazu, das honiggelbe Blockhaus unter den Walnussbäumen, das bis zu diesem Zeitpunkt für ihn der schönste Ort der Welt gewesen war, zu verlassen.
Dagmar Petrick erzählt in diesem Buch die Geschichte eines kleinen Jungen, der sich wie kein anderer mit Pflanzen auskennt, ein Junge, der einst unglaublich große Dinge bewirken sollte. Hätte der talentierte und wissbegierige George niemals sein Zuhause verlassen um sich Wissen anzueignen, würden heute in Alabama vermutlich keine Erdnüsse wachsen. Es brauchte lediglich ein wenig Ermutigung und hilfsbereite Menschen, die sich aktiv gegen die Diskriminierung der Schwarzen auflehnten, um George auf seinem Weg zu unterstützen und zu begleiten.
Die Autorin erzählt in einem wunderschönen Schreibstil und in gewählter Sprache die Geschichte dieses faszinierenden Mannes, dessen Hunger nach Wissen letztendlich dafür verantwortlich zeichnete, dass die Landwirtschaft in Alabama nach dem katastrophalen Einfall des Baumwollkapselkäfers im Jahr 1910 durch die bislang gering geachtete Erdnuss gerettet wurde. Dagmar Petrick versteht es, ihren jugendlichen Lesern durch diesen bemerkenswerten Roman historische Fakten, vor allem aber Werte zu vermitteln. Der christliche Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch und Gott ist für den Protagonisten der große Schöpfer, den er bereits in jungen Jahren „Mister Creator“ nennt. George wurde sein Leben lang von seinem tiefen Glauben getragen, er bestimmte sein Denken und Handeln.
Die Situation nach der Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten ist zentrales Thema dieses Buches und der kleine schwarze Junge muss für Dinge in seinem Leben kämpfen, die man heute als selbstverständlich erachtet. In einfühlsamen und eindringlichen Worten vermittelt die Autorin ein anschauliches Bild dieses Kampfes und zeigt auf, wie letztendlich Menschlichkeit und Nächstenliebe in Carvers Lebensgeschichte den Sieg davontrugen. Sowohl George, als auch die Nebenfiguren dieses Buches wurden liebevoll gezeichnet. Sie zeugen von großer Authentizität und punkten mit tief beeindruckenden Aussagen:
„Die Leute haben Augen. Aber sie sehen nicht hin. Sie haben einen Mund, mit dem sie fragen können. Aber sie fragen nicht. Und dabei gibt es doch so viel zu entdecken.“
„Es gibt Menschen mit heller Haut. Es gibt Menschen mit dunkler Haut. Darum ist der eine nicht wertvoller, als der andere.“
„Das Wissen ist für alle Menschen da. Wissen behält man nicht für sich. Es ist etwas, das man weiterreicht. Wie ein Geschenk.“
„Alles, was ich mache, soll anderen nützen. Eines Tages werde ich diese Welt verlassen müssen. Und wenn dieser Tag kommt, will ich mich rechtfertigen können, warum ich in ihr gelebt habe. Ich möchte die Gewissheit haben, dass mein Leben meinen Mitmenschen wenigstens ein bisschen geholfen hat. Das ist alles.“
Fazit: Die Lektüre „Ein Professor für die Erdnuss“ machte großen Eindruck auf mich. Die Geschichte dieses kleinen Jungen mit dem unersättlichen Forschungsdrang, der in seinem Leben Außergewöhnliches bewirkt, hat mir nicht zuletzt aufgrund der hoch interessanten Thematik und dem wunderschönen Schreibstil ausgezeichnet gefallen. Es ist ein Buch, das ich auf jeden Fall als Lesehighlight bezeichnen möchte und uneingeschränkt weiterempfehle!







