Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Allers:
Wie nationale Identität sich wandelt
Ein Palast für die Republik von Merlijn Schoonenboom
Dieses Buch ist ein echter Erkenntnisgewinn! Die heutige moderne Gesellschaft besteht mehr denn je aus verschiedenen Gruppen, und all diese Gruppen würden sich nun miteinander im Konflikt befinden: „Links gegen rechts, der rechte Rand gegen den linksliberalen Mainstream, oben gegen unten, Geschlecht gegen Geschlecht, Inländer gegen Ausländer, alt gegen jung.
“
Mit anderen Worten: Der Aufstieg von rechts-nationalistischen Parteien ist der Anlass für die heftiger gewordenen Emotionen bei der Suche nach Identität im 21. Jahrhundert.
Der Autor Merlijn Schoonenboom beginnt seine journalistische Recherche beim Berliner Stadtschloss: Nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland 1990 wurde 23 Jahre lang über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses diskutiert, gestritten, beraten. Das Ergebnis dieses mühsamen Prozesses: Das Schloss wird ein Museum für „Weltkulturen“ beherbergen, mit Kunstwerken aus anderen Weltteilen und ethnografischen Objekten aus Asien und Afrika. Das Museum soll nichts weniger leisten, als den „Dialog der Kulturen“ zu fördern. „Mitten in der wiedervereinigten Hauptstadt will sich Deutschland dem Rest der Welt als selbstbewusstes und weltoffenes Land präsentieren”, so die The New York Times.
In Deutschland finden die gleichen Diskussionen wie anderswo in Europa statt, aber hier werden sie wegen der vielen historischen Empfindsamkeiten noch extra zugespitzt. Die Argumente sind emotional und grimmig, mit vielen Verweisen auf berühmte deutsche Dichter und Denker und auf die berüchtigten deutschen Richter und Henker.
Rezensionen von div:
sehr spannend - tolle Unterhaltung
Dark von Candice Fox
sehr spannend - tolle Unterhaltung
DieTochter der unverbesserlichen Diebin Sneak Lawlor, ist in Los Angeles verschwunden. Gangsterin, Diebin und Mörderin - gemeinsam mit der Ermittlerin gilt es einen Fall zu lösen. Es gilt alles dafür zu tun, damit das kleine Mädchen gerettet wird.
Interessant Ausgangslagefür das Buch.
Das Buch hat einen sehr spannenden Aufbau und durch die unterschiedlichen Charaktere wird es sehr interessant - und hebt sich von anderen Büchern des Genres auch so richtig ab. Der Schreibstil zieht einen ab der ersten Seite so richtig in das Buch hinein und lässt sich sehr flüssig lesen.
Für mich war es Unterhaltung bis zum Schluss - das Spannungsniveau hat das ganze Buch hindurch bestanden - das Ende passt gut, war nicht zu vorhersehbar, aber dennoch authentisch.
Candice Fox hat auch hier wieder bewiesen, dass ihre Bücher ein Must-Have in meinem Bücherregal sind.
Rezensionen von LadyIceTea:
Zerbrechlich und doch so stark
The Music of What Happens von Bill Konigsberg
Max und Jordan haben nicht viel miteinander zu tun. Während Max Sport und Videospiele liebt und gern mit seinen Jungs abhängt, ist Jordan eher introvertiert, schreibt Gedichte und trifft sich mit seinen beiden besten Freundinnen in der Mall. Erst, als sie gemeinsam im alten Food-Truck von Jordans Vater arbeiten, lernen sie sich besser kennen.
Und ganz langsam merken die beiden, dass zwischen ihnen vielleicht mehr ist als bloß Freundschaft.
„The music of what happens“ hat mich in mehr als einer Hinsicht überrascht. Ich habe eine typische Coming-Of-Age Geschichte erwartet, nur eben im Queer-Teen-Lovestory-Bereich. Bekommen habe ich das auch irgendwie aber ich habe nicht erwartet, dass so ernste Themen behandelt werden und mich der Schreibstil so mitnimmt.
Der Schreibstil ist wirklich vielschichtig. Im Großen und Ganzen ist er trocken und langsam, wie die flimmernde Luft an einem heißen Sommertag. Dieses Gefühl gehört zu dieser Geschichte und wird vom Autor perfekt in seine Erzählungen gelegt. Er erzählt die Geschichte von Jordan und Max abwechselnd aus der jeweiligen Sicht und nicht nur durch die Kapitelüberschriften wird klar, wer grade erzählt.
Max ist der Grinsetyp. Er ist beliebt, cool und selbstbewusst. Er sieht gut aus und ist sportlich. Aber für sich, ist er ebenso verletzlich wie alle anderen. Und er ist unheimlich sensibel, mutig und liebevoll. Jordan ist all das was Max nicht ist. Er ist der uncoole, picklige Typ, der nichts richtig schafft. Aber er kümmert sich um seine Mutter und er hat ein Herz aus Gold. Ja, er ist ängstlich und hat ein so schlechtes Selbstbild, dass ich zusammen mit Max verzweifelt bin aber er hat die Eigenschaft das Beste aus Max herauszuholen und ihn und seine Freunde dazu zu bringen, mehr aus der Freundschaft zu machen. Und er verlässt seine Komfortzone immer und immer wieder und wächst über sich hinaus.
In diesem Buch geht es um Freundschaft, Liebe, Homosexualität, Trauerarbeit, Spielsucht, Depressionen, sexuellen Missbrauch, Familie, Vertrauen und Mut. Durch all diese Themen wird die Geschichte unglaublich empfindsam und zerbrechlich, so wie die zwei Jungs um die es geht. Doch beide gehen mit allem unglaublich stark um und genauso stark ist gleichzeitig auch diese Geschichte. Besonders hervorstechend ist der liebevolle Umgang miteinander und die Botschaft, dass wir miteinander reden und füreinander da sein müssen.
Ein unglaublich tolles und vielschichtiges Buch, welches ich immer wieder weiterempfehlen werde!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich gut unterhalten
Teatime mit Lilibet von Holden Wendy
Marion Crawford, eine junge Lehramtsstudentin aus Schottland, hat sich in den Kopf gesetzt, Kinder aus den Slums zu unterrichten. Doch es kommt anders und unversehens findet sie sich für ein Probemonat als Gouvernante im Haus der Yorks wieder. Sie soll zwei kleine Mädchen, die behütet, aber ohne jegliche Grenzen aufwachsen, unterrichten: die Namen der Mädchen Elizabeth und Margret.
Aus dem Probemonat werden 16 Jahre, in denen Marion, die alle Welt nur „Crawfie“ bei den Yorks, die sich dann Windsors nennen, verbringt. Denn als ihr Großvater König George VI. im Jänner 1936 stirbt, geht die Krone vorerst an Edward VIII., der bereits im Dezember desselben Jahres abdankt. Nun ist der Vater der beiden Mädchen König und für Elizabeth und Margret ändert sich einfach alles.
Leider wird Marions Engagement von ihren Arbeitgebern nicht wirklich gewürdigt. Mit der ihnen eigenen Nonchalance, die schon an Chuzpe und Ausbeutung grenzt, wird von Marion allerhand abverlangt und das bei relativ mieser Bezahlung. Mehrmals versucht sie, zu kündigen, was aber an der manipulativen Art der Queen scheitert.
Marion verzichtet auf ihr persönliches Glück und versucht so gut es geht, den beiden ein Leben außerhalb des goldenen Käfigs zu zeigen. Es gelingt ihr nur bedingt, denn die Hofkamarilla hat anders mit der Thronfolgerin vor. Immerhin sind Marion und Elizabeth einmal U-Bahn gefahren.
Letzten Endes ist Marion ihrer Illusionen beraubt. Sie fällt quasi in Ungnade, weil ihr ewig klammer nichtsnutziger Ehemann, sie zu einem Zeitungsartikel über die Thronfolgerin überredet.
Fazit:
Dieser Roman, der Fakten und Fiktion gut miteinander verquickt, ist flüssig geschrieben. Allerdings hätte ich mir ein ausführlicheres Nachwort gewünscht.
Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten, auch wenn ich über das britische Königshaus manchmal den Kopf schütteln musste. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich sehr gut unterhalten
Uhudler-Verschwörung von Thomas Stipsits
Der Uhudler-Weinbauer Alois Stipsitis, nicht, soweit bekannt, mit dem Autor verwandt oder verschwägert, wird tot in seinem Weinkeller gefunden. Obwohl sowohl die örtliche Polizei als auch der Totenbeschauer von einem gewöhnlichen Gärgasunfall ausgehen, kann es der, nach einem Einkaufsbummel mit Mutter Baba, zufällig vorbeikommende Gruppeninspektor Sifkovits vom LKA Eisenstadt nicht lassen, und wittert einen Mordfall.
Sehr zum Missfallen seines Chefs, der lieber den Hühnerdieb gefangen sehen will, der in Stinatz sein Unwesen treibt, beginnt der eigenbrötlerische Sifkovits Fragen zu stellen. Dabei kommen einige Geheimnisse ans Tageslicht, die man lieber vergessen wollte. Und welche Rolle spielen das rumänischen Erntehelfer-Paar und die falsche Postleitzahl auf einer Übertragungsurkunde?
Meine Meinung:
Die Fortsetzung der Krimi-Reihe rund um den spleenigen Chefinspektor Sifkovits ist Autor, Schauspieler und Kabarettisten Thomas Stipsits gut gelungen. Neben dem Chefinspektor, der eine unverkennbare Ähnlichkeit mit Inspector Columbo ausweist, spielen der Uhudler und die Kopftuchmafia eine prominente Rolle.
Der Uhudler, auch bekannt als „Heckenklescher“ oder „Rabiatperle“ ist jener Wein, der aus Direkträgersorten wie „Isabella“ gekeltert wird. Jahrelang war dieser Wein verboten, weil man ihm, aufgrund eines höheren Anteils an Methanol bei der Gärung, nachsagte, die Leute wenn nicht schon blind, dann rabiat werden zu lassen. Allerdings findet der Uhudler nicht nur in den (gesetzliche) beschränkten Anbaugebieten der Region Südburgenland, seine Liebhaber.
Nach und nach erschließen sich dem Chefinspektor die streng gehüteten Geheimnisse rund um den Alois. An der Aufdeckung des Mordes hat die Koptuchmafia, die in Stinatz sowohl Social Media als auch die „Kronen Zeitung“ ersetzt, natürlich auch ihren Anteil. Und so ganz nebenbei, geht dem Käsepappeltee-trinkenden Chefinspektor auch der Hühnerdieb ins Netz.
Wer schon einmal im Südburgendland bzw. in Stinatz war, wird wissen, dass der Autor nicht übertreibt, wenn er seine Charaktere auftreten lässt.
Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung, die mich bestens unterhalten hat und dafür 5 Sterne erhält.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Dresden 1945
Die Nacht, als das Feuer kam von Sinclair McKay
Sinclair McKay beschäftigt sich in seinem Buch mit einem dunklen Kapitel des Zweiten Weltkriegs: Mit der Bombardierung von Städten, in denen tausende von Zivilisten im vom Bombenhagel ausgelösten Feuerinferno starben. Stellvertretend für diese Städte steht die Stadt an der Elbe Dresden.
„Die Stadt ist nun zu einer Art Totem für die Obszönität des Totalen Krieges geworden….
Ihr Name wird mit der totalen Vernichtung in Verbindung gebracht.“
Neben einem ausführlichen Vorwort beleuchtet der Autor die Zeit vor, während und nach dem Feuersturm auf Dresden in drei Teilen, die zahlreiche Unterkapitel gefasst sind:
Die Katastrophe rückt näher
Die Schreckensnacht
Das Nachbeben
In den ersten 222 Seiten beschreibt er die Stadt, ihre Bewohner sowie ihre Kunstschätze und spart dabei die Nazi-Größen und ihre Propaganda nicht aus.
Anschließend wendet er sich unter anderem den Besatzungen der Flugzeugstaffeln, jenen jungen Männern der Royal Airforce und den amerikanischen Luftstreitkräften, die Tag für Tag, Nacht für Nacht ihre Bomben über die Städte des Deutschen Reiches abwarfen, zu.
Im Mittelteil wird der gewaltige Feuersturm der Nacht des 13. auf den 14. Februar 1945 detailreich geschildert. Technisch, sachlich, wie die Vorbereitungsarbeiten laufen, wie der Feuersturm vorbereitet wurde. Wann welche Bomben fallen, zuerst die „Christbäume“, dann die „Wohnblockknacker“ und letztlich die Stabbrandbomben, die alles was noch übrig ist, in Flammen aufgehen lassen. Dazu kommen Menschen zu Wort, die als Augenzeugen das Inferno er- und überlebt haben. Das sind zum Beispiel der jüdische Schriftsteller Victor Klemperer, der mit einer arischen Frau verheiratet ist und gerade noch den Transport ins KZ entkommen ist, oder Kurt Vonnegut, ein Amerikaner, der als Kriegsgefangener den Feuersturm miterlebt und später einen Roman darüber schreiben wird.
Im dritten Teil „Nachbeben“, es ist März/April 1945 und die Menschen sind mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Sie haben keine Zeit zu trauern, sie müssen überleben. Auf S. 446 wird beschrieben, wie ein Gruppe junger deutscher Soldaten, kaum alter als 17, auf dem Dachboden einer Villa eine Märklin-Modelleisenbahnanlage finden und damit spielen. Für wenige Stunden können sie den Krieg, den Albtraum vergessen.
Neben den Dresden wurden ja auch andere Städte Deutschlands zerstört. Man darf auf Hamburg verweisen, das bereits Ende Juli/Anfang August 1943 der „Operation Gomorrha“ zum Opfer gefallen ist und rund 35.000 Tote zu beklagen hatte. Die Opferzahl in Dresden ist immer noch höchst umstritten und wird nach neuesten Erkenntnissen mit bis zu 25.000 angegeben. Die oft 6-stelligen Zahlen stammen aus der Propagandawerkstatt von Joseph Goebbels. Es ist müßig, über die Gesamtanzahl der Toten zu streiten. Ebenso können die berichteten Tieffliegerangriffe verifiziert werden. Auch Historiker Sven Kellerhoff kann keine historisch haltbaren Beweise finden. Nach heutigem Standard sind solche Flächenbombardements als Kriegsverbrechen anzusehen. Doch damals waren die Stimmen, die solches angedeutet haben, zu leise. Der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki standen ja noch bevor.
Meine Meinung:
Der Autor hat sich redlich Mühe gegeben, in den Archiven der Stadt Dresden alte Urkunden, Berichte und Akten einzusehen, die den Feuersturm überdauert haben. Zahlreiche Zitate aus Briefen und Zeitzeugenberichte lassen die schreckliche Nacht des Februars 1945 wieder auferstehen.
Erschreckend ist für mich die Wiedergabe der Befehle bzw. Korrespondenz zwischen Winston Churchill und Arthur „Bomber“ Harris.
Der erste Teil scheint ein wenig zu ausführlich geraten zu sein, denn es dauert „ewig“ bis Sinclair McKay zum Thema kommt. Doch im Nachhinein betrachtet, sind diese vielen kleinen Details notwendig, um die Ereignisse, wenn schon nicht zu verstehen, wenigstens zu sichten und zu sortieren.
An manchen Stellen, vor allem zu Beginn, holpert die Übersetzung, was einen Stern kostet. Nebenbei habe ich bei den historischen Fakten den einen oder anderen kleinen Zweifel. Denn ich habe vor einigen Jahren Alexander McKees „Dresden 1945. Das deutsche Hiroshima“ und Götz Berganders „Dresden im Luftkrieg“ gelesen.
Fazit:
Dieses Buch zeigt, dass der Krieg zwar Sieger und Besiegte hervorbrachte, aber keinen Gewinner, sondern nur Opfer - auf beiden Seiten. Gerne gebe ich diesem Sachbuch, das Zahlen, Daten und Fakten gemeinsam mit Augenzeugenberichten das Grauen dieses Feuersturms lebendig werden lässt, 4 Sterne.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Fantasievolle Abenteuerreise für Kinder ab 8
Charlie - Ein Schulbus hebt ab von Irene Zimmermann
In der Geschichte geht es um vier Schüler, die mit dem Schulbus auf dem Weg ins Internat Dreistein sind: der musikalische Luke, der nörgelnde Frank, die kluge Maisie und Will, die Hauptfigur, die dazu noch ziemlich verknallt in Maisie ist. Als dann plötzlich das Chaos ausbricht und der Schulbus namens Charlie sich selbstständig macht, abhebt und schließlich anfängt zu sprechen, beginnt ein ziemlich verrücktes Abenteuer.
Besonders reizvoll an dieser Story sind die ungeklärten Fragen, die sich auftun und das Weiterlesen vorantreiben: Warum spricht ein Schulbus? Warum kann Charlie fliegen? Wo will er mit den Kindern hin? Insgesamt gibt es darauf schlüssige Antworten, die dann aber nicht so spektakulär waren, wie erhofft. An dieser Stelle wird nicht zu viel verraten, aber es gibt nur zwei Reiseziele und keine Weltenbummlerei - allerdings zwei wirklich spannende Orte und da eine Fortsetzung geplant ist, gibt es auch noch mehr Reiseziele in weiteren Büchern. Außerdem geht es vor allem um die vier Kinder, ihren Umgang miteinander und wie sie gemeinsam Probleme bewältigen. Am Ende blieb für uns der Eindruck zurück, dass man daraus viel mehr hätte machen können. Die Illustrationen haben ihren eigenen Charme und bilden mit den schwarz-weiß-gelb Colorationen einen stimmigen Bezug zu dem gelben Schulbus Charlie. Der fluchende Ausdruck Schei**, der gleich mehrmals auf Seite 112 gebrüllt wird, hat in einem Kinderbuch ab 8 Jahren meiner Meinung nach aber nichts zu suchen - ansonsten aber sprachlich ansprechend und altersgerecht.
Fazit: Ein fantasievolles Abenteuer mit spannenden Elementen, abwechslungsreichen Charakteren, einem humorvoll nervigen Schulbus, magischen Substanzen und tierischen Herausforderungen. Beflügelt die Fantasie und ist für die kurzweilige Unterhaltung gut geeignet.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine unbedingte Leseempfehlung!
Die verratene Generation von Christian Hardinghaus
Christian Hardinghaus, Historiker und Autor von Krimis und Sachbüchern, hat nach seinem letzten Buch „Die verdammte Generation“, in dem die letzten männlichen Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges zu Wort gekommen sind, nun 13 Frauen dieser Generation die vermutlich letzte Möglichkeit gegeben, über ihre Erlebnisse zu sprechen.
Noch 75 Jahre nach Kriegsende ist es nicht leicht, über die traumatischen Ereignisse zu sprechen. Umso mehr muss man den Frauen, alle zwischen 90 und 100 Jahre alt, danken und Respekt zollen, dass sie zu Christian Hardinghaus Vertrauen gefasst und über Flucht und Vertreibung, Bombenangriffe, schwanger sein im Dritten Reich sowie über die allgegenwärtige Angst vor Vergewaltigung und Tod, gesprochen haben.
Bevor sich der Leser mit den 13 Frauen widmen kann, gibt es einführende Kapitel. Wie es sich für einen Historiker gehört, sind diese sehr sachlich, kompetent und nicht wertend verfasst. Diese Einführung ist notwendig, um den Lesern von heute die Zu- und Umstände von damals näher zu bringen. Oft wird nämlich, mit dem Wissen von heute, der Generation unserer Großeltern und Eltern der Vorwurf gemacht, nicht bzw. Nicht genügend gegen die NS-Diktatur eingetreten zu sein. Für uns, die wir seit 1945 in Frieden leben, ist es, schwer nachzuvollziehen, wie es damals wirklich war.
In vier großen Kapiteln, von denen die ersten beiden eben die Zeitgeschichte erklären, nehmen wir Anteil an den Biografien der 13 Frauen.
Die Angst der Deutschen vor der Erinnerung
Frauen im Zweiten Weltkrieg: verführt, verbraucht, verraten und vertrieben
Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten
Bombenkrieg gegen Deutschland
Auch Kapitel 3 und 4 beginnen jeweils mit einer Einleitung, die den historischen Kontext beleuchtet.
Dann kommen die betagten Damen zu Wort, die schier Unglaubliches erlebt haben. Sei dass sie, nach 1945 aus dem ehemaligen Protektorat Böhmen und Mähren innerhalb weniger Stunden brutal vertrieben worden sind, obwohl ihre Familien seit mehreren Generationen dort ansässig waren oder sei es, dass vor der einmarschierenden Sowjetarmee flüchteten.
Nicht minder dramatisch sind die Schilderungen jener, die in Städten wie Hamburg oder Dresden die Flächenbombardements der RAF und USAAF miterleben mussten.
"Ich musste meinem Vater versprechen, dass ich immer nur in Hochbunkern Schutz suche. Die hielt mein Vater für sicher." (Lore S.244)
Eindrucksvoll erzählen die 13 Frauen, wie zeigen wie eng Tod und überleben nebeneinanderliegen - oft genügen wenige Meter oder ein paar Minuten.
Zwischen den Berichten erklärt der Autor historische Zusammenhänge und technische Details wie z.B. das physikalische Phänomen des Entstehens eines Feuersturms wie bei der „Operation Gomorrha“ (Bombardierung von Hamburg).
Obwohl die Frauen dieser Zeit Unglaubliches geleistet und erlebt haben, sind dieses Schicksale von den Historikern bislang kaum untersucht worden. Nur gelegentlich nimmt sich die Frauenforschung dieses Themas an, wie z.B. Margarete Dörr in ihrem Buch „Durchkommen und Überleben“ oder Sabine Bode mit ihren Büchern zur generationenübergreifenden Traumaforschung, aber sonst?
Diese Lücke in der Geschichtsforschung, wie Frauen im Zweiten Weltkrieg vom Regime verführt, verbraucht, verraten und von den Siegern vertrieben worden sind, versucht Christian Hardinghaus mit diesem Buch zu füllen. Leider bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, denn die bewegten Leben der Zeitzeuginnen neigen sich ihrem Ende zu. Einige haben die Fertigstellung des Buches leider nicht mehr erlebt, andere hingegen können ihre Erinnerungen an die Zeit des NS-Staates noch lesen, obwohl sie dieses gar nicht bedürfen, denn diese Jahre haben sich unauslöschlich in die Psyche eingebrannt. Manche von den Überlebenden zittern heute noch, wenn eine (Feuerwehr)Sirene ertönt.
Hut ab und ein herzliches Danke an die 13 Frauen für ihre sehr persönlichen Erzählungen.
Fazit:
Mit diesem Buch hat Christian Hardinghaus allen jenen Frauen eine Stimme verliehen, die nicht in der Lage waren oder sind, über die alltägliche Gewalt an Frauen und Kindern im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Das Buch verdient volle 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Ausschweifend sprachliches Kunstwerk für Suchende
Die Farbe von Glück von Clara Maria Bagus
Darum gehts:
Die alleinstehende Charlotte und das Ehepaar Jules und Luise vereint der Wunsch nach einem Kind. Während Charlotte den von seiner leiblichen Mutter verlassenen Antoine aufnimmt, verhilft sie außerdem, durch einen Kindertausch in ihrer Rolle als Krankenschwester, Jules und Luise zu einem gesunden Säugling.
Dieser kurze Moment, der unrechtmäßigen, schicksalhaften Einmischung, zerstört das innere Gleichgewicht aller Beteiligten. Letztlich zeigt die Geschichte auf, was Selbstvorwürfe und die Flucht vor den eigenen Gefühlen anrichtet, wie Wiedergutmachung aussehen könnte und warum nur man selbst weiß, was persönliches Glück bedeutet.
Interessant:
Es wird nicht erwähnt in welcher Zeit und an welchem Ort die Geschichte spielt, aber die Autorin spricht von der modernen Welt im Westen und einer östlichen Welt, in der man sich auf das Wesentliche besinnt.
Meinung:
Clara Maria Bagus stellt die innere Zerrissenheit ihrer Protagonisten so bildhaft dar, dass man als Leser oder Leserin nicht an der Botschaft vorbeikommt: Schuldgefühle, Angst, Trauer, Vergebung, Mut - die ganze Palette der Emotionen sind Teil des Lebens - und dass ein einziger Moment ausschlaggebend sein kann, um einen Richtungswechsel zu vollziehen. Die Autorin findet für komplizierte Empfindungen treffende Worte, beschreibt bildhaft, lebendig und klug. Die Charaktere entwickeln sich durch Lebenserfahrung und Einfühlungsvermögen - erst ihre Erfahrungen und Demut führt zu tiefer Weisheit. Sie suchen den Kompromiss zwischen Extremen und die beste Lösung für problematische Lebenssituationen. Ich fand einige wirklich schöne Textstellen, die mich berührt haben -, aber irgendwann war ich die, sich immer wiederholenden Lebensweisheiten, überdrüssig: „Das Leben ist kein Spaziergang…“ Oder: „Wer beim Absturz die Arme ausbreitet, fliegt.“ Die Handlung wirkt wie ein Maschendrahtzaun, vollgestopft mit philosophischen Ansätzen und spirituellen Weisheiten, um die Lücken zu füllen. Die Gegenüberstellung einer Mutter, die ihrem Sohn Mut macht, seinen eigenen Weg zu gehen, und einer Mutter, die ihrer Tochter ihre persönlichen Wünsche und Sehnsüchte aufzwingen möchte, wirkt bisweilen ein wenig platt. Ebenso, die erfahrenen, alten Ratgebenden, die an abgelegenen Orten nur darauf warten, ihre Erkenntnisse mitzuteilen.
Fazit:
Ein durchwachsener Roman, der seinen Sog durch die verwobenen Schicksale unterschiedlicher Menschen entfaltet, lebensverändernde Gespräche und fragmentierte Gefühlswelten sichtbar macht - spirituell, philosophisch, ausschweifend pathetisch und zuweilen melodramatisch -, jedoch in einer märchenhaften Welt spielt, die den Hang zur Realität verliert und von mystischem Schicksal und konturlosen Charakteren geprägt ist.
Rezensionen von Claudia R:
spannendes Tierreich
Der Klang der Tiere. In der Wildnis von Butterfield Moira
Klappentext:
Komm mit auf eine Reise um die Welt und lausche den Stimmen wilder Tiere. Das Brüllen eines Tigers erschallt im Dschungel, der Gesang eines Wals erklingt durch den Ozean und der Schrei eines Kattas ertönt hoch in den Baumwipfeln. Die Geräusche der Tiere und die farbenfrohen Illustrationen fangen den Zauber der Natur ein.
Cover:
Das Cover zeigt die farbenfrohe und bunte Tierwelt auf unserem Planeten. Da gibt es allerhand zu entdecken und zu bestaunen. Das Cover ist sehr farbenfroh und macht neugierig auf mehr.
Meinung:
Das Buch beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Lebensräumen auf unserer Erde. Von den Ozeanen, über Madagaskar, hin an den Atlantik und über das karibische Meer. Dort lernt man die unterschiedlichen Bewohner dieser Gebiete kennen und was es alles für unterschiedliche Tiere gibt und was diese so besonders macht.
Neben die vielen wissenswerten Informationen und Fakten, gibt es auch immer wieder eine kleine stimmliche Kostprobe von einigen der aufgeführten Tiere. So hört man Kattas, oder auch Tiger.
Zu viel möchte ich hier jedoch nicht verraten, da ich nicht zu viel vorweg nehmen möchte.
Das Buch ist sehr informativ und auch als Erwachsener kann man hier noch allerhand lernen. Die Informationen sind nicht zu umfangreich, sondern altersentsprechend und gut zusammen gefasst. Auch lernt man hier allerhand bedrohte Tierarten kennen und so auch mehr zum Tier- und Artenschutz. Ein sehr informatives und wissensreiches Buch, welches anschaulich und begreiflich dies übermittelt.
Die Soundfunktion kann man durch einen Schalter auf der Rückseite des Buches an und ausstellen. Die Soundfunktion macht einen zusätzlichen gewissen Reiz des Buches aus. So bekommt man nicht nur trocken Wissen übermittelt, sondern durch die Geräusche kann man diese auch mit etwas verbinden und sich die Fakten besser einprägen.
Fazit:
Eine tolle Mischung aus Wissen, Fakten, sowie spannenden, tierischen Informationen und geräuschlicher Untermalung.











