Kunden em pfehlungen
Rezensionen von heinoko:
Unterhaltsamer, brillant recherchierter Roman mit Tiefgang
Berlin Friedrichstraße: Novembersturm von Ulrike Schweikert
Was für eine fleißige Autorin, die nach den Büchern über die Charité nun den ersten Band einer neuen Trilogie vorlegt, wiederum brillant bis in die letzten Feinheiten recherchiert. Wirklich beeindruckend!
Wir befinden uns im Jahr 1920. Das Jahrhundertbauwerk Bahnhof Friedrichstraße ist im Roman eigentlich nur ein Aufhänger, ein Symbol für den Weg Berlins zur Weltstadt.
Sehr viel mehr geht es um drei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, um ihre individuellen Lebenswege, die den sehr spannenden Spagat zwischen moderner, selbstbestimmter Frau und angepasster traditioneller Frauenrolle verkörpern, um die nahezu unüberbrückbare Kluft zwischen Arm und Reich zu zeichnen. Luise ist Sekretärin bei der Sittenpolizei. Sie hat ihre große Liebe Johannes im Krieg verloren, er ist verschollen. Der junge Architekt Robert bekommt den Auftrag, am Neubau des Bahnhofs Friedrichstraße und an der Planung der ersten U-Bahn Berlins mitzuarbeiten. Er heiratet Luise und stürzt sich in die Arbeit. Ilse, die Schwester von Johannes, ist Künstlerin durch und durch. Sie liebt Frauen, sie liebt Tanz und Gesang und sie hat ein besonderes Händchen, wunderbare Kleider zu entwerfen. Ella lebt im Hinterhaus, ist wenig gebildet, arbeitet als Verkäuferin. Im Verlauf der Jahre erleben wir mit, wie die politischen Veränderungen ihren Tribut fordern, wie Arbeitslosigkeit, Inflation, Judenhass und die wachsende Macht der Braunhemden das Leben aller verändert.
Ulrike Schweikert schreibt wie gewohnt fesselnd und detailreich. Man ist sehr schnell gefangen in den Geschehnissen rund um Luise, Ilse und Ella. Dank der bildhaften, eindrücklichen Beschreibungen fühlt man sich den Personen und ihren Erlebnissen sehr nahe. Großartig, wie es der Autorin gelingt, so vielen Berühmtheiten dieser Zeit ein Plätzchen im Roman einzuräumen. Ganz unspektakulär in die Handlung eingestreut richtet sie den Blick auf diese Persönlichkeiten, die mir dank meines fortgeschrittenen Alters allesamt auch noch ein Begriff waren. Welch eine interessante Zeit, in der man solch besonderen Menschen begegnen konnte. Ulrike Schweikert hat diese intellektuell und künstlerisch besondere Zeit gekonnt und ohne unnützen Ballast sehr fein dargestellt. Auf ebenso bewundernswerte Weise ist es der Autorin gelungen, in ausgewogenem Maß die einschneidenden politischen Bewegungen in den Jahren 1920 bis 1933 in ihren folgenschweren Zusammenhängen darzustellen und deutlich zu machen, auf welchem Nährboden rechtes Gedankengut wachsen kann. Genau dadurch hebt sich der Roman weit heraus aus der Masse der reinen Unterhaltungsromane.
Fazit: Ein unterhaltsam-fesselnd zu lesender Roman, mit historisch fundiertem Tiefgang
Rezensionen von nanu?!:
Echt nervig diese sprunghafte Erzählweise
Der letzte Rabe des Empire von Patrick Hertweck
1888 - Ein Serienmörder sorgt in London für Angst und Schrecken.
Der Straßenjunge Melvin beginnt auf eigene Faust dem Ganzen nachzugehen. Das er jedes einzelne Opfer persönlich kannte, kann einfach kein Zufall sein.
Doch ohne es zu ahnen, bringt Melvin sich bald selbst in großer Gefahr.
Dies war mein erstes Buch des Autors, und es wird bestimmt auch das letzte gewesen sein, denn der Funke wollte so gar nicht überspringen.
Schuld daran waren vor allem die vielen, schrecklich kurzen Kapitel. Und jedes Mal wenn ein Kapitel endet, wechseln auch der Schauplatz und die Figuren. Diese ständigen Perspektivwechsel sollen wohl das Tempo der Geschichte erhöhen, ich fand es nach einer Weile aber einfach nur anstrengend zu lesen. Nie kann man sich auf einen Ort oder eine Figur einlassen, schon endet wieder das Kapitel und zack, andere Figur, anderer Ort, andere Situation.
Im ersten Drittel der Geschichte weiß man überhaupt nicht worum es eigentlich geht. Man schaut nur irgendwelchen Figuren dabei zu, wie sie irgendwelche geheimen Dinge, an irgendwelchen Orten tun. Bevor irgendetwas davon aufgeklärt wird, ändert mal wieder die Szenerie. Und das geht echt eine Weile so, bis sich einzelne Stränge endlich aufklären. Geduld sollte man also unbedingt mitbringen, bevor man dieses Buch anfängt zu lesen.
Sprachlich ist das Buch überraschend anspruchsvoll, wenn man bedenkt, wer die eigentliche Zielgruppe an Leser ist. Fast schon verschwenderisch werden veraltete Begriffe benutzt.
Die Story selbst fand ich schon sehr gut durchdacht und teilweise auch spannend. Aber wie gesagt, die Art wie die Geschichte aufgebaut ist, hat mir überhaupt nicht gefallen.
Rezensionen von Lerchie:
Grandioser Abschluss
Das Schwarze Lied von Anthony Ryan
Dieses Buch ist der Abschluss der Rabenklinge Reihe, die sich um den Helden Vaelin al Sorna dreht. Ihn haben unzählige Fantasyleserinnen und Leser sympathisch gefunden. Doch auch hier ist Vaelin in großer Gefahr, denn der Kriegsherr ist wahnsinnig, aber auch vor ihm selbst droht diese ihm.
Die Stahlhorde hat das Königreich total verwüstet mit Feuer und Blutsturm.
Kehlbrand, Anführer und Warlord, sich selbst zum Gott ernannt, will nun auch die umliegenden Königreiche erobern. Wer soll ihn aufhalten? Nur Vaelin al Sorna könnte das tun. Doch dieser ist auf der Flucht. Seine Arme angeschlagen und fast aufgelöst. Dann gibt es da noch das Schwarze Lied, das sein eigenes Lied des Blutes ersetzen will. Doch es ist kein Segen sondern ein Fluch.
Meine Meinung
Ich hatte bei dem ersten Band der Dilogie einige Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen, da ich das Buch Das Lied des Blutes etc. nicht gelesen hatte. Zwar gehört dies nicht direkt zu dieser Reihe, enthält aber Informationen, die mir fehlten. Ich kannte daher Vaelin al Sorna noch nicht. Auch bei dieser Fortsetzung fiel es mir zunächst nicht ganz leicht in die Geschichte einzutauchen. In diesem Buch geht es mit Obvars Bericht los. Obvar, der ein Bruder Kehlbrands war, der Dunkelklinge. Von diesem Bericht lesen wir zwischendurch immer mal wieder einen Teil aus Obvars Sicht. Das Buch liest sich gut, aber nicht ganz einfach. Man kann nicht es nicht einfach so mal schnell lesen, sondern braucht Zeit dazu, denn man muss es ja auch verstehen. Auch wenn Anthony Ryans Schreibstil nicht kompliziert ist, denn es ist durchaus gut zu lesen. Vaelin al Sorna hat immer wieder Mühe, sich nicht von dem Schwarzen Lied beherrschen zu lassen, das ihn zwingt, Dinge zu tun, die eigentlich nicht in seiner Art liegen. Doch es geht eben darum, dass die Dunkelklinge, also Kehlbrand, nicht die ganzen Länder beherrscht, denn das wäre übel für die Menschen dort, auch wenn viele, beherrscht von der Liebe Kehlbrands, das nicht so sehen. Und doch gibt es immer wieder Menschen in den Ländern, die Kehlbrand nicht einfangen kann. Was dort so alles passiert, und wie es letztendlich endet, das muss der geneigte Leser bitte selbst lesen. Mich hat das Buch letztendlich eingefangen. Ich fand es spannend, es hat mich gefesselt und sehr gut unterhalten. Auch wenn ich am Anfang etwas Schwierigkeiten hatte um reinzukommen, so war das doch nicht sehr lange und es gefiel mir eben so gut, dass ich es gerne weiterempfehle. Doch würde ich auch empfehlen, vorher die Rabenschatten-Trilogie zu lesen um sich mit al Sorna vertraut zu machen. Ich vergebe für dieses Buch die volle Bewertungszahl.
Rezensionen von MeinSohnPrinzAndreas:
Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt
Das Glashotel von Emily St. John Mandel
Vincent ist 13 Jahre alt, als ihre Mutter von einem Ausflug in der Natur nicht mehr zurückkommt. Eine große Veränderung für das Mädchen, dass British Columbia verlassen muss, und fortan bei ihrer Tante in Toronto aufwächst. Als Jahre später auch noch ihr Vater stirbt, kehrt sie schließlich auf Vancouver Island zurück und nimmt einen Job im Luxushotel im Dorf ihrer Kindheit an.
Eines Tages trifft sie dort auf Jonathan Alkaitis, einen Mann, doppelt so alt wie sie, aus dem New Yorker Finanzwesen. So nimmt ihr Leben wieder eine Wendung, als sie ihm an die Ostküste folgt, seine Frau wird, und fortan ein Leben in Luxus führt. Doch dann schlägt die Finanzkrise zu und Vincent sieht sich dazu gezwungen, erneut ihr leben fundamental umzukrempeln.
Sprachlich konnte mich das Buch von der ersten Seite an begeistern. Tiefgehend, atmosphärisch und nebulös. Abgesehen davon, dass diese Kombination sich wunderbar lesen lässt, entsteht auch eine gewisse Distanz zwischen den Leser:innen und den Protagonisten. man nimmt alles scheinbar aus einer unbestimmten Distanz oder durch einen Nebelschleier wahr. Fast schon, als wäre man ein Geist oder hätte Raum und Rahmen des Realistischen verlassen. Zu diesem Gefühl tragen sicherlich auch die ständigen Perspektiv- und Zeitwechsel bei. So entsteht vor allem bei den kapiteln, die auf Vancouver Island spielen, eine wunderbar melancholische Atmosphäre, die mich tief berührt hat. Die nebelverschleierten Tage an der Küste und die abgeschiedene Ruhe der Natur werden schon fast real. Überzeugen konnte mich die Autorin auch mit den Charakterzeichnungen der Protagonist:innen. Auch sie wirken gleichzeitig unnahbar und wie ein Teil des eigenen Lebens zugleich. Vor allem sind sie aber facettenreich, einzigartig, und man merkt, dass sie nicht als Sympathieträger gestaltet worden sind. Sie wirken viel mehr wie gute Freunde, mit Ecken und Kanten, guten und schlechten Seiten, die einem von den letzten Jahren ihres Lebens erzählen. Die Handlung empfand ich als unglaublich spannend, Vincents weg zu sich selbst und die Wendungen die ihr Leben immer wieder nimmt, vor allem aber die verschiedenen Figurenkonstellationen haben mich fasziniert. Allerdings muss ich sagen, dass mich die Handlung rund um das Schneeballsystem nicht ganz so gefesselt hat, auch wenn es wirklich interessant ist, über diese Form des Betrugs zu lesen. Hier muss ich auch sagen, dass die Thematik des finanzbetrugs keine omnipräsente Rolle eingenommen hat und so auf die Geschichte und den Lesefluss gedrückt hätte. Trotzdem aber konnte mich der Dritte Teil des Buches nicht so begeistern, wie die anderen beiden. Ein kleiner Punkt, den ich noch anmerken möchte, ist, dass ich es viel besser finden würde, wenn das Inhaltsverzeichnis sich am Anfang des Buches befinden würde, und nicht erst am Ende, da ich die Kapitelnamen als besonders spannend empfinde und die die Similarität einiger Kapitel während des Lesens gar nicht auffällt, sich dann aber beim Blich auf das Inhaltsverzeichnis gibt. Hierbei muss ich aber sagen, dass ich darin keinen großen Kritikpunkt sehen, sondern viel mehr eine Sache, die mir ohne werten zu wollen, ins Auge gesprungen ist.
Alles in Allem konnte mich die Geschichte aber wirklich begeistern, und alleine aufgrund der atmosphärischen Sprache der Geschichte ist diese eine große Empfehlung.
Rezensionen von KimVi:
Faszinierende Fortsetzung
Die Schwestern vom Ku'damm: Ein neuer Morgen von Brigitte Riebe
Berlin, 1966: Das Modekaufhaus Thalheim muss mit der Zeit gehen, um die Kundinnen weiterhin zum Kauf zu animieren. Denn die Mode wandelt sich schnell. Die Röcke werden immer kürzer und die Farben knalliger. Doch Chef-Designerin Miriam Feldmann schafft es mühelos, den Geschmack der Kundinnen zu treffen.
Schwerer ist es dagegen, Friedrich Thalheim von Veränderungen zu überzeugen. Doch auch da beweist Miri, gemeinsam mit ihren Halbschwestern, großes Geschick. Miris Privatleben mit Ehemann Schani und Adoptivtochter Jenny verläuft dagegen ruhiger. Obwohl Jenny mitten in der Pubertät steckt und Miri mit ihrem Verhalten zuweilen an ihre Grenzen bringt. Doch dann ist in Miris Leben plötzlich nichts mehr so, wie es vorher war: denn Miri entdeckt, dass sie nach all den Jahren plötzlich schwanger ist. Und dann trifft sie Moritz wieder und mit dieser Begegnung werden die Erinnerungen an ihrer dunkelsten Stunden, in denen sie sich im Krieg verstecken musste, wieder wach...
"Ein neuer Morgen" ist der vierte Teil der Reihe um die Schwestern vom Ku'damm. Im Zentrum stehen die Thalheim-Schwestern, wobei im ersten Band Rike, im zweiten Silvie und im dritten Flori im Mittelpunkt standen. In "Ein neuer Morgen" dreht sich alles um Miri, die Halbschwester, die sich während des Krieges versteckt halten musste. Da Brigitte Riebe wichtige Hintergrundinformationen in die Handlung einstreut, kann man Miris Geschichte sicher auch dann problemlos folgen, wenn man noch keinen Teil der Reihe gelesen hat. Allerdings hat die Autorin mit den Thalheims eine Familie erschaffen, die einem von Band zu Band mehr ans Herz wächst. Deshalb ist es unbedingt empfehlenswert, die Reihenfolge einzuhalten, um die Weiterentwicklung der Charaktere und der Familienbande zu beobachten.
Der erneute Einstieg in die Reihe gelingt mühelos, denn durch harmonisch in die Handlung eingestreute Hinweise, hat man vorherige Ereignisse wieder im Gedächtnis und kann das Wiedersehen mit den Thalheims genießen. Man fühlt sich wieder als Teil dieser sympathischen Familie und ist gespannt, mehr über Miri und ihre schicksalhafte Vergangenheit zu erfahren. Denn Miri ist Halbjüdin und musste sich daher während des Krieges verstecken, um ihr Leben zu retten. Doch auch in der Gegenwart stehen in diesem Band einige Veränderungen für Miri an. Die Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind von Brigitte Riebe so gekonnt angelegt, dass sie harmonisch ins Geschehen einfließen.
Auch in diesem Band gelingt es der Autorin hervorragend, den damaligen Zeitgeist so zu beschreiben, dass eine ganz besondere Atmosphäre zwischen den Zeilen schwebt. Historische Begebenheiten fließen ins Geschehen ein, wodurch die fiktive Familie Thalheim und die Schicksalsschläge und Erfolge, die sie durchleben, noch authentischer wirken. Man hat quasi das Gefühl, selbst zur Familie zu gehören und alles hautnah mitzuerleben. Dadurch kann man ganz ins Geschehen eintauchen und jede einzelne Zeile genießen.
Eine Familiengeschichte, die so fesselnd und authentisch erzählt wird, dass man das Gefühl hat, selbst Teil dieser Familie zu sein. Absolute Leseempfehlung!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine gelungene Fortsetzung
Tote Schwaben leben länger von Max Abele
Dieser zweite Fall für Eugen Querlinger hat es in sich: Aus dem beliebten Ausflugsziel Federsee werden zwei Skelette und ein orthopädischer Schuh geborgen. Liegezeit der menschlichen Überreste mehr als dreißig Jahre. Wenig später beginnt eine Mordserie an Obdachlosen. Aber, als dann ein saturierter Unternehmer erschossen wird, ist die Idee vom Obdachlosen-Hasser schnell vom Tisch, denn auch dieses Mordopfer hat ein Tatoo mit einem fünfblättrigen Kleeblatt.
Eugen Querlinger und sein Team stehen vor einem Rätsel.
Meine Meinung:
Wie schon in seinem ersten Fall („Nut tote Schwaben schweigen“) geht Autor Max Abele auf die Eigenarten der Schwaben ein. So kommt deren trockener, oftmals schwarzer Humor sehr gut zur Geltung. Über das Einflechten des schwäbischen Dialekts musste ich häufig lachen. Dass hier ausgiebig geschimpft und geflucht wird, stört nicht, denn man tut es auf schwäbisch.
Ebenso darf sich Querlinger zwischendurch an deftigen Speisen laben. Die Seitenblicke in sein Privatleben und die verbalen Scharmützel mit dem Reporter sowie die nervige Familie Weißenbrugger waren mir persönlich fast ein wenig zu viel.
Gut gefällt mir die Teamarbeit, die immer wieder Platz für eigene Ermittlungsansätze der einzelnen Teammitglieder bietet. Auch hier darf geschwätzt werden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Und Zeit für den einen oder anderen philosophischen Erguss gibt es auch:
„Gegen das Fehlschlagen eines Planes gibt es keinen besseren Trost, als auf der Stelle einen neuen zu machen oder bereitzuhalten.“ (J.-P. Sartre, S. 242)
Ein paar Seiten später zitiert Querlinger erneut Jean-Paul Sartre:
„Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug.“ (S. 253)
Herrlich sind die Namen, die sofort eine Assoziationskette hervorrufen.
Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 4 Sterne gebe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Enttäuschend langatmig
Die letzte Tochter von Versailles von Eva Stachniak
Der französische König Ludwig XV. hat ein Faible für blutjunge Mädchen. Sein Kammerdiener Lebel sucht ständig in den ärmlichen Straßen von Paris nach Nachschub. So gerät die junge, schöne Véronique seinen Focus. Für Véroniques Mutter, eine Altkleiderverkäuferin, ein gutes Geschäft: ein Maul weniger zu stopfen und erhoffte Beziehungen zum Hof.
Das Mädchen selbst wird in ein Haus am Hirschpark gebracht und lernt, wie man sich am Hof bewegt. Dann wird sie einem „polnischen Grafen“ zugeführt, der natürlich niemand anderer als Ludwig ist. Als sie schwanger wird, ist es vorbei mit dem feudalen Leben, denn als sie erfährt, wer der Kindesvater ist, spricht sie das auch mehrfach aus - ein gefährlicher Fauxpas. Man nimmt ihr, wie üblich das Kind weg. Marie-Louise wächst zunächst als Mündel von Bediensteten auf und wird später an eine Hebamme weitergereicht, deren Beruf sie erlernt.
Sie heiratetet Pierre, einen Advokaten, und kurz nach der Revolution von 1789 kommt das Gerücht auf, sie sei eine Tochter des Adels.
Meine Meinung:
Ich kenne die historischen Romane der Autorin, die im Zaren-Reich spielen und habe mich auf einen ähnlichen opulenten Roman gefreut. Doch leider wurde ich ziemlich enttäuscht.
Véroniques Geschichte wird einfach langatmig und wenig fesselnd erzählt. Die Autorin verliert sich in zahlreiche nebensächliche Details, die den ohnehin flachen Spannungsbogen weiter abflachen lässt. Selbst die Auftritte einer Madame de Pompadour können die Geschichte nicht retten.
Es dauert gefühlt „ewig und drei Tage“ bis die Leser am Schicksal von Marie-Louise teilnehmen darf. Auch hier, kaum Spannung, obwohl die Handlung während der Französischen Revolution angesiedelt ist, und täglich Köpfe rollen. Da kenne ich spannendere Romane aus dieser Zeit.
Mit den Charakteren werde ich auch nicht so recht warm. Véronique wird als sehr schön, aber etwas dümmlich dargestellt. Sie bemerkt nicht, dass der „polnische Graf“ niemand anderer als der König ist.
Die Dekadenz des Königshofes ist recht gut getroffen. Sie wird unter Ludwigs Enkel, Ludwig XVI. in der Revolution münden.
Fazit:
Dieser historische Roman aus der Zeit des Umbruchs hat mich enttäuscht, daher nur 2 Sterne.
Rezensionen von Claudia R:
fantastisches Spielbuch
Zwergberg von Martin M. Uhland
Klappentext / Inhalt:
Du bist Nick Pulmer, vierzehn Jahre alt und du sitzt in der Klemme. Als du im Keller eures neuen Hauses wieder zu dir kommst, hast du dich in einen Zwerg verwandelt. Dein zwölfjähriger Bruder Tim, ein Autist, ist verschwunden.
Du erfährst, dass eine Hexe ihn entführt hat.
Obwohl du glaubst, im falschen Film gelandet zu sein, machst du dich auf die Suche nach Tim, dessen Zahlengedächtnis offensichtlich für jemanden von großer Bedeutung ist.
Auf deinem Abenteuer begegnest du skurrilen Lebensformen in einer unterirdischen Kuppelwelt. Schließlich wird dir klar, dass die Vorgänge in dieser fantastischen Welt mit deinem realen Leben zusammenhängen.
Genomik, die Firma, für die dein Stiefvater arbeitet, steckt mit drin. Es geht um eine Genschere, ein Super-Genom und die Idee vom ewigen Leben.
Nach dem Konzept eines Spielbuches werden den Lesern unterschiedliche Entscheidungsmöglichkeiten angeboten, sodass sie das Geschehen aktiv beeinflussen können.
Cover:
Eine fantastische, monströse bzw. ungewöhnliche Gestalt ziert das Cover und schaut einen direkt mit seinen gelben Augen an. Ein Blick der fesselt und neugierig auf mehr macht. Das Cover ist fantasiereich gestaltet und farblich und zeichnerisch gefällt es mir sehr gut. Ein tolles Cover, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht und Interesse weckt.
Meinung:
Bei diesem Buch handelt es sich um eine Spielebuch. Man benötigt keine Würfel oder andere Materialien, sondern legt einfach los mit dem Lesen. Nach und Nach, wird man im Verlauf der Geschichte, auf verschiedene Auswahlmöglichkeiten treffen. Diese entsprechend wird man dann auf verschiedene Seiten verwiesen und erlebt dadurch eine eigene Geschichte, denn so greift man selbst in den Verlauf mit ein, denn es gibt hier viele verschiedene Möglichkeiten, wie diese Geschichte verläuft sich entwickelt und endet.
Es macht wahnsinnig viel Spaß einem solchen Spielebuch zu folgen. Ich habe einige unterschiedliche Möglichkeiten durchgespielt bzw. gelesen und war immer wieder gespannt und fasziniert, was es für verschiedene Möglichkeiten und Verläufe gibt. Es ist sehr vielseitig, kreativ und vielschichtig aufgebaut.
Man versetzt sich in die Lage von Nick Palmer, der nachdem er erwacht, den Schock seines Lebens bekommt. Er hat sich in einen Zwerg verwandelt und steckt nun ziemlich in der Klemme. Zudem ist sein zwölfjähriger Bruder verschwunden. Nick bzw. du hast nun allerhand Entscheidungen zu treffen und nimmst dadurch Einfluss auf den Verlauf.
Das Buch wird aus Sicht von Nick in der Ich-Perspektive geschrieben, daher kommt die Atmosphäre so richtig gut rüber und man hat das Gefühl in Nick zu stecken und seine Entscheidungen mitzutreffen.
Der Schreibstil ist fesselnd, lebendig und sehr angenehm. Man kommt schnell und flüssig voran. Es liest sich sehr locker und gut. Die einzelnen Abschnitte bis zur nächsten Entscheidung haben eine angenehme Länge und ermöglichen einen guten Lesefluss.
Besonders toll finde ich auch die vielen, tollen und kreativen schwarz-weiß Illustrationen, die das ganze zusätzlich untermalen und perfekt zu diesem Buch passen. Die Illustrationen runden die Geschichte richtig gut ab und machen es stylisch zu einem richtigen Highlight.
Die Geschichte selbst ist spannend und fesselnd aufgebaut und durch die verschiedenen Wahlmöglichkeiten und die Einbindung des Lesers wird man hier direkt in die Welt, Charaktere und Geschichte miteinbezogen und erlebt ein für sich ganz eigenes Abenteuer. Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, was es sehr vielseitig und interessant macht. Der Autor hat einen bildlichen und sehr kreativen Erzählstil und es wird hier nicht langweilig. Man kann sich alles gut vorstellen und die Geschichte wirkt fast ein wenig lebendig und sehr fantasiereich.
Fazit:
Ein tolles und spannendes Fantasy Spielebuch, mit vielen kreativen Ideen, zahlreichen Wahlmöglichkeiten und wundervollen Illustrationen, die das Ganze perfekt abrunden.
Rezensionen von Ele:
Weihnachten mit Esther und Sue
SCHWEIG! von Judith Merchant
Schweig!, Thriller von Judith Merchant, Ebook, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
Ein unheimlich intensives Kammerspiel um eine toxische Beziehung, in der nichts so ist, wie es scheint.
Obwohl Esther einen Tag vor Heiligabend noch vieles zu tun hat, will sie hinaus in den Wald fahren um ihre Schwester zu besuchen und ihr ein Weihnachtsgeschenk zu überbringen.
Seit ihrer Scheidung lebt Sue dort ganz alleine in einem riesigen Haus, Esther fühlt sich als ältere Schwester verantwortlich ob es Sue auch wirklich gut geht. Ihr kommt es so vor, als ob Sue sie ganz schnell loswerden wolle, hat sie etwas zu verbergen? Isst sie genug? Und nimmt sie ihre Medikamente?
Das Buch ist im Stil eines Kammerspiels geschrieben, die Kapitel sind im personalen Stil abwechselnd aus der Sicht der beiden Schwestern geschrieben, im letzten Drittel kommt auch Martin, der Mann von Esther zu Wort. Die Dramatik dieses Buchs hat mich sofort erfasst, mitgenommen und nicht mehr losgelassen, in jeder freien Minute habe ich gelesen. Der Spannungsbogen beginnt hoch, steigert sich noch durch ungeahnte Wendungen, das unerwartete Ende hat mich dennoch verblüfft. Zuerst scheint die Lage klar, Esther die perfekte Ehefrau und Mutter, betüttelt ihre kleine Schwester und will ihr trotz der Ablehnung der jüngeren eine kleine Weihnachtsfreude bescheren, bezeichnet sie sie doch als ihre größte Baustelle. Je tiefer ich in die, ja fast schon toxische Beziehung, der beiden Schwestern eintauche, desto mehr stellt sich die Frage, welche der beiden Schwestern hat eigentlich ein psychisches Problem? Im Verlauf der Lektüre wird mir Esther immer unsympathischer, sie ist manipulativ, rechthaberisch und gemein. Und hier leidet nicht nur ihre Schwester, sondern sie will ihre ganze Familie in der Hand haben, sehr darunter leidet auch Martin ihr Ehemann. Dem Plot konnte ich zu jeder Zeit folgen, die Charaktere sind gut herausgearbeitet, handeln nicht immer nachvollziehbar aber authentisch. Lieblingsfigur hatte ich keine. Jedoch hat sich m.E. Sue im Lauf der Geschichte zu ihrem Vorteil entwickelt, was die Aussicht am Ende, fürchte ich, jedoch wieder zunichte gemacht hat.
Die Perspektivenwechsel in den einzelnen Kapiteln erzeugen Spannung, es ist interessant zu erleben, wie verschieden einzelne Situationen von den Handelnden wahrgenommen werden. Dass es für eine Figur nicht gut ausgeht, erfährt der Leser schon aus dem Klappentext, doch bis zum Schluss konnte ich nicht ahnen, wer das sein könnte. Dies war für mich das erste Buch, welches ich von Judith Merchant gelesen habe, bin aber nun auf Atme! neugierig geworden.
Besonders gut fand ich die schlagfertigen Dialoge, sie haben die Geschichte lebendig gemacht. Ich fühlte mich hervorragend unterhalten, hatte Herzklopfen, habe immer wieder den Kopf geschüttelt und manchmal nicht glauben wollen was ich da las, ein Psychothriller beklemmend, perfide und gruselig, ein wahrer Pageturner.
Mich hat Schweig! unbedingt an das Kammerspiel „Der Gott des Gemetzels“ erinnert. Wer Bücher in diesem Stil mag, wird diesen Thriller mögen, von mir 5 Sterne.
Rezensionen von yellowdog:
Geschichte einer Bauernfamilie
Mitgift von Henning Ahrens
Henning Ahrens war mir bisher vor allen als Übersetzer begegnet.
Sein Familien- und Gesellschaftsroman zeigt das Schicksal der Bauernfamilie Leeb über einen langen Zeitraum. Startpunkt ist 1962, aber es geht streckenweise stark in die Vergangenheit. Erstaunlich, wie schnell die Zeiten in diesen Roman wechseln.
Doch so ganz erreichte mich das Buch nicht.
Erkennbar sind die Auswirkungen der Kriegszeit, speziell im Landwirtschaftsbereich. Die im Mittelpunkt stehende Figur ist ein Großbauer, der in Kriegsgefangenschaft war, danach aber seine Familie tyrannisierte.
Es gibt einige starke Bilder im Roman, aber die Handlung packte mich kaum.
Erzählerische Schwächen sind unübersehbar.
Meiner Meinung nach gab es schon eindrucksvollere Romane dieser Thematik.











