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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

düster

Im Schatten des Kronturms von Michael J. Sullivan

Im Schatten des Kronturms erzählt den Anfang der Riyrua-Chroniken und ist typische Fantasyserie aus den USA.

Es ist für den Leser nicht einfach, in eine langjährige Fantasy-Serie einzusteigen, selbst wenn es ein Prequel ist. Das Worldbuilding ist dennoch woanders erfolgt. Deswegen war der Start für mich holprig.

Doch die Vorbemerkung des Autors war mir zunächst zu langweilig, da habe ich es auf eigene Faust versucht, in die Geschichte hineinzukommen und habe die Vorbemerkung erst später gelesen.

Hauptfiguren sind Hadrian Blackwater und Royce Melborn, wobei anfangs meist nur Hadrian im Vordergrund steht. Erst nach mehr als 100 Seiten des Buches kommt Royce mehr zum Zug. Leider ist der sehr verschlossen. Mit dem sozial eingestellten, mitfühlenden Hadrian konnte ich mehr anfangen.
Es ist ein schwieriger Prozess, aber sie werden zu Partnern!

Es gibt aber auch noch den Handlungsstrang um Gwen. Sie muss in der Schenke Zum Fratzenkopf arbeiten. In der frauenfeindlichen Umgebung hat sie es schwer und durch den Zuhälter Raynor Grue es ist bedrohlich.
Gwen halte ich für eine glaubwürdige Figur.

Was mich störte war eine gewissen Geschwätzigkeit des Autors in manchen Passagen. Das trat aber nicht durchgehend auf. Viele Szenen sind geschickt geschrieben.
Es fällt mir teilweise schwer, die düstere Atmosphäre zu genießen, die Michael J. Sullivans Prosa verbreitet.

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Rezensionen von PMelittaM:

Unbedingt lesenswert!

Das Haus der Frauen von Laëtitia Colombani

Anwältin Solène muss miterleben, wie ein Mandant in den Tod springt, und bricht zusammen – Burnout. Nur mühsam kann sie sich wieder ins Leben kämpfen. Als ein öffentlicher Schreiber gesucht wird, greift sie zu und wird in den Palast der Frauen geschickt.

1925/26: Blanche Peyron ist vor Jahren in die Heilsarmee eingetreten.

Sie will helfen. Vor allem Frauen haben es schwer, gerade im dieser Zeit, Blanche setzt sich für sie ein und leistet Großartiges, um ihnen einen Zufluchtsort zu schaffen.

Ganz schnell war ich neugierig, ob es Blanche und damit auch den Palais de la Femme wirklich gab/gibt – und tatsächlich, die Autorin hat sich hier einer historischen Persönlichkeit angenommen, die wahrscheinlich wenige kennen, die aber durch den Roman sicher deutlich bekannter werden wird. Der Palais wird auch heute noch so genutzt, wie von Blanche vorgesehen. Für mich macht es diesen Roman noch beeindruckender und emotionaler als er so schon ist.

Solène tut sich zunächst schwer, denn die Frauen im Palais (der deutsche Titel hätte das ruhig übernehmen können!) sind nicht einfach, alle haben ein, oft schlimmes, Schicksal hinter sich. Einige davon erzählt dieser Roman, kurz aber eindringlich. Mit diesem Teil der Bevölkerung hatte die Anwältin bisher nicht zu tun, doch je mehr sie die Frauen, die im Palais wohnen, kennen lernt, desto vertrauter werden sie ihr, desto mehr Gedanken macht sie sich auch über andere, denen es ähnlich geht, wie die junge Obdachlose, die ihr täglich begegnet. Am Ende bedeutet ihr Engagement im Palast der Frauen ein Stück Heilung für sie, und auch den Frauen kann sie einiges geben.

Der Roman berührt emotional, macht nachdenklich und bietet ein gutes Stück Gesellschaftskritik, in erster Linie an Frankreich, aber man kann das durchaus auch auf andere Länder übertragen, zumal viele der Frauen aus anderen Ländern stammen, wie etwa Binta, die ihre afrikanische Heimat verlassen hat, um ihre Tochter vor der Beschneidung zu retten. Der Roman rüttelt auf, spricht unsere Empathie an und plädiert für mehr Mitgefühl und Solidarität untereinander.

Alleine schon wegen seiner Thematik und die Erinnerung an eine großartige Frau ist der Roman empfehlenswert und sollte von vielen gelesen werden. Von mir gibt es volle Punktzahl und natürlich eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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Rezensionen von Manfred Fürst:

Unverzichtbar für alle Anhänger von Thomas Bernhard

Thomas Bernhard Hab & Gut von Barbara Vinken; Dietmar Steiner; Ronald Pohl

Zum 30. Todestag ( 12. Februar 1989) von THOMAS BERNHARD hat André Heller einen Band zusammengestellt, der sich mit dem Hab & Gut des „Erregungshochleistungsvirtuosen“ beschäftigt.


BERNHARDS STIL


AUSNAHMEWESEN. Am 12. Februar, drei Monate nachdem die Uraufführung seines Stückes „Heldenplatz“ am Burgtheater ganz Österreich auf den Kopf gestellt hatte, starb Thomas Bernhard.

Rechtzeitig zu seinem 30. Todestag (an den auch im Akademietheater zwischen 11. Und 20. 2. mit einem Leseprogramm erinnert wird) bringt der Brandstätter Verlag einen sehr feinen Band zu ,,Hab und Gut" und Stilbewusstsein des ewigen Provokateurs auf den Markt. Initiiert und zusammengestellt hat ihn André Heller, nachdem er den sorgfältig inszenierten Privatkosmos im ehemaligen Wohnhaus des Autors in Ohlsdorf betreten hatte. Beeindruckt von diesem durchkomponierten Haus hat Heller dann Experten versammelt, um sich mit den Wohnstätten Bernhards zwischen Obernathal und Ottnang zu beschäftigen. So schreibt u. a. Dietmar Steiner als Architekturexperte über die Häuser und Räume und die Modehistorikerin Barbara Vinken über Bernhard als ,,Dandy im Hause Österreichs“, der die Krachlederne als sein ländliches Verkleidungsritual schätzte. Die Fotos aufgenommen von Hertha Hurnaus.

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Rezensionen von Manfred Fürst:

Kein Krimi im eigentlichen Sinn, sondern eine Psychostudie

Die Stille bringt den Tod von Fossum Karin

Entgegen aller skandinavischen Krimitradition mit blutig abgeschlachteten Opfern, psychopatischen Tätern und durchgedrehter Kommissare, startet der Kriminalroman „Die Stille bringt den Tod“ von Karin Fossum komplett anders.

Ragna Riegel sitzt im Gefängnis - wir wissen lange nicht warum - und wird von Kommissar Konrad Sejer verhört.

Anscheinend hat der Kommissar noch nie einen derart seltenen kriminellen Vogel wie Ragna in die Finger bekommen. Ragna, ein Untersuchungsobjekt für mindesten zehn Psychiater, hat sie doch so ziemlich alle paranoide Persönlichkeitsstörungen, die man sich vorstellen und nicht vorstellen kann. Vom Verfolgungswahn bis zur Todessehnsucht:

- Sie hat Angst vor ihrer eigenen Furcht.
- Ihr Gehirn traf oft seltsame Entscheidungen.
- Sie beugt sich über die grüne Plane (mit dem Ermordeten) und bohrt ihre Klinge in den grünen Stoff, es war egal wo.
- Offenbar hatte sie etwas nicht verstanden

Dass dann der „Agent“ Bennet von Ragna ein langes Messer mehrfach bis zum Griff in den Bauch gerammt bekommt, noch bevor sie die Broschüre „Erwachet“ gelesen hatte, um nach der Lektüre aus ihrem Wahn zu erwachen, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Aber warum war Bennet allein unterwegs? Doppelmord hätte sich Ragna wahrscheinlich nicht zugetraut.

Kann tatsächlich jeder Mensch zum Mörder werden? Diese Frage auf dem Buchrücken, die mehr verspricht, als der „Kriminal“-Roman Antworten geben kann. Wenn die Frage an eine paranoide schizophrene Persönlichkeit, wie Ragna gerichtet ist, dann mit „Ja“. Gerichtet an den durchschnittlichen Leser, der weder paranoid, noch schizophren ist, bleibt die Frage offen.

Karin Fussum, vielfach ausgezeichnet, viel gelesen, verfilmt und vertont, schreibt mit einem außerordentlichen Stil. Der aktuelle Sejer-Roman ist die Nr. 13. Das Hörbuch wollte ich Autofahrern nicht empfehlen, aber als Hörspiel kann ich mir „Die Stille bringt den Tod“ sehr gut vorstellen.

Kein Krimi im eigentlichen Sinn, sondern eine Psychostudie, die dem Leser einiges an Einfühlungs- und Durchhaltevermögen abverlangt.

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Rezensionen von yellowdog:

eigenwillig

Milchmann von Anna Burns

Der Milchmann von Anna Burns gewann den bedeutenden MAN-Booker-Award. Das weckt Erwartungen bei Lesern zeitgenössischer Literatur und teilweise wurden die auch erfüllt. Andererseits ist mir das Buch unglaublich zäh und erzählerisch ausschweifend vorgekommen.

Der Plot handelt nicht wirklich von einem Milchmann, nicht dass das jemand wirklich erwartet hat.

Die 18jährige Icherzählerin ist in einer problematischen Situation aufgrund des gefährlichen Mannes, der sie verfolgt. Es wird aber auch ein gesamtgesellschaftlicher Zustand beschrieben.

Ich denke, wenn das Buch den Leser erreicht, wird der begeistert sein. Wer die Distanz zur Icherzählerin und dem gediegenen Plot nicht überwinden kann, hat es schwer. Ich muss zugeben, das ich zur zweiten Gruppe gehöre.

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Rezensionen von yellowdog:

Der Weg der Pious Men

Priest of Bones von Peter McLean

In einer mittelalterlichen Welt kehrt ein Troß an Soldaten aus dem Krieg als Veteranen zurück, geführt von Tomas Piety. Der Krieg und die Pest hat das Land verwüstet.
Es geht derb zu in der Truppe von Tomas und es sind eine ganze Reihe von eigenwilligen Leuten dabei wie z.B. Bloody Anne, rechte Hand von Tomas, sein Bruder Jochan, der ein hitziges Gemüt hat, der hinterlistige Sir Eland, Cookpot der Koch, Simple Sam, Billy the Boy und andere.

Mit dieser Truppe will Tomas seine Heimatstadt Ellinburg wieder unter seine Kontrolle bringen. Dazu muss er geschickt und entschlossen vorgehen.

Die Handlung bleibt in seiner Komplexität ansprechend, aber überschaubar, was mir ganz gut gefällt.
Themen, Szenerie und manche Passagen erinnern mich ein wenig an den großen Fantasyautor Karl Edward Wagner.
Aber Peter Mclean spielt mehr mit den Elementen der Dark Dantasy, doch so richtig düster ist seine Welt nicht.

Der Roman ist stark von Tomas als Erzähler geprägt. Im Krieg ist er Priester geworden und spricht auch manchmal so, bleibt aber kühl und überlegt dabei. Dem Ton beigefügt ist ein grimmiger Humor voller Ironie.
Diese Erzählweise verbreitet aber auch viel eigentümliche Atmosphäre.

Priest of Bones von Peter McLean ist ein gut lesbarer Roman, der mit sehr gut gefallen hat.

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Rezensionen von Sorko:

Die Spannung baut sich langsam auf

Feuerland von Pascal Engman

Kommissarin Vanessa Frank ist vom Dienst freigestellt, weil sie betrunken Auto gefahren ist. So ermittelt sie zunächst nicht in den Entführungsfällen von zwei reichen Prominenten. Das ändert sich im Verlauf der Geschichte. Nicolas Paredes ist ein Ex-Elitesoldat einer schwedischen Sondereinheit, dem eine entscheidende Rolle in diesem Thriller zukommt.

Er hat eine autistische Schwester, Maria, die er sehr liebt, und um die er sich kümmern muss.
In Chile lebt Carlos, der Leiter der Colonia Rhein. In dieser Kolonie werden illegale Organtransplantationen durchgeführt. Unter der Diktatur wurde dort auch gefoltert. Als die gewaltsam entführten Organspender aus den Philippinen ausbleiben, soll aus Schweden Ersatz geholt werden. Vanessa ist die Mentorin eines entführten Mädchens, sie will ihren Schützling unbedingt aus den Klauen der Verbrecher befreien. Die Spur führt sie zunächst zu Nicolas und dann weiter nach Chile.

Den Einstieg in die Geschichte fand ich etwas schleppend. Das lag vermutlich auch an dem häufigen Wechsel der Szenerie. Bis etwa zur Mitte des Buches hat es mir nicht so gut gefallen. Vanessa Frank stand nicht im Mittelpunkt des Geschehens, sie war zunächst eher eine Randerscheinung. Doch dann stieg der Spannungsbogen spürbar an. Dank der mitunter sehr kurzen Kapitel war es nun wirklich schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Die Handlung an sich fand ich streckenweise etwas fragwürdig. Manches habe ich als recht unrealistisch und sehr fiktional empfunden. Einige Personen hätten sich ganz leicht anders verhalten können, dann hätte es zu manchen Problemen gar nicht kommen müssen.
Auch die Strategie der Verbrecher bei den illegalen Organtransplantationen erschien mir nicht logisch. Ein einfacheres Verfahren wäre möglich und effektiver gewesen.
Das Ende war viel zu einfach. Und ebenfalls ziemlich unrealistisch.

Aber gut, es war ein Thriller und ein Roman, und insgesamt betrachtet war er schon recht spannend. Meiner Auffassung nach wäre da aber mehr drin gewesen.
Dass das Buch an eine dunkle Zeit in der Geschichte Chiles erinnert, hat seine ganz eigene Bedeutung.

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Rezensionen von BarbaraM:

Ein wunderschönes, mutmachendes Abenteuer

Nobbi, der Mutmachhase (Band 1) von Maike Bollow; Judith Allert

„Nobbi, der Mutmachhase“ von den Autorinnen Maike Bollow und Judith Allert und der Illustratorin Stefanie Reich ist im Febraur 2020 im Edel:KidsBooks-Verlag erschienen. Das Bilderbuch umfasst 32 Seiten.
Schon durch das Cover sind Nobbi und seine Freunde mitten in unser Herz gehüpft. Nobbi, der Mutmachhase ist quirlig, absolut hilfsbereit und er hat für seine Freunde immer einen guten Tipp bereit und hilft ihnen, ihre Ängste zu überwinden.

So benötigt zum Beispiel das kleine Vögelchen ein bisschen Mut, damit es sich traut, loszufliegen und auch dem Siebenschläfer und dem Igel kann Nobbi bei ihrem Problem etwas Mut zusprechen. Auch die Eule wird tatkräftig unterstützt.
Nobbi ist eben ein echter Mutmachhase und er hat für all seine Freunde ein offenes Ohr und in seinem wunderbaren Mutmach-Beutelchen versteckt sich auch der ein oder andere Hilfsgegenstand.
Der Umgang mit Ängsten und das Thema „Mut“ ist bei Kindern immer wieder sehr präsent und stammt wirklich aus der Alltagswelt von Kindern. Die Autorinnen sind an diese Thema ganz wunderbar und kindgerecht herangegangen und so können sich die kleinen Leser sicherlich ganz wunderbar mit Nobbi und seinen Freunden identifizieren.
Der Vorlesetext ist klar verständlich und die Illustrationen von Stefanie Reich unterstützen und erweitern das Gelesene ganz wunderbar. Auf den Bildern gibt es viel zu entdecken, wobei sie aber nicht zu überladen sind und man merkt, dass in der Geschichte und der textlichen und zeichnerischen Umsetzung ganz viel Herzblut steckt.
Prima gefällt uns auch die Dreiteilung der Geschichte, so kann die Vorlesedauer an das jeweilige Kind angepasst werden.
Von meinen Kindern und mir gibt es eine absolute Leseempfehlung.
Das Bilderbuch ist zum Vorlesen sicherlich für Kinder ab 3 Jahren geeignet.

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Rezensionen von yellowdog:

Ein getriebener Mann

Der Empfänger von Ulla Lenze

Der Autorin Ulla Lenze gelingt es gut, den Leser für die Hauptfigur Josef Klein zu interessieren. Es bleibt aber lange Zeit auch geheimnisvoll. Josefs Leben war geprägt von den Auswirkungen des zweiten Weltkriegs. Da er als deutscher Auswanderer 1941 in den USA war, wurde er interniert. Doch es steckt auch noch mehr dahinter.

Zeitlich springt die Handlung hin und her, aber ein zentraler Moment ist 1949, als Josef nahezu mittellos seinen Bruder in Neuss besucht. Das wird eine Zeit der Reflexion. Josef ist zu sehr getrieben und er geht wieder.

Das Buch war nicht schlecht und konnte mich interessieren, aber es bleibt auch ein Fragezeichen, was man am Ende von Josef halten soll. Er blieb immer getrieben, heimatlos, ohne Überzeugung und passiv.
Am meisten hat mich der elegante Schreibstil von Ulla Lenze, auch wenn nicht alle Sätze überzeugten, und die inneren Gedankengänge des Protagonisten, denen man folgen kann.
Ganz knapp reicht es daher noch zu 4 von 5 Sternen!

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Rezensionen von heinoko:

Poetisch und bewegend

Goodbye, Bukarest von Astrid Seeberger


Ein Buch, das den Verstand ebenso beansprucht wie das Gefühl. Ein Buch, das poetisch ist und politisch. Ein Buch, das mich tief bewegt hat.

Der Inhalt ist schnell erzählt. Astrid, die Erzählerin, kommt einem Familiengeheimnis auf die Spur. Es hieß, dass Bruno, der totgeschwiegene älteste Bruder ihrer Mutter, in Stalingrad gefallen sei.

Eine Lüge, wie sie erfährt. Und so macht sich Astrid auf die Suche nach Bruno, nach seiner wahren Geschichte zur Zeit des Nazi-Regimes und danach, und dies führt sie von Schweden kommend sowohl nach Deutschland als auch nach Rumänien, nach Bukarest.
Vordergründig geht es demnach um ein Stück Zeitgeschichte, vor allen Dingen um das Rumänien zur Zeit der Herrschaft Ceausescus. Doch dieser historische Hintergrund wirkt auf mich im Buch eher wie ein Bühnenbild im Theater: Schön gezeichnet, wunderbar gestaltet, „… eine Landschaft, die Gott mit streichelnder Hand geformt hat…“. Im Vordergrund der Bühne jedoch entstehen verschiedene Geschichten verschiedener Menschen, immer von einer immensen Kraft, manchmal schön, manchmal entsetzlich, immer aber atemberaubend gut geschrieben. Es sind tagebuchartige Notizen, die man langsam lesen muss, Wort für Wort sorgsam einsammelnd, um nichts zu übersehen, nichts zu verlieren von den feinen Gedankenbildern. Überhaupt hat man den Eindruck, dass die Menschen, denen man im Buch begegnet, durch ihre Geschichten ganz eigene Bilder weben, zu denen die politische Geschichte die Webfäden beisteuert. Es sind die Nebenbei-Sätze, die besonders schmerzhaft sind. Und doch gibt es auch viel Tröstliches, einen Bach-Choral vielleicht, einen Liederzyklus, überhaupt Musik und Literatur zeigen sich als tragende Lebenspfeiler. Astrid Seeberger schreibt wunderbar ausdrucksstark, poetisch, fesselnd, bewegend, immer zutiefst den Menschen zugewandt. „Menschen können inmitten aller Bedrohung einander Schutzräume errichten, in denen wir das kleine störrische Glück verspüren.“
Ein anspruchsvolles, ein einfühlsames, ein ganz und gar wunderbares Buch.

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